Hi, Leute! Vielen Dank für den Review und viel Spaß beim Lesen! :)
larissaelenafabricius: Jep, das ist definitiv einer dieser Unterschiede zwischen Sirius und James: Sirius würde zwar für seine Freunde alles tun und sich immer für Gerechtigkeit einsetzen (oder seiner Version davon), aber dabei geht er absolut rücksichtslos gegen die Leute vor, die seiner Meinung nach auf der falschen Seite stehen. James hat diesbezüglich von seinen Eltern gewisse Grenzen gelernt (z. B. keine unverzeihlichen Flüche), Sirius nicht.
Ja, das könnte man als eine solche Andeutung auffassen...^^ Let's see! ;)
DISCLAIMER: WELT UND PERSONEN GEHÖREN J. K. ROWLING.
Ein Quidditch-Star und rosarote Briefe
„Was ist mit ihm? Ist er gebissen worden?"
„Red keinen Schwachsinn, Peter, er ist einfach nur krank, das ist alles!"
„Aber da ist Blut! Und was ist mit seinem Gesicht passiert?"
Sein Gesicht? Hatte der Werwolf ihn doch erwischt? Hatte er deshalb solche Kopfschmerzen? Aber er war doch entkommen...
„Ich weiß es nicht, Pettigrew, wie oft muss ich das noch sagen? Wir haben uns zwischendurch aus den Augen verloren."
„Aber ihr habt gesagt, ihr würdet nicht von den Besen absteigen! Ihr habt gesagt, ihr würdet in der Luft bleiben!"
„Die Umstände haben sich geändert. Wir hatten keine Wahl!"
„Aber wenn Sirius jetzt gebissen worden ist..."
„Er ist aber nicht gebissen worden, Pettigrew! Wir müssen ihn in den Krankenflügel bringen."
„Nicht der Krankenflügel!", krächzte Sirius. Das Sprechen tat weh. Madam Pomfrey würde die Fluchnarbe auf seiner Brust sehen und dann würde sie das dünne Liniengeflecht auf seinem Rücken entdecken.
„Nicht der Krankenflügel", wiederholte er.
„Sirius, du hast hohes Fieber." James' Stimme klang besorgt. „Es wäre wirklich besser, wenn Pomfrey sich um dich kümmert."
„Pomfrey geht vielleicht zu McGonagall...", nuschelte Sirius. Das darauffolgende Schweigen verriet ihm, dass James nicht länger auf den Krankenflügel bestehen würde.
„Was ist mit meinem Gesicht...?"
„Du hast ein ganz schön blaues Auge, Kumpel", erklärte James. „Eigentlich ist deine gesamte rechte Gesichtshälfte blau."
„Prankenhieb..."
„Ah..."
„Wir müssen los", warf Peter ein. „Wir komme sonst zu spät zu Zauberkunst."
„Ich weiß. Sirius?"
„Hm?"
„Der Zweiwegespiegel lieft auf deinem Nachttisch. Wenn irgendwas ist, ruf mich, ja?"
„Okay."
„Wir kommen in der Mittagspause vorbei und bringen dir was zu essen hoch, in Ordnung?"
„Hmm..."
„Mach in der Zeit nichts Dummes."
„Hau endlich ab, Potter!"
„Halt einfach die Klappe, Black."
Sirius spürte kurz James' Hand auf seiner Schulter, dann raschelten Umhänge, die Tür fiel ins Schloss und er war allein. Es dauerte nicht lange und er driftete wieder ab in einen unruhigen Schlaf voller gelb glühender Augen und heißem Atem, der nach Verwesung roch.
Sirius war in seinem Leben selten krank gewesen und er war sich absolut sicher, dass er sich noch nie so elend gefühlt hatte. Wenn er nicht gerade schlief und in seinen Träumen von namenlosen Monstern mit glühenden Augen und stinkendem Atem gejagt wurde, fror er, dass ihm die Zähne klapperten, oder schwitzte so sehr, dass er am liebsten in den vereisten See vor dem Schloss gesprungen wäre. Doch sobald er auch nur versuchte aufzustehen, wurde ihm schlecht und schwindelig und sein Kopf hämmerte ununterbrochen. Am dritten Tag schleppte er sich in den Unterricht, weil Prof. McGonagall James' Ausreden und Entschuldigungen nicht länger akzeptierte, nur um von Proudfoot umgehend in den Krankenflügel geschickt zu werden. Natürlich ging Sirius nicht in den Krankenflügel, sondern zurück in den Schlafsaal, aber danach versuchte keiner der Lehrer, ihn noch einmal in den Unterricht zu schicken.
Glücklicherweise stellte niemand eine Verbindung zwischen Sirius' Erkrankung und der letzten Vollmondnacht her. James hatte sämtliche Artikel im Tagespropheten und sogar der Hexenwoche gelesen und schwor, dass er und Sirius nirgends erwähnt wurden. Stattdessen wurde eine gewisse Mrs. Mangold als Heldin gefeiert, die es geschafft hatte, fast ihr gesamtes Dorf vor den Werwölfen in Sicherheit zu bringen.
„Fast ihr gesamtes Dorf?", fragte Sirius argwöhnisch nach. James nickte grimmig.
„Ein kleines Mädchen ist getötet worden. Catherine McLadden."
„Verdammt!" Ich dachte, sie wären alle entkommen... „Der weiße Werwolf muss sie erwischt haben, als sie Greyback abgewehrt haben."
Wieder nickte James.
„Der Tagesprophet spricht von einem 'Triumph der Zaubererschaft' gegen die Angriffsserie, weil es nur ein Opfer gab. Außerdem fordern sie, dass Dunder zurücktritt. Sie machen ihn dafür verantwortlich, dass die Auroren und das Werwolf-Fangkommando schon wieder erst Stunden später zur Stelle waren."
„Aber das stimmt doch, oder?", warf Peter ein. „Ein anderer Zaubereiminster würde bestimmt nicht zulassen, dass jemand das Werwolf-Fangkommando besticht."
„Und wer soll stattdessen Zaubereiminister werden?", fragte Remus.
„Wie wäre es mit Mrs. Mangold?", schlug Peter vor. „Sie ist immerhin eine Heldin."
James schien der Gedanke zu gefallen.
„Warum eigentlich nicht? Sie hätte bestimmt keine Angst, Voldemort die Stirn zu bieten." Er runzelte die Stirn. „Mangold... Irgendwie kommt mir der Name bekannt vor..."
„Sie hat im Tagespropheten vorgeschlagen, Werwölfen sichere Unterkünfte für ihre Verwandlungen zur Verfügung zu stellen", erklärte Remus.
„Ich erinnere mich", meinte James. „Nun ja, das wäre doch nicht schlecht, oder?"
Er warf Remus einen fragenden Blick. Sie waren zwar alle nicht mehr offiziell zerstritten, aber vor allem James verhielt sich Remus gegenüber übertrieben höflich, so als er erwarte er jeden Augenblick einen neuen Streit.
„Nein, vermutlich nicht. Aber du vergisst, dass diese Mangold verschwunden ist."
„Was?", entfuhr es Sirius. „Verschwunden? Meinst du entführt oder ermordet?"
James schüttelte den Kopf.
„Entführt oder ermordet glaube ich nicht. Sie ist einfach nicht mehr da. Im Tagespropheten gibt es eine kleine, kaum lesbare Randnotiz, dass man ein Interview mit ihr machen wollte und sie nicht zu sprechen war, weil sie sich bedroht fühlt."
Sirius schwante nichts Gutes.
„Lass mich raten, davon, dass die Dorfbewohner nicht disapparieren konnten, steht auch nichts im Tagespropheten?"
James presste die Lippen zusammen und schüttelte den Kopf.
„Nein."
Sirius verspürte den starken Drang, irgendetwas zu zerschlagen. Stattdessen probierte er einen wortlosen Schwebezauber an dem Tintenfass einer Erstklässlerin aus. Er war so überrascht, dass der Zauber tatsächlich gelang, dass das Glas in der Luft zu trudeln anfing und die Tinte im gesamten Gemeinschaftsraum verspritzte, was ihm einen strengen Blick von Longbottom und einen mörderischen von Lily Evans einbrachte. James grinste breit, aber sein Grinsen fiel schnell in sich zusammen, als er Lilys Blick bemerkte. Er stand auf.
„Genug geredet. Das Quidditch-Training fängt in zehn Minuten an. Sirius?"
„James! Sirius sollte im Gemeinschaftsraum am Kaminfeuer bleiben, bevor er gleich wieder krank wird!"
Verkrüppeltes, aussätziges Monster. Sirius konnte seine Gedanken aus der Vollmondnacht einfach nicht vergessen. Er stand auf.
„Ich glaube, etwas frische Luft würde mir ganz gut tun."
James schlug ihm auf die Schulter.
„Das ist die richtige Einstellung! Komm, wir gehen Ravenclaw schlagen!"
Angestrengt starrte Sirius in den Himmel und versuchte, nicht hinzusehen. Bei jeder anderen Gelegenheit hätte er Tränen gelacht, wenn er gesehen hätte, wie James schon beinahe gelangweilt den Quaffel Schuss für Schuss durch die Torringe beförderte. Aber es war nicht irgendein gegnerischer Hüter, der hier völlig verzweifelt vor den Ringen schwebte, oder irgendein Möchtegern-Quidditch-Spieler, sondern Sturgis Podmore, der am Samstag im Spiel gegen Ravenclaw die Position des Hüters übernehmen sollte, während Sloper, der eigentliche Hüter, für Sirius einspringen sollte.
„Warum übernimmt Podmore nicht einfach Sirius' Position?", wollte James ärgerlich wissen, als er den Quaffel zum zehnten Mal in Folge durch den gleichen Ring warf. „Er mag meinetwegen kein guter Treiber sein, aber dann hätten wir wenigstens einen guten Hüter!"
