„Ich schreibe ihnen und werde sie nach Hogwarts einladen", sagte er. Hermine lächelte, beugte sich zu ihm herunter und küsste ihn zärtlich.
11. Zufluchtsort
Ein wenig ein schlechtes Gewissen hatte Ron schon, dass er Harry nicht verraten hatte, wo er war. Fröstelnd saß er vor einer schäbig wirkenden Holzhütte, die sich weit außerhalb von London befand. Er hatte sie damals als Überraschung für Hermine gekauft. Als Zufluchtsort, damals als sie noch glücklich waren, damals als er sein Geld noch als Qudditch – Spieler verdiente. Wenig später stand er nicht nur vor den Trümmern seiner Karriere sondern auch vor den Trümmern seiner Beziehung. Das einzige was von beidem übrig geblieben war, war diese Hütte. Er hatte nie jemandem davon erzählt, sie war in all den Jahren immer mehr zerfallen, da sie nicht benutzt wurde. Ron war entsetzt wie schnell der Verfall vor sich gegangen war. Innen hatte er schnell alles wieder auf Vordermann gebracht, doch die Front der Hütte sah noch immer aus, als hätte sie einmal bessere Tage erlebt. Hier konnte Ron abschalten, zur Ruhe kommen. Über alles was in den vergangenen Tagen in Hogwarts passiert war nachdenken. Er sah noch immer Hermine und Neville vor sich und egal was er tat, die Beiden ergaben für ihn kein stimmiges Bild. Sie waren nicht füreinander geschaffen. Aber was sollte er machen? Er hatte seine Chance schon vor langer, langer Zeit verspielt und wusste nunmehr auch, dass sie nie wieder kommen würde. Er hätte keine Sekunde länger in Hogwarts bleiben können, zu sehr schmerzte ihn das Bild von Hermine und Neville. Sie schien glücklich zu sein, doch er hatte immer gehofft, dass ihr Glück eng mit seinem verbunden war und die Tage in Hogwarts hatten ihm gezeigt, dass dies nicht der Fall war. Sie hatte die Sache abgeschlossen, hatte weitergemacht. Ein Schritt vor dem er immer noch Angst hatte. Ron betrachtete die Sonne, die am Horizont langsam unter ging. Langsam stand er auf und betrat das Innere der Hütte. Mit einer schnellen Bewegung entfachte er im Kamin ein Feuer und als er sich umdrehte, um sich mit einer ebenso schnellen Bewegung einen Kaffee zu machen sah er, dass eine Gestalt in seiner Hütte war.
„Mir ist durchaus klar, dass er nicht zur Arbeit erschienen ist", sagte Harry zu Mr. Weasley, der ihm gegenüber im Vestibül des Ministeriums stand. Die Sonne war bereits untergegangen und Harry wollte an sich nichts mehr, als endlich dieses Gebäude zu verlassen und gemütlich die Füße hochzulegen. „Weißt du denn wirklich nicht, wo er sein könnte?", fragte Mr. Weasley. Harry schüttelte den Kopf. Er hatte alle Möglichkeiten ausgeschöpft, hatte sogar ehemalige Freundinnen von Ron besucht, doch alles war vergebens. Ron blieb verschwunden. „Er wird seinen Job verlieren!", polterte der sonst so ruhige Mr. Weasley. Einen Job, den er hasst, dachte sich Harry, sagte aber nichts weiter. Mr. Weasley verdrehte die Augen, angesichts des unreifen Verhaltens seines jüngsten Sohnes, sah dann Harry an und sagte: „Nun gut Harry, du kannst ja auch nichts dafür, dass sich Ronald mal wieder unmöglich aufführt, aber bitte melde dich wenn du etwas von ihm hörst. Molly ist in furchtbarer Sorge." Harry nickte und verabschiedete sich von Mr. Weasley. Er war ebenso in Sorge. Die Tatsache, dass Malfoy nun frei herumlief, ließ ihn nicht mehr los.
Ron fühlte etwas Kaltes an seiner Wange. Sein Kopf dröhnte. Er wollte sich aufstützen, doch er konnte nicht. Er konnte sich nicht rühren. „Ein Klammerzauber", durchfuhr es ihn. Er versuchte sich darüber klar zu werden wo er war, in der Ecke entdeckte er etwas Goldschimmerndes. Er war noch immer in seiner Hütte. In der Ecke konnte er seine alten Qudditch Medaillen entdecken. Er versuchte gegen den Klammerzauber anzukämpfen, doch je mehr er versuchte sich zu wehren, desto fester fühlte er sich umklammert. Er versuchte in seinem Gedächtnis zu kramen was passiert war. Wieso lag er hier auf dem Boden seiner eigenen Hütte und konnte sich nicht bewegen? Wer hatte gewusst dass er hier war? Er hatte doch niemandem von dieser Hütte erzählt. Erneut versuchte Ron einen stummen Gegenzauber anzuwenden, doch kaum hatte er den Versuch gestartet durchfuhr ihn ein entsetzlicher Schmerz, Ron wusste was das war. Vor Jahren hatte er schon einmal diesen Schmerz gespürt. Damals als er mit Harry und Hermine erfolgreich gegen Voldemort gekämpft hatte: Es war der Cruciatus-Fluch. Und im selben Moment wurde ihm klar wer ihm damals diesen Fluch verpasst hatte und wer auch heute noch dazu in der Lage war! Ron wurde auf den Rücken gedreht und über ihm stand mit einem diabolischen Grinsen Draco Malfoy!
