Teil 11
Er wachte auf, als ihn etwas Kaltes und Weiches berührte. Vor seinen halb geöffneten Augen verschwamm der Raum im Dunkeln. Eine einzige Kerze brannte auf dem Nachttisch neben seinem. Die Flamme wurde von etwas Glänzendem in ihrer Nähe reflektiert, das seine Augen blendete, als er blinzelte. Etwas Kaltes lag auf seiner Stirn und er griff danach, um es zu entfernen.
„Nicht bewegen."
Es dauerte einen Moment bis Draco Harrys Stimme erkannte. Und noch etwas später verstand er erst, dass dieser ihm eine kalte Kompresse auf die Stirn gelegt hatte. „Was machst du ...?"
„Snape hat gesagt, ich soll versuchen, dich etwas abzukühlen", murmelte Harry und schielte zur Tür, als würde Severus davor stehen und lauschen. „Dein Fieber ging nicht schnell genug runter."
Das Bett bewegte sich, als Harry sich vorsichtig auf den Rand setzte, damit er sich nicht aus Versehen auf Dracos verletzter Hand niederließ, die auf einem weichen Kissen lag. Draco runzelte die Stirn und versuchte eine Faust zu machen. Seine Finger krümmten sich leicht und lagen dann still ohne zu zucken. Er konnte sie nicht fühlen. Er schloss seine Augen, drehte sein Gesicht in das Kissen und versuchte nicht zu weinen.
„Wie lange sind wir schon hier?", fragte er.
„Ein paar Stunden. Ich weiß nicht, wann wir angegriffen wurden, aber ich weiß, dass es gerade Frühstück gibt."
Draco hob die Augenbraue. „Woher weißt du das? Hier gibt es keine Uhren."
„Ähm", stammelte Harry. „Ich habe die Glocke gehört. Die erste Glocke, die vor dem Unterricht läutet."
Gryffindors waren lausige Lügner, dachte Draco, ließ es aber auf sich beruhen. Es kümmerte ihn im Moment nicht. Seine Hand war vielleicht unheilbar verstümmelt und sein ganzer Körper schmerzte und sein Rücken ... Er runzelte die Stirn und zuckte versuchsweise mit den Schultern. Nichts. Er rollte mit den Schultern und spürte immer noch nichts. Sein Meister hatte schnell gearbeitet, wenn wirklich erst ein paar Stunden vergangen waren. „Hat Severus irgendetwas für uns dagelassen?"
„Oh ja, ein paar Phiolen mit wirklich widerlichen Zaubertränken. Er sagte, du sollst einen nehmen, sobald du aufwachst." Harry griff nach einem Fläschchen, das auf dem Nachttisch stand, zögerte aber, bevor er es entkorkte. „Du muss ihn nicht trinken. Ich werde es ihm nicht sagen."
„Wieso sollte ich ihn nicht nehmen wollen?" Draco zuckte etwas zusammen, als er sich langsam aufsetzte. Sogar ohne verbrannte Haut tat sein Körper höllisch weh. Er bemerkte auch, dass er nicht mehr seine verbrannten Roben trug, sondern nur ein paar weiche Hosen, wahrscheinlich von seinem Schlafanzug. „Gib her!" Er streckte seine linke Hand aus.
„Er ist aber wirklich widerlich", versuchte Harry es noch einmal, entkorkte die Phiole aber und reichte sie ihm.
Essenz von Lavellan, Draco erkannte den Geruch und trank sie in einem Zug leer. Obwohl es eine Flüssigkeit war, fühlte es sich in seinem Hals trocken an und er griff nach dem Glas Wasser, das neben der Kerze stand. Während er daran nippte, ließ der Schmerz nach, hinterließ aber ein dumpfes Pochen in seinen Muskeln und Gelenken.
„Wie machst du das?", fragte Harry und nahm ihm das Fläschchen wieder ab.
„Was?"
„Dieses Zeugs trinken ohne dass es dir gleich wieder hochkommt." Harry hielt den Flakon in das Licht der Kerze und betrachtete die körnigen Reste, die noch im Glas klebten. „Ich kann normalerweise nicht einmal etwas von Pomfrey trinken, ohne den ersten Schluck wieder auszuspucken. Snapes Zaubertränke lassen ihre wie Süßigkeiten aussehen."
„Ich bin damit aufgewachsen, sie zu trinken." Draco gähnte. „Verdammt, ich bin damit aufgewachsen, sie herzustellen. Wenn du sie fast jeden Tag in deinem Leben brauen musst, dann hörst du auf, sie als ein Ganzes zu schmecken, sondern schmeckst nur die einzelnen Zutaten. Dann sind sie nicht so schlimm."
„Alle Zutaten? Was alles war in der Phiole?", fragte Harry herausfordernd.
„Lavellan und Spinnweben," sagte Draco mit einem geringschätzigen Augenrollen. „Ein einfacher Heiltrank, den ich als Kind gelernt habe. Reagiert nicht mit anderen Tränken oder Zaubern, also hat Severus wahrscheinlich ein paar Zauber über mich gelegt."
