Disclaimer: Das ist eine Übersetzung. Das Original findet ihr unter Parenting Class von IcyPanther
Achtung, Leute: Ihr müsst euch leider langsam von Mini- Draco verabschieden! Im nächsten Kapitel wird er schon wieder zurückverwandelt. Nur mal so als Vorwarnung^^ Und jetzt viel Spaß bei diesem Chap!
Kapitel 11 – Daddys und Dobby
„Hallo, Mr. Malfoy", grüßte Harry. Seine Hand ballte sich fest um seinen Zauberstab, während er mit den Zähnen knirschte. Dracos Augen hatten sich vor Angst geweitet und Hermine nahm ihn in ihre Arme und zog ihm die Kapuze über den Kopf, um sein strahlendblondes Haar zu verdecken, da Lucius ihn noch nicht gesehen zu haben schien.
Ginny legte Pansy eine Hand über den Mund und schob das Mädchen hinter sich. Blaise und Neville, die spürten, dass etwas nicht in Ordnung war, zückten ebenfalls ihre Zauberstäbe. „Und einen schönen Tag wünsche ich dir, Potter. Ich schätze, es ist Hogsmeade- Wochenende und du hast dich nicht wieder mit deinen Freunden rausgeschlichen wie üblich?"
„Das stimmt", sagte der schwarzhaarige Junge gelassen. „Dürfte ich Sie fragen, was Sie hier tun?"
„Das geht dich nichts an, Potter. Aber wenn ich fragen dürfte, habt ihr meinen Sohn hier irgendwo gesehen? Er hat mir das ganze Jahr über nicht geschrieben und ich fange an, mir langsam Sorgen zu machen." Harry sah einen Schimmer von Groll durch die silbernen Augen des Mannes huschen und spürte, wie ihm ein Schauer über den Rücken lief.
„Nein, ich habe ihn den ganzen Tag nicht gesehen."
Die kalten Augen schweiften über Harry zu Hermine und dann zu dem Kind in ihren Armen. Er sah wieder hinauf und bemerkte, wie Harry beschützerisch vor dem Mädchen stand. „Und wessen Kind könnte das wohl sein?"
„Das geht Sie nichts an", knurrte Harry.
Genau diesen Augenblick wählte sich der Wind aus, um die Kapuze wegzuwehen, worauf das Markenzeichen der Malfoys, das silbrigblonde Haar, zum Vorschein kam. „Was hat das zu bedeuten?", verlangte er, während seine Augen sich in Hermine brannten.
„P-Professor Dumbledore ist... er ist...", dem Mädchen fehlten die Worte, da sie nicht wusste, wie sie ihr Projekt erklären sollte, ohne die Kinder zu verstören. Andererseits war nun, da Lucius sich so erbost zeigte, ans Licht gekommen, dass er Draco nicht erlaubt hatte, Hogsmeade zu besuchen, so wie Hermine es dem kleinen Jungen weisgemacht hatte, und das verwirrte ihn noch mehr.
„Ich kann es nicht glauben", murmelte Lucius. „Mein Sohn hängt mit Potter und einem Schlammblut herum. Was ist nur mit der Welt passiert?"
„Nenn sie nicht so!", protestierte Draco. Er wand seinen Kopf aus Hermines Umhang hervor und funkelte seinen Vater an, obwohl er immer noch furchtbar verängstigt wirkte. „Sie hat Magie in ihr... genau wie alle anderen hier."
„Was hast du gerade zu mir gesagt?", zischte Lucius. Er zog seinen eigenen Zauberstab und richtete ihn auf Draco.
Harry trat vor Draco und Hermine, seine grünen Augen glommen vor Wut. „Wagen Sie es ja nicht, etwas zu tun, das Sie bereuen könnten."
„Keine Sorge, Potter", feixte Lucius. „Ich bereue nie etwas." Ein betäubender Fluch schoss aus der Spitze seines Zauberstabs, gefolgt von einer kleinen Explosion, während ein weiterer Zauber den Boden traf und Wellen von Schmutz aufschäumten, die alle blendeten.
Hermine spürte, wie Draco aus ihren Armen gerissen wurde. Seine Schreie wurden gedämpft von dem lauten Fluchen, das von Blaise stammte, der versuchte, aus dem Nebel zu kommen. „DRACO!", rief sie und zerrte an dem Umhang des Kindes. Alles, was sie danach sah, war ein rotes Licht, das auf sie zugeschossen kam, bevor alles um sie herum dunkel wurde.
Lucius schlug eine Hand über den Mund seines Sohnes und trat aus dem Dunstschleier, bevor er fortapparierte, den strampelnden Draco in seinen Armen. Sekunden später tauchten die beiden tief in dem Wald auf, der an Hogwarts grenzte.
