Kapitel 11 – Einsatz in der Luft
Elizabeth und Will sahen den Colonel schon am nächsten Donnerstag spät abends wieder. Die beiden standen zusammen in der Küche und kochten – es war mittlerweile eine Sache, die ihnen beiden Spaß machte – als der Colonel vom Garten aus an das Fenster klopfte und ihnen bedeutete, ihn einzulassen. Lizzy öffnete ihm die Tür zum Wintergarten.
„Was gibt es?", fragte sie ihn. Dass er so früh schon wieder auftauchte und dann auch so geheimniskrämerisch tat, musste einen besonderen Grund haben.
„Hervorragende Neuigkeiten", sagte er, als er die Küche betrat. „Weil ihr die letzten Wochen so brav wart, bekommt ihr eine kleine Belohnung von mir."
„Die da wäre?", fragte Will.
„Ihr dürft auf eine Auslandsmission gehen."
„Was?!"
„Ihr kriegt ein bisschen Urlaub hier vom langweiligen Vorort, einen Tag, um genau zu sein, ihr werdet bei einem Einsatz auf den Philippinen eingesetzt."
Will und Elizabeth waren vollkommen perplex. „Wann?", fragte sie dann.
„Jetzt sofort, macht euch fertig."
„Wie bitte? Aber das ist doch unmöglich, wir können hier doch nicht einfach abhauen…", sagte Will.
„Sagt, ihr hattet einen Notfall in der Familie oder so, auf jeden Fall müssen wir jetzt los."
„Aber wieso denn ausgerechnet wir zwei?", fragte Elizabeth. „Unser akuter Einsatzort ist doch hier. Können das nicht zwei andere Agenten übernehmen?"
„Und ich dachte, ihr würdet euch über ein bisschen Abwechslung mal freuen und euch nicht so standhaft weigern, euer trautes Heim zu verlassen", sagte der Colonel. „Aber ihr müsst das machen. Die Sache mit Armarillo ist Top Secret, es sind nur die wenigsten eingebunden, es könnte eine Menge schief gehen, wenn etwas durchsickert. Ihr zwei seid immer noch die besten Agenten und außerdem brauchen wir dieses Mal besonders eine Frau – und Elizabeth ist immer noch als einzige zu haben. Du darfst auch mitkommen Will, damit du nicht den Vorstadtkoller bekommst."
„Was ist mit der Überwachung?", fragte Will.
„Die übernimmt ein anderer Agent", antwortete der Colonel. „Die ist ja auch nicht das wichtigste, ihr sollt euch ja auch bei den Nachbarn ein wenig umhören, deshalb haben wir euch hier eingeschleust. Für einen Tag könnt ihr euch auch mal von hier entfernen, ihr kommt doch ohnehin kaum raus."
„Apropos, bei den Nachbarn umhören", sagte Lizzy. „Wir sind morgen Abend bei den Knightleys eingeladen. Wir können nicht einfach da nicht auftauchen."
„Bis dahin seid ihr wieder zurück", antwortete der Colonel, „versprochen. Aber wir müssen jetzt los, wir brauchen insbesondere dich, Elizabeth."
„Warum denn? Was muss ich denn machen?", fragte diese.
„Du musst eine Prostituierte spielen", antwortete der Colonel.
Will riss die Augen auf, Lizzy aber blieb ganz ruhig. „Ach so, wäre nicht das erste Mal", sagte sie nur. „Wen denn genau?"
„Können wir die Einsatzbesprechung auf später verschieben?", fragte der Colonel etwas ungeduldig. „Wir müssen los, das ist eine einmalige Gelegenheit, so was kriegen wir so schnell nicht wieder."
Innerhalb von 10 Minuten waren Elizabeth und Will bereit. Mitnehmen mussten sie nichts, sie mussten bloß entsprechende Sicherungsvorkehrungen für das Haus treffen.
Nur ein Nachbar sah, wie die zwei mit dem Colonel im Schlepptau eiligst davonfuhren.
„Also, um wen geht's?", fragte Elizabeth, als sie sich mit den beiden Herren im Flieger auf dem Weg nach Manila befand.
„Sein Name ist Walter Elliot", sagte der Colonel und zeigte den beiden ein Bild.
