Home sweet home

Jetzt sah ich sie, meine ganze Familie.

Alle – selbst der Wolf und Julia – standen auf der Veranda, als wir mit dem Auto vorfuhren. Ich hörte sie schon, ohne dass auch nur einer von ihnen den Mund öffnete.

Zum Beispiel hörte ich ganz klar Esmes mütterliche Stimme heraus, die besorgt dachte: ‚Endlich ist meine Junge wieder da. Ob es ihm wohl gut geht?',.

Komischerweise, schien niemand richtig sauer auf mich zu sein.

Nur die Gedanken von zwei Leuten verwirrten mich zutiefst.

Zum ersten war da Alice, die mir anscheinend ihre Gedankengänge nicht zeigen wollte, denn sie sang irgendein mir unbekanntes russisches Volkslied. Und dann war da noch eine sehr tiefe, männliche unbekannte Stimme, es konnte nur die des Hundes sein: ‚Sie hat diesen treulosen Blutsauger also wirklich gefunden. Ich verstehe immer noch nicht warum sie unbedingt hier her wollte, um ihn zu sehen. Nach alldem was er ihr ange…' Ich schaltete ihn einfach aus, dass hatte ich im Laufe der Zeit gelernt und im Augenblick war ich sehr froh das ich das konnte, denn mit solchen Vorwürfen und Beleidigungen will ich mich jetzt nicht befassen. Ich werde mich schon noch früh genug damit auseinandersetzen müssen.

Es steht fest, er hat Bella das Leben gerettet und dafür werde ich ihm auch bis in alle Ewigkeit danken, dennoch ist es viel zu gefährlich für meine Familie und mich, aber vor allem auch für Bella. Junge Werwölfe sind unberechenbar.

Diesmal war es Bella, die mich aus meinen Grübeleien riss, indem sie plötzlich und total unerwartet nach meiner Hand griff und sie sanft drückte. „Keine Sorge, dass wird schon.", fügte sie mit ihrer wunderschönen, einfühlsamen Stimme und einen atemberaubenden Lächeln hinzu.

Diese kleine Berührung war einfach alles für mich. Ich wollte nie wieder vergessen wie sich das angefühlt hat. Auch wenn es eine noch so winzige Berührung war, so sagte sie doch mehr als tausend Worte. Sie zeigte mir dadurch wie nah sie sich noch zu mir fühlte, dass sie sich sorgt…

In dem Moment hörte ich wie Bella neben mir langsam den Türgriff bediente, ich tat es ihr gleich und stieg zusammen mit ihr aus.

Ich wartete bis sie an meiner Seite war, dann gingen wir einige Meter auf alle zu und machten ein Stück vor der Veranda halt.

Ich wusste immer noch nicht was mich erwartet.

„Also, eins muss man dir lassen kleine Schwester, du scheinst noch schneller und verrückter zu fahren als Edward.", es war Emmet der das Schweigen als Erster brach „Letztes Mal dieses coole Manöver als du hier vorgefahren bist und diesmal warst du so schnell wieder da. Ich hätte frühstens in zwei Stunden erst mit euch gerechnet. Ich dachte Alice wollte uns veralbern, als sie sagte ihr seid in 5 Minuten da."

Alice schaute ihn kurz mit zusammengekniffenen Augen an.

Einen Augenblick später kamen alle auf uns zu um uns zu begrüßen und uns zu umarmen, alle bis auf Alice. Naja, und Jacob kam auch nicht auf uns zu, sondern ehr auf Bella. Er umarmte sie und flüsterte ihr etwas ins Ohr, was ich leider nicht verstehen konnte. Wenn ich seine Gedanken jedoch richtig deutete, musste es etwas in der Richtung sein wie ‚Bist du jetzt glücklich deinen Vampirlover wieder zu haben?', denn genau das dachte er auch in diesem Augenblick.

Bella funkelte ihn böse an.

In mir brodelte es, was erlaubt sich dieser Hund nur? Er kennt mich doch überhaupt nicht! Was geht ihn das an?

Das einzige was mich etwas beruhigte, war dass Bella diesen Kommentar wohl auch als unpassend empfand und ihm mit ihren Blicken zurechtwies.

Esme umarmte mich am längsten und dabei schluchzte sie leise. Es tat mir sehr Leid. Erst jetzt verstand ich, wie sehr ich sie doch alle mit meinem plötzlichen Weggang verletzt haben musste und insbesondere meine Mutter.

„Versprich mir, dass du das nie wieder machst, Edward!", ihre Stimme klang weich und herzlich „Versprich, dass du nie wieder einfach so gehst und so lange wegbleibst, ohne zu sagen wo du hingehst!"

„Indianerehrenwort Mom!", sagte ich sanft und drückte sie noch einmal fest an mich, bevor ich sie losließ.

