A/N: Danke für eure lieben Kommentare! Schön, dass euch die Geschichte gefällt.
.
Disclaimer: Nichts gehört mir; Übersetzung aus dem Englischen (Original von coffeeonthepatio).
.
Präsupposition:
Wenn ein Sprecher bezugnehmende Ausdrücke wie das hier, er, oder Shakespeare unter normalen Umständen benutzt, dann arbeitet er oder sie mit einer Annahme, dass der Zuhörer weiß, welcher Referent gemeint ist. Genereller ausgedrückt konstruieren Sprecher fortwährend ihre linguistischen Nachrichten auf der Basis von Annahmen über das bereits vorhandene Wissen eines Zuhörers. Diese Annahmen können natürlich falsch sein, doch sie unterliegen vielen Dingen, die wir im alltäglichen Sprachgebrauch sagen. Das, was ein Sprecher als wahr ansieht oder vorhandenes Wissen vom Sprecher ansieht, kann als eine Präsupposition beschrieben werden. Wenn jemand zu dir sagt Dein Bruder wartet draußen auf dich, dann existiert die offensichtliche Annahme, dass du einen Bruder hast. Wenn du gefragt wirst Warum bist du zu spät gekommen?, existiert die Präsupposition, dass du wirklich zu spät gekommen bist.
(nach Yule, 1985)
.
Hermine grinste Harry an, während sie die Tüten, die sie von ihrer kleinen Shoppingtour in der Oxford Street zurückgebracht hatten, auspackten. Topman, Primark, riesige Tüten. Ein Anzug, ein paar Jeans, Shirts, T-Shirts, neue Socken und sogar Unterwäsche (die sie gesehen hatte und die, ihrer Meinung nach, nicht überzeugend war. Boxershorts – schlichte und einige mit verrückten, angeblich lustigen Prints). Er kippte alles aus den Tüten um sich herum auf den Boden, setzte sich in die Mitte, grinste wie ein kleiner Junge an Weihnachten, sah sich alles mindestens drei Mal an.
Es war süß und schön, ihn so zu sehen – und gleichzeitig traurig. Er wusste, dass er nie zuvor eigene Kleidung bekommen hatte, bis er sie sich selbst gekauft hatte. Und diese Weihnachtspullis, die Mrs Weasley regelmäßig strickte. Die waren die einzige Ausnahme. Und jetzt saß er wortwörtlich inmitten eines Klamottenbergs und befühlte die Stoffe, als wäre es die wundervollste Sache der Welt.
Sein Grinsen wurde zu einem Lächeln und sie packte ihre eigenen Klamotten aus, nicht so viel wie er gekauft hatte, aber genug, um damit auszukommen, und sie war froh, dass ihre Eltern ihr eine beachtliche Geldsumme in England gelassen hatten. Und sie, so wie auch Harry und Ron und so viele andere, hatten Geld vom Ministerium erhalten. Die Ungerechtigkeit traf sie ein weiteres Mal und veranlasste sie dazu, ihr kleines schwarzes Kleid in die Tüte zurückzustopfen.
„Harry," sagte sie, würgte sie hervor; eine Träne entwich ihr und lief ihre Wange hinunter.
„Hermine, was ist los?" fragte er sofort, sprang auf und schloss sie in seine Arme. „Was ist los? Du hast vor einer Minute noch gelächelt."
Sie fühlte, wie ihr Tränen in die Augen stiegen und rausflossen. „Es ist einfach so, dass," stotterte sie. „Ich…"
„Was?" fragte er und umarmte sie fest.
