The Emperor´s First Hand

Kapitel 11.: Verführung

Es war bereits spät am Abend. Depa ging durch einen langen Korridor der Galaktischen Oper von Coruscant. Sie fühlte sich angespannt und leicht nervös. Der Oberste Kanzler Palpatine hatte sie erst vor ein paar Stunden im Jedi-Tempel kontaktiert und sie gebeten, sich unbedingt mit ihr treffen zu wollen. Er hatte betont, daß es um eine sehr wichtige und dringende Angelegenheit gehen würde.

Die Jedi-Meisterin wußte nicht so recht, was sie davon halten sollte. Wenn er mit ihr über den Klonkrieg sprechen wollte, hätte er genausogut Meister Yoda oder Meister Windu herbeirufen können. Aber er hatte sich für sie entschieden.

Und nun war sie hier, in der Oper. Ein Ort, den sie als Jedi noch nie besucht hatte. Sie bestaunte die vielen verschiedenartigen Wesen, die hier in den langen Gängen umher wanderten. Es war sehr laut. Sie hörte Getuschel und Gemurmel von allen Seiten. Im Hintergrund war deutlich Musik wahrnehmbar. Das Stück hatte anscheinend bereits begonnen.


Depa erreichte schließlich die private Loge des Kanzlers. Die rotgekleideten Ehrengardisten ließen sie mit einem Wink passieren. Die kleine Loge enthielt nur drei Sitze. Depa erkannte den Kanzler, den Senatssprecher Mas Amedda und seine Adjutantin Sly Moore.

Sie atmete tief ein, versuchte ihre Nervösität zu verbergen und kniete an seiner Seite nieder.
"Kanzler, entschuldigen sie bitte die Verspätung. Im Rat gab es noch eine Sitzung und ich konnte nicht eher kommen."

Der Oberste Kanzler drehte sich zu ihr um und schenkte ihr ein warmes Lächeln "Aber das macht doch nichts, Depa. Ich bin froh, daß sie noch so kurzfristig die Zeit gefunden haben, zu mir zu kommen. Kommt, setzt euch doch zu mir."

Palpatine gab seinen beiden Begleitern mit einer Handbewegung zu verstehen, daß sie gehen sollten. Die beiden Personen verbeugten sich und ließen sie allein. Depa nahm neben dem Sessel des Kanzlers Platz.

"Ich gratuliere euch zu eurem Meister-Titel, Depa. Ich hatte mich schon immer gewundert, warum man euch nicht schon viel früher zu einer Jedi-Meisterin ernannt hat. Dabei gehört ihr doch zu den begabtesten und fähigsten Jedi, die der Orden jemals hervorgebracht hat."

Depa nickte "Ich danke euch, Kanzler. Ich hoffe nur, daß ich mit der neuen Verantwortung, die dieser Titel mit sich bringt, zurechtkommen werde."

Er winkte ab "Sie werden es schaffen, Depa. Davon bin ich fest überzeugt. Der Jedi-Rat hat ebenfalls eine kluge und weise Entscheidung getroffen, als er euch einen Sitz in seinem Kreis gewährt hat."

"Jetzt ist endlich jemand im Rat, der mir ihre komischen Regeln nun vielleicht etwas besser
näherbringen kann." sagte er mit einem Schmunzeln.

"Nun, ich werde euch helfen, so gut ich kann." erwiderte sie lächelnd.

Sie schwiegen und richteten ihre Blicke hinunter zur Bühne. Ein lauter tiefer Gesang erfüllte den Saal und ließ die Wände leicht vibrieren.

"Dies ist ithorianische Gesangeskunst. Die Ithorianer besingen die Kraft der Natur. Pflanzen und Geschöpfe bilden eine Gemeinschaft und so bleibt das Gleichgewicht erhalten. Es ist wahrlich ein schönes Stück. Viele Touristen reisen sogar nach Ithor, nur um sich diesen Gesang anhören zu können." erklärte er.

Depa lauschte aufmerksam den fremdartigen Gesängen. Sie hatte noch nie so etwas gehört und es gefiel ihr. Nach all ihren Kriegseinsätzen hatte sie seit langem wieder das Gefühl, sich entspannen zu können.

Sie seufzte "Es ist wirklich wunderschön, Kanzler."