Ich bemerkte wie mir der Wolf von der Seite böse Blicke zuwarf. Jetzt erst wurde mir bewusst, dass meine Wortwahl vielleicht nicht ganz so passend gewählt war.

Selbst Rosalie umschloss mich kurz mit ihren Armen, dabei dachte sie ‚Schön das du wieder da bist, Bruder. Mach das ja nie wieder. Nicht das es mich kümmern würde, nur will ich nicht, dass Esme und Carlisle nochmal so leiden müssen'.

Ich musste kurz schmunzeln. Es hatte einen Grund warum sie es nicht laut sagte. Ich wusste, dass ich ihr auch gefehlt hatte. Auch wenn sie das nicht zugeben wollte. Mittlerweile kannte ich Rosalie gut genug um das zu wissen.

Alle hatten uns jetzt freundlich begrüßt, außer Alice, sie summte mittlerweile in Gedanken eine Etüde von Chopin.

Ich schaute über die Köpfe der anderen hinweg, um sie besser sehen zu können.

Sie hatte sich keinen Zentimeter vom Fleck bewegt, ihre Arme waren noch immer vor ihrer Brust verkreuzt und ihr Blick in die Ferne gerichtet, fast so, als würde sie uns gar nicht sehen.

Was war nur mit ihr los? Ich dachte eigentlich, sie wäre die Person – neben Esme – die sich am meisten über meine Ankunft freuen würde.

Nun bekamen auch alle anderen mit, wohin mein Blick schweifte, sie wendeten sich um zu Alice und musterten sie.

„Alice, willst du deinen Bruder nicht auch begrüßen?", es war Esme, die sich liebevoll an sie wendete „Du hast ihn doch auch schon so lange nicht mehr gesehen."

In den Gedanken der anderen konnte ich lesen, dass sie genauso verwirrt waren wie ich: ‚Was hat sie nur?'Eigentlich hatte sie ihn doch so vermisst, warum begrüßt sie ihn nicht?'

Alice löste ihre Augen von dem Gegenstand den sie gerade anvisiert hat und traf nun auf die Meinen. Jedoch konnte ich ihrem Ausdruck noch keinerlei Gefühlsregung abgewinnen. Langsam setzte sie sich in Bewegung, jedoch zeigte sie mir immer noch nicht ihre Gedankenwelt.

Es bildete sich eine Art Schneise zu mir, nur damit Alice zu mir durch konnte.

Als sie bei mir war breitete sie ihre Arme aus um mir eine Umarmung zu schenken. Ich war erleichtert, dass ich ihr ganzes Verhalten augenscheinlich doch nur falsch interpretiert hatte. Ich nahm sie in die Arme und drückte ihr einen flüchtigen Kuss auf ihre stachligen, schwarzen Haare.

„Hey großer Bruder,", sagte sie mit ihrer hohen Stimme „schön das du wieder da bist, du hast mir gefehlt."

Ich lächelte „Ich habe dich auch vermisst, Alice!"

Auf einmal löste sie sich grob von mir „Ach ja? Hast du das?", ich schaute sie zweifelnd an, doch bevor ich in ihren Gedankengängen lesen konnte, was sie als nächstes vorhat, schubste sie mich mit voller Kraft nach hinten, so das ich einige Schritte zurückgehen musste, damit ich nicht falle. „Du hast mich also vermisst, ja? Und warum bist du dann einfach gegangen?", diesmal rammte sie mir ihre Faust direkt in den Bauch.

Ich war verblüfft, normalerweise war meine Schwester nie gewalttätig, solch eine heftige Reaktion hätte ich ehr Rose zugetraut aber nicht ihr. Sie sprach weiter, die Wut in ihrer Stimme war nicht zu überhören „Wieso bist du gegangen? Ohne jemanden Bescheid zu sagen? Ohne MIR zu sagen, wo du hingehst?" wieder schlug sie auf mich ein, diesmal allerdings – so schien es – mit all der Kraft, die ihr kleiner, so zierlich wirkender Körper aufbringen konnte. Mir riss es den Boden unter den Füßen weg und ich merkte wie ich einige Meter durch die Luft flog und ein Baum, der meinen Fall „abfederte" unter meinem Gewicht zu Bruch ging.

„Es tut mir sehr Leid.", mehr brachte ich nicht heraus. In dem Moment kam sie auch schon wieder auf mich zu, mein natürlicher Instinkt sagte mir, ich solle mich gegen sie verteidigen, doch ich wollte das nicht. Ich stellte mich nur wieder auf die Beine.

„Es tut dir Leid? Das sollte es besser auch. Ich dachte ich bin deine Vertraute, ich dachte wenn du so etwas planst, würdest du wenigstens mich davon unterrichten.", sagte sie frustriert „Oder mich vielleicht sogar mitnehmen!", sie hämmerte diesmal mit ihren kleinen Fäusten gegen meine Brust, allerdings nicht so stark wie zuvor, als sie mir in die Magengegend schlug.

