Hermione hatte sich zu einer Kugel zusammen gerollt, Patrick der Kniesel schmiegte sich an ihre Füße und wärmte sie. Sie hatte ihre Räume von oben bis unten abgesucht – überall. Sie war zu ihrem Büro gefloht und hatte dort bis halb drei morgens gesucht. Nichts. Sie hatte dann aufgegeben und hatte sich selbst erlaubt mehr zu schluchzen und zu weinen. Sie drehte sich ein wenig um und fühlte etwas gegen ihren Rücken drücken. Vorsichtig ertastete sie mit ihren Fingern was es war und zog die zerknitterte Rolle Pergament unter ihr hervor. Ihre Augen rot und verquollen, ihre Sicht etwas verschwommen, entrollte sie es und setzte sich auf.
Hermione,
Es tut mir so leid. Ich sollte kommen und dich holen als James geboren wurde. Aber es gab immer etwas zu tun und Alex brauchte mich und Nadeshda brauchte mich und ich wurde aufgehalten. Ich habe vorhin versucht dich anzuflohen, aber ich vermute du hast Schutzwälle und ich kam nicht durch. Wie auch immer, nur zur Erklärung. James wurde vor drei Tagen geboren und er sieht aus wie Harry – diesmal hat sich die Weasleyseite nicht durchgesetzt. Snape wird es hassen wenn ein neuer James Potter, der aussieht wie ein Potter, nach Hogwarts kommt!
In Liebe,
Ron
Hermione schäumte. Niemand hatte daran gedacht ihr Bescheid zu sagen und sie hatten nicht mal den Mumm gehabt, Molly Weasley zu sagen, dass sie es gar nicht wissen konnte. Sie hatte Ginny ein paar Tage bevor das Baby anscheinend geboren worden war geschrieben und nie eine Antwort bekommen. Harry war nie aufgetaucht und Ron – anscheinend war er ziemlich unzuverlässig wenn es um etwas anderes als seine Familie ging. Und es gab sicherlich kein so genannte Goldenes Trio mehr. Es gab Harry und Ron und ihre Familien. Und dann Hermione. Sie akzeptierte das. Kinder? Ja. Vielleicht. Irgendwann. Noch nicht.
Sie fiel in einen unruhigen Schlaf, entschlossen am nächsten Morgen den Fuchsbau aufzusuchen. Sie musste das klarstellen.
Severus rieb sich den Schlaf aus den Augen und saß eine Sekunde in seinem Bett aufrecht. Etwas hatte ihn aufgeweckt, aber er konnte sich um alles in der Welt nicht daran erinnern, was es gewesen war. Dann klopfte es erneut an seiner Tür und er wusste wieso er so plötzlich aus dem Schlaf gerissen worden war. Vielleicht war das jemand, ein Slytherin der ihm mehr vertraute als seinem Hauslehrer oder ein anderer Notfall.
Er brummte, schlang eine lange, schwarze, bedeckende Robe fest um seinen nackten Oberkörper und die Muggle Pyjamahose die er trug – irgendwie war es immer bequemer darin zu schlafen, statt Zauberertraditionen aufrecht zu erhalten und Nachthemden zu tragen – und mit dem Zauberstab in der Hand aber barfüßig, ging er zur Tür. Ein weiteres Klopfen und er wusste wer es war. Er riss die Tür auf und sah in Minervas lächelndes Gesicht.
Er rollte mit den Augen, trat aber beiseite. Es wäre nicht gut, wenn Schüler ihn so sehen würden – so unangezogen. „Schulleiterin", sagte er zynisch.
„Guten Morgen, Severus. Ich bin gerade aus London zurückgekehrt".
„Interessant. Mitten in der Nacht", brummte er.
„Es ist halb sechs", schnappte sie. „Du warst immer als erstes wach als du hier unterrichtet hast".
Severus rollte die Augen. „Du wirst feststellen, dass ich das immer noch bin. Wenn tatsächlich Unterricht stattfindet. Heute ist Sonntag".
„Ich bin mir dessen sehr wohl bewusst", sie schüttelte den Kopf und er kannte diese Bewegung, seit er Hogwarts besucht hatte. „Macht es dir etwas aus, wenn ich einen Moment mit deiner Großmutter spreche?".
Severus stöhnte und deutete auf sich.
„Geh und zieh dich um. Wir frühstücken dann gemeinsam", sie lächelte ihn an. „Bitte?".
Er runzelte die Stirn, machte aber eine kapitulierende Handbewegung. „Setz ihr keine Flausen in den Kopf", murmelte auf dem Weg in sein Schlafzimmer.
„Natürlich tut sie das", rief seine Großmutter aus ihrem Portrait, bevor sie Minerva anlächelte. „Guten Morgen, mein Mädchen".
„Guten Morgen, Lux", Minerva strahlte zu der Frau im Gemälde auf.