Palpatine musterte sie einen kurzen Augenblick lang. Er konnte erkennen, daß die Jedi-Meisterin
etwas blass im Gesicht war und ihre Augen wirkten müde, als hätte sie die letzten Nächte kaum oder gar nicht geschlafen.

"Depa, mir ist aufgefallen, daß sie sehr erschöpft und müde zu sein scheinen. Stimmt etwas nicht?" fragte er mit Besorgnis in seiner Stimme.

"Es ist der Krieg, Kanzler. Seit dieser Krieg angefangen hat, kann ich kaum noch ruhig schlafen.
Diese ganzen schrecklichen Erlebnisse verfolgen mich sogar in meinen Träumen. Ich weiß´ schon gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal gut geschlafen habe." antwortete sie traurig.

Der Kanzler drehte sich zu ihr um und legte mitfühlend seine Hand auf die ihre "Ja, ich kann sie gut verstehen, Depa. Sie müssen wirklich eine schlimme Zeit durchmachen. Als Oberster Kanzler findet der Krieg für mich im Senat statt und ich muß mich mit bürokratischem Kleinkram und arroganten Senatoren auseinandersetzen. Doch für die Jedi ist der wahre Krieg dort draußen.
Als Politiker kann ich nicht einmal erahnen, was für fürchterliche Auswirkungen dieser Krieg auf die Jedi haben muß. Ich fühle mit ihnen, Depa."

Sie neigte ihren Kopf "Ich danke euch, Exzellenz. Vielleicht könnten sie mir ja nun erzählen, weshalb sie mich sprechen wollten?"

Der Kanzler zeigte eine ernste Miene "Es handelt sich um eine Angelegenheit, die ich gerne in Ruhe und in einem privaten Raum mit ihnen besprechen möchte. Deshalb frage ich sie: Würden sie mich bitte später zu meinem Apartment begleiten, Depa?"

Die Jedi-Meisterin war erst überrascht, doch dann nickte sie zustimmend "Natürlich, Kanzler. Wenn dies euer Wunsch ist. Ich hoffe nur, es handelt sich um nichts Schlimmes."

Der Kanzler sah sie an, seine Haare wirkten im Halbdunkel der Loge noch grauer als sonst und tiefe Falten überzogen sein Gesicht

"Ich wünschte, ich könnte schon hier und jetzt mit ihnen darüber sprechen. Bitte verzeihen sie mir, daß ich ihre Zeit in Anspruch nehmen muß, Depa. Ich weiß, daß sie in diesen Kriegszeiten wahrscheinlich lieber Erholung im Tempel suchen möchten, bevor wieder ein neuer Einsatz beginnt. Und nun stehle ich ihnen hier ihre kostbare Freizeit."

Depa machte eine abwinkende Handbewegung "Nein, Kanzler. Es ist wirklich in Ordnung. Bitte machen sie sich keine Gedanken."

"Gut, dann bin ich ja beruhigt." entgegnete er lächelnd.


Nach dem Ende des Stückes verließen der Oberste Kanzler und die Jedi-Meisterin die Loge und begaben sich zu seinem privaten Transportshuttle. Sie wurden von seinen sechs Ehrengardisten begleitet.

Das Shuttle flog Richtung Westen nach Republica 500. Es war ein Wohnkomplex, in dem nur die Reichsten und Mächtigsten Coruscants wohnten.

Depa folgte dem Kanzler in sein Apartment. Sie war zum ersten Mal hier, denn normalerweise hatte sie den Kanzler bisjetzt immer in seinem Büro oder im Senat getroffen. Depa bemerkte, daß sein Apartment komfortabel, aber nicht verschwenderisch eingerichtet war. Es war seinen Büroräumen sehr ähnlich. Alles war in dunkelroter Farbe gehalten, von den Teppichen bis zu den Wänden.

Rot muß wohl seine Lieblingsfarbe sein... dachte Depa mit einem Lächeln.

Der Kanzler führte sie in sein Wohnzimmer. Er strahlte "Ich hatte vollkommen vergessen, daß sie ja heute zum ersten Mal hier sind, Depa. Willkommen in meinem Heim."

Sie nickte "Danke, Kanzler. Es ist wirklich sehr schön hier. Auch wenn die rote Farbe hier wie in ihrem Büro zu dominieren scheint..."