Genau das fragte sich Sirius allerdings auch. Und wie es aussah auch der Rest der Mannschaft, denn die anderen Spieler nickten zustimmend. John Bell lief puterrot an.
„Hat sich einer von euch Schlaumeiern mal Podmores Statue angesehen? Klein und dürr, aber flink. Er könnte einen Klatscher keinen Meter weit schlagen, aber er ist schnell und wendig genug, um theoretisch jeden Quaffel zu erwischen..."
„Theoretisch", unterbrach ihn James, „genau das ist es! Theoretisch hast du völlig Recht. Er ist von der Statue her kein Treiber. Aber in der Realität ist nicht alles wie in der Theorie! Podmore ist eine Niete als Hüter! Und Sloper ist vielleicht ein besserer Treiber als Podmore, aber er ist ein noch besserer Hüter!"
Podmore zog den Kopf ein und starrte knallrot auf den Boden.
„Keiner ist hier eine Niete, Potter! Podmore braucht einfach noch etwas Training und Sloper ist als Treiber gar nicht schlecht, wenn auch nicht so gut Black, das gebe ich zu, aber..."
„Wie viel Training braucht er denn noch?", mischte sich Jackson Finley ein. „Das Spiel gegen Ravenclaw ist diesen Samstag! Wir haben keine Zeit mehr für Training!"
Wütend fuhr Bell herum.
„Er wäre vermutlich bedeutend besser, wenn ihr nicht ständig auf ihm herumhacken würdet!"
„Ach, jetzt sind wir also schuld, ja?", fuhr Finley zornig auf. „ Ich finde, Potter hat Recht! Podmore sollte Blacks Position übernehmen, da kann er wenigstens keinen Schaden anrichten!"
„Natürlich kann er da Schaden anrichten!", warf Davey Gudgeon empört ein. „Die Position des Treibers ist überaus wichtig!"
„Ach ja? Ich kann mich nicht erinnern, dass jemals ein Treiber irgendwelche Punkte beim Quidditch reingebracht hätte..."
„Wenigstens hat noch kein Treiber welche verloren!"
„John", mischte sich Marcia Finley mit vernünftiger Stimme ein. „Vielleicht sollten wir James' Vorschlag zumindest überdenken. Es kann ja nicht schaden, es mal auszuprobieren."
Wenn möglich, wurde Bell noch röter.
„So lange ich der Kapitän bin, tut die Mannschaft, was ich sage!", zischte er. „Wenn Potter nächstes Jahr Kapitän sein sollte, dann könnt ihr gerne nach seinem Zauberstab tanzen!"
James verdrehte genervt die Augen.
„Keiner hat deine Position als Kapitän angegriffen, Bell. Es geht nur um die Frage..."
„Und wenn ich noch ein Wort von dir höre, Potter, dann sitzt du nächstes Wochenende auf der Bank!"
Einen Augenblick herrschte fassungslose Stille. Dann fing James plötzlich an zu lachen.
„Du weißt genau, dass du das nicht tun kannst, Bell! Ich bin deine einzige Chance gegen Ravenclaw!"
„Bild dir ja nichts ein, Potter!", fauchte Bell. „Du bist zwar gut, aber so gut bist du nun auch wieder nicht. Wenn du gehen willst, dann geh!"
James presste die Lippen zusammen und rührte sich nicht. Sirius wusste, dass James für einen Sieg für Gryffindor sogar bereit gewesen wäre, seinen geliebten Nimbus gegen einen klapprigen Shooting Star einzutauschen, wenn er geglaubt hätte, damit dem Team zu helfen. Und Bell wusste es natürlich auch.
„Gut. Wir haben im letzten Spiel nach nur sieben Minuten mit 200 zu 0 gewonnen und es gibt keinen Grund, warum wir nicht noch einmal schaffen sollten. Wenn wir das also geklärt hätten, dann machen wir jetzt mit dem Training weiter. Podmore, ins Tor, Sloper, zu Gudgeon. Wir üben noch mal den Falkenkopfangriff..."
„Dieser Idiot!" James marschierte wütend im Schlafsaal auf und ab. „Bell hat nur sein verdammtes Ego im Kopf! Mit Podmore im Tor und Sloper als Treiber haben wir keine Chance!"
„Vielleicht können wir mit Podmore das Gleiche machen wie mir Finley letztes Jahr", schlug Sirius scherzhaft vor. Er lag auf seinem Bett und trank ein Butterbier.
„Entweder spielt er gut oder er verbringt die nächsten Wochen im Krankenflügel."
James winkte ab.
„Aus Podmore würde noch nicht mal ein guter Hüter werden, wenn man ihm tausend Galleonen dafür bieten würde."
„Er muss kein guter Hüter sein, wenn Finley rechtzeitig den Schnatz fängt."
„So gut ist Finley aber nicht. Er guckt mehr dem Quaffel hinterher als dem Schnatz. Das letzte Spiel haben wir vor allem durch Glück so schnell gewonnen. Aber wenn ich genug Tore werfe..."
„Vergiss es. Du musst nicht nur Punkte machen, du musst noch die Tore ausgleichen, die Podmore durchlässt."
James biss die Zähne zusammen.
„Ich weiß. Trotzdem..."
„Du könntest auch einfach gar nichts tun."
James runzelte die Stirn.
„Wie meinst du das?"
Sirius setzte sich auf.
„Bell will unbedingt Recht behalten. Aber das kann er nur, wenn Gryffindor das nächste Spiel gewinnt", erklärte er. „Er selbst ist zwar kein schlechter Jäger, aber überragend ist er auch nicht. Deshalb ist er auf dich angewiesen."
James starrte Sirius fassungslos an.
„Du meinst, ich soll Gryffindor freiwillig verlieren lassen?"
Sirius zuckte mit den Schultern.
„Warum nicht? So wie die Mannschaft jetzt aufgestellt ist, stehen die Chancen ohnehin schlecht, dass Gryffindor den Pokal gewinnt. Nächstes Jahr bist du dann Kapitän und kannst ihn wieder zurückholen und Bell bekommt eine Lektion erteilt."
James schüttelte den Kopf.
„Niemals. Es geht nicht nur um mich, Sirius, sondern auch um das Team. Ich kann sie nicht einfach hängen lassen."
Sirius lehnte sich wieder zurück und nahm noch einen Schluck Butterbier.
„Dann eben nicht."
Er hätte auch nichts gegen eine Flasche Feuerwhiskey gehabt. Er musste daran denken, bei seinem nächsten Besuch in Hogsmeade eine mitzunehmen.
James warf ihm einen eigentümlichen Blick zu.
„Ich hätte nicht gedacht, dass dir das Team so egal ist."
Seine Stimme klang kühl.
Sirius hätte widersprechen können. Er hätte James sagen können, dass ihm das Team nicht egal war, dass er die Dinge einfach nur realistisch sah, aber die Wahrheit war, dass ihm in letzter Zeit eine Menge egal war, von dem er wusste, dass es ihm einmal wichtig gewesen war.
Er nahm noch einen letzten Schluck Butterbier und verzog das Gesicht. Er musste wirklich daran denken, sich beim nächsten Mal aus Hogsmeade etwas Härteres zu besorgen.
James wandte sich ab.
Während James sich verbissener denn je ins Quidditch-Training stürzte, übte Sirius nonverbale Zauber und Flüche. Nachdem er den Dreh erst mal heraus hatte, wurde er schnell immer besser und konnte sich an komplizierteren Zaubern versuchen. Remus und Peter bekamen davon nichts mit. Peter war heilfroh, dass Remus ihm wieder bei seinen Hausaufgaben half und Remus arbeitete hartnäckig den Stoff nach, den er durch seine Verwandlungen verpasste. Was ihnen allerdings auffiel, war, dass Sirius James nicht mehr zum Training begleitete, obwohl es die letzte Woche vor dem Spiel war, und James Sirius nicht mehr wie selbstverständlich in seine üblichen Diskussionen über Spielzüge und Taktik miteinbezog.
„Habt ihr euch gestritten?", wollte Remus eines Tages wissen, als Sirius gerade an einer Arithmantik-Tabelle knobelte.
„Nein."
„Ich dachte nur."
Verkrüppeltes, aussätziges Monster. „Mach dir um uns keine Sorgen."
Sirius fing an, seine Sache zusammenzupacken. Mach dir lieber welche um dich selbst.
„Wo willst du hin?", wollte Peter wissen.
„Muss schnell was in der Bibliothek nachgucken."
„Dein Artihmantik-Buch ist im Schlafsaal", sagte Remus.
„Es geht um was anderes." Sirius schwang sich die Tasche über die Schulter. „Bis später."
Ohne sich noch einmal umzudrehen, kletterte er durch das Portraitloch nach draußen. Dann wusste er nicht, was er tun sollte. Natürlich musste er überhaupt nichts in der Bibliothek nachgucken. Er hatte einfach nur weggemusst, weg von Remus und den Erinnerungen an den weißen Werwolf, der ihn beinahe getötet hatte. Und wenn ich schon so denke, was denken dann erst die Dorfbewohner? Sie kannten keinen Werwolf persönlich, sie hatten nur die Monster gesehen, nicht die Menschen.
Sirius fand sich vor dem Wandspiegel im vierten Stock wieder. Warum nicht? Ich wollte ja ohnehin noch Hogsmeade... Aber im Geheimgang entdeckte er ein paar ihrer Verwandlungsbücher, die der etwas schlampig durchgeführte Desillusionierungszauber nicht ganz verbarg. (Sie kamen mit diesen kleinen Unachtsamkeiten nur durch, weil Remus den Geheimgang viel seltener nutzte als Sirius und James.) Oder ich könnte Verwandlung üben... Entschlossen hob Sirius den Zauberstab. Für Remus.
