11. Strafe muss sein
Das Klassenzimmer für Zaubertränke lag wie der Slytherin-Gemeinschaftsraum in den Kerkern von Hogwarts. Die Tür stand offen, doch die Arbeitsbänke der Schüler waren leer. Die vielen Behältnisse in denen alle Arten von Tieren, Pflanzen oder seltsam aussehenden Objekten eingelegt waren, würden heute unberührt bleiben.
Vorne am Lehrertisch saß Severus und korrigierte wie jeden Sonntagabend Aufsätze seiner Schüler. Er würde dies lieber, wie sonst auch, am großen Schreibtisch in seinem mit einem Kamin ausgestatteten Büro erledigen. Aber heute ging er seinen Pflichten als Professor dieser Schule im unbeheizten Tränkeklassenzimmer nach, denn er erwartete zwei Schüler aus seinem Haus.
Es war kurz vor 18:00 Uhr und Severus ärgerte sich gerade über die stümperhafte Arbeit einer Gryffindor-Schülerin aus dem 4. Jahr. Als er kopfschüttelnd mit roter Tinte ein M (= mies) auf das Pergament schrieb, bemerkte er wie etwas auf seinen Tisch hüpfte.
Mit einem leisen Murren sah Severus auf, nur um in die zwei verschiedenfarbigen Augen eines gewissen Katers zu blicken. Freudig mauzte ihn das Tier an, drehte sich einmal um die eigene Achse und legte sich schließlich zwischen die zwei Pergamentstapel, einer für bereits durchgesehene, der andere für noch zu korrigierende Aufsätze.
"Na du! Eigentlich habe ich deinen Besitzer erwartet.", sagte Severus nun mit freundlicher Stimme zu dem Kater und streichelte ihm über den Kopf, was dieser mit einem zufriedenen Schnurren quittierte.
Draußen auf dem Gang war zu hören wie sich jemand eilig näherte. In der nächsten Sekunde stand ein japsender Corey in der Tür.
"Tut mir Leid Professor, er ist einfach mit rausgelaufen und schnurstracks hierher. Ich hab ihn nicht mehr zu fassen gekriegt. Werd ihn gleich nehmen und zurückbringen."
Während Corey das sagte trat er vor den Lehrertisch und wollte sein ausgebüxtes Haustier auf den Arm nehmen. Severus winkte ab und erwiderte nur: "Ist schon in Ordnung. Solange sich deine Katze benimmt kann sie hier bleiben."
Etwas überrascht aber froh über die Worte seines Hauslehrers sagte er nur: "Oh, ok. Danke!"
Ein paar Sekunden schwiegen sie sich an. Corey streichelte währenddessen ein paarmal über den Rücken seines Katers, bis er es nicht mehr aushielt und mit kindlicher Neugier fragte: "Und? Haben Sie schon einen Brief von ihr bekommen?"
Severus griff in seine Schublade, holte einen weißen, bereits geöffneten Umschlag hervor und hielt ihn mit einem leichten Lächeln auf den Lippen hoch, ehe er ihn vor sich auf den Tisch legte.
Corey lachte auf und meinte: "Sehen Sie! Ich habs Ihnen ja gesagt!"
"Ja das hast du. Dessen ungeachtet haben Sie aber noch eine Aufgabe zu erledigen, Mr Loker. Jedoch fehlt dazu noch jemand. Haben Sie zufällig Ms Malfoy gesehen?"
"Nein. Ich komme gerade aus dem Gemeinschaftsraum und da war sie nicht."
"Ich war in der Bibliothek und hab gelernt. Würde dir auch nicht schaden, Loker!"
Just in diesem Moment trat Diana Malfoy in den Unterrichtsraum, kam nach vorne zum Lehrertisch und stellte sich neben Corey, der ihr aufgrund ihrer schnippischen Bemerkung die Zunge rausstreckte.
