Hotch hatte die Befragungen im Presbyterian beendet. Darcy Cole stellte tatsächlich Nachforschungen an. Schwester Hill erinnerte sich an die eine oder andere Gelegenheit, bei der Darcy mehr als nur interessiert an gewissen Vorkommnissen war. Hotch sprach auch noch einmal mit Dr. Hayden, der sich inzwischen wieder beruhigt hatte und seinerseits jetzt intensives Aktenstudium betrieb. Aaron strich den Chefarzt von seiner gedanklichen Liste. Er war sich zwar sicher, daß Hayden seiner Frau diesen letzten Dienst erwiesen hatte, ansonsten war Hayden ein integerer Mann und guter Arzt. Hotch verliess sich jetzt auf Reid und Morgan, für weitere Erkenntnisse. Spencer beruhigte ihn im Bezug auf Alix, sie war etwas mitgenommen, aber es schien ihr gutzugehen. Noch, dachte Hotch, er schlug mit seiner Handfläche auf das Lenkrad und fluchte.

Er war immer noch auf 180 als er das Loft betrat. Alix saß zusammen mit Jack und Rossi am großen Esstisch und legte ein Puzzle. Ghandi hockte mittendrin und versuchte auf seine Weise mitzumachen. Jack saß auf Alix Schoß und lachte, sie hatte Jack mit einem Arm um den Bauch gefasst und strich ihm mit der anderen Hand zärtlich über die Haare. Aarons Wut verpuffte fast vollständig und machte einem ganz anderen Bedürfnis Platz. "Daddy!" Jack hatte seinen Vater entdeckt und stürzte zu Aaron, "hallo mein Großer, was spielt Ihr denn?" Wir machen ein Puzzle, Ghandi macht immer wieder alles kaputt, das find ich lustig. Willst Du mitmachen?" "Später bestimmt, willst Du mit Onkel Dave mal zum Spielplatz?" Jack zuckte mit den Schultern. "Spielplatz wäre toll, Jack", sagte Dave jetzt. "Da war ich schon lange nicht mehr, was gibts da alles?" "Ich glaube Du bist schon zu groß für die Schaukel, Onkel Dave, aber Du könntest mich anschubsen", schlug Jack vor und trollte sich mit Rossi.

Alix schaute prüfend zu Hotch. Er machte nicht den Eindruck, als wollte er sie schlagen, aber drauf gewettet hätte Alix nicht. "Aaron", sagte sie leise und ging einen Schritt auf ihn zu. "Sag besser gar nichts", Hotch gab ihr einen leichten Stoß, presste sie an die unverputzte Backsteinmauer des Lofts und küsste sie fordernd. Ehe Alix sich versah, hatte ihr Hotch das Shirt ausgezogen, schob ihren Rock hoch und das Höschen runter. Alix konnte an ihrem Oberschenkel spüren, wie erregt Aaron war und stöhnte überrascht auf. Sekunden später war Hotch schon in ihr und stiess zu, hart und schnell, ihre Gesichter waren kaum eine Handbreit von einander entfernt; ihr Atem vermischte sich nahezu, Alix wurde von seinen Augen eingefangen und sie konnte darin alles sehen, sie sah seinen Schmerz, seine Leidenschaft, seine Trauer und seine Wut, seine Angst, sie zu verlieren, sie sah alles, alles was Aaron niemals ausprechen würde. Alix sah es und spürte es, in diesem Moment. Sie schrammte mit ihrem Rücken über die Backsteine, sie empfand keinen Schmerz, nur Aaron, der so perfekt in sie hineinpasste. Noch niemals hatte sie sich ihm so nahe gefühlt, wie in diesem Augenblick, er machte sich gerade quasi nackt für sie. Hotch kam schnell und heftig und Alix schrie auf, als es auch bei ihr soweit war. "Keine Alleingänge mehr, Alix, hast Du das verstanden?" Hotch hielt sie immer noch an die Mauer gedrückt und hielt ihren Blick immer noch mit seinem fest. Alix Bernsteinfarbene Augen hatten fast das dunkle Braun von Aaron´s angenommen, "alles was Du willst", keuchte Alix und schlang ihr Bein fest um Hotch. Er hatte sich noch nicht aus ihr zurückgezogen und Alix nützte das schamlos aus. Ihre Hände und ihre Lippen waren plötzlich überall, Hotch spürte, daß er wieder hart wurde. "Na also," hörte er Alix heiser sagen und gab ihr, was sie so dringend haben wollte.