Am Samstag waren die Quidditch-Tribünen gerammelt voll. Trotz Minusgraden und Schneefall waren sämtliche Schüler und Lehrer zum Spiel gekommen. Die Erwartungen an Gryffindor waren hoch. Nach dem letzten Blitzsieg gegen Hufflepuff wurde eine ähnlich spektakuläre Aktion gegen Ravenclaw erwartet. Allerdings galt das Ravenclaw-Team im Gegensatz zu den Hufflepuffs als eines der besseren Teams in Hogwarts. Das Haus der Adler hatte zwar sein letztes Spiel gegen Slytherin verloren, aber bis zu Regulus Blacks Schnatzfang hatten sie einen gefährlichen Gegner abgegeben. Und es gab diese Gerüchte über Streitigkeiten im Gryffindor-Team...
Sirius saß zwischen Remus und Peter. Die beiden versuchten die ganze Zeit, ihn aufzuheitern, aber sie ahnten nicht, dass der Grund für seine nicht ganz so gute Laune nicht die Tatsache war, dass er heute nicht spielen dürfte oder dass Gryffindor vermutlich verlieren würde. Nach dem Spiel würde er wieder seinen alten Platz als Treiber einnehmen. Und dann würde er die große Fluchnarbe auf seiner Brust nicht länger verbergen können. Es war ohnehin schon merkwürdig genug, dass Remus, der seine Umwelt immer sehr genau im Auge behielt, nicht bemerkt hatte, dass er sich nur noch im Dunkeln oder im Schutz seines Himmelbetts umzog. Aber Remus war inzwischen fast ständig müde und erschöpft, die immer gewalttätigeren Verwandlungen und die ständigen Schreckensnachrichten im Tagespropheten setzten ihm zu. Wahrscheinlich war er zu sehr beschäftigt, sein eigenes Elend und seine Alpträume vor ihnen zu verbergen.
Und James... James war misstrauischer geworden, nachdem er die Würgemale gesehen hatte, die Walburga Black letztes Jahr nach Weihnachten an seinem Hals hinterlassen hatte. Aber Sirius konnte sich nicht vorstellen, dass James, der das Ein und Alles seiner Eltern war und für den schon Stubenarrest eine unerträgliche Strafe darstellte, sich vorstellen konnte, wie Strafen in den alten, schwarzmagischen Familien gehandhabt wurden, selbst nach ihrem Gespräch in der Besenkammer am Anfang des Schuljahres. Er behielt Sirius im Auge, wenn er nach den Ferien wieder nach Hogwarts kam, aber diesmal war er nicht da gewesen und hatte nichts bemerkt.
Und falls Peter irgendetwas ahnte, hatte er glücklicherweise den Verstand, es nicht laut auszusprechen.
Die Menge um sie herum jubelte laut auf, während aus einer anderen Ecke der Tribüne laute Buhrufe und Pfiffe kamen. Das Spiel hatte angefangen und James hatte sein erstes Tor geschossen. Er befand sich in Höchstform. Trotz Slopers nur mäßiger Leistung als Treiber schaffte er es, allen Klatschern auszuweichen und den Quaffel den Ravenclaw-Jägern jedes Mal vor der Nase wegzuschnappen. Er erzielte noch drei weitere Tore, bevor Ravenclaw überhaupt seinen ersten Angriff starten konnte.
Es waren kaum fünf Minuten vergangen, da kochte das Quidditch-Feld schon. Nach James' Glanzleistung, die Gryffindor einen soliden Vorsprung von 40 Punkten beschert hatte, schien sich das Publikum sicher zu sein: Alle Gerüchte um Streitereien im Gryffindor-Team waren nichts weiter als heiße Luft; Gryffindor würde Ravenclaw genauso triumphal schlagen wie Hufflepuff.
Dann ließ Podmore den ersten Ball durch. Es war ein schwieriger Schuss, niemand hätte ihm dafür einen Vorwurf machen können. Aber dann folgte ein zweiter und ein dritter und Gryffindors Vorsprung schmolz wie Schnee in der Sonne zusammen. Geflüster und Gemurmel lief durch die Zuschauerränge. War an den Gerüchten etwa doch etwas dran?
James schien überall zu sein: in der Abwehr, im Angriff und manchmal sogar vor den Torringen selbst, wo er den Quaffel verlässlicher fing als der Hüter. Er schoss Tor um Tor, holte alle Punkte herein, die Podmore verlor und noch ein paar mehr. Bald beherrschte er das ganze Spiel und selbst ein paar Ravenclaws klatschten nach ein paar besonders spektakulären Flugmanövern. Und ehe Sirius sich versah, rissen ihn James' Flugkünste genauso mit wie alle anderen. Als es 150 zu 120 stand sprühte er rotgoldene Funken in die Luft und kokelte dabei aus Versehen Longbottoms Schal an, aber der Gryffindor applaudierte so enthusiastisch, dass er es gar nicht bemerkte.
Aber wo blieb der Schnatz? James konnte dieses Tempo nicht ewig durchhalten. Finley musste den Schnatz jetzt fangen, bevor James die Ravenclaws nicht länger aufhalten konnten.
„He, Podmore! Spielst du heimlich für das Ravenclaw-Team?"
Es war der Moment, ab dem alles schieflief. Selbst aus der Entfernung konnte Sirius erkennen, dass Podmore knallrot wurde.
„Willst du Flugunterricht bei meiner Großmutter nehmen, Podmore? Selbst die fängt den Quaffel besser als du!"
„He, Podmore, bist du immer so rot im Gesicht? Pass auf, dass Potter dich nicht mit dem Quaffel verwechselt!"
Die Rufe kamen aus der Slytherin-Tribüne und sie zeigten augenblicklich Wirkung. Beim nächsten Angriff flog er in die falsche Richtung, dann ließ er den Quaffel fallen und dann warf er ihn aus Versehen einem Ravenclaw-Jäger, der prompt ein Tor schoss. Danach war er so verunsichert, dass James ihm den Quaffel praktisch aus der Hand reißen musste, weil er sich nicht zu werfen traute.
Den Ball unter den Arm geklemmt raste Gryffindors Star-Jäger quer über das Feld, wich einem Klatscher aus, ließ zwei gegnerische Jäger zusammenrasen beim Versuch, ihn aufzuhalten, wich dem dritten mit einem gewagten Looping aus und war plötzlich vor den Torringen.
Sirius sah es vor allen anderen. Er sprang.
„ACHTUNG, JAMES! HINTER DIR!"
Aber natürlich konnte James ihn nicht hören. Und so traf ihn der zweite Klatscher mit voller Wucht in den Rücken, als er gerade zum Wurf ausholte. Es gab ein hässliches Krachen und James sackte zusammen. Das Publikum stöhnte auf. Unglaublicherweise traf er trotzdem noch, aber niemand wagte zu klatschen. James hing mehr auf dem Besen, als dass er saß. Es sah aus, als könne er jeden Moment fallen. Aber dann richtete er sich wieder auf und rammte triumphierend die Faust in die Luft. Die Anspannung löste sich in lautes Jubeln und Applaudieren auf. Aber Sirius sah, dass James kreidebleich war und er nicht lächelte, als das Publikum ihm zujubelte.
Das nächste Tor ging an Ravenclaw. Und das übernächste. Dann wurde James zum ersten Mal im gesamten Spielverlauf der Quaffel abgenommen. Noch ein Tor für Ravenclaw. James mobilisierte noch einmal alle Kräfte. Sirius sah es an der Art, wie sich seine Haltung straffte und er den Quaffel mit mehr Kraft als nötig zu Bell passte. Er schoss noch zwei Tore, aber Ravenclaw schoss in der gleichen Zeit drei. Und dann ging plötzlich ein Aufschrei durch die Menge: Der Ravenclaw-Sucher hatte den goldenen Schnatz entdeckt. Augenblicklich riss Finley seinen Besen herum und raste ihm hinterher, nur knapp an einem Ravenclaw-Jäger vorbei. Dieser war so überrascht, dass er etwas unglaublich Dummes tat: Er ließ den Quaffel fallen. James war sofort zur Stelle. Er lehnte sich nach vorne und ging in einen steilen Sturzflug über. Es schien unmöglich, dass James den Quaffel noch vor dem Ravenclaw-Jägern erreichte, aber er schaffte es trotzdem. Aber er war zu schnell, um seinen Besen noch hochzureißen. In letzter Sekunde schaffte er es noch, den Quaffel zu Marcia Finley zu werfen, dann bohrte sich sein Nimbus in den Schnee. James wurde abgeworfen und überschlug sich in der Luft. Im selben Moment, in dem Marcia Finley das letzte Tor für Gryffindor schoss und sich die Hand des Ravenclaw-Suchers um den goldenen Schnatz schoss, blieb er regungslos im Schnee liegen.
Unbeschreiblicher Jubel brandete auf, aber Sirius bekam nichts davon mit. Während Madam Hooch das Spiel abpfiff, drängte er sich durch die dicht besetzten Reihen, schwang sich über den Tribünenrand und rannte zu James.
„Sirius?", murmelte James, als Sirius ihn grob an der Schulter rüttelte und seinen Namen rief. „Ich schätze, wir haben verloren, was?"
„Du warst der beste Spieler auf dem Feld. Selbst die Raveclaws haben für dich geklatscht."
„Immerhin."
Sirius reichte James eine Hand und half ihm beim Aufstehen.
„Wie war der letzte Spielstand? 180 zu 360?"
„190 zu 360. Finley hat den Quaffel gerade noch reingemacht."
„Sehr gut!" Ein triumphierendes Lächeln überzog James' Gesicht. „Wir haben weniger Punkte verloren als letztes Jahr. Wir können den Quidditch-Pokal immer noch gewinnen!" Im nächsten Augenblick verzog er das Gesicht und griff sich an den Rücken. „Ich glaube, der Klatscher hat mir ein paar Rippen gebrochen..."
„Dann sollten wir besser in den Krankenflügel gehen." Sirius fasste James an der Schulter. „Komm..."
