So, es geht weiter!
CaroloveSeverus: Danke für das Review! Freut mich zu hören, dass dir die beiden gefallen :D. Und in diesem Kapitel gibts zwar nicht Snapes Gesicht während Hermines Abgang, aber dafür die Reaktion anderer Körperteile ^^ - bin gespannt, wie's dir gefällt ;).
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Kapitel zehn – Zufriedenheit liegt in der Luft- oder?
Es war merkwürdig, aber auf dem Weg, der sie von den Kerkern wegführte, verrauchte ihre Wut. Jeder Schritt und ihr Zorn auf Snape ließ nach und als sie vor der Großen Halle stand, musste sie lachen. Die ganze Situation war absurd gewesen. Snape, mit nichts am Körper als einem grünen Bademantel, der versuchte, respekteinflößend vor ihr zu stehen. Punktabzug und Strafarbeit erschienen gegen den gewöhnungsbedürftigen Aufzug des strengen Lehrers nichtig.
Apropos Strafarbeit … Schnell rannte sie in die Halle, kippte einen Kaffee und ein trockenes Brötchen ihre Speiseröhre nach unten und lief in ihr Zimmer. Je eher sie mit Snapes Aufsatz begann, desto besser. Immerhin war sie für den Nachmittag mit Harry, Ginny und Ron verabredet, mal wieder ein Ausflug ins Dorf.
Gedankenverloren lag sie auf ihrem Bett, drei sauber beschriebene Pergamentrollen Strafarbeit neben sich. Irgendwann im Laufe der sieben Jahre Unterricht hatte sie gelernt, Snapes Forderungen Folge zu leisten und tatsächlich nur drei, statt vier oder fünf Rollen zu beschreiben. Immer noch in Gedanken zog sie ihr Tagebuch hervor und schlug die Stelle auf. Viktor … Der war schon irgendwie besonders gewesen. Schade, dass sie soweit entfernt voneinander lebten und schade, dass er so berühmt war. . Und dann … dann ging alles Schlag auf Schlag. Irgendwie war er so nahe, er roch so gut, nicht so gut wie Snape nach Kräutern, aber irgendwie so … exotisch. Aufregend.
Mist! Dass sie damals bereits so über Snape geschrieben hatte, musste aus ihrem Bewusstsein gelöscht worden sein. Oh Götter! Snape und gut riechen. Stimmte ja tatsächlich, aber warum hatte sie gerade an den finsteren Kerkerbewohner gedacht, während sie sich von Krum vögeln ließ? Eine Frage, die sie sich lieber nicht ehrlich beantworten wollte.
Was, wenn Snape tatsächlich (und er hatte es getan, dessen war sie sich sicher) diese Stelle gelesen hatte? Vor den anderen, die wirklich für ihn bestimmt waren (was er garantiert ebenfalls getan hatte; immer schön mit System, nicht wahr, Herr Professor?, dachte sie zynisch)? Ob er, wenn er jemals die Wahrheit über ihr Vorhaben erfuhr, nicht ganz so unbarmherzig sein würde, wenn er wusste, dass sie selbst in diesem verzückten Zustand an ihn gedacht hatte? Und ihn sogar – zumindest geruchsmäßig – Krum vorzogen hatte?
Heute Morgen hast du noch behauptet, er würde gnädig sein! Schon vergessen ‚Samstagmorgen ist doch fast noch Freitagabend, oder?' erinnerte sie ihre innere Stimme. Verdammt! So oder so, er würde sie in ihre Einzelteile zerlegen. Es konnte also nicht schaden, noch ein wenig Tagebuch zu schreiben. Gryffindor eben – hoch erhobenen Hauptes der zu erwartenden Katastrophe entgegen!
Mitten im Schreiben platzte Ginny auf einmal ins Zimmer und äugte misstrauisch auf die drei Pergamentrollen. Als sie aber sah, dass die brünette Freundin am Tagebuchschreiben war, änderte sich ihr Fokus schlagartig auf das kleine Büchlein und dessen neuen Inhalt.
„SNAPE WACKELT MIT DEN ZEHEN???", prustete sie – inzwischen schwer atmend vor Lachen am Boden liegend – heraus. „Oh Fortuna! Wenn wir das rumerzählen, wird selbst Neville nicht mehr panisch zu Zaubertränke gehen!"