Er sah sich um und lächelte dann "Fürwahr, ich muß zugeben, daß ich die Farbe Rot bisher immer bevorzugt habe. Sie müssen wissen, Rot ist die Farbe des Blutes und somit ist sie für mich auch die Farbe des Lebens."

Der Kanzler bat sie, auf einen der Sessel Platz zu nehmen und verschwand dann in der Küche.
Kurze Zeit später kehrte er mit einem Servicedroiden, der neben ihm herrollte, zurück.

"Nun, Depa. Was kann ich ihnen anbieten?" fragte er.

"Ein Glas Wasser, bitte. Auf Alkohol muß ich leider verzichten, da ich nicht weiß´, wann der nächste Einsatz vor der Tür steht..." erklärte sie.

Er nickte und setzte sich auf einen Sessel, gegenüber von ihr "Dann werde ich mich ihnen anschließen und heute auch mal ein Glas Wasser wählen."

Seine hellblauen Augen sahen sie fragend an "Depa, ich kann spüren, daß es ihnen nicht gut geht. Sie haben mir zwar in der Oper erzählt, daß es wegen dem Krieg ist... aber gibt es vielleicht noch einen anderen Grund?"

Depa seufzte "Es ist wegen Mace, ich meine Meister Windu. Seit Geonosis geht es ihm sehr schlecht. Er ist mein bester Freund und ich würde alles tun, um ihm zu helfen und ihn aufzuheitern. Aber ich schaffe es nicht. Und dies bereitet mir Sorgen. Ich glaube, diese Schlacht in der Arena hat ihn sehr verändert..."

Palpatine hielt mitfühlend ihre Hand "Es tut mir wirklich leid, dies zu hören. Meister Windu ist auch ein guter Freund von mir. Es stimmt mich traurig, zu erfahren, daß es ihm anscheinend so schlecht geht."

Windu... Ich kann diesen Namen nicht mehr hören. Ihre Macht-Verbindung ist seit Geonosis noch stärker geworden. Ich kann es fühlen. Jetzt dürfte es sogar noch schwieriger werden, diese Beiden zu trennen. Vielleicht sollte ich ihn loswerden und eliminieren. Oder aber ich habe Glück und er wird in einem seiner nächsten Einsätze getötet. Das wäre doch viel zu schön, um wahr zu sein. Darth Sidious hätte am liebsten gelacht, doch er konnte es sich gerade noch verkneifen. Seine Maske funktionierte eben perfekt.

Er fuhr fort "Auf Geonosis hatte dieser ganze Krieg seinen Anfang genommen. Ich kann mir vorstellen, daß jeder Jedi diesen furchtbaren Ort mit schlimmen Erinnerungen verbinden muß. Schließlich haben sehr viele Jedi dort ihr Leben verloren..."

"Vielleicht ist es das, was uns Jedi die größten Schwierigkeiten bereitet. Jeden Tag sterben in diesem Krieg mehr und mehr Jedi. Im Tempel gibt es schon mehr Padawan-Schüler als Jedi-Ritter. Unser Orden wird immer kleiner und wir haben nicht einmal die Gelegenheit, um die Gefallenen zu trauern. Ja, wir dürfen auch gar nicht um sie trauern..."Ihre Stimme klang kummervoll.

"Ist das wieder eine eurer Jedi-Regeln, Depa?" fragte er.

Sie nickte "Meister Yoda nannte es die Furcht vor Verlust. Aber es fällt mir schwer, nicht trauern zu dürfen und diese Gefühle zu unterdrücken."

Palpatine erhob sich von seinem Sessel. Er ging zu ihr, nahm ihr Kinn in die Hand und hob es an "Unterdrückt euren Kummer nicht, Depa. Das ist falsch. Ihr müßt euren Emotionen freien Lauf lassen, euch von ihnen durchdringen lassen. Erst dann wird es euch besser gehen. Das versichere ich euch."

Depa starrte in seine hellblauen Augen, die sie tröstend anblickten. Sie ließ sich von ihm umarmen, wie ein Vater seine Tochter umarmen würde. Es war nur eine Umarmung, aber Depa fühlte sich besser. Sie fühlte sich sicher und geborgen.

