AN: So, auch bei mir gibt es wieder ein Bad im Teich und: Enter Lady Catherine
Kapitel 10
Da sie jetzt auch mehr Zeit mit Jane und Charles verbrachte, erfuhr Georgiana auch von deren Beziehung und natürlich auch alles über die Begebenheiten in Rom, viel weiter brachte es sie aber auch nicht. Sie waren im Bezug auf ihren Bruder und Lizzy auch nur auf Spekulationen angewiesen, denn diese beiden hatten nach dem Aufenthalt nie wieder davon geredet und sich sonst auch absolut bedeckt gehalten. Das Verhalten der beiden war mehr als ungewöhnlich gewesen und hatte deshalb Grund zu vielen Überlegungen gegeben, aber all diese Sachen waren trotz allem doch nur Spekulationen, vor allem, weil die zwei Protagonisten das Thema mieden wie der Teufel das Weihwasser. Alle drei machten sich diese und jene Gedanken (und kamen der Wahrheit schon sehr nahe) und versuchten, aus dem Verhalten der beiden irgendetwas zu lesen, aber Lizzy und Will verhielten sich freundschaftlich-distanziert und nicht mehr. Aber das konnte doch nicht alles gewesen sein, irgendetwas musste es doch noch in ihrer Beziehung gegeben haben…
Will hatte doch gesagt, er liebe Lizzy und das war lange Zeit nach Rom gewesen, eigentlich noch vor kurzer Zeit, also, was sollte das hier alles? Warum pochten sie so demonstrativ auf Freundschaft? Georgiana glaubte zudem (und so dachten auch Jane und Charles), dass Will Lizzy auch sehr viel bedeutete, aber aus den beiden wurde man einfach nicht schlau. Sollte man die beiden jetzt einfach sich selbst überlassen oder doch vielleicht in kleines bisschen eingreifen?
Nun ja, Will war ja jetzt ohnehin wieder abgereist, er war nur übers Wochenende geblieben und befand sich jetzt wieder in Caras Galad, bei der Arbeit. Lief er einfach nur weg?
Das war Will in der Tat, weglaufen, das war der richtige Ausdruck. Er liebte Lizzy, das wusste er, das blöde war dabei nur, dass sie (so dachte er zumindest) ihn augenscheinlich nur als Freund wollte oder sah. Er kam nicht los von ihr und ihre ständige Gesellschaft war schön und schmerzlich zugleich. Schön war es, ihr nahe zu sein, sie einfach nur ansehen zu können, ihre Stimme hören zu können, er musste nur die Hand ausstrecken und er konnte sie berühren. Trotzdem war sie weit weg, zwischen ihnen beiden sollte es wohl niemals sein.
Warum konnte es nicht so einfach sein, wie mit Jane und Charles? Aber sie hatten wohl irgendwie den richtigen Zeitpunkt verpasst. Jetzt redete er sich ein, die Freundschaft sei ihm genug, so konnte er immerhin bei ihr sein, er war ja doch ein Teil ihres Lebens, wenn auch nicht so, wie er sich das wünschte. Und was sollte werden, wenn es irgendwann einen neuen Mann an ihrer Seite gab, wenn er doch der Mann an ihrer Seite sein wollte?
Er telefonierte sehr häufig mit Georgiana, die ihm erzählte, was sich so zugetragen hatte. Scheinbar liefen die Hochzeitsvorbereitungen (ein Datum gab es jetzt auch – Anfang September – und die Einladungen wurden verschickt) und auch Lizzy ging es besser. Ein Arzt passte zwar noch auf die auf, aber sonst machte sie sich ganz gut. Einmal hatte sie mit Georgiana eine Fahrradtour gemacht und, um den Schutz der Königin zu gewährleisten, hatten deshalb auch ihre Leibwächter auf den Drahtesel steigen müssen – was Georgiana unheimlich belustigend gefunden hatte. Auch sonst schienen sie sehr viel zu unternehmen und Spaß zu haben. Will wurde immer wieder eingeladen, nach dem Ende seiner Arbeit doch auch mal für einige Zeit vorbeizukommen. Er überlegte es sich immer wieder neu, er konnte auch sofort wieder nach England zurückreisen, er machte sich auch nicht vor, Lizzy so vergessen zu können, das hatte ja bislang auch nicht geklappt und dann war da die Möglichkeit, mehr Zeit mit ihr zu verbringen, einfach zu verlockend…
Schlussendlich sagte er zu, er wollte sich ja auch nicht aus ihrer Runde ausgrenzen und er hätte später schöne Erinnerungen an Lizzy. Also kam er nach drei Wochen – alle seine Aufgaben und Projekte in Lothlorieth waren beendet, das Gebäude mit einer pompösen Feier eingeweiht worden – erneut nach Longbourn Castle und sollte diesmal mindestens zwei Wochen bleiben.