Plötzlich kam ihm ein Gedanke. Wenn Snape ihm nur einen so milden Trank geben konnte, bedeutete das, dass auf ihm wirklich ein paar Zauber lagen, und zwar komplexe und mächtige. Vielleicht heilte seine Hand sehr langsam und Severus hatte nur den Schmerz blockiert. Er wusste, er sollte sich keine Hoffnungen machen, aber er konnte nicht anders.
„Was ist während des Kampfes geschehen, nachdem ich bewusstlos wurde?", fragte Harry. „Snape musste etwas gegen die Verbrennungen an meinen Beinen tun. Er sagte, wenn du mich nicht beschützt hättest, wäre es viel schlimmer gewesen."
„Das hat er gesagt?" Draco lächelte. Es war nett, mal etwas anderes zu hören, als das übliche „Dummes Kind".
„Er hat auch gesagt, dass ich Glück gehabt habe, da alle anderen ziemlich üble Verbrennungen davongetragen haben – du auch." Harry starrte ihn intensiv an. „Was hast du gemacht?"
Draco holte tief Luft und seufzte. „Ich bin nicht sicher. Ich habe einen Blitzzauber verwendet, aber im Schloss hätte er sie eigentlich nur schocken sollen. Er hätte nicht so stark sein sollen wie er war. Aber es tut mir nicht leid, dass es so war", sagte er fast herausfordernd zu Harry. „Ich hoffe, sie werden diese Narben ihr Leben lang tragen."
„Narben?", Harry schielte auf Dracos Oberkörper, aber er sah außer der verletzten rechten Hand keinen Schaden. „Wie stark war der Spruch? Warte mal, du hattest deinen Zauberstab doch gar nicht!"
„Ich habe deinen verwendet", sagte Draco und fuhr schnell fort, als Harrys Blick sich verdunkelte. „Ich hatte keine Wahl. Sie hatten dich geschockt und wollten mich töten."
„Wie hast du den Zauber ausgeführt?", fragte Harry langsam.
„Wie meinst du das, den...?"
„Wie du es gemacht hast?", wollte Harry wissen und lehnte sich so vor, dass Draco mit großen Augen zurückwich. „Hermine hat ihn mit Zaubern so stark gegen Diebstahl gesichert, dass du ihn unmöglich hättest benutzen können."
„Ich ... Ich habe nicht ..." Draco blinzelte überrascht. „Ich habe nur nach deiner Hand gegriffen und deinen Zauberstab hochgehalten. Vielleicht war der Zauber deswegen stärker."
„Du hast meine Hand genommen?", fragte Harry und setzte sich wieder zurück. „Du hast meine Hand gehalten, um meinen Zauberstab zu benutzen?"
„Leider hatte ich keine Zeit, erst um Erlaubnis zu fragen. Außerdem hast du nicht losgelassen. Die ganze Zeit, als ich dich durch Slytherin geschleppt habe, hast du deinen Zauberstab nicht losgelassen."
„Du hast mich hierher gebracht?", fragte Harry leise. „Du ... du hast mich vor deinem Fluch geschützt und mich hierher gebracht, während ich bewusstlos war?" Es klang eher, als wolle er es sich selbst erklären, als dass er eine Bestätigung dafür wollte. Er starrte nachdenklich auf die Decke.
Immer noch unsicher, ob Harry ihn nun schlagen würde, wartete Draco bis er tief in Gedanken war, bevor er sich zur Mitte des Bettes zurückzog und sich ein Kissen in den Rücken stopfte, um sich anzulehnen. Er schielte zur Tür und fragte sich, wann Snape zurückkommen würde. Dass weder er noch Harry einen Zauberstab hatten, bedeutete wahrscheinlich, dass die Tür verschlossen war, so dass niemand hinein oder hinaus konnte. Er hoffte, dass irgendwo mehr Kerzen waren, sonst würden sie im Dunkeln sitzen, sobald diese heruntergebrannt war.
Nach ein paar Momenten seufzte Harry und schaute sich um. Im schwachen Kerzenlicht konnte er nur die Umrisse der anderen Betten sehen. „Wie kannst du es aushalten, hier zu schlafen?", fragte er. „Es ist wie eine Gefängniszelle."
„Deswegen heißt es Kerker", sagte Draco und entspannte sich, als er sah, dass Harry nicht mehr verärgert zu sein schien. „Außerdem ist es ruhig. Und du kannst die Vorhänge zumachen...", er zeigte auf die Vorhänge, die an den Bettpfosten zurückgebunden waren, „und in Ruhe lesen."
„Du liest im Bett?", fragte Harry. „Du bist genauso schlimm wie Hermine."
Draco hätte ihn dafür am liebsten angeblafft, aber ein sanftes Aufpoppen am Ende des Betts ließ beide dahin sehen, wo zwei Elfen erschienen waren. In ihren Händen hielt Daffy ein Tablett, das offensichtlich für Draco gedacht war, denn es war schwer beladen mit Törtchen und einer Schüssel heißer Suppe, die ganz am Rand stand als wäre sie erst ganz zum Schluss hinzugefügt worden. Mit einem vernünftigeren Essen und bemüht, nur zu Harry zu schauen, tat Dobby sein Bestes, seinen ehemaligen Herrn zu ignorieren.