"Dein Rücken sieht furchtbar aus, Alix", sagte Hotch erschrocken, als beide eng beieinander im Bett lagen. "Ich hätte nicht so heftig werden dürfen." "Nun, Du hast Deinen Standpunkt sehr deutlich gemacht", antworte Alix, "dachtest Du, ich hätte etwas "Bestrafungssex" verdient?" Sie lachte leise. "Das ist nicht witzig, Alix, wirklich nicht." Hotch war nicht stolz darauf, er verlor die Kontrolle nicht, niemals, aber die Gefühle für Alix liessen wohl mehr als einen Damm bei ihm brechen. "Oh, Aaron, ich bin keine zwanzig mehr, ich hab schon ganz andere Sachen gemacht als das eben. Du und Deine Frau, habt ihr nie miteinander geschlafen, wenn einer von euch sauer war?" "Nein, meistens hab ich dann auf dem Sofa übernachtet und Haley hat sich ausgeschwiegen", gab Aaron vorsichtig zu. "Es ist komisch mit Dir im Bett zu liegen und über meine Frau zu sprechen." Alix legte ihren Kopf auf seine Brust, "mir macht das nichts, erzähl was von ihr, bin ich ihr irgendwie ähnlich?" "Ich wüsste keine zwei Frauen, die sich unähnlicher sind als Du und Haley. Ich bin ihretwegen einer Theatergruppe beigetreten, damals auf der Highschool. Unsere Ehe lief gut, als ich noch Staatsanwalt war. Nach meinem Wechsel zur BAU wurden die Dinge schwieriger und als Jack kam, Haley ertrug meinen Job nicht mehr, ich lehnte eine Versetzung ab, eines kam zum anderen und irgendwann sind wir dann vor dem Scheidungsrichter gelandet." "Du hast Sie aber immer noch geliebt, oder? Ich weis wie das ist." Alix holte tief Luft, "ich hab meinen Mann auch nicht verlassen, weil ich ihn nicht mehr geliebt habe. Er ist ein Freund meines Vaters, die beiden waren zusammen in der Army, Gott, ich war so verliebt in ihn, ich hab so viele Dinge nicht gesehen, die ich hätte sehen müssen. Ich wollte mit ihm glücklich sein, ich wollte Kinder haben, aber ich wurde einfach nicht schwanger. Im Nachhinein betrachtet, war das vielleicht besser so. Er hat mich nie so geliebt wie ich es verdient gehabt hätte, ich bin immer nur ein Ersatz für die Andere gewesen. Ich bin gegangen, weil ich das irgendwann nicht mehr ertragen konnte." "Das tut mir leid", erwiderte Hotch, "das muss es nicht, es ist lange her. Ausserdem habe ich inzwischen den Richtigen gefunden", sagte Alix, küsste Hotch und stieg aus dem Bett. "Dave kann Jack nicht ewig beschäftigen, ich hab keine Ahnung, wie lange die zwei schon weg sind."