Er fand Lizzy alleine auf der Terrasse, sie lag in der Sonne und las ein Buch.
„Hi", sagte Will zur Begrüßung.
Überrascht schaute Lizzy auf. „Will!", rief sie. „Du bist da! Schön!" Und dann tat sie etwas Unerwartetes: sie umarmte ihn.
„Wo sind die anderen?", fragte er, so einen Empfang hatte er nicht erwartet.
„Och, die sind irgendwo unterwegs, die kommen bestimmt gleich. Komm, setz dich zu mir."
„Was machst du hier gerade? Ich hoffe, ich störe dich nicht bei deiner Lektüre."
„Ach Unsinn, ich habe in diesen Wochen so viel gelesen wie das ganze letzte Jahr nicht. Nach einer Woche hatte ich Georgianas komplette Urlaubslektüre, die sie mir zum Geburtstag geschenkt hat, durch. Bin vorgestern hier im Dorf gewesen und habe mir neue Bücher besorgt – auf die in der Bibliothek hier hatte ich nämlich keine Lust. Ich glaube, der Buchhändler hier wäre vor lauter Ehrfurcht beinahe gestorben."
„Ach ja, dein Geburtstag. Weißt du noch, dass ich dir geschrieben habe, du hättest wahrscheinlich schon alles. In jedem Fall habe ich doch noch was gefunden, ich habe dir was mitgebracht."
Er überreichte ihr ein Päckchen.
„Aber du musstest doch nicht…", sagte Lizzy. „Das wäre doch nicht nötig gewesen!"
„Mach es auf. Georgiana hat mir erzählt, es fehlt dir noch so etwas."
Lizzy öffnete das Geschenk und zum Vorschein kam eine Digitalkamera.
„Ich war erstaunt, als ich erfuhr, dass du keinen Fotoapparat hast. Fotos sind doch so schöne Erinnerungen – meistens jedenfalls. Also, die Kamera hier ist für dich."
„Danke", sagte Lizzy hingerissen. „Das ist toll, wirklich." Sie drehte die Kamera in ihren Händen.
„Die Bedienung ist idio-", setzte Will an, in diesem Augenblick blitzte es und Lizzy hatte bereits das erste Foto geschossen.
„Okay, der Blitz sollte nicht sein, aber jetzt hat der großzügige Geber auch Bild Nummer 1 bekommen."
„Den Blitz kannst du so ausschalten und so kannst du das Bild angucken." Will zeigte ihr alles, was sie wissen musste.
„Dann werde ich mal meinen Laptop rauskramen und die Kamera anschließen. Wie viele Fotos passen denn so drauf?"
„Ich meine, 200."
„Wunderbar."
Als Jane, Charles und Georgiana die Terrasse betraten, wurden sie sofort auch von Lizzy fotografiert.
„Was hast du denn da?", fragte Charles.
„Das ist mein neues Hightech-Spielzeug, das hat Will mir mitgebracht. Damit werde ich euch jetzt die nächste Zeit nerven. Niemand ist ab jetzt sicher vor meiner Kamera."
„Das ist ja echt cool", sagte Jane. „So was fehlte dir wirklich noch. Und in nächster Zeit gibt es bestimmt auch schöne Motive."
Die nächsten Tage trug Lizzy die Kamera in der Tat immer mit sich herum. Zum Zubehör gehörte eine praktische Ledertasche, die man an den Gürtel heften konnte und so knipste Lizzy hier und dort, ging den anderen aber gar nicht so sehr auf die Nerven.