Nun hörte ich Schritte auf uns zukommen „Alice, lass das. Du bereust das hinterher.", sagte Jasper sanftmütig und versuchte sie zurückzuhalten.

„Das glaube ich wohl kaum. Und hör auf mich mit deiner Gabe beruhigen zu wollen.", antwortete sie angespannt.

Jasper wollte gerade nach ihr greifen, als ich ihm direkt in die Augen schaute und ganz leicht den Kopf schüttelte.

Bist du sicher?', fragte er stumm.

Ich schloss die Augen und bewegte meinen Kopf leicht auf und ab, daraufhin zog er sich zurück.

Ich schaute Alice jetzt wieder an, die immer noch auf meine Brust einschlug. Nach einer Weile begann die Stelle ein wenig zu kribbeln.

„Und dann auch noch dieses Versteckspiel", setzte sie nun wieder an „Du hast meine Visionen manipuliert, damit ich dich nicht sehen kann. Damit ich dich nicht aufsuchen kann, um dir zu helfen, um dich zu trösten."

„Es tut mir wirklich Leid, Alice.", sprach ich reumütig „Ich wollte nur allein sein, ich habe nicht an euch gedacht und das das tut mir wirklich sehr Leid. Das musst du mir glauben."

„Warum? Du hättest mich wenigstens mal anrufen können. Ich hätte dich nicht gesucht wenn du es nicht gewollte hättest.", sagte sie immer noch rasend vor Zorn „Nur ein Lebenszeichen."

Sie schlug jetzt wieder heftiger zu.

„Alice, es ist jetzt genug.", es war Bella, die sich nun aus dem Hintergrund zu Wort meldete.

Ich schaute sie an und schüttelte den Kopf.

„Ich hatte es dir versprochen.", sprach Bella leise zu mir. Nur ich verstand ihre Worte, alle anderen schauten nur verwirrt, außer Alice, die es nicht mal zu bemerken schien. Sie hatte versprochen, dass wenn mir jemand etwas tun würde, würde sie mich beschützen.

Ein Lächeln breitete sich auf meinen Lippen aus.

„Alice, hör auf, auf ihn einzuprügeln, wie auf einen Boxsack.", sagte Bella nun etwas lauter.

Mein Grinsen wurde immer breiter, als ob Bella Alice etwas tun würde, nur weil sie mit ihren kleinen Fäusten auf mich einschlug.

„Was grinst du so?", fragte Alice mich tobend.

Ich erwiderte nichts, versuchte jedoch mein Lächeln zu verstecken.

Alice hob gerade ihre Faust, als Bella sie wieder ansprach, diesmal auch nicht mehr sehr geduldig klingend „NEIN, Alice!".

Alice holte zum Schlag aus und ich kniff, aus purem Reflex, die Augen schon zu, als ich plötzlich einen dumpfen Aufprall hörte. Erst dachte ich, es käme von ihrem Schlag, bemerkte jedoch schnell, dass ich rein gar nichts gespürt habe.

Ich öffnete die Augen wieder und sah wie Alice circa 5 Meter von mir entfernt auf dem Boden lag, meine Familie schon kniend um sie versammelt.

Bella hingegen kam auf mich zu. Hatte Bella gerade wirklich ihr Schild eingesetzt um mich zu beschützen? Anders konnte es nicht sein.

„Alles in Ordnung?", fragte sie mich besorgt und fuhr sanft über meine Brust, als wolle sie mich auf Verletzungen untersuchen „Hat sie dich verletzt?"

Ich musste laut auflachen, woraufhin Bella augenblicklich aufhörte und mich böse anfunkelte.

„Dafür, dass sie dich nicht verletzt hat, hat sie dich aber ganz schön weit fliegen lassen.", fügte sie spöttisch hinzu.

„Ja, aber Bella ich bin kein Mensch. Sie ist nicht stärker als ich.", grinste ich sie an.

„Naja, dann hätte ich sie vielleicht doch weiter machen lassen sollen.", sagte sie scharf „Anscheinend hast du ja noch nicht genug abbekommen."

„Apropo, wie hast du das gemacht? Das war beeindruckend.", sagte ich stolz.

„Ich habe keine Ahnung. Ich war wütend auf sie, das sie dich so angegriffen hat.", sprach sie leise „Sie hatte nicht das Recht dazu."sie lächelte zaghaft „Und durch meine Wut, auf Alice ging es irgendwie. Auch wenn es mir schon wieder Leid tut. Es sieht immer so schmerzhaft aus.", sie blickte kurz zu Alice zurück.

