Disclaimer: Ihr kennt alle diese Bücher mit dem Titel Harry Potter auf denen pilarius drauf steht, oder? Wie, ihr kennt sie nicht? Dann muss er wohl doch Joanne K Rowling gehören...


Wolfsrudel

11. Frost

Draco rieb sich die noch immer schmerzenden Hände, während er sich auf den Weg zurück nach Slytherin machte. Diese anmaßende Krähe hatte ihn überrascht. Er sollte außer sich sein. Sie hatte ihn gedemütigt, ihn in eine primitive körperliche Auseinandersetzung verwickelt, ihn gezwungen sich zu entschuldigen… als wenn er sich für irgendetwas bei der Schnepfe zu rechtfertigen hätte! Doch seltsamer Weise war er nicht wütend. Im Gegenteil, er war merkwürdig… fasziniert von dem braunhaarigen Mädchen. Sie war also reinblütig. Hmm. Wer hätte gedacht, dass sie einen so definitiv weiblichen Körper unter ihrer Robe verbarg? Eine ziemliche Wildkatze war sie auch. Primitive körperliche Auseinandersetzung hatte etwas für sich, zumindest wenn Draco außer Acht ließ, dass er ziemlich eindeutig verloren hatte. Es machte es einfacher, wenn er sich einredete, dass er nicht wirklich beabsichtigt hatte, gegen sie anzukommen. Schließlich war sie ein Mädchen. Man wurde nicht ernsthaft handgreiflich gegen ein Mädchen. Selbst gegen ein so streitlustiges Mädchen, das verdammt fest zupacken konnte. Ob sie wohl immer so… leidenschaftlich war? Er grinste. Wenn sie reinblütig war… vielleicht würde sich eine Gelegenheit finden, es herauszufinden. Er war schließlich nicht umsonst Draco Malfoy.

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Vor Desiree erstreckte sich Weiß, eine endlose Einöde von Frost. Als sie nach unten blickte, sah sie eine Gestalt, die sich durch den Schnee kämpfte. Es war ein weißer Wolf. Seine Nase und seine Augen waren das Einzige, was ihn aus dem allumfassenden Weiß hervorhob. Er war bis zum Hals in die eisige Masse eingesunken, aber dennoch schaffte er es irgendwie, sich vorwärts zu bewegen, eine unregelmäßige Spur hinter sich lassend. Ihn näher betrachtend, erkannte Desiree, dass er gehetzt wirkte. Das Weiße seiner Augen trat deutlich hervor und Schaum troff von seinen Lefzen. Sie fragte sich, ob er von etwas verfolgt wurde, aber konnte nichts erkennen. Der Wolf quälte sich vorwärts durch den Schnee, einen verzweifelten Sprung nach dem anderen. Schließlich erreichte er festeren Boden. Er hastete vorwärts, mehrfach mit seinen Läufen auf der glatten Ebene ausgleitend. Sie wollte ihn warnen, da der Boden auf dem er sich befand offensichtlich nicht sicher sein konnte, er musste sich auf der Oberfläche eines gefrorenen Wassers befinden. Doch es war zu spät, im selben Moment in dem sie das dachte durchbrach ein hässliches Knacken die unnatürliche Stille, derer sie erst jetzt gewahr wurde. Das Eis unter dem Wolf brach ein. Einen Moment lang dachte Desiree, er wäre untergegangen, aber er tauchte wieder auf und versuchte, wieder auf festen Boden zu gelangen. Eiskristalle glitzerten in seinem Fell und seine Pfoten färbten den Schnee rot, wo er ans Ufer zu gelangen versuchte, aber das Eis brach nur weiter und weiter ein, als wenn die gesamte eisige Welt darauf aus wäre, ihn zu verschlingen. Sie schrie, einer Banshee gleich… und erwachte, zitternd.

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Severus war in ein gutes Buch vertieft, als das Feuer in seinem Kamin grün aufflackerte. In den Flammen erschien ein Gesicht, das er seit langer Zeit nicht mehr gesehen hatte. Die blonde Frau wirkte nervös, sie sah sich mehrmals um und rang unruhig die Hände.

„Severus!", sagte sie erleichtert. „Kann ich hereinkommen?"

„Bitte, Narcissa.", sagte Severus neugierig. „Das ist ein unerwarteter Besuch."

Sie atmete tief durch und kurz darauf stand sie in seinem Raum und strich sich Asche von ihrem Gewand. Zehn Jahre, und sie hatte sich kaum verändert. Sie besaß noch immer die zeitlose Schönheit, die allen Blacks anhaftete.