Auch Will ging es gut, es war in der Tat sein erster Urlaub seit einer Ewigkeit – sogar Rom konnte man nicht wirklich als solchen bezeichnen, denn abgesehen von den 2 Tagen mit Lizzy und Jane hatte er auch dort nur gearbeitet. Also hatte auch er das erste Mal seit langer Zeit richtig Muße, das zu tun, wozu er sonst keine Zeit hatte und nur das, wozu er einfach nur Lust hatte. Dabei war er immer öfter mit Lizzy zusammen, die anderen waren komischerweise anderweitig beschäftigt. Eines der schönsten Fotos entstand bei einem dieser Tête-à-Têtes, und zwar folgendermaßen:
Auf der Suche nach Gesellschaft schlich Will durch das Schloss und trat schließlich auf die Terrasse. Von da aus sah er Lizzy, die mitten auf dem Rasen lag. Besorgt lief er zu ihr – war sie erneut umgekippt?
„Lizzy!", rief er besorgt.
Glücklicherweise schlug diese ihre Augen auf. „Hi Will", sagte sie.
„Lizzy, was machst du hier?", fragte Will verwundert.
„Ich liege hier."
„Jaaa, das sehe ich. Aber wieso?"
„Keine Ahnung, ich liege hier einfach nur auf dem Rasen in der Sonne und tue nichts."
Mit hochgezogenen Augenbrauen schaute Will sie noch immer an.
„Nein, mach dir keine Sorgen, ich habe keinen Sonnenstich, das ist ungeheuer toll. Komm, leg dich zu mir", sagte sie und klopfte als Einladung auf das Rasenstück links neben sich. „Das ist ungemein entspannend."
„Okay", sagte Will zögerlich, legte sich dann aber doch neben sie.
„So, jetzt leg dich einfach nur hin, beweg dich so wenig wie mögliche und mach die Augen zu."
Ein paar Minuten lagen sie so da. „Das ist das stumpfsinnigste, das ich seit einer sehr, sehr langen Zeit gemacht habe", sagte Will dann.
„Aber dass du das überhaupt machen kannst, das ist doch toll", antwortete Lizzy. „Hättest du noch vor zwei Wochen gedacht, dass du einfach nur Zeit hast, stupide herumzuliegen und gar nichts zu tun? Siehste, das muss man sich echt mal überlegen, was für Arbeitstiere wir waren!"
Eine Weile lagen sie noch so da, als sich Lizzy neben ihm plötzliche bewegte und anscheinend aufstand.
„Lizzy, was-", setzte Will an und wollte sich ebenfalls erheben, aber Lizzy schnitt ihm das Wort ab:
„Bleib so liegen, mir ist grad ne Idee gekommen. Ich will ein Foto machen."
„Von mir?"
„Nein, von uns beiden, pass auf."
Daraufhin legte sich Lizzy wieder hin, aber quasi verkehrt herum, zwar lagen ihre Köpfe nebeneinander, ihre Wangen berührten sich, aber Wills Füße zeigten in Richtung Schloss, Lizzys in Richtung Teich.
„Jetzt mach die Augen auf, ich halte die Kamera so, und lächeln" und Lizzy hatte ein Foto geknipst.
Sie guckte es sich an. „Oh, das ist wirklich schön." und zeigte es dann Will. Auf dem Bild waren nur ihre Köpfe zu sehen, Wange an Wange, Wills Hals endete am oberen Bildrand, Lizzys am unteren, beide lächelten, sie waren ein schönes Pärchen.
„Das ist wirklich ein schönes Bild", sagte Will. „Und man kann es von zwei Seiten betrachten. Davon hätte ich gern einen Abzug."
„Kannst du haben."
Bald darauf erhoben sie sich und gingen zusammen ins Schloss zurück, im Wohnzimmer fanden sie die drei anderen vor. Jane bemerkte sofort, dass beide, Lizzy und Will, Gras am Rücken hatten.
„Was habt ihr denn angestellt?", fragte sie neugierig.
„Gar nichts", lautete die gelassene Antwort – denn sie entsprach ja vollkommen der Wahrheit, was von den anderen aber nur mit einem „Jaaa, genau." aufgenommen wurde.
