Damit Harry sich frisch machen konnte und seine Sachen in seinem neuen Zimmer verstauen konnte, führte Salazar den Jungen in den unterirdischen Teil des Schlosses. Versteckt hinter einer unscheinbaren Steinmauer, drei Gänge von Snapes Zaubertränke-Klassenzimmer entfernt, war der Eingang zum Haus Slytherin. „In der Wand ist eine Tür, die beim Nennen des richtigen Passworts, dich zum Gemeinschaftsraum der Schüler vom Hause Slytherin führt. Bitte merke es dir. Es lautet Serpens. Wir ändern das Passwort regelmäßig, um zu verhindern, dass die Schüler aus den anderen Häusern hier hineinspazieren können. Immerhin sollte jeder einen Rückzugsort haben können.", erklärte ihm der Größere.

‚Hm, vielleicht sollte ich doch nicht erwähnen, dass ich mich hier schon einmal reingeschlichen habe.', dachte sich Harry als er Salazar zu verstehen gab, dass er sich das Gesagte eingeprägt hatte.

Die beiden gingen weiter und durch die Tür hindurch. Sie kamen in einen langgezogenen Raum mit rohen Steinwänden, der durch die grünen Kugellampen in einem grünen Licht schimmerte. Um den großen, offenen Kamin herum und verteilt im Raum standen einige hohe Lehnstühle. Auch gab es an den Wänden einige Séparées, die sich mit Vorhängen verschließen ließen. Dort konnten die Schüler ungestört lernen und reden. Von den Schrumpfköpfen, die Harry aus seinem zweiten Schuljahr kannte, war nichts zu sehen. Eventuell kamen diese erst im Verlauf der Jahre als Einrichtung dazu.

„Auf der linken Seite findest du den Eingang zu den Schlafräumen der Jungen, der Schlafraum der Mädchen ist dort rechts." Salazar zeigte zu den zwei Türen an den Seiten des Gemeinschaftsraums. „Es ist allen untersagt, den Schlafraum des anderen Geschlechts zu betreten. Einen Aushang über die Schulregeln findest du am Schwarzen Brett neben dem Eingang. Ich lege viel Wert auf ein ordentliches Benehmen meiner Hausschüler." „Ich habe verstanden.", kam es von dem Grünäugigen. „Gut, dann geh und sieh dir dein Zimmer an. In einer halben Stunde wird das Mittagessen serviert. Es findet in der großen Halle statt. Ich werde schon vorgehen. Solltest du den Weg dorthin nicht finden, ruf nach Tilly, die Hauselfe wird dir die Richtung zeigen können."

Harry trat in den Flur von dem aus die Schlafräume der Jungen abgingen und besah sich die Namenschilder an den Zimmertüren. Es würde anscheinend nicht nach Jahrgang unterschieden, jeder Schüler erhielt hier sein eigenes Zimmer. Nach wenigen Türen tauchte auch schon sein Zimmer auf, die Tür war unverschlossen und ließ sich einfach öffnen. Der Schlafraum war simpel eingerichtet. Es gab ein Bett, einen Kleiderschrank und ein kleinen Sekretär mit Stauplatz für seine Bücher, wo er sogleich das Buch ‚Lords im Wandel der Zeit' und das magische Gesetzbuch einsortierte.

‚Mir fehlen noch die Schulbücher und auch eine neue Schuluniform.', fiel Harry auf. ‚Ich sollte Salazar beim Mittagessen mal darauf ansprechen. Vielleicht kann er mir helfen noch einmal in die Winkelgasse zu kommen, damit ich die Sachen einkaufen kann.'

Als nächstes sah sich der Strubbelkopf nach einem Badezimmer um. Da in seinem Zimmer keine weitere Tür war, ging er zurück auf den Flur. Alle paar Türen gab es ein Gemeinschaftsbad, diese waren für die einzelnen Jahrgänge aufgeteilt. Harry kam in das vierte Schuljahr, also suchte er nach dem entsprechenden Badezimmer. Glücklicherweise war auch dies gleich nebenan. Er machte sich kurz frisch und ging dann durch den Gemeinschaftsraum und zur großen Halle.

Δ

Salazar, Helga, Rowena und Godric saßen bereits in der großen Halle am Lehrertisch und unterhielten sich, als Harry die große Halle betrat. „Mr Potter, kommen Sie. Setzen Sie sich zu uns an den Tisch, solange das Schuljahr noch nicht begonnen hat.", rief ihm die freundlich Hexe zu. „Vielen Dank, Lady Hufflepuff.", erwiderte Harry und nahm sich den Platz den die Anderen zwischen sich freigelassen hatten. Wie auf ein Signal tauchte das Essen vor ihnen auf, sobald er sich gesetzt hatte. Rechts von ihm saßen Lady Ravenclaw und Lord Gryffindor, links Lady Hufflepuff und Salazar.

