Alle Charaktere und sämtliche Rechte an ‚NCIS: Los Angeles' gehören CBS und Shane Brennan Productions. Die folgende Geschichte dient keinerlei kommerziellen Zwecken, sondern wurde nur zum Vergnügen für Fans geschrieben. Eine Verletzung des Copyrights ist nicht beabsichtigt. Alle weiteren Personen gehören der Autorin.

Viel Spaß beim Lesen und ich freue mich auf Eure Rückmeldungen.

Kapitel 11 - Ende gut, alles gut?

Dreckig und erschöpft schlurfte Joann hinter Callen ins Haus. Es war mitten in der Nacht und sie kamen erst jetzt von ihrem Einsatz auf der Ranch zurück. Während Callen Teams eingeteilt hatte, die systematisch das komplette Gelände nach versteckten Gegnern absuchten, hatte sie mit ihren Kollegen die Schar Computertechniker ‚gehütet'. Ständig war einer aus der Scheune gelaufen, weil er noch irgendetwas von der Ausrüstung brauchte, die sie nicht mit hineingenommen hatten. Mehrfache Ermahnungen halfen da gar nichts. Mit Erleichterung hatte Joann die Meldung zur Kenntnis genommen, dass das Gelände sicher sei. Jetzt konnte sie das sprunghafte Verhalten der Techniker mit Gelassenheit betrachten.

Callen ging zielstrebig in die Küche und öffnete den Kühlschrank. Er warf dem Bier einen sehnsüchtigen Blick zu, griff sich aber stattdessen eine Flasche Wasser. Callen konnte sich nicht an seine letzte Mahlzeit erinnern, daher wäre ein alkoholisches Getränk keine gute Wahl gewesen.

„Jo?" Fragend hielt Callen seiner Freundin eine Flasche Wasser hin.

Sie schüttelte den Kopf. „Nein, danke. Mir ist nach Tee." Mit müden Bewegungen begann Joann, sich welchen aufzubrühen. „Wie fühlst Du Dich, G?"

Diese Frage verblüffte Callen. „Ziemlich erledigt. Wie Du auch. Jo, warum fragst Du?"

„Das meinte ich nicht, G." Joann konzentrierte sich voll auf die Zubereitung des Tees und sah Callen nicht an. „Ich sehe, dass Du Deinen Arm schonst und leicht hinkst. Wenn Du Dich unbeobachtet glaubst, ist Dein Gesicht schmerzverzerrt und manchmal hältst Du Deine Seite." Endlich sah Joann auf und blickte ihrem Freund direkt in die Augen. „Hetty hatte Dich wegen Deiner Verletzungen nur für den Innendienst freigegeben. Trotzdem warst Du mit auf der Ranch und hast Dich, wie immer, voll eingesetzt."

Callen hielt dem Blick eisern stand. „Nichts hätte mich davon abhalten können, mit Euch da rauszugehen. Dass wusste Hetty. Deswegen hat sie mir die Leitung übertragen." Dann wurde sein Blick sanft. „Du bist eine gute Beobachterin. Der Einsatz war hat weder meiner Schulter noch meinen Rippen gut getan." Eine gewisse Wehmut erschien auf seinem Gesicht. „Ich bin keine zwanzig mehr. Das Leben, dass ich geführt habe und noch immer führe, hinterlässt Spuren."

Diese Worte brachten Joann dazu, schwach zu lächeln. „Verletzungen heilen in unserem Alter nicht mehr so schnell und nach einem Einsatz wie diesem braucht man länger, bis man wieder fit ist. In jungen Jahren steckt man das leichter weg." Dann lachte sie leise. „Ich wette, Ray schläft ein paar Stunden und steht dann frisch wie der junge Morgen auf."

Callen fiel in das leise Lachen ein. Dann nahm er Joann in seine Arme. Sie schmiegte sich an ihn, vorsichtig darauf bedacht, ihm nicht weh zu tun. Eng umschlungen standen sie in der Küche, hingen ihren Gedanken nach, glücklich darüber, einander zu haben.

Das Schweigen zwischen Deeks und Kensi war massiver als die chinesische Mauer. Sie hatten zusammen gekämpft, sich gegenseitig dabei gedeckt und gemeinsam auf ihre Kollegen aufgepasst. Ihre Zusammenarbeit war häufig wortlos und absolut aufeinander eingespielt. Aber jetzt, wo alles vorbei und sie auf dem Heimweg waren, war die Wortlosigkeit kein Zeichen für ein eingespieltes Team. Die Stille war unangenehm, weckte dunkle Gefühle. Weder Kensi noch Deeks waren in der Lage, dieses Schweigen zu brechen.

Kensi hielt vor Deeks' Appartementhaus. Er zögerte einen Moment, suchte nach einem Grund, etwas zu tun oder zu sagen. Aber Deeks fiel nichts ein und so stieg er schließlich aus.

„Wir sehen uns morgen." Deeks' Stimme war tonlos.

Kensi sah starr vor sich auf die Straße. „Sicher."

Die Autotür schlug zu und Kensi gab Gas. Erst nach einer Weile registrierte Kensi, wie feste sie das Lenkrad umklammerte. Sie sah auf ihre Hände, deren Knöchel schneeweiß waren. Dann begannen Kensis Hände zu zittern. Ein leises Keuchen entfuhr ihr, sie spürte Feuchtigkeit auf ihrer Wange. Kensi lenkte den Wagen an den Straßenrand und versuchte, sich wieder zu fassen. Stattdessen liefen ihre Tränen immer heftiger und Kensi konnte ihre Hände nicht vom Steuer lösen, so verkrampft waren sie. Es dauerte eine Weile, bevor sie weiterfahren konnte.