In ihren Gedanken hörte sie plötzlich wieder die Worte ihres Meisters "Es ist sicherer, wenn du in dieser Zeit niemandem dein Vertrauen schenkst. Selbst nicht dem Obersten Kanzler."

Mace, wie kannst du diesen Mann nur verdächtigen? Der Kanzler ist ein guter Mensch. Wie kannst du nur von mir verlangen, ihm nicht vertrauen zu dürfen? Verzeih´ mir, Mace. Ich werde mein Versprechen nicht halten können. Denn ich vertraue ihm...

Sie lösten sich langsam aus ihrer gemeinsamen Umarmung.

Er warf ihr einen aufmunternden Blick zu "Geht es euch jetzt ein wenig besser, Depa?"

"Ja, es hat mir gut getan. Ich fühle mich wieder besser." bestätigte sie.

"Nun, damit wollte ich ihnen zeigen, daß die vorgeschriebenen Regeln der Jedi nicht immer als absolut richtig angesehen werden sollten. Deshalb wollte ich auch heute mit ihnen sprechen. Erinnern sie sich noch an unsere Unterhaltung auf Naboo? Über die Sith?"

Sie runzelte die Stirn "Ja, sie haben mir damals erzählt, daß sie ihre Schriften studiert hatten."

Er nickte. Sein Blick wirkte ernst "Ja, und nun möchte ich ihnen gerne etwas zeigen. Etwas Wichtiges. Bitte folgen sie mir, Depa."


Sie begleitete ihn zu einer verschlossenen Tür, die mit einem Sicherheitsschloss versehen war.
Der Kanzler gab auf einer kleinen Konsole einen Zahlencode ein und die Tür öffnete sich vor ihren Augen mit einem lautem Zischen.

Sie betraten einen Raum, in dem es dunkel und kalt war. Die Wände waren obsidianschwarz und unverständliche Hieroglyphen aus glühend roter Farbe waren auf ihnen zu sehen. Ein paar einzelne Fackeln, die an den Wänden angebracht waren, spendeten ein wenig Licht und Wärme. Im Raum selbst befanden sich zu beiden Seiten verschiedene Statuen und an seinem Ende stand ein kleiner schwarzer Altar.

Depa fühlte die Macht der dunklen Seite. Dieser Raum schien von ihr erfüllt zu sein. Ihr wurde schwindelig, als ihre dunklen Wellen sie erfassten. Wie betäubt lehnte sie sich an eine Wand und suchte Halt. Ihr Körper fühlte sich seltsam an. Ihr war heiß und kalt zugleich.

Der Kanzler stand nur wenige Meter neben ihr, im dunklen Schatten einer Statue. Für einen kurzen Moment waren seine Augen leuchtend gelb geworden, als er spürte, wie Depa in der dunklen Seite badete.

Er schwelgte in ihren Gefühlen. Sein Herz raste und er spürte eine sonderbare, widersinnige Freude.
Wundervoll, seit Naboo habe ich etwas Derartiges nicht mehr gespürt. Ihre Macht, ihre dunkle Energie, ihre schwarze Flamme in ihrem Inneren. Depa kann fühlen, wie diese Macht sie durchströmt. Ah, es ist köstlich. Bald, schon sehr bald, wirst du mir gehören...
Der dunkle Lord der Sith gestattete sich ein düsteres Lächeln.

Er trat an ihre Seite. Seine hellblauen Augen hatten in dieser Dunkelheit einen dunkleren saphirblauen Farbton angenommen. Das flackernde, tanzende Licht der Fackeln umspielte sein Gesicht.

"Depa, ist mit ihnen alles in Ordnung? Soll ich sie stützen?" fragte er besorgt.

Sie schüttelte langsam den Kopf "Nein, es geht schon wieder. Mir wurde nur eben ein wenig schwindelig, das ist alles."

Die Jedi-Meisterin hatte sich von der plötzlichen dunklen Welle erholt. Neugierig betrachtete sie eine der Statuen. Die Statue war aus schwarzem Vulkanstein. Es war ein Mann mit langen, nach hinten fallenden Haaren und einer sonnenförmigen Tätowierung auf seiner Stirn.