„Na toll", sagte Lizzy, nachdem sie das Bild gesehen hatte. „Warum muss ich als Prostituierte immer die dicken, glatzköpfigen Mittfünfziger verführen? Ich kriege nie ein junges, gut aussehendes, muskulöses Opfer."
„Die haben solche Dienste meist auch nicht nötig", sagte der Colonel, „aber wenn mal so jemand zu verführen ist, dann werde ich an dich denken. Wir wollen ja alle, dass die Arbeit Spaß macht."
„Was erwarten wir von ihm?", fragte Will.
„Wir erhoffen uns Informationen bezüglich der Waffen, die Armarillo verkaufen will und natürlich auch seinem Abnehmer. Elliot soll angeblich einige Auskünfte haben."
„Das ist gut", sagte Elizabeth, „aber wieso waren wir dann so in Eile und warum ausgerechnet Manila?"
„Auch hier befinden sich die Daten auf einem Server, die Besonderheit ist aber, dass sich dieser an Bord eines Flugzeuges befindet und das ist eigentlich ständig in der Luft. Elliot, der den Server bewacht und pflegt, ist eigentlich immer an Bord, mit ihm ein Bodyguard und ein wechselnder Pilot. Er lebt quasi in seinem Flugzeug und gewährt nur ganz wenigen Zutritt, wir selbst wissen nicht, wie es darin aussieht. Aber so ein Mann muss ja auch bei Laune gehalten werden und deshalb bestellt er sich Frauen zu sich. Na ja, wir haben aber einen Funkspruch abgefangen, Elliot steht der Sinn nach Frischfleisch, deshalb hat er sich eine Prostituierte nach Manila aufs Rollfeld bestellt, in nur wenigen Stunden. Wir werden etwa zeitgleich mit ihm dort landen – hoffentlich etwas eher."
„Dann werde ich also in das Flugzeug einsteigen, den Kerl außer Gefecht setzen, die Informationen holen und wieder aussteigen?", fragte Lizzy.
„Ja, das Flugzeug landet wieder in Singapur, da holen wir dich ab. Wir bleiben mit unserer Maschine in der Nähe von Elliots', denn für die Datenübertragung von dem Server muss die Entfernung geringer als fünf Kilometer sein, eine Festplatte ist zu klein, wir werden den ganzen Server kopieren. Das Problem ist aber: Der Kerl ist halt so ein Sicherheitsfanatiker, er fürchtet sich ständig vor Anschlägen auf sein Leben, deshalb ist er übervorsichtig, es wird sehr schwer für dich sein, Waffen mitzunehmen. Du musst in Unterwäsche erscheinen."
Auch das schien Elizabeth nicht im Geringsten etwas auszumachen.
„Trag deine Haare hoch", sagte der Colonel dann plötzlich.
„Wie bitte?", fragte Elizabeth leicht verwirrt.
Der Colonel sah aus wie ein Kind an Weihnachten. „Dein Kollege, dieser Martin, der hat's echt drauf, ich bin ja drauf und dran, ihn für den MI-6 abzuwerben, so ein Erfinder fehlt uns nämlich." Er legte zwei Haarspangen auf den Tisch, mit der man sich die Haare zu einer kunstvollen Frisur hochstecken konnte. „Sie sehen aus wie ganz normale Haarklammern, aber in ihnen befindet sich ein starkes Betäubungsmittel. Elizabeth, du solltest ihm mit dem spitzen Ende in den Hals stechen, die Dosis hält 3-4 Stunden, das sollte reichen." Lizzy nahm die Klammern an sich. „Wir wissen nicht, wo sich der Zugang zum Server befindet, du wirst im Flugzeug suchen müssen, er sollte aber nicht übermäßig versteckt sein – glaube ich. Dann ist hier dein Handy, es ist wie immer mit einem Peilsender ausgestattet – zur Sicherheit halt. Dann hätten wir wieder die obligatorische Videoüberwachung in deinen Ohrringen und hier hast du eine Handtasche – sie passt übrigens farblich zu der roten Reizwäsche – mit so unauffälligen Dingen wie Lippenstift und Taschenspiegel und so, aber auch diesem Stift hier", der Colonel hielt ihn hoch, „der ist für die Datenübertragung, du musst ihn einfach anschließen. Waffen kriegst du sonst nicht, aber du beherrscht ja die Kunst des Nahkampfs. Du solltest dich ja auch so verteidigen können, mit bloßen Händen, außerdem hast du High Heels an." Er grinste und reichte ihr ein Paar rote mit 10-cm-Pfennigsabsatz.