Aber da hatte er die Rechnung ohne James' Fans gemacht. Sämtliche Hogwarts-Schüler schienen ihm gratulieren zu wollen. Sirius konnte gerade noch verhindern, dass sie ihn auf den Schultern umhertrugen. James ertrug alles tapfer mit einem schiefen Grinsen im Gesicht, das künstlich und starr wurde, wenn der Schmerz wieder durch seine gebrochenen Rippen schoss, aber außer Sirius schien es niemand zu merken.
Im Krankenflügel schimpfte Madam Pomfrey sie aus, weil sie nicht gleich gekommen war, aber zu James' Erleichterung hatte sie seine Rippen im Handumdrehen geheilt.
Im Gemeinschaftsraum erwartete sie eine Party, obwohl Gryffindor doch verloren hatte. Aber alle waren so begeistert von James' Auftritt, dass es niemanden zu interessieren schien. Sogar Lily Evans stand mit einem Butterbier in der Menge und unterhielt sich mit Mary MacDonald. Kaum hatte James den Raum betreten, brach schon Jubel aus. Und natürlich ließ sich James nicht lange bitten. Begeistert beschrieb er noch einmal jeden einzelnen Spielzug und ließ sich durch den Gemeinschaftsraum tragen. Grinsend griff Sirius nach dem Feuerwhiskey.
John Bell war nirgends zu sehen und tauchte auch für den Rest des Abends nicht mehr auf.
Am nächsten Tag hatte Sirius die Kopfschmerzen seines Lebens.
„Das nennt man einen Kater", erklärte Remus in seinem Geschieht-dir-recht-Ton. „Ich hab dir gesagt, du sollst nicht so viel von dem Zeug trinken."
„Hast du das?"
Sirius' Erinnerungen waren seltsam verschwommen.
„Ich versteh gar nicht, wie du so viel von dem Feuerwhiskey trinken konntest", meinte Peter mit einer Mischung aus Unglauben und Bewunderung. „Das Zeug schmeckt widerlich!"
„Man fühlt sich gut", murmelte Sirius in sein Kopfkissen. „Und schrei nicht so laut, das tut weh."
„Genau. Haltet alle die Klappe!"
James ging es ähnlich schlecht wie Sirius.
„Tsts. Komm, Peter, wir sind hier offensichtlich nicht erwünscht. Lassen wir die beiden Herren in Ruhe ihren Rausch ausschlafen..."
„Endlich Ruhe", murmelte Sirius, nachdem die beiden gegangen waren. James antwortete mit einem undefinierbaren Grunzen.
Eine Zeitlang dämmerten sie so vor sich hin, dann sagte James: „Sirius?"
„Hm?"
„Habe ich Evans wirklich gefragt, ob sie am Valentinstag mit mir nach Hogsmeade geht?"
„Glaube schon."
„Was hat sie gesagt?"
Sirius dachte angestrengt nach.
„Ich glaube, sie hat dich einen aufgeblasenen Quälgeist genannt und gesagt, sie würde eher mit dem blutigen Baron als mit dir nach Hogsmeade gehen. Aber nachdem du ihr Feuerwhiskey ins Gesicht geschüttet hast, war das wohl zu erwarten."
„Ich habe was getan?" James sah Schreckens geweiteten Augen auf und vergrub gleich wieder den Kopf in sein Kissen. „Oh Gott. Oh GOTT! Jetzt geht sie niemals mit mir aus..."
„Sieh es positiv, James, am Ende hätte sie dich noch zu Madam Puddifoot's geschleppt."
„Mit Lily würde ich überall hingehen..."
Darauf folgte wieder Stille, die diesmal von Sirius gebrochen wurde: „James?"
„Hm?"
„Habe ich wirklich MacDonald geküsst?"
Ein Kichern kam es James' Bett.
„Geküsst? Ihr saht aus, als würdet ihr euch gegenseitig aufessen!"
Sirius stöhnte auf.
„Oh, scheiße..."
James lachte lauter.
„Gestern sah es so aus, als würde es euch Spaß machen."
Sirius warf James ein Kissen an den Kopf.
„Das ist nicht lustig, du Idiot! Was ist, wenn sie nächstes Wochenende mit mir nach Hogsmeade gehen will?"
„Dann gehst du eben mit ihr nach Hogsmeade. Was ist schon dabei?" Plötzlich leuchtete James' Gesicht auf. „Meinst du, sie könnte Evans überreden mitzukommen und ich könnte euch ganz zufällig über den Weg laufen?"
„In deinen Träumen vielleicht, Potter!"
„Warum nicht?", verteidigte James seine Idee. „Evans und MacDonald sind doch beste Freundinnen, die machen doch alles zusammen. Mädchen in dem Alter gehen sogar gemeinsam aufs Klo", fügte er weise hinzu.
Sirius hatte keine Lust, James darüber aufzuklären, dass Mary MacDonald vielleicht mit ihrer besten Freundin zusammen aufs Klo ging, aber bei ihren Verabredungen ganz sicher keine Aufpasserin in Form von Lily Evans dabei haben wollte.
„Wenn du meinst, Potter..."
Am Montagmorgen setzte sich beim Frühstück plötzlich John Bell zu ihnen. Sirius, der gerade den Tagespropheten las, hob erstaunt eine Augenbraue, ließ sich aber ansonsten nichts anmerken. James verschränkte die Arme vor der Brust, lehnte sich zurück und sah Bell herausfordernd an.
„Hm, also...äh...gutes Spiel, Potter. Großartig, wirklich." Bell hob den Arm, als wolle er James auf die Schulter klopfen, ließ es dann aber doch lieber bleiben, als er dessen steinernes Gesicht bemerkte. „Und...äh, Black, willkommen zurück im Team."
Er strahlte Sirius an, als erwarte er, dass ihn dieser im nächsten Moment vor Freude um den Hals fallen würde. Mit ausdrucksloser Miene fuhr Sirius fort, die Überschriften im Tagespropheten zu studieren, so als sei Bell gar nicht vorhanden. Mangold erhält Merlin-Orden 2. Klasse. Die Verehrung der Politikerin schien kein Ende zu nehmen. Niemanden schien es dabei zu stören, dass sie untergetaucht war.
„Hört mal", versuchte Bell ihre Aufmerksamkeit zu erringen, „ich weiß, dass ich einen Fehler gemacht habe, okay? Ich hätte Sloper ins Tor schicken und Podmore als Treiber aufstellen sollen. Ich gebe es offen zu. Aber jedem von uns kann doch mal ein Fehler unterlaufen, das ist doch nur menschlich!"
James rührte sich keinen Millimeter. Sirius vertiefte sich weiter in den Tagespropheten.
„Ist ja gut, in Ordnung, ihr habt ja Recht."
Bell fuhr sich mit der Hand über die Augen und durch die Haare. Diesmal war die Geste nicht gespielt, er war wirklich verzweifelt.
„Ich habe mich wie ein Idiot benommen. Black, statt dich einfach aus dem Team zu werfen, hätte ich erst mal mit McGonagall reden sollen. Und ich hätte nicht gleich den ganzen Unsinn glauben sollen, den sie über dich erzählt haben. Und Potter, du hattest Recht. Ich dachte, ich hätte einen tollen Plan, aber dann war er doch nicht so toll und ich hätte meine Strategie ändern müssen, aber ich hab's nicht getan. Du hattest Recht. Ich hab's versaut."
Keine Reaktion.
„Ja, also..." Bell wirkte völlig verloren. „Eigentlich wollte ich euch noch sagen, dass das Training am Mittwoch wieder losgeht. Hm, ja, das war's eigentlich schon." Als immer noch keine Reaktion kam, stand er auf. „Ich erwarte...ich hoffe, dass ihr beide kommt. Das Team braucht euch."
„Dienstag."
„Was?"
„Dienstag", wiederholte James. „Das nächste Training findet am Dienstag statt. Wir müssen in Topform sein, wenn wir die Slytherins schlagen wollen."
„Was weißt du über diese Mangold?"
Fletcher antwortete nicht gleich, sondern griff erst mal nach dem Feuerwhiskey. Als er jedoch Sirius' Blick bemerkte, zog er die Hand schnell wieder zurück.
„Alle fragen heutzutage nach dieser Mangold", brummte er. „Schreiberlinge, Auror'n und so junge Burschen wie ihr. Wollten ein Autogramm haben..."
„Auroren?", unterbrach James ihn. „Warum suchen die Auroren nach Mangold?"
Fletcher sah sich unauffällig um und senkte die Stimme.
„Alle suchen nach ihr, Mann. 's heißt, wer sie findet, bekommt einen Sack Galleonen..."
„Wer sagt das?", wollte Sirius aufgeregt wissen. „Von wem soll dieser Sack Galleonen kommen?"
Fletcher zuckte mit den Schultern.
„Ich weiß nich, Mann. Alle reden nur, niemand weiß richtich was. Aber für so'n Sack Galleonen, da riskiert man schon mal was."
„Aber es muss doch einen Namen oder irgendwas geben", beharrte Sirius. „Woher soll sonst der Sack Galleonen kommen?"
Wieder zuckte Fletcher mit den Schultern.
„Gerüchte verbreiten sich schnell in der Nokturngasse. Heute sagst du's dem alten Gyp, morgen pfeifen's alle Ratten aus den Löchern."
„Kein Auror würde für einen Sack Galleonen eine Frau jagen!", empörte sich James.
„Wenn du das sagst, Potter... Schätze, du musst es wissen..."
Besonders überzeugt klang er nicht.
„Wer sucht noch nach Mangold?", wollte Sirius wissen. „Todesser?"
„Weiß nich. Mich hat noch keiner mit 'ner Maske gefragt. Aber ich halt mich da eh raus, hab ich auch dem alten Gyp gesagt. Ich mach keine brenzligen Sachen mehr, ich bleib bei meinen Kesseln. Hab da 'ne ganz neue Geschäftsidee, bombensicher..."
„Ja, ja", unterbrach James ihn ungeduldig, „weißt du sonst noch was?"