Diana schaute nur grimmig zurück. Sie musste sich noch bei diesem ... bei ihm entschuldigen. Am besten sie machte es hier vor Professor Snape. So bekam das wenigstens kein anderer mit.
Sie atmete noch einmal durch und sagte schnell: "Tut mir Leid dass dir der blöde Kelch gegen den Schädel geflogen ist."
"Ja wers glaubt.", erwiderte Corey abfällig. Er kaufte ihr diese läppische Entschuldigung keine Sekunde lang ab.
Severus räusperte sich und sprach schließlich in seinem typischen Lehrertonfall: "So ihr beide, nachdem das geklärt ist könnt ihr euch ja voll und ganz eurer Aufgabe widmen. Ihr werdet den Zutatenschrank ordnen. Die Schüler richten gerne ein heilloses Durcheinander darin an und ich hatte am Freitag keine Lust mehr die Zutaten magisch zu sortieren. Im Klartext heißt das, ihr legt eure Zauberstäbe hier ab, werdet anschließend alle Sachen aus dem Schrank nehmen, die Regalböden säubern und dann alles wieder, alphabetisch geordnet, einräumen. Wenn ihr damit fertig seid könnt ihr eure Zauberstäbe wiederhaben und den restlichen Sonntagabend genießen."
Corey schloss einmal genervt, aber ergeben die Augen und Diana stöhnte nur völlig entnervt auf. Sie konnte nicht fassen dass sie das wirklich machen sollte. Andererseits hatte sie keine Lust noch mehr Hauspunkte zu verlieren, nur weil sie sich einer dämlichen Strafarbeit entzog. Sie hatte eh einen Plan, wie sie die meiste Arbeit auf Corey abwälzen konnte.
Ergeben zückten beide ihren Zauberstab, guckten sich noch einmal kurz herausfordernd an und legten ihre Stäbe auf dem Lehrertisch ab. Sie gingen zum Zutatenschrank. Corey öffnete die Türen und stillschweigend fingen sie damit an die einzelnen Zutaten herauszunehmen und erst mal auf die am nächsten stehende Arbeitsbank zu stellen. Dabei warfen sie sich immer wieder böse Blicke zu.
Severus nahm von den beiden keine Notiz. Unergründlich starrte er den weißen Umschlag vor sich an. Seine Eule Sophia brachte den Brief von Andie heute Nachmittag.
Er war gerade auf dem Weg zum See, da er ein paar dort wachsende Wildkräuter für einen Heiltrank sammeln wollte, den Poppy brauchte. Außerdem wollte er auf dem kleinen Spaziergang den Kopf etwas frei bekommen. Er hatte noch nicht mit Andie reden können. Zu viel ungeklärtes stand im Raum: ihre Gefühle füreinander, dass Severus gesagt hat dass er sie gern hat und sie darauf nicht reagiert hat, ihr Beinahe-Kuss und natürlich die Feier bei den Malfoys.
Erleichtert und auch ängstlich nahm er seiner Posteule den Brief ab, nur um ihn sofort zu lesen.
Jetzt saß er hier und hielt Andies Brief erneut in den Händen und starrte ihn einige Minuten gedankenverloren an.
Schließlich öffnete er den Umschlag und las ihn noch einmal, nun schon zum vierten Mal an diesem Tag.
Hey Severus!
Dieser Tag war wirklich sehr aufregend. Doch erst mal muss ich sagen: Es tut mir Leid dass ich so reagiert habe, wie ich reagiert habe.
Bis dato hatte ich lediglich oberflächliche Dates. Es war nie jemand wie du dabei. Corey hat meine Verabredungen nie kennengelernt. Mein Leben mit meinem Sohn und mein Liebesleben waren bis jetzt immer strikt getrennt.
Nun liegt der Fall aber anders. Ich muss gestehen dass ich vom ersten Moment, als du an diesem Tag im Juli vor der Haustür standest, ich fasziniert war von dir. Man kann fast sagen du hast mich verhext. Ich muss lächeln bei dieser Vorstellung.