„Genau deswegen werden wir das mal schön lassen! Lass dem armen, alten Mann seine Selbstachtung!" Ginny starrte ihre Freundin an, als hätte diese soeben etwas Abstoßendes gesagt. „Mensch Ginny, es war deine Idee! DU wolltest ihn aus seinem Tief herausholen, meinst du, das gelingt uns, wenn alle lachend vor ihm sitzen, nur weil sie wissen, dass er mit jedem Zeh einzeln wackeln kann?"
„Tihi … Götter, das ist die beste Vorstellung, die ich jemals von Snape hatte!", Ginny kam immer noch nicht über das Erzählte hinweg, sah aber ein, dass Hermine völlig Recht hatte. „Zehenwackelnd … Tihi! Meinst du nicht, wir sollten wenigstens Neville … ich meine, zwecks Trauma-Bewältigung und so …?" „NEIN! Neville würde es helfen, wenn er sich endlich auf den Unterricht anstelle den Lehrer konzentrieren würde! Sein Verhalten ist schon beinah lächerlich!"
Ginny schwieg lieber. Irgendwie war Hermine gereizt und das Thema Snape schien ihr nahe zu gehen. Kein Wunder, solang wie sie sich mit dem Meister der Zaubertränke befasst hatte … Ginny grinste innerlich. Teil zwei des Planes – Hermine Gefallen an dem Kerkerbewohner finden zu lassen, war selbstständig in Kraft getreten, ohne dass Hermine etwas von ihm erfahren hätte. „Was sind das hier eigentlich für Pergamentrollen?"
„Strafarbeit von Snape." Und Hermine erzählte die komplette Geschichte, ließ allerdings vorsichtshalber die wackelnden Zehen aus. Ginnys Augen wurden größer und größer. „Meinst du, dass das Projekt „Rettet Snape vor sich selber" irgendwie nicht anschlägt?" „Keine Ahnung, aber irgendwie … hab ich auch den Verdacht!"
Verdammt! Innerlich zuckte Ginny zusammen. Hermine war auf dem richtigen Weg, sich in Snape zu verlieben und der stellte sich eiskalt wie immer. Irgendwie würde sie nachhelfen müssen. Die beiden mussten ein Paar werden, waren sie doch wie füreinander geschaffen. Intellekt, Sarkasmus, Kämpfernaturen … Perfekt! Und langsam begann ein Plan B in ihrem Kopf Gestalt anzunehmen. Musste sie nur noch Harry überzeugen. Aber das sollte wirklich kein Problem werden.
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Irgendwann hatte Snape sich aus seinem Türrahmen entfernt. Mit jedem Schritt, den die Granger sich entfernte, war seine Wut gewachsen. Missmutig warf er die Tür zu und sah sich in seinen Räumen nach irgendetwas um, was prädestiniert für einen Flug gegen die kahle Steinwand wäre. Vier Whiskeygläser, eine Vase und ein Blumentopf (mit einer vertrockneten Helianthus annuus) später war der Tränkemeister auf dem seelischen Weg der Besserung.
Dennoch – sein inneres Gleichgewicht war aus dem Ruder. Warum das nicht an Schülern auslassen? Heut war Hogsmeadewochenende, da fühlten sich die meisten dieser nutzlosen kleinen Bestien freier, unbeobachteter. Seine Stimmung hob sich augenblicklich, als er daran dachte, ein paar dieser Bengel Punkte für unziemliches Verhalten abziehen zu können. So euphorisch, dass er das helle Leuchten, was für eine winzige Sekunde über dem Tagebuch lag, nicht bemerkte …
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Hermine Granger war äußerst zufrieden. Der heutige Ausflug nach Hogsmeade schien ein voller Erfolg für Ginny zu werden. Sie hatte die Freundin selten so couragiert wie an diesem Tag erlebt. Am Anfang des Spazierganges waren sie noch zu viert gewesen, aber später hatte Ginny Harry am Arm gepackt und sich tuschelnd mit ihm zurückfallen lassen. Innerlich grinsend hatte Hermine Ron geschnappt und war mit ihm allein losgezogen. Wollte sie doch Ginny ihren Erfolg gönnen.