Deeks sah Kensi hinterher, bevor er mit schleppenden Schritten in sein Appartement ging. Er war es gewohnt, dass Kensi ihn aufzog, sich mit ihm stritt und hin und wieder - oder auch öfter - eine kleine Boshaftigkeit fallen lies. Das gehörte zu ihrer Partnerschaft. Auch ihre Beziehung war turbulent, aber bisher hatten sie es immer geschafft, am Ende miteinander zu reden und Probleme zu lösen. Deeks war bewusst, dass Kensi sich hinter ihrer burschikosen Art versteckte. Niemand sollte ihre weiche, verletzbare Seite sehen. Und obwohl sie nun schon eine Weile ein Paar waren, versteckte sich Kensi immer noch hin und wieder vor ihm. Okay, er war auch nicht besser. Nur dass er sich hinter dummen Sprüchen und einem flapsigen Auftreten versteckte. Als er Kensi offenbart hatte, der er mit ihr leben wollte, hatte er sich komplett geöffnet. Umso mehr tat ihm Kensis Reaktion weh. War ihre Beziehung bereits am Ende? Erschöpft ließ sich Deeks auf sein Sofa fallen. Bevor er jedoch weiter über seine Beziehung mit Kensi nachdenken konnte, schlief er ein.

Leise ging Sam in das Zimmer seiner Tochter und sah ihr beim Schlafen zu. Eine Mischung aus Frieden und Beklommenheit überkam ihn. Friede, weil er hier zu Hause bei ihnen war und es allen gut ging. Beklommenheit, weil er wieder gehen musste ohne zu wissen, wann und ob er zurück kommen würde. Mit einem leisen Seufzer betrat er das Schlafzimmer. Auch seine Frau schlief. Leise legte er sich neben sie. Aber irgendetwas, das er getan hatte, ließ seine Frau erwachen. Sie drehte sich zu ihm um und schmiegte sich schläfrig an ihn.

„Alles in Ordnung?"

„Ja, der Einsatz war ein Erfolg."

„Gut."

Sam schlang seine Arme um sie, während seine Frau wieder einschlief. Trotz seiner Erschöpfung lag er noch lange wach.

Joann hatte mit ihrer Vermutung nicht ganz Unrecht. Auf seinem Weg nach Hause holte Ray sich noch eine Portion Fast Food. Dort angekommen, nahm er eine Dusche, legte sich hin und schlief sofort ein. Allerdings war ihm keine friedliche Nachtruhe gegönnt. Schweißgebadet wachte er aus einem Alptraum auf. Statt die Bomben zu entschärfen, hatte er sie ausgelöst und seine Freunde und Kollegen getötet. Es dauerte lange, bis sich sein Herzschlag wieder beruhigte und Ray erneut einschlafen konnte.

Nicht wirklich erholt stand Joann mit einer Tasse Kaffee in der Hand im Bürobereich und lauschte, zusammen mit ihren Kollegen, Nells Bericht über die ersten Auswertungen von Masons Daten.

„Wir haben die ganze Zeit gedacht, dass Mason mehr oder weniger alleine gehandelt hat. Das van Pietso ihn nur finanziell unterstützt, um als Gegenleistung Informationen zu erhalten. Das stimmt so nicht. Anscheinend gibt es da eine Art Konsortium von unterschiedlichsten Verbrechern. Die haben die Ranch mit dem Serverraum finanziert."

„Flynn Mason hat schon immer Informationen gesammelt, besonders gerne die, mit denen er andere erpressen konnte." Hetty löste Nell ab. „Diese Informationen waren der Grundstock. Die Mitglieder des ‚Konsortiums' haben ihrerseits auf ihre Art ebenfalls Informationen beschafft und diese beigesteuert. Mason hat alle Informationen zusammengeführt und ausgewertet. So hat er von Ermittlungen gegen seine Partner erfahren, von geplanten Razzien oder welche Politiker, Wirtschaftsbosse, Militärs erpressbar und somit nützlich für die Konsortiumsmitglieder waren."

„Also doch kein böses Superhirn, dass die Welt erobern will."

„Richtig, Mr. Deeks." Hetty schmunzelte. „Das ist auch die Erklärung dafür, warum so viele verschiedene Behörden und Agencies in die Sache verstrickt schienen."

„Und ich hatte gehofft, dass ich am Ende dieses Falls ein paar Superkräfte mehr haben würde." Mit traurigen Hundeaugen sah Deeks in die Runde.

„Ich wusste gar nicht, dass das ununterbrochene Ablassen dummer Sprüche eine Superkraft ist." Mit ausdrucksloser Miene kommentiere Sam Deeks' Klage.

„Oder die Fähigkeit, ständig wie ein Zottelkopf auszusehen." Callens Miene war ebenfalls ausdruckslos.

Und schon war ein Gespräch voller frecher Sprüche im Gange, dem Hetty mit leichtem Schmunzeln folgte. Sie war erleichtert, dass ihre Leute über die jüngsten Ereignisse ihren Humor nicht verloren hatten.

Besorgt hatte Joann ihre Freundin beobachtet, die ungewöhnlich schweigsam war. Kensi hatte tiefe Ringe unter den Augen, sah noch erschöpfter aus als nach Beendigung des Einsatzes und wirkte leicht zittrig.

„Was ist denn mit Dir los?"

„Mir geht es gut."

