Schattennacht

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Fanfiction von Lady of the Dungeon featuring Slytherene


Bonsoir! Vielen Dank für die Reviews, Reni und Jenn T.
Nachdem der Untergang der Deutschen Herren Fußball-Nationalmannschaft langsam verdaut ist, geht es hier weiter. Mal sehen, ob hier auch irgendwem der Untergang dräut...


11. Lucius' Verrat

„Du bist unfokussiert", sagt Lucius, als sie kurze Zeit später die Treppe zum Abbruchhaus in London emporsteigen, dessen Kamin sie nach Castle Grey Skull bringen wird.

„Das sagt der richtige", gibt Severus zurück. „Wie gut du dich zu beherrschen weißt, haben wir ja eben erlebt. Lupin vor allen anderen als Kannibalen darzustellen! Hast du nicht hingesehen, als Bellatrix ihn stundenlang mit Blanches abgerissenem… du-weißt-schon-was vor der Nase herum gefuchtelt hat und ihn gefragt hat, ob er hungrig wäre. Kein Wunder, dass er eben die Fassung verloren hat."

„Es ist eine dumme Angewohnheit, ihn zu demütigen", gibt Lucius zu. „Unter normalen Umständen wäre mir das nicht passiert. Richte ihm aus, dass es mir leid tut."

„Die zweite Entschuldigung an einem Abend?", fragt Severus mokant.

Lucius geht nicht darauf ein.
„Was findest du an ihm, Severus?", fragt er stattdessen.

„Das würdest du nicht verstehen", gibt Severus zurück.

„Wer weiß. Ich habe auch ein Herz", erwidert Lucius trocken.

Severus lacht auf. „Ja. Eines aus Stein."

„Edelstein, mindestens", kontert Lucius.

Sie haben den Kamin erreicht. Lucius zieht eine silberne Dose mit Floopulver aus seiner Umhangtasche.

„Severus, was auch immer jetzt geschehen mag, ich war stets dein Freund und werde es immer sein. Deinen…Gefährten indirekt das Leben meiner Tochter anzuvertrauen war nicht eben einfach." Lucius' grauer Blick ist offen. „Wisse, dass ich deine Entscheidung für die andere Seite respektiere."

„Wirst du sie auch mittragen?", fragt Severus.

„Für den Augenblick", erwidert Lucius vage. „Und jetzt – lass uns Potter suchen."

Lucius wirft das Floopulver in den Kamin, ruft „Castle Greyskull!", und Severus folgt ihm in die grünlichen Flammen.

Der hohe Marmorkamin im Hauptquartier spuckt sie aus und zwar geradewegs in die Arme der Wachhabenden. Severus entgeht nicht, wie Lucius das Blut aus den Wangen weicht, als er ihrer ansichtig wird.

„Wen haben wir denn da?", brummt MacNair und senkt seinen Stab. „N'abend, Severus. Und in welch charmanter Begleitung."

Er lacht tief und röhrend, und Greyback, der mit ihm die Wache hat, stimmt ein.

„Lucius, mein Süßer, kannst du nicht genug bekommen von uns starken Männern?", fragt er und leckt sich über die Lippen.

Er tritt auf Malfoy zu und streicht ihm mit einem unanständigen Stöhnen durch das Haar. Dass Lucius still steht wie eine Alabasterstatue, ist kein gutes Zeichen. Severus hat den Richterspruch des Dunklen Lords gehört, als er mit dem ‚Legilimens' in Lucius' Gedanken eingedrungen ist, er hat den Schmerz gespürt und die widerlichen Bilder gesehen. Dass Lucius sich jetzt nicht wehrt, zeigt: Er akzeptiert das Urteil des Dunklen Lords, immer noch. Dieser hat Lucius nicht nur degradiert, er hat ihn auch Greyback und MacNair unterstellt, in jeder Hinsicht. So lange, bis Lucius seinen Fehler wieder gutmacht.

„Ich glaube, unser Blondchen möchte wieder von uns in die Mitte genommen werden", dröhnt MacNair.

Auch er kommt jetzt hinzu und packt Lucius an der Schulter.