„Wir bringen Frühstück", sagte Dobby, und stellte Harrys Tablett auf den Tisch. „Der Schulleiter sagt Ihnen zu sagen, dass er bald kommt und ihm alles schrecklich leid tut."
Mit einem missbilligendem Naserümpfen in Richtung des anderen Elfs bot Daffy ihr Tablett an und wartete bis Draco zustimmend genickt hatte, bevor sie es auf seinen Schoß stellte. Er betrachtete das Angebot und war beeindruckt von der Menge an verschiedenen Törtchen und Süßigkeiten, die sie zubereitet hatte.
„Exzellenter Service", sagte er leise, nicht um zu sehen, wie sie zu strahlen begann, sondern wie Dobby vor Überaschung und verletztem Stolz der Mund aufklappte. In all den Jahren, in denen er den Malfoys gedient hatte, hatte er nie ein Kompliment bekommen. „Daffy, kannst du mir sagen, ob die anderen Schüler von dem Angriff heute Nacht wissen?"
„Oh ja", sagte sie und nickte eifrig mit ihrem Köpfchen. „Alle sprechen darüber, wie ein paar Schüler versucht haben, Master Draco und Harry Potter zu töten und wie sie alle im Krankenhaus sind und weinen."
„Schlimm verbrannt", fügte Dobby hinzu und warf Draco einen anklagenden Blick zu. „Und Professor Snape weigert sich zu helfen, so kann Madam Pomfrey sie nicht schnell genug behandeln. Hat sie ins St. Mungos geschickt, ja, das hat sie."
„Und sie wissen alle, wie Harry Potter Master Draco gerettet hat", übertönte ihn Daffy. „Und wie krank und verletzt Sie sind auch. Alle reden darüber."
„Ist Harry Potter wirklich vor Draco Malfoy gestanden?", fragte Dobby Harry und blickte finster zu Draco. „Das ist bestimmt eine Lebensschuld."
„Ich denke kaum, du gehässiger Wurm," zischte Draco ihn an. „Nicht, nachdem ich ihn in Sicherheit gezerrt habe."
Bevor Dobby oder Harry antworten konnte, griff Daffy Dobbys Handgelenk. „Unnatürlicher Elf", schimpfte sie ihn. „Will frei sein, bekommt ein Gehalt, ärgert nun die Masters ... Wenn du Zeit zu jammern hast, hast du Zeit zu arbeiten." Mit einem unzeremoniellen Pop verschwanden beide.
„Wenn du Zeit zu jammern hast...?", wiederholte Harry.
„Ist ein Hauselfenspruch", antwortete Draco und biss von einem der Törtchen ab. „Dobby wird jetzt eine Menge zu tun bekommen. Er hat das immer von unseren anderen Elfen zu hören bekommen."
„Eure Familie hatte mehr als einen?"
„Ja, wir haben vier. Drei, ohne Dobby." Er gab einen entzückten Laut von sich, als er mit einer Süßigkeit fertig war und nach der nächsten griff, in der die Pfirsichfüllung noch heiß in der zuckrigen Ummantelung war. „Mmh. Daffy hat sich dieses Mal wirklich selbst übertroffen." Er entdeckte eine kleine Schüssel mit Honig hinter den Törtchen und tunkte das Teilchen hinein.
Harry seufzte und begann sein eigenes Frühstück zu essen, indem er ein Würstchen nach dem anderen aufspießte. „Ich nehme an, ich bin der einzige, bei dem du bereit bist, höflich zu sein."
„Er hat angefangen!"
„Wie erwachsen von dir."
„Wenn er gehässig ist, wieso sollte ich dann nett sein?" Er schmollte, als Harry nur den Kopf schüttelte.
Sie aßen schweigend und Draco verputzte ein Törtchen nach dem anderen, bis sein Tablett leer war. Er starrte auf die Suppenschüssel, die noch übrig war. Wahrscheinlich Hühnersuppe, damit er sich stärken konnte. War zu erwarten, dachte er. Seine Mutter hatte ihm erzählt, dass sogar Muggel die magisch stärkenden Eigenschaften von Hühnersuppe kannten. Er griff mit der linken Hand nach dem Löffel und hielt ihn einen Moment ungeschickt in den Fingern, entschied sich aber dann, dass es zu trickreich war, mit der falschen Hand zu essen, besonders, wenn jemand zusah. Er hob die Schüssel mit einer Hand hoch und trank langsam. Er verzog das Gesicht, als er Sellerie schmeckte. Der gehörte zu den Nahrungsmitteln, die er als ungenießbar betrachtete, etwas, was Severus sehr amüsant fand, wenn er bemerkte, dass sein Lehrling den Sellerie aus dem Essen pickte, zuvor aber problemlos einen Zaubertrank geschluckt hatte, der andere Leute dazu gebracht hätte sich zu übergeben.