Joann glaubte, aus diesen wenigen Worten Trotz, Erschöpfung, Angst und eine Spur Verzweiflung herauszuhören. Sie schüttelte leicht den Kopf, ergriff Kensi am Arm und zog sie entschlossen mit sich. In einer ruhigen, unbeobachteten Ecke knöpfte Joann sich ihre Kollegin vor.

„Erzähl mir keinen Mist, Kensi. Selbst ein Toter sieht besser aus als Du. Was ist los? Und ich will weder Ausflüchte noch Lügen hören."

Der scharfe Ton, indem sie angesprochen wurde, riss Kensi aus ihrem Gefühlsdurcheinander.

„Jo, ich weiß nicht, was ich machen soll…Deeks, er hat…" Kensi schloss für einen Moment die Augen, sammelte sich. „Deeks hat mir gesagt, dass er mit mir zusammenleben will." Pure Verzweiflung lag in ihrer Stimme.

Joann starrte ihre Freundin an und war sich nicht sicher, ob sie das Gehörte richtig verstanden hatte. „Du schläfst schlecht, bist giftig zu Marty und streitest Dich dauernd mit ihm, weil er mit Dir zusammenleben will?"

Wortlos nickte Kensi. Joann unterdrückte mühsam das Lachen, das in ihr aufstieg. Anstatt sich darüber zu freuen, dass ihr Freund erwachsen wurde, hatte Kensi einen schlichten Panikanfall.

„Was hast Du darauf geantwortet?"

„Gar nichts. Ich bin einfach gegangen."

Joann suchte nach jedem bisschen Selbstbeherrschung, das irgendwo in ihr verborgen war, um ihre Freundin nicht zu packen und wild zu schütteln.

„Und hast seitdem wahrscheinlich kein Wort zu Marty gesagt."

Kensis erneutes wortloses Nicken bestätigte Joanns Vermutung. Ein tiefer Seufzer entfuhr Joann. Nach allem, was das Team in den vergangenen Monaten durchgestanden hatte, stand hier gerade eine Beziehung und Partnerschaft kurz vor dem Zerbrechen. Wut, Unverständnis und Frust würden niemandem helfen.

„Kensi, hast Du inzwischen wenigstens darüber nachgedacht? Ist das eine Option für Dich? Oder bist Du noch nicht so weit?" Kensi sah Joann nur schweigend an. „Willst Du überhaupt noch eine Beziehung mit Marty haben?" Die einzige Reaktion war, dass Kensi ihren Blick senkte. „Liebst Du ihn noch, Kensi?"

Das Schweigen wog schwer. Kensi hielt weiter ihren Blick gesenkt und Joann wartete ab. Nach einer gefühlten Ewigkeit sah Kensi wieder auf. Ihre Antwort war nur ein Flüstern.

„Ja."

Erleichtert entspannte Joann sich etwas. Hier hatte sie eine Basis, auf der sie aufbauen konnte. Ihre Stimme war jetzt ganz sanft.

„Das solltest Du Marty sagen, Kensi. Ich glaube nicht, dass er das noch weiß. Oder daran noch glaubt."

„Ich weiß nicht, wie." Kensi flüsterte immer noch.

Erneut konnte Joann einen tiefen Seufzer nicht unterdrücken. Immer noch hatte sie das Bedürfnis, ihre Freundin kräftig zu schütteln.

„Wo ist das Problem, Kensi? Du liebst Marty und er Dich. Sonst hätte er Dich nicht gebeten, mit ihm zusammen zu ziehen. Was jagt Dir daran so große Angst ein?"

Anstatt ihr eine Antwort zu geben, warf Kensi Joann nur einen verzweifelten Blick zu. Ganz plötzlich fiel bei Joann der Groschen.

„Du hast Angst, dass er plötzlich verschwinden könnte. So wie Dein Verlobter vor einigen Jahren. Und dass Du das nicht verkraften würdest." Joann stellte keine Frage.

Kensi nickte langsam. „Ja." Ihre Stimme war immer noch ein Flüstern.

Joann seufzte zum dritten Mal tief. Sie und Kensi hatten viel Vertrauen zu einander und besprachen auch sehr persönliche Dinge. Es verletzte Joann, dass Kensi diesmal nicht zu ihr gekommen war. Aber dieses Gefühl war zweitrangig. In erster Linie ging es jetzt darum, Kensi zu helfen. Und Deeks. Sanft legte Joann ihre Hand auf Kensis Arm und brachte sie dazu, sich zu setzen. Sie atmete ein paar mal tief durch und sah ihre Freundin ernst an.

„Kensi, ich kann keine Entscheidung für Dich fällen. Ich weiß auch nicht, ob Du zu diesem Schritt schon bereit bist oder nicht. Das kannst nur Du wissen. Aber Du solltest mit Marty sprechen. Sofort. Sonst wirst Du ihn verlieren. Und, Kensi, Marty ist nicht Dein Verlobter. Bitte vergiss das nicht."

Kensi sah starr vor sich hin, nickte dann langsam. „Ich weiß, aber ich habe keine Ahnung, was ich sagen soll."

Die Agentin wirkten hilflos, ein ungewohnter Anblick. Aber Joann konnte sie verstehen, schließlich hatte sie sich schon in einer ähnlichen Situation befunden.

„Die Wahrheit. Was Du fühlst. Was Dir Angst macht. Du schuldest es Marty und Eurer Beziehung."

Diesmal war es Kensi, die tief seufzte.