„Mehr als genug", antwortete Elizabeth. „Ich schwöre, sobald ich nicht mehr im aktiven Dienst bin, werde ich nie wieder solche Schuhe tragen. Freiwillig würde ich meinen Füßen das ohnehin nicht antun."
Der Colonel reichte ihr alles und bald machte Elizabeth sich daran, sich umzuziehen. Will fragte sich, wie so ruhig bleiben konnte, er fühlte sich unangenehm angesichts der Tatsache, dass sie eine Prostituierte spielen musste. Er wollte nicht, dass sie so etwas tat.
Lizzy kehrte kurz vor der Landung zu ihnen zurück, sie hatte sich genau so aufgemacht, wie der Colonel es ihr gesagt hatte. Will erhaschte aber keinen Blick auf ihre Unterwäsche, sie hatte einen Mantel darüber gezogen. Er musste sich nur konzentrieren, um nicht die ganze Zeit auf ihre langen, wohlgeformten, nackten Beine zu starren, die unter dem knielangen Mantel hervorragten.
Auf dem Rollfeld in Manila stieg sie aus und ließ die beiden Herren der Schöpfung im Flugzeug zurück, diese würden sich sofort wieder in die Luft begeben. Sie wünschten ihr noch viel Glück und Lizzy stieg in den bereitgestellten Wagen ein, der sie quer über das Rollfeld zu dem anderen Flugzeug bringen sollte. Perfektes Timing, teilte man ihr mit, Elliot befände sich gerade im Landeanflug.
Elizabeth schaffte es ohne Probleme in das Flugzeug, nur vor einem bewaffneten Wächter vor der Treppe musste sie einmal ihren Mantel öffnen, ihre Handtasche wurde untersucht, sie fanden aber nichts Verdächtiges, dann wurde sie eingelassen. Elliot wartete bereits auf sie.
Das tat er in der Tat, in einem abgetrennten Bereich des Flugzeugs, der als sein Schlafraum diente, lag er bereits auf dem Bett, er war nur noch mit Boxershorts bekleidet.
Der Wachmann führte Lizzy in das Zimmer und diese schloss die Tür hinter sich ab. „Damit wir absolut ungestört bleiben", sagte sie verführerisch, obwohl ihr alles andere als danach zumute war. Elliot war aufgestanden, Lizzy bemerkte, dass er stark schwitzte, sein dicker Bauch wölbte sich mächtig über seinen Boxershorts, auf denen, wie sie jetzt bemerkte, Tweety das Küken abgebildet war. Die noch wenigen vorhandenen Haare hatte er sich über die Glatze gekämmt. Kein Wunder, dass er sich käufliche Damen bestellen musste, freiwillig würde wohl kaum eine Frau mit ihm schlafen.
Elliot kam auf sie zu. „Ausziehen", sagte er nur und deutete auf ihren Mantel. Sie öffnete den Mantel und ließ ihn achtlos auf den Boden fallen. Das Zimmer war teilweise verspiegelt, durch die Kamera in den Ohrringen konnten Will und der Colonel so einen Blick auf ihr Spiegelbild werfen.
Der Colonel vor dem Bildschirm pfiff. „Okay, ich kann mir vorstellen, warum Gardiner sie für so etwas gerne einsetzt", sagte er. „Bei ihr sitzt wirklich alles an der richtigen Stelle."
Will sagte nichts, er hatte seine Kiefer fest zusammengepresst und ließ nur die Fingerknöchel knacken.
Im Flugzeug betrachtete Elliot Elizabeth unverhohlen, sein Blick war ihr unangenehm, sie fühlte sich schmutzig. Sie hatte schon öfter solche Missionen übernommen, aber leicht gefallen war es ihr noch nie. Sie wusste, dass sie die optimale Person für solche Jobs war, da sie von den Agentinnen im Corps am besten gebaut war. Sie war groß und schlank, aber nicht zu dünn, sie hatte schöne weibliche Rundungen, lange Beine und wallende dunkle Locken, die ihr weit den Rücken herunter reichten. Trotzdem mochte sie solche Missionen nicht, danach hatte sie immer das Gefühl, stundenlang duschen zu müssen.