Eines Nachmittags, circa eine Woche später, fand Will Lizzy in ihrem Lieblingssalon.
„Na, wieder allein?", fragte er.
„Jo."
„Wo treiben sich die anderen eigentlich immer rum? Hier auf dem großen Gelände ist es schwer, sie zu finden – dich treffe ich übrigens auf meiner Suche immer als erstes." Und das war ihm gar nicht mal zu unangenehm.
„Ich weiß auch nicht, wo sie immer stecken."
„Darf ich mich zu dir setzen?"
„Klar."
„Und, hat der Arzt dir schon wieder Sport erlaubt?", fragte Will.
„Schon lange."
„Schon schwimmen gewesen?"
„Leider noch nicht."
„Aha."
Eine kurze Pause entstand.
„Wie lange geht dein Urlaub eigentlich noch?", fragte Will dann.
„In zwei Wochen sind die beiden Monate vorbei, eine Verlängerung ist nicht wahrscheinlich."
„Und?"
„Ach ja, es war schon schön, aber ein wenig sehne ich mich zur Arbeit zurück. Langsam wird's Zeit. Mal richtig Langeweile zu haben ist auch was Schönes und ich hatte so viel Zeit, aber jetzt freue ich mich auch ein wenig auf meine Arbeit. Das ist bestimmt auch ein weiterer positiver Effekt, in den vergangenen Monaten habe ich, glaube ich, auch nicht vollkommen hinter dem gestanden, was ich gemacht habe. Deshalb wünsche ich mir jetzt auch gar keine Verlängerung."
„Wie wird es bei euch denn in Zukunft laufen? Irgendwelche Neuerungen?"
„Oh ja, ich kriege jemanden, der auf mich aufpasst." Lizzy grinste. „Jemand, der guckt, ob ich auch genügend esse und schlafe und ich mir nicht zu viel zumute. Eine Art Queen-sitter sozusagen, bis ich bewiesen habe, dass ich alleine auf mich aufpassen kann."
„Ehrlich? Das finde ich ja erheiternd, das kann ich mir bei dir gar nicht vorstellen."
„Was sein muss, muss sein." Lizzy zuckte mit den Schultern. „Ich bin ja mal gespannt, wer mutig genug ist, diese Aufgabe zu übernehmen."
„Was steht die nächsten zwei Wochen denn noch an? Wirst du langsam wieder an die Arbeit gewöhnt?", witzelte Will.
„Keine Ahnung, ich werde mich erst einmal einarbeiten müssen. Es war ja sozusagen Informationssperre hier, ich habe nichts mitbekommen, alle meine Unternehmen könnten Konkurs gegangen sein – ich könnte pleite sein, ich weiß echt nicht, was momentan läuft. Und die aktuelle Politik kenne ich auch nur aus der Zeitung – aber da können sie ja ohne mich wenig machen."
„Und, wie steht's mit der Hochzeit?"
„Ach ja, in der letzten Woche fahren wir drei Mädels nach Caras Galad, um das Hochzeitskleid auszusuchen. Und wie steht's bei dir? Was machst du so?"
„Tja, erst einmal geht's in die Heimat – Georgiana muss sich ja für die Uni einschreiben – und ich werd mich in die Arbeit stürzen. Es gibt ne Menge zu tun, aber daran will ich jetzt einfach gar nicht denken."
„Baut ihr wieder irgendwo im Ausland?"
„Nö, aber es gibt auch so viel zu tun. Wir Darcys sind auch nicht nur Hoteliers.
Warum sitzen wir eigentlich hier drinnen? Hast du Lust auf einen Spaziergang?", fragte Will plötzlich.
„Klar, gerne."
Sie standen auf und gingen nach draußen.
„Lizzy, ich hätte eine Frage: Warum bist du eigentlich nicht häufiger hier? Ich meine, vielleicht bin ich auch voreingenommen, weil ich auf dem Land groß geworden bin und immer noch dort lebe, aber es ist doch schön hier. Das Schloss mitten in der Stadt muss doch manchmal auch wie ein Käfig sein."
