Hallo und willkommen zurück.
Ich hoffe euch gefallen diese Kapitel.
Kapitel 18
Tristan ließ sich aufstöhnend in sein Kissen fallen. Glücklicherweise teilte er sich ein Zimmer mit Abraxas und Satanus. Er wollte sich die Ausfrageorgien sonst gar nicht vorstellen. Nicht, dass es so nicht schlimm genug gewesen wäre. Er hatte jetzt noch Kopfschmerzen von der ganzen Fragerei. Aber er hatte es gemeistert und seine Zimmerkameraden waren, wenn schon nicht zufrieden gestellt so doch zumindest zum Schweigen gebracht.
Er hatte versucht hier unten in den Slytherinräumen den Weg in die Kammer des Schreckens zu finden, aber irgendwie waren dauernd überall Schüler. Wie nervig! Naja, aus seinem Spaziergang war auch nichts geworden. Als er versucht hatte seinen Schlafsaal wieder zu verlassen, hatten sämtliche Slytherins auf ihn gewartet. Plötzlich war das Bett eine wirklich einladende Alternative geworden. Er setzte sich auf sein Bett und begann seine Entspannungsübungen, gleichzeitig arbeitete er weiter an seinen Geistbarrieren.
Entspannt lehnte er sich schließlich in die Kissen, er spürte noch wie Nemesis sich zu ihm legte bevor er ins Land der Träume glitt.
Am nächsten Morgen machte Tristan seinen üblichen Check-Up. Er lauschte, atmete tief ein und nutzte vorsichtig seinen Auren-Sinn um sich zu orientieren. Er erkannte Nemesis und zwei weitere magische Wesen im Raum aber die zwei anderen wirkten irgendwie komisch als wären sie…
Blitzartig öffnete er die Augen und sprang aus dem Bett. In der gleichen Bewegung löste er die Schweige- und Fesslungszauber über den beiden Jungs die vor ihren Betten knieten. „Tschuldigung. Hab euch vergessen." Tristan lächelte kläglich während er sprach. Das würde Ärger geben.
Die beiden standen langsam auf, streckten sich und traten dann auf ihn zu. Ihre harten Gesichtsausdrücke versprachen nichts Gutes. Dann streckte Satanus eine Hand aus, nachdem Tristan sie gegriffen hatte sagte: „Gratulation. Jetzt hast du dich als würdig erwiesen." Dann zog er Tristan ans einer Hand an ihn heran und zischte: „Sollte jemals ein Wort über diese Vorfälle deinen Mund verlassen, wirst du unglaubliche Qualen erleiden."
„Habs verstanden." Zurückweichend antwortete Tristan auf diese offensichtliche Drohung.
Die beiden englischen Reinblüter stumm und bewegungslos zu hexen war vielleicht nicht die beste Entscheidung gewesen. Aber sie hatten ja partout nicht schweigen wollen.
Fröhlich grinsend wandte Satanus sich ab und begann sich für den Tag fertig zu machen, kopfschüttelnd folgten Abraxas und Tristan seinem Beispiel.
„ So," überschwänglich, für einen Malfoy, warf Abraxas seinen Arm um Tristans Schultern und führte ihn Richtung Gemeinschaftsraum, Tristan hob nur skeptisch seine Augenbraue. „Jetzt erzähl doch mal wie du so schnell sein kannst. Du bist unglaublich, egal ob mit dem Zauberstab oder ohne. Kann man das Lernen?"
Der Violettäugige starrte den Silberblonden an: „Geht's dir gut, Abraxas?"
Damit betraten die drei auch schon den Gemeinschaftsraum und schlossen sich den dort wartenden Slytherins an. Gemeinsam gingen sie zum Frühstück.
Kaum saßen sie, erschien vor Tristan ein schmaler Zettel. Es war eine Einladung ins Direktorenbüro.
Tristan blickte hoch:„Ich denke Professor Dippet ist krank? Wie kann er mich dann in sein Büro bestellen?"
„Oh," Abraxas antwortete ihm „Dumbledore belegt das Büro bereits. Niemand erwartete das Dippet sich noch mal erholt. Nicht das jemand seine Krankheit erkannt hätte. Moment, wurdest du etwa zu Dumbledore bestellt? Warum?"