"Dies ist der große Sith-Lord Exar Kun. Er ist schon seit mehr als 4000 Jahren tot. Aber er gehörte zweifellos zu den bedeutendsten Sith-Lords, die je existiert hatten." erklärte er mit einer tiefen Stimme.

Depa sah ihn erstaunt an "Kanzler, dies alles hier sind Sith-Artefakte, nicht wahr? Wenn der Rat davon erfährt, daß sie so etwas besitzen..."

Der Kanzler zuckte gelassen die Achseln "Aber meine liebe Depa. Der Rat weiß es doch schon längst. Habt ihr es denn schon vergessen? Ihr seid doch selbst ein Mitglied des Jedi-Rates..."

"Ja, aber... wenn der ganze Jedi-Rat davon weiß, könnten sie eine Untersuchung einleiten und euch unter Arrest stellen."entgegnete sie.

"Und wäre das gerecht? Den Obersten Kanzler der Republik zu verhaften, weil er ein paar alte Sith-Statuen in seiner Wohnung stehen hat? Ich bitte sie, Depa. Der Jedi-Rat benimmt sich kindisch und lächerlich. Dies haben wir beide schon zu oft festgestellt. Ich denke, es läuft darauf hinaus, wem sie letztendlich mehr vertrauen: Dem Rat der Jedi oder mir. Auf Naboo haben sie mir gesagt, daß sie mir vertrauen. Jetzt frage ich sie erneut: Vertrauen sie mir, Depa?"

Sie nickte unsicher "Sie sind mein Freund, Kanzler. Ich vertraue ihnen."

Palpatine lächelte und streichelte liebevoll ihre Wange "Ja, ich weiß, daß sie mir vertrauen, Depa. Und darum möchte ich ihnen helfen. Ich weiß´, daß sie nicht nur wegen ihrer Mission auf Kessel ins Exil gegangen sind. Der Hauptgrund für ihr Exil waren ihre schrecklichen Traumvisionen. Habe ich nicht Recht?"

Woher weiß er von meinen Visionen? Das kann doch nicht möglich sein... dachte sie verwirrt.

"Sie wissen von meinen Alpträumen?" fragte sie nach.

"Ja, aber natürlich. Ich weiß´ auch, daß sie jetzt immer noch diese Träume haben.
Die Jedi konnten ihnen bei diesem Problem nicht helfen, aber ich kann es."

Seine Hände legten sich auf ihre Schultern und seine Augen bohrten sich in ihre.
"Die Macht ist stark in dir, Depa. Doch der dumme Jedi-Rat erkennt deine Stärke, dein wahres Potenzial nicht an. Du hast verborgene Pforten der Macht entdeckt, die keiner deiner ignoranten Jedi-Freunde zu durchschreiten wagt. Du mußt dich von ihren Lügengespinsten und falschen Regeln lösen.
Folge deiner wahren Bestimmung. Nutze die dunkle Seite der Macht und du wirst mächtiger werden als alle anderen Jedi."

Depa erinnerte sich an diese Gefühle, die sie auf Naboo und Kessel wahrgenommen hatte. Ihr Blut war so heiß wie Feuer gewesen, als die dunkle Macht sie durchflutete. Wahre, grenzenlose Macht. Sie hatte diese Macht in den Händen gehalten, nach ihr gegriffen. Doch sie hatte auch nicht vergessen, daß sie die Kontrolle über sich verloren hatte.

Sie senkte den Kopf "Ich dachte, ich hätte die Kontrolle. Aber dem war nicht so. Die dunkle Seite hatte mich kontrolliert. Ich konnte sie nicht beherrschen..."

Palpatines Stimme hatte nun einen sonderbaren, verführerischen Klang angenommen und sie hielt Depa in ihrem Bann.
Du mußt die Macht der dunklen Seite durchdringen und ihre Geheimnisse erfahren. Wenn du sie studierst, wirst du nie wieder die Kontrolle verlieren. Du wirst mächtiger werden als je zuvor."

Sie widersprach leise "Ein Jedi darf nicht die dunkle Seite studieren. Es ist falsch..."