Morgan und Reid waren in Darcy´s Wohnung fündig geworden. Darcy hatte Notizen zu jedem, der auf der Station arbeitete und noch einigen mehr. Morgan stoppte beim Chinesen und anschliessend bei Alix. "Informationen und Essen" antwortete Morgan der Gegensprechanlage. Hotch öffnete die Tür, "habt Ihr was?" Reid zeigte den Karton mit den Notizen. Aaron nickte, "wir sollten erst was Essen, Alix, kommst Du?" "Sofort", rief sie aus dem Badezimmer. Ihre Haare waren noch feucht, genau wie die von Hotch dachte Reid und sie trug Jeans und Shirt, auch genau wie Hotch. Es stimmte, was man über Menschen in einer Beziehung sagte, sie glichen sich an. "Hm", sagte sie, "chinesisch. Im Kühlschrank steht Bier, wenn jemand mag, es gibt aber auch Saft und Wasser. Sollten wir nicht auf Dave und Jack warten?" "Ich habe eben mit Rossi gesprochen, die zwei fahren zu Jess", sagte Hotch. Alix grinste nur, "habt Ihr auch Hühnersuppe mitgebracht?" Reid nickte und reichte die Suppe weiter. "Ist Hefe-Weizen das, was Du mit Bier gemeint hast?" fragte Derek unschlüssig vor dem offenen Kühlschrank. Alix ging zu ihm in die Küche, "jedenfalls ist es nicht das, was ihr Amerikaner Bier nennt." "Na gut, dann überrasche mich", sagte Morgan und beobachtete interessiert, wie Alix ein hohes Glas aus dem Schrank nahm, schräg hielt und langsam das Bier laufen liess. Am Ende schwenkte sie die Flasche ein wenig und goss auch noch den Rest ins Glas. "Ich bin nur halbe Amerikanerin, meine Mutter ist aus München", erklärte Alix, "Prost Morgan" sagte sie und setzte sich wieder an den Esstisch.

Ein paar gebratene Nudeln und gebackene Enten später stellte Spencer den Karton mit Darcy´s Notizen auf den abgeräumten Tisch. "Sie war sehr gründlich. Sie hat Akten für jeden angelegt, der auf der Station Dienst geschoben hat. Schwestern, Assistenzärzte, Pfleger und so weiter. Sie hat sich viele Dinge zusammengereimt und viele Vermutungen angestellt. Ich hab vorhin schonmal kurz drüber gelesen, ich schlage vor, jeder nimmt sich eine Akte und liest sie mal unvoreingenommen, mir ist allerdings niemand aufgefallen, gegen den sie einen konkreten Verdacht hatte." Schloss Reid seine Ausführungen. "Kann ich auch eine Akte haben oder soll ich einfach nur hier sitzen und schön sein?" fragte Alix Hotch mit unschuldigem Blick. Der reichte ihr zwei von Darcy´s Notizblöcken, "treibs nicht zu weit", sagte Hotch halblaut. Derek lachte, die Rothaarige war rotzfrech, ihm gefiel das. "Du hast nicht zufällig eine Schwester?" fragte er. "Leider nein, nur einen Bruder, der ist aber auch schon vom Markt, sorry", schmunzelnd widmete sich Alix wieder den Aufzeichnungen. "Igitt, Schwester Hill schläft mit Dr. Burgess", Alix schüttelte sich, "Burgess?" fragte Hotch, "ja, dieser kleine, schmierige mit der Nerdbrille, der, der aussieht wie ein Waldkauz", Hotch wusste, wen sie meinte, "freiwillig?" "ich hoffe nicht, aber so weit bin ich noch nicht, da steht noch viel mehr." Alix stockte plötzlich, "so ein Schwein, er hat ihren Sohn im Krankenhaus erwischt, als der lange Finger gemacht hat und erpresst sie jetzt damit", "das macht ihn vielleicht zum Schwein, aber noch nicht zum Mörder", erklärte Hotch. "Was ist mit Dr. Finch?" fragte Reid. "Finch? Keine Ahnung, den kenne ich nur vom sehen. Brad hat sich öfter mit ihm unterhalten, glaube ich", "weisst Du worüber?" wollte Reid von Alix wissen. "Gleich weiss ich es", sagte Alix und griff zum Telefon. Sie ging ins Schafzimmer um ungestört zu sein.