„Wer ist der zweite Werwolf?", wollte Sirius wissen.
Fletcher überlegte.
„Gibt 'n paar Werwölfe, die in Frage kommen würden. Rick Blackclaw. Robbin Miller. Vielleicht auch Aaron Whiteington."
„Und du sagst uns einfach so ihre Namen?", fragte James mit einem empörten Unterton in der Stimme. „Und wenn sie gar nichts mit den Todessern zu tun haben?"
Fletcher blinzelte irritiert.
„Black hat danach gefragt."
„Die Namen hab ich noch nie gehört. Woher sollen wir wissen, dass du sie dir nicht einfach ausgedacht hast?"
Fletcher schnaubte und schenkte sich Feuerwhiskey ein.
„Glaub ich dir, dass du die Namen noch nie gehört hast. Die treiben sich in üblen Ecken rum, da ham Jungs wie ihr nix zu suchen."
Sirius grinste.
„Ich wette, du hast dich von ihnen übers Ohr hauen lassen."
Fletcher warf ihm einen ärgerlichen Blick zu, stürzte seinen Feuerwhiskey hinunter und antwortete nicht.
„Was weißt du über Thickey?"
„Thickey?", wiederholte Fletcher. „Janus Thickey? Der is doch abgehaun, bevor sie ihn nach Askaban schicken konnten."
„Ich weiß", gab James ungeduldig zurück. „Aber was ist danach mit ihm passiert? Wo ist er jetzt?"
Fletcher zuckte mit den Schultern.
„Keine Ahnung. Er is wie vom Erdboden verschluckt. Ein paar ham nach ihm gesucht. Waren nämlich gar nich glücklich, dass er rausgekommen is. Wegen ihm gab's 'ne Menge Schnüffelei und das ist bei gewissen Leuten nicht gern gesehen, wenn ihr versteht, was ich meine. Aber niemand hat ihn gefunden. Is einfach weg."
„Niemand kann einfach so verschwinden!"
Fletcher zuckte mit den Schultern.
„Es kann auch niemand einfach so aus 'ner geschlossenen Zelle abhaun. Vielleicht hat er sich diesmal endgültig nach Europa abgesetzt, wer weiß?
„Oder er ist immer noch hier..."
„Das war nicht Thickey unter dem Umhang in der Vollmondnacht", sagte Sirius, als sie sich im Geheimgang auf dem Rückweg nach Hogwarts befanden. James' Theorie, dass Voldemorts Todesser Thickey bei seiner Flucht geholfen hatten und ihn jetzt für ihre eigenen Zwecke einsetzten wie beispielsweise dem Leiter der Aurorenzentrale eine Falle zu stellen, klang plausibel, aber Sirius war sich sicher, dass er jemand anders erkannt hatte.
„Und wer war es dann?", wollte James wissen.
„Rodolphus Lestrange."
„Und das weißt du genau woher?"
Sirius presste die Lippen zusammen.
„Ich weiß es eben."
Kurze Zeit herrschte Stille, dann sagte James: „Manchmal ist es echt unheimlich, wie gut du diese ganzen Schwarzmagier kennst, weißt du? Aber das schließt nicht aus, dass Thickey Dad mit einem Fluch belegt hat."
Das stimmte allerdings. Und James' Theorie war die einzige, die erklärte, wie Thickey aus seiner Zelle hatte entkommen können.
„MacDonald und du, ihr seid nicht mehr zusammen, oder?", riss James Sirius aus seinen Gedanken.
„Was? Nein. Nein, ich glaube nicht..."
Sie hatten sich nie offiziell getrennt. Allerdings waren sie auch nie offiziell zusammengekommen...
„Was hat MacDonald mit Thickey zu tun?"
„Nichts."
Im fahlen Licht ihrer Zauberstäbe glaubte Sirius zu erkennen, dass James rot geworden war.
„Du gehst also nicht am Wochenende mit ihr nach Hogsmeade?"
„Glaube nicht."
Sie hatten sich zwar nach dem Quidditch-Spiel geküsst, aber zu Sirius' grenzenloser Erleichterung hatte Mary MacDonald ihn seitdem ignoriert.
„Und du schenkst ihr keine Blumen oder so? Oder schickst ihr eine Karte?"
Sirius fuhr herum.
„Bist du wahnsinnig? Warum sollte ich das tun?"
„Naja..." James mied hartnäckig Sirius' Blick. „Nächsten Freitag ist Valentinstag und am Samstag ist das letzte Hogsmeade-Wochenende."
Sirius hatte das sichere Gefühl, dass er irgendetwas nicht mitbekommen hatte. Möglicherweise hatte er letztes Jahr irgendwann im Februar eine Packung Schokofrösche mit einer Schleife darum gefunden. Es konnte vom Valentinstag sein, es konnte aber auch noch von Peters Weihnachtssüßigkeiten übrig geblieben sein.
„Und...?"
Er hatte sie gegessen und sich nicht weiter Gedanken darüber gemacht. Andere Dinge waren einfach gerade viel wichtiger gewesen, das Quidditch-Spiel gegen Ravenclaw zum Beispiel, ihre Fehde mit den Slytherins... Seltsam, dass Quidditch ihm letztes Jahr noch so wichtig gewesen war. Und dann natürlich die Jagd nach Hufflepuffs Trinkpokal... Sirius blieb stehen.
„James, was ist mit Hufflepuffs Trinkpokal?"
„Was?" James sah ihn an, als hätte er den Verstand verloren. „Was hat Lily mit Hufflepuffs Becher zu tun?"
„Evans?", fragte Sirius verblüfft. „Natürlich nichts. Wovon redest du?"
„Wovon redest du? Ich habe dich gerade gefragt, ob du eine Idee hast, wie ich Lily überreden kann, mit mir nach Hogsmeade zu gehen. Hast du mir überhaupt zugehört?"
Nein, hatte er nicht.
„Vergiss Evans mal für einen Moment. Was ist mit Hufflepuffs Trinkpokal? Voldemort wollte ihn letztes Jahr unbedingt haben und er hat ihn bekommen. Und jetzt? Warum haben wir nichts mehr davon gehört? Was plant er? Was haben die Werwolf-Angriffe damit zu tun?"
James zuckte hilflos mit den Schultern.
„Ich weiß es nicht, Sirius. Ich weiß nur, dass er ihn nicht als Waffe gegen uns eingesetzt hat – wie auch immer man einen Trinkbecher als Waffe einsetzen kann. Vielleicht hat er sich mit dem Trinkpokal vertan oder er wollte einfach etwas Nettes, um es sich auf den Kaminsims zu stellen. Ich habe einfach keinen Ahnung:"
Sirius sagte nichts darauf. Stumm trotteten sie weiter durch den düsteren Geheimgang.
„Ich frage mich, wie weit er mit seinen Plänen schon ist", meinte er irgendwann. „Mit dem Rekrutieren meine ich. Glaubst du wirklich, dass er Riesen und Vampire auf seine Seite ziehen kann?"
„Ich weiß, dass er Werwölfe auf seine Seite ziehen kann", gab James nach kurzem Nachdenken zurück. „Und Dumbledore glaubt es. Also wird es wohl möglich sein." Er machte ein grimmiges Gesicht. „Ich schätze, wenn es so weit ist, werden wir es früh genug aus dem Tagespropheten erfahren."
Sirius lachte spöttisch auf.
„Nur dass statt von Riesen vermutlich von mysteriösen Erdbeben die Rede ist. Warum hat keiner der Dorfbewohner gesagt, dass sie nicht disapparieren konnten? Oder haben sie es gesagt und der Tagesprophet hat einfach beschlossen, es ist zu ignorieren?"
„Ich weiß es nicht." James straffte sich. „Aber wir werden es herausfinden. Nur vorher..."
Er zögerte.
„Ja?"
„Wie hast du MacDonald dazu gebracht, dass sie mit dir nach Hogsmeade gegangen ist?"
In der letzten Stunde Verwandlung war Sirius nicht richtig bei der Sache. James schob es auf das Quidditch-Training und glücklicherweise schien Prof. McGonagall seine Meinung zu teilen, denn ausnahmsweise ließ sie Sirius in Ruhe statt ihm eine Strafarbeit zu geben.
Er hatte seine Narbe in den letzten Tagen kaum bemerkt, aber jetzt juckte sie so sehr wie vor ein paar Wochen, als der Schorf abgefallen und empfindliche neue rote Haut darunter zum Vorschein gekommen war. Inzwischen war das Rot etwas abgeblasst, aber trotzdem war die Narbe immer noch gut sichtbar. Man konnte sie unmöglich übersehen – vermutlich würde man das nie können. Danke, Mutter.
James war bester Laune. Es war das erste Quidditch-Training seit dem Spiel gegen Ravenclaw. Sie hatten ihr letztes Spiel zwar verloren, aber sie hatten immer noch bessere Chancen als letztes Jahr den Quidditch-Pokal zu gewinnen, wenn sie nur genug trainierten. Und endlich würden sie wieder in ihrer alten Besetzung spielen, mit Sirius als Treiber und Sloper als Hüter. In seiner guten Stimmung merkte er gar nicht, dass Sirius immer mürrischer wurde, je weiter der Tag fortschritt.
„Ich hoffe, du weißt noch, wie man einen Besen besteigt", meinte James scherzhaft und schlug Sirius auf die Schulter. „Wenn wir die Slytherins schlagen wollen, haben wir eine Menge vor."
„Hmmm..."
War es möglich etwas anzustellen, sodass er wieder aus dem Quidditch-Team ausgeschlossen wurde, aber nicht von der Schule flog? Eher unwahrscheinlich. Vielleicht konnte er sagen, dass es ihm wieder schlecht ging, das würde vielleicht sogar als Ausrede für die restliche Woche reichen. Klar und eine Woche später erzähle ich ihnen dann, dass ich meine kranke Großmutter besuchen muss...
