Erstmals allen Reviewern vielen Dank und auch ein grosses Dankeschön an Ida, meine liebe Betaleserin. Ihr seid super!

Es macht sehr Spass die Geschichte zu schreiben und am meisten Spass macht es, wenn man etwas über die Gedanken der Leser erfährt. Also , bitte reviewen nicht vergessen, meine Lieben! Viel Spass beim nächsten Teil...

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Laura stand in den Privaträumen des Kerkers, wo sie mit ihrem Dad wohnte. Das Spiel mit Emma war kurz nach der Unterbrechung der Zwillinge von Hermine nochmal unterbrochen worden.

Sie hatte in der Bibliothek über Tränkeerfinder geforscht und etwas über Edna Rodriguez-Marconas raus gefunden. Die gebürtige Spanierin hatte noch vor der Hochzeit mit Sideris Rodriguez, ihren berühmten Erinnerungstrank erfunden. Es hatte schon eine viel schwächere Version dieses Trankes gegeben, aber dieser Erinnerungstrank war viel potenter und auch schwieriger herzustellen.

Die Frau war 1895 geboren und schon 1921 jung gestorben. Warum sie gestorben war, hatte nicht in dem Buch gestanden.

Ob es sich wirklich um diese Edna handeln konnte, wusste Laura nicht. Aber wäre schon mehr als Zufall, wenn eine andere Edna einen Erinnerungstrank erfunden hätte, nachdem sie im Traum so überzeugt gewesen war, dass es ihr gelingen würde, einen solchen Trank zu erfinden. Konnte eine Verstorbene ihr einen Traum geben? Edna schien ja schon sehr lange tot zu sein.

Sie hatte gedacht, dass vielleicht jemand ihre Hilfe brauchte und sie deshalb diesen Traum träumte, aber wenn die Frau ja schon tot war, konnte sie ihr nicht mehr wirklich helfen. Und gab es sowas überhaupt?

Waren ihre Vorfahren Spanier gewesen? War Edna mit ihr verwandt? Laura überlegte, wo sie Unterlagen über die Familie finden konnte.

Sollte sie besser ihren Dad fragen? Aber sie würde ja nichts entwenden. Sie würde nur schauen. Und er würde es nicht merken, weil sie wieder alles genau so hinlegen würde. Er hatte nun eine Besprechung mit den anderen Lehrern. Das würde seine Zeit dauern.

Nun würde sie sich etwas umschauen im Büro von Snape. Vom Wohnzimmer aus ging sie durch die Tür hinter dem Portrait des ehemaligen Hauslehrers der Slytherins.

Sie öffnete eine Schublade. „Du planst doch nicht wieder etwas, dass dir Ärger einbringt,oder?" hörte sie plötzlich die Stimme von Seraphino Cunninghutch aus seinem Portrait. Wenn sich dieser alte Mann nur nicht immer in Dinge einmischen würde, die ihn nichts angingen!

„Nein, Sir," sagte sie und schloss die Schublade schnell wieder. Sie würde in den anderen Räumen suchen, wo dieser Cunninghutch sie nicht sah! Er hatte damals mitbekommen, wie sie ein Buch entwendet hatte um einen Liebestrank zu brauen für Steve. Er hatte sich nicht eingemischt und Laura nicht verraten an Snape, aber sie konnte sich nur zu gut an seinen vielsagenden Gesichtsausdruck erinnern, als Snape es dann raus gefunden und sie dafür übers Knie gelegt hatte.

Sie lächelte den Mann im Portrait unschuldig an und ging wieder zurück ins Wohnzimmer, wo sie sich umdrehte und Cunninghutch die Zunge raus streckte. Dann sah sie sich um und überlegte, wo sie als nächstes suchen sollte. Sie öffnete einige Schubladen und Kästen, ohne auch nur die Spur eines Familienbüchleins oder eines Stammbaumes zu finden.

Ein Stapel Fotos, die in einer Art Mappe steckten, erregten Lauras Interesse. Die Fotos lagen in Snapes Zimmer auf einer Kommode. Sie setzte sich auf Snapes Bett und zog die Fotos gespannt aus der Mappe.

Das waren ziemlich alte Bilder, dachte Laura und legte das erste Bild einer alten dicken Frau auf Snapes Bett.