Das Gesicht des älteren Malfoys war vor Zorn verzerrt, als er Draco auf den Boden schleuderte. Das Kind zitterte vor Angst. „Was glaubst du, was du da tust?", blaffte er, während er auf den kleinen Jungen hinunterstarrte, der sich auf dem Waldboden zusammengekauert hatte.
„Hermine hat gesagt, Professor Dumbledore hat alles mit dir besprochen", schniefte Draco. „Sie hat gesagt, dass ich nicht in Schwierigkeiten kommen würde."
„Tja, jetzt steckst du in Schwierigkeiten, Bengel. Was denkst du dir dabei, dich mit einem Schlammblut herumzutreiben? Wir dürfen uns auf keine Weise mit ihnen einlassen! Hast du mich verstanden? HAST DU?", donnerte er, als Draco weiter schwieg.
„Hermine ist nett", flüsterte Draco. „Und ich mag sie... Mehr als dich."
Eine Sekunde später hatte Draco den Boden verlassen und war in der Luft, bevor er in einen Baumstumpf flog und zusammenbrach. „Sie behandelt mich nie so", schluchzte er und drückte sich gegen den Stumpf, während Lucius näher trat. „Sie sorgt sich um mich!"
„Und was lässt dich glauben, dass ich es nicht tue?", zischte Lucius. Seine silbernen Augen funkelten, bevor seine Hand hervorschnellte und das Kind ins Gesicht schlug. „Was lässt dich glauben, dass ich mich nicht um dich sorge?", wiederholte er. Er schlang seine linke Hand um Dracos Hals und hob ihn in die Luft.
Draco antwortete nicht, sondern schluchzte nur noch stärker, während seine Hände an Lucius' Fingern zerrten, um seinen Griff zu brechen. Angewidert warf der Mann ihn auf den Boden zurück, so dass der Kopf des Kindes gegen einen kleinen Stumpf krachte, der sich aus dem Boden hob.
„Ist das das Kind, das ich aufgezogen habe?", fuhr Lucius fort und trat Draco, so dass der Junge über den Boden rollte. „Jemand so Schwaches? Mit so schwacher Mentalität? Ist das wirklich mein Sohn?"
„Ich... will nicht... dein Sohn... sein", wimmerte Draco. Er setzte sich auf, legte eine Hand an den Kopf und führte sie wieder weg, wobei nun hellrotes Blut daran klebte. „Du hast dich nie um mich gesorgt... Hermine und Harry... tun es beide. Sie haben mich lieb!"
„Was sie dir erzählen, sind Lügen!", schnauzte Lucius und schlug das Kind wieder ins Gesicht. „Sie sorgen sich nicht um dich, Draco. Nur ich tue das."
„Nein, tust du nicht!", rief Draco, rappelte sich auf und wich zurück. „Wenn ich dir am Herzen liegen würde, würdest du mir nicht wehtun!"
„Und wenn du ihnen am Herzen liegen würdest, würden sie dann nicht hier sein?" Draco blieb stehen. Seine silbernen Augen weiteten sich. „Wenn sie sich wirklich um dich sorgen würden, wo sind sie dann?"
„Wir sind hier", verkündete Harry und tauchte aus den Bäumen hinter Lucius auf. Sein Zauberstab war auf den Mann gerichtet, ebenso wie die aller anderen. Pansy stand neben Hermine und hielt sie aufrecht, da sie noch immer etwas zittrig wirkte. „Und wenn Sie ihn noch einmal anrühren, wird es Ihnen noch leidtun."
„Wir können Sie wegen Kindesmissbrauch anzeigen", zischte Hermine. Ihre Augen funkelten vor Zorn.
„Es tut mir so leid, liebes Schlammblut", höhnte Lucius. „In der Zaubererwelt ist so etwas legal. Also hat es keinen Sinn, es zu melden... das wird nichts bewirken." Und damit disapparierte der Mann.
Harry rannte über die Lichtung zu Draco, der auf dem Boden saß, die eine Hand an den Kopf und die andere vorsichtig in den Schoß gelegt. „Oh mein Gott", murmelte Harry. Er schloss das Kind in seine Arme und wiegte ihn an der Brust.
„Ihr seid gekommen", flüsterte Draco und schaute zu Harry hinauf, während Tränen an seinen Wangen herunterströmten.
„Natürlich sind wir gekommen... wir haben dich lieb, Draco... es tut mir nur leid, dass wir nicht früher kommen konnten. Es war wirklich schwer herauszufinden, wohin ihr verschwunden seid, aber Ginny hat einen Ortungszauber geschafft, so dass wir euch aufspüren konnten."