„Severus.", sagte sie, und lächelte etwas bemüht. „Es ist zu lange her. Ich vermisse unsere Gespräche beim Nachmittagstee."

„Ich ebenfalls.", erwiderte Severus, und jemand der ihn nicht gut genug kannte wäre überrascht gewesen, wie warm seine Stimme für einen Augenblick klang. Er musterte sie und ihm fiel die verborgene Anspannung in ihrer Haltung auf, die Sorgenfalten in ihren Augenwinkeln und die Leere tief in ihrem Blick, die vor Jahren noch nicht da gewesen war. Das Leben war nicht spurlos an Narcissa Black vorübergegangen, auch wenn sie sich größte Mühe gab, es so scheinen zu lassen.

Sie presste die Lippen aufeinander. „Ich bin hier, um dich um einen Gefallen zu bitten."

Severus' Gesicht versteinerte sich und nach einem Augenblick angespannter Stille lachte er bissig auf. Narcissa zuckte zusammen.

„Natürlich. Wie konnte ich so töricht sein zu glauben, du wärst um meinetwillen gekommen. Die Vergangenheit ist wirklich tot, nicht wahr? Ich bin ein Narr. Geh, Narcissa. Ich schulde dir nichts, was uns verbunden hat ist lange dahin. Ich bin kein Mensch, der umsonst Gefallen erweist. Was immer du willst, du hast dich an den Falschen gewendet."

Ihre Lippen bebten und sie rang die Hände. „Es tut mir leid, Severus. Ich wünschte, wir hätten uns nicht so entzweit, aber die Zeit nagt an uns allen... Was immer ich dir geben kann, du wirst es bekommen, doch bitte hör mir zu... Wenn nicht um unserer alten Freundschaft wegen, dann für Lyra. Es geht um Draco. Du weißt, sie hätte gewünscht..."

Severus stand ärgerlich auf. „Wie kannst du es wagen, mir zu sagen, was sie gewünscht hätte? Du, die die Dreistigkeit besitzt sich ihre Freundin zu nennen. Deine Freundschaft hat sie nicht am Leben gehalten, oder?"

Narcissa senkte den Blick. „Wenn ich etwas hätte ändern können, hätte ich es getan."

Snape verzog bitter den Mund. „Belüg dich nicht selbst, Narcissa. Du bist immer nichts als eine Zuschauerin gewesen, dein ganzes Leben lang. Du hast zugesehen, wie deine Schwestern sich zu Grunde richteten, die eine ihr Erbe und die andere ihre Seele. Du hast zugesehen, wie deine Freunde dem Krieg zum Opfer fielen, einer nach dem anderen, und die ganze Zeit hast du nichts getan als in deinem Märchenschloss zu sitzen und ihr Schicksal zu beweinen, froh darüber, dass du den Prinz gewonnen hattest, um den dich alle beneideten. Du bist eine Heuchlerin. Wage es nicht, es vor mir abzustreiten. Wage es nicht, ihr Andenken noch weiter zu entweihen."

Narcissa presste die Lippen zusammen. „Er ist bei weitem kein Prinz.", sagte sie schließlich, Bitterkeit in ihrer Stimme. „Und ich bin keine Prinzessin, auch wenn du das zu denken scheinst. Ich bin schon lange nichts anderes mehr gewesen als seine..." Sie unterbrach sich und holte tief Luft. „Ich bin nicht hergekommen, um alten Groll heraufzubeschwören, Severus. Sag mir, was du willst, und du bekommst es. Aber ich flehe dich an, mir zu helfen. Ich weiß nicht, an wen ich mich sonst wenden soll."

Severus schloss die Augen und versuchte ruhig zu werden. „Also gut, Narcissa. Was willst du?"

Der Blick ihrer blauen Augen traf den seinen. „Du musst Draco von Malfoy Manor fernhalten.", sagte sie mit fester Stimme. „Egal wie du es tust, er darf nicht wieder in Lucius' Reichweite gelangen. Ich kann nicht mehr sagen, ohne meine Eheversprechen zu brechen. Ich kann nicht selbst etwas tun, du weißt, was ich geschworen habe. Allein dass ich mit dir rede grenzt schon an Verrat. Doch ich flehe dich an, was mit mir geschieht ist mir egal. Hilf meinem Sohn."

Severus verschränkte die Arme und musterte sie. „Hilf ihm. Halt ihn fern von Malfoy Manor. Weißt du, was du da verlangst? Was ich riskiere, wenn ich das tue? Und das alles um deiner mehren Bitte wegen, ohne einen handfesten Grund? Weiß Draco, dass du hier bist? Will er diese Hilfe überhaupt?"