Unerwartet schnell war dieser Tag vorbei, obwohl er hauptsächlich aus der Erledigung von langweiligem Papierkram bestand. Aber nach den aufreibenden Wochen waren alle erleichtert, dass dieser Tag ruhig und friedlich verlief. Alle packten ihre Sachen zusammen. Die übliche gute Lauen im Team ließ dabei noch etwas zu wünschen übrig. Unter anderem fehlten Deeks' dumme Sprüche. Er hatte seine Sachen regelrecht zusammengerafft und fluchtartig das Hauptquartier verlassen. Verblüfft sahen ihm die Kollegen nach, während Kensi bestürzt zu Joann hinüber blickte. Die nickte ihr aufmunternd zu. Kensi ging zu ihrem Wagen und fuhr direkt zu Deeks' Appartement, aber er war nicht zu Hause. Grübelnd ging die Agentin zu ihrem Wagen zurück. Dann zog ein Lächeln über ihr Gesicht. Sie hatte so eine Ahnung, wo sie ihren Freund finden konnte.

„Worüber denkst Du nach?" Callen sah zu seiner Freundin hinüber. Sie fuhr gewohnt sicher, machte aber den Eindruck, mit ihren Gedanken weit weg zu sein.

„Kensi und Marty."

Callen seufzte. Er hatte so etwas schon geahnt. „Du weißt also, was mit den beiden los ist."

Nach kurzem Zögern setzte Joann ihren Freund ins Bild. „Ich weiß auch, was Du jetzt sagen willst: Ich kann nichts tun, dass müssen die beiden miteinander ausmachen. Das ist mir klar und ich halte mich ja auch raus - weitestgehend. Das hindert mich aber nicht daran, mir Sorgen zu machen."

„Was sagt Dein Bauchgefühl?"

Verblüfft sah Joann kurz zu Callen, konzentrierte sich dann wieder auf den Verkehr. „Das Kensi durchaus bereit ist, mit Marty zusammenzuziehen. Aber ihre Angst vor einer Fehlentscheidung ist so groß, dass sie davon regelrecht blockiert ist. Sobald Kensi ihre innerliche Erstarrung überwinden kann, wird sie es selber erkennen."

Callen schmunzelte. Joann hatte gerade eben ihre eigene Situation beschrieben, als er sie gebeten hatte, mit ihm zusammenzuleben.

Joann war leicht irritiert über Callens Verhalten. Sie hatte eigentlich einen Vortrag darüber erwartet, sich aus der Beziehung ihrer Freunde und Kollegen herauszuhalten. Stattdessen kam die Frage nach ihrem Bauchgefühl und dann ein Schmunzeln. Grübelnd runzelte Joann die Stirn.

„Oh. Schon klar."

Jetzt lachte Callen. „Das hat aber lange gedauert, Jo."

Sie zog einen Flunsch. „Immerhin ist der Groschen gefallen, G." Dann wurde Joanns Gesicht wieder ernst. „Hoffentlich wartet Kensi nicht zu lange."

Während die Agenten nach Hause fuhren, saßen Eric und Nell vor ihren Computern. Weiterhin waren Computertechniker und Computerforensiker auf der Ranch, weil sich niemand sicher war, was beim Ausbau der Festplatten geschehen würde. Daher mussten sich die beiden mit den Bruchstücken zufrieden geben, die ihre Kollegen von den Datenträgern kopierten und anschließend auf einer sicheren Leitung übertrugen. Die Gesamtmenge an Daten war so groß, dass es Monate dauern würde, alles auszuwerten. Trotz Hettys Protest würde das Washington übernehmen. Director Vance hatte da nicht mit sich reden lassen. Bis der ‚Umzug' nach Washington organisiert war, nahmen Eric und Nell alles an Daten, was sie bekommen konnten. Sie hofften auf Hinweise auf Masons Partner und Computerhacker im Speziellen und nützliche Informationen im Allgemeinen.

Eric gähnte, rieb sich die Augen und streckte sich dann etwas. „Wie weit bist Du mit Deinem Filter?"

„Fast fertig." Nell war nicht weniger müde und daher etwas wortkarg.

„Ich frage mich nur, Nell, ob es uns wirklich was bringt. Die bisherigen Daten sind total durcheinander und für uns eher unnütz."

„Keine Ahnung, Eric. Aber nachdem unsere Kollegen ihr Leben riskiert haben, um diese Daten zu erhalten, schulden wir es ihnen, uns darum zu kümmern."

Eric zuckte bei dieser Zurechtweisung zusammen. „Tut mir Leid, Nell, Du hast Recht. Ich bin wohl nur übermüdet."

„Wenn der Filter fertig ist, könnten wir eine Kaffeepause machen." Nell sah ihn mit einem versöhnlichen Lächeln an.

„Eine gute Idee." Eric lächelte zurück.

Mit prüfendem Blick betrachtete Kensi das Meer. Es dauerte nur einen Moment, dann hatte sie Deeks entdeckt. Gleichgültig, wie viele Surfer im Wasser waren, Deeks erkannte sie immer. Es war die Art, wie er auf dem Brett saß, paddelte oder die Welle ritt. Ein ungeübtes Auge erkannte keine Unterschiede zu anderen Surfern, aber Kensis geübtes Auge schon.

Es waren nur noch wenige Surfer im Wasser, da die Sonne schon tief am Horizont stand. Kensi suchte Deeks' Sachen und setzte sich daneben in den Sand. Dann wartete sie. Ihre Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt, denn Deeks ließ sich Zeit. Schließlich kam er als Letzter aus dem Wasser. Sein Gesicht war ausdruckslos.

„Was machst Du hier?" Deeks war kühl, ablehnend.

