Kapitel 10:

Grissom brachte den Koffer nach unten in das Wohnzimmer. Sara stand dort und überhäufte William mit Küssen.

Du musst nur zweimal bei Oma schlafen und dann ist Mami wieder da."

Er stellte den Koffer ab und betrachtete sie kurz.

Es sind nur drei Tage Sara. Es wird ihm kaum Auffallen wenn er von seiner Oma verwöhnt wird, das wir weg sind."

Dies brachte ihm einen bösen Blick ein. William fing leise an zu weinen.

Oh, nicht weinen Baby." Sie strich ihn durch seine wilden Locken und betrachtete Grissom nachdenklich. „Vielleicht sollten wir doch nicht gehen, er ist noch so klein."
Gewissensbisse plagten ihn, vielleicht war es doch keine gute Idee.

Wenn du lieber hier bleiben willst… ich dachte nur es wäre schön wenn wir 3 Tage für uns Zeit hätten. Ich weiß mit meinen Arbeitszeiten kann ich nicht so oft da sein, wie ich das gerne möchte."

Sara kaute nervös auf ihrer Lippe herum, sie wollte so gerne gehen, die Zeit würde ihnen sicherlich gut tun, aber ihren Sohn zurück zulassen fühlte sich einfach falsch an.

Wie wäre es wenn wir einfach eine Nacht weg sind und dann rufen wir bei meiner Mutter an wie es ihm geht. Wenn er Heimweh hat fahre ich sofort zurück und du machst dir mit deinen Kollegen noch einen schönen Tag ja?"

Er wog diesen Kompromiss ab, eine Nacht war doch besser als nichts

Gut bringen wir ihn rüber und fahren schnell, bevor ich euch nicht mehr trennen könnt."

Grissom trug den Koffer zum Auto und ging dann mit Sara zu ihrer Mutter. Selbst als der Abschied eingetroffen war, überhäufte sie ihn wieder mit Küssen.


Als sie dann los fuhren, war der Trennungsschmerz schnell vergessen und ersetzt durch die Aufregung was sie alles tun könnten.

Also der Anfang der Konferenz wird man eine Eröffnungsrede halten, danach gibt's es dann Häppchen und ich werde dir einige Kollegen vorstellen. Aber du kennst du Dr. Simmons noch oder?"

Ihre letzte Konferenz als sie noch nicht verheiratet waren, lag schon einige Jahre zurück.

Dieser recht schmale blonde Mann der mir immer in den Ausschnitt gestarrt hat?"

Seine Augen weiteten sich erschrocken: „Bitte was? Äh ja das ist er."

Ja ich erinnere mich. Was machen wir eigentlich danach?"

Er hatte dieses lächeln auf den Lippen, das Aufregung versprach.

Ich dachte, vielleicht könnte ich eine Runde Poker spielen mit einigen Kollegen und du ziehst dir vielleicht ein hübsches Kleid an und spielst meinen Glücksbringer. Und wer weiß wenn ich die Karten richtig spiele, gehen wir danach noch in die Fermont Street…."

Sara lachte leicht, sie wusste das Grissom ein wirklich guter Pokerspieler war. Der sonst so reservierte Mann wurde zu einem Jäger, sein Verstand und seine Auffassungsgabe zu einer gefährlichen Waffe. Sie liebte es ihm zuzuschauen.

Dann fahr etwas schneller Gilbert, hört sich nach einer interessanten Nacht an."

Die Rede war das normale höfliche und vielleicht etwas zu lange Ansprache, es wurden einige Redner vorgestellt, begleitet von einigen Projektionen von verschiedenen Insekten.

Sara hatte versprochen ihn später zu treffen, war aber geheimnisvoll geblieben was sie in seiner Abwesenheit tat.

Sie traf ihn später als er sich gerade mit zwei Männern unterhielt. Er bemerkte sie zunächst nicht, sondern sah nur wie es seinen Kollegen die Sprache verschlug und sie große Augen bekamen. Er dreht sich irritiert um und was er sah war eine Vision in rot. Sara hatte die Zeit anscheinend genutzt um sich umzuziehen und er fand das sich sehr Aufregend aussah. Sie hatte ein rotes Kleid an, ihr Make-Up und die hohen Schuhe hatten etwas Gewagtes an sich. Trotzdem blieb sie dabei elegant. Sie ging selbstbewusst auf ihn zu und gab ihm einen Kuss.

Ich habe mich nur schnell umgezogen."