Inzwischen hatte der Rest der Gruppe sich um sie herum versammelt. Hermine zog Draco aus Harrys Armen und drückte ihn an sich. Tränen tropften auf Dracos Kopf.
„Lasst uns zurück zum Schloss gehen", schlug Neville leise vor. „Deck Draco zu, damit niemand ihn sieht... sonst habt ihr eine Menge zu erklären."
Harry streifte seinen Umhang ab und wickelte ihn um Draco herum, der nun leise in Hermines Arme schluchzte. In gedrücktem Schweigen machten sie sich auf dem Weg zu den Kutschen, während Pansy immer wieder vorsichtig zu dem bebenden Bündel auf Hermines Armen spähte, die Augen vor Angst und Sorge geweitet.
Sie stiegen ruhig in die Transportmittel, jeder in seinen eigenen Gedanken versunken, die sich alle um den Slytherin drehten. Sobald die Kutschen angekommen waren, folgte alle Hermine zu dem Porträt des Narren.
„Und wie war der Ausflug?", fragte Leviculus fröhlich, während er Messer über seinem Kopf jonglierte.
„Parvulus", sagte Harry leise. „Wir sind gerade wirklich nicht in der Stimmung uns zu unterhalten, Leviculus... sorry", entschuldigte er sich, als er das lange Gesicht des Narren sah. Mit einem Seufzen schwang das Porträt zur Seite und alle traten ein. Ginny blinzelte einige Male, da sie die einzige war, die noch nicht die den verblüffenden „Regenbogen- Raum" erlebt hatte, wie Pansy ihn getauft hatte.
Hermine setzte sich auf einen der kürbisfarbenen Sofas und zog Harrys Umhang von Draco. Ihr Stirnrunzeln vertiefte sich, als sie die Menge an Blut sah, die an seinem Kopf haftete. „Es sieht nicht allzu tief aus... Harry, kannst du mir ein Tuch aus dem Bad und Wasser holen?" Der Junge nickte und verschwand im Badezimmer.
Neville ließ sich auf einem der Armsessel nieder und Blaise besetzte einen weiteren. Ginny setzte sich zu Hermines Linken und Pansy kletterte auf den freien Schoß. Harry kam ein paar Sekunden später zurück und reichte seiner Partnerin das Tuch, die begann, den seichten Schnitt an Dracos Kopf abzutupfen.
„Alles in Ordnung", beruhigte sie ein paar Augenblicke später und gab dem Kind einen Kuss auf den Kopf. „Tut noch etwas anderes weh?"
Draco schüttelte leicht den Kopf, obwohl die Wunden an seinem Hals und auf seinem Gesicht das Gegenteil bewiesen. Hermine umarmte ihn saft, überrascht, als er sich versteifte und zurückweichen wollte.
Mit einem Seufzten stand Hermine auf, Draco in ihren Armen. „Wir sind gleich wieder zurück", murmelte sie und ging ins Dracos Zimmer.
Die anderen Schüler warteten und legten langsam ihre Umhänge und Roben ab, da das Feuer bereits genug Wärme zur Verfügung stellte. „Kommt Draco wieder in Ordnung?", wollte Pansy wissen und zupfte an Ginnys Ärmel. Ihre Stimme klang in der Stille sehr laut.
„Das wird er", versicherte Ginny und drückte das Mädchen fest an sich. „Hermine wird alles wieder in Ordnung bekommen."
In diesem Augenblick tauchten Hermine und Draco wieder auf. Der Junge trug einen dunkelgrünen Pyjama, den Hermine ihm an diesem Tag gekauft hatte. Ein Verband war um seinen Kopf gewickelt und eine rote Decke war um ihn herum geschlungen.
„Wie schlimm war er verletzt?", erkundigte sich Ginny, während sie dem Kind ein trauriges Lächeln schenkte.
„Nicht so schlimm, wie ich gedacht habe", sagte Hermine lese. „Er hat Wunden am Rücken und Bauch, von Gott- weiß- was, und ein paar an seinem Hals und Gesicht. Und dann der Schnitt an seinem Kopf, aber er ist nicht wirklich tief."
„Was geht hier vor sich, Hermine?", verlangte Neville.
„Eine Sache noch, bevor ich dazu komme... Blaise, stimmt das, was Lucius gesagt hat?"
„Stimmt was?", fragte der Slytherin.
„Dass Kindesmissbrauch nicht illegal ist?"