"Bei Euch ist wieder alles klar?" fragte Morgan, "sicher, wir haben uns", Hotch suchte nach einer passenden Formulierung, "ausgesprochen." Morgan grinste, er hatte eine ziemlich genaue Vorstellung, wie diese Aussprache ausgesehen hatte. Fast beneidete er Hotch um die Rothaarige, sie war das Komplettpaket, Herz, Hirn, Körper. "Ich glaube, Finch ist die erste Wahl", sagte das Komplettpaket jetzt. "Er hat mit meinem Bruder über Sterbehilfe und ein Leben nach dem Tod gesprochen." Sie umarmte Hotch von hinten und küsste ihn auf den Hals. "Danke, daß Du mit meinem Vater geredet hast, er war sehr aufgebracht wegen der Sache, Mom´s Tod ist schon dramatisch genug und jetzt auch noch das." Hotch drehte sich auf seinem Stuhl, zog Alix auf seinem Schoß und umarmte sie wortlos. Es war ihm völlig egal, daß Morgan und Reid noch da waren.

Morgan schubste Reid fast vom Stuhl, "wir sehen mal zu, ob wir Finch im Krankenhaus erwischen", "warum mussten wir denn jetzt so schnell los?" fragte Reid verständnislos an der Tür. "Manchmal stehst Du echt auf dem Schlauch, Kleiner, oder machst Du es mit Zuschauern?" "Oh", machte Reid jetzt, "wir sollten wirklich ins Krankenhaus fahren."

Hotch und Alix versuchten sich ein bisschen abzulenken, machten es sich auf dem Sofa bequem und schauten einen Film. "Dave versteht sich wohl gut mit Jess?" fragte Hotch und griff zum Popcorn. Alix schmunzelte, "wieso?" "Weil ich der Profiler bin und mir das aufgefallen ist?" "Jetzt wo ich mit Jack öfter einspringe, hat sie ein bisschen Zeit für ein eigenes Leben." "Mit Dave?" "Warum nicht? Ich weis nicht, wie ernst die Sache mit den Beiden ist, sie haben sich öfter getroffen, Punkt. Wäre das so ein Problem für Dich?" Alix war irritiert, "ich dachte Du bist mit Rossi befreundet?" "Das bin ich, aber darum geht es nicht", "Nein? Worum dann? Nur weil Haley mit Deinem Job nicht klar gekommen ist, muss das nicht automatisch auch für Jess gelten. Ich glaube, sie kennt das Risiko sehr gut, genau wie ich", Alix setzte sich aufrecht, " Oder glaubst Du, daß mir auch nicht klar ist, wie gefährlich Dein Job ist? Daß Du eine kugelsichere Weste im Schrank hast, eine SIG Sauer an der Hüfte und eine 32er am Knöchel? Ich hab ein ungutes Gefühl, wenn der Mann, den ich liebe, durchgeknallte Serienkiller jagen geht, aber...was?" Hotch schaute sie aufmerksam an, "der Mann den Du liebst?" " Der Mann, den ich liebe", wiederholte Alix, "das hast Du so noch nie gesagt", sagte Hotch, " als wir das erste Mal zusammen waren, war ich ein bisschen emotional, erinnerst Du Dich?" Hotch nickte, "ich hatte Jess versprochen, Dich nicht zu überfordern, deswegen hab ich geheult, weil es mir beinahe rausgerutscht wäre","komm her", Hotch stellte das Popcorn weg und sah Alix in die Augen, "ich liebe Dich auch, Alexandria Talbot", er küsste sie zärtlich auf den Mund, "und ich habe nichts gegen Dave und Jess, ich fühle mich nur verantwortlich, nichts weiter. Ausserdem siehst Du unglaublich sexy aus, wenn Du Dich aufregst, mich irritiert allerdings ein wenig, daß Du weisst, was eine SIG Sauer ist und Du auch eine 32er erkennst." "Mein Ex-Mann hat mir so einiges beigebracht", grinste Alix. "Auch wie man damit umgeht, nur zur Info", fügte sie noch hinzu und rutschte wieder an Hotch heran um sich noch ein bisschen anzukuscheln.