Aber wenn Kensi sich zu etwas entschlossen hatte, zog sie es auch unerbittlich durch. „Auf Dich warten." Ein schwaches Funkeln erschien in ihren Augen. „Ich will mit Dir reden."

„Ich denke nicht, dass es zwischen uns noch etwas zu bereden gibt. Das hast Du ziemlich deutlich gemacht." Deeks griff nach seiner Sporttasche und seinem Surfbrett und wollte zu seinem Wagen gehen.

Für einen Augenblick stieg wieder Panik in Kensi hoch, doch energisch riss sie sich zusammen. „Ich weiß, ich war nicht nett zu Dir, Marty. Oder fair. Aber ich bitte Dich trotzdem, mir zuzuhören. Wenn Du danach immer noch gehen willst, muss ich damit leben."

Deeks zögerte einen Moment, dann setzte er sich neben sie in den Sand. „Okay, leg los." Abwartend sah er sie an.

Kensi seufzte innerlich. Er würde es ihr nicht leicht machen. „Es tut mir leid, dass ich in jener Nacht einfach gegangen bin, Marty. Über das Thema hatte ich zu dem Zeitpunkt noch nie nachgedacht. Bis zu Masons Einmischung war ich der Meinung, dass unsere Beziehung gut lief. Für uns beide. Plötzlich wolltest Du etwas ändern, das meiner Meinung nach keine Änderung brauchte. Das habe ich nicht verstanden und ich konnte damit nicht umgehen. Und schließlich kamen Erinnerungen hoch. Wie es sich anfühlt, von jemandem verlassen zu werden, den man liebt. Es hat mich wütend gemacht, dass Du meine ‚heile' Welt mit diesen wenigen Worten so auf den Kopf gestellt hast. Diese Wut habe ich an Dir ausgelassen, anstatt herauszufinden, was genau mich wirklich wütend macht. Das habe ich inzwischen nachgeholt. Tatsache ist, dass ich gar nicht wütend bin, oder vielleicht nur ein bisschen, sondern Angst habe. Eine gemeinsame Wohnung macht mich angreifbar, verletzbar. Etwas, was ich nicht sein will. Aber mir ist auch klar, dass dies nun mal der nächste Schritt in einer Beziehung ist. Nur, ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich dafür schon bereit bin."

Kensis Offenheit überraschte Deeks. Er hatte eigentlich erwartet, dass sie ihre Beziehung offiziell beenden würde. Jetzt war er sich nicht sicher, wie er reagieren sollte. Daher kam seine Antwort sehr zögernd.

„Warum verbindest Du das Zusammenleben mit Verlassenwerden? Normalerweise bedeutet es doch das Gegenteil. Es ist eine stärkere Bindung in einer Beziehung."

Kensi schluckte schwer, senkte den Kopf. Ihre nächsten Worte waren so leise, dass Deeks Mühe hatte, sie zu verstehen.

„Weil er gegangen ist. Ohne ein Wort, ohne eine Erklärung. Er ist einfach verschwunden."

Deeks verstand sofort, wovon Kensi sprach. Innerlich schlug er sich mit der Hand vor die Stirn, weil er darauf nicht von selbst gekommen war. Das erklärte alles. Aber gleichzeitig machte es ihn auch wütend. Deeks behielt nur mühsam seine Beherrschung.

„Ich bin nicht er."

Kensi zuckte zusammen angesichts Deeks' harter Stimme. „Das weiß ich. Aber ich kann nichts für meine Gefühle und Gedanken."

„Und wie soll es jetzt weiter gehen?" Die Härte war nicht verschwunden.

„Keine Ahnung, Marty." Kensi hob ihren Kopf und sah Deeks direkt an. „Ich weiß, dass ich Dich liebe und mit Dir zusammen sein will. Aber darüber hinaus?" Kensi zuckte mit den Schultern.

Deeks' Stimme wurde etwas weicher. „Ich liebe Dich auch, Kensi. Deswegen habe ich Dich gefragt. Es geht nur um eine gemeinsame Wohnung, nicht um eine lebenslange Bindung."

„Lebenslang kann bei uns sehr kurz sein." Kensi war über ihre eigenen Worte verblüfft. Sie hatte aus dem Bauch heraus gesprochen, ohne nachzudenken.

„Genau." Diesmal war es Deeks, der zögerte weiter zu sprechen. Aber sein Bauchgefühl sagte ihm, dass hier der Schlüssel zu Kensi lag. „Als mir klar wurde, dass meine Tarnung aufgeflogen war, konnte ich nur an eines denken: Dich nie wieder zu sehen, nie wieder mit Dir zu lachen oder zu streiten, Dich nie wieder zu küssen. Und mein zweiter Gedanke war, dass ich Dich genauso abrupt verlassen würde, wie die anderen Männer in Deinem Leben. Beide Gedanken haben mir den Mut und die Kraft gegeben, nicht aufzugeben, sondern zu kämpfen." Deeks unterbrach sich selbst, war für einige Augenblicke wieder in der Situation. Aber er riss sich zusammen und sprach weiter. „Dank Dir und unseren Kollegen und Freunden bin ich lebend aus der Geschichte herausgekommen. Ich wollte keine Minute mehr verlieren, die ich mit Dir verbringen könnte. Für mich war der Weg dazu eine gemeinsame Wohnung mit Dir. Ein gemeinsames Leben."

Diesmal musste Kensi die Ohren spitzen, so leise kamen die letzten Worte. Langsam begriff sie die Bedeutung von Deeks' Worten.