„Und was jetzt?"
Draco sah hoch. „Was?"
„Was jetzt?", wiederholte Harry. „Ich meine, jeder weiß jetzt, dass du dunkel bist. Es wird unmöglich für dich sein, in den Unterricht zu gehen. Ich nehme an, dass Dumbledore vielleicht..."
„Nein!" Draco sah zufrieden, wie Harrys Mund überrascht zuklappte. Er stellte sein Frühstückstablett auf die Seite und betrachtete ihn. „Ich plane nicht, lange genug hierzubleiben, um ihnen eine zweite Chance zu geben, mich zu erwischen. Ich ruhe mich aus und fliege davon, bevor Pansy ankommt. Mit etwas Glück treffe ich sie auf dem Weg hierher und wir finden einen anderen Platz, um uns zu verstecken."
„Was? Das ist verrückt, nachdem sie so weit gekommen sind ..." Harry stolperte über seine eigenen Worte und hielt inne, als er den ernsten Ausdruck auf Dracos Gesicht sah. „Ein ganzes Haus mit Kindern ist bei ihr! Und die Todesser werden Hogwarts bestimmt beobachten lassen. Deswegen wird es wahrscheinlich noch gefährlicher sein, sie hier in der Nähe zu treffen."
„Potter, der einzige Grund, warum sie so vorsichtig ist, ist, weil nur ein paar von ihnen Besen haben. Wenn sie fliegen könnten, gäbe es kaum ein Problem. Bevor ich gehe, stehle ich die Besen von den Huffflepuffs und Ravenclaws. Wenn das immer noch nicht genug sind, können wir mit den jüngeren Kindern im Tandem fliegen. Wahrscheinlich müssten wir das sowieso machen ...", überlegte er, als er sich die Strategie eines solch großen Flugs überlegte.
„Und wo würdet ihr hingehen?", wollte Harry wissen. „Es ist fast Winter ... wieder. Ihr werdet frieren und hungern ..."
„Ich nehme an, wir können irgendwo ein großes Muggelhaus finden und die Besitzer oblivieren. Es gibt ein paar Muggelgeborene in Slytherin. Die werden wissen, wo wir hingehen könnten."
Harry schwieg einen Moment lang und senkte den Kopf. „Dann ... wirst du gehen? Heute noch?"
Draco sah, wie er am Bund seines Ärmels zupfte und seine Lippe eine Sekunde lang nervös kaute. „Du könntest mit uns kommen", sagte er plötzlich.
„Was?", fragte Harry atemlos.
Wenn das Thema nicht so ernst gewesen wäre, hätte Draco beim Anblick von Harry, der die Augen wie ein überraschtes Kind weit aufgerissen hatte, gelächelt. „Komm mit uns. Für dich wird es hier nicht sicherer sein. Du hast mich verteidigt. Sie werden das nicht vergeben. Aber wenn du mit uns kommst, wirst du sicherer sein."
„Mit Slytherins, die mich hassen? Und versuchen, Kinder an Todessern vorbei zu schmuggeln?"
„Dann sind sie halt jung. Du hast mit einem Troll gekämpft, als du elf warst. Und Pansy, Blaise und Daphne, wir sind alle dunkle Kinder. Du wärst überrascht, was wir alles können. Komm mit uns, Harry. Wir könnten das schaffen!"
„Ich denke auch, dass Sie das könnten", sagte Dumbledore von der Tür.
Überrascht drehten sich beide Jungen um, wobei Draco fast in Harrys Schoss fiel, als er sich zu schnell umwandte. Keiner von ihnen hatte gehört, wie die Tür geöffnet worden war, aber Dumbledore stand dort mit einem nachdenklichen Gesicht.
„Der Gedanke an ein paar Dutzend Kinder, die inmitten eines Krieges durch das Land fliehen, ist im besten Fall erschreckend, im schlimmsten wahnsinnig. Aber das ist auch ein einzelnes Kind, das gegen Voldemort lange genug standhält, um eine Bombe hochgehen zulassen, bevor es durch ganz Britannien fliegt" Dumbledore kam näher, während er sprach, beschwor sich einen Stuhl und setzte sich dann zu ihnen. „Mit Harry an Ihrer Seite habe ich keine Zweifel, dass Sie es schaffen könnten. Aber zu welchem Preis, Mister Malfoy? Voldemorts Anhänger sind überall. Sogar wenn sie nicht angreifen, würde die Kälte für sie arbeiten. Wie viele Kinder würden Sie bei Ihrer Flucht verlieren?"
„Weniger als wenn wir hier bleiben würden", erwiderte Draco. „Ich versuche mein Glück lieber da draußen, als zuzuschauen, wie ihre Schüler einen nach dem anderen von uns erledigen."