Dann waren sie da und James schob Sirius in die Umkleidekabine. Sie waren früh, außer ihnen war noch niemand da. Wenigstens etwas. James warf seinen Umhang zur Seite und zog sich Pullover und T-Shirt über den Kopf, während er irgendetwas über die Faultierrolle sagte. Sirius drehte sich zur Seite und begann, sein Hemd aufzuknöpfen. Vielleicht, wenn er Glück hatte...
„Merlin, Sirius! Was hast du denn da gemacht?"
James starrte ihn entsetzt an. Schnell schlüpfte Sirius in seinen Quidditch-Umhang.
„Nichts."
„Nach nichts sah das aber nicht gerade aus!" James packte Sirius am Arm. „Wer war das? Was ist da passiert?"
„Lass mich los, Potter!"
„Erst, wenn du mir sagst, was da passiert ist!"
Sie starrten sich wütend an. Dann ging plötzlich die Tür auf und Gudgeon und Sloper kamen herein. James ließ Sirius' Arm los, als habe er sich verbrannt.
„Na, Black, wieder im Team?", begrüßte Sloper Sirius. „Ehrlich gesagt bin ich ja ganz froh, dass du dich jetzt wieder von Klatschern abschießen lassen darfst."
Sirius täuschte ein Grinsen vor.
„Dann lässt du dich also lieber von Quaffeln abschießen?"
James schnaubte, ging hinaus aufs Feld und schlug die Tür etwas heftiger als nötig zu.
„Huch, was ist denn mit Potter los?", wollte Gudgeon wissen. „Hat er irgendwie schlechte Laune?"
Sirius machte eine abwehrende Handbewegung.
„Er will nur endlich mit dem Training anfangen."
„Na, da bin ich dabei." Gudgeon packte seinen Schläger. „Seid ihr so weit?"
„Immer!"
Während des Trainings hatte James keine Gelegenheit, mit Sirius zu sprechen, aber kaum hatten sie Gudgeon, Sloper, Bell und die Finleys abgeschüttelt, zog James Sirius in die nächste geheime Passage, die sie kannten.
„Ich will jetzt auf der Stelle wissen, woher diese Narbe kommt!", fuhr er ihn an, kaum dass sie alleine waren.
„Ich habe es dir schon gesagt: von nichts!"
„Von nichts kriegt man keine Fluchnarbe quer über die Brust!"
„Woher willst du das wissen, Potter? Du hast schließlich keine!"
Wie vorhin in der Umkleidekabine starrten sie sich wütend an. Dann entspannte sich James' Haltung plötzlich.
„Nein habe ich nicht", sagte er überraschend ruhig. „Und du solltest auch keine haben. Und vor den Weihnachtsferien hattest du auch noch keine. Sirius", er packte Sirius an den Armen und sah ihm eindringlich ins Gesicht, „was ist passiert? Wer war das?"
Sirius riss sich mit einem Ruck los.
„Ich habe keine Ahnung, worauf du hinaus willst, Potter", erklärte er eisig. Er versuchte, sich an James nach draußen vorzuschieben, aber der Gryffindor vertrat ihm den Weg.
„Diesmal lasse ich mich nicht von deinen Ausflüchten abspeisen, Black! Woher kommt diese Narbe?"
„Ich habe es dir schon gesagt, Potter, von..." Und dann hatte er plötzlich eine Idee. „Na schön, du wolltest es ja unbedingt wissen. Der Werwolf war's, okay? Dein bescheuerter Plan hat mir die Narbe eingebracht! Ich wollt's dir nicht sagen, aber du weißt ja nie, wann du besser die Klappe halten solltest!"
Sirius hatte beinahe ein schlechtes Gewissen, als er sah, wie sich James' Augen vor Schreck weiteten und er blass wurde. Aber nur beinahe. James dürfte nie erfahren, wie er die Narbe erhalten hatte und von wem. Um keinen Preis.
Aber es funktionierte ohnehin nicht.
„Netter Versuch, Black. Nur weiß ich zufällig, wie Kratzspuren von Werwölfen aussehen. Mein Vater ist von einem angefallen worden, schon vergessen? Also sag mir verdammt noch mal endlich die Wahrheit!"
Sirius starrte James für einen Augenblick an. Er konnte ihm nicht die Wahrheit sagen, aber etwas anderes würde er nicht akzeptieren. Es gab keinen Ausweg mehr außer einem: Sirius drehte sich um und ging.
„Sirius!", hörte er James hinter sich rufen. „Sirius, bleib stehen!"
Eilige Schritte und dann war sein bester Freund plötzlich hinter ihm und fasste ihn an der Schulter. Sirius wirbelte herum. Dass er seinen Zauberstab gezogen hatte, merkte er erst, als er ihn James unter die Nase hielt.
„Ich werde jetzt gehen,", fauchte er, „und du, Potter, wirst nicht versuchen, mich aufzuhalten!"
James sah fassungslos zwischen dem Zauberstab und Sirius hin und her. Aber bevor er den Mund aufmachen und protestieren konnte, hatte dieser sich schon umgedreht und war um die Kurve verschwunden. Niemand folgte ihm.
Ärger und Wut auf James, auf sich selbst, auf seine Mutter. Eine unbestimmte Traurigkeit, die sich später in Gleichgültigkeit verwandelte, diese Leere, die ihn selbst und alles, was ihm wichtig war, in Frage stellte und ihm den Boden unter den Füßen wegzog. Sirius wusste nicht, was er fühlte, was er fühlen sollte, ob er überhaupt etwas fühlte. Es zählte ja alles doch nicht mehr. Wie hatte er sich je der Illusion hingeben können, irgendetwas davon könne von Dauer sein? Er war der Erbe der Blacks, der mächtigsten, schwarzmagischsten Familie Großbritanniens. Ein Black hatte Untergebene, Verbündete, Handlanger, vielleicht sogar Vertraute, aber er hatte keine Freunde. Es gab keinen Mittelweg. Seine eigene Mutter hatte bewiesen, dass sie ihren eigenen Sohn eher entstellen würde als seine Ansichten zu tolerieren. Und James...
Warum hatte James nicht einfach still sein können? Warum hatte er nicht einfach über die Narbe hinweg sehen können? Warum musste er ständig Fragen stellen, die Sirius nicht beantworten konnte? Warum verstand er nicht, dass es Dinge gab, für die keine Lösung existierte? Hätte er geschwiegen, hätten sie einfach tun können, als sei nichts passiert, aber so...
Es war das dritte Mal in diesem Schuljahr, dass James und er nicht mehr miteinander sprachen, etwas, das vorher nie vorgekommen war. Und Sirius konnte noch nicht einmal genau sagen, wessen Schuld es letztendlich war; Walburga Blacks, weil sie den Fluch gesprochen hatte, James', weil er seinen Mund nicht hatte halten können, oder seine eigene, weil er einfach nicht in der Lage war, seinen verdammten Stolz zu überwinden und James die Wahrheit zu sagen.
Aber das alles spielte ja jetzt ohnehin keine Rolle mehr. James sprach nicht mehr mit ihm und nachdem er ihn mit dem Zauberstab bedroht hatte, hatte er keinen Grund anzunehmen, dass James seine Meinung noch einmal ändern würde. Aber das alles hatte keinen Einfluss auf Sirius' rastlose Wut. Wenn er seine Eltern an Weihnachten nicht so provoziert hätte, wenn Regulus früher gekommen wäre, wenn James nichts gesagt hätte, wenn er einfach nur nicht der Erbe der Blacks wäre... Wenn, wäre, hätte. Es war müßig, darüber nachzudenken. Er war der Erbe der Blacks und ein Black hatte keine Freunde.
„Ehekrach?"
Genervt stieß Sirius Snape mit der Schulter zur Seite, sodass der Slytherin in ein Regal mit getrockneten Zaubertrankzutaten stolperte. Er hatte schon genug Ärger. Er war gestern nicht bei Verwandlung aufgetaucht und Prof. McGonagall war nicht gerade erfreut darüber gewesen.
„Hat Potter dein kleines Geheimnis entdeckt? Muss echt hart sein, wenn die eigene Mutter versucht, einen umzubringen. Hat es sehr weh getan, Black? Hat..."
Sirius wirbelte herum und zog seinen Zauberstab. Doch bevor er seiner Wut Ausdruck verleihen konnte, sagte eine kalte Stimme: „Ratzeputz!"
Snape würgte und rosa Seifenblasen quollen aus seinem Mund. James packte den Slytherin an seinem Umhang und stieß ihn kopfüber in den nächsten Kessel.
„Du solltest besser nachdenken, bevor du deinen dreckigen Mund aufmachst, Schniefelus. Das heißt – am besten sagst du einfach gar nichts."
Und James tunkte ihn noch einmal in den nächsten Kessel. Einen Augenblick trafen sich James' und Sirius' Blicke, dann kreischte eine Stimme: „Potter! Lass ihn sofort in Ruhe!"
„Ah, Evans..."
James lächelte breit und fuhr sich mit der Hand durch das ohnehin schon strubbelige Haar. Aber Sirius bekam nicht mehr mit, ob Lily James verhexte oder Slughorn sich einmischte. Er war schon aus der Tür hinaus und auf dem Weg in den dritten Stock, wo Regulus gerade Zauberkunst hatte. Niemand außer seinem kleinen Bruder wusste, was in den Ferien passiert war. Niemand sonst konnte Snape verraten haben, was Walburga Black getan hatte. Sirius war so wütend, dass er das Gefühl hatte, er könne jeden Augenblick vor Zorn explodieren. Wie hatte Regulus ihn nur verraten können? Und warum ausgerechnet an Schniefelus?
Die Glocke läutete und Schüler strömten aus den Klassenzimmern auf die Gänge. Rücksichtslos bahnte sich Sirius seinen Weg durch die Menge. Und dann stand er plötzlich direkt vor Regulus.
„Du kleine Ratte!" Er packte seinen Bruder am Umhang und stieß ihn gegen die Wand. „Hast du etwa gedacht, das wäre lustig? War das alles ein Scherz für dich oder was?"