„Mittlerweile bin ich auch zur Überzeugung gekommen, dass ich hier viel zuwenig Zeit verbracht habe. In Zukunft werde ich wohl öfter herkommen. Ich nehme mir häufiger Urlaub, Zeit für mich. In den letzten Jahren war ich kaum hier. Und das Schloss war wirklich meine Heimat, mein Zuhause. Ich glaube, wir waren nicht öfter hier, weil hier der Lieblingsort meiner Mutter war. Nach ihrem Tod wollte mein Vater nicht mehr hier hin und das habe ich dann übernommen. Aber wie wohnst du eigentlich? Du hast Pemberley so oft erwähnt, erzähl mal was davon."
„Hhmm, das kann man schwer beschreiben. Derbyshire liegt im Norden, Pemberley befindet sich in der Nähe eines kleinen Dörfchens namens Lambton. Das Haus ist halb so groß wie das Schloss hier, aber immer noch im Verhältnis sehr groß. Du musst einfach mal vorbeikommen. Tja, wir haben einen ziemlich großen Park und was mich hier am meisten an Pemberley erinnert, ist eigentlich der Teich und das kleine Flüsschen, so was haben wir nämlich auch. Weißt du, du musst uns einfach mal besuchen kommen."
„Gerne, das mache ich. Ich war schon eine Ewigkeit nicht mehr in Großbritannien. Zu deren Hochzeiten ist mein Vater hingegangen", sagte sie lächelnd.
„Schade, ich war da, vielleicht hätten wir uns dann ja mal eher getroffen." Zum ersten Mal erwähnte er indirekt Rom.
Lizzy ging aber nicht darauf ein. „Ach ja, ich vergaß, der Duke of Derbyshire und seine exzellenten Beziehungen zu den Windsors. Mylord gehören ja zum englischen Hochadel."
„Du bist du einzige Königin, mit der ich auf ‚Du' bin."
„Na dann."
„Komm, wir setzen uns an den Teich", sagte Will. „Auf den Steg und lassen die Beine im Wasser baumeln."
„Gute Idee."
Die beiden gingen auf den Steg hinaus.
„Weißt du schon-", setzte Lizzy an, als Will ihr plötzlich einen Stoß gab und sie mit einem lauten „Platsch" im Wasser landete.
Einen Moment wusste Lizzy nicht, wir ihr geschah, ihr blieb die Luft weg, was war passiert… dann fing sie an zu schwimmen und gelangte schließlich in einen Teil des Gewässers, wo sie stehen konnte.
„Du!", rief sie, während sich Will vor Lachen kaum noch halten konnte. „Das hattest du geplant!"
„Klar, du hattest doch gesagt, dass du unbedingt schwimmen gehen wolltest, und da der Doktor dir doch Sport erlaubt hat, da dachte ich mir…"
„Na toll, jetzt bin ich klitschnass", Lizzy schimpfte wie ein Rohrspatz während sie immer noch bis zur Hüfte im Wasser stand.
„Ich finde, du siehst wundervoll aus", neckte Will sie.
„Jetzt versuch bloß nicht, dich einzuschleimen, das werde ich dir heimzahlen!"
„Jetzt krieg ich es aber mit der Angst zu tun."
Lizzy steckte ihm die Zunge raus, dann zuckte sie die Schultern. „Da ich ja jetzt ohnehin nass bin, kann ich ja noch ein bisschen weiter schwimmen. Hhmm, ist eigentlich ganz angenehm, kommst du mit rein?", fragte sie Will. „Das Wasser ist gar nicht so kalt."
„Bestimmt nicht, nein danke."
„Dann halt nicht", sagte Lizzy und schwamm weiter in den Teich hinaus. Will schaute ihr dabei zu, er setzte sich an das Ende des Stegs, zog seine Schuhe aus und ließ seine Füße ins Wasser gleiten. Als er wieder auf die Wasseroberfläche schaute, war Lizzy verschwunden. Nanu, wo war sie hin? Er überblickte den ganzen Teich, konnte aber nirgendwo ihren Kopf aus dem Wasser ragen sehen. Gerade als er begann sich Sorgen zu machen, tauchte Lizzy an seinen Füßen auf und beförderte ihn mit einem kräftigen Ruck daran zu sich ins Wasser.
„Ätsch!", rief sie, als Will sie überrascht anstarrte, „Rache ist süß!"