„Ich glaube zwar nicht, dass du ihr in irgendeiner Weise wehgetan hast, dennoch sollten wir uns allein der Höflichkeit halber vergewissern.", zwinkerte ich ihr zu und sie nickte zustimmend.

„Bella, wieso immer ich?", sagte Alice traurig.

„Alice, du weißt wie sehr mir das Leid tut.", der bedauernde Ausdruck auf ihrem Gesicht war deutlich zu erkennen. Ich bin mir sicher, wäre sie noch menschlich, wäre sie wunderschön rot angelaufen.

„Wieso tust du es dann? Und vor allem: Wie hast du das gemacht? ", mittlerweile stand Alice wieder auf ihren Füßen und setzte in Gedanken hinzu ‚Edward, du kannst echt von Glück reden das sie dir geholfen hat … und ich auch. Es tut mir Leid, aber du hast mir so gefehlt. Ich weiß nicht was da über mich gekommen ist. Ich hab dich wirklich vermisst Bruder. Bitte, tu das nie wieder.', ich atmete einmal tief durch, lächelte sie aufmunternd an und nickte unauffällig. Alice schien zu verstehen und schmunzelte leicht.

„Ich weiß nicht wie ich das mache.", unterbrach Bella unser stummes Gespräch „Ich war nur wütend, dass du lieber auf ihn", sie deutete mit ihrem Kopf auf mich „eingeschlagen hast, anstatt in Ruhe mit ihm zu reden. Das ist doch sonst nicht deine Art! Und dann ging es halt einfach so."

„Wut oder Beschützerinstinkt?", witzelte Emmet „Macht das eigentlich Spaß Alice? Du hast ja mittlerweile die meiste Erfahrung!", dafür kassierte er sich einen Seitenhieb von Rose und einen bösen Blick von Alice „Autsch. Rose, dass muss aufhören."

Nicht, wenn du so weitermachst!', dachte Rose, aber anstatt genau das zu erwidern schaute sie ihn nur tadelnd an.

Das ist tatsächlich eine interessante Frage, was löst es bei ihr aus, das sie ihr Schild, so schnell auf mich übertragen konnte.

„Ich würde zu gerne wissen, wie Bella das so schnell gemacht hat!", grübelte Carlisle „Zumal sie sich nicht mal richtig im klaren darüber gewesen ist, dass das funktioniert."

Ich schaute ihm direkt in seine goldenen Augen.

Edward, hat sie dich schon einmal abgewehrt?', ich musste dran denken, wie sie mich auf der Fahrt hierher weggeschleudert hatte und nickte.

Ich würde gerne etwas probieren mein Sohn, wenn das für dich in Ordnung ist?', ich schaute skeptisch zu Carlisle, nickte aber dennoch.

Tut es weh Sohn? Ich meine wenn sie jemanden abblockt?', jetzt verstand ich, ich musste mir ein kichern verkneifen und schüttelte leicht den Kopf.

Bella, war gerade in Gedanken versunken – zu meinem bedauern, konnte ich sie immer noch nicht hören – es schien so, als würde sie über Carlisle Frage nachdenken. Der Augenblick war genau richtig. Ich blinzelte Carlisle schnell zu – als Zeichen, dass ich bereit war – und er nickte.

Eine hundertstel Sekunde später stürmte er auf mich zu, sein Gesicht war verzogen – alles Teil des Schauspiels – als würde er mich angreifen wollen.

Alle schauten auf, auch Bella riss diese plötzliche Handlung aus den Gedanken, sie kniff die Augen einen Millimeter zusammen.

Ich schaute kurz zu ihr, da merkte ich auch schon, wie Carlisle gegen mich lief, was einen lauten Knall verursachte und mich zu Boden warf, wo er auf mir landete.

Man merkte meinem Vater an, dass er überrascht war, dass seine Idee nicht funktioniert hatte. Er ging schnell von mir runter und reichte mir eine Hand damit ich aufstehen konnte – auch wenn ich das eigentlich nicht nötig gehabt hätte, griff ich nach ihr.

„Habe ich dich verletzt, Edward?", fragte er besorgt.

Ich schmunzelte leicht, sehe ich so verletzlich aus?

„Es tut mir Leid, damit hätte ich nicht gerechnet.", sein Blick viel auf Bella, die uns belustig anschaute.

„Wieso hast du nicht versucht Carlisle zu blocken, als er mich angreifen wollte?", ich verstand das Lächeln auf Bellas Lippen nicht.