„Es stimmt", sagte er seufzend. „Schau es dir doch mal an. Die meisten Menschen verbinden mit der Malfoy- Familie Dunkle Künste und Du- weißt- schon- wen, richtig?" Hermine nickte. „Erst im letzten Jahr ist er mit einem Haufen von anderen Todessern verhaftet worden. Aber wo ist er jetzt? Spaziert die Straße entlang mit all den anderen Zauberern und Hexen."
„Aber er ist überführt worden", protestierte die Hexe. „Warum verrottet er nicht in Azkaban?"
„Der Name Malfoy steht für Geld und Macht", erklärte Blaise. „Er kann sich genauso leicht aus einer lebenslangen Freiheitsstrafe freikaufen wie dafür, dass er sein Kind missbraucht. Soweit das Ministerium weiß, könnte er Tausende von Unschuldigen ermordet haben in seiner Zeit als Todesser, und doch wäre er immer noch auf freiem Fuß. Glaubst du wirklich, dass sie ihn dafür verhaften würden, dass er sein eigenes Kind verletzt?"
„Aber das ist nicht fair! Was hat Draco getan, um so etwas zu verdienen?"
„Die meisten Reinblüterfamilien halten ihre Erben an der kurzen Leine. Es kann überallhin führen: von Vernachlässigung bis zum Missbrauch, zum Tod, wenn sie allzu wütend werden. Glücklicherweise werden sie, wenn sie ihr Kind ermorden, für mindestens eine Weile weggesperrt."
„Alle Reinblüter?", flüsterte Harry erschüttert.
„Gar nicht wahr", widersprach Ginny. „Ich stamme aus einer Reinblüterfamilie und nichts davon kommt bei mir Zuhause vor. Und du doch auch, Neville, nicht wahr?"
„Ja... und nie passiert so etwas Ähnliches."
„Der Unterschied ist, dass ihr beide in eine andere Art von Reinblüterfamilie geboren seid. Die meisten Reinblüter schlagen sich auf die Seite von Ihm, dessen Name nicht genannt werden darf, und haben deshalb einige Familienprobleme. Jeder einzelne Slytherin in dieser Schule ist ein Reinblüter und ich wette, die meisten von ihnen haben die gleiche Art von Familienproblemen wie Draco."
„Wie steht's mit dir?", fragte Ginny und sah den schwarzhaarigen Slytherin besorgt an. „Geht es dir gut?"
„Ich werde zu Hause ziemlich ignoriert", antwortete Blaise. „Viel besser, finde ich, als erkannt und überallhin verfolgt zu werden. Man lernt es nach einer Weile auszublenden und dann ist es mir recht."
„Was ist mit dir?", fragte Ginny Pansy, die auf ihrem Schoß saß. „Sind deine Eltern nett?"
„Nicht wirklich", murmelte das Mädchen. „Vater brüllt eine Menge herum, aber er schlägt mich nie... nur Mutter. Und Mutter hat mich lieb... das sagt sie mir jede Nacht, wenn sie mich zudeckt."
„Dein Dad schlägt deine Mum? Kann er nicht dafür verhaftet werden?", verlangte Hermine.
„Nein", sagte Blaise. „Die Ehe ist ein ewiger Bund in Reinblüterfamilien. Die Frau widmet ihr Leben praktisch ihrem Mann und muss auf alles hören, das er sagt. Sie haben buchstäblich keine Freiheit mehr, nachdem sie ihr Gelübde abgelegt haben. Ins Ministerium zu gehen, würde also höchstwahrscheinlich gegen die Wünsche des Mannes verstoßen, was heißt, dass sie es nicht tun dürfen."
„Das ist furchtbar", murmelte Hermine und drückte Draco enger an sich.
„Hermine?", sagte Draco leise. „Kann ich ins Bett gehen? Bitte?"
Sie spürte, dass das Kind allein sein wollte, und ließ das Kind von ihrem Schoß gleiten. „Willst du, dass ich mitkomme, Draco?" fragte Pansy. Nach einem kurzen Zögern nickte Draco und Pansy hastete zu ihm, nahm seine Hand und führte ihn in sein Zimmer. Die Tür schloss sich leise.
„Ich hatte Recht", sagte Ginny, obwohl ein trauriges Lächeln über ihr Gesicht huschte. „Lucius hat ihn tatsächlich missbraucht."
„Woher wusstest du es?", fragte Harry.
„Als er am ersten Abend zum Essen gekommen ist, schien er Angst vor dir zu haben, Harry. Und sogar später schien er verängstigt. Deshalb habe ich in der Nacht nach dem Trip zum St. Mungos ihm gesagt, dass du ihn magst und nie verletzen würdest. Und dann am nächsten Tag hat er mir erzählt, dass ich Recht hatte."