Er leckte sich über die Lippen, wusste nicht genau was er sagen sollte. Er spürte die Blicke seiner Kollegen auf sich.

Äh, das ist….das ist..." Es fiel ihm in dieser Situation sehr schwer einen Satz zu formulieren.

Doch in seiner offensichtlichen Sprachlosigkeit übernahm wie immer Sara das reden für ihn.

Sara Grissom, vielleicht erinnern sie sich noch an mich, ich war mit Gil schon einmal auf einer Konferenz."

Einer der Männer schmunzelte leicht. „Gil, mein Freund. Du hast sie uns damals als eine Kollegin vorgestellt und dann hast du sie dir gleich geschnappt. Nicht schlecht für einen Mann der zu lange Single war."

Er hatte sich anscheinend wieder etwas gefangen.

Also meine Frau und ich werden jetzt etwas Essen gehen. Wir sehen uns dann später, ich habe einen Tisch Reserviert für unser kleines Spiel."

Er legte seine Hand auf Saras Rücken und führte sie nach draußen.

Kein schlechter Auftritt, mein Schatz.", flüsterte er ihr später zu.

Du hast gesagt ich soll deinen Glücksbringer spielen.", sagte sie halb Vorwurfsvoll.

Er betrachtete sie noch einmal.

Weißt du, wenn ich dich den ganzen Abend in dem Kleid ansehen muss, werde ich wahrscheinlich verlieren. Aber wie heißt es so schön…..Pech im Spiel."

Glück in der Liebe." Dafür bekam er noch einen Kuss.


Die Luft roch nach Scotch und Zigarren. Normalerweise würde Sara darüber die Augenrollen, es roch nach ‚Macho', der Testosteron gehallt wäre ihr etwas zu viel geworden und sie hätte sich zu Catherine geflüchtet. Aber heute war Sara die junge Mutter, vorbildliche FBI Agentin und mitfühlender CSI zu Hause geblieben.

Sie hatte ihr eigenes Getränk in der Hand und spielte gelegentlich mit der Cocktailkirsche.

Das Spiel befand sich auf dem Höhepunkt, Grissom und ein gewisser Dr. Rainer, waren die letzten die noch Karten und Chips hatten. Sie schmiegte sich an Grissoms Seite und schaute in seine Karten. Drei Könige, ein gutes Blatt, beide Spieler waren All in gegangen, hatten alle ihr Chips in die Mitte geworfen.

Rainer konnte anscheinend sein grinsen nicht verstecken und legte drei Buben auf den Tisch. „Dann zeigen sie mal was sie haben Dr. Grissom."

Grissom schaute gelassen kurz zu Sara, ohne das sein Pokerface irgendetwas verriet und legte seine Karten auf den Tisch. Ein raunen ging durch die Runde.

Wie kann man immer so ein gutes Blatt haben." Entfuhr es einem Mann.

Grissom faltete gelassen seine Hände und schaute zu Dr. Rainer. „Die Flotte Lotte gehört jetzt mir. Tut mir leid Dr. Rainer."

Sara schaute etwas irritiert. Flüsterte dann in sein Ohr.

Was ist Flotte Lotte, habt ihr nicht um Geld gespielt?"

Flotte Lotte ist ein Favorit, sie ist eine wahnsinnig schnelle Schabe."

Murmelt verließen die Männer den Tisch und Sara musste sich erst einmal setzen.

Du willst mir erzählen ihr habt die ganzen Stunden über, nur um Schaben gespielt?"

Grissom sah sie etwas enttäuscht und verletzt an. „Aber Rüdiger ist tot und kein Geld der Welt kann eine gute Rennschabe ersetzen."

Sara stand auf und ging in Richtung der Bar. „Ich brauche noch etwas zu trinken …."


Sara und Grissom machten es sich noch etwas an der Bar gemütlich. Danach schlenderten sie über den Strip. Die Lichter, der Alkohol und die gute Stimmung, ließen beide in Erinnerungen schwelgen.

Weißt du es ist fast schon schade dass wir schon verheiratet sind, ich hätte Lust es einfach wieder zu tun."

Grissom hielt sie fest, meinte dann etwas Geschockt: „Was ist es nur mit dir und dem Strip das du immer gleich Heiraten möchtest…ich denke wir habe uns oft genug die Treue geschworen. Und das noch mit einer Frau die eigentlich niemals Heiraten wollte."