„Erstens, fand ich es unpassend, er nimmt mich hier auf, wie seine Tochter, da dachte ich, ich sollte es mir nicht gleich so verscherzen.", jetzt wurde ihr Lächeln noch breiter „Und Zweitens, wusste ich das zu keinem Zeitpunkt, für dich Gefahr bestand. Wenn dein Dad wirklich so sauer auf dich gewesen wäre, das er dich hätte angreifen wollte – was Carlisle sowieso nie tun würde, weil er Gewalt in jeglicher Form verabscheut – dann hätte er es gleich getan und nicht erst nach einer guten halben Stunde die wir schon hier sind. Außerdem muss ich noch kurz erwähnen – für alle die es noch nicht bemerkt haben – ich bin jetzt eine von euch, was bedeutet, ich bin kein Mensch mehr. Meine Sinne sind geschärft. Auch wenn ich gerade über Carlisle Frage zuvor nachgedacht habe, so habe ich eure kleine stumme Unterhaltung trotzdem mitbekommen.", sagte sie trocken.

Emmet prustete Laut los „Haha. Kleine Schwester du bist so genial. Wir sollten dich besser nicht unterschätzen.", er schüttelte sich vor Lachen „Carlisle, dein Gesichtsausdruck war so ... lustig. Du sahst so gezwungen böse aus."

„Vielleicht sollten wir alle erst einmal ins Haus gehen.", durchbrach Esmes mütterliche Stimme Emmets lautes Gelächter.

Ich atmete noch einmal tief durch.

Wie lange war ich nicht mehr hier gewesen? Wie lange hatte ich sie wegen meinem Selbstmitleid zu erst ignoriert, bevor ich dann gegangen bin?

Alice hatte vorhin vollkommen Recht. So hätten sie alle reagieren müssen, alle hätten auf mich sauer sein müssen, mir Standpauken halten müssen. Alice hätte noch viel stärker zuschlagen sollen. Ich hatte nicht daran gedacht, wie nah Alice und ich uns standen. Sie war auf gewisse Weise wirklich meine Vertraute.

„Wollen wir?", fragte Bella leise und lächelte mir aufmunternd zu, als würde sie meine Selbstzweifel, die ich gerade hegte verstehen.

Ich schenkte ihr ein Lächeln, von dem ich wusste, dass sie es als sie noch ein Mensch war mochte und es verfehlte seine Absicht nicht, ihr Lächeln wurde breiter und sie streckte mir ihre Hand entgegen.

Ich zögerte keinen Moment um sie zu ergreifen.

Ich war immer noch von der Begegnung mit ihr benommen. Ich rechnete fest damit, dass sie tot ist. Das ich Bella nie wieder sehen würde, und dann saß sie da – als Vampirfrau – plötzlich auf dem Fahrersitz meines Autos. Ich weiß immer noch nicht was ich davon halten soll. Sie hatte mir ihre Geschichte erzählt und es klang so unwirklich. Nie hätte ich damit gerechnet. Nie hätte ich mir das zu träumen gewagt.

Und dann das ganze Geschehen auf der Fahrt hier her. Als sie plötzlich angehalten hat und davon gelaufen ist, vor mir. Wie sie mich von sich weggestoßen hat, im wahrsten Sinne des Wortes. Als sie mir sagte, ICH hätte nicht mehr das Recht ihr zu sagen das und wie sehr ich sie liebe. Es war als würde man mir mein erfrorenes Herz aus meiner steinharten Brust hinaus reißen und darauf herum tanzen.

Und dann ihr plötzlicher Stimmungsumschwung, diese zärtliche, liebevolle, minutenlange Umarmung. Die wieder einen Funken Hoffnung in mir aufkeimen ließ, dass sie mir alles verzeihen würde, irgendwann. Das ich sie verlassen hatte, sie allein und schutzlos im Wald zurückgelassen habe. Das ich sie belogen hatte, was meine Gefühle anbetraf. Das ich, obwohl ich von Alice wusste wie es ihr ging, trotzdem nicht zu ihr zurückgekehrt bin. Ich habe so ziemlich alles falsch gemacht, was man hätte falsch machen können und durch diese unheimlichen Fehler, habe ich ihr Leben aufs Spiel gesetzt.

Ich bin dafür verantwortlich, was sie jetzt ist. Wäre ich da gewesen und hätte sie beschützt, könnte sie jetzt noch ein Mensch sein, zu Hause bei ihrer Familie und ihren Freunden in der Schule. Ich hoffe, dass sie mir das alles irgendwann verzeihen konnte. Das sie irgendwann innerhalb der Ewigkeit herausfinden würde wie sehr mir das alles Leid tut und wie sehr ich das alles bereue.

Wir waren im Wohnzimmer angekommen.

Meine Familie hatte sich bereits in der Essnische des Raums um den Tisch versammelt. Jacob, stand ein wenig abseits in der Ecke und beobachtete alles. Sein Gesicht war ausdruckslos, jedoch seine Gedanken waren aufgewühlt. Er machte sich Sorgen um Bella. Er hatte Angst davor, dass ich wieder einfach gehen würde und sie zurücklassen würde. Die Bilder einer gebrochenen Bella durchströmten seinen und somit auch meinen Kopf. Es tat weh sie so zu sehen. Noch mehr weh tat es in dem Wissen, dass ich an all dem Schuld war.