„Gut", sagte Elliot und leckte sich die Lippen, „alles nach meinem Geschmack, am liebsten würde ich dich sofort hier und jetzt vernaschen, aber leider muss ich warten bis das Flugzeug in der Luft ist. Hast du es schon mal in der Luft gemacht?", fragte er Elizabeth.
„Nein", antwortete diese.
„Vertrau mir, es wird was ganz besonderes werden, besonders mit mir", er lächelte lüstern.
Lizzy wurde schlecht. Stell dir einfach deinen Traummann vor, mit dem du freiwillig leidenschaftlichen Sex haben würdest, dachte sie. Das hatte bislang immer geklappt.
William Darcy erschien vor ihrem geistigen Auge. Was sollte das denn jetzt?, dachte sie verwirrt, warum dachte sie denn gerade jetzt an ihn?
„Sir, wir befinden uns jetzt auf der Startbahn", kündigte der Pilot an. „Bitte nehmen Sie für den Start eine aufrechte Sitzposition ein."
Elliot deutete Lizzy, sich in einen der zwei Sessel zu setzen, wenige Minuten später war das Flugzeug in der Luft. Elizabeth schaute sich aufmerksam um, abgesehen von den Spiegeln befanden sich Gemälde an den anderen Wänden – die Spiegel waren nur so angebracht, dass man sich selbst darin anschauen konnte, wenn man im Bett lag, einer hing sogar an der Decke – hinter diesen könnten sich Geheimverstecke befinden. Ein Tresor war ebenfalls in die Wand eingelassen, er war gut zu sehen und nicht übermäßig gesichert, er hatte nur ein Zahlendrehschloss.
Kaum befand sich das Flugzeug auf der richtigen Höhe, stand Elliot auf und ging auf eben jenen Tresor zu, er drehte das Schloss drei Mal, öffnete ihn und nahm ein Tütchen heraus.
„Du auch?", fragte er Elizabeth und hielt es ihr vor die Nase, sie konnte erkennen, dass sich darin ein weißes Pulver befand, sie tippte auf Kokain. Sie schüttelte den Kopf.
Es war in der Tat Kokain, Elliot leerte den Inhalt des Tütchens auf dem Glastisch aus und zog mit einer Kreditkarte (warum hatte der Mann eine Kreditkarte – er war doch ständig in der Luft?) eine Linie. Dann zog er den kompletten Inhalt mit einem 50-Dollar-Schein in seine Nase. Er atmete einmal tief durch. „Jetzt kann es ja losgehen", sagte er, stand auf und starrte Elizabeth an.
Diese nahm sich vor, ihn so schnell wie möglich außer Gefecht zu setzen, Menschen auf Drogen waren immer unberechenbar. Elliot umarmte sie von hinten und wanderte mit seinen schwitzigen Händen von ihrer Taille die Hüfte entlang in Richtung ihres Tangas.
„Boah, ich bring den Kerl um", sagte Will plötzlich.
„Wie bitte?", fragte der Colonel und schaute verwirrt vom Bildschirm auf.
„Ich werde diesen Elliot töten, für das, was er mit Liz macht", sagte Will durch seine zusammengebissenen Zähne hindurch und ließ erneut seine Fingerknöchel knacken, am liebsten hätte er sie diesem schleimigen alten Sack um den Hals gelegt.
„Ha, ich wusste es! Ich habe mir ja auch so meine Gedanken gemacht, nachdem ich gemerkt habe, wie du sie letztens angesehen hast. Du bist eifersüchtig!"
„Bin ich gar nicht", wehrte Will ab. „Aber stell dir doch mal vor, Georgiana wäre das."
„Du willst mir doch nicht allen Ernstes weiß machen, dass du für sie nur geschwisterliche Gefühle hegst… Ich bitte dich, wenn du deine Schwester mit solchen Blicken bedenken würdest, dann würde ich mir ehrlich Sorgen machen. Dich hat's erwischt, du bist verliebt in sie."
„Gar nicht."
„Oh doch, das bist du und du wärst jetzt liebend gern der Kerl, den sie verführen müsste. Ich kenne dich einfach zu gut, mir kannst du nichts vormachen. Ich hatte mir schon gedacht, dass zwischen euch was laufen könnte, ihr wärt echt ein tolles Paar."
