Und weils so schön ist, das nächste Kapi gleich hinterher +lach+

11. Gehorsam

Nachdem Dumbledore, Tepes und sein Meister verschwunden waren, stöhnte Snape einmal kurz auf und schlurfte zurück in sein Schlafzimmer. Dabei registrierte er nur am Rande, dass er Potter jetzt sogar schon in seinen Gedanken als „Meister" bezeichnete. Er war jedoch viel zu müde, um sich damit auseinander zu setzen. Also legte er sich wieder in sein Bett und hoffte, dass sich die ganze Sache am nächsten Morgen nur als ein böser Traum heraus stellen würde.

Snape wusste nicht wie lange er geschlafen hatte, aber er füllte sich nicht sonderlich besser als am Vortag. Sein Körper schmerzte und in seinem Kopf herrschte ein absolutes Chaos. Langsam öffnete er die Augen und rechnete damit, seinen Meister wieder am Bett sitzen zu sehen. Frustriert murmelte er: „Es heißt Potter, verdammt und nicht Meister."

Plötzlich spürte er wie eine neue schmerzhafte Welle durch seinen Körper schoss. Gequält wimmerte er auf und rollte sich auf seinem Bett zu einem Ball zusammen. Er registrierte nur schwach, wie jemand die Schlafzimmertür öffnete und eintrat. Erst als zwei Hände ihn vorsichtig auf den Rücken drehten und sich auf seine Brust legten, hörte der Schmerz auf.

Er musste nicht die Augen öffnen um zu wissen, dass sein Meister neben ihm stand. Schließlich hörte er die leise Stimme: „Schlaf, Severus. Du brauchst dringend Ruhe." Erschöpft rollte sich Snape auf die Seite und schlief auch augenblicklich ein.

Die nächsten Tage verbrachte Snape mehr oder weniger in seinen Fieberträumen. Er wachte nur für kurze Zeit auf und dann wurden ihm Heiltränke oder einfach nur Wasser eingeflösst. Schemenhaft erkannte er Dumbledore oder Madame Pompfrey, die manchmal bei ihm waren und ihn sorgenvoll musterten. Seine einzige Konstante aber war überraschenderweise sein Meister. Wann immer er aufwachte, saß Harry entweder auf einem Stuhl neben seinem Bett und las oder er half der Medihexe.
Snapes Träume waren ein wildes Durcheinander. Er wurde von vielen Schlangen umlagert, eine davor war Nagini, die sich plötzlich in Voldemort verwandelte. Der Dunkle Lord lachte kalt und sprach auf Parsel. Sofort stürzten sich die Schlangen auf ihn, umwickelten seine Arme und Beine wie Marionettenfäden. Die Schwänze der Schlangen hielt Voldemort in seinen Händen.
Snape musste hilflos mit ansehen, wie er sich ohne sein Zutun bewegte. Er war nur noch eine Puppe. Plötzlich veränderte sich die Szenerie wieder und aus Voldemort wurde Harry. Ein kurzer Befehl auf Parsel und die Schlangen ließen von ihm ab und verschwanden in der Dunkelheit. Erleichtert blickte er seinen Meister an, der sich ebenfalls in Luft auflöste.

Nach fünf Tagen in seinem Delirium erwachte Snape ohne nennenswerte Schmerzen. Nur ein leichtes Ziehen in einigen Muskeln zeigte, dass er noch nicht völlig gesund war. Vorsichtig setzte er sich auf. Er war nicht sonderlich überrascht, als er plötzlich eine helfende Hand spürte, die ihn mit sanftem Druck in die richtige Position dirigierte.

„Du hast uns einen ziemlichen Schrecken eingejagt, Severus.", meinte Harry, während er Snape ein Glas Wasser reichte. Dankbar nahm er es und trank es in zwei großen Zügen aus: „Vielen Dank, Meister." „Ich denke mal, du willst dich frisch machen. Ich warte solange im Wohnzimmer. Wenn du Hilfe brauchst, ruf einfach.", sagte Harry und verschwand durch die Tür.

Langsam stand Snape auf und ging in Richtung Bad. Dabei musste er immer wieder gegen den Drang ankämpfen zu seinem Meister ins Wohnzimmer zu gehen. Ob er wohl sehr wütend war, dass er krank gewesen war? Aber dann hätte er ihm nichts zu trinken gegeben ... oder an seinem Bett Wache gehalten. Wie in Trance steuerte Snape die Wohnzimmertür an und wollte sie öffnen. Er musste wissen, ob ihn sein Meister bestrafen wollte, oder ob er ihm seinen Ausfall verzieh.

Plötzlich bemerkte Snape, was er gerade vorhatte und was er sich für Gedanken machte. Entsetzt ging er, so schnell er konnte, ins Bad und beschloss, erstmal dringend kalt zu duschen.
Nach der Dusche fühlte sich sein Kopf wieder klarer an. Er zog sich frische Sachen an und betrat leise sein Wohnzimmer.

Sein Meister saß auf dem Sofa und war völlig in ein Buch vertieft. Mit einem Mal spürte Snape wie eine fremde Energiewelle durch seinen Körper raste. Automatisch senkte er den Kopf, ging zum Sofa und ließ sich in einer geschmeidigen Bewegung auf die Knie sinken. Seinen Kopf legte er auf einen Fuß seines Meisters und sprach leise: „Wie lauten Eure Befehle, Meister?"