„Aber so gerne wir auch unseren Spaß mit dir haben, Lucius, wir haben unsere Befehle. Und soweit ich weiß, hast du auch einen, und der lautet, dich hier nicht blicken zu lassen, bis du etwas wirklich, wirklich Großes für unsere Sache vorzuweisen hast."

Lucius wischt sich über das Gesicht, um die Spuren von MacNairs feuchter Aussprache zu beseitigen.

„Aber das habe ich", sagt er kühl. „Und falls du mich noch einmal anfasst, werde ich dafür sorgen, dass der Dunkle Lord persönlich dich in die Kunst des Schmerzes einführt."
Im nächsten Moment hat Lucius seinen Stab gezückt und drückt die Spitze in Severus' Hals. „Hier bringe ich dem Dunklen Lord das Leck in unserer Phalanx, die Quelle der Informationen des Phönixordens – den Verräter Severus Snape."

Eiskalt läuft es Severus den Rücken hinunter. Das kann nicht wahr sein! Nach all den Tagen, die Lucius bescheid weiß, nach allem, was der Orden für Selene tut, fällt ihm Lucius jetzt in den Rücken.

„Niemand wird mir Selene schneller wiederbringen als der Dunkle Lord", zischt Lucius. „Ich serviere ihm nicht nur dich, sondern auch den Orden auf einem Silbertablett. Sie vertrauen mir, Dumbledore, MacGonagall, sogar Lupin. Wenn ich ihnen sage, dass ich weiß, wie man Potter und dich retten kann, werden sie jedes Risiko eingehen. Ich bekomme Selene, meine Stellung zur rechten Hand Unseres Meisters, und ich werde elegant Narcissa los und die Ratte dazu."

„Kannst du dich eigentlich noch im Spiegel ansehen, Lucius?", fragt Severus bitter.

„Bien sûr. An meinem Gesicht ist nichts auszusetzen", höhnt Malfoy.

Inzwischen haben MacNair und Greyback ein paar Schritte Abstand genommen. Lucius Malfoy ist wieder da, und wie! Sie begreifen schnell, dass der blonde Slytherin mit jedem Wort Recht hat: Seine Stellung beim Dunklen Lord wird jetzt absolut unangefochten sein, seine Macht fast unbegrenzt.

„Hat Draco das Dunkle Mal genommen?", erkundigt sich Lucius beiläufig, während Greyback Severus fesselt.

„Es wurde ihm als Belohnung für seine Verdienste um Potters Entführung zuteil, ja", sagt MacNair.

Diesmal schwingt Respekt in seiner Stimme mit – und ein Quentchen Furcht. Wenn Lucius Rache nimmt für die Bestrafung, die MacNair und Greyback ihm zugemutet haben – und er wird Rache nehmen – könnte es eng werden für die beiden. Sie schlagen den Weg zum Thronsaal ein, Greyback zieht Severus hinter sich her. Er hat ihn so gefesselt, dass er nicht gehen kann, und schleift ihn einfach mit.

Der Dunkle Lord sitzt mit einem Kelch Rotwein in der Hand auf seinem Knochenthron und unterhält sich leise mit Dolohov. Beider Miene zeigt ein gewisses Erstaunen, als die seltsame Prozession ihre Besprechung stört.

Lucius kniet nieder und tatsächlich, es geschieht - er verrät Severus. Alles, was danach passiert, rauscht in einer blutroten Welle aus Zorn und Schmerz an Severus vorbei: Die unmäßige Wut Voldemorts, seine Cruciati, die Severus glauben lassen, er verbrenne bei lebendigem Leibe, Lucius' kalte Arroganz, als er den Plan schildert, wie er die Ordensmitglieder in die Falle locken will. Voldemorts eisiges Lachen, voller Triumph.

„Lucius, Lucius – mein treuester Diener. Ich gestehe, ich hatte meine Zweifel, aber du bist der Beste unter meinen Gefolgsleuten. Nimm deinen Rang wieder ein, und wenn die anderen hier sind, erteile ihnen deine Befehle. Und natürlich – nenne mir deinen Preis."

Mein Lord, ich begehre nicht mehr, als den Platz zu Eurer