Eine junge, hübsche Frau mit etwas traurigen Augen sah sie aus dem nächsten Foto an. Es war offensichtlich ein magisches Foto, da sich die Frau bewegte und scheu lächelte.

Plötzlich fielen ihr die Bilder aus der Hand, als sie das einer ihr sehr bekannten Frau vor den Augen hatte.

Schnell ging Laura runter auf ihre Knie und sammelte die Bilder hastig wieder ein. Immer noch auf dem Boden kauernd, sah sie sich das Bild der strengen, unfreundlichen Frau nochmals an. Ganz klar, das war die aus dem Traum! Die Mutter.

Laura erschrak, als sie plötzlich die Tür klicken hörte und stopfte die Fotos hastig zurück in ihre Mappe. Sie legte sie auf die Kommode und rannte in ihr Zimmer. Gerade rechtzeitig, als sie das Bild von Seraphino zur Seite schwingen hörte.

Ihr Herz klopfte wild und sie biss sich auf die Unterlippe.

„Laura?" rief Snape.

Wieso wusste der, dass sie hier war? „Ich bin an den Hausaufgaben!" schwindelte sie.

Snapes Schritte tönten und Laura setzte sich schnell an ihren Schreibtisch. Sie schnappte sich das nächstbeste Blatt und eine Feder, als auch schon Snape in der Tür erschien.

„Ohne deine Schultasche?" fragte er und sie sah, dass er ihre Tasche in der Hand trug, die sie im Wohnzimmer hatte liegen lassen.

„Ehm.. ich muss noch zuerst einen Brief schreiben, an Amélie," log sie und hoffte inständig, dass für einmal ihre Lüge durchgehen würde.

Snape gab ihr einen kritischen Blick. Er sagte nichts, sondern stellte ihre Schultasche neben dem Schreibtisch ab und ging aus dem Raum.

Laura atmete erleichtert aus. Plötzlich hörte sie etwas ungewohntes. Einen zischenden Laut, der nicht aus dem Wohnzimmer kam. Laura sah nach oben an die Decke, sah aber nichts ungewöhnliches. Nach einem kurzen Moment war das Geräusch verschwunden und Laura legte die Feder beiseite und zuckte mit den Schultern.

Sie legte sich auf ihr Bett. Sie musste sich noch kurz vom Schock über das Foto erholen. Also musste Edna wohl mit ihr verwandt sein oder gewesen sein. Sonst hätte Snape wohl kaum das Foto von Ednas Mutter. Sie wusste nun trotzdem nicht, ob es sich bei der Edna Rodriques, oder wie sie hieß, um diese Edna aus dem Traum handelte. Aber ihre Mutter aus dem Traum gab es wirklich. Oder es hatte sie zumindest mal gegeben. Das fand Laura sehr unheimlich. Das Foto war noch mehr Beweis für das Mädchen, als das Kleid.

Sie atmete tief auf und sah zu Fred II hinauf, aber dieser war verschwunden. Spurlos.

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Es war ziemlich spät, als Snape endlich zu Bett ging. Er hatte noch einige Prüfungen und Hausaufgaben korrigieren müssen.

Dann hatte er noch Patrouille gemacht im Schloss, bis kurz vor Mitternacht. Sie hatten die Kontrollgänge verschärft und die Kinder hatten die Anweisung, nach dem Nachtessen nicht mehr ohne Vertrauensschüler oder Erwachsene im Schloss unterwegs zu sein.

Sein Haar war noch leicht feucht vom Duschen, als Severus seinen Schlafanzug anzog. Er dachte an Amélie. Sie hatte noch nicht zurück geschrieben, ob sie am Mittwoch Abend kommen würde. Er würde sehen, dass er dann etwas Zeit einräumen könnte, für die junge Dame.

Er hatte Milly instruiert, dass er Besuch erwartete und sie etwas essen möchten. Er hatte der Elfe auch gesagt, sie solle Laura nicht mit zu viel Süßigkeiten vollstopfen und auch die anderen Hauselfen dazu anhalten, ihr eher gesunde Dinge zu füttern, wenn Laura in die Küche kam. Er wusste, wie wichtig der Elfe Lauras Gesundheit war und er erzählte ihr mit Absicht, wie ungesund es sein würde, wenn sie zu viel Zucker aß. Auch für ihre schönen Zähne. Er hatte Milly sofort angesehen, wie ernst sie das nahm und wie sehr sie das beeindruckte.