„Wovon redest du, Sirius?", krächzte Regulus, der langsam rot anlief. Er versuchte, sich aus Sirius' Griff zu befreien, der ihm die Kehle zudrückte, aber der Erbe der Blacks war so wütend, dass er es überhaupt nicht bemerkte.
„Schniefelus!", zischte Sirius und stieß seinen Bruder noch einmal gegen die Wand. „Fandest du es etwas witzig, ihm zu erzählen, dass Mutter mich...was Mutter getan hat?"
„Sirius, ich habe nie..."
„Ich hoffe, du hast Vaters Peitschfluch nicht vergessen. Den Spaß willst du deinen miesen kleinen Slytherin-Freunden doch sicher nicht vorenthalten!"
„Sirius..."
Regulus röchelte mehr als er sprach.
„He, ihr beide da! Kämpfe sind verboten!"
„Halt dich da raus! Das ist eine Familienangelegenheit!"
„Das ändert nichts daran, dass Kämpfe in den Gängen verboten sind. Zehn Punkte Abzug für Gryffindor und..."
Sirius wirbelte herum und hielt dem Ravenclaw-Vertrauensschüler den Zauberstab unter die Nase, ohne dabei jedoch seine Hand von Regulus' Kehle zu lösen.
„Ich sagte, halt dich da raus!"
„Wenn du mir drohst, dann sind das noch einmal zehn Punkte Abzug für..."
„SILENCIO!", donnerte Sirius.
Erschrocken griff sich der Ravenclaw an die Kehle. Er brachte keinen Ton mehr heraus. Zufrieden wandte sich Sirius wieder Regulus zu.
„Wenn du geglaubt hast, dass du einfach so davon kommst, du kleiner Bastard, dann hast du auf den falschen Besen gesetzt. Soll ich dir mal zeigen, wie sich so ein Fluch anfühlt? Findest du das dann immer noch lustig?"
„Sirius!" In Regulus' halb erstickter Stimme schwang inzwischen leichte Panik mit. „Hör mir doch mal zu! Ich habe nie..."
„Lügner! Wer sonst..."
„Finite incantatem", wurde Sirius von einer ruhigen Stimme unterbrochen.
„Er hat mich verhext! Black hat einen Vertrauensschüler verhext! Das gibt zehn Punkte Abzug für..."
„Halt die Klappe, Aubrey!", unterbrach ihn Remus ungewohnt ruppig. „Sorg lieber dafür, dass die Leute in die Klassenräume gehen, ich kümmere mich um Sirius."
„Aber..."
„Nun mach schon!"
„Ja, mach schon, Aubrey", knurrte Sirius, „sonst bist du der nächste, wenn ich mit meinem Bruder fertig bin."
Der Vertrauensschüler schluckte und machte, dass er davonkam. Sirius sah ihm triumphierend hinterher, dann verfinsterte sich sein Gesichtsausdruck wieder.
„Und jetzt zu dir..."
„Sirius, lass ihn in Ruhe. Du erwürgst ihn."
Tatsächlich war Regulus inzwischen violett angelaufen.
„Der Feigling stellt sich nur an!"
Aber Sirius lockerte seinen Griff. Röchelnd schnappte Regulus nach Luft.
„Alles in Ordnung?", wollte Remus besorgt wissen.
„Halt dich von mir fern, Halbblut!"
„Du kleiner..."
Es hätte nicht viel gefehlt und Sirius hätte sich wieder auf Regulus gestürzt, aber in dem Moment tauchte plötzlich Peter auf.
„McGonagall!", keuchte er. „Dieser Vertrauensschüler hat sie geholt! Sie ist gleich da!"
„Verdammt!" Sirius konnte nicht glauben, dass er so viel Pech hatte. „Glaub ja nicht, dass du so einfach davonkommst, Schlange!", zischte er seinem Bruder zu. „Konjunktivitis!"
Regulus schrie auf und schlug die Hände vors Gesicht, während Sirius, Remus und Peter in der Menge untertauchten. Als McGongall kam, waren sie schon lange verschwunden.
Kaum waren sie in Sicherheit, blieb Sirius stehen.
„Warum habt ihr euch eingemischt? Ich brauche eure Hilfe nicht!"
„Ich dachte, es wäre vielleicht keine gute Idee, wenn du deinen Bruder umbringst", gab Remus trocken zurück. Sirius schnaubte.
„Ich hätte ihn schon nicht umgebracht. Ich wollte ihm nur eine Lektion erteilen!" Er sah sich um. „Wo ist eigentlich Ja...Potter?"
„Strafarbeit", erklärte Remus. „Slughorn hat ihn gleich da behalten."
„Aha."
Sirius wusste nicht, was er dazu sagen sollte. Er hätte sich da raushalten sollen. Mit Schniefelus werde ich alleine fertig.
„Ich habe zwar so eine Vermutung, worüber ihr euch gestritten haben könntet, Sirius", fuhr Remus fort, „aber eigentlich interessiert es mich gar nicht besonders. Du solltest nämlich wissen, dass wir deine Freunde sind, egal, was passiert."
Irgendwann wird sich der hehre Potter daran erinnern, dass du ein Black bist.
„James ist nicht der Gleiche, wenn du nicht da bist", warf Peter ein. „Er hat ständig schlechte Laune. Es macht überhaupt keinen Spaß mehr mit ihm."
„Was Peter sagen will, ist, dass wir dich vermissen, Sirius", sagte Remus.
„Tatsächlich." Sirius hob eine Augenbraue. „Komisch, warum meidest du uns dann ständig?"
Remus' Gesicht verschloss sich.
„Meide ich euch jetzt gerade?", wollte er wissen. „Außerdem ist das was völlig anderes. Sprich mit James, Sirius. Peter, wir gehen."
Peter konnte gar nicht schnell genug wegkommen. Sirius sah ihnen nach, aber er machte keinen Versuch, sie aufzuhalten. Als Remus und Peter gegangen waren, ließ er sich an der Mauer herab auf den Boden gleiten und holte den Zweiwegespiegel hervor.
„James Potter."
Am Freitag gab es einen wahren Eulensturm.
„Was ist denn hier los?", wollte Sirius verwundert wissen. Er musste lauter als gewöhnlich sprechen, um über dem Flattern und Zwitschern gehört zu werden. James warf ihm einen erstaunten Blick zu.
„Das weißt du nicht?"
Noch verblüffter war Sirius allerdings, als ein ansehnlicher Teil der Eulen Kurs auf den Gryffindor-Tisch nahm und auf ihn, James, Remus und Peter zuflogen.
„Endlich!", rief James. „Darauf habe ich die ganze Zeit gewartet!"
„Hast du was aus der Winkelgasse bestellt?", wollte Sirius wissen. Remus lachte.
„Du weißt wirklich nicht, welcher Tag heute ist, oder, Sirius?"
„Sogar ich weiß das", warf Peter ein. Sirius verdrehte die Augen.
„Ehrlich, Pettigrew, du weißt was? Vielleicht solltest du damit zu Proudfoot gehen, damit er weiß, dass kein völlig hoffnungsloser Fall bist."
Peter wurde rot und sah auf seinen Teller herab.
„Sirius!", mahnte Remus missbilligend. In dem Augenblick ließen die Eulen ihre Lieferungen vor ihnen auf den Tisch fallen und erhoben sich wieder in die Lüfte.
„Was ist denn das?", fragte Sirius mit kaum verhohlenem Ekel in der Stimme und hob mit spitzen Fingern einen rosa Briefumschlag hoch. James riss ihm den Brief aus der Hand.
„Gib das her!"
Er musterte den Brief kurz und warf ihn dann wieder Sirius zu.
„Kannst du wieder haben."
„Und was soll ich damit?"
„Dein Name steht drauf", erklärte Remus grinsend.
„Mein Name...?"
„Hier auch", verkündete Peter und zog eine herzförmige Karte aus dem rosaroten Haufen.
„Bekomme ich die Schokofrösche?", wollte Remus wissen. „Oder die Nougatpralinen?"
Er hielt zwei Schachteln hoch, an denen jeweils eine Karte hing. Eine von ihnen fing an, ein Liebeslied von Celestina Warbeck zu singen.
„Urgh", murmelte Remus, „ich glaube, ich bleibe bei den Schokofröschen..."
„Was zur Hölle..."
„Es ist Valentinstag, Sirius!", platzte Peter heraus. Valentinstag. Das hatte er völlig vergessen.
„Und du scheinst eine Menge Verehrerinnen zu haben", fügte Remus grinsend hinzu. „Oh, aber diese Karte ist an James adressiert."
„Was? Von wem? Gib her!"
James stürzte sich förmlich auf die Karte auf der Suche nach dem Namen der Absenderin.
„Wer ist Greta Catchglove?", fragte er nach einiger Zeit enttäuscht.
„Eine Hufflepuff-Drittklässlerin", antwortete Remus. „Du hast ihr letztes Jahr ein paar Haare ausgezupft."
„Oh, wie romantisch, Jamie!" Sirius' Stimme klang eine Oktave höher als normal. „Eine Haarsträhne von deiner Geliebten!"
Weiter kam er nicht, denn James hatte sich auf ihn gestürzt.
„Ich werd's dir zeigen, Black!"
„Dazu musst du mich erst mal kriegen, Potter!"
„Nichts leichter als das!"
Sirius wich aus, indem er auf den Tisch sprang.
„Daneben, Potter!"
James folgte und schon duellierten sich die beiden unter den Anfeuerungsschreien ihrer Mitschüler auf dem Gryffindor-Tisch.
„POTTER! BLACK!"
Mit ein paar Schritten brachte sich James vor Prof. McGonagall in Sicherheit. Dann kniete er auf dem Tisch vor Lily nieder und hielt ihr einen Blumenstrauß hin.
„Miss Evans, würden Sie mir die Ehre erweisen, mich nach Hogsmeade zu begleiten?"