Nun bin ich hier, denke an unser wundervolles erstes Date zurück, denke an das gemeinsame Flohen, daran wie sehr ich immer deine Eule mit einem Brief von dir erwarte und wie gerne ich dich geküsst hätte.
Aber das passierte nicht. Stattdessen wurde ich durch die Unterbrechung an den Menschen erinnert, der bei mir an erster Stelle steht: Corey.
Severus sah auf zu seinen beiden Strafarbeitern, die gerade damit fertig waren den Zutatenschrank auszuräumen.
Andies Sohn sah sich um, fand aber nicht das was er suchte. Fragend schaute er zu Severus. Ihre Blicke trafen sich.
"Entschuldigen Sie Professor, haben sie einen Eimer und nen Lappen da?"
Diana dachte sich nur: Wisch doch die Schrankregale mit dem Ärmel deines billigen Shirts ab, Muggel.
Ohne Umschweife beschwor Severus die gefragten Dinge herauf. Corey nahm sie und sah zu seiner Mitschülerin.
Diese sagte mit einem fiesen Grinsen: "Oh, könntest du das Abwischen übernehmen? Ich habe heute meine Lieblingskleidung an. Sie waren nicht billig weißt du. Es wäre wirklich nicht schön wenn sie schmutzig würden. Außerdem komme ich gar nicht an das oberste Regal."
Coreys Augen blitzten wütend. Er wusste genau dass diese eingebildete Pute sich nur vor der Arbeit drücken wollte. Aber dass sie hier rumsaß und ihm beim Putzen zusah kam nicht in Frage. Er legte ebenfalls einen überhöflichen Tonfall an. "Kein Problem. Sei doch so gut und ordne alle Zutaten schon mal alphabetisch. Dann müssen wir sie nachher nur noch nacheinander in den Schrank stellen. So sind wir schneller fertig."
Dianas Augen funkelten ihn böse an. Sie wollte schon dazu ansetzen etwas wie "Das kannst du vergessen!" zu erwidern als sie ein warnendes Räuspern von ihrem immer noch anwesenden Professor vernahm. Mit einem angespannten Gesichtsausdruck machte sie sich ans Ordnen. Corey musste grinsen und begann nun auch damit die Bretter mit dem feuchten Lappen abzuwischen.
Severus zog kurz eine Augenbraue hoch und widmete sich wieder Andies Brief.
Du musst verstehen, mein Sohn ist alles für mich. Und wenn ich das Gefühl habe das ihm die Situation nicht gut tut, muss ich sie überdenken. Hast du gemerkt wie er anfing zwischen uns zu vermitteln, als wir an seinem Krankenbett diese kleine Diskussion hatten. Wir wirkten von außen wahrscheinlich wie seine Eltern, die einen Streit hatten.
Er ist dabei eine Beziehung zu dir aufzubauen. Sag jetzt nicht dass dies daran liegt das du sein Hauslehrer bist. Der Fall liegt hier doch noch etwas anders! Wenn wir wirklich eine Beziehung miteinander führen und diese dann doch zerbricht, dann hat Corey in erster Linie darunter zu leiden.
Ich will ihn aber vor solchen Enttäuschung bewahren.
Seufzend schaute Severus zu dem Regale abwischenden Corey auf. Der Junge sah seiner Mutter sehr ähnlich. Die Haare waren anders, dunkler als ihre und seine Statur war etwas schlaksiger. Ansonsten hatte ihm sein Erzeuger nichts mitgegeben.
Ja, Severus mochte den Jungen ganz gerne. Er war ein Slytherin, strengte sich im Unterricht an, kam sonst auch gut zurecht und begegnete seinem Hauslehrer bis jetzt mit Respekt und dieser höflichen Empathie, welche dem Jungen zu Eigen war.