Am Mittwoch würde er Amélie sehen und er war sehr gespannt, wie sie sich benehmen würde, nach dem Carismal-Zwischenfall. Immer wieder dachte er, wie gut sie sich angefühlt hatte, so nahe neben ihm.

Aber er musste sich selbst schützen. Er durfte es nicht zulassen, dass sie ihm immer wichtiger wurde. Es würde alles nur schlimmer machen, wenn sie von seiner Vergangenheit erfahren würde. Er war sonst kein ängstlicher Mensch, aber davor hatte er Angst.

Ob sie überhaupt kommen würde? dachte er und zog seine Hausschuhe aus. Er stellte sie sorgfältig nebeneinander vors Bett.

Da plötzlich sah er etwas unter dem dunkelgrün bezogenen Bett. Was war das? Er bückte sich und hob es auf.

Es war ein Foto. Seine Augen verengten sich etwas und bewegten sich sofort zur Kommode, wo die Kartonmappe mit den Fotos lag.

Er machte einen Schritt darauf zu und sah sie an. Er konnte sich nicht erinnern, ob er sie exakt so hingelegt hatte, aber er wusste genau, dass das Foto nicht einfach von selber den Weg unter sein Bett gefunden hatte.

Er hatte die Fotos im Wohnzimmer in den Karton getan und diesen dann geschlossen auf diese Holzkommode gestellt.

„Dieses Kind," sagte er zu sich selbst.

Er wusste von den meisten Personen auf den Fotos nicht, wer sie waren. Vielleicht wusste es sein Vater. Er würde ihn mal besuchen.

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Am folgenden Tag sah er seine Tochter kaum, da sie nicht bei ihm Unterricht hatte und abends in ihrem Gemeinschaftsraum blieb. Er würde ein anderes Mal Gelegenheit haben, sie zu fragen, ob sie eventuell eine Idee hatte, wie sich das Foto hatte selbständig machen können.

Es interessierte ihn natürlich auch, ob sie jemanden erkannte hatte darauf. Er würde den Abend damit verbringen, im Schloss herum zu gehen und zu sehen, ob alles in Ordnung war.

Plötzlich hörte er den Kamin knistern und ein Brief segelte daraus hervor. Schnell schritt er zu dem Umschlag und hob ihn vom Boden auf. Er war von Amélie.

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Laura und ihre Freunde waren derzeit beschäftigt, die Ratte zu zähmen, die Fred und George ihnen beschaffen hatten.

„Hast du denn kein Familienbüchlein oder einen Stammbaum oder so gefunden?" fragte Hermine leise. Laura schüttelte den Kopf. Hermine hatte große Augen gemacht, als Laura ihr erzählt hatte, dass sie das Foto der Frau aus dem Traum gefunden hatte. Hermine glaubte ihr.

„He, habt ihr gesehen, dass Lockhart einen Duellierclub gründen will?" fragte Ron.

Laura und Hermine war das noch nicht bekannt, da sie vor dem Abendessen noch ins Mädchenklo verschwunden waren, um nach dem Trank zu sehen.

Nun mussten sie sich so langsam Gedanken darüber machen, wie sie sich die nächsten Zutaten verschaffen wollten. Laura wollte sich da raus halten, da sie die war, die am schlimmsten dafür büßen würde, wenn es raus kam.

Weil Hermine noch keine Verwarnung hatte, stellte sie sich zur Verfügung, die Zutaten zu klauen. Harry und Ron sollten das Ablenkungsmanöver übernehmen.

„Fred und George haben doch dieses Feuerwerkszeug," sagte Laura. „Emma, du könntest ja das Zeug in einen der Kessel von den Slytherins werfen?"

Emma sah darüber nicht begeistert aus. „Nein!" sagte sie. "Ich bin nicht gut in solchen Sachen. Mir würde man auf einen Kilometer ansehen, dass ich es war. Ausserdem würde ich wohl kaum treffen."

Ron lachte und Laura zuckte die Schultern.

„Hoffentlich klappt alles. Hätte keine Lust, auf Ärger mit Snape," meinte Hermine etwas bange.

Zum Glück hatten sie noch einige Tage Zeit, sich den Plan nochmals durch den Kopf gehen zu lassen.

Morgen Abend würde sie zu ihrem Dad gehen und ihm von dem Traum erzählen. Aber nur, wenn er sich nicht wieder so streng benahm!