„Ich hab keinen blassen Schimmer:"
Natürlich konnte Tristan sich denken, dass dies etwas mit Dumbledores Auftritt in Gringotts zu tun hatte, aber das musste er den Slytherins ja nicht auf die Nase binden. Je weniger sie wussten desto weniger konnten sie ihm schaden. Er war auf jeden Fall vorbereitet. Er kannte Dumbledores Methoden ziemlich gut und jetzt im Rückblick, seit er wusste, dass man ihn verarscht hatte, erkannte er auch wann und wie der alte Mann ihn manipuliert hatte. Noch mal ließ er sich nicht reinlegen. Mal abgesehen von seinen eigenen Erfahrungen hörte er Nemesis bereits wütend zischeln, der Basilisk würde ihm schon die Meinung geigen.
„Na gut, Jungs. Nach dem Mittagessen hab ich also ein Date mit dem stellvertretenden Direktor. Juhu!" wenn er noch ausdruckloser klingen würde, könnten man ihn für tot halten.
Nach dem die drei gefrühstückt hatten, begleitet von allerlei Kommentaren und Ratschlägen Dumbledore betreffend, nahmen sie ihre Stundenpläne entgegen und machten sich auf den Weg zu ihrer ersten Doppelstunde Zaubertränke. Das blieb wohl auch immer gleich, Montag beginnt mit Zaubertränken.
Der Unterricht verlief erstaunlich ruhig, zumindest für eine Klasse Chaos und Katastrophen, sprich Slytherin und Gryffindor. Es waren nur ungefähr 3 Kessel in die Luft geflogen, alle auf Gryffindorseite. Dabei war der zu brauende Trank denkbar einfach. Es war nur ein leichter Heiltrank „zur Einstimmung" wie Professor Slughorn, der Zaubertränkelehrer, erklärte. Außerdem sparte er sich so das Brauen für die Krankenstation.
Na ja, man musste jedenfalls nur sieben Zutaten dazu fügen und auf vier verschiedene Arten umrühren. Wie die Gryffindors es dabei schafften je einen Trank in Säure, ein hochpotentes Gift und ein Explosivum zu verwandeln, verstand keiner der Slytherins.
Satanus war schon kurz davor zu verzweifeln, er liebte Zaubertränke und solche Stümper zusehen, bereitet ihm geradezu körperliche Schmerzen.
Aber Slughorn war völlig entspannt, scheinbar war er so etwas gewohnt. Tristan hatte irgendwie gehofft der Unterricht wäre hier besser als unter Snape, also Severus, aber er hatte glatt vergessen, dass Slughorn nicht gerade für seine Fähigkeiten im Lehren bekannt war, sondern eher für seine besondere „Sammlung".
Glücklicherweise blieb er diesmal vom Slug-Club verschont, da er und seine Familie doch zu unbekannt waren um von Interesse zu sein, hoffentlich hielt das an.
Nach Zaubertränke hatten sie Runen, ein Fach das Tristan wirklich begeisterte. Die Lehrerin, Professor Labranche, war ebenso begeistert, allerdings eher davon, dass es Schüler gab die tatsächlich mitarbeiteten. Ansonsten verlief die Stunde ereignislos.
Dafür war PmG dann wirklich witzig, zumindest für die Zuschauer. In der heutigen Stunde ging es um kleine Baumwichtel. Diese Wesen sahen aus wie dünne, zerbrechliche Zweige mit schmalen blättrigen Flügeln am Rücken, sie wurden von ihren Eltern direkt nach ihrer Geburt in junge Bäume gesetzt und dort lebten sie in Symbiose. Naja und dann hatte einer der Gryffindors es gewagt den kleinen Baum in dem der Wichtel wohnte umzustoßen. Tja, der Baumwichtel fand das nicht komisch und biss dem Jungen dafür erst in die Nase und stach ihm dann noch mit seinen kleinen zweigähnlichen Fingern in die Augen. Der Junge, irgendwie sah er aus wie der spätere Goyle nur in Rot-Gold, fing an zu schreien und zu zappeln, aber der kleine Baumwichtel ließ nicht los. Erst nach etwa zwanzig Minuten schaffte es die Lehrerin den Baumwichtel von ihrem Schüler zu lösen.