„Alles in Ordnung Edward?", fragte mich Bella besorgt.

„Ja, alles Bestens.", log ich und versuchte zu lächeln.

„So siehst du aber nicht aus.", musterte sie mich.

„Mach dir keine Sorgen.", ich gab ihr einen kurzen Kuss auf ihr Haar.

„Zu spät.", flüsterte sie „Also, sag bitte was los ist. Sonst werde ich noch wahnsinnig."

Sie machte sich tatsächlich Sorgen um mich. Sie bringt mich tatsächlich immer wieder aufs Neue zum Staunen.

„Sagen wir es mal so. Jacob, hat seine Erinnerungen gerade nicht unter Kontrolle.", antworte ich leise und gab mich damit geschlagen „Ich werde es einfach ausblenden, es wird schon gehen.", ich versuchte wieder zu lächeln.

„Was denkt er denn?", sie ließ nicht locker.

„Jetzt nicht Bella. Setz dich.", antwortete ich leise, in der Hoffnung sie würde es bis nachher wieder vergessen haben. Leider, wusste ich dass das nicht der Fall sein wird, dennoch hoffte ich auf eine Art Aufschub des Gesprächs.

„Gut, dann später.", sagte sie stur und ging auf den letzten freien Stuhl zu um sich zu setzen. Ich verdrehte kurz die Augen – sie ist immer noch so starrsinnig wie damals – und stellte mich denn hinter ihren Platz.

Es herrschte einige Zeit Ruhe, zumindest was die Akustik im Raum anbetraf. In meinem Kopf hallten ihre Stimmen schon wieder alle durcheinander.

Nach guten 2 Minuten hielt ich das nicht mehr aus.

„Okay, ich weiß ihr habt viele Fragen. Aber könntet ihr sie bitte lautaussprechen? Wenn ihr alle so viel durcheinander denkt und ich auf jeden achten soll, wird mir vielleicht doch noch der Kopf platzen.", sagte ich ruhig und schon war es leiser.

Jacob in der Ecke fluchte auf mich ein, aber ich schaltete ihn wieder einfach aus.

„Gut Edward, erzähl uns alles! Was hast du gemacht? Wo warst du?", ergriff Alice neugierig als Erste das Wort.

„Alles? Du willst Alles wissen?", fragte ich ungläubig.

„Ja, Edward wir möchten bitte alles wissen, was du in der Zeit, in der du nicht da warst gemacht hast?", sagte Carlisle nun mit einem väterlichen Lächeln auf den Lippen.

Ich seufzte, woraufhin Bella sich zu mir umdrehte und mich liebevoll anlächelte „Ach, komm schon. Du hast es mir doch auch erzählt. Du schaffst es jetzt auch nochmal.".

Ich legte ihr meine Hand auf die Schulter und erzählte was ich in der Zeit wo ich allein durchs Land gereist bin gemacht habe. Das dauerte auch nicht lange, denn ich hatte nicht viel mehr gemacht, als zu rennen und hin und wieder mal zu jagen. Dann erzählte ich davon wie ich Bella besuchen wollte, sie nicht aufgefunden habe und dann von ihrem Tod erfuhr. Ich musste kurz stoppen um mich zu beruhigen und einmal tief durchzuatmen.

Alice sah darin ihre Chance „Du hast gedacht sie wäre tot und du kamst nicht mal auf die Idee uns zu informieren?", ihre Augen waren traurig.

Ich wusste was sie dachte, ohne auf die Stimme in ihrem Kopf zu hören. Bella wurde mit der Zeit zu Alice bester Freundin und sie witterte einen Vertrauensbruch meinerseits, weil ich ihr nicht umgehend davon erzählt habe.

„Alice, es tut mir Leid, zu erst hatte ich wirklich nicht gleich an euch gedacht.", sagte ich leise und beschwichtigend „Meine Trauer saß so tief. Ich habe an nichts anderes gedacht, als an sie. Ich habe mich an unsere gemeinsame Zeit erinnert…."

„Natürlich mein Junge, ich denke das kann jeder von uns nachvollziehen", sagte Esme liebevoll und warf Alice einen tadelnden Blick zu.

„Aber nach einer Weile", sprach ich weiter „Habe ich überlegt wie es weiter gehen soll. Was ich als Nächstes tun soll. Und das Erste was mir dabei in den Sinn kam, war zu euch zurückzukehren um euch zu erzählen, was mit Bella geschehen ist."

„Deshalb habe ich dich auch plötzlich wieder gesehen. Dein Entschluss stand fest, zu uns zu kommen und es uns zu sagen.", sagte Alice betroffen, sie hatte ein schlechtes Gewissen.