„Ich habe all dieses Zeug mit dem Geld vom Ministerium gekauft," schluchzte Hermine. Sie konnte jetzt nicht mehr aufhören. Die Ungerechtigkeit von dem, was geschehen war, was immer noch geschah, wie viel Severus Snape getan hatte und wo er jetzt wohnte, wie er sich anzog, was er tat, wie er es tat, all das brodelte in ihr hoch, tat ihr weh. Es tat unglaublich weh und bis jetzt hatte sie wegen ihm nicht geweint – und nun, inmitten eines Kleiderbergs und vielen Tüten, hatte es sie getroffen und tat es. Die Tränen liefen über Harrys Pullover und sie schmiegte ihren Kopf so nah wie es nur ging an ihn heran, in seine Halsbeuge. „Ich habe dieses ganze Zeug mit dem Geld vom Ministerium gekauft," wiederholte sie, „und Snape, der so viel getan hat, muss in dieser Bruchbude wohnen," schluchzte sie und vergrub ihr Gesicht noch tiefer in seinem Pulli.
Sie fühlte, wie Harry ihren Rücken streichelte und ihr auf die Schulter klopfte, doch er konnte auch nichts sagen. Es war einfach zu deprimierend.
.
Severus starrte mit großen Augen, als diese zwei Menschen sein Haus betraten, den Flur durchquerten und in sein Wohnzimmer gingen. Keiner trug die Nase hoch, keiner fiel weinerlich auf seine Knie. Es waren einfach zwei Menschen, die mehr oder weniger lässig sein Wohnzimmer betraten. Lucius hatte seinen Gehstock nicht dabei.
„Du hast wirklich keine Möbel," sagte der blonde Mann auf einmal und wirbelte herum, um ihn anzusehen.
„Nachrichten verbreiten sich schnell," schnauzte Severus und versuchte – und schaffte es– ein spöttisches Lächeln auf seine Lippen zu zaubern. Er schuldete diesen Leuten gar nichts, und diese Leute schuldeten ihm nichts. Er wollte nichts mit ihnen zu tun haben. Er wollte sie aus seinem Haus haben – oder schnell umgebracht werden.
„Severus," Narcissa ging auf ihn zu und legte ihre Hand auf seinen Arm. Seinen gebrandmarkten Arm. Er zog ihn schnell zurück, als ob ihre Berührung ihn verbrannte – und sein Arm kribbelte. Er wusste, dass es Unsinn war, er wusste, er konnte unmöglich kribbeln, das Mal war fast verschwunden und nur ein rosa Narbengewebe war zurückgeblieben, und der Dunkle Lord war tot, aber er fühlte sie nicht wohl. Die Frau seufzte und obwohl er einen Schritt zurückgetreten war, trat sie einen weiteren Schritt auf ihn zu. „Severus, wir sind gekommen, um…"
„Um euch lustig zu machen?" zischte er. „Konntet ihr nicht glauben, was Draco euch erzählt hat, und wart so überglücklich, dass ihr euch das selbst ansehen musstet?"
„Nein, Severus," sagte Lucius. „Wir sind gekommen, um dich abzuholen. Wir sind wegen dir gekommen. Du kannst unmöglich so leben. Und was machst du mit den Büchern dort drüben? Du… du verbrennst sie doch nicht, oder etwa doch?"
„Nehmt sie!" zischte er erneut – wollte nicht, dass Mrs Callaghan sie dieses Mal wieder hörte. „Nehmt sie alle. Nehmt, was ihr finden könnt, es ist nicht viel."
„Severus," Narcissa versuchte erneut, ihre Hand irgendwo auf ihn zu legen, doch er war schneller. Er hatte immer noch seine Reflexe. „Wir könnten dir helfen. Wir haben Möbel und, naja, wir haben kein Geld momentan, aber wir könnten…"
„Muggel verhexen, damit sie dir Geld geben," unterbrach Lucius.
„Quält also immer noch Muggel?" fauchte Severus. „Gut, hier bin ich. Ich bin unbewaffnet. Macht das, wofür ihr gekommen seid und verschwindet wieder. Ich will euch nicht hier haben."
.