Sara hielt ihn an: „Ich habe nie, niemals gesagt. Außerdem ist es nicht nur der Strip, es hat auch damit zu tun das ich einen Entomologen an meiner Seite habe... Warte mal es sind ja ganz viele in der Stadt!"

Er griff nach ihrer Hand und ging in die Richtung eines Taxis.

In Ordnung das reicht, keinen Alkohol mehr für dich, ich nehme dich in unserem Hotelzimmer unter Beobachtung."


Der nächste Morgen kam viel zu schnell. Grissom wurde durch sein Handy geweckt.

Wer würde denn um diese Zeit schon anrufen? Es sei denn es war etwas passiert?

Aus dem schlaf gerissen schnellte seine Hand zum Handy.

Grissom." Er hörte sich äußerst verschlafen an. Als sie zurück im ihrem Hotelzimmer waren hatte dort eine kleine Party noch stattgefunden. Er konnte den Alkohol noch auf seiner trockenen Zunge spüren.

Hey Griss, tut mir Leid das ich dich wach machen muss, aber es ist etwas passiert…."

Er richtete sich in dem Bett weiter auf und war nun hellhörig geworden.

Was ist passiert? Ist etwas mit William?"

Anscheinend hatte die Erwähnung ihres Sohnes nun auch Sara wach gemacht. Er spürte ihre Hand auf seinem Arm.

Wer ist dran?"

Er hielt kurz die Hand von seinem Mund weg. „Es ist Brass. Irgendetwas ist passiert."

Ist es William?", entfuhr es ihr.

Ich versuche das gerade heraus zu finden." Er widmete sich wieder dem Telefongespräch.

Jim, was ist los."

Man konnte hören wie er versuchte der Frage etwas auszuweichen. „Nun wie ich höre ist Sara jetzt auch wach."

Dies machte Grissom nur noch Nervöser. „Jim!" Sagte er mit Nachdruck.

Also gut, ich rufe an weil es einen Unfall gab, Conrad Ecklie ist heute Morgen verstorben."

Er war Fassungslos. „Was?" Nun spürte wie Sara ihn haute. „Was ist denn passiert Gil!" Ihre Stimme machte deutlich dass sie eine Antwort forderte.

Es ist Conrad, er ist heute Morgen verstorben. Lass mich kurz mit Jim reden und dann erzähle ich dir alles."

Sara schaute ihn etwas geschockt an. Verlies aber dann kurz das Bett um ins Badezimmer zu gehen. Als sie wieder zurück kam setzte sie sich neben Grissom.

Also was ist passiert? Wurde er ermordet? Wie geht es meiner Mutter?"

Er griff nach ihrer Hand und begann zu erzählen.

Anscheinend war es so ein schöner Tag gewesen das Laura, Conrad und William, draußen im Garten gefrühstückt haben. Conrad hat dann später mit William gespielt und seinen roten Ball in die Luft geworfen, dabei ist er irgendwann aber auf dem Dach gelandet. Conrad wollte mit einer Leiter den Ball runter holen, ist dann aber auf der Leiter ausgerutscht. Sie vermuten das er sofort tot war."

Sie hielt den Atem an. „Das ist ja furchtbar, wo sind William und meine Mutter?"

Er schaute sie betrübt an. „Laura war anscheinend wären dessen in unserem Haus und hat mit William ein Bilderbuch angeschaut. Das Team ist bei ihnen, Brass meinte aber wir sollten uns umziehen und zu ihnen fahren. Deine Mutter steht noch unter Schock…."


Zurück zu Hause war Sara kaum durch die Tür, war sie auch schon an der Seite ihrer Mutter, die vollkommen aufgelöst war. Sie saß auf ihrem Sofa, mit einem Taschentuch in der Hand, das sie fest umklammerte.

Mom, es tut mir so leid." Sie umarmte Laura und betrachtete die mitfühlenden Blicke ihrer Kollegen.

Es ging alles so schnell." Sagte Laura, ihre Stimme ganz rau.

Das Team verabschiedete sich und ließ die kleine Familie alleine.

Der einzige Mann der mir je etwas bedeutet hat…." Grissom setzte sich mit William neben Laura und griff nach ihrer Hand.

Es war ein tragischer Unfall….", versuchte er sie zu trösten.

Aber jetzt bin ich wieder alleine, gerade wo ich dachte alles läuft jetzt gut in meinem Leben."

Sara drückte Laura fester an sich. „Du bist nicht alleine, wir sind deine Familie und wir stehen das schon durch."

Grissom reichte ihr William und sie konnte sich ein kleines lächeln abringen.