„Deshalb hat er sich also von mir trösten lassen in der Nacht, als es gestürmt hat", überlegte Harry. „Weil du ihm gesagt hast, dass ich nett bin... ich glaube, er hat zu mir auch so etwas in der Art gesagt."
„Sollen wir Dumbledore davon erzählen?", fragte Blaise. „Ich meine, normalerweise würde ein Slytherin überhaupt nicht zu ihm hingehen, aber sollten wir ihm zumindest bescheid sagen? Ich meine, vielleicht könnte er den Sommer über bei Snape wohnen."
„Wir werden Draco danach fragen, wenn er wieder Sechzehn ist", sagte Hermine entschlossen. „Nach allem, was wir wissen, könnte Lucius in seinem normalen Alter damit aufgehört haben und es geht ihm gut. Ich meine, er spricht ständig von seinem Vater."
„Gutes Argument... aber es könnte auch nur Fassade sein. Ich schätze, wir werden einfach eine Weile warten müssen, was?"
„Wisst ihr, was ihn meiner Meinung nach aufmuntern würde?", schlug Harry vor. „Was ist, wenn wir ihn in die Küche hinunternehmen, um Dobby zu besuchen? Nach dem, was er gesagt hat, scheint er Dobby zu mögen."
„Tolle Idee, Harry!", rief Hermine. „Wir können uns auch heiße Schokolade holen gehen... wie wär's, wenn wir uns alle hier um Acht treffen? Wir schleichen uns runter und sind wieder im Bett, bevor jemand überhaupt bemerkt, dass wir weg waren."
„Habe ich gerade das Wort „schleichen" aus deinem Mund gehört?", sagte Blaise grinsend. „Wer hätte das gedacht? Die klügste Hexe, Hermine Granger, Miss Perfekt will sich „rausschleichen". Was mich angeht, ich bin voll dabei. Du bist im Augenblick nicht zufällig mit jemandem zusammen, oder?" Er zwinkerte ihr zu.
„Sie hat schon ein Auge auf jemanden geworfen", entgegnete Ginny feixend, was ihr einen harten Ellenbogenstoß in die Rippen einbrachte. „Naja, ist doch wahr. Sie will nur nicht, dass jemand davon erfährt."
„Ich glaube, ich weiß, wer das ist", gluckste Harry. „Könnte es – "
Hermine schlug eine Hand über den Mund des Gryffindors. „Niemand", knurrte sie scherzhaft. „Lassen wir es ein Geheimnis bleiben, okay?" Harry nickte und sie ließ ihn los.
„Also gut, ich gehe Pansy holen und wir sind um Acht zurück", sagte Neville und stand auf. Hermine begleitete ihren Freund ins Dracos Zimmer und öffnete behutsam die Tür.
„Warum lässt du sie nicht einfach hier? Harry und ich passen auf sie auf", bot Hermine an und lächelte, als sie die Kinder sah. Sie lagen zusammen unter der Decke. Getrocknete Spuren von Tränen zierten Dracos Gesicht und Pansys Arm war um ihn geschlungen. Beide schliefen tief und fest.
„Bist du sicher?"
„Ganz sicher. Sie in der Nähe zu haben, beruhigt Draco auch."
„In Ordnung." Sie traten wieder aus der Tür und Neville hob seinen Umhang vom Boden auf. „Dann bis heute Abend."
„Wir sehen uns später", sagte Ginny und küsste Harry auf die Wange. „Obwohl jemand vielleicht Dobby erklären sollte, was vor sich geht. Zum Beispiel kann er sagen, dass Lucius ihn hergeschickt hat, um ein neues Rezept zu lernen oder so was."
„Ich gehe gleich runter und lass es ihn wissen", versicherte Harry. „Bin gleich wieder da." Er schlang einen Arm um seine Freundin und sie gingen hinaus. Ihr Kopf war an seine Schulter gelehnt. Hermine starrte ihnen hinterher, bevor sie ein Seufzen ausstieß.
Sie ging in ihr Zimmer und zog sich saubere Sachen an, die frei von Schmutz und Schlamm aus dem Wald war. Sie zog ihren Schulranzen über das Bett, nahm Pergament heraus und begann, wild zu kritzeln, während ihre Augen über den Zauberergeschichte- Text flogen, der vor ihr lag.
Sie wollte gerade mit ihrem Zaubertränkeaufsatz anfangen, als sie hörte, wie ihre Tür geöffnet wurde. Sie blickte auf und sah Pansy hereinkommen. Das Mädchen zitterte und hatte die Arme um sich selbst geschlungen.
„Mit Draco stimmt was nicht", flüsterte sie. „Er weint und will nicht aufwachen."