Viel Zeit zum Verschnaufen ließ sie Will nicht, sie schwamm auf ihn zu und döppte ihn. Als sie ihn schließlich wieder auftauchen ließ, prustete er heftig.
„Na warte!" rief er, während Lizzy bereits versuchte, aus seiner Reichweite zu schwimmen. Aber Will war ein guter Schwimmer, er folgte ihr und hielt schließlich ihre Beine fest.
„Hey, lass los!!", Lizzy strampelte noch heftiger.
„Nein", antwortete Will, zog heftig an den Beinen und beförderte so Lizzys Kopf unter Wasser, dann ließ er ihre Beine los.
„Boah, das war gemein!"
„Wie du mir, so ich dir."
Einige Zeit tollten sie so im Wasser umher, jeder versuchte, den anderen unter Wasser zu ziehen und die Oberhand über ihn zu gewinnen. Als sie schließlich auftauchten, waren beide außer Atem.
Will schaute Lizzy an, deren Kopf nur in kurzer Entfernung von seinem aus dem Wasser ragte. Ihr Zopf hatte sich so gut wie gelöst und ihre nassen dunklen Haare fielen ihr in Strähnen ins Gesicht, ihre Wangen waren rot von der Anstrengung, doch ihre Augen leuchteten. In diesem Augenblick sah sie einfach bezaubernd aus, Will hätte sie gerne geküsst.
„Wir sollten ins Schloss zurückkehren", sagte er heiser.
„Ja, das sollten wir", flüsterte sie und kam näher.
Will schaute ihr in die Augen, jetzt war sie so nahe, dass er ihren Atem spüren konnte, sollte er einfach…?
Er griff unter Wasser nach ihrem Arm und zog sie näher, ihre Gesichter waren nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt. Küss mich schon, du Idiot!, dachte Lizzy, als plötzlich ein aufgeregtes „Majestät!" ertönte – und es kam ganz bestimmt nicht von Will.
„Majestät, hier sind Sie!", rief ein Diener, der am Ufer stand, erleichtert. „Gott sei Dank! Wir haben Sie überall gesucht!"
Damit war der Augenblick zerstört.
„Was?!", antwortete Lizzy heftiger als beabsichtigt, löste sich von Will und schwamm ans Ufer.
„Bitte kommen Sie schnell, Ihr habt Besuch, Eure neue Hofdame ist da, wir suchen Euch bereits eine halbe Ewigkeit!", schallte es über den Teich.
Lizzy hatte das Ufer mittlerweile fast erreicht, Will folgte ihr kurz darauf.
Der Diener beäugte die beiden überrascht.
„Wir sollten uns jetzt vielleicht beeilen", sagte Lizzy. „Ich denke, die gute Dame wartet bereits. Wer ist sie denn?"
„Eine Lady Catherine, Baronin von Nevristo. Verzeihen Sie die Frage: Wussten Sie davon? Sie sagte, sie würde erwartet."
„Bestimmt nicht, dann würde ich jetzt nicht so aussehen, ich hatte keine Ahnung. Nun ja", sagte sie mehr zu sich selbst, „es wird schon gehen, und in ihrer Reaktion kann man auch schon ne Menge ablesen."
Als die drei schließlich den Salon betraten, saß dort Lady Catherine zusammen mit den anderen drei, eine Unterhaltung schien aber nicht stattzufinden.
Als der Diener eintrat, erhob sich die Baronin ruckartig, da sie erkannte, dass Lizzy sich unmittelbar hinter ihm befand.
„Majes-", begann sie und setzte zu einem Hofknicks an, stockte dann aber, als sie Lizzys Zustand sah: Sie war klitschnass, ihr Zopf hatte sich komplett gelöst, ihre nassen Haare hingen unordentlich kreuz und quer, ihre Kleidung klebte an ihrem Körper und ihre ebenfalls nassen Schuhe machten ein komisches knartschendes Geräusch beim Gehen. Will sah ähnlich aus, zudem hatte er Gras an seinen Füßen, er war nämlich barfuss über den Rasen gelaufen – die Schuhe hatte er auf dem Steg vergessen.
Lady Catherine starrte sie von oben bis unten an, fing sich dann aber schnell wieder.