Erschrocken schaute Harry zu Snape herunter: „Was soll das Ganze?" Genau diese Frage stellte sich sein Lehrer auch gerade. Er hatte zwar erwartet, dass er sich in der Gegenwart seines Meisters etwas unterwürfig verhalten musste, aber das hier war nun wirklich zu viel des Guten. Er versuchte wenigstens seinen Oberkörper aufzurichten, allerdings peitschte die Energie immer noch durch seinen Körper. Also blieb ihm keine andere Wahl, als in dieser Position zu verharren.

Snape wusste nicht, ob er durch den Zauber zu einer Eingebung kam: „Es sieht ganz danach aus, als ob die Magie mich zu übertriebenem Gehorsam zwingt, Meister. Höchstwahrscheinlich erwartet mich eine Strafe durch meinen Ausfall und die dadurch entstandenen Unannehmlichkeiten."

„Strafe?! Warum sollte ich dich bestrafen? Du warst krank und konntest nichts dafür.", erwiderte Harry überrascht. „Meine Krankheit wurde hauptsächlich durch die Bestrafung des Zaubers ausgelöst. Das erste Mal war es Ungehorsam und das zweite Mal Respektlosigkeit.", erklärte Snape mühsam beherrscht. Er spürte mit einem Mal, dass sich die Magie erneut in ihm regte. Wie in Trance sprach er weiter: „Bitte Meister, vergebt mir. Ihr werdet in Zukunft keinen Grund mehr haben, mit mir unzufrieden zu sein." Dabei wurde sein Ton immer flehender.

Harry war bei diesen Worten merklich blasser geworden. „Irgendetwas stimmt nicht, Severus. Laut Professor Tepes sollte die Unterwürfigkeit nicht so stark sein.", sagte er. Vorsichtig befreite er sich von Snape und ging zum Kamin. „Professor Tepes. Könnten Sie bitte herkommen. Ich fürchte, es gibt ein kleines Problem."

Keine Minute später stand sein Lehrer auch schon neben ihm und betrachtete besorgt seinen Kollegen, der immer noch dort kniete, wo ihn Harry zurück gelassen hatte: „Was ist passiert?" „Ich habe ein wenig gelesen und plötzlich hat Severus vor mir gekniet und mich regelrecht angefleht ihn nicht zu bestrafen. Sie sagten doch, dass der Fluch die Bestrafung selbst vornimmt und es damit erledigt wäre.", antwortete Harry.

„Sie haben recht, Mr. Potter. Das Band zwischen Ihnen ist aus einem mir unbekannten Grund stärker … viel stärker als es eigentlich wäre, wenn es sich nur auf das Dunkle Mal beziehen würde. Es muss noch einen anderen Zusammenhang geben. Aber als erstes müssen wir Professor Snape helfen. Sie müssen dem Zauber klar machen, dass Sie übertriebene Unterwürfigkeit nicht schätzen und gebrauchen, wenn nötig mit Härte.", meinte Tepes.

Harry atmete einmal tief ein und aus, bevor er so ernst und kalt wie möglich sprach: „Steh auf, Severus. Ich werde dir schon sagen, wenn ich dich vor mir auf den Knien sehen will. Was deine Bestrafung angeht: Die fünf Tage im Fieberwahn dürften dir deine Respektlosigkeit schon ausgetrieben haben. Ich brauche dich bei vollem Verstand und dulde diese Kriecherei nicht, verstanden?"
Snape stand langsam auf, ließ den Kopf aber vorsichtshalber gesenkt: „Natürlich, Meister." Nur durch die jahrelange Spionagearbeit bei Voldemort gelang es ihm äußerlich vollkommen ruhig zu bleiben. Innerlich tobten die unterschiedlichsten Gefühle. Dieser Zauber war die reinste Demütigung und alles in ihm wollte protestieren. Seine Hilflosigkeit nahm noch zu, als seine Augen verdächtig anfingen zu brennen. Immerhin war die Energie verschwunden.

Schließlich hörte er wie sich Tepes leise verabschiedete und sein Meister und er waren wieder alleine. Er bemerkte wie dieser langsam auf ihn zukam und dann vor ihm stand: „Severus? … Ich wollte nicht … Es tut mir Leid. … Wir hatten nicht damit gerechnet, dass die Magie so stark sein würde. … Komm, setzten wir uns." Wie in Zeitlupe gehorchte Snape und ließ sich neben Harry auf das Sofa fallen. Diese ganze Situation war einfach nur unwirklich und demütigend.

„Severus, geht es wieder?", fragte sein Meister leise. „Natürlich, Meister. Es ist alles in bester Ordnung.", antwortete Snape und er hasste sich selbst dafür, dass seine Stimme so weinerlich klang. Plötzlich füllte er, eine Hand auf seiner Schulter und hörte seinen Meister sagen: „Du warst für so lange Zeit immer stark. Da ist es ganz natürlich, wenn man irgendwann nicht mehr kann. Bitte Severus, lass mich dir helfen." Mit diesen Worten zog er den älteren Mann in eine Umarmung, die Snape widerstandslos über sich ergehen ließ. Was konnte er auch anderes tun, ohne die verfluchte Magie wieder auf den Plan zu rufen. Aber je länger die Umarmung andauerte, desto ruhiger wurde Snape und bald musste er sich selber eingestehen, dass es ihm gut tat, so gehalten zu werden.