„Kensi, ich kann Dir keine Garantie geben, dass es zwischen uns weiterhin funktioniert. Mit oder ohne gemeinsame Wohnung. Niemand wird Dir dafür eine Garantie geben. Aber es wird bestimmt nicht funktionieren, wenn wir nicht miteinander reden." Ein schwaches Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Ich wette, dass Joann Dir auch so etwas gesagt hat."

Auch Kensi lächelte jetzt. „Ihre Worte waren Deinen sehr ähnlich." Immer noch lächelnd schüttelte sie den Kopf. „Ich bin wohl nicht so geheimnisvoll, wie ich dachte."

Deeks' Lächeln wurde von einem breiten Grinsen abgelöst. „Kein Mann wird je die Frauen verstehen, gleichgültig, wie lange wir es versuchen."

Kensi knuffte ihn leicht in die Seite. Sofort schlang er seinen Arm um ihre Schulter und küsste sie auf den Scheitel.

„Wie geht es jetzt weiter, Marty?" Kensi schmiegte sich an ihn.

„Keine Ahnung, Kens, aber ich finde, wir sollten da weiter machen, wo wir gerade sind. Reden. Miteinander. Über uns und unsere Gefühle. Dann sehen wir weiter." Seine Umarmung wurde fester. „Ich will Dich zu nichts überreden, zu dem Du noch nicht bereit bist. Auch wenn es mir schwerfällt, werde ich warten, bist der Zeitpunkt für Dich richtig ist."

„Danke."

Kensi drehte sich zu Deeks hin und küsste ihn. Leidenschaftlich erwiderte er den Kuss.

Erleichtert nahm Joann am nächsten Tag zur Kenntnis, dass zwischen Deeks und Kensi die Welt wieder in Ordnung war. Die Kollegen quittierten die Versöhnung mit einer Menge spitzer Bemerkungen. Aber das Paar blieb gelassen und konterte mit entsprechenden Antworten. Nachdenklich beobachtete Joann das fröhliche Hin und Her.

„Was bringt Dich jetzt schon wieder zum Grübeln?" Callen war von hinten an Joann heran getreten. „Du solltest Dich freuen, dass die beiden ihre Probleme geklärt haben."

„Das tue ich auch." Joann grinste plötzlich. „Und ich denke, es wird nicht lange dauern, dass die beiden sich wieder in den Haaren liegen."

„Wie bitte?"

„Na, Du glaubst doch nicht, dass die Suche nach einer gemeinsamen Wohnung ohne Streit abläuft?"

Callen lachte lauthals, was ihm eine Menge erstaunter Blicke einbrachte. Aber er gab keine Erklärung ab.

Callens Haus war rappelvoll mit Menschen. Quinlan hatte endlich Joanns Einladung angenommen und jetzt fand eine Grillparty statt. Die beiden Teams verstanden sich gut, die Gespräche waren temperamentvoll und wurden von viel Gelächter begleitet.

„Kann ich Ihnen helfen, Agent MacKenzie?" Quinlan trat in die Küche und sah Joann fragend an.

Lächelnd drückte sie ihm eine große abgedeckte Platte in die Hand. „Ich glaube, am Grill wartet man auf die Steaks." Sie warf einen Blick auf die etwas kleinere Platte in ihren Händen und schmunzelte. „Und auf die Hamburger."

„Ja, die Meute da draußen sieht ziemlich hungrig aus."

Joann lachte. „Oh ja, als hätten sie seit Wochen nichts gegessen."

Quinlan fiel in ihr Lachen ein. „Nun, als Sie Ihre Einladung zu Steak und Bier ausgesprochen haben, war mir nicht bewusst, dass Sie an eine Grillparty in Ihrem Garten dachten. Mit beiden Teams. Meine Leute haben sich sehr gefreut und sind tatsächlich mit dem Essen kürzer getreten."

Joann sah Quinlan leicht von der Seite an und grinste. „Ich hatte die ganze Zeit so eine Ahnung, dass unsere Kollegen sich gut vertragen würden. Unsere Teams liegen auf der selben Wellenlänge."

Quinlan warf einen Blick auf die Agenten im Garten. „Ihre Ahnung hat sich bewahrheitet, Agent MacKenzie."

„Agent Quinlan, nachdem Sie und Ihre Leute meinen Freunden und mir mehr als einmal den Hintern gerettet haben, sollten Sie mich langsam ‚Joann' nennen."

Einen Moment erwiderte Quinlan Joanns Blick vollkommen ausdruckslos, dann grinste er. „Das habe ich mir wohl verdient." Er zwinkerte Joann zu. „Ebenso wie Steak und Bier."

Joann lachte wieder. Quinlan hob leicht seine Platte an.

„Füttern wir die Meute, Joann."

Entspannt plaudernd gingen die zwei Agenten in den Garten. Dort kümmerte sich Callen um den Grill, unterstützt von Sam. Allerdings bestand diese Unterstützung hauptsächlich in kritischen Bemerkungen.

„Wenn Du die Kohle so aufschichtest, G, dann dauert es viel zu lange, bis sie durchgeglüht ist." Sam warf einen kritischen Blick auf die Flasche mit dem Anzünder. Er schüttelte den Kopf. „Du kannst doch nicht dieses Zeug hier verwenden. Das taugt nichts." Mit gerunzelter Stirn sah Sam seinen Partner an. „Du hast wirklich keine Ahnung, G, wie man richtig grillt. Gut, dass ich hier bin."

