Der erste September

Die Zeit verging, es folgen einige Eulen zwischen Hogwarts und London hin und her und es gab immer mal wieder kurze verbale Duelle zwischen Heaven und Severus, die nicht selten Heaven gewann. Ehe man sich versah stand der erste September vor der Tür.
Heaven war aufgeregt, denn heute würde sie das Amt als Professorin erst richtig beginnen. Sie tigerte in ihren Räumen hin und her. Schon dreimal hatte sie sich umgezogen und schon wieder spielte sie mit dem Gedanken. Heaven hatte Angst davor einen schlechten Eindruck auf die Schüler zu machen. Sie tauschte gerade ihre ravencalwblaue Bluse gegen eine gryffindorote und zog ihre dunkelblaue, fast schwarze Lieblingsjeans an als es an der Tür klopfte. Unsicher öffnete sie die Tür. Davor standen Minerva und Melchior, fragend sah sie die Beiden an. Minerva, die leicht überrascht darüber war, die sonst so taffe, junge Frau, so mit den Nerven am Ende zu sehne trat durch die Tür zu Heavens Räumen gefolgt von Melchior, der Heaven besorgt beobachtete. „Sie werden das schon schaffen, Heaven", versuchte Minerva ihr die Anspannung und Angst zu nehmen und es schien sogar zu wirken, Heaven wurde ruhiger. „So es ist so weit, gleich werden die Schüler eintreffen." Erwartungsvoll sahen Heaven und Melchior zur Schulleiterin. „Wie werden jetzt in die Halle gehen und ich werde ihnen ihre Plätze zu weisen", erklärte sie. Heaven nahm ihren Umhang vom Sessel und zog ihn über. Es war ein merkwürdiges Gefühl, für sie, nach so langer Zeit wieder einen Umhang zu tragen. Dennoch freute sie sich nun doch, gleich den Schüler gegenüber zu trete. Die Angst und die Anspannung waren vollkommen verflogen. So verliessen Heaven, Minerva und Melchior Heaven's Räume und machten sich auf den Weg zur grossen Halle. Auf dem Weg schlossen sich ihnen Pomona und Filius an. In der grossen Halle war der Lehrertisch schon fast vollkommen besetzt. Bis auf den eben Eingetroffenen und Severus, waren schon alle anwesend und hatten ihre Plätze auch schon eingenommen. Kurz bevor die Schüler eintrafen erhob sich Pomona von ihrem Platz, um die neuen Erstklässler in Empfang zu nehmen. Als sie gerade die Hälfte des Ganges vom Lehrertisch zur grossen Eingangstür erreicht hatte, rauschte Severus an ihr vorbei, um dann mit einem mürrischen Blick auf seine Tischnachbarin, Heaven, Platz zu nehmen. „Guten Abend", grüsste diese ihn auch sogleich. „Ich wüsste nicht, was an diesem Abend gut sein sollte", gab er in einem bedrohlichen Tonfall zurück. Heaven zuckte nur mit den Schultern. Na dann halt nicht, dachte sie sich. Schliesslich hörte man einen gewaltigen Lärmpegel näher kommen und die ersten Schüler betraten die Halle, um an ihren Haustischen Platz zu nehmen. Die meisten warfen kurz einen neugierigen Blick zum Lehrertisch, wanden ihre Köpf dann aber wieder ab und unterhielten sich weiter mit ihren Freunden. Heaven beobachtete die Schüler dabei, wie diese sich an die langen Tische setzten und geduldig auf die Erstklässler warteten. Kurze Zeit später betrat Pomona die Halle, gefolgt von etwa einhundert jungen Hexen und Zauberern, die sich zum Teil mit offenen Mündern und grossen Augen umsahen. Unweigerlich musste Heaven daran denken wie sie vor einigen Wochen selber das erste Mal Hogwarts mit all seiner Schönheit betreten hatte. Die neuen Erstklässler