Die Gryffindors verloren gleich noch einige Punkte, da sie ihr Gelächter nicht zurück halten konnten und schon war für das Haus der Schlangen der Tag auf seinem Höhepunkt. Das Problem war – ab jetzt konnte es nur noch abwärts gehen. Direkt zu Dumbledore.
„Ahh, Mr. Nathair, treten Sie ein, setzen Sie sich. Möchten Sie vielleicht etwas Tee?" Dumbledore klang richtig freundlich und großväterlich, er hätte ihm das abkaufen können. Aber Tristan kannte diese Masche. Erst einmal allerdings musste er die Farce mitspielen. Dumbledore durfte ihm nicht zu sehr misstrauen. Also antwortete er ihm ebenso freundlich: „Danke Professor Dumbledore, aber ich hoffte eigentlich, dass dies nicht so lange dauern würde. Ich würde gern zurück zu meinen Kameraden. Also könnten wir vielleicht zur Sache kommen?"
„Natürlich mein Junge, natürlich."
Innerlich musste Tristan beinahe würgen, so widerlich anbiedernd klang der alte Mann. Die nächste halbe Stunde verging damit, dass Dumbledore über Hogwarts sprach und immer wieder unverfängliche Fragen über die Nathairfamilie einfliesen ließ. Zumindest unverfänglich für einen tumben, naiven Gryffindor wie Harry es gewesen war. Glücklicherweise war Tristan ein gewiefter, listiger Slytherin und geübt in allen möglichen Tricks um keine der Fragen beantworten zu müssen.
Schlussendlich schien es Dumbledore auch zu verstehen, blitzartig zog der alte Mann seinen Zauberstab. Schnell war er, dass musste man ihm lassen. Tristan hatte gar keine Zeit zu reagieren, da war er bereits geschockt.
Die Zauber in seinem Ohrring verhinderten aber, dass er das Bewusstsein verlor, es schien nur für Außenstehende so. Jetzt flösste Dumbledore dem Jungen einen ihm unbekannten Trank ein. Tristan spürte sofort wie seine Okklumentikbarrieren angegriffen wurden und stemmte sich mit aller Macht dagegen.
Mit einiger Mühe erschuf er Fakeerinnerungen, nur für den Fall der Fälle. Aber Dumbledore wollte nicht an seine Erinnerungen. Der alte Mann hatte etwas anderes vor. Er versuchte in Tristans Kopf Gedanken zu implantieren.
Er wollte dafür Sorgen, dass Tristan Slyitherins misstraute und sich mehr mit Gryffindor identifizierte. Tja, dass konnte er vergessen.
Nach einer weiteren halben Stunde herumpfuschen in Tristans Gehirn stoppte er und erlöste den Violettäugigen aus seiner Starre. Dumbledore hatte die gesamte Zeit nicht bemerkt dass Tristan ihm etwas vorspielte. Aber wie sollte er auch, Tristan war sehr geübt darin Menschen die Dinge zu zeigen, die sie sehen wollten.
Innerlich fauchte Tristan vor Wut. Wie konnte der alte Mann es wagen. Er hatte gedacht, die Entscheidungen des Mannes wären damals so schräg ausgefallen weil er einfach alt wurde. Immerhin war Dumbledore bereits jetzt um die Fünfzig wenn er sich nicht irrte. Aber das…
Das waren wohl überlegte strategische Angriffe gewesen, die nur darauf abzielten ihn einmal mehr unter den Daumen und den Einfluss des Mannes zu bekommen.
Wütend stapfte der Nathair-Erbe den dritten Flur entlang. Seine normalerweise violetten Augen schimmerten und silberne Blitze zogen sich hindurch. Seine Magie konnte er geradeso unter Kontrolle halten. Er konnte es sich nicht leisten hier seine Macht zu zeigen. Dafür brauchte er einen sicheren Ort, bevor er explodierte. Mühsam versuchte er sich zu beruhigen, mit mäßigem Erfolg.