„Genau. Darum wollte ich zurückkehren. Ich wusste zwar nicht wie es danach weitergehen sollte, aber ich wusste, dass das meine Verpflichtung euch gegenüber ist.", ich lächelte zu Alice hinüber.

Ich erzählte noch, wie wir uns – oder besser gesagt wie sie mich, in Edmonton gefunden hat und dann war das Thema auch vom Tisch.

Wir redeten noch eine ganze Weile. Ich fühlte mich wohl, hier in der Mitte meiner Familie und an der Seite von Bella. Die während der ganzen Zeit nichts gesagt hatte, sie wirkte bedrückt.

Wir unterhielten uns alle, wie es von jetzt an weiter gehen sollte. Ich war froh, dass schon feststand, dass Bella und Julia bei uns bleiben und wir bis auf weiteres erst einmal in Ottawa wohnen würden.

Jedoch hieß es auch, dass Jacob bei uns Unterschlupf finden würde.

Ich ärgerte mich sehr darüber, einen Werwolf so dicht bei uns zu haben, aber ich wollte mich heute auch mit noch keinem streiten. Früher oder später würde das Thema nochmal auf den Tisch kommen und dann könnte ich meinen Standpunkt immer noch erläutern.

„Wie ist das denn eigentlich mit den Zimmern?", fragte Rose plötzlich „Ich meine wir sind jetzt wieder vier Leute mehr, aber haben bloß noch ein freies Zimmer und Edwards. Also Emmet und ich werden keinen Schlafgast bei uns aufnehmen, nur das das von vornherein feststeht.", sagte sie schnippisch.

„Tja, dann würde ich sagen, dass sich jeweils zwei von euch ein Zimmer teilen müssen. Am besten wäre es, glaube ich, wenn sie die beiden Jungs Edwards Zimmer teilen und die beiden Mädchen das Gästezimmer beziehen würden.", sagte Carlisle unbesorgt.

„Auf gar keinen Fall!", antworteten Jacob und ich wie aus einem Munde. Nie im Leben, werde ich mir ein Zimmer mit einem Werwolf teilen und schon gar nicht MEIN Zimmer.

Es herrschte eine Minute Pause, bis ich in Julias Gedanken sah, was sie gleich vorschlagen würde. Diese Idee gefiel mir äußerst gut und brachte mich zum schmunzeln.

„Also, wenn Edward und Jake sich so dagegen sträuben sich ein Zimmer zu teilen,", begann Julia vorsichtig „dann könnte ich mir mit Jake das Gästezimmer beziehen. Also wenn es ihm nichts ausmacht?", sie schaute vorsichtig zu ihm herüber.

Jacob lief rot an „Ähm… ja… klar… warum nicht!", antwortete er zaghaft lächelnd.

Jetzt erst achtete ich auf Bella, ihre Augen waren weit aufgerissen und ihr Unterkiefer nach unten geklappt.

„Alles in Ordnung?", fragte ich sie vorsichtig.

„Hmmm… heißt das jetzt, dass du … und ich… uns ein Zimmer teilen müssen.", sie blickte mir nun direkt in die Augen.

„Ich denke das würde es bedeuten.", sagte ich und belächelte ihren Scharfsinn „Das ist doch kein Problem für dich, oder? Ich meine du brauchst jetzt keinen Schlaf mehr, was so viel bedeutet, wie wir müssen nicht nebeneinander nächtigen."

„Ja… Nein… es ist natürlich kein Problem für mich, mir ein Zimmer mit dir zu teilen", sprach sie hektisch „Und wie du schon sagtest, wir werden ja nicht zusammen in einem Bett schlafen."

Am Tisch schmunzelte meine Familie, auch ihnen schien Bellas Nervosität nicht entgangen zu sein.

„Ähm… ok, dann werde ich mal meine paar Sachen in dein … äh… unser Zimmer bringen.", bei ihren Worten stand sie schon auf und verschwand.

Ich drehte mich um, und sah wie sie ein paar Tüten die an der Wand lehnten griff – sicherlich das Ergebnis, der Shoppingtour mit Julia – und nach oben rannte.

Alle am Tisch schauten mich verdutzt an. Ich zuckte kurz mit den Schultern und wollte mich gerade auf den freigewordenen Platz setzen, als Alice auf mich zu kam.

„Willst du ihr nicht folgen?", sie zog mich zur Treppe „Und mit ihr reden?"

„Ich denke wir sollten ihr einen Augenblick Pause von all dem gönnen!", erwiderte ich und zog die Stirn ein klein wenig in Falten.

„Nein, das denke ich nicht.", sie verdrehte die Augen „Geh nach oben und sprich mit ihr. Aber sei nett und versuch ihr nicht weh zu tun.", sie blinzelte mich kurz böse an.