Lily sah aus, als wäre sie am liebsten im Boden versunken.
„Eher würde ich mit einem Flubberwurm gehen!"
Damit stand sie auf und marschierte aus der Großen Halle. James' Gesicht fiel sichtbar in sich zusammen.
„Evans!", brüllte er ihr hinterher. „He, Evans!"
Aber sie kam nicht zurück. Sirius lachte so sehr, dass er Bauchschmerzen bekam.
„Potter, Black, Strafarbeiten!" Natürlich ließ sie McGonagall nicht einfach so davonkommen. „Und räumen Sie diesen Saustall auf!"
Glücklicherweise hatte Prof. McGonagall ihnen nicht das Hogsmeade-Wochenende gestrichen. Und so befanden sich Sirius, James, Remus und Peter am nächsten Tag ausnahmsweise mal ganz offiziell und erlaubterweise auf dem Weg ins Dorf.
„Schaut euch um, Leute!", rief James. „Seht euch das an!"
Sirius sah sich um, aber er konnte absolut nichts entdecken, was James gemeint haben könnte.
„Und?", fragte er schließlich.
„Schnee!", gab James erregt zurück, als sei es die Antwort auf all ihre Fragen. „Überall Schnee!"
„Und...?", wollte Sirius vorsichtig wissen. James warf die Arme in die Luft.
„Das ist romantisch, Sirius! Wenn Evans jetzt hier wäre..."
„...würde sie sich vermutlich mit Remus über ihre Zauberkunsthausaufgaben unterhalten. Gib's auf, James, sie ist nicht an dir interessiert."
„Ich habe auch sechs Valentinskarten bekommen", gab James beleidigt zurück. Sirius verdrehte die Augen.
„Ich habe acht bekommen."
„Das ist nicht der Punkt! Der Punkt ist, dass die Mädchen mich mögen! Und Evans ist ein Mädchen."
„Scharfsinnige Schlussfolgerung, James. Aber du vergisst, dass sogar Peter eine Karte bekommen hat. Vermutlich gibt es niemanden in Hogwarts, der keine bekommen hat."
„Ich habe Gryffindor im letzten Quidditch-Spiel gerettet."
„Evans interessiert sich nicht für Quidditch."
James starrte Sirius einen Augenblick fassungslos an.
„Aber es ist Quidditch!", stieß er schließlich hervor. „Jeder interessiert sich für Quidditch!"
Sirius zuckte mit den Schultern, grinste und lief weiter. Aus den Augenwinkeln sah er, dass Remus Mühe hatte, sich das Lachen zu verkneifen.
In Hogsmeade angekommen statteten sie Zonkos einen kurzen Besuch ab und gingen dann direkt in die Drei Besen, um sich bei einem Butterbier aufzuwärmen.
„Ich verstehe immer noch nicht, warum Evans nicht mit mir ausgehen will", murrte James. „Wisst ihr, was ich gehört habe? Dass sie immer noch mit Schniefelus rumhängt. Was findet sie an diesem schleimigen Slytherin nur? Ich bin der beste Quidditch-Spieler der Schule, ich habe bessere Noten als er und gewaschene Haare. Und ich bin in Gryffindor und kein zukünftiger Todesser. Warum also geht sie mit mit ihm aus und mit mir nicht?"
Remus verdrehte die Augen.
„James, wenn du dich selbst mal reden hören würdest, wüsstest du die Antwort auf deine Frage. Außerdem hast du nur gehört, dass sie mit Sn...Schniefelus ausgeht. Du weißt es nicht."
„Und wo ist sie, wenn sie nicht mit ihm ausgeht?", wollte James wissen. „Meinst du, sie ist mit MacDonald zu Madam Puddifoot's gegangen?"
„Vielleicht ist sie noch im Honigtopf."
„Ha, ha, klar..."
Schmollend stützte James sich mit den Ellenbogen auf die Theke und hätte dabei beinahe sein Butterbier hinuntergestoßen.
„Vorsicht, Vorsicht!", rief Madam Rosmerta und brachte das Getränk schnell außerhalb seiner Reichweite. „Was ist denn mit dem los?", wandte sie sich mit gesenkter Stimme an Sirius. „Er hat doch sonst nicht so schlechte Laune."
„Liebeskummer", flüsterte Sirius zurück.
„Na, darüber scheinst du dich ja nicht beklagen zu können."
„Er bildet sich was darauf ein, dass er acht Valentinskarten bekommen hat", erklärte James hämisch.
„Acht!", rief die junge Wirtin aus. „Ich habe damals den Rekord mit sieben gehalten!"
„Sie waren auch in Hogwarts?", erkundigte sich Remus höflich.
„Natürlich. Acht Karten, meine Güte. Und dann bist du allein in Hogsmeade? Wollte dich etwa keine deiner Verehrerinnen begleiten? Oder warst du zu schüchtern zu fragen?"
„Ja, Sirius", meinte James hämisch, „wo hast du MacDonald gelassen?"
„Wer ist MacDonald?", wollte Madam Rosmerta wissen. „Deine Freundin?"
„Sie war seine Freundin", erklärte James. „Bis sie keine Lust mehr auf den Idioten hatte, nicht wahr, Black?"
„Potter verdreht die Fakten", stellte Sirius säuerlich fest. „Er ist nur beleidigt, weil Evans nicht mit ihm nach Hogsmeade gehen wollte."
Madam Rosmerta lachte.
„Ich verstehe." Sie stellte ihnen noch zwei Butterbier hin. „Bitte sehr. Gegen den Liebeskummer."
„Liebeskummer", brummte James, als sie aus den Drei Besen kamen, „ich habe doch keinen Liebeskummer."
„Warum sprichst du dann den ganzen Tag von nichts anderem?", wollte Sirius wissen. „Ich würde sagen, das klingt nach Liebeskummer."
Als Antwort warf James Sirius einen Schneeball an den Kopf. Das konnte dieser natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Mit einem Schlenker seines Zauberstabes formte er eine doppelt so große Kugel und ließ sie auf James zu rasen. Doch der duckte sich und stattdessen traf der Schneeball Marcia Finley, die gerade in die Drei Besen hatte gehen wollen. Und wo ein Finley-Zwilling war, war der andere natürlich nicht weit.
„Wer war das?", brüllte Jackson Finley. „Ich mach dich fertig, Black!"
Sirius lachte nur.
„Das will ich sehen, Finley!"
Keine zwei Minuten später war die tollste Schneeballschlacht im Gange, an der sich sämtliche Hogwarts-Schüler, die gerade in Hogsmeade waren, zu beteiligen schienen (die Teilnahme der Slytherins war eher unfreiwillig). Als sie Stunden später wieder in Hogwarts waren, war es bereits dunkel und alle waren bis auf die Knochen durchnässt. Während Remus und Peter gleich in den Schlafsaal gingen, machten Sirius und James noch einen Abstecher in die Küche, um für sie alle heiße Schokolade zu besorgen.
„Finleys Gesicht, als die Dachlawine ihn getroffen hat!", lachte Sirius, als sie die Treppe hinaufstiegen.
„Er hat bis zum Hals im Schnee gesteckt und sein Kopf war knallrot!", erinnerte sich James grinsend.
„...keine schlechte Laune, Peter."
Sirius legte den Finger auf die Lippen und bedeutete James, zu schweigen. Was war jetzt schon wieder mit Remus? Leise schlichen sie näher, bis sie durch den Türspalt in den Schlafsaal blicken konnten. Remus und Peter saßen auf ihren Betten und unterhielten sich offensichtlich, während sie auf Sirius und James warteten.
„Hast du doch. Du guckst schon wieder so ernst."
Remus seufzte.
„Ich habe wirklich keine schlechte Laune, Peter. Es war ein schöner Tag heute, das ist alles. Sogar Sirius hat mal wieder gelacht."
„Ich verstehe Sirius nicht", gab Peter zu. „Erst hat er ständig schlechte Laune und meckert jeden an und dann ist er plötzlich wieder völlig normal, als wäre überhaupt nichts passiert."
„Er hat es gerade nicht leicht", gab Remus zurück. „Was auch immer da an Weihnachten passiert ist, es macht ihm zu schaffen."
Verärgert wollte Sirius die Tür aufstoßen, aber James hielt ihn zurück.
„Ich verstehe nicht, warum er die ganze Zeit so wütend ist", sagte Peter mit einem Anflug von Trotz. „Er ist reich, alle mögen ihn. Er ist im Quiditch-Team und hat nur gute Noten, obwohl er nie lernt. Seine Familie muss sich keine Sorgen um Du-weißt-schon-wen machen. Meinst du, die Narbe..."
„Über die Narbe wird nicht gesprochen", unterbrach Remus Peter barscher als gewöhnlich. „Das haben wir mit James so abgemacht. Und Reichtum ist kein Garant für Glück, das solltest du wissen, Peter."
„Wenn ich reich und gutaussehend und klug wäre, dann wäre ich glücklich, auch wenn mich meine Eltern nicht mögen würden", murmelte Peter, aber Remus hörte ihn nicht.
„Deshalb war ich erleichtert, dass Sirius endlich mal wieder er selbst war", fuhr er fort. „Es passt nicht zu ihm, ständig vor sich hin zu brüten."
„Und warum hast du dann schlechte Laune?"
Remus seufzte.
„Ich habe dir doch vorhin schon gesagt, dass..."
„Ja, ja, ich weiß", unterbrach Peter. „Aber richtig fröhlich bist du auch nicht. Und versuch nicht, mir etwas anderes zu erzählen", fuhr er fort, als Remus protestieren wollte, „ich bin nicht so blöd, wie ihr immer alle denkt. Ich weiß, dass du über irgendwas Sorgen machst."
„Also schön." Remus' Stimme klang alt und müde. „In elf Tagen ist wieder Vollmond. Menschen werden sterben. Und niemand tut etwas dagegen."