Er schüttelte den Kopf "Unsinn, daran ist nichts falsch, Depa. Es kommt doch nur darauf an, zu welchem Zweck sie ihre Macht verwenden. Auf Naboo haben sie mich gerettet und auf Kessel haben sie ebenfalls Leben beschützt. Sie haben alles richtig gemacht. Nur dieser dumme Jedi-Rat will es einfach nicht einsehen. Sie sind Ignoranten, allesamt. Sie fürchten sich davor, daß ihr mächtiger werden könntet als sie. Das ist der Grund, weshalb sie euch zurückhalten. Der Rat der Jedi vertraut euch nicht, aber ich vertraue euch, Depa."

Depa wich alarmiert einen Schritt zurück "Sie wissen soviel von der dunklen Seite der Macht, Kanzler. Sind sie etwa ein Sith-Lord?"

Er kam näher und zeigte ein unschuldiges Lächeln "Oh nein, ich bin doch kein Sith-Lord, Depa. Wie kommen sie denn auf diese verrückte Idee? Ich habe doch nur ihre Schriften und ihre Geschichte studiert. Mehr nicht. Und so hatte ich einige Dinge über die dunkle Seite der Macht erfahren. Aber dieses Wissen macht mich doch deshalb nicht gleich zu einem Sith, oder?"

Sie entspannte sich wieder "Ja, natürlich. Verzeiht mir, Kanzler, daß ich diese verrückte Idee hatte."

Palpatine streckte seine Hand aus, griff nach ihrem Haar und schob eine lange, schwarze Strähne hinter ihr Ohr.

Er flüsterte sanft "Das Einzige, was ich will, ist mein Wissen mit dir zu teilen. Ich könnte dein Lehrer sein, Depa. Ich würde dir helfen und dich nicht zurückhalten, wie der Rat der Jedi es mit dir macht. Wagst du es, von mir zu lernen?"

Depa war wie erstarrt, sie wurde erneut von Schwindelgefühlen erfasst. Die Verlockung war groß, die dunkle Seite der Macht zu studieren. Aber sie hatte auch im Hinterkopf, daß sie es nicht durfte.

Ihre Stimme klang verwirrt und unsicher "Ich weiß nicht, ob ich das darf..."

Der Kanzler schenkte ihr ein warmes, sanftes Lächeln "Vertraue deinen Gefühlen, Depa. Dann wirst du auch die richtige Entscheidung treffen können."

Plötzlich schmiegte er sich voller Leidenschaft an sie. Er küsste sie erst zärtlich, und dann wurde der Kuss immer nachdrücklicher. Depa genoß es, sie wehrte sich nicht. Sie schlang ihre Arme um ihn und zog ihn in eine enge Umarmung. Er löste seinen Mund von ihrem und glitt mit seinen Lippen über ihren Hals. Seine Hände schoben sich unter ihre Tunika und streichelten ihren Rücken.

Depa realisierte erst jetzt, daß sie nun auf dem kalten Marmorboden lag. Der Kanzler lag auf ihr, seine Brust presste sich gegen die ihre.

Er legte seinen Kopf auf ihre Schulter und hauchte zärtlich in ihr Ohr "Wenn Leidenschaft wie ein heißes Feuer ist, dann laßt euch davon verzehren. Laß´ dieses Gefühl jede Faser deines Körpers durchdringen. Dies ist meine erste Lektion für dich, meine Schülerin."

Sie murmelte "Keine Leidenschaft, Gelassenheit..."

Er küsste ihre Stirn "Ist dies wieder eine eurer Jedi-Regeln? Vergiß diese Regeln, Depa. Vertraue mir..."

Wieder beugte er sich zu ihr vor und küßte sie. Der Kuss war heftiger und leidenschaftlicher als alle anderen Küsse zuvor. Depa ließ ihn gewähren und erwiderte seinen Kuss mit dem gleichen Feuer.

Sie schloß ihre Augen, verlor sich. Darth Sidious hätte am liebsten triumphierend gelächelt. Sie hatte sich ihm ergeben. Voll und ganz. Er trank sie und fand es köstlich, ja beinahe überwältigend. Er spürte förmlich, wie seine Berührungen sie vor Wollust erschaudern ließen. Ihr Verlangen war deutlich in der Macht wahrnehmbar.
Jetzt, meine liebe Depa, gehörst du mir. Du bist Mein, für immer und ewig...