wurden von Pomona aufgerufen und ihnen wurde der Hut aufgesetzt der sie dann ihren Häusern zu teilte. Nach Verkündung des Hauses sprangen die Kinder vom Hocker und begaben sich zu ihren Haustischen. „Ich erinnere mich als wäre es erst gestern gewesen, als mich der Hut dem Hause Gryffindor zugeteilt hatte", erzählte Minerva Freude strahlend. Severus gab einen genervt klingenden Laut von sich, was ihm einen bösen Blick seitens der Schulleiterin einbrachte. Doch auf diesem Gebiet war er eindeutig besser und warf ihr einen mindestens ebenso giftigen Blick zu. Heaven stiess ihm mit dem Arm in die Seite, er fuhr ruckartig herum und bedachte sie ebenfalls mit einem zornigen Blick. Konnte man nicht einmal seine Ruhe haben, fragte er sich. Heaven liess sich von seinem Blick nicht einschüchtern. Melchior jedoch, der einen Platz weiter sass, würde sich am liebsten in Luft auflösen und machte sich in seinem Stuhl möglichst klein. Bevor Severus jedoch dazu kam Heaven anzugiften, erhob die Schulleiterin das Wort. „Herzlich Willkommen zu einem neuen Schuljahr, hier auf Hogwarts. Ich möchte zum wiederholten male darauf hinweisen, dass der verbotene Wald seinen Namen nicht umsonst trägt. Jeder Schüler der es dennoch wagt einen Fuss in den Wald zu setzten wird einen dementsprechende Strafe erhalten. So und nun zu den Änderungen im Kollegium. Wie einige es sicher schon bemerkt haben gibt es einige Veränderungen. Da ich nun den Posten als Schulleiterin übernommen habe, werde ich nicht mehr unterrichten können und mein Amt als Hauslehrerin von Hogwarts auch nicht mehr bekleiden können. Ihr neuer Lehrer in Verwandlung wird Professor Melchior Eltringham sein." Melchior erhob sich unter kurzen Applaus von seinem Platz und nickte jedem der Haustische einmal freundlich zu. Dann nahm er wieder Platz. „Professor Severus Snape, der nach seiner Verletzung beim Krieg noch nicht vollständig genesen ist, nimmt dann nach seiner Genesung sein Amt als Professor für Zaubertränke wieder auf", fuhr sie fort. Kollektives Aufstöhnen ging durch die Halle, nur der Slytherintisch applaudierte. Mit einem seiner berühmt berüchtigten Todesblicke brachte er das Aufstöhnen zum Verstummen. Als sich die Unruhe wieder gelegt hatte sprach Minerva weiter. „Solange Professor Snape verhindert ist, wird Professor Heaven McAdam das Fach Zaubertränke bekleiden, desweitern wird sie Verteidigung gegen die dunklen Künste unterrichten und mein Amt als Hauslehrerin Gryffindors übernehmen." Heaven erhob sich von ihrem Platz und grüsste mit einem Kopfnicken. Lautes gejubel und geklatsche brach aus. Der Gryffindortisch klatschte und jubelte am lautesten und hiess seine neue Hauslehrerin herzlich Willkommen. „Jetzt bleibt mir nur noch übrig allen viel Erfolg und gute Noten zu wünschen und natürlich erst einmal allen einen guten Appetit", sagte sie als langsam wieder Ruhe in der Halle einkehrte und klatschte in die Hände, worauf das Essen erschien. Heaven, die erst jetzt bemerkte wie hungrig sie war, füllte ihren Teller und begann zu essen. „Die Schüler scheinen dich jetzt schon zu mögen", stellte Melchior neben ihr fest. „Möglich", erwiderte sie daraufhin knapp. „Nein, ich bin mir ganz sicher. Sie doch mit was für bewundernden Blicken sie zu dir hier hoch sehen", sagte er. Severus hätte am liebsten die Augen über diese Äusserung