10. Kapitel – das Zusammentreffen

Langsam, Schritt für Schritt tasteten sich die beiden Männer voran. Es war komplett dunkel und daher sahen sie nichts, nicht mal ihre eigenen Hände vor den Augen. Daher mussten sie aufpassen, dass sie über nichts stolperten. Aus dem Inneren der Höhle wurde das Brummen immer lauter, so dass es fast wie ein Schnarchen eines Menschen klang.

„Hörst du das auch, Niederlande?", flüsterte Deutschland so, dass man es kaum hören konnte.

„Ja, das scheint fast ein Mensch zu sein, aber das ist nicht möglich! In der Jura gab es noch keine Menschen, noch nicht mal Menschenaffen. Oder schnarchen Dinosaurier jetzt schon?"

„Man weiß ja nie! Wir müssen auf jeden Fall aufpassen. Und was wenn wir nicht die einzigen Zeitreisenden sind? Wir haben ja immer noch nicht geklärt, wie wir hierhergekommen sind und wie wir zurückkommen können!"

„Also geh du weiter, Lud!"

„Was? Wieso ich? Hast du etwa Angst?"

Nee, aber bist du nicht der starke Deutschland? Also zeig doch mal, was für ein Mann du bist. Oder bist du etwa doch so ein Weichei, wie Italien es mir insgeheim gesagt hat?" Die Lüge des Niederländers hatte seine Wirkung nicht verfehlt, denn Deutschland ging sofort, sehr wütend aber ohne weiter etwas zu sagen, vor und achtete nicht mehr, wohin er ging, worauf er aber lieber achten hätte sollen. Auf dem Weg weiter in die Höhle stolperte er plötzlich über irgendeine Gestalt, die auf dem Boden lag und fiel hin.

„Aua! Was war das?" Er hielt sich den Kopf und bemerkte, dass sich die Gestalt aufrichtete. Durch den Mondschein, der genau hinter der Person schien, konnte er einige Umrisse erkennen.

Aïe!", schrie diese Person und Deutschland konnte seinen Ohren nicht trauen. Diese für ihn schwul klingende Stimme, dieser schreckliche Akzent, das konnte nur eine Person sein; einer den er schon seit seiner Kindheit hasste und deren Feindschaft in so manchen Kriegen geführt hatte.

„Frankreich!", schrie er und bemerkte, dass Francis nicht alleine war. „Was machst du hier? Und wen hast du in diese Welt mitgebracht?"

Allemagne, oh non!", antwortete der Franzose genervt. „Das kann doch nicht wahr sein! Das gleiche könnte ich dich fragen!"

France? Wer ist los?" Amerikas Stimme hallte wie ein Echo durch die ganze Höhle. „Habe ich nicht eben die Stimme des Nazis gehört?"

Ludwig erkannte diese Stimme ebenfalls und seufzte nur. „Es gibt keinen Nazi hier, Hamburgerfresserin! Diese Zeit ist schon lange vorbei. Merk dir das endlich!"

Russland nahm ein paar Hölzer, die sie aufbewahrt hatten und zündete damit das Lagerfeuer wieder an und so konnten sie sich alle sehen.

Deutschland sah sich um und bemerkte die dort anwesenden. „Was macht ihr alle hier? Ich dachte, dass wir die einzigen seien, die in diese Welt gekommen sind."

„Das ist alles Alisons Schuld, kolkolkolkol", lachte Russland. „Sie hatte einen Fluch über mich verhängen wollen und so hat sie uns alle hierher geschickt."

Wütend blickte der Deutsche zu der Amerikanerin, die darauf nur nickt. „Es ist also alles die Schuld von dieser fastfoodsüchtigen Schlampe!" Seine Stimme klang sehr gereizt. „Wenn du Probleme mit diesem Kommunisten hast, lass sie bitte nicht an den Anderen aus, ist das klar? Wir wären fast alle gestorben und das nur wegen dir."

„Ich bin nicht fastfoodsüchtig!", schrie Alison zurück.

Ivan grinste sie erneut an. „Also bist du wirklich eine Schlampe, kolkolkolkol."

„Wer ist denn mit dir hierhergekommen, wenn du von ‚wir' sprichst?", fragte Emily neugierig.

Aus dem Hintergrund traten jetzt Niederlande gefolgt von Italien und Portugal hervor. „Na, wir! Wir, die Beiden Frauen und ich, sind die anderen, die mit meinem uncoolen Vetterchen hergekommen sind."

Als Alice ihren Vetter Francis sah, war sie überglücklich. „Francia, ve~! Wie lange haben wir uns nicht mehr gesehen." Sie lief zu ihm und umarmte seinen Hals ganz stark.

Italie!", freute sich der Franzose, erwiderte die Umarmung und gab ihr schließlich einen Kuss auf die Stirn.

Das ganze sah Deutschland aber gar nicht gern und kochte schon fast vor Eifersucht. Er kapierte aber nicht, warum er so eifersüchtig auf die anderen war, die Alice so nahe kamen. Aber auch die Engländerin schien nicht sehr glücklich über die Zuneigung der beiden Cousins zu sein. „Hey, France! Ich versteh ja, dass ihr euch seit langer Zeit nicht mehr gesehen habt, aber müsst ihr euch öffentlich so aufführen? Ihr scheint kleine Kinder zu sein, die gerade einen Lutscher bekommen haben…"

Diese Aussage von Emily ließ Francis ein bisschen mit der Augenbraue zucken. „Uh, Angleterre! Wie ich sehe bist du eifersüchtig! Gesteh doch endlich, dass du mich liebst. Das wissen doch alle." Er machte eine kleine Pause und sah in dieser kurz zu Ludwig. „Naja, jedenfalls die intelligenten unter uns."

„Ich liebe dich NICHT, Franzmann!", antwortete darauf die Engländerin. „Du bist wirklich zu blöd, um das zu verstehen, Schneckengesicht."

Alice sah die Engländerin dabei ganz wütend an. „Inghilterra! Was sagst du da? Beleidige nicht meinen wertvollen Vetter, humorlose Frau!"

„Halt dich daraus, Pizzafresserin! Das ist eine Sache zwischen dem Bisexuellen und mir! Das geht dich gar nichts an."

„Wenn du meine Familie beleidigst, geht mich das ja wohl was an. Nur weil ihr Germanen nicht so viel von Familie haltet, heißt das nicht, dass wir Neurömer das auch nicht müssen. Für uns ist die Familie wichtig!"

Der Franzose konnte sich ein breites Lächeln nicht verkneifen. ‚Oh wie toll! Zwei Frauen, die sich nur wegen mir streiten!', dachte er sich erfreut. ‚Ich wusste doch schon immer, dass ich sehr begehrensvoll bin.'

„Streitet euch nicht!", ging Joana dazwischen. „Wir sind hier alle zusammen gefangen und müssen daher auch zusammen durch das alles gehen."

In der Zwischenzeit begab sich Jasper langsam zu der halbnackten Amerikanerin und musste dabei auf ihren Busen starren. „Oh, Amerika! Hat dir schon mal jemand gesagt, dass du verdammt heiß bist?" Er biss sich dabei leicht auf die Lippen.

Alison grinste ihn dabei nur an. „Yeah! Alle Männer sagen das von mir." Sie musterte ihn genau. „Aber ich gebe mich nur mit echten Männern ab und nicht mit solchen Junkies wie dir. Hast du mich verstanden, Versager?"

Diese Worte lösten in Niederlande einen großen Hass aus. „Wer ist hier ein Versager? Ich bin der coolste von allen. Niemand kann es mit mir aufnehmen, Babe! Glaub mir, nach einer gemeinsamen Nacht wirst du nicht mehr wissen, wo oben oder unten ist!"

„Oh, das würde ich gerne erleben! Beweis es mir, du wilder Hengst!"

Das Gespräch zwischen den Beiden überhörte zu Jaspers Pech Portugal nicht. Sofort ging sie auf die Beiden zu und trat ihn dorthin, wo es am meisten weh tut.

„Portugal!", schrie er vor Schmerzen. „Was sollte das werden? Wieso hast du das gemacht?"

„Eine wilde Nacht mit der Tussi dort?" Dabei zeigte sie auf Alison. „Denkst du, dass ich da so einfach zu stimme? Du willst wohl jede flachlegen!"

„Bist du etwa neidisch, Schätzchen? Ich hatte dir doch meine besten Nächte geschenkt, also beschwer dich nicht. Oder willst du noch einmal geritten werden?"

„Sag mal, hast du sie nicht mehr alle?", schrie Joana ihn an. „Ich bin doch keine Hure, die immer nur an das eine denken muss! Und muss ich dich erinnern, dass wir nicht mehr zusammen sind, da du mich damals mit meiner kleinen Schwester Brasilien betrogen hast?"

Das ganze wurde Amerika zu heiß und daher stand sie auf und begab sich wieder zu Russland, das hieß viel. Sie wollte sich nicht zwischen diesen beiden Streithähnen stellen, da es wahrscheinlich noch zu einer großen Eskalation kommen könnte.

Jasper stieß die Portugiesin leicht an. „Aber ich spüre doch, dass du insgeheim Sehnsucht nach mir hast! Ist es nicht so, lieve meisje?"

Darauf wurde Joana komplett rot und wusste nicht, wie sie antworten sollte. „Ähm… ähm… ach, was weiß denn schon ein Drogensüchtiger wie du von Liebe und Sehnsucht!"

„HÖRT MIR ALLE ZU!", schrie Deutschland durch die Höhle, so dass man das Echo noch Minuten später hören konnte. Danach waren alle leise und schauten zu ihm. „Gut so! Es ist schon spät und wir sollten unsere Kräfte sparen. Lasst uns am besten alle schlafen gehen, aber einer muss Wache halten, damit er die anderen im Notfall warnen kann."

„Ah, thanks and good night!", riefen England und Amerika wie aus dem Chor.

Merci beaucoup, Allemagne! Bonne nuit!"

Spasiba, Germania!"

Dank je wel, Vetter!"

Muito obrigada, Alemanha, boa noite!"

Nur Italien sagte nichts, sondern sah ihn mit immer müderer werdenden Augen an, da sie ihm noch nicht ganz vertraute.

Und so legte sich Alison wieder mit Ivan unter seinen Mantel, genauso wie es Francis und Emily taten. Jasper bemerkte, dass Alice ganz allein war und ging kurz zu ihr. „Wenn du willst, kannst du mit mir und Joana zusammenschlafen."

Dieses Angebot schockierte die Italienerin sehr, da nachdem, was sie an diesem Tag gesehen hatte, wollte sie Deutschlands Verwandten nicht mehr zu nahe kommen, da sie die Bedenken hatte, dass er sie ebenfalls begrapschen könnte. „No grazie, Olanda! Ich schlafe heute Nacht alleine. Ich will euch beide ja nicht stören", zwinkerte sie ihm zu. Und so schlief sie alleine ein.

Ludwig seufzte, dass er so einsam da sitzen musste, um Ausschau halten. Als er in den Himmel sah, erinnerte er sich an die schöne Vergangenheit mit Italien; damals, als die Beiden noch Freunde waren und zusammen kämpften beobachteten sie die Sterne zusammen und erzählten sich Geschichten über die Konstellationen und hatten viel Spaß dabei. Mit einem kleinen Lächeln erinnerte er sich gerne an diese Momente und wünschte sich, dass die schnell wiederkommen würden. Als er dann zu Italien sah, bemerkte er, dass sie extrem bebte und daher zog er seine Jacke aus, um diese auf sie zu legen, damit es ihr nicht mehr so kalt wäre. Dadurch holte er sich aber eine Erkältung…