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Amélie war froh, dass sie mit ihrem Großvater über Snape hatte reden können. Sie hatte zwei Nächte relativ schlecht geschlafen, da ihr die Sache immer durch den Kopf gegangen war. Er war tatsächlich ein Todesser gewesen. Wenn auch nur kurz. Und er hatte nun jahrelang einen lebensgefährlichen Job als Doppelspion hinter sich. Er wird Furchtbares durchgemacht haben, dachte sie. Nur ansatzweise hatte sie von der ungeheuren Brutalität des dunklen Lordes gehört. Wie ihr Großvater erzählt hatte, hatte auch Snape durch seine Hand Höllenqualen gelitten. Nicht nur körperliche.

Es tat ihr nun irgendwie Leid, dass sie ihn so schnell verurteilt hatte. Irgendwann würde sie mit ihm darüber sprechen. Immer konnte er nicht dieses dunkle Mal an seinem Arm verstecken vor ihr.

Sie verstand nun seine ganze Art besser. Nur durch seine gefühlslose unnahbare Fassade war es ihm überhaupt gelungen nicht aufzufliegen und zu überleben. Natürlich war er auch von seinem Charakter her geradlinig und unbiegsam, aber er hatte auch wärmere Seiten an sich, wie sie wusste.

Er öffnete sich den Menschen gegenüber nicht schnell, aber wenn er jemanden an sich ran ließ, dann würde er für diese Person wohl alles tun. Dann waren seine Gefühle stark für diesen Menschen. Aber viele dieser von Snape geliebten Menschen gab es wohl nicht.

Was würde der heutige Abend wohl bringen? Sie war sehr aufgeregt. Sie wusste nicht wirklich wieso.

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„Laura!" sagte Snape etwas erstaunt, als seine Tochter plötzlich hinein kam.

Laura sah den seltsamen Gesichtsausdruck ihres Vaters und sah ihn fragend an. „Percy hat mich gebracht," erklärte sie, da sie dachte, das vielleicht daher der Wind wehte.

Snape räusperte sich. Laura konnte er im Augenblick nicht wirklich gut gebrauchen. Jeden Augenblick konnte Amélie auftauchen.

Laura ging, gefolgt von Snapes Blick ins Wohnzimmer und blieb abrupt stehen, als sie den gedeckten Tisch sah.

Einen Moment schien sie starr, dann drehte sie langsam den Kopf zu ihrem Vater. Er sah ein gefährliches Funkeln in ihren Augen. Sie schien sofort erkannt zu haben, dass er nicht sie zum Abendessen erwartet hatte. Dass er Besuch erwartete.

„Wer kommt?" fragte Laura knapp. Doch Snape konnte sich die Antwort sparen, denn Amélie trat schon aus dem Kamin.

Laura sah sie nicht sehr freundlich an. Sie hatte die Frau sehr gerne, aber es war etwas ganz anderes wenn sie zu ihrem Vater zu Besuch kam. Vor allem, wenn man ihr nicht einmal Bescheid sagte! Scheinbar sollte das wieder ein heimliches Treffen werden!

Wut kochte in Laura auf. Sie atmete schneller als gewöhnlich, denn auch ihr Herz schlug schneller als gewöhnlich.

Amélie war auch überrascht, dass das Kind hier war. Sie wäre schon auch gerne alleine mit Snape, aber sie zeigte es nicht, sondern lächelte Laura an. Natürlich war ihr der seltsame Blick des Mädels nicht entgangen.

Scheinbar hatte sie nichts von Amélies Einladung bei Snape gewusst. „Hallo Laura," grüßte Amélie freundlich.

Da Laura nicht gleich antwortete, sondern ihren Dad nur unfreundlich anfunkelte mit ihren onyxschwarzen Augen, war Snape etwas alarmiert. Wenn sie diesen Blick hatte, wusste man bei Laura nicht, was als nächstes kam. War gut möglich, dass es etwas freches oder beleidigendes sein würde.

„Sag gute Nacht, und dann bring ich dich in den Gryffindorturm," sagte er in einem Ton, der Laura vor Frechheiten warnen sollte.

Sie wusste, dass er nichts dulden würde, von ihr, aber ein undefinierbares Gefühl im Bauch trieb sie zu gewagten Äußerungen.