„Königliche Hoheit, es ist mir eine Ehre", sagte sie und machte einen formvollendeten Knicks.
„Ich danke Ihnen, Lady Catherine. Sie sind dann wohl meine neue Hofdame. Ich denke, es ist Ihnen bekannt, dass Sie sozusagen auf mich aufpassen sollen? Gut, ich denke, wir sollten uns in den nächsten Tagen näher kennen lernen und dann ihre Aufgaben genauer umreißen. Als meine Hofdame sind sie meine ständige Begleiterin, es ist angedacht, dass Sie im Schloss leben. Ich denke, das wissen Sie bereits. Ich weiß jetzt nicht genau, ist es geplant, dass Sie bis zum Ende meines Urlaubs hier in Longbourn Castle bleiben?"
Die Baronin bejahte dies.
„Gut", Elizabeth klingelte nach einem Diener. „Dawson, bitte zeigen Sie Lady Catherine ihre Gemächer. Baronin, ich denke, Sie sind erschöpft von der Reise und wollen sich frisch machen. Für heute entlasse ich sie aus meinem Dienst, ich werde morgen früh nach Ihnen schicken lassen."
Als die Baronin sich zum Abschied anschickte, erneut zu knicksen, fügte Elizabeth hinzu: „Und den Knicks sparen Sie sich ab sofort bitte. Dieser Teil des Protokolls ist unter meinen Bediensteten abgeschafft worden."
Lady Catherine nickte und verließ das Zimmer.
Die anderen waren erstaunt, zum ersten Mal hatte sie Lizzy sozusagen wirklich als Königin erlebt. Sie hatte trotz ihres Aufzugs eine unglaubliche Würde ausgestrahlt. Sie hatte eine unvergleichliche Haltung gezeigt und sich nicht um die Pfütze, die sich zu ihren Füßen gebildet hatte oder die Tropfen, die von den Haaren auf ihre Schultern fielen, gekümmert. Ihr Gesichtsausdruck war dabei nicht lesbar gewesen, was sie gedacht hatte, darüber konnte man nur spekulieren. Vor ihnen hatte wirklich Elizabeth, die regierende Königin von Lothlorieth gestanden – und diese unterschied sich in mehrfacher Hinsicht von der alltäglichen Lizzy, wie sie sie kannten.
Nun ja, nicht ganz, kaum waren sie alleine im Zimmer, brach Lizzy in schallendes Gelächter aus, auch die anderen konnten sich nicht mehr zurückhalten.
„Oh mein Gott", prustete Jane. „Was muss die arme Baronin gedacht haben, als ihr zwei den Salon betreten habt! Die arme Frau wusste ja nicht, wir ihr geschah, habt ihr ihren Gesichtsausdruck gesehen?"
„Ich hätte ein Vermögen gezahlt, um ihre Gedanken lesen zu können", lachte Lizzy. „Was sie jetzt wohl von mir halten wird? Ich glaube, sie denkt, wir haben noch einen schrecklichen Kindskopf auf dem Thron."
„Was habt ihr überhaupt angestellt?", fragte Georgiana. „Ihr seht echt abenteuerlich aus."
„Will ist in den Teich gefallen und ich musste ihn retten", sagte Lizzy schnell.
„Gar nicht!", protestierte Will. „Mademoiselle la reine wollte unbedingt schwimmen gehen und hat mich gezwungen, mitzukommen!"
„Und warum hat sie dann noch Schuhe an und du bist barfuss?", stellte Jane fest.
„Okay, ich gestehe", sagte Will. „Ich habe Lizzy in den Teich geworfen und sie hat mich schließlich mit rein gezogen. Wir sind also beide unfreiwillig schwimmen gegangen."
„Ha! Ich wusste es!", rief Georgiana. „Das hat er mit mir auch schon häufiger gemacht", sagte sie zu Lizzy. „Auf Pemberley haben wir auch einen Teich, ich kann dir Geschichten erzählen… vielleicht hätte ich dich vorwarnen sollen."
„Nun ist es eh zu spät. Dank deines Bruders denkt meine neue Hofdame jetzt Gott weiß was von mir."
AN: Lady Catherine ist natürlich nicht mit den Darcys verwandt.