Hermine rollte sich vom Bett und stürzte in Dracos Zimmer neben den Jungen. „Wach auf", drängte sie, zog ihn auf ihren Schoß und schüttelte ihn sanft. „Komm schon, Draco. Es ist ein böser Traum, nur ein Albtraum... nur ein Traum."
Mit einem Keuchen zuckte Draco in ihren Armen und schaute sich wild um, die Augen vor Angst weit aufgerissen. „Es ist okay", beruhigte Hermine und strich ihm über das Haar. „Du bist in Sicherheit." Langsam wurden seine Atemzüge wieder normal und sein Körper entspannte sich.
„Sorry", murmelte er.
„Wofür entschuldigst du dich? Es ist in Ordnung, dass du Angst hast... ich habe auch ganz oft Angst."
Pansy beugte sich herüber und umarmte ihren Freund. „Alles okay, Draco?", wisperte sie. Er nickte kurz.
„Wisst ihr was?", sagte Hermine strahlend, um die gedrückte Stimmung aufzuheitern. „Später gehen wir alle in die Küche runter... und wir haben dort eine Überraschung für dich. Ich bin sicher, sie gefällt dir."
Pansy schaute über ihre Schulter durch die Tür zu den orangefarbenen Sofas. „Wo sind Blaise und Neville hingegangen?", erkundigte sie sich.
„Wir treffen uns mit ihnen um Acht... wir wollten dich vorhin nicht aufwecken, deshalb haben wir dich schlafen lassen."
„Wo ist Harry?", fragte Draco.
„Er erledigt etwas", sagte das Mädchen ausweichend. „Er wird wahrscheinlich gleich mit dem Abendessen zurück sein. Er muss wissen, dass wir alle Hunger haben."
„Ich bin wieder da", rief Harry vom Porträt. „Und ich habe Essen mitgebracht."
„Hab's euch ja gesagt", strahlte Hermine. Sie hatte es im Gefühl gehabt, dass die Hauselfen ihren Freund nicht mit leeren Händen wegschicken würden und ihre Ahnung hatte sich als richtig erwiesen. Sie setzte Draco auf ihre Hüfte, nahm Pansy an die Hand und trat in den Gemeinschaftsraum.
„Sieht lecker aus", kommentierte Pansy und setzte sich an den pinken Tisch. Sie streckte die Hand nach einer cremegefüllten Pastete aus, doch Hermine versetzte ihr einen Klaps.
„Iss zuerst etwas von dem Hühnchen", wies das ältere Mädchen an und stellte einen Teller mit gegrilltem Hühnchen und Kartoffelbrei vor Pansy und einen weiteren vor Draco. „Danach könnt ihr eine Pastete essen."
„Warum kann Harry dann jetzt eine essen?", schmollte Pansy.
Harry erstarrte. Ein Klecks Schokoladencreme tropfte ihm aus dem Mund, als er Hermine verlegen anlächelte. „Harry James Potter! Nichts Süßes vor dem Abendessen! Das weißt du doch!"
„Schorry", mampfte Harry. Er schluckte den Bissen hinunter. „Aber sie sehen so gut aus!"
„Und du willst, dass die Kinder diese Einstellung zum Essen übernehmen? Nur das essen, was ihrer Meinung nach gut aussieht?"
„Nein..."
„Dann tu es auch nicht!"
„Schon gut, hab's kapiert", brummte Harry, die Hände vor sich ausgestreckt, um Hermine zu beschwichtigen.
Ihre Aufmerksamkeit wandte sich wieder den Kindern zu. Sie überwachte ihre Mahlzeit und stellte sicher, dass sie nichts Süßes stibitzten. Harry, der sich wie ein bestrafter Hund fühlte, schmollte schweigend in seinem Armsessel und warf den Süßigkeiten, die ihn in Versuchung geführt hatten, tödliche Blicke zu.
Nach dem Essen und Nachttisch (Harry bekam nichts mehr davon, sehr zu seiner Entrüstung), setzte die Gruppe sich auf den geflochtenen Teppich vor dem prasselnden Feuer und ließ die Wärme über ihre Gesichter tänzeln.
Hermine begutachtete sorgfältig die Wunden an Dracos Gesicht und Hals und fügte eine Tinktur hinzu, die die Schwellung reduzierte. „Könntest du das für mich trinken?", fragte sie Draco und hielt eine kleine Tasse mit dunkelblauer Flüssigkeit hoch. „Das ist ein Verbergungstrank", sagte sie, als sie die erhobene Augenbraue bemerkte. „Wenn wir jemanden in der Halle treffen, soll er diese Wunden nicht sehen."