„Ihr wollt mich wohl los sein! Damit ihr tun könnt, was ihr wollt," sagte sie herausfordernd. „Was immer das ist," fügte sie leise hinzu, als sie Snapes scharfen, gefährlichen Blick gesehen hatte.

Er fasste sie unsanft am Oberarm und beugte sich nahe zu ihr hinunter. Seine Augen hatten sich etwas verengt. Er sprach leise aber Laura verstand jedes Wort. „Noch ein freches Wort und du wirst es bereuen, glaub mir. Tu was ich dir sage, wir sprechen morgen über dein ungezogenes Benehmen."

Das war ziemlich deutlich gewesen und Laura wagte es nicht zu widersprechen. Er hatte sehr einschüchternd gewirkt und sie merkte, wie ihre Knie weich geworden waren unter seinem strengen Blick.

„Gute Nacht!" sagte sie, ohne Amélie noch eines Blickes zu würdigen. Snape entschuldigte sich für ein paar Minuten und bat Amélie es sich auf dem Sofa schon mal bequem zu machen.

Amélie sah sich ein wenig um und fragte sich wieder, ob sie Severus auf die Todessersache ansprechen solle. Vielleicht wollte er nicht darüber reden und vielleicht sollte sie warten, bis er es ihr selbst einmal sagte. War vielleicht etwas voreilig, wenn sie ihn so direkt fragte.

Plötzlich tauchte Milly auf und bot ihr etwas zu Trinken an.

Auf dem Weg in den Turm sprach Snape nicht mit Laura und zog sie am Handgelenk schnellen Schrittes mit sich. Sie musste etwas rennen, damit sie Schritt halten konnte. Hin und wieder stahl sie einen Blick zu ihm hinauf. Sein Gesicht war ausdruckslos und etwas kühl. Sie war wohl ziemlich frech gewesen. Sie sollte sich vielleicht entschuldigen.

„Tut mir Leid, Dad," piepte sie. Sie wusste selber nicht genau, wieso sie so ärgerlich war. Sie wollte nicht, dass ihr Vater sich mit Amélie traf ohne sie. Sie wollte nicht, dass sie sich küssten oder sich nahe kamen.

Drei ältere Schüler wichen dem heran rauschenden Snape mit Laura im Schlepptau eilig aus. Laura schämte sich, dass sie wie ein kleines Mädchen hinter ihrem Vater her stolpern musste. Aber es waren zum Glück große Hufflepuffs, die sie nicht kannte.

Auch Peeves, der ein freches Lied über Hosenscheißer-Schüler, die sich vor allem fürchteten sang, machte einen schnellen Abgang, als er Snape kommen sah. Erst als er vorbei war, streckte er den beiden Snapes die Zunge raus. Laura, die das gesehen hatte, tat es ihm gleich, während Snape sie weiter mit sich die Treppe hoch führte.

„Wir sprechen morgen darüber. Bis dahin benimmst du dich," sagte er knapp als sie beim Gryffindorturm angelangt waren. Vor dem Portrait der fetten Dame sah er zu ihr hinunter. Laura sah schuldbewusst zu ihm auf und senkte dann den Blick, sodass er nur noch ihre schwarzen langen Wimpern sah.

„Schlaf gut," sagte er und deutete ihr hinein zu gehen. Laura war etwas traurig, dass er scheinbar immer noch sauer war auf sie und ging, ohne eine weiteres Wort hinein.

Snape blieb noch einen Moment vor dem Bild stehen. „Nicht immer einfach in diesem Alter, nicht wahr?" fragte die fette Dame und verdrehte theatralisch die Augen.

„Hm," machte Snape nur und ging mit rauschenden Umhang davon.

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Amélie hatte ein wenig ein ungutes Gefühl, wegen Lauras abweisender Haltung. Das Kind war offensichtlich eifersüchtig.

Als Milly verschwunden war, sah sie sich weiter in den Räumen um. Sah recht gemütlich aus, musste sie zugeben.

Hier also wohnte Snape während des Schuljahres. Sie war immer noch etwas nervös. Und ihr Herz begann noch mehr zu rasen, als sie rasche Schritte hörte und Snape wieder eintrat.

„Entschuldigen Sie, Amélie. Ich wusste nicht, dass Laura kommen würde. Ich kann sie zur Zeit auch nicht alleine im Schloss herum laufen lassen," erklärte er.