Dumbledore seufzte und nickte. „Der Anschlag auf Ihr Leben ist ein Fleck auf Hogwarts' Ehre. Ich habe Ihnen Zuflucht versprochen und Sie kamen dennoch zu Schaden. Dafür kann ich mich nur entschuldigen. Jedoch denke ich nicht, dass es weise ist, die Slytherins wieder durch das ganze Land zurückzuführen, besonders wenn es immer noch sicherer sein mag, in Hogwarts zu bleiben."
„Wenn das ganze Schloss uns tot sehen will?", spottete Draco.
„Glücklicherweise will nicht das ganze Schloss euch tot sehen. Es ist einer Handvoll von Schülern zu verdanken, die ihr Bestes getan haben, um deine Lage zu erklären und so ist ganz Gryffindor bereit, dir eine Chance zu geben, die auf deinem guten Verhalten vorher und deinen Anstrengungen, Voldemort zu zerstören, beruhen."
„Also, ich werde angegriffen, fast getötet, aber sie sind bereit, mir zu vergeben? Wie großzügig."
„Sie sind bereit, einem dunklen Zauberer zu vertrauen", sagte Dumbledore. „Auch noch einem Malfoy. Sie wissen, was das bedeutet."
Draco schaute lieber auf seine Bettdecke als zu dem alten Zauberer. Wie viele Leute hatten seine Vorfahren während der Jahre verzaubert und verhext? Wie viele verirrte Reisende in die dunklen Wälder gelockt? Sich in wie viele Häuser und Scheunen geschlichen und verfluchte Amulette hinterlassen, um den Familien lange danach noch zu schaden ... Seine Vorfahren hatten nicht jedes Unglück der letzten Jahrhunderte in England verursacht, aber sie waren sicherlich für einen Großteil davon verantwortlich. Manchmal wünschte er sich, er könnte davon träumen, aber stattdessen schien er dazu verflucht zu sein, immer nur ihren Tod zu sehen.
„Was ist mit Ravenclaw und Hufflepuff?", wollte Draco wissen. „Ich hatte nichts getan und die Hälfte von ihnen wollte mich tot sehen. Nun, da sie wissen ..."
„Sie werden Ihnen nichts tun." Dumbledores Augen wurden hart. „Heute beim Abendessen werde ich eine Ansprache halten, um Ihre Sicherheit zu garantieren."
„Was können Sie ihnen sagen, was sie nicht schon wissen?", fragte Draco.
„Ich werde ihnen einfach erklären, dass der Grund, warum ihre Mitschüler in St. Mungos und nicht in unserem Krankenflügel sind, darin liegt, dass das Gesetz der Zuflucht gebrochen wurde und die Strafe die Form Ihres Spruchs angenommen hat."
„Diese Drohung wird nicht alle stoppen", sagte Draco.
„Das braucht es nicht. Ich plane ihnen auch zu erzählen, was Sie alles für uns getan haben."
„Eine Handvoll Zaubertränke wird wohl kaum ..."
„Ihre Zaubertränke sind für den Tod von mehr als einem Duzend Todessern verantwortlich und haben das Leben unserer Auroren zahllose Male gerettet."
Draco klappte der Mund zu.
„Ich sehe, dass Ihr Meister Sie nicht informiert hat, wofür Ihre Tränke verwendet worden sind. Aber Sie können mir getrost glauben, dass ich nicht übertreibe, wenn ich sage, dass Ihre Bemühungen in diesem Krieg ausschlaggebend sind. Ohne Sie hätten wir eine Pattsituation. Stattdessen gewinnen wir langsam die Oberhand."
Einige Momente lang dachte Draco über diese Information nach, die verschiedenen Gifte und Dämpfe, die er hergestellt hatte und wie die Todesser wohl gestorben waren. Er zog in Betracht, dass Voldemort genau wusste, wie schnell Snape brauen konnte und daher musste er auch wissen, dass der jüngste Malfoy, als Snapes Lehrling, die Arbeit seines Meisters erleichtert hatte. Und wenn Voldemort herausfand, dass die Hogwartsschüler versucht hatten ihn zu töten und dann schließen würde, dass Draco natürlich vor Gefahr wegrennen ...
„Verdammt!", schnappte er und lehnte sich geschlagen in sein Kissen zurück.
Auf seinem Stuhl gab Dumbledore einen sanften Seufzer der Erleichterung von sich und lehnte sich ebenfalls zurück. Harry sah verwirrt zwischen ihnen hin und her.
„Was ist los?", fragte er Dumbledore, während er Draco im Auge behielt. „Bleibt er hier?"
„Ich habe keine verdammte Wahl!", grummelte Draco und starrte beide finster an. „Der dunkle Lord wird wissen, dass ich für den Tod seiner Untertanen verantwortlich bin ..."
„Aber es sind doch die Auroren, die ...", warf Harry ein.
„So denkt der dunkle Lord nicht", murmelte Dumbledore. „Unsere Ordensmitglieder liefern das Gift nur ab. In seinem Kopf sind die verantwortlich, die ihn verraten haben und die Gifte für uns brauen."
