„Also, was wollen wir nun versuchen?", fragte Death the Kid in die Runde, die sich um den Küchentisch gesammelt hatte. „Orte scheinen nichts wieder wachzurufen."

„Ich hatte an einige Vorstellungen gedacht", antwortete Marie. „Shinigami-sama müssen wir sowieso noch besuchen und dann hätten wir noch Sid und Chrona und den Rest eurer Klasse."

„Sind Sie sich sicher, dass wir damit Erfolg haben?", sagte Kid sichtlich unüberzeugt.

„Nein, aber da wir keine Lösung in absehbarer Zeit haben, sind diese... Wieder-Vorstellungen praktisch obligatorisch."

„Worauf warten wir dann noch?", rief Black Star. „Auf geht's!"

„Einen Moment bitte", fuhr Stein dazwischen. Alle hielten in ihren Bewegungen inne und sahen ihn an.

„Ähm, ist das überhaupt okay für dich?", fragte Marie. „Wir entscheiden hier ja praktisch alles über deinen Kopf hinweg, ich- das tut mir leid, du musst natürlich nicht, wenn du nicht willst, sorry, ich hatte nicht nachgedacht-"

„Marie!", schnitt Stein ihr das Wort ab. „Es ist okay, keine Sorge. Ich weiß ja selber nicht, was ich tun sollte." Er seufzte und fuhr sich mit der Hand durch die grauen Haare.

„Ich habe nur ein paar Fragen, das ist alles."

„Achso, okay." Marie lächelte. „Frag, was immer du fragen willst."

„Nun, zum einen, wie habe ich überhaupt mein Gedächtnis verloren?"

Unkomfortable Blicke wurden über den Tisch ausgetauscht.

„Es...", sagte Marie zögerlich. „Es gab einen Angriff auf Shibusen. Während einer Trainingsübung. Und du hast dabei einiges genau du dabei dein Gedächtnis verloren hast, wissen wir selber nicht, aber Shibusen arbeitet daran."

Steins Augenbrauen zogen sich zusammen. „Und was wollten die Angreifer?"

Marie seufzte. „Das wissen wir leider nicht."

„Und ich dachte, ich wäre derjenige, dem die Erinnerungen fehlen", murmelte Stein.

„Die Antworten auf diese Fragen hätten Sie. Deshalb vermuten wir, dass ihr Gedächtnisverlust kein Zufall war, sondern die Tat ebenjener Angreifer", fügte Kid hinzu.

„Derartige Techniken gibt es?"

„Wir hatten es vorher auch nicht für möglich gehalten", antwortete Marie. „Andererseits waren die Angreifer und ihre Fähigkeiten auch wie nichts, was wir je zuvor gesehen hatten."

Nach dem (erwartungsgemäß fruchtlosen) Vorstellungsrundgang hatte sich die ganze Versammlung wieder auf der Aussichtsplattform von Shibusen eingefunden und diskutierte nun lebhaft, was sie denn am besten tun sollten.

Das etwas unwillige Objekt der ganzen Streiterei, Stein, saß derweil etwas abseites von dem ganzen Tumult und blickte mit vor der Brust verschränkten Armen nachdenklich über Death City.

„Und wenn ich es dir doch sage, Black Star, Übernachtungen bei dir rufen keine Erinnerungen wach, sie produzieren nur schlechte!"

„Maka, du weißt nicht wovon du redest! Wir können die ganze Nacht trainieren, das bringt immer etwas!"

„Black Star, du kannst nicht alles durch Training lösen", wandte Tsubaki zaghaft ein.

„Natürlich kann ich das!", entgegnete Black Star empört.

„Anstelle von trainieren könnten wir auch kämpfen."

Augenblicklich verstummte die hitzige Debatte und alle wandten sich zu Franken.

„Kämpfen?", fragte Marie verwirrt. „Wieso das denn?"

„Nun, es scheint das zu sein, was man als Meister am häufigsten tut." Stein zuckte mit den Schultern. „Kishineier zu bekämpfen. Und da wir gerade keine zur Hand haben, ist ein Übungskampf die naheliegendste Option."