Die junge Frau war vom Sofa aufgestanden. Sie spürte, wie sein Blick kurz über sie wanderte, bevor er ihr Wein anbot.

„Ich hoffe, Sie haben sich gut erholt, von dem Biss?" fragte er, während er die rote Flüssigkeit elegant einschenkte.

Amélie nahm ihr Glas entgegen und antwortete ohne irgendwelche peinlichen Gefühle zu erkennen zu geben: "Danke der Nachfrage. Ich habe keinerlei Schäden davon getragen."

Sie lächelte ihn an. Diesem Mann musste man wohl ein bisschen auf die Sprünge helfen. Er würde sich nie auch nur ein klein wenig annähern von sich aus. Amélie hatte sich in den letzten Tagen häufig gefragt, wieviel Erfahrung Snape mit Frauen hatte. Wohl nicht sehr viel, vermutete sie. Allerdings genügend, um ein Kind zu zeugen.

„Und danke noch, für die aufopfernde, gute Pflege."

Snape wurde es ganz heiß, bei dem Blick, den sie ihm gab. Sie kam einen Schritt auf ihn zu. Sie stand nun ziemlich nahe. Snape schluckte.

„Zum Wohl!" sagte sie und sah ihm von unten her in seine Augen. Diese Augen waren so unergründlich und doch versank sie darin.

Ein kleines 'Klirr' war zu hören, von den Gläsern. Aber keiner der beiden schenkte dem Beachtung.

Snape wusste nicht, was er tun sollte. Er sah nur noch die vielfarbigen Augen der jungen Frau vor ihm.

Ihr Gesicht hatte er sich in der Nacht, als sie bei ihm auf dem Sofa übernachtet hatte, eingeprägt. Aber nun war es nicht so entspannt und bewegungslos. Es hatte viel mehr Ausdruck, mit diesen lebendigen Augen.

Snape dachte an den Abstand, den er wahren wollte. Er räusperte sich und bat Amélie Platz zu nehmen.

Als beide am Tisch saßen, erschien das Essen, wie aus Geisterhand.

Es war eine angenehme Stimmung und sie sprachen über verschiedene Dinge. Amélie fühlte sich ziemlich geschmeichelt, dass Snape ihr nun immer mehr auch privatere Dinge anvertraute.

Als sie zweieinhalb Stunden später vor dem Kamin stand um zu gehen, war sie trotzdem etwas traurig, dass sie ihm kein bisschen näher gekommen war.

Er beugte sich etwas hinunter, um Amélie dreimal auf die Wangen zu küssen, wie die Französin das immer tat zum Abschied.

Nur zielte sie diesmal nicht auf die Wangen sondern hauchte ihm einen sanften Kuss auf den Mund.

Zu ihrem Erstaunen lies Snape das geschehen. Es war kein erotischer Kuss. Ihre Lippen berührten sich nur sanft für einige Sekunden. Amélie hatte es nicht eilig, ihren Mund von Snapes Lippen zu entfernen.

Einen Moment hatte sie die Augen geschlossen, wie um den Moment zu genießen.

Nun sah sie zu ihm auf. Er sah sie einfach nur an und ein kribbelndes Gefühl machte sich in ihr breit. Dieser Blick ging ihr so tief unter die Haut.

Sie legte den Kopf an seine Brust und die Arme um seinen Körper. Das war so ein seltsames Gefühl und als er dann auch noch seine Arme um sie legte, war sie sich sicher, sich noch nie so aufgehoben und sicher gefühlt zu haben in den Armen eines Mannes.

Sie wollte sich diesen Augenblick für immer einprägen und wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte dieser auch nie enden müssen.

Amélie fühlte sich wohl und sie spürte auch, dass Snape nicht angespannt war. Er hielt sie einfach fest, als hätte er das schon viele Male getan.

Sein Gesicht berührte Amélies Kopf und er roch ihr Haar. Es roch nach Rosenshampoo.

Als Amélie dann durch den Kamin verschwand, fühlte sie sich wie ein anderer Mensch.

Genau wie Snape.

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Gespannt sahen die Kinder am nächsten Tag, wie Gilderoy Lockhart auf ein selbst errichtetes Podest stieg und stolz hin und her marschierte. Er sah mit etwas überheblichem Lächeln zu seinen Schülern und vor allem Schülerinnen hinunter und präsentierte seine ganze Schönheit, wie er dachte. Dieser Meinung waren offensichtlich auch viele der Mädchen, die um das Podest herum standen und ihm verliebte und bewundernde Blicke schenkten.