„Er ist ein Kind!", rief Narcissa, ihre Stimme lauter und verzweifelter werdend. „Er weiß nicht... Was willst du von mir, Severus? Sag es mir nur, aber ich bitte dich..."

Severus hob die Hand. „Ja, ja, wie du schon sagtest. Bitte, Narcissa, mach keine Szene." Er atmete durch. „Meinetwegen, ich werde sehen, was ich tun kann." Er hob die Hand, als die blonde Frau aufatmete. „Ich verspreche nichts. Du schuldest mir etwas, Narcissa. Du schuldest mir einen großen Gefallen. Sei sicher, ich werde ihn einfordern."

Sie nickte mit blassem Gesicht. „Ich stehe zu meinem Wort."

„Tu das", entgegnete er, „und beweis mir, dass das Wort eines Malfoy mehr wert ist, als der Lufthauch, mit dem es gesprochen wurde."

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Amelia betrachtete Severus nachdenklich, und in ihm wuchs die Hoffnung, dass sie ihm tatsächlich helfen würde. Diese Hoffnung wurde zerstört, als sie schließlich mit dem Kopf schüttelte.

„Es tut mir leid, Severus.", sagte sie. „Wir können da nicht helfen."

„Ist es nicht euer Leitsatz, dass ihr alles möglich machen könnt?", fragte Severus etwas bitter.

Amelia lächelte gutmütig. „Das ist wahr. Wir können alles möglich machen – für eine angemessene Bezahlung. Weißt du, was es kostet, jemanden verschwinden zu lassen? Wir arbeiten nicht für ein Lächeln und gute Wünsche."

„Du hast gesagt, ich wäre ein Teil der Familie. Ich sehe Draco als einen Teil meiner Familie an. Logischerweise..."

„Überreiz nicht dein Blatt, Severus.", unterbrach ihn Amelia kühl. „Wir tun viele Dinge für dich, aber sieh unsere Hilfe nicht als selbstverständlich an, oder sie wird dir fehlen, wenn du sie nötiger brauchst."

Severus biss die Zähne zusammen. „Du weißt, ich habe nicht so viel Geld. Auch Narcissa kann es nicht aufbringen, wenn Lucius keinen Verdacht schöpfen soll."

Amelia nickte unberührt. „Genau deshalb können wir dir auch nicht helfen. Das Leben ist hart, Severus, und kleine Welpen müssen lernen. Wenn er stark ist, wird er überleben. Wenn nicht, erspart es ihm einen Kampf, den er ohnehin nie hätte gewinnen können."

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Draco zitterte. Er hatte nicht an diesen Ort zurückkommen wollen, nach dem die Ravenclaw ihn das letzte Mal überrascht hatte, aber irgendwie hatten ihn seine Schritte doch wieder her gelenkt. Jede Nacht träumte er davon, zu ertrinken. Er war in einem Meer, so unendlich, dass er niemals das Ufer erreichen konnte, soviel er auch schwamm. Selbst wenn er es in der Ferne sah, driftete es beständig aus seiner Reichweite.

Er kauerte sich zusammen und schloss die Augen, als könnte er so die Welt ausschließen. Er fühlte sich müde. Zu müde, weiter zu kämpfen. Er wusste, dass er schwach war, aber er hatte keine Ahnung, wie er seine Schwäche überwinden sollte.

Vielleicht hatten sein Vater, und Potter und all die anderen die ihn Tag für Tag mit Herablassung und Widerwillen ansahen Recht, und er war einfach nicht gut genug. Wie ein Kätzchen, das zu schwach war zum Überleben und ertrank. Vielleicht war es sein Schicksal, und er sollte es einfach akzeptieren und endlich aufgeben.

Aber es gab einen Teil von ihm, der niemals auf diese Stimme hören würde. Einen Teil, der, selbst wenn es sein Schicksal war, vorhatte sich mit Zähnen und Klauen zu wehren bis zum bitteren Ende.


Vielen, vielen Dank für eure Reviews an Anisha Carol, Mary Hawk, Esta, alge28, Reditus Mortis und Hexe-Chan

Ich muss euch leider sagen, die Inspiration für diese Geschichte hat mich irgendwie verlassen. Ich habe zwar ein paar Ideen, wie sie weiter gehen könnte, aber sie gefallen mir alle nicht. Darum würde ich gerne von euch wissen, ob ich noch weiter schreiben soll, und falls ja, was würdet ihr gerne lesen? Wenn ihr ein paar gute Ideen habt, werde ich versuchen sie umzusetzen, aber ansonsten wird sie wohl unvollendet bleiben. Tut mir wirklich leid für alle, die trotz meiner seltenen Updates so lange dabei geblieben sind!