„Und selbst wenn ich so was für sie empfinde, sie ist tabu", zischte Will.
Die beiden bekamen nicht mit, wie Lizzy sich in Elliots Armen umgedreht und ihn auf das Bett geschubst hatte, sie sahen nicht, wie sie jetzt breitbeinig auf ihrem Opfer hockte und ihn vollkommen bewegungsunfähig machte. Elliot sah sie an, man konnte seine Erregung deutlich erkennen. Plötzlich beugte sie sich ruckartig vor, legte ihm ihre Hände um den Hals und drückte zu, der Mann unter ihr schaute sie entsetzt an.
„Wie kriege ich Zugang zu dem Server hier an Bord dieses Flugzeugs?", fragte sie ihn.
Als Elliot zunächst nicht antwortete, drückte sie fester zu, sie hatte ihn so stark in ihrer Gewalt, dass er sich nicht wehren konnte. „Drüben, hinter dem Gemälde", er deutete auf die rechte Wand.
„Danke", sie nahm die Hände vom Hals, eine der Spangen aus dem Haar und stach ihm damit in den Hals, der Effekt trat sofort ein, er sackte bewusstlos in sich zusammen.
„Ach ja, da ist diese Sache, das Verbot von persönlichen Beziehungen zwischen Agenten", sagte der Colonel währenddessen. „Ich nehme an, sie hat keine Ahnung, was du für sie empfindest, oder?"
„Natürlich nicht, ich kann meine Gefühle unter Kontrolle halten, bei Einsätzen stören sie."
„Was man hier ja gut erkennen kann", murmelte der Colonel. „Und du hast auch keine Hoffnung, dass sie deine Gefühle irgendwann erwidern könnte?"
„Nein, ich bin ja schon froh, dass sie mich als Freund sieht, es ist ja das komplette Gegenteil von vor 7 Wochen."
„Ich weiß."
„Es wird bestimmt vorübergehen, es ist halt nicht erlaubt, Punkt. Wir führen den Einsatz zu Ende, ich werde nach Großbritannien zurückkehren und darüber hinweg kommen." Ein wenig versuchte Will auch, sich das selbst einzureden.
Hoffentlich, dachte der Colonel. Er kannte seinen Cousin, dieser verliebte sich nicht so schnell, das mit Elizabeth musste schon was ernstes sein. Wieso bloß mussten sie sich unter solchen Umständen kennen lernen, hätten sie sich privat getroffen, hätte bestimmt was aus ihnen werden können, aber jetzt standen zwei Geheimdienste und ein sehr wichtiger Einsatz zwischen ihnen.
„Hey, sie hat ihn schon überwältigt", sagte er, weil er nicht weiter auf dem Thema herumreiten wollte. „Es scheint so, als beginne gleich die Datenübertragung."
So war es in der Tat, sie knackte den Server und begann die Daten zu senden, es verlief alles erfolgreich. Sie befanden sich über dem chinesischen Meer.
Danach sollte sie sich einfach nur hinsetzen und warten bis das Flugzeug landete, so war es geplant. Dann fiel dem Colonel auf, dass er ihr das gar nicht gesagt hatte. Durch die Kamera in ihren Ohren konnten die beiden Männer sehen, dass sie zur Tür ging und diese öffnete.
„Was macht sie denn jetzt?", fragte der Colonel laut.
„Ich denke, sie wird den Leibwächter außer Gefecht setzen wollen", antwortete Will.
„Aber das ist doch gar nicht nötig!"
Die beiden starrten gebannt auf den Bildschirm.
Die bewaffnete Wache, die Elizabeth auch in das Flugzeug geführt hatte, befand sich direkt vor der Tür. Als Lizzy daraus hervortrat, blickte er sich um und starrte die leicht bekleidete Frau vor sich an. Dann fing er sich wieder. „Was gibt es denn?", grummelte er.
„Wo ist denn hier die Toilette?", flötete sie.
Er deutete in Richtung Cockpit, in diesem Moment trat Elizabeth ihm zwischen die Beine und ließ dann ihr Knie in sein Gesicht knallen, er brach sofort zusammen. Sie beugte sich zu seiner Waffe hinunter und nahm diese an sich. Ihr Blick fiel auf einen schwarzen Overall, der neben ihr an der Wand hing. Sie hatte gerade ihre Hände durch die Ärmel gesteckt und wollte den Reißverschluss zu machen, als sie eine Stimme hinter sich hörte: „Aufrichten und umdrehen, aber ganz langsam, und halt deine Hände so, dass ich sie sehen kann."