Sehr erstaunt war Laura, als ihr Vater mit saurem Gesicht das Podest betrat. Er sah ziemlich bedrohlich aus, neben Lockhart.

Die Präsentation, die Lockhart geplant hatte, und bei der er natürlich brillieren sollte, schien ziemlich schief gelaufen zu sein, denn besagter Schönling klebte gerade an der Wand. Er sah einen Moment ziemlich beduselt aus und entschied spontan, dass nun die Kinder an der Reihe waren.

In Paaren mussten sie üben, was nicht sehr spaßig war, da sie sich ihren Partner nicht aussuchen durften. Laura musste mit Malfoy trainieren, was wirklich ein Herausforderung war.

Doch auch Harry schien nicht mehr Glück gehabt zu haben, denn er trainierte direkt neben ihr mit Pansy Parkinson. Sie sah, wie er das Mädchen, welches ihm etwas zugeflüstert hatte, ärgerlich ansah.

Wieso hatte Lockhart sie ausgerechnet mit Malfoy zusammen getan? Aber sie hatte sich nicht weigern können, da Malfoy sonst gedacht hätte, sie habe Angst. Laura musste versuchen, ihren Zorn auf den Jungen zu ignorieren. Ihr Dad sagte immer, dass sie ihren Gefühlen nicht immer nachgeben durfte, dass sie ihren Verstand einsetzen musste und sich unter Kontrolle haben musste.

„Ich mach dich platt, du kleine Schwarzwurzel!" zischte Malfoy, nachdem er Snape nicht in seiner Nähe sah.

„Mach bloß deinen Mund nicht zu weit auf, Bleichgesicht!" erwiderte sie mit tödlichem Funkeln in den Augen und musste sich mit aller Gewalt zurück halten, ihm eine zu kleben.

Schon traf sie Malfoys Zauber hart und sie wurde hinten über geworfen. Ziemlich hart schlug sie sich den Kopf an. Die Tränen waren ihr zu vorderst, aber diese Genugtuung würde sie dem blassen Wieselgesicht nicht geben. Niemals! Ihr Kopf surrte etwas und sie rappelte sich unter Dracos feixendem Blick auf.

Aus den Augenwinkeln sah sie, dass sie nicht das einzige Duellpaar waren, das sich in die Haare gekriegt hatte. Harry neben ihr schien auch ziemlich wütend und beide schienen gleichzeitig ihre Zaubersprüche losgelassen zu haben.

„Reiecto!" schrie sie und diesmal war es Malfoy, der in hohem Bogen nach hinten fiel. Snape hatte sich umgedreht und wollte gerade 'Stopp' rufen, als Malfoy sich halbwegs aufgerappelt hatte und „Serpensortia!" rief.

Eine große schöne Schlange schlängelte auf Laura zu. Harry gab Malfoy, der sich gerade aufrappelte, einen harten Stoß und ging auf die Schlange zu. Snape war auch nach vorne getreten mit gezücktem Zauberstab.

Harry wollte der Schlange sagen, dass sie Laura in Ruhe lassen sollte. Er hatte gerade den Mund geöffnet, um mit der Schlange zu reden, aber nach dem ersten Wort hatte Snape die Schlange schon entfernt.

Snapes scharfer Blick fiel auf Harry. Er hatte gehört, in was für einer Sprache der Junge zu der Schlange gesprochen hatte und es lief ihm kalt den Rücken runter. Der Junge war ein Parselmund!

Die umstehenden Kinder schienen das nicht bemerkt zu haben, außer Justin Finch-Fletchley, einem Jungen, der Harry ziemlich seltsam ansah.

Als die Aufregung vorüber war, stand Laura wieder auf und sah schuldbewusst zu Snape. Genau so auch Malfoy.

„Ihr drei kommt mit mir. Sofort!" sagte er scharf und deutete nebst Laura und Malfoy auch noch auf Harry. Der sah erstaunt zu dem Professor auf, da er sich keiner Schuld bewusst war, aber keiner der drei wagte es, auch nur einen Moment zu zögern.

Lockhart lächelte gekünstelt und setzte dann das Training fort. „Nur entwaffnen," sagte er.