Callens Blick war unergründlich, als er Sam den Sack Grillkohle in die Hand drückte. „Viel Spaß beim Grillen. Ich werde mal sehen, ob Jo noch Hilfe braucht. Ach, und Sam…"

„Ja?"

„Unsere Gäste haben Hunger, Du solltest Dich beeilen!"

Deeks prustete los. Die zwei Männer aus Quinlans Team, mit denen Deeks sich gerade unterhalten hatte, sahen den Detective verblüfft an, grinsten und schlossen sich schließlich Deeks' Gelächter an.

Sam verzog keine Miene.

„Grillen ist eine Kunst und sollte nicht leichtfertig ausgeübt werden. Nur wenn das Zusammenspiel zwischen allen beteiligten Elementen stimmt, kann das Fleisch perfekt werden."

Deeks vergaß sein Lachen und starrte Sam mit offenem Mund an. Die beiden Männer der Spezialeinheit warfen unsichere Blicke zwischen dem Ex-Seal und dem Detective hin und her.

„Was…Du…äh…ich…" Sam hatte es mal wieder geschafft, dass Deeks sprachlos war. Aber nicht für lange. „Mir war nicht bewusst, dass wir einen Fünf-Sterne-Koch in unserer Mitte haben. Hey, Leute, Sam wird uns gleich zeigen, wie man das perfekte Steak zubereitet. Wie wirst Du Deine Kreation nennen? ‚Verbrannte Überraschung'? Oder vielleicht ‚Bissiger Seal'? Mh, nein, dass passt auch nicht…wie wäre es mit…"

„Ist doch völlig egal. Hauptsache, es dauert nicht mehr lange. Ich habe Hunger." Kensi grinste Sam und Deeks fröhlich an.

„Wie kommst Du denn darauf, Kens? Du kannst doch ein Steak nicht ‚Ist doch völlig egal' nennen. Es muss dem Anlass entsprechend einen würdigen Namen nennen." Mit gespieltem Unverständnis schüttelte Deeks den Kopf über seine Freundin. „Und da Sam es zubereitet, sollte der Namen seinem Wesen entsprechen."

Quinlan und seine Leute verfolgten amüsiert den Wortwechsel.

„Wenn ich nicht wüsste, wie außerordentlich erfolgreich Du und Dein Team seid und was Ihr alles leistet, würde ich mir jetzt ernsthaft Sorgen über Eure geistige Zulänglichkeit machen."

Das Schmunzeln in seinem Gesicht nahm den Worten jede mögliche Schärfe. Joann lachte, wurde dann aber ein wenig ernst.

„Das ist unsere Art, mit den hässlichen Seiten in unserem Job fertig zu werden. Es mag jetzt nicht so klingen, aber wir haben sehr viel Respekt voreinander. Außerdem ist da eine Menge Vertrauen, dass wir uns ziemlich mühsam erarbeitet haben."

Quinlan musterte Joann. Sein Gesichtsausdruck verriet nicht, was er dachte. Das Geplänkel zwischen Deeks und Sam ging unterdessen weiter, beobachtet und kommentiert von äußerst vergnügten Gästen.

„Ihr seid schon eine interessante Mischung: ein Ex-Seal, ein Ex-CIA, eine Ex-FBI, ein Verbindungsoffizier, der nicht verbinden kann, ein Ex-Marine und eine studierte Kriminalistin und Kriminologin." Quinlan schmunzelte. „Wirklich erstaunlich, dass diese Kombination so erfolgreich ist."

Mit leicht hochgezogener Augenbraue hatte Joann dieser Aufzählung zugehört. Es war erstaunlich, was Stan Quinlan alles über ihr Team wusste. Sie dagegen hatte immer noch keine Ahnung, zu welcher Behörde er und seine Leute gehörten, oder welchen beruflichen Hintergrund die Männer hatten. Trotzdem verkniff sich Joann jegliche Fragen zu diesem Thema, auch wenn es ihr schwerfiel. Sie war sich sicher, keine Antworten zu bekommen. Stattdessen zuckte Joann nur mit der Schulter.

„Hetty hat sich bei dieser Zusammenstellung etwas gedacht. Wahrscheinlich sieht sie Dinge in uns, die sonst niemand sieht. Möglicherweise noch nicht einmal wir selbst." Einen Moment war Joann etwas nachdenklich, aber schnell lächelte sie wieder. „Hey, Du und Deine Kollegen, Ihr seid heute hier, um Euch zu amüsieren. Und wenn ich mir das so ansehe, sollte jemand die beiden Streithähne trennen, sonst bekommen wir heute nichts mehr zu essen."

Auf diese Idee waren inzwischen auch schon einige der hungrigen Gäste gekommen. Bevor Joann sich der Sache annehmen konnte, schritten zwei von Quinlans Männern ein. Sie drückten Sam und Deeks Bier in die Hände und komplimentierten Sam anschließend vom Grill weg. Wenige Augenblicke später war die Kohle angezündet.

Inzwischen war die Sonne untergegangen und die Gespräche etwas weniger temperamentvoll. Mit vollem Bauch waren die Männer friedlicher. Ohne darum gebeten worden zu sein, hatte auch die Spezialeinheit nach dem Essen beim Aufräumen geholfen. Joann hatte das zwar verhindern wollen, schließlich waren sie Gäste, allerdings ohne Erfolg. Daher konnte sie jetzt vollkommen entspannt die Szenerie im Garten betrachten. Beide Teams saßen und standen bunt gemischt beieinander.

„Ein netter Anblick." Callen trat zu Joann.

Lächelnd schmiegte sie sich an ihn. „Ja, unsere Party ist ein voller Erfolg."