Depa wurde ganz heiß und die Hitze in ihr wuchs immer weiter an. Sie fühlte sich gut, zu gut. Sie genoß seine Berührungen mit jeder Faser ihres Körpers. Es war fast so, ob er hätte er sie verzaubert und sie kam nicht mehr von ihm los. Sie wußte, daß sie in diesem Moment den Jedi-Kodex mißachtete. Aber sie konnte sich nicht dazu überwinden, es zu beenden. Sie spürte, wie Palpatines Finger ihren Gürtel öffneten.

Plötzlich ertönte ein vertrautes Geräusch. Es war das Piepen ihres Comlinks, der an ihrem Gürtel befestigt war.

Der Kanzler hielt inne und runzelte die Stirn "Soll ich es ausschalten?"

"Nein, es ist bestimmt der Jedi-Tempel. Bitte wartet einen Augenblick."

Depa nahm das Kommunikationsgerät von ihrem Gürtel und befestigte es an ihrem Handgelenk. Sie ordnete schnell ihre Robe und aktivierte den kleinen Holo-Projektor. Ein geisterhaftes Abbild von Mace Windu entstand vor ihren Augen.

Er sah sie ernst an "Depa, du mußt sofort zum Jedi-Tempel zurückkehren. Der Rat hat dich für einen neuen Einsatz bestimmt."

Sie nickte "Ja, Mace. Ich bin gleich da."

Palpatine starrte verärgert auf die Holo-Projektion des Jedi-Meisters.
Könnte ich einen Blitz durch Raum und Zeit auf ihn abfeuern, würde ich es ohne zu zögern tun... dachte er zornig.


Sie gingen beide bereits durch das Wohnzimmer seines Hauses. Er machte ein fragendes Gesicht "Wirst du dem Jedi-Rat von uns berichten? Oder von meiner Sith-Sammlung?"

Sie schüttelte lächelnd den Kopf "Nein, das werde ich nicht. Aber ich werde meine Zeit in diesem Kriegseinsatz dazu nutzen, über dies alles gründlich nachzudenken. Wenn ich zurückkomme, können wir ja dann das Ganze in Ruhe besprechen. Einverstanden?"

Der Kanzler erwiderte ihr Lächeln und gab ihr einen Abschiedskuss "Einverstanden."

Er beobachtete sie dabei, wie sie ihre Robe und Tunika ordnete, als sich plötzlich eine Vision vor seinen Augen formte.

Depa war in einem dunklen Raum und schwebte in einem Bacta-Tank. Ihre Augen waren geöffnet und starrten in seine Richtung. Doch er erkannte, daß sie nicht bei Bewußtsein war. Sie lag in einer Art Koma und wachte nicht mehr auf. Um sie herum waren Jedi-Heiler, doch sie konnten ihr anscheinend nicht helfen. Dies konnte er von ihren ratlosen Gesichtern ablesen.
Er blinzelte, die Vision war wieder verschwunden. Palpatine ahnte, daß diese Vision eine Warnung darstellen mußte. Depa würde in Zukunft etwas zustoßen und er könnte es nicht verhindern.

Sein Gesicht zeigte eine Miene der Besorgnis "Depa, kannst du diesen Einsatz nicht verschieben?
Ich habe da so eine schlimme Vorahnung. Du solltest besser nicht gehen."

Die Jedi-Meisterin winkte ab "Ich habe jetzt schon so viele Missionen und Einsätze bestanden, da kann mich gar nichts mehr erschrecken. Mach dir keine Sorgen."

Sie drückte einen Kuss auf ihre Fingerspitzen und legte sie an seine Lippen "Ich werde zurückkommen. Das verspreche ich."

Der Kanzler sah ihr hinterher, als sie sein Apartment verließ. Machte er sich tatsächlich Sorgen um sie? Nein, das sollte er eigentlich nicht. Er sollte gar nichts für sie empfinden, das wußte er. Doch er konnte nicht leugnen, daß ein kleiner Teil von ihm sie mochte. Und dieser Teil wollte nicht, daß ihr etwas zustieß.

Da ist es wieder, dieses verdammte Mitgefühl. Ich hatte es das letzte Mal auf Naboo in dieser Lagerhalle gespürt und jetzt fühle ich es wieder. So kann das nicht weitergehen. Sie ist meine Schülerin. Nicht mehr und nicht weniger. Und ich werde ihr Meister sein...