Bevor es auffiel schaute Severus wieder nach unten und las den Brief weiter.
Ein weiterer Punkt der mir auf der Seele liegt ist diese befreundete Familie von dir. Ich glaube dir dass nicht alle Malfoys etwas gegen Muggel haben werden. Aber dieses kleine Mädchen zeigte mir deutlich, dass es Vorurteile gibt und mein Sohn sich Beleidigungen anhören darf, weil seine Mutter eine Muggel ist. Auch wenn er sicherlich nicht der einzige ist, der nichtmagische Eltern hat, ist das trotzdem ein Unding. Wie sehr wird er erst zu kämpfen haben, wenn seine Mutter auch noch mit seinem Lehrer zusammen ist?
Corey stellte den Eimer etwas weiter weg. Er war fertig damit, die Regalböden abzuwischen. Nun konnten die Zutaten wieder eingeräumt werden. Er begann auch sofort damit die Sachen an ihren Platz zu stellen, die Diana bereits in alphabetische Reihenfolge gebracht hatte.
Severus beförderte mit einem kurzen Schwenker seines Stabes den Eimer und Lappen wieder dahin zurück wo er es hergezaubert hatte, in die Küche zu den Hauselfen, bevor er den letzten Teil des Briefes erneut las.
Ich habe dich auch gern, um auf deine Aussage im Krankenflügel angemessen zu reagieren. Aber ich muss über vieles nachdenken. Darüber, ob ich wirklich, was dich betrifft, den nächsten Schritt gehen will und kann. Ich werde dir auch rechtzeitig Bescheid geben, ob ich auf die Feier deines Patensohnes mitkomme.
Bitte gib mir die Zeit.
Andie
Nachdenklich schaute Severus auf die Zeilen. Er musste zugeben, dass sich in seiner Magengegend ein felsenschweres Gefühl breit gemacht hatte. Er wusste das er etwas tun musste oder die Sache mit Andie würde zu Ende sein bevor sie überhaupt begonnen hatte.
Coreys Stimme riss ihn aus seinen Gedanken.
"Nun steh da nicht so rum Malfoy! Du bist doch fertig mit ordnen, da kannst du mir doch schnell helfen die restlichen Sachen einzuräumen.", sagte der Junge mit vorwurfsvollem Ton in Richtung seiner Mitschülerin.
Diana erwiderte gleichgültig: "Ich hab dir schon gesagt, Loker, ich trage heute meine besten Sachen! Außerdem ist das Dienstarbeit!"
Nun mischte sich Severus ein. "Nein, Ms Malfoy, das ist eine Arbeit die ich aufgetragen habe! Wenn Sie die ganze nächste Woche nicht zum Kesselschrubben antreten möchten, dann setzen Sie sich in Bewegung und helfen Mr Loker beim Einräumen!"
Gereizt rollte das Mädchen mit den Augen und machte sich langsam daran Corey zur Hand zu gehen. Innerhalb weniger Minuten waren sie auch fertig und ihr Professor erklärte die Strafarbeit für beendet.
Eilig schnappten sie ihre auf dem Tisch liegenden Zauberstäbe und stürmten Richtung Ausgang. An der Tür liefen sie ineinander. Grimmig stellten sie fest dass sie nicht gleichzeitig durch die Tür passten und so ließ Corey, ganz Gentleman-like, Diana den Vortritt. Sie machten sich beide auf den Weg in die Große Halle. Schließlich war Abendbrotzeit. Sie liefen angespannt nebeneinander und zischten sich immer wieder kleine Gehässigkeiten zu.
Coreys Kater Two Face folgte den beiden. Er wusste es gab wieder Essen und ab und an, wenn er zwischen den essenden Schülern hin und her streunte, fiel auch mal ein Leckerbissen für ihn ab.
In der Großen Halle angekommen setzte sich Diana zu ihrer Mädels-Clique an den Slytherin-Tisch und Corey gesellte sich zu den Gryffindors und nahm erleichtert neben seinem besten Kumpel von klein auf, Sully Finnigan Platz.