Er durchforstete sein Hirn nach abgesicherten Räumen: Sein Koffer? Möglich dass der seine Magie nicht aushielt, damit gewann er nichts; der Raum der Wünsche? Könnte klappen aber dafür müsste er durchs ganze Schloss und würde garantiert jemandem begegnen. Das bekäme dem definitiv nicht. Ein unbenutzter Klassenraum? Nicht abgeschirmt genug, vermutlich würde Dumbledore seine Magie trotzdem spüren. Aber eins davon musste er wählen, er hatte keine Wahl. Nemesis würde ihn…
Nemesis… Er schlug sich beinahe vor die Stirn. Natürlich Nemesis, der Basilisk, die Kammer des Schreckens. Da konnte er hin und wenn er sich vorher mit Slytherins Haustierchen anlegen musste, käme ihm das gerade recht. Perfekt zum Stressabbauen.
Tristan landete auf dem dreckigen Fussboden und säuberte als erstes seine eklige Robe. Wie das hier unten so dreckig sein konnte war ihm ein Rätsel. Er schaute sich um, alles sah genauso aus wie später. Mal abgesehen davon, dass nicht ganz so viele Tierskelette hier herum lagen und die Schlangenhaut nicht da war.
Er schritt auf das verschnörkelte runde Tor zu und befahl den metallenen Schlangen den Weg frei zu geben. Lautlos entwanden sich die Schlangen und das Tor öffnete sich.
Tristan trat hindurch und war für alles gewappnet. Wer wusste wie der König der Schlangen drauf sein würde. Aber in dem großen Saal war alles ruhig. Soweit er sich erinnerte hatte Riddle den Basilisken letztes Mal gerufen aber das musste ja nicht sein. Tristan zog seinen Zauberstab und beschwor einige Dummies. Interessanterweise hatten alle einen Bart und funkelnde blaue Augen. Aber bevor er mit seinem magischen Training startete glitt er geschmeidig durch verschiedene Kampfkunstübungen um sich vorzubereiten.
Er ging in Angriffsposition und legte los. Es flogen sämtliche Arten von Flüchen. Einige weißmagische, normale Angriffsflüche aber auch fiese schwarzmagische Flüche wie der Sectumsempra oder der Millacus.
Nach dem er Dampf abgelassen hatte, ließ er die demolierten Dummies verschwinden und ging erneut seine nichtmagischen Übungen durch. Diesmal allerdings nicht um sich auf den Kampf vorzubereiten sondern um Klarheit in seinem Geist zu schaffen. Er spürte wie er zur Ruhe kam, wie die Anspannung seinen Körper und seinen Geist verließ während er durch die bekannten Muster des Aikido*. Tristan beherrschte mehr als eine Kampfkunst, aber Aikido half ihm besser seinen Geist zu klären als das kämpferische Shaolin** oder das laute, tanzartige Capoeira***.
Nach einiger Zeit hörte Tristan ein Geräusch und wirbelte herum, den Stupor bereits auf den Lippen. Gerade so konnte er sich zurück halten. Aus dem Wasser am Rand der Halle heraus blickten ihn zwei gelbliche Augen an. Als nichts weiter geschah, blinzelten die Augen und hoben sich langsam aus dem Wasser. Bald lag er stolz vor ihm. Ein gut zwanzig Meter langer Basilisk. Der König der Schlangen war beeindruckend anzuschauen. Tristan wusste dass Nemesis eine ähnliche Länge erreichen konnte aber das hatte er noch nicht gesehen. Nun, nahm der Teenager seinen ganzen Mut zusammen. Das letzte Zusammentreffen war ja nicht besonders glimpflich verlaufen, hoffentlich stand dieses unter einem besseren Stern. Tristan verneigte sich langsam und grüßte die große Schlange: „König der Schlangen, welche Ehre Euch zu treffen."
„Ahh, ein Sprecher:" dietiefe, raue Stimme hallte von den Wänden wieder. „Es ist mir eine Freude einem Sprecher der Schlangensprache zu begegnen:"
Ganz augenscheinlich war der Basilisk nicht irre. Das war schon mal beruhigend zu wissen.