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„Ihr beide in mein Büro, Mr. Malfoy in Ihren Gemeinschaftsraum."

Laura und Harry gingen schnell den steinernen Korridor weiter und Snape verschwand mit Malfoy im Gemeinschaftsraum der Slytherins.

„Wieso ist er so sauer auf mich?" fragte Harry verwundert und auch leicht besorgt, als sie Snapes Büro erreicht hatten und eingetreten waren.

Laura zuckte mit den Schultern und setzte sich auf einen der Stühle, die vor Snapes großem Bürotisch standen.

„Weiß auch nicht," sagte sie leise. Harry hatte wirklich nichts Falsches getan, dachte sie.

Nur wegen diesem verdammten Malfoy war sie nun wieder in Schwierigkeiten!

Laura sah zu Cunninghutch hinüber, der scheinbar gemerkt hatte, dass dicke Luft war und nichts sagte.

Harry folgte ihrem Blick und sah den älteren Mann im Bild an, der mit dem Finger über die Oberfläche seines polierten Schreibtisches fuhr, als könnte er dort noch ein Stäublein wegwischen.

„Hoffentlich wird Malfoy hart bestraft," sagte Harry leise.

Es waren ziemlich lange Minuten für die Kinder, obwohl es sich nur um einige wenige hatte handeln können.

Laura wusste genau, dass sie noch eine Lektion über ihr Verhalten gestern Abend erhalten würde. Sie hatte es den ganzen Tag verdrängt und nun hatte sie schon wieder neuen Ärger! War nicht sehr vielversprechend!

Sie biss sich auf die Lippen und hoffte, dass ihr Dad bald kommen würde. Die Ruhe vor dem Sturm war so nervenaufreibend. Würde ihr Vater sehr böse sein mit ihr? fragte sie sich bange.

„Dieser verdammte..." begann sie und stoppte sofort wieder, als die Tür aufging. Sie hatte die Hände unter die Beine geschoben und sah nicht zu Snape auf, sondern auf die Kante seines Tisches.

Harry sah seinen Lehrer fragend an, der nun an ihnen vorbei in seine Privaträume ging. Laura sah ihm nun verwundert nach. Wohin ging der denn jetzt? Holte er etwas? Sie stellte sich gerade vor, wie er mit einem riesigen Folterinstrument zurück kommen würde und musste sich auf die Lippen beißen, um nicht zu lachen.

Ein paar Minuten später kam er wieder aus der normalerweise versteckten Tür heraus. Ohne Foltergerät.

„Harry, setz dich bitte aufs Sofa im Wohnzimmer, Remus wird gleich zu dir kommen," sagte er nicht unfreundlich. Sofort stand der Junge auf und sah nochmals schulterzuckend zu Laura zurück, als er den Raum verließ. Er fragte sich, wieso Remus ihn sehen wollte, so dringend. Und Snape hatte ihn beim Vornamen genannt, wie in den Ferien, als er bei Snape gewohnt hatte. Das freute ihn irgendwie.

Snape hatte dem Freund, der gerade aus der Dusche gekommen war kurz erklärt, worum es ging und dass er mit Harry reden sollte. Es wäre interessant zu erfahren, ob der Junge von seiner 'Gabe' wusste und er wollte auch nicht, dass Harry es von jemand anderem erfahren würde, falls es doch jemand gehört hatte. Severus war sich nicht sicher, ob Harry bemerkt hatte, dass er die Sprache der Schlangen gesprochen hatte vorhin. Remus war ziemlich perplex über die Neuigkeiten.

Nun musste Snape sich aber nun um sein Kind kümmern. Er würde die Gefühle, die ihn seit dem gestrige Abend beflügelten noch etwas bei Seite legen müssen, genauso wie die Genugtuung, Lockhart von seinem hohen Ross hinunter geholt zu haben.

Natürlich hatte dieser unfähige Pseudoprofessor es etwas provoziert, als er die beiden nicht gerade befreundeten Kinder zusammen gestellt hatte. Aber er selber hatte ein Auge auf die beiden gehabt und er hatte sehen wollen, ob sie sich im Griff hatten und fair bleiben konnten. Deshalb hatte er auch nicht eingegriffen, bei dieser unglücklichen Einteilung. Dass sich die Kinder im Griff hatten, war anscheinend nicht der Fall gewesen. Leider!

TBC...