verdreht, aber das würde sein Image zerstören, denn es gab wirklich viele Schüler die zum Lehrertisch sahen, genauer zu seiner Sitznachbarin. Diese liess gerade ihren Blick unauffällig durch die Halle schweifen und stelle fest, dass Melchior wohl Recht hatte. Hin und wieder begegnete sie dem Blick eines Schülers, der sie bewundernd ansah. Schliesslich gelangte sie zum Gryffindortisch und erkannte Hermine, die neben einem rothaarigen Jungen sass. Ihnen gegenüber sassen ein rothaariges Mädchen und ein schwarzhaariger Junge, den sie sofort als Harry erkannte. Als Hermine bemerkte, dass sie beobachtet wurde, sah sie suchend umher und begegnete schließlich Heavens Blick. Heaven lächelte ihr zu und Hermine lächelte zurück, dann wand sie sich wieder ab und unterhielt sich weiter mit ihren Freunden. Gerade als sie ihren Blick weiter schweifen lassen wollte, hob Harry seinen Kopf und lächelte ihr unsicher zu. Erfreut lächelte sie zurück. „Das Gesicht könne sie sich schon mal merken, der stellt nur Unsinn an und seine Freunde auch", höre sie Severus, der wohl ihrem Blick gefolgt war, abfällig von der Seite. Ungläubig wandte sie sich Severus zu. „Ich denke nicht, dass Mister Potter so viel Unsinn macht, wie sie sagen und seine Freunde auch nicht", erwiderte sie auf den anfälligen Kommentar. »War ja klar, was sie Potter denkt«, dachte sich Severus. „Sie werden ja noch sehen", sagte er mehr zu sich selbst, als zu Heaven. Doch diese bekam ganz genau mit, was er sagte und gab einen verärgerten Laut von sich. „Ja, das werde ich", meinte sie nur und wand sich dann ihrem Teller zu. Kurz darauf hob sie ihren Kopf aber wieder, denn sie bemerkte, dass sie beobachtet wurde. Suchend liess sie ihren Blick durch die Halle wandern und stoppte schließlich beim Slytherintisch, genauer bei einem blonde Jungen, der als er erkannte, dass man seinen Blick bemerkt hatte, schnell woanders hin sah. Heaven könnte schwören, dass sie gesehen hatte, wie die Wangen des Jungen Farbe annahmen. Jedoch war dieser Moment viel zu kurz, so dass sie sich nicht sicher war, ob es wirklich so war. Sie senkte ihren Kopf wieder und beendete ohne weitere Störungen das Essen. Unsicher, was sie jetzt machen sollte, blickte sie zur Schulleiterin, die ihr kurz zu lächelte und sich dann erhob. „Das Mal ist beendet, wenn die Erstklässler nun den Vertrauensschülern in die Gemeinschaftsräume folgen würden", verkündete sie, woraufhin lautes Gedränge in der Halle ausbrach. Eine viertel Stunde später hatten alle Schüler die Halle und die Lehrer erhoben sich ebenfalls um sich auf den Weg zu ihren Räumlichkeiten zu machen. Da alle Lehrer, mit Ausnahme von Severus, im ersten Stock oder höher wohnten, wurde Heaven von fast der ganzen Belegschaft zu ihren Räumen begleitet. Einige ihrer Kollegen merkten an, dass die Schüler wohl jetzt schon einen Narren an ihr gefressen hatten. Als sie schliesslich bei ihren Räumen ankam, verabschiedete sie sich freundlich und wünschte eine gute Nacht bevor sie ihre Räume betrat. Die Stille die hier herrschte, war nach all dem Lärm, beinah gespenstig. Um die Stille zu vertrieben setzten Heaven sich an den Flügel und spielte einige Lieder, bevor ihr beinah die Augen zu fielen. Sie schlappte sich müde in ihr Schlafzimmer und legte sich ohne sich umzukleiden auf das Bett und schlief sofort ein.