„Er wird nach mir suchen", sagte Draco, eher zu Harry, aber auch um seine Gedanken zu sortieren. „Er wird alle seine Diener anweisen, nach jedem dunklen Zauberer Ausschau zu halten, der ihm nicht mehr dient und ... verdammt!" Fast hätte er seine rechte Hand auf die Matratze geschlagen, erinnerte sich aber noch rechtzeitig daran, dass das wohl keine gute Idee war.
Wenn es nur um ihn ginge, wäre er bereit, es zu riskieren. Schließlich war er über das ganze Land geflogen, als der dunkle Lord absolut wütend auf ihn war. Rennen und Verstecken lag ihm im Blut. Aber mit all den Kindern, die Pansy mitbrachte, von denen viele Erst- und Zweitklässler waren, wollte er das nicht riskieren. Sie würden sich zu langsam bewegen, schwerfällig zu manövrieren und unmöglich aus einem Kampf herauszuhalten. Ein Zauberer konnte durch das Netz des dunklen Lords schlüpfen. Ein ganzes Haus von Schülern - unmöglich.
„Severus meinte, dass, wenn wir jemand als Wache in der Nähe des Tores aufstellen würden, würde dies die Kinder nur abschrecken", sagte Dumbledore, der wieder lächelte, da er die Diskussion gewonnen hatte. „Also können wir nur warten, bis sie ankommen. Glauben Sie, dass Miss Parkinson sie durch die Hinterhalte, die die Todesser gelegt haben, führen kann?"
„Ich zweifle nicht daran, dass sie die Kinder sicher hierher bringen wird." Dracos Blick wurde schärfer. „Und Sie werden ihre Sicherheit garantieren, sobald sie angekommen sind. Denn wenn Sie das nicht können, werden wir uns einfach in den Kerkern verbarrikadieren und ich werde keinen Finger mehr rühren, um Ihnen zu helfen."
Zu Harrys Überraschung wurde Dumbledores Lächeln breiter und er stand auf. „Vollkommen verständlich. Ich denke, ich habe Sie nun lange genug belästigt und Sie müssen sich ausruhen. Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben, mit mir zu sprechen, Mr. Malfoy. Wir werden uns dann beim Abendessen sehen, nicht wahr?"
„... was?" Draco blinzelte. „Abendessen?"
„Außer Sie planen, dass die Slytherins in ihrem Gemeinschaftsraum zu Abend essen, der, denke ich, unangenehm überfüllt wäre, so dass es das Beste wäre, in der Großen Halle zu essen. Ich weiß, dass Sie das bisher vermieden haben und in der Küche gegessen haben, aber ich denke, Sie sollten heute Abend erscheinen."
„Das ist ..."
„Ein Zeichen des Stolzes und der Stärke", fuhr Dumbledore fort. „Und für Ihre Bereitschaft Hogwarts zu vergeben und ihm eine zweite Chance zu geben. Da alle Schüler, die Sie angreifen könnten, in St. Mungos sind, können Sie sich der friedlichen Intentionen des Rests der Schule gewiss sein."
„Was, wenn sie zurückkommen?", fragte Draco. „Ich bin nicht dumm genug, zu glauben, dass Sie sie nach Askaban schicken werden, aber kann ich hoffen, dass sie der Schule verwiesen werden?"
Dumbledore schwieg einen Moment. „Normalerweise würde ich so handeln. Aber wir befinden uns im Krieg und wenn wir ihn nicht schnell beenden können, werden wir jeden fähigen Zauberer und jede Hexe brauchen, die wir bekommen können. Alles, was ich versprechen kann, ist, dass sie Ihnen kein Haar mehr krümmen werden, dafür werde ich sorgen."
Draco wusste nicht, was er damit meinte und entschied sich, nicht nachzufragen, obwohl er hoffte, dass Severus ihm später eine Erklärung würde geben können. Im Moment ließ er es auf sich beruhen. „Gut. Ich werde beim Abendessen da sein."
„Danke." Dumbledore blickte zu Harry und einen Augenblick lang dachte Draco, er würde fordern, dass Harry die Kerker verließe, da er erholt aussah. Aber dann ließ der Schulleiter seinen Stuhl verschwinden und schloss die Tür leise hinter sich.
Eine lange Stille folgte. Draco atmete aus und starrte auf die Decke, die seine Beine bedeckte. Faszinierend, wie schnell all seine Pläne über den Haufen geworfen werden konnten. Er hoffte, die Slytherins würden ihm vergeben, dass er so mit ihren Leben gehandelt hatte, sie wie Schachfiguren behandelt hatte. Er verzog den Mund. Dumbledore spielte mit ihnen allen und er mochte das nicht. Das fühlte sich immer mehr wie ein Spiel an, dass Voldemort und Dumbledore spielten, mit Figuren, die je nach ihrer Nützlichkeit gerettet oder geopfert wurden. Aber niemand spielte lange mit einem Malfoy. Was würden die zwei Spieler wohl machen, wenn ihre perfekt geordneten Figuren sich plötzlich weigerten, das Spiel weiter mitzuspielen?