„Aber mich interessiert wie Ihr den Weg in diese Kammer gefunden habt. Ihr seid ohne Erlaubnis meines Herren hier, er hätte es nie gestattet." Als der Basilisk sah wie Tristan zusammen zuckte, ob dieser Feststellung sprach die große Schlange weiter: „Keine Sorge Sprecher. Auch wenn mein Herr Euch nicht erlaubt hat zu kommen, so hat es doch mein Meister." Okay, dass musste er nicht verstehen. Er war nur froh, dass er nicht gegen die Schlange kämpfen musste. Denn wenn er sich nicht irrte, war die jetzt noch größer als bei ihrem Kampf. Er musste Nemesis mal danach fragen. Jetzt widmete er sich erst mal dem Basilisken hier unten. Der stellte sich gerade als Kairos vor. Tristan nannte seinen Namen und erklärte Kairos dann denn Grund seines Kommens. Kaum erwähnte er den Wunsch nach Frieden und Schutz öffnete sich in einer der Seitenwände eine Tür.
7 Seiten
gepostet
Kapitel 19
Am Abend des Tages tauchte Tristan wieder im Gemeinschaftsraum auf und halb Slytherin kam in den Genuss einen wütenden Nemesis zu erleben. Immerhin hatte Tristan ihn nicht mitgenommen, sondern ihn allein durchs Schloss kriechen lassen. Spätestens jetzt waren sich die Slytherins sicher, sie würden sich niemals mit dieser Schlange anlegen, die war gruselig. Abraxas und Satanus waren erleichtert dass ihr Freund wieder aufgetaucht war, obwohl sie ihn kämpfen gesehen hatten, waren sie sich noch nicht ganz sicher über seine Fähigkeiten und wollten ihn darum nur ungern allein herum laufen lassen.
Jetzt allerdings nahm sich Satanus endlich die Zeit seinen Eltern den üblichen Brief zu schreiben. Seine Mutter würde ihn gewiss sehnsüchtig erwarten.
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In Snape-Manor waren alle in Hektik. In wenigen Minuten würden Caligula Malfoy und ER zum Abendessen kommen und es war noch so viel vorzubereiten.
Robina zupfte an der Tischdecke und scheuchte die Hauselfen umher, während Rascard am Fenster stand und ungeduldig auf die Eule seines Sohnes wartete. Satanus schrieb immer am zweiten Abend in Hogwarts einen Brief an seine Eltern und er schrieb immer über die Auswahlzeremonie, so fasziniert wie er von dem Nathair war würde er vermutlich auch über ihn schreiben. Und jede Neuigkeit über den Jungen war gut, ihr Lord wurde ungeduldig. Himmel, sogar er wollte wissen was jetzt passiert war und das jetzt sofort! Aber sein Sohn ließ sich scheinbar Zeit.
„Rascard, Liebling. Die Eule wird nicht schneller fliegen nur weil du am Fenster stehst!" Die liebevolle Stimme seiner Frau riss Rascard aus seinen Gedanken. Eilig schritt er auf sie zu und begann damit ihr beim Organisieren zu helfen.
Zwei Stunden später war alles vorbereitet und Rascard stand erneut ungeduldig am Fenster. In wenigen Minuten würden seine Gäste eintreffen und er hatte immer noch nichts Neues zu berichten. Da endlich. Durch die Abenddämmerung kam ein Vogel geflogen. Als der Vogel näher kam erkannte Rascard, dass dies keineswegs die Eule seines Sohnes war. Stattdessen war es ein silberner Falke. Der Vogel sah aus wie einer der Malfoyfalken, aber der einzige Silberne unter denen gehörte doch aber dem Erben der Familie und nicht mal der konnte ihn bändigen. Na gut. Rascard öffnete das Fenster und streckte seinen linken Arm aus, damit der Falke landen konnte. Nur gut, dass der Stoff seiner Robe so dick war. Das Biest hatte scharfe Krallen.