„Aber ist das nicht gefährlich, wo Sie doch ihr Gedächtnis verloren haben?", setzte Maka dagegen.

„Ich habe lediglich meine Erinnerungen von hier oben verloren." Er tippte sich gegen die Schläfe. „Alles andere ist noch da."

„Wie, 'alles andere'?", echote Liz ratlos während Makas Mund ein erstauntes 'o' formte.

„Maka, was meint er?", fragte Soul, der sich etwas außen vor gelassen fühlte.

„Der Körper hat seine eigene Form von Gedächtnis", klärte Marie die entstandene Verwirrung. „Oft genug angewandte Bewegungsabläufe oder Fertigkeiten können sozusagen halbautomatisch ausgeführt werden."

„Zudem scheint das meiste, was ich vergessen habe, in Zusammenhang mit Shibusen und meinen Forschungen zu stehen. Etwas basisches wie Kampfkünste sollte weitestgehend erhalten geblieben sein."

„Dann ist das ja geklärt. Ich kämpfe gegen Stein-hákase!", rief Black Star.

„Wieso ausgerechnet du?", fauchte Maka. Schon setzte Black Star zu einer (vorrausehbar sehr egozentrischen) Rede an, wurde aber unterbrochen.

„Ich denke, Black Star wäre wirklich die beste Wahl, da er auch ohne seine Waffe viele Techniken anwenden kann", sagte Kid, der sich bislang aus dem Gespräch herausgehalten hatte.

„Worauf warten wir noch? Auf zur Trainingshalle!" Mit diesen Worte stürmte Black Star davon und in etwas mäßigerem Tempo folgte ihm der Rest.

„Ich weiß wirklich nicht, ob das eine gute Idee ist", wimmerte Marie zum zehnten Mal. „Das ist wirklich eine so gar nicht gute Idee, ich bin mir sicher, das wird ganz, ganz böse enden, und ich bin Schuld."

Maka klopfte ihr tröstend auf die Schulter, auch wenn sie alles andere als unbesorgt war. Dabei wusste sie nicht mal, um wen von beiden sie mehr bangen sollte.

Außer ihnen war die Trainingshalle (glücklicherweise) leer, sodass das Duell vollkommen ungestört stattfinden konnte.

„Hihihi, ein Kampf, ein Kampf!" Patty war derweil nur noch am Jubeln.

Tsubaki versuchte derweil immer noch Black Star von seinem Vorhaben abzubringen. Vergebens, denn was ihr Meister sich in den Kopf gesetzt hatte, das zog er auch durch. Ihre Anstrengungen wurden komplett ignoriert während er zur Mitte der Kampffläche schritt.

Stein ihm circa zwei Schritte entfernt gegenüber. Kid hatte derweil die Rolle des Schiedsrichters übernommen (Marie hatte sich geweigert, das ganze Unternehmen noch weiter zu unterstützen).

„Kid, jetzt sag doch mal was!", wandte sich Tsubaki hilfesuchend an ihren Mitschüler.

Der zuckte nur mit den Schultern. „Ich finde die ganze Idee gar nicht so schlecht. Von allem was uns bisher eingefallen ist, hat das hier die höchsten Erfolgschancen."

„Und die höchsten Chancen, dass wir wieder jemandem ihm Krankenflügel liegen haben!", konterte Marie von der Bank hinter der Seitenlinie.

„Mal wieder", fügte Maka hinzu.

„Yay, Krankenflügel!" Patty war bei der bloßen Aussicht begeistert.

„Patty, Krankenflügelaufenthalte sind kein Grund zur Freude", versuchte Liz ihre Schwester hinzuweisen, stieß aber auf taube Ohren.

Kid räusperte sich. „Also dann, genug Zeit verschwendet. Die Regeln für den Kampf sind: Keine Angriffe, die direkt lebensbedrohliche Verletzungen zur Folge haben. Keine Angriffe mit Seelenwellen. Verloren hat, wer aufgibt, nicht weiterkämpfen kann oder bewusstlos wird. Seid ihr bereit?"

Zustimmendes Nicken beider Partien.

„Dann, beginnt!"