Sie hatte sich einigermaßen beruhigt, hatte sich beim Hinsetzen helfen lassen, hatte sich mit einer Tasse starkem Tee bestechen lassen, und ihre Tränen waren langsam abgeklungen. Letztendlich wusste sie nicht, weswegen sie geweint hatte. Ihr eigener Verlust ihrer Familie, ihr eigener Verlust von Freunden, ihr eigener Verlust der Unschuld, all diejenigen, die ihre Leben verloren hatten – oder Severus Snape. Vielleicht wegen all dieser Dinge. Vielleicht hatte es sie einfach überwältigt, als sie realisiert hatte, wie viel Glück sie gehabt hatte, dass sie in London umherlaufen konnte, in der Oxford Street shoppen konnte und sich an ihren Einkäufen erfreuen konnte, während andere tot waren - oder sich quälten. Andere, die es genauso sehr – wenn nicht sogar noch mehr – als sie verdienten. Aber sie hatte sich beruhigt und wusste, dass diese Gedanken sie zweifellos zu einer weiteren Heulattacke bringen würden, und dass sie schon große Fortschritte seit dem Ende des Kriegs gemacht hatte. Weinte nicht bei jeder Wendung, wurde nicht so leicht aufgewühlt. Aber das war genug gewesen. Und der arme Harry wusste immer noch nicht wirklich, wie er mit ihr umgehen sollte.
Sie ließ ihren Kopf tief über der Tasse Tee hängen, die sie gerade trank; ihr Haar verdeckte ihr Gesicht, der heiße Dampf stieg ihr ins Gesicht und sie atmete tief ein, als ihre eigene Beruhigungsaktion durch das Fensterklopfen einer Eule unterbrochen wurde. Sie sah nur schnell auf, während Harry eine Pergamentrolle vom Fuß der gelbbraunen Eule abmachte und las.
„Harry?" fragte sie, während er mit seinem Finger las und die geschriebenen Worte verfolgte.
„Fühlst du dich in der Lage, zum Ministerium zu gehen?" fragte er vorsichtig.
„Ist etwas passiert?" fragte Hermine ängstlich.
„Naja, sie… Kingsley hat geschrieben. Er wollte uns darüber informieren, dass sie herausgefunden haben, wer Snape mit dem Fluch belegt hat," sagte er ernst.
„Und?"
„Nimm deinen Zauberstab und komm mit mir mit," antwortete er ernst.
.
„Wir wollen dich nicht verhexen," sagte Narcissa. „Und Lucius meinte, dass… wir uns informiert haben und uns bewusst ist, dass es schwierig sein kann, sich Geld in der Muggelwelt zu beschaffen, und wir dir deswegen helfen wollen. Wir verstehen, dass
„Woher weißt du das?" fiel er ihr scharf ins Wort.
„Wir haben unsere Möglichkeiten, so etwas in Erfahrung zu bringen, Severus. Das weißt du," antwortete Lucius mit einem ehrlichen Lächeln. Das erste ehrliche Lächeln, das dieser Mann ihm seit der Geburt seines Sohns geschenkt hatte – vermutlich.
„Ich will eure Hilfe nicht," er zauberte das spöttische Lächeln nachdrücklich zurück auf seine Lippen. „ Und so wie ich das verstehe, habt ihr offenbar genug auf dem Teller."
Narcissa seufzte leise. „Es ist nicht leicht gewesen."
„Schön, dann kümmert euch darum," höhnte er und hob seinen Finger, um auf die Haustür zu zeigen. „Ich komme gut zurecht, vielen Dank."
„Severus, wir schulden dir was."
„Ihr schuldet mir überhaupt nichts. Versteht ihr nicht, dass ich euch nicht mehr kennen möchte? Wir leben in verschiedenen Welten. Laut euch und laut eurem Sohn und laut einer anderen Quelle kann niemand irgendetwas machen, weil ich ansonsten sterbe. Also bitte ich euch nun: Wenn ihr mich töten wollt, dann macht schon, versucht einfach, den Fluch aufzuheben, wenn nicht, dann lasst mich in Frieden. Nehmt die Bücher, aber geht."