Vorsichtig entfernte er den kleinen Brief von dem Fuß des Vogels, gleich danach ließ er ihn fallen. Der verfluchte Vogel hatte nach ihm gehackt, geradeso war er ausgewichen. Der Brief, während sich Rascard mit dem Vogel rumärgerte, wuchs wieder auf seine ursprüngliche Größe und wurde von Robina aufgehoben. „Wenn du dann fertig bist, mit dem Vogel zu spielen, könntest du dem Brief deines Sohnes vielleicht etwas Aufmerksamkeit schenken." Robina klang nicht gerade erfreut, verständlich schien ihr Mann doch völlig uninteressiert zu sein. Rascard versuchte den hübschen Falken von seiner Schulter zu verscheuchen aber der sture Vogel rührte sich kein Stück. Er hatte klare Anweisung erhalten, also blieb er wo er war.
Rascard hatte keine Zeit sich mit dem penetranten Federvieh zu beschäftigen, ließ den Vogel auf seiner Schulter sitzen und trat zu seiner Frau, um über ihre Schulter hin weg den Brief seines Sohnes zu lesen.
**Geliebte Eltern,
ihr erwartet diesen Brief gewiss sehnsüchtig. Ich muss euch allerdings wieder einmal mitteilen, dass nichts Außergewöhnliches passiert ist. alles ist hier wie immer. Nott hat versucht unsere Stellung zu untergraben aber er hat selbstverständlich versagt. Niemand greift ungestraft einen Snape an, nicht wahr?
Ich bin allerdings traurig in Anbetracht der Tatsache, dass ich ein weiteres Mal gegen eure Anweisung handeln musste. Weder Abraxas noch ich sind bereit unsere Bekanntschaft mit Tristan Nathair zu opfern, nur weil der Lord es wünscht.
Aber ich werde euch nicht weiter mit meinen Reden über Tristan stören. Ich weiß ja, dass ihr ihn nicht mögt.
Ansonsten war alles normal…**
„Das kann doch nicht sein Ernst sein! Wie kann er uns so hängen lassen?" Rascard war kurz vorm verzweifeln. „Wer hat euch hängen lassen Rascard?" die tiefe, samtige Stimme seines Lords hallte durch den Raum, bevor der blauäugige Mann ihm den Brief aus den Fingern zog. „Entschuldigt bitte mein Benehmen Mrs. Robina." Er neigte leicht den Kopf und küsste galant ihre Hand. Dann wandt er sich ihrem Mann zu, während Robina das Malfoyoberhaupt begrüßte, welches direkt hinter dem Lord den Raum betreten hatte.
Riddle drehte sich zu Rascard um und musterte kurz nachdenklich den Vogel. Der wiederum krächzte stolz und verlagerte sein Gewicht. Dann schüttelte Riddle leicht seinen Kopf und konzentrierte sich auf den Mann vor ihm: „Nächstes Wochenende ist ein Treffen des Schulrates von Hogwarts. Wir werden dort hin gehen. Ich will näheres über Nathair wissen." Er wartete das Nicken seines Gefolgsmannes nicht mal ab, so selbstverständlich war es das seine Anweisungen befolgt wurden.
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„Erklärst du mir jetzt warum du Intisar als Postbote brauchtest?" Tristan lag auf seinem Bett, hatte den Kopf auf seiner Hand abgestützt und blickte zu Satanus hinüber.
„Ganz einfach,", Abraxas antwortete: „Malfoyfalken können mit ihren Besitzern in telepathischen Kontakt treten und ihnen so Erinnerungen vermitteln. Das weiß allerdings niemand mehr außer mir. Ich hab vor zwei Jahren entschieden, dass ich meine eigenen Spione brauche. Also hab ich meinen Eltern das Gedächtnis über diesen Fakt gelöscht. Und jetzt ist Intisar dort und wird, sofern er dir tatsächlich gehorcht, was ich unglaublich finde, deinen Befehl ausführen und nicht von der Seite Rascards weichen." „Und so erfahren wir alles was beredet wird." Beendete Satanus die Erklärung seines Freundes. „Okay, ich find euch gruselig. Seid ihr Zwillinge oder was?" Die anderen beiden Jungs starrten ihn sekundenlang an bevor sie verstanden, dass er das nicht ernst meinte und anfingen zu lachen. So wurde Tristan Nathairs erster Unterrichtstag in Hogwarts zumindest mit einem Lachen beendet.