Als seine Strafarbeiter aus dem Zaubertränkeklassenzimmer raus waren schüttelte Severus nur stumm den Kopf. Das konnte ja noch was werden mit den beiden, dachte er sich und beschwor die Pergamentpapiere mit den Aufsätzen in sein Büro. Er wollte sie dort zu Ende korrigieren.
Den Brief von Andie steckte er in eine Tasche seines Gehrocks.
Als er in seinem Büro ankam stand dort bereits sein Abendessen auf dem Schreibtisch. Er saß immer Sonntagabend in seinem Büro und erledigte anfallende Arbeiten. Die Hauselfen von Hogwarts wussten inzwischen dass er an diesem Tag der Woche seine Mahlzeiten nicht wie sonst in der Großen Halle einnahm.
Nur schwer konnte sich der gefürchtete Tränkemeister auf die Korrekturen konzentrieren. Deshalb brauchte er auch länger als sonst dafür. Dennoch war er nicht minder streng.
Durch die Arbeit war er abgelenkt von den schweren Gedanken an den Brief.
Diese kehrten jedoch zurück, als sich Severus vor dem zu Bett gehen ein Glas heißen Met in dem Sessel vor dem Kamin genehmigte.
Nachdenklich nippte er immer wieder an dem Heißgetränk. Sein Gesicht war starr, die Augen stur geradeaus ins Nirgendwo gerichtet.
Die Zeilen von Andie lagen neben ihm auf einem Stapel Bücher, welcher auf einem kleinen Beistelltisch aus Holz gestapelt war.
Severus´ Gedanken kreisten kontinuierlich um den letzten Teil des Briefes. Sie mochte ihn ebenso, brauchte aber Zeit zum Nachdenken darüber wie es weiter gehen soll.
Er hatte in den letzten 2 Jahren viel Zeit gehabt um zu grübeln. Hatte mit den Geschehnissen des Krieges und seiner Rolle als Doppelspion Frieden geschlossen, im Zuge dessen sich sogar mit Potter größtenteils ausgesprochen. Nach der Bewältigung der Ereignisse hatte er überdies Lilys Tod verarbeiten können. Mit den Schuldgefühlen müsste er leben, aber seine liebe Freundin aus Kindertagen, seine erste große Liebe ist für immer in seinem Herzen. Das wusste Severus inzwischen ganz genau.
Er ist in den Alltag zurückgekehrt, mit vertrauten Menschen um sich herum und einem Job, den er entgegen aller Vermutungen gerne machte.
Nie hätte er geglaubt, dass er sich noch einmal für eine Frau interessieren könnte. Dann trat urplötzlich diese dreiste Muggelfrau in sein Leben und verdrehte ihm einfach den Kopf. Und nun zweifelte sie, ob eine Beziehung mit ihm überhaupt denkbar sei.
Schwer seufzte Severus auf. Auch er war in solchen Dingen nicht gerade der beherzte Typ. Skepsis und Unsicherheit nagten ebenfalls an ihm.
Aber er hatte nicht vor diese Chance verstreichen zu lassen. Dazu hatte sich Andie schon zu sehr in sein Herz geschlichen.
Mit dem Wagemut des Augenblicks stand Severus auf, ging in die Ecke zu seinem Sekretär, nahm Pergament und Feder zur Hand und schrieb.
Liebe Andie!
Ich weiß dass du Zeit wolltest und ich bin gewillt, dir diese auch zu geben. Aber bevor du eine Entscheidung triffst, solltest du einige Sachen wissen und mit einbeziehen.