Gehorsam nahm Draco die Tasse entgegen und trank sie aus, das Gesicht zu einer Grimasse verzogen. „Das schmeckt widerlich", stöhnte er und nahm den Becher Wasser, den Harry ihm entgegenhielt.
„Du kannst doch nicht erwarten, dass es nach Kirschen schmeckt", erwiderte Hermine grinsend. „Aber zumindest hat er funktioniert." Wie durch Zauberei, was es ja auch war, waren die Male in die blasse Haut des Jungen zurückgewichen, so dass sie wieder unbeschädigt und rein aussah.
Das Porträt schwang kurz darauf auf und ließ Ginny, Neville und Blaise herein. „Wie seid ihr reingekommen?", fragte Hermine verblüfft.
„Ich habe mir das Passwort gemerkt", antwortete Ginny stolz. „Wollen wir gehen?"
Alle drei waren in Pyjamas, bereit vorzutäuschen, dass sie schlafwandelten, falls jemand sie erwischte. „Ich habe einen Schlafanzug für Pansy", sagte Neville. Das kleine Mädchen nahm die Anziehsachen mit einem Lächeln entgegen und zog sich ins Badezimmer zurück.
„Ich geh mich fertigmachen", sagte Hermine. Harry ging ebenfalls in sein Zimmer und tauchte Augenblicke später mit einem übergroßen T-Shirt und einer rot- goldenen Hose auf.
Schon bald lief die Gruppe die Korridore entlang, wobei Ginnys Zauberstab die einzige Lichtquelle darstellte. Draco saß auf Hermines Armen und Pansy auf Blaises, da beide Kinder in der erdrückenden Dunkelheit in Sicherheit sein wollten.
Minuten später gelangten sie zu dem Porträt einer Obstschale und Pansy und Draco warfen sich einen Blick zu. „Wo führt es hin?", wollte Pansy wissen, während Harry vortrat und die Hände über eine grüne Birne führte.
Mit einem schrillen Lachen verwandelte die Frucht sich zu einer Türklinke und Harry zog sie auf. „Zu der Küche", sagte er mit einem Lächeln. „Rein mit euch."
Draco und Pansys Augen, ebenso wie bei Blaise und Neville, die nie zuvor in der Küche gewesen waren, weiteten sich, während sie die geschäftige Szene vor sich aufnahmen. Hauselfen eilten hin und her, einige kochten an riesigen Herden, andere wuschen Geschirr ab und einige wischten den Boden.
Dampf und Rauch kam von einer Abteilung der Küche von den Öfen und laute, hohe Stimmen plapperten ohne Ende. Ein Hauself löste sich von der Menge und rannte auf sie zu.
„Meister Draco! Dobby ist so froh, dass Ihr Dobby besuchen kommt!", rief der aufgeregte Elf und umarmte Draco um den Bauch herum.
„Dobby?", sagte der Junge und besah sich den Elfen. „Dobby!", jauchzte er und umarmte die Gestalt.
„Meister Draco... bitte.... Dobby ist... kitzlig!", rief der Elf lachend, während er versuchte, sich von dem Kind zu befreien, das im Augenblick seine Hände über Dobbys Bauch fahren ließ, ein Grinsen auf dem Gesicht.
„Ohh, sind sie nicht süß?", gurrte Hermine und schoss ein Foto. „Es war wirklich eine gute Idee, ihn mit hierherzunehmen", sagte sie leise zu Harry. „Schau nur, wie glücklich er ist."
Pansy stürzte sich ebenfalls in den Kitzelkampf und das Gelächter der drei übertönte die Küchengeräusche. Ein Klang von Glückseligkeit und Entzücken. Indem er eine Rolle über den Boden ausführte, gelang es Dobby, den Slytherins zu entkommen, bevor er seine eigene Magie heraufbeschwor, worauf die beiden sanft auf den Boden genagelt wurden, immer noch vor Lachen kreischend.
„Soll Dobby Harry Potter und seinen Freunden heiße Schokolade holen?", fragte der Elf und verbeugte sich vor der Gruppe.
„Das wäre toll, Dobby", sagte Harry lächelnd. „Können wir uns auch irgendwo hinsetzen?" Begeistert nickend führte Dobby sie zu einem Tisch im hinteren Teil der Küche, über den eine blau- weiße Tischdecke gebreitet war und wo eine Vase mit Blumen in der Mitte stand.
„Dobby wird Meister Dracos und Miss Pansy befreien gehen und Ihnen heiße Schokolade bringen." Der Elf verschwand in der Menge seiner Gesellen. Einige Sekunden später tauchten zwei Kinder auf, die sich gegenseitig stützten und immer noch lachten.
„Was macht Dobby denn hier?", kicherte Pansy. „Ich dachte, er wäre bei dir zu Hause, Draco."