Die nächsten Tage liefen völlig entspannt, die Slytherins tauten langsam auf und akzeptierten Tristan in ihrer Mitte.
Alles war super, bis nach 4 Tagen die beiden Größeren entschieden, dass es Zeit für ihre Rache war. Die drei spielten ganz ruhig gemeinsam Schach, naja Abraxas und Tristan spielten, solange bis Satanus den Violettäugigen mit einem Petrificus totalus traf. Tristan klappte zusammen wie ein Schweizer Taschenmesser. Abraxas schaltete das Licht aus und beide Jungs schnurrten in die Dunkelheit: „Rache ist süß!"
Am nächsten Morgen erlebten beide einen kleinen Schock als sie die magischen Fesseln ihres Freundes lösen wollten und er einfach weg war. Tristan trat ihnen fröhlich lächelnd aus der Dusche entgegen. „Tja Jungs. Mit nem Petrificus haltet ihr mich nicht. In einer halben Stunde gibt es Frühstück. Schafft ihr das bis dahin?" verschmitzt grinsend setzte Tristan sich auf sein Bett. Die beiden anderen blickten sich schockiert an, eine halbe Stunde? Aber ihr Wecker klingelte immer zwei Stunden vor dem Frühstück. Nach einem Blick auf die Uhr jagten die beiden allerdings los und beide wussten: Sie würden Tristan nicht noch mal herausfordern. Er hatte alle ihre Schutzschilde um ihre Sachen umgangen und hatte ihre Uhren verstellt. Das war unglaublich.
Endlich konnten die drei in die große Halle gehen, nur um dort zu erfahren, dass der Unterricht heute ausfallen würde zugunsten einer Exkursion. Diese Exkursion sollte mittags starten und in verschiedene Meistergilden führen um diese kennen zu lernen. Den Vormittag hatten die Schüler Zeit sich eine der Gilden auszusuchen.
Tristan kam sich ziemlich dumm vor, etwas was ihm schon lange nicht mehr passiert war. 1990 gab es die Meistergilden nicht mehr. Einer der letzten der dort ausgebildet wurde war Severus Snape gewesen, als Zaubertränkemeister. Aber mit dem konnte er sich ja schlecht darüber unterhalten oder überhaupt unterhalten. Das Einzige was Tristan wusste war das Voldemort die Gilden angegriffen hatte, da sie ihm nicht gehorchen wollten und das die einzige Gilde die ihn hätte aufhalten können, die Gilde der schwarzen Kämpfer, von Ministerium blockiert wurde. Das war also nicht besonders viel.
Auch Nemesis wusste über die Gilden kaum etwas, er hatte sich nie dafür interessiert. Um Kairos zu fragen müsste er sich davon schleichen, was sich als schwierig gestaltete, da sein ganzes Haus sich jetzt versammelte. In dieser Versammlung sollte entschieden werden, wer in welche Gilde geht. Denn da jeder nur eine Gilde besuchen konnte, musste gewährleistet werden, dass in jede Gilde mindestens ein Slytherin geht um später dem Haus von seinen Erfahrungen erzählen zu können.
„ Die Gilde der Zaubertränkemeister wäre natürlich meine Wahl." Erzählte Satanus. „Ein Tränkemeister der Gilde zu sein bedeutete, dass du überall arbeiten kannst. Bessere Referenzen gibt es gar nicht. Außerdem wirst du später besser bezahlt, hast mehr Einfluss da deine Dienste gefragt sein werden und du wirst oft mit wirklich interessanten Experimenten bedacht. Die brauchst du nicht mal extra genehmigen lassen. Was ist mit dir Abraxas?"
„Mein Favorit ist die Gilde der schwarzen Kämpfer, deren Techniken sind spektakulär, ihr Kampfstil völlig unerwartet und ihre Schlachten immer ruhmreich." Abraxas schwärmte noch einige weitere Minuten von der Gilde, aber Tristan hörte nicht mehr zu. Er überlegte welche Gilde er gern kennen lernen würde.