Unbemerkt ließ sie ihr Handy in eine der Taschen gleiten, falls Will und der Colonel sie ausfindig machen mussten.
Der Colonel fluchte laut, als er das hörte, es musste noch einen zweiten Bodyguard an Bord geben, von dem sie nichts wussten. Er hatte Elizabeth überrascht.
Elizabeth richtete sich auf und sah ihn an, die Ohrringkamera lieferte ein scharfes Bild von ihrem Gegner. In ihrer Hand hielt sie die Waffe, die sie dem anderen Wächter abgenommen hatte.
„Fallen lassen", befahl ihr der Mann.
In diesem Moment kam ihr ein Geistesblitz, sie warf dem Mann die Waffe zu, dieser wurde von dieser Begegnung überrascht und schickte sich an, sie zu fangen, das nutzte Elizabeth aus, um hinter einem Metallschrank in Deckung zu gehen. All dies sahen Will und der Colonel von dem anderen Flugzeug aus, sie starrten gebannt auf den Bildschirm.
Die Wache schien es irgendwie vergessen zu haben, dass sie sich an Bord eines Flugzeugs befanden, er schoss. Elizabeth robbte am Boden entlang in Richtung Cockpit, dort befanden sich doch meist immer Fallschirme, sie war das letzte Mal noch vor einem halben Jahr gesprungen.
Eine der Kugeln traf ein Flugzeugfenster. Durch die sich plötzlich ändernden Druckverhältnisse fing das Flugzeug an zu trudeln, die Flugzeugtür wurde aus den Angeln gerissen, in der Kabine entstand ein immenser Sog, Gegenstände wurden aus dem Flugzeug gesogen. Elizabeth konnte sich gerade noch an einer Metallschiene festhalten, die Wache wurde von den Füßen gerissen und flog aus dem Flugzeug heraus.
Der Colonel fing an zu schwitzen, als er ihre Hände so sah, so war das nicht geplant gewesen. „Sie soll zusehen, dass sie da raus kommt", rief er.
Elizabeth hielt sich immer noch fest, der Wind zerrte an ihr, sodass sie nahezu senkrecht in der Luft hing. Jetzt konnte sie sehen, dass sich in einem abgetrennten Raum ohne Tür etwa zwei Meter von ihr entfernt Fallschirme in einer Metallgitterbox befanden, diese schlugen heftig gegen die Gittertüren, lange würde diese dem Druck nicht mehr standhalten. Langsam hangelte sie sich darauf zu, an ihr flogen Gegenstände vorbei in Richtung Flugzeugtür.
Elizabeth hielt sich in dem Türrahmen fest, mit einem Arm öffnete sie den Metallkasten und nahm einen der Fallschirme heraus, mit Mühe konnte sie sich diesen umschnallen, sie setzte sich noch eine Brille auf, dann ließ sie los und wurde aus dem Flugzeug gerissen.
Als die Kamera in ihren Ohrringen Bilder von dem blauen Himmel und einem sich öffnenden Fallschirm sendete, atmeten Will und der Colonel erleichtert auf, sie blickten von dem Bildschirm auf und sahen sich an. Der Colonel wischte sich den Schweiß von der Stirn.
„Oh mein Gott", sagte Will, so was hatte er auch noch nicht erlebt.
„Dieses Teufelsweib gehört dir", sagte der Colonel. „Mit so einer gefährlichen Frau kann nämlich nicht jeder umgehen."
AN: Falls jemandem die Szene in dem Flugzeug bekannt vorkommt, ich habe die Szene entfremdet aus einer Alias-Folge, der 13. Folge aus Staffel 2, "Phase Eins" ("Phase One"). Eine meiner Lieblingsszenen, eine weitere werde ich im Laufe der Geschichte noch verwenden. Ich mochte die Serie Alias sehr gerne, leider sind in Deutschland nur die ersten beiden Staffeln ausgestrahlt worden, schade.
Ich hoffe, das Kapitel gefällt euch. Reviews sind immer erwünscht!!