„Wenn du meinst,Alice.", ich hielt das zwar für keine gute Idee, wollte mir aber heute nicht noch einmal ihren Zorn auf mich ziehen.

„Ja, meine ich!", antwortete sie zufrieden, als ich langsam die Treppe nach hinauf stieg.

Oben angekommen ging ich auf meine Zimmertür zu, und hörte wie Bella im inneren – den Geräuschen nach zu urteilen – ihre Kleidung in den Schrank sortierte.

Ich überlegte kurz ob ich klopfen sollte, immerhin war es mein Zimmer, dennoch hielt ich es für angebracht, weil ich nicht sicher war, ob sie sich nicht vielleicht doch gerade umzog.

Also klopfte ich sanft zweimal an meine eigene Zimmertür.

„Herein.", sagte ihre engelsgleiche Stimme.

Ich drehte den Türknopf und trat ein. Wie ich es erwartet hatte, stand sie vor meinem Schrank und packte ihre Kleidung ein.

„Oh!", machte sie nur, als sie mich sah. Ich lächelte sie sanftmütig an, der Gedanke, dass sie ihre Sachen in meinen Schrank sortierte, freute mich ungemein.

„Ich hoffe, das macht dir nichts aus?!", sagte sie und deutete mit ihrem Kopf in Richtung Kleiderschrank.

„Nein, das ist vollkommen in Ordnung. Immerhin wird es für die nächste Zeit auch dein Zimmer sein.", ich grinste jetzt noch breiter, das war mir bewusst, aber ich konnte es auch nicht unterbinden „ Außerdem ist der Schrank groß genug."

Darauf wusste sie nichts zu erwidern. Ich setze mich auf mein Sofa und beobachtete sie, wie sie alles verstaute. Zu meiner Verwunderung, bot der Kleiderschrank immer noch genug Platz für noch mehr Kleidung. Alice würde sicherlich bald darauf bestehen den Schrank wieder vollständig zu füllen.

Als sie fertig war, ließ sie sich aufs Sofa neben mich fallen und ich beobachtete sie, sie war so vollkommen.

„Also, was hat Jacob vorhin gedacht, als du so gequält geschaut hast?", brach Bella das Schweigen und schaute mich nun auch an.

Ich stöhnte leise „Muss das jetzt sein?"

„Ja, muss es. Du hast es versprochen.", sagte sie bestimmend.

„Gut. Wenn es denn sein muss. Also er dachte daran,", ich atmete tief ein „wie du aussahst nach dem ich dich verlassen habe. Wie krank und traurig."

Sie schaute wieder nach vorne „Und darum hast du geschaut, als ob du durch Flammen gegangen wärst?"

„Mir war zwar nicht bewusst, dass man es mir angesehen hat, aber genauso habe ich mich gefühlt.", sagte ich traurig, meinen Blick nicht von ihr abwendend.

„Hm. So hat es sich damals für mich auch angefühlt.", sagte sie leise und auch in ihrer Stimme lag Trauer.

„Ich möchte nie wieder das du dich so fühlst, Bella.", sie schaute nun wieder zu mir „Es tut mir so unendlich Leid. Das musst du mir glauben. Bitte verzeih mir!" am Ende des Satzes war meine Stimme nur noch ein Flüstern.

„Ich versuche es. Aber ich weiß nicht wie lange es dauern wird, bis ich das, ob ich das vergessen kann.", sie legte ihren Kopf schräg und musterte mich.

„Ich werde warten, Bella.", sagte ich und versuchte zu lächeln „Ich werde es dir beweisen. Ich liebe dich."

Sie seufzte.

Und dann konnte ich meine Gefühle nicht mehr zurückhalten.

Ich musste ihr zeigen, wie sehr ich sie doch liebte.

Ohne darüber nachzudenken nahm ich sanft ihr Kinn in meine Hand und zog sie vorsichtig zu mir ran. Es kam keinerlei Widerstand.

Ich schaute ihr noch Mal in ihre rubinroten Augen und legte dann meine Lippen ganz zärtlich auf ihre.

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Anmerkung:

Sämtliche Inhalte und Personen gehören Stephenie Meyer. Mir macht es nur Spaß mit den Charakteren zu experimentieren und die Geschichte weiterzuschreiben.

Wieder einmal hat sich das Schreiben eines Kapitels in die Länge gezogen. Ich hoffe ihr könnt mir verzeihen und es gefällt euch trotzdem.

Leider wird es in der nächsten Zeit immer etwas länger dauern bis ich ein neues Kapitel posten kann, da die Uni bald wieder losgeht und ich noch eine Hausarbeit schreiben muss.

DANKE, an alle die, die meine Geschichte lesen und denen sie gefällt. Eure Reviews sind der Wahnsinn und ich freue mich über jede einzelne. =)

GLG