„Severus, wir wollen helfen," bat Narcissa.
„Ich will eure Hilfe nicht! Wie oft muss ich mich noch wiederholen? Ich will, dass ihr jetzt geht. Ich habe keine andere Möglichkeit, euch aus meinem Haus zu bekommen außer euch eigenhändig rauszuschmeißen, und das werde ich nicht tun, also bitte geht von selbst."
„Wir wollten dich um eine Sache bitten," begann Narcissa von vorne.
„Raus. Sofort," höhnte er. „Ich wusste, dass ihr nicht aus reiner Herzensgüte kommen würdet, und ich möchte es nicht einmal hören. Wenn ihr jetzt nicht geht, werde ich es tun."
Lucius war ihm einen traurigen Blick zu – in seinen Augen etwas, das Severus nicht gesehen hatte – und nahm die Hand seiner Ehefrau, nickte Severus zu und ging. Ging einfach. Ließ Severus alleine mit seinen Gedanken.
Oh, sie hatten schlecht ausgesehen. Tiefe Linien waren in ihre beiden Gesichter eingebrannt – doch er hatte genug getan. Was auch immer sie wollten, er schuldete ihnen nichts. Sie schuldeten ihm nichts.
Und am allerliebsten wollte Severus seine Verbindungen zur Zauberwelt abbrechen. Er wollte keine Hexen oder Zauberer mehr kennen. Er wollte allein gelassen werden. Nein, das stimmte nicht. Am allermeisten sehnte er sich nach einer Tasse Tee und fragte sich kurz, ob es unhöflich sein würde, einfach bei Eleanor anzuschellen, bevor er sich an seine unbestreitbare Slytherinpersönlichkeit erinnerte und nach draußen in seinen kleinen Garten trat und auf dem Weg dorthin so viel Lärm wie es nur ging machte.
.
Kingsley grüßte sie beide mit grimmiger Miene, sein normalerweise so sanftes Gesicht war zu einer gequälten Grimasse verzogen. Er schüttelte Hermines Hand fest, bevor er sie in sein Büro eintreten ließ.
„Und?" Hermine konnte ihre Neugier nicht länger zügeln.
„Ich… hast du ihn gesehen?"
„Ich habe ihn gesehen. Harry hat ihn auch gesehen."
„Aber er weiß über den Fluch Bescheid?"
Hermine nickte. „Ich habe es ihm gesagt."
„Du hast es ihm gesagt?" fragte Harry scharf. „Wann?"
„Ich werde es dir später erzählen,"
„Erzähl es mir jetzt," drängte Harry.
„Später. Bitte. Kingsley? Lucius Malfoy?"
Kingsley schüttelte seinen Kopf. „Nein. Aber zuallererst möchte ich sagen, dass ich meine Leute darauf angesetzt habe, nach einem Weg zu recherchieren, um ihn rückgängig zu machen. Es gibt keinen. Der Fluch ist vor etwa dreihundert Jahren in Vergessenheit geraten und wir haben keine Ahnung, wie sie ihn ausfindig gemacht hat. Er wird nur in einem Buch, von dem wir wissen, erwähnt."
„Wer war es?" fragte Harry hitzig und ging im Büro auf und ab. Hermine war sich nicht sicher, warum er so aufgerührt deswegen war. Oder warum sie sich so sehr darum sorgte. Lag vermutlich an der Tatsache, dass er so dünn und so elend ausgesehen hatte. Lag vermutlich an der Tatsache, dass es ein kleiner Hoffnungsschimmer gewesen war, dass er wieder einen Zauberstab bekommen könnte, dass die Zauberwelt so eine Geistesgröße und so eine mutige Person nicht verlieren würde. Vielleicht lag es an…sie war sich nicht sicher, woran es lag.
Kingsley rieb seine Hand über sein Gesicht und ließ sich auf seinen Stuhl fallen.
.