„Er ist hergekommen, um zu lernen, wie man ein Puddinggericht zubereitet", sagte Hermine hastig. Sie war dankbar, dass Dobby auf seine Hüte und Socken verzichtet hatte, so dass Draco nicht misstrauisch wurde, wenn er seinen Familienelf mit Kleidung sah.
„Ich hoffe, er macht es dann, wenn ich wieder zu Hause bin", sagte der Junge lächelnd.
„Ich bin sicher, das wird er", erwiderte Hermine. „Oh schau! Da kommen unsere Getränke!"
Vorsichtig setzte Dobby ein Tablett mit dampfenden Tassen ab. Jeder Krug enthielt eine dunkle Flüssigkeit mit aufgeschlagener Milchcreme. „Vielen Dank, Dobby", sagte Hermine und nahm einen Schluck. „Köstlich!"
„Kein Problem, Hermine Granger." Dobby wurde rot und scharrte mit dem Fuß auf dem Boden herum.
„Willst du dich zu uns gesellen?", bot Harry an.
„Dobby... sich zu Harry Potter und Meister Draco gesellen?", flüsterte der Hauself. „Sehr gerne!", rief er, beschwor sich einen Stuhl herauf und kletterte neben Draco darauf.
„Ich bin froh, dich wiederzusehen, Dobby", sagte Draco lächelnd und umarmte den Elfen. „Aber wird Vater nicht wütend sein, dass du nicht zu Hause bist?"
„Nein... Meister Lucius weiß, dass Dobby hier ist", entgegnete der Hauself, was Harry ein erleichtertes Seufzen entlockte, da er gefürchtet hatte, dass der Elf vergessen würde, was er ihm eingetrichtert hatte.
Für die nächste Stunde unterhielt die Gruppe sich. Draco war zufrieden, einfach nur neben seinem langjährigen Freund und Aufpasser zu sitzen, seine heiße Schokolade zu schlürfen und an Keksen zu knabbern, die ein anderer Elf herübergebracht hatte.
„Ich denke, es ist Zeit, dass wir gehen, Dobby", verkündete Harry. Er stand auf und streckte sich. „Pansy und Draco sollten ins Bett."
„Aber wir sind nicht... müde", gähnte Pansy und blinzelte schläfrig. Neville lächelte auf seinen Schützling hinunter und nahm sie auf die Arm, worauf das Mädchen einen Augenblick später eingeschlafen war.
„Wiedersehen, Dobby", sagte Draco unter Tränen und umarmte den Elfen ein letztes Mal.
„Dobby wird Meister Draco später sehen", antwortete Dobby lächelnd und erwiderte die Umarmung. „Passt auf Harry Potter und seine Freunde auf."
Die Schüler verabschiedeten sich voneinander. Ginny stahl sich in den Gryffindor- Turm zurück und Blaises Gruppe machte sich auf den Weg zu ihrem kleinen Zuhause, während Harrys zu ihrem aufbrachen.
„Das war ein schönes Ende für den Tag", gähnte Harry, als sie in die Sicherheit ihres Raumes traten. „Zeit für's Bett."
Alle drei tappten in das Badezimmer, um sich die Zähne zu putzen, und dann zu Dracos Zimmer, um das Kind zu Bett zu bringen, dessen Augen bereits zufielen. „Draco", sagte Hermine sanft. „Harry und ich wollen dir etwas geben, bevor du einschläfst."
Das Kind schaute sie voller Interesse an und blinzelte sich den Schlaf aus den Augen. Harry hob ein Päckchen vom Boden auf und reichte es dem Jungen. „Mine und ich haben es gestern für dich gemacht", sagte er grinsend. „Wir hoffen, es gefällt dir."
Draco zog das Papier in Streifen ab und nahm den Deckel von dem Kasten. Ein überraschtes Keuchen entfloh seiner Kehle. „Das ist wirklich für mich?", flüsterte er, während ihm Tränen in die Augen stiegen.
„Es gehört dir", antwortete Hermine zärtlich. Draco griff in die Box und drückte den Gegenstand an sich. Es war ein weicher, grüner Plüschdrache, den die Gryffindors am Tag zuvor ohne Zauberei genäht und bestickt hatten. Schwarze Knopfaugen und silberner Glitzer über den smaragdfarbenen Schuppen unterstrichen die Schönheit des Tieres, dessen Flügel glänzten und biegbar waren.
„Vielen Dank", murmelte Draco, sprang auf und schlang seine Arme um seine Vormünder, deren Arme ihn an sie drückten.
„Gern geschehen, Draco", wisperte Hermine. „Wirklich gern geschehen."