„Hattest Du etwas anderes erwartet?"

„Vielleicht. Wir sind ein ziemlich verrückter Haufen, der dazu neigt, eher unter sich zu sein. Na ja, und Stans Leute sind ebenfalls eine eingeschworene Gemeinschaft. Zwei solche Gruppen zusammenzubringen, kann durchaus überraschende Ergebnisse erzeugen."

Callen schmunzelte. „Die es aber nicht gegeben hat. Dafür aber einen überraschenden Anblick." Er deutete auf Nell.

Joann musste grinsen. Die kleine Analystin stand inmitten einer Gruppe von Mitgliedern des Sonderkommandos. Damit sie nicht dauernd nach oben sehen und sich recken musste, beugten sich die großen, durchtrainierten Männer ständig zu Nell hinunter. Auf Grund ihrer geringen Körpergröße schien sie bei den Männern den Beschützerinstinkt zu wecken. Das war absolut nicht notwendig, da Nell nicht nur eine versierte Analystin, sondern auch eine ausgebildete Agentin war. Aber sie hatte eindeutig ihren Spaß daran.

Der Einzige, der keinen Spaß an diesem Anblick hatte, war Eric. Ihn plagte die Eifersucht, auch wenn er das niemals zugegeben hätte. Nachdenklich beobachtete Joann sein Mienenspiel. Callen wiederum beobachtete Joann, allerdings war er nicht nachdenklich, sondern eher resigniert.

„Du tust es wieder, nicht wahr?"

„Was denn?"

„Dich in die Beziehungen unserer Kollegen einmischen."

Mit unschuldigem Blick sah Joann ihren Freund an. „Als ob ich das jemals getan hätte."

Callen stöhnte leicht. „Was hast Du vor? Uns zur ersten NCIS-Einheit zu machen, die nur aus Paaren besteht?"

„Das wird ein bisschen schwierig, da Sam verheiratet und für Ray keine Frau im Team übrig ist. Man könnte natürlich überlegen, on Sams Frau nicht bei uns anfängt und für Ray stellen wir dann noch eine Agentin ein…Ich sollte mal mit Hetty sprechen…"

Diesmal war Callens Stöhnen leicht entsetzt. „Also wirklich, Jo,…"

Bevor er weitersprechen konnte, brach Joann in Gelächter aus. „Keine Sorge, G, von Nell und Eric lasse ich meine Finger. Die beiden leben in einer Welt, zu der ich keinen Zugang habe. Also müssen sie alleine klar kommen."

Callen war sichtlich erleichtert. „Eine weise Entscheidung, Jo." Ein freches Grinsen erschien auf seinem Gesicht. „Hätte ich Dir gar nicht zugetraut!"

Als Antwort knuffte Joann ihn in die Seite, was ein erneutes Stöhnen zur Folge hatte.

„Wieso sind die Frauen in diesem Team so verdammt schlagfertig? Ohne Euch hätten wir Männer deutlich weniger blaue Flecken!"

Joann wollte Callen einen weiteren Knuff verpassen, doch diesmal wich er ihr rechtzeitig aus. Grinsend setzte sie ihm nach. Als Callen abrupt stehen blieb, rannte Joann ihn beinahe um.

„G, was ist los?"

„Keine Ahnung."

Joann folgte Callens Blick. Eric, der bis mit Argusaugen Nell beobachtet hatte, sah nun mit gerunzelter Stirn auf sein Smartphone. Seine Körperhaltung war äußerst angespannt. Schließlich blickte er auf. Nach einem kurzen Zögern stieß er seinen Pfiff aus, mit dem er üblicherweise seine Kollegen in die Ops rief. Sofort drehten sich alle zu ihm um.

„Tut mir leid, die Party zu stören. Ich habe gerade eine Nachricht von Hetty bekommen. Walter van Pietso ist aufgetaucht. Er ist auf Hawaii. Ihr fliegt morgen früh mit einer C130. Hetty hat bereits alles organisiert. Sie hat auch die dortige Taskforce informiert. Ihr werdet von Five-O unterstützt."

Schlagartig war die gute Stimmung verflogen und die Grillparty wurde beendet. Joann wollte sich bei Quinlan entschuldigen, doch der winkte ab.

„Ich weiß, wer van Pietso ist. Ihn aus dem Verkehr zu ziehen, wäre ein riesiger Schlag gegen den internationalen Waffenhandel. Ich hoffe, dass Ihr ihn erwischt. Aber seid bloß vorsichtig, der Kerl ist verdammt gefährlich." Ein schwaches Lächeln erschien auf seinem ernsten Gesicht. „Diesmal sind wir nicht in der Nähe, um Euch den Hintern zu retten."

Angespannt betraten Callen und seine Kollegen das Flugzeug. Hetty hatte ihnen noch in der Nacht alle notwendigen Informationen zukommen lassen. Die Entdeckung von van Pietso auf Hawaii war einem von Erics laufenden Suchprogrammen zu verdanken. Es hatte den Waffenhändler auf Überwachungsaufnahmen entdeckt. van Pietso war nur kurz zu sehen gewesen, bevor er in ein Auto stieg. Weitere Aufnahmen gab es bisher nicht. Die Informationslage war bestenfalls dürftig. Aber nachdem van Pietso ihnen schon öfter in die Quere gekommen war, waren magere Hinweise immer noch besser als gar keine.

Müde von der Grillparty und einer viel zu kurzen Nachtruhe, stellten sich alle nur eine Frage:

‚Was kommt auf uns zu?'

to be continued…