Erzähle mir von Beziehungen, die nicht ohne Hindernisse entstanden sind. Das unproblematische Zusammenkommen gibt es wohl nur im Film. Ich weiß wir kommen aus zwei verschiedenen Welten. Das kann gut gehen, wie zum Beispiel bei den Finnigans, oder auch nicht, so wie bei meinen werten Eltern. Ja, meine Mutter war eine Hexe, mein Vater ein Muggel. Auch wenn sie nicht gerade das perfekte Beispiel einer funktionierenden Ehe abgegeben haben, weiß ich über meine schlechten Erlebnisse hinaus, dass dies nicht immer so sein muss.
Also bitte hör auf deinen Sohn oder die bisherigen Erfahrungen in deinem Leben vorzuschieben. Ich weiß du hast nur Angst, aber das ist kein Grund es nicht zu versuchen.
Mein Versprechen, deinen Jungen als meinen Schüler nicht anders zu behandeln, gilt nach wie vor.
Eine weitere Sache die dich sehr zu beschäftigen scheint sind die Malfoys.
Mit dem Familienoberhaupt Lucius verbindet mich nun eine fast 30-jährige Freundschaft. Ich kenne diesen Mann sehr gut, genauso wie seine Frau Narcissa. Die beiden waren, zugegeben, nicht immer besonders muggelfreundlich. Das lag aber zum Größten Teil an ihrer teilweise sehr verkorksten Erziehung und daran, dass sie nie und damit meine ich wirklich nie auch nur im Entferntesten etwas mit Muggeln zu tun hatten. Ich hatte gehofft das du einen ersten positiven Eindruck bei ihnen hinterlassen kannst.
Lucius war wie ich ein Todesser und bestimmt kein Waisenknabe. Aber wer ist das schon? Menschen können sich ändern und hat nicht jeder eine zweite Chance verdient? Du wirst dich als Frau, die mit 16 Jahren ein Kind bekommen hat, ebenfalls gut mit Vorurteilen und Voreingenommenheit auskennen.
Diana ist die Nichte von Lucius und Narcissa. Sie lebt seit dem Tod ihrer Eltern vor zwei Jahren bei ihnen. Ihre Eltern, Lucius´ Bruder und seine Frau, waren beide überzeugte Todesser. Wären sie in der Schlacht um Hogwarts nicht umgekommen, säßen sie jetzt im Zauberergefängnis Askaban. Lass dich bitte von einem verdrossenen Mädchen nicht dazu hinreißen dir eine vorschnelle Meinung über die ganze Familie zu bilden.
Mein Patenkind, den Sohn von Lucius und Narcissa, Draco kenne ich sein ganzes Leben. Er hat in den letzten paar Jahren einen Wandel vollzogen, der selbst mich manchmal erstaunt. Er wollte dich übrigens unbedingt kennenlernen, nachdem ich von dir erzählt habe. Ich hoffe du nimmst das als das an was es ist: eine Einladung hervorgerufen durch wohlwollende Neugier.
Nie hätte ich gefragt ob du mit zu der Feier in ihrem Anwesen mitkommen möchtest, wenn ich nicht absolut der Meinung wäre, dass es ein schöner Abend werden könnte. Diese Menschen sind für mich so etwas wie eine Familie. Ich wollte lediglich das du sie kennenlernst.
Ich bin wahrlich kein Mann großer Worte, doch ich weiß, wenn sich etwas richtig anfühlt, dann sollte man sich dem nicht verwehren.
Zum Schluss nur noch das: ich hoffe du hörst in dich hinein und kommst zu der Erkenntnis, dass es mit uns weitergehen kann und auch sollte, ungeachtet deiner Zweifel.
Wenn du mich suchst, weißt du wo ich zu finden bin.
Severus
Geschafft. Mit einem letzten Schluck leerte Severus den in der Zwischenzeit kalt gewordenen Met und steckte seinen Brief in einen Umschlag, den er noch schnell beschriftete.
Gleich Morgen früh, noch vor dem Frühstück, würde er seine eigenwillige aber doch treue Eule Sophia mit diesen Zeilen losschicken.
Und dann ... warten.