Hätte Hermine ahnen können, was Ginny eigentlich bezweckte, hätte sie vermutlich anders gehandelt … Da sie allerdings nichts von den fast schon slytherinischen Intrigen ihrer Freundin ahnte, marschierte sie fröhlich ins Schülersprecherinnenbad. Sie genoss dieses Privileg, jeden zweiten Tag ging sie in ihr „privates" Bad, um in allen möglichen Geruchsrichtungen zu schwimmen, ein paar Mal hatte sie auch Ginny an ihrem Vergnügen teilhaben lassen, weshalb diese die Gewohnheiten Hermines perfekt kannte …
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Severus Snape schlich wütend durch die Gänge. Kein einziger Schüler, der sich ungebührlich verhalten hätte. Nicht einmal er – Meister des ungerechtfertigten Punkteabziehens – hatte irgendwem den Hauspokal in weite Ferne rücken können. Zumindest nicht an diesem sonnigen Samstag.
Umso erstaunter war er, als er die kleine Miss Weasley Arm in Arm mit Potter den Gang zum Gryffindor-Turm entlang schlendern sah. Gebannt starrte er auf die beiden (gleich würden sie bestimmt etwas tun, wofür er jedem von ihnen 100 Punkte streitig machen könnte). Und tatsächlich, nach einem tiefen Blick in die Augen beugte sich Potter über Miss Weasley und küsste sie. Gerade, als er sie wieder loslassen wollte, krallte sie sich an ihn und zog ihn in einen neuen Kuss.
In dem Moment, als Snape mit einem siegessicheren, todbringenden Grinsen aus seinem Versteck platzen und 200 Punkte von Gryffindors Konto wegen unerlaubten Austauschs von Körperflüssigkeiten auf dem Gang abziehen wollte, geschah etwas, das sein Blut freudig in den Adern pulsieren ließ. Die kleine Weasley löste sich von Potter, sah ihn an und raunte mit erotischer Stimme: „Heute abend, zwanzig Uhr … vor dem Schülersprecherinnenbad!"
Und Severus Snape änderte seinen Plan schlagartig. Heute Abend zwanzig Uhr hatte er vor dem Schülersprecherinnenbad ein Date der besonderen Art …
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Ginny Weasley war äußerst zufrieden. Sie hatte Snape aus dem Augenwinkel anschleichen gesehen und genau in diesem Moment ihren zuvor mit Harry abgesprochenen Plan in die Tat umgesetzt.
Harry Potter die Wahrheit zu sagen, ihm zu sagen, dass es darum ging, Hermine und Snape zu verkuppeln, hatte sie von Anfang an verworfen und auf eine Notlüge gesetzt. Von wegen sie hätte gehört, dass Malfoy vor besagtem Bad ein Stelldichein mit irgendwem aus Ravenclaw habe. Solle wohl recht unanständig werden. „Und das wäre doch eine tolle Möglichkeit, ihn vor Snape vorzuführen!" Harry war natürlich Feuer und Flamme gewesen. Ihn dann noch von der Herangehensweise zu überzeugen, war ein Kinderspiel.
„Guck mal, wenn wir von Anfang an ein Pärchen simulieren und Snape heute Abend Malfoy und diese Ravenclaw eng umschlungen sieht, wird er gar keinen zweiten Blick riskieren, um sicher zu sein, dass wir es sind, weil er ja sofort denken wird, dass wir es sind …" Harry war zu verwirrt über diesen Gedankengang, aber irgendwie schien es ihm einzuleuchten und darum spielte er brav mit. In einem Anflug von Weitsicht hatte Ginny noch gesagt: „Ach ja und erzähl Mine besser nichts davon. Sie wird das bestimmt total moralisch verwerflich und so finden …".
Dass Harry ihr auf ihr Snape-ist-da-Signal nur einen so keuschen Kuss gegeben hatte, konnte sie natürlich nicht auf sich sitzen lassen und war darum zur Eigeninitiative übergegangen. Nur zu ihrem Vorteil, wie sie vor sich hin grinsend, in Harrys Armen liegend, dachte.
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Severus Snape war äußerst zufrieden. Es war fünf vor acht und er auf dem Weg zum Schülersprecherinnenbad. Er grinste. Potter und Weasley waren fällig.
Acht Uhr und keiner war zu sehen. Ob sie ihm einen Streich spielten? Nein, unmöglich! Potter war wahrscheinlich nur aus alter Gewohnheit zu spät und Miss Weasley versteckte sich hier irgendwo. Oder nahm sie etwa ein Bad? Denn aus dem Badezimmer drang eindeutig ein leichter Lavendelduft …
Bevor er noch länger über den derzeitigen Besucher des Bades nachdenken konnte, schwang die Badtür auf. Und Severus konnte einen Moment lang nicht atmen. Heraus kam – wie hätte es auch anders sein sollen – Hermine Granger.