„Lasst es euch schmecken!", verkündete der Gryffindor. „Zum Plaudern ist noch Zeit, wenn unsere Mägen gefüllt sind." Damit griff er beherzt zu und begann zu essen. Da die Damen und Salazar auch zu essen begannen, kostete auch Harry von dem Wildbraten, der vor ihm aufgetaucht war. Das Essen schmeckt wirklich gut und war schnell verzehrt.

Gesättigt und entspannt blieben alle nach dem Essen sitzen. „Mr Potter, möchten Sie uns etwas über sich erzählen? Wir haben leider bisher nur erfahren, dass Sie aus der Zukunft stammen und dieses Jahr nach Hogwarts gehen werden.", eröffnete Lady Hufflepuff das Gespräch. Streng wurde sie daraufhin von Rowena angesehen. „Bevor wir nicht nachgeforscht haben, ob es negative Auswirkungen geben könnte, wenn wir von der Zukunft erfahren, sollten wir keine Fragen dazu stellen, Helga." Beruhigend hob die Angesprochene ihre Hände. „Alles gut, ich meinte ja auch eher generelles zu seinem Leben. Sein Alter, seine Familie und seine Vorlieben zum Beispiel."

Erwartungsvoll schauten alle zu Harry. Verlegen nestelte dieser an seinem ausgeleiertem Shirt und antwortete: „Ich bin 14 Jahre alt und ich spiele gerne Quidditch." „Ich nehme an Quidditch ist ein Spiel, dass in der Zukunft erfunden wird.", erklärte ihm Lady Ravenclaw und sah dabei die anderen wieder streng an. Helga, die merkte, dass die Situation für Harry unangenehm war, wechselte das Thema. „Ich hoffe du hast viel Spaß bei uns und in Slytherin. Wir werden natürlich unser Möglichstes tun dir zu helfen nach Hause zu kommen." „Rowena und ich werden später mit dir weiter zu den Zeitreisen Nachforschungen anstellen. Vielleicht finden wir ja etwas in unserer Bibliothek.", kam es dazu von Salazar.

„Hast du denn schon Zeit für zusätzliche Projekte, Salazar?", meinte Godric scherzend. „Ich könnte dir auch noch ein paar der Aufsätze von den neuen Erstklässlern abgeben." „Würdest du nicht die Sommerferien zum Faulenzen nutzen, wärst du ebenfalls fertig mit der Sortierung.", erwiderte Salazar schlagfertig. Godric lachte: „Das könnte der Grund sein, mein Freund."

Harry drehte sich zu Lady Hufflepuff und fragte sie: „Worum geht es bei den Aufsätzen?" „Alle neuen Erstklässler müssen vor Schulbeginn einen zirka drei Fuß langen Aufsatz über sich verfassen. Wir lesen alle Aufsätze durch und teilen danach die Schüler in die vier Häuser ein.", erklärte sie ihm. „Das Problem dabei ist", warf Lady Ravenclaw genervt dazwischen ein, „dass wir immer mehr Erstklässler bekommen und es immer mehr von unserer Zeit raubt." „Mir gefallen die Kämpfe der Schüler, die in höheren Klassen einsteigen viel besser.", sagte Lord Gryffindor. Helga schaute ihn böse an. „Wir können doch nicht unerfahrene Erstklässler gegen Trolle kämpfen lassen. Außerdem sparen wir damit übrigens auch keine Zeit." Salazar schnaubte kurz. „Schneller wäre nur ein Blick in den Geist der Schüler, aber sowas können wir nicht tun, also bleibt es erstmal dabei. Oder habt ihr eine bessere Idee?" Herausfordernd schaute er die Anderen an.

Harry war sich unsicher - durfte er solche Details über die Zukunft erzählen? Aber was könnte schon groß passieren, außer dass sie den Hut eventuell schon früher nutzen würden. „Zu meiner Zeit, werden alle Erstklässler mit Hilfe des sprechenden Huts sortiert." „Ein sprechender Hut?", fragten die Gründer erstaunt. „Wie funktioniert das denn?" „Ähm, ich glaube er schaut sich tatsächlich im Geist von einem um und bewertet dann für welches Haus man geeignet ist. Bei mir meinte er damals, ich solle nach Slytherin. Aber ich hatte gerade meinen ersten Freund gefunden und wollte nicht zu dessen Erzfeind, also entschied sich der Hut, dass ich doch nach Gryffindor könne."

Dies sorgte gleich für die nächste Diskussion unter den Schulleitern. Harry sah ihnen belustigt zu, während eine absurde Idee nach der nächsten diskutiert wurde. Nur Helga beteiligte sich nicht mehr an dem Gespräch. Ihr war nicht entgangen, was Harry offenbart hatte. Besorgt musterte sie den schmalen Jungen in der schrecklichen Kleidung.