Ich werde nicht länger sein Bauer sein, dachte er. Ich werde das tun, was vorteilhaft für mich ist und wenn das bedeutet, dass ich gelegentlich das tue, was Dumbledore von mir will, dann soll es so sein. Aber wenn es bedeutet, dass ich etwas tue, was er nicht will, ist das auch gut. Vater hat seine Ritter. Ich habe meine Slytherins.
Das ist nicht länger ein Schachspiel, entschied er. Das ist Politik, flankiert von Armeen und er konnte Politik mit den Besten spielen.
„Also bleibst du hier?", fragte Harry leise.
„Ja, Potter. Ich bleibe."
„Malfoy ..." Harry machte eine Pause, um zur Tür zuschauen, um sich zu vergewissern, dass sie alleine waren. „Wegen deines Angebots ..."
Draco schaute neugierig auf.
„Ich wäre mit dir gegangen."
Auf Dracos Gesicht erschien ein Lächeln. „Ich hatte es gehofft. Ich ... Ich wollte dir danken. Für das, was du getan hast."
„Das war doch nichts ...", sagte Harry.
„Doch. Noch nie zuvor hat jemand so etwas für einen dunklen Zauberer getan. Niemand."
„Da kannst du dir doch nicht so sicher sein."
„Ich kann." Draco holte tief Luft und sprach weiter. „Du weißt das nicht, kaum jemand weiß es, aber ... etwas bei der Art und Weise, wie wir die Magie verwenden, wie wir sie uns kontrollieren lassen, lässt uns Dinge aus der Vergangenheit sehen. Erinnerungen unserer Vorfahren."
Harry dachte darüber nach. „Daher wusstest du das über das Mädchen in deinem Grimoire, das die Drachen gezeichnet hat, nicht wahr?"
„Du hast es nicht vergessen?", wisperte Draco.
„Ich habe eine Weile darüber nachgedacht. Es war, als ob du sie nicht kanntest, bist du versucht hast, dich an sie zu erinnern." Er schaute weg. „Ich wünschte, ich könnte mich an meine Familie erinnern."
„Ich erinnere mich nicht an alles von ihnen. Nur wie sie gestorben sind. Das ist die Ironie daran, alles, was wir träumen ist, wie sie sterben. Daher weiß ich sicher, dass niemand bisher versucht hat, einen Malfoy zu verteidigen. Oder einen anderen dunklen Zauberer. Wir würden es wissen."
„Du siehst jede Nacht, wie sie sterben?"
Draco schüttelte den Kopf. „Ich sehe sie nicht. Ich bin sie. Ich fühle alles, was sie fühlten, als sie starben oder wenn sie um ihr Leben rannten. Aber nicht jede Nacht. Normalerweise sind es nur ein paar Nächte im Monat. Obwohl in letzter Zeit träume ich ziemlich viel von ihnen ..."
„Das ist schrecklich."
„So ist es eben."
Harry schwieg und antwortete nicht mehr. Nach ein paar Sekunden gähnte Draco und begann, es sich unter den Decken bequem zu machen. „Also, so sehr ich hasse es zuzugeben, aber ich muss mich hinlegen." Als er seinen Kopf auf das Kissen legte, bemerkte er, das Harry immer noch ins Nichts starrte. „Du solltest auch etwas schlafen."
„Stimmt." Harry stellte die beiden Frühstücktabletts zusammen, damit ein Elf sie später abräumen konnte und ging dann zum nächsten Bett. „Das ist verrückt, ich wurde nur betäubt, fühle mich aber, als hätte ich eine Schlacht geschlagen."
„Das hast du", sagte Draco. Er sah zu, wie Harry die Decken zurückzog und ins Bett glitt, dabei bemerkte er zum ersten Mal, dass Harry immer noch die Kleidung vom Vortag trug. Was Sinn machte, dachte er. Snapes guter Wille ging nur so weit, den Gryffindor hier bleiben zu lassen. Im Kleidung oder anderes zu bringen stand außer Frage.
„He, Malfoy", rief Harry. „In wessen Bett schlafe ich?"
„Das da ist Notts. Wieso?"
„Wollte nur sicher gehen, dass ich nicht in dem von Crabbe oder Goyle liege."
„Nein, ihre Betten sind die, die am nächsten bei der Tür stehen."
„Wie Wachen?"
„So ungefähr." Er zog die Decke bis zu seiner Schulter und drehte sich um, um auf dem Bauch zu schlafen, wobei er aufpasste, dass seine rechte Hand so blieb, wie Snape sie versorgt hatte.
„Werden deine Freunde mich immer noch hassen, wenn sie zurückkommen?"
Draco kicherte. „Ich werde sie wissen lassen, dass wir dich nicht mehr hassen. Tatsächlich verspreche ich dir, dass, wenn wir hier unten bleiben müssen, du jederzeit willkommen bist."
„Sogar wenn Snape mich immer noch hasst."
„Da gibt's kein wenn, Potter. Nichts wird ihn je dazu bringen, dich zu mögen. Aber er wird sich mit dir abfinden, wenn ich ihn frage."
„Oh."
Eine lange Pause. Draco gähnte wieder und schloss seine Augen.
„Malfoy?"
„Schlaf endlich, Potter ..."
„Lässt du die Kerze brennen?"
Draco blinzelte, öffnete die Augen und schaute in das warme Licht. „Ja, wäre mir lieber, wenn es dich nicht stört."
„Tut es nicht. Gute Nacht."
„Nacht." Ein paar Minuten schaute er zu, wie die Kerze brannte, bewegte sich nicht, als er hörte, wie Harrys Atem tiefer wurde. Er fühlte sich viel besser, jetzt, da jemand in der Nähe bei ihm war und er erinnerte sich kurz an seine erste Nacht hier, als er ganz alleine in dem kalten Krankenflügel geschlafen hatte und der Schnee gegen die Fenster gerieselt war und der Mond scharfe Schatten an die Wand geworfen hatte. Die Flamme hier reflektierte nur das Glas auf dem Nachttischchen und färbte die Wände in ein dunkles Orange und ließ etwas in der Nähe seiner Augen glitzern.
Draco konzentrierte sich darauf. Da auf der Matratze, genau vor seinem Gesicht, lag ein schwarzes Haar. Er blickte zu Harry, um sich zu versichern, dass dieser fest schlief, nahm dann das Haar hoch und hielt es gegen das Licht. Er war sich sicher, dass es eines von Harry war. Sekunden vergingen, als er es sanft zwischen seinen Fingern drehte. Er wusste, dass Harry eine Chance hatte, den dunklen Lord zu besiegen, einfach nur, weil er die Regeln dieser Gesellschaft nicht kannte, aber gleichzeitig hatte Harry gerade ein einzelnes Haar hinterlassen, das ein dunkler Zauberer finden konnte. Draco lächelte. Wenn Weasley ihn nun sehen könnte, würde der Rothaarige ihn wahrscheinlich zu Brei schlagen.
Er schaute wieder zu Potter und dann zu dem Haar. Er traf seine Entscheidung ohne zu zögern. Er zog an den Haaren über seinen Augen und fand eines, das ungefähr so lang war wie Harrys. Er zog es heraus und zuckte zusammen. Nur mit einer Hand zu arbeiten war schwierig, aber er schaffte es, die zwei Haare zusammenzudrehen. Als das erledigt war, lehnte er sich zu seinem Nachttisch und zog eine Schublade heraus. Er stöberte durch den Kleinkram, der sich über die Jahre angesammelt hatte. Er konnte gerade nicht auf Snapes Vorräte zugreifen, aber für das, was er im Sinn hatte, brauchte er das auch gar nicht.
„Komm schon, wo bist du?", flüsterte er und rumorte durch Zettel, zerbrochene Federn, ein verhextes Kartenspiel, Seiten, die er aus Büchern von anderen gerissen hatte, Krawattennadeln, einen kleinen blauen Schmetterling hinter Glas, den er vor Jahren gekauft und dann vergessen hatte. Schließlich fand er mehrere winzige Ampullen, die in einer Ecke lagen. Er suchte eine mit einem Korken heraus, holte sie heraus und blies den Staub weg, der sich auf ihr angesammelt hatte. Auch riss er eine Ecke von einem alten Notizzettel ab und griff nach einer Feder, in der noch etwas Tinte war.
Da er mit der linken Hand schrieb, war es schwer die Buchstaben zu entziffern, aber er schaffte es „Draco" und „Harry" auf jeweils eine Seite des Zettels zu schreiben. Dann wickelte er in diesen die zwei Haare und steckte sie in die Ampulle. Mit einem weiteren Blick zu Harry, um sich zu versichern, dass dieser ihn nicht gehört hatte, griff er nach dem Honig auf seinem Frühstückstablett.
Nicht viel Honig war übrig, aber er brauchte auch nicht viel. Er kippte die Schüssel und füllte die Ampulle langsam auf und verkorkte sie, als er fertig war. Einen Moment lang lächelte er über den kleinen Zauber, den er gewirkt hatte. Es war ein schwaches Amulett, etwas womit Kinder spielten, während ihre Eltern nachts im Land herumstreunten, aber da er so schwach war, würde ihn wahrscheinlich nie jemand finden. Nur seine besten Freunde könnten bemerken, dass Harry Draco näher kam, weniger mit ihm stritt, mehr Zeit mit ihm verbrachte und im Allgemeinen eher dazu bereit war, ihn vor anderen zu verteidigen. Er hatte Dumbledore zu lange vertraut. Er wollte etwas mehr Schutz, als der Schulleiter bieten konnte und Harry dafür zu benutzen erschien ihm fair. Er steckte das Amulett unter sein Kissen und legte sich wieder hin. Später würde er ein Band dafür finden und es zur Sicherheit um seinen Hals tragen.
„Danke, Potter", flüsterte er zu sich selbst, als er die Augen schloss. „Es sieht aus, als ob dieser Angriff doch etwas Gutes bewirkt hätte."
TBC...