Natürlich waren Zaubertränke toll, aber sein ganzes Leben wollte er nicht mit ihnen verbringen. Kämpfen war etwas was ihm wirklich Spaß machte, aber eigentlich hoffte er auf ein bisschen Frieden und Ruhe.
Die Gilde der Runenmeister klang auch sehr gut, aber dafür benötigte man sehr viel Geduld und die meisten der Meister waren sehr eigenbrötlerisch, so war er einfach nicht. Arithmantik war in der Schutzgilde untergebracht. Blöd nur, dass diese Gilde sich völlig dem Schutz verschrieb und niemals ein Wesen freiwillig verletzte, da hatte er ein oder zwei Probleme mit. Aber was dachte er da überhaupt. Er hatte eh keine Zeit für einen Gildenausbildung, schließlich wollte er verhindern, dass Voldemort so bösartig wird.
Aber wenn er sich entscheiden müsste, dann würde er die Gilde der weißen Schatten wählen. Diese Gilde war eigentlich die einzige die sich nicht auf eine Sache beschränkte. Sie lehrten Heil- und Schutzmagie auf sehr hohem Level. Poppy hatte ihm mal davon erzählt. Sie hatte sich gern dort ausbilden lassen wollen, aber man hatte sie ohne Begründung abgelehnt.
Schade, dass es keine Gilde für weißmagische Kampfarten gab, aber Weißmagier waren viel zu sehr auf sich selbst bedacht als das sie ihr Wissen freiwillig teilen würden. Sie empfanden die Gildenordnung als zu strikt, zu einengend und zu gemeinschaftlich. So unglaublich es klang aber Weißmagier waren von Natur aus Einzelgänger. Ihre Magie teilte nicht gern, aus Angst verletzt zu werden.
Im Slytheringemeinschaftsraum hing nun eine Liste aus, wo die Schüler aller Jahrgänge eintragen sollten in welche Gilde sie gern wollten. Aller Jahrgänge deshalb, weil die Gilden solche Besuche nur sehr selten gestatteten und es schon ein Wunder war, dass es überhaupt erlaubt wurde. Also sollten auch alle jetzt diese Möglichkeit bekommen. Die Slytherins argwöhnten ja, dass Dumbledore irgendwo die Strippen zog um sich den Platz als Direktor zu sichern, aber sie würden sich nicht beschweren.
Abraxas und Satanus hatten endlich bemerkt, dass ihr Freund geistig nicht anwesend war und schwiegen respektvoll. Der Prefekt des siebten Jahrgangs schaute den Malfoyerben an und sagte leise: „Euer Vater hat den Wunsch geäußert, dass du auf die Liste für die Gilde der schwarzen Kämpfer kommst. Bei dir ist es dasselbe Satanus."
Beide nickten, dann stieß der schwarzäugige den Jungen neben ihm vorsichtig an: „Hey, kommst du mit zu den schwarzen Kämpfern?" Tristan schreckte aus seinen Gedanken und stimmte dann zu. Es war sowieso egal.
Der Prefekt wollte noch etwas sagen aber Abraxas kam ihm zuvor: „Das ist doch kein Problem, wenn Tristan mitkommt, nicht wahr?" Es war immer wieder erstaunlich, wie der Silberblonde es schaffte eine einfache Frage so gefährlich klingen zu lassen. Der Prefekt schüttelte den Kopf und stammelte noch seine Zustimmung während der Malfoyerbe bereits, mit seinen Freunden im Schlepptau aus dem Raum rauschte.
In ihrem Schlafsaal wartete bereits Intisar auf seinen Herrn. Ohne Aufforderung entfaltete er seine Flügel und stieß sich von seiner Stange ab um auf der Schulter Tristans zu landen. Tristan drehte seinen Kopf und blickte in die schwarzen Seelenspiegel seines Vogels. Er versank in ihnen, spürte wie die Welt um ihn verschwamm und er in die Erinnerung gezogen wurde.
