„Meinst du nicht, du vertiefst dich zu sehr in deine Rolle, Lieutenant?"

Unterbrach sie den Kuss und lächelte ihn sanft an.

„Du weisst doch, Harry, ich brauch in allem ein bisschen Übung. Ich versuche mich nur in meine Rolle einzufinden."Sanft strich er ihr durch das glänzende Haar.

In diesem Moment betrat Superintendent Spikings die Bibliothek.

„Das unglaubliche Duo. Wie schafft ihr es nur immer wieder, das Leichen euren Weg pflastern?

Steht nicht da, wie Salzsäulen. Ich möchte einen Bericht hören und zwar sofort."

Spikings schloss die Tür hinter sich und setzte sich in einen Sessel.

Harry ergriff sofort das Wort.

„Nichts für ungut, Sir, aber ihr Auftreten ist völlig unpassend. Durch einen furchtbaren Zwischenfall wurde unsere Hausdame Clarice getötet und sie haben in meinem Haus nicht das Recht so mit mir zu reden. Es war ein sehr trauriger und tragischer Zwischenfall, den keiner von uns hätte verhindern können. Augenscheinlich galt dieser Anschlag meinem Vater und sie haben die Frechheit hier herein zu stürmen und uns Vorwürfe zu machen!"

Harrys Stimme überschlug sich als sie ihren Chef völlig fassungslos anschrie.

Spikings erschrak durch die offenen und lauten Worte seines Sergeants.

Er versuchte sie zu ignorieren, da er wusste, dass ihr der Fall sehr nahe ging. In diesem Moment wurde ihm klar, dass es ein Fehler war ihr diesen Fall zu übertragen. Nach den letzten Wochen, wäre es besser gewesen, wenn er sie an den Schreibtisch gesetzt hätte.

„Dempsey, ich höre."

„Wir waren im Salon. Clarice deckte den Tisch, als wir einen Gewehrschuss hörten. Clarice brach direkt zusammen. Ich habe versucht den Schützen zu verfolgen, ihn aber auf dem großen Grundstück verloren. Ich kann nur sagen, dass der Schütze männlich war." Erklärte Dempsey emotionslos.

„Ich möchte kurz mit dem Sergeant alleine sprechen, Dempsey."

„Wenn du lieber möchtest, dass ich hier bleibe dann...."

Sie schüttelte den Kopf.

Dempsey verließ die Bibliothek.

„Haben sie mir was zu sagen, Sergeant?" fragte Spikings mit einem besorgten Unterton.

„Es ist alles in Ordnung, Sir. Ich habe mich im Ton vergriffen, es tut mir leid."

„Was läuft da zwischen dir und Dempsey? Und lüg mich nicht an, ich habe Augen im Kopf."

„Nichts, Sir. Wir sind Partner, mehr nicht. Die letzten Wochen waren nicht einfach."

Spikings erhob sich aus dem Sessel und ging auf Harry zu. Er schaute ihr tief in die Augen. Sie versuchte nicht nervös zu werden und schaute zu Boden.

„Sollte da doch etwas sein, will ich es gar nicht wissen. Und ich meine es, wie ich es sage. Ich will nichts sehen, was nicht mit der Arbeit zu tun hat. Sollte etwas zwischen euch stehen, was die Arbeit behindert, dann werde ich euch trennen, habe ich mich klar und deutlich ausgedrückt, Sergeant? Makepeace, ihr seid mein bestes Team und ich möchte auch, dass das so bleibt, haben wir uns verstanden?"

Spikings machte seinen Standpunkt mehr als deutlich.

„Ja, Sir," sagte sie leise und verließ die Bibliothek.

Dempsey wartete vor der Tür auf sie. Besorgt sah er sie an.

„Ich habe kein Donnerwetter gehört. Der Alte ist wohl noch nicht so gut in Fahrt, mh?"

„Lass deine Sprüche, Dempsey. Die Sache ist ernst. Wenn wir ihm nur den kleinsten Anlass geben, wird er uns trennen. Er weiss es Dempsey. Spikings möchte nichts sehen, was unsere Arbeit gefährdet. Das hat er mir mehr als deutlich gesagt."

Dempsey schüttelte den Kopf und versuchte sich an ihr vorbei zu drücken.

„Dem werd ich...."

Sie legte ihm die Hände auf die Brust und hielt ihn zurück.

„Bitte nicht Dempsey, wir sollten ihn nicht noch wütender machen. Wenn du jetzt überreagierst, wird er uns trennen und das könnte ich nicht ertragen. Lass uns an die Arbeit gehen. Wo ist Freddy?"

„Er ist mit Fry und Chas im Garten und zeigt ihnen das Grundstück. Sie werden heute Nacht abwechselnd draussen Wache halten. Wir halten hier drinnen die Augen auf,"sagte er sanft und fasste sie bei den Händen.

Sie zog ihre Hände zurück und schüttelte den Kopf.

„Das ist keine gute Idee. Lass uns in den Garten gehen, dann kann Freddy sich mit Spikings unterhalten und wir sind erst Mal aus der Schussbahn."

Dempsey öffnete die Tür zur Bibliothek und winkte seinen Chef zu sich.

„Würdest du nicht nach mir winken, Dempsey? Du bist nicht die Queen."

„Sir, wir gehen in den Garten. Chas und Fry werden heute Nacht dort eingesetzt," teilte Dempsey mürrisch mit.

Harry öffnete die Salontür. In diesem Moment trug der Leicherbeschauer den toten Körper von Clarice hinaus. Harry erschrak bei dem Anblick und wendete sich ab. Dempsey legte beschützend einen Arm um ihre Schultern.

Spikings räusperte sich und die drei betraten den Salon. Freddy war mittlerweile aus dem Garten zurückgekehrt und starrte auf die Blutlache auf dem Teppich.

Als er Spikings entdeckte, begrüsste er ihn freundlich.

„Gordon, alter Freund. Ich habe sie gar nicht erwartet. Harriet hat sich hoffentlich so lange um sie gekümmert?"

„Mylord, es ist schön sie wohl auf zu sehen. Ihre Tochter war, wie immer, ein Engel."

Er blickte Harry finster aus den Augenwinkeln an.

Dempsey und Makepeace nutzten die Situation, um den Salon in Richtung Garten zu verlassen.