„Wenn du einen stummen Stillezauber sprichst, bemerkt er es nicht". Lux zwinkerte.
„Es sind seine Räume. Natürlich wird er es bemerken", protestierte Minerva.
Lux schüttelte den Kopf. „Wird er nicht. Vertrau mir". Aber als Minerva ihre Hand hob, stoppte sie sie mit einem Zischen. „Nein. Nicht den".
„Was, ich wollte nicht ...".
„Sprich keinen Silencio oder Muffliato. Versuch Generate Domestici". Lux grinste.
„Generate Domestici?", fragte Minerva.
„Einer von Quintus Zaubern. Er liebte es mit seiner Mutter im Gemälde zu sprechen, ohne, dass ich es hörte. Es ist ein einfacher, leichter Zauber und er wird es nicht bemerken". Sie kratzte sich kurz am Kinn. „Beweg den Zauberstab wie ein Fragezeichen".
Minerva lächelte, konzentrierte sich und bewegte ihren Zauberstand in der beschriebenen Fragezeichenbewegung. „Hat es funktioniert?", fragte sie neugierig.
„Wir werden sehen", lachte Lux und rief : „Severus!". Beide Frauen drehten sich zur Schlafzimmertür um, aber nichts passierte, außer, dass sie ihn kramen hörten. „Okay, schnell. Neuigkeiten?".
„Hermione weiß immer noch nicht, dass sie es ist. Oder zumindest nicht, als ich gegangen bin und sie schien ein wenig merkwürdig gestern Abend beim Abendessen. Filius hat mir das erzählt. Außerdem bin ich sicher, dass sie zu mir gekommen wären, wenn sie es herausgefunden hätte".
„Wieso weiß sie nicht, dass sie das Mädchen ist?".
Minerva zuckte mit den Schultern. „Deine Vermutung ist genauso gut wie meine. Ich fand es nur ein wenig, nun ja, merkwürdig, dass sie gestern überhaupt hier war. Laut Molly Weasley ...", Minerva lachte, als sie sah wie Lux bei diesem Namen die Nase rümpfte, „war sie nicht bei der Namensgebung für Harrys und Ginnys Sohn gestern. Und sie sollte Patin werden".
„Warum war sie dann hier?".
„Ich vermute, sie wusste nichts davon", antwortete Minerva dunkel. „Ich habe von keinem von ihnen etwas gehört, obwohl Molly ziemlich wütend auf ihre Brut war weil sie nicht schreiben konnten".
„Heuchlerisches Weib", murmelte Lux.
Minerva hob ihre Augenbrauen kritisch. „Wie dem auch sein mag, ich habe nichts gehört und noch einmal, ich hätte von ihr gehört, wenn sie von ihnen gehört hätte. Das klang seltsam", fügte Minerva nachdenklich hinzu.
„"Also glaubst du, sie haben sie vergessen".
„Verlassen", erklärte Minerva von der Prophezeiung. „Ich glaube, dass sie sich bald verlassen fühlen wird. Vor allem da Arthur sagte, dass er Schwierigkeiten hatte, Molly davon abzuhalten einen Heuler zu schicken".
„Armes Mädchen". Lux schüttelte ihren Kopf. „Ich kann sehen, wieso sie zueinander passen würden", fügte sie leise hinzu.
„Wie geht es ihm?", fragte Minerva, Besorgnis in der Stimme.
Lux zuckte die Achseln. „Er hat sich letzte Nacht Zartbitterschokoladenpudding von seiner Hauselfin bringen lassen und hat ihn mit in sein Schlafzimmer genommen. Er tut so, als wäre es ihm egal, aber ich weiß, dass es ihm nicht wirklich egal ist. Wenigstens schmachtet er dem Evans Mädchen nicht mehr hinterher".
„Lily – ja, das war schon eine Geschichte".
Lux durchbohrte Minerva mit ihrem Blick. „Darum ist er weg gerannt, Minnie ...".
„Du bist die Einzige, die mich so nennen darf, ich hoffe das weißt du und wenn du es wagst, Severus davon zu erzählen … nun, du kannst ihm sagen, dass ihn Sev nennen werde, wenn er es jemals wagt mich Minnie zu nennen", drohte sie.
„Ich werde es keiner Menschenseele erzählen. Das würde ich nicht wagen", Lux stimmte in das Lachen ein.
Minerva grinste einen Moment länger und wurde dann wieder ernst. „Ich weiß, dass er deswegen weg gerannt ist. Aber Harry, er ist einfach so, er wollte, dass jeder wusste, was für ein guter Mensch dein Enkel ist. Und er ist einfach gegangen und hat es allen gesagt. Severus hasst es. Immer noch. Er ist zweimal in die Große Halle zum Abendessen gegangen und einmal war ich nicht mal da".
„Mh, gestern Abend. Ich habe ihn geschickt".
„Gut. Danke", Minerva lächelte. „Er muss sich wieder an Menschen gewöhnen. Muss sich wieder daran gewöhnen, dass Menschen ihn normal behandeln, meine ich. Nicht wie ein Trugbild. Du würdest nicht glauben, wie viele Liebesbriefe hierhin geeult wurden, nachdem Potter mit allem herausgeplatzt ist. Nachdem er aus dem Krankenflügel entlassen werden konnte und ihm der Merlinorden verliehen worden war. Es ist es nicht gewohnt im Rampenlicht zu stehen und er hasst es".
Lux stimmte mit einem Summen zu. „Du solltest den Zauber langsam beenden. Er kommt bald raus, aber bevor du das tust … gibt es ein Gemälde in Hermiones Räumen, das ich besuchen könnte?".
„Du willst sie treffen". Minerva lächelte.
„Oh, definitiv". Lux zwinkerte wieder.
„Ich bringe ihr Gundorf den Grummeligen hoch". Sie lächelte und hob ihren Zauberstab. „Finite Incantatem".
Severus rollte die Augen als er die zwei Frauen zusammen kichern sah. Besonders Minerva – die niemals kicherte. Er räusperte sich und beäugte die beiden kritisch mit einer elegant gehobenen Augenbraue. „Glaub ja nicht, dass das ein regelmäßiges Vorkommnis für dich wird, Minerva", zischte er.
„Natürlich nicht, mein Junge", beruhigte Lux. „Normalerweise gehe ich hoch in ihr Büro. Spreche ein wenig mit ihr und Albus".
Severus seufzte innerlich und fixierte Minerva mit seinem Blick. „Frühstück, Weib?".
„Sei nicht so respektlos gegenüber deiner Schulleiterin!", tadelte Lux ohne Schärfe in ihrer Stimme.
Minerva grinste, zuckte die Schultern und ohne Einladung nahm sie Severus Arm. „Wollen wir dann gehen?".
Er nickte nur und führte die ältere Frau aus seinen Räumen.
Das weinende Baby weckte sie auf. Zum dritten Mal diese Nacht. Wieso schien der Junge immer aufzuwachen, wenn sie gerade eingeschlafen war. Ihr Bett war warm und gemütlich, aber sie war im Bruchteil einer Sekunde auf, fror und wickelte sofort eine dicke, schwere, schwarze, lange Robe um sich. Sie sah sich im Raum um und bemerkte sofort, dass etwas fehlte. Sie konnte nicht genau sagen was, aber wirklich, der Raum schien leer.
Hermione ging barfüßig über den Steinboden in das Kinderzimmer und bemerkte erst, als sie die Tür öffnete, die nur angelehnt gewesen war, dass das Baby aufgehört hatte zu weinen. Sie seufzte, entschied aber, dass sie sicher gehen wollte, dass es ihm trotzdem gut ging, aber als sie neben seiner Krippe stand, war er nicht drin.
„Quintus?", fragte sie leise.
„Shh, Hermione. Er ist gerade erst wieder eingeschlafen", antwortete eine bekannte, samtig glatte Stimme.
Sie drehte sich um und stand einem alten Schaukelstuhl gegenüber. Ihre müden Augen bemerkten ihn sofort und ihr Mund verzog sich zu einem glücklichen Lächeln. „Severus. Ich habe nicht bemerkt, dass du auf bist".
„Quintus hat geweint und du warst gerade eingeschlafen", erklärte er. „Ich war auf. Er ist auch mein Sohn".
„Hatte er Hunger?", fragte Hermione, bemühte sich nicht ihr Gähnen zu unterdrücken und ging vorsichtig auf den Schaukelstuhl zu.
„Nein. Ich denke er hatte nur ein wenig Angst vor irgendetwas", antwortete Severus leise und verlagerte das schlafende Baby in seinen Arm. Er lächelte liebevoll und klopfte auf seinen linken Oberschenkel. „Willst du dich setzen?".
Hermione lächelte zurück und machte es sich auf seinem Bein bequem, lehnte sich an seine breite Brust, während er einen Arm um ihre Taille schlang. Sie sah ihn kurz an, nahm den kleinen Jungen von seinem Arm und rückte näher an ihn heran. Sie schloss ihre Augen, atmete den Babyduft ein und genoss seine Lippen auf ihrer Schläfe.
„Merlin, ich bin glücklich", flüsterte er gegen ihr Ohr, bevor seine Lippen wieder ihre Schläfe und Augenbraue angriffen.
„Ich auch, Severus, ich auch", flüsterte sie und genoss das Gefühl seiner Zunge auf ihrer Haut.
„Ick, Patrick, runter von mir!", rief Hermione, schubste den Kniesel, der ihr über das Gesicht geleckt hatte, vom Bett und versuchte ihren Atem wieder unter Kontrolle zu bringen. Ein Kind mit Severus. „Sicher", sagte sie zu sich selbst, ihre Stimme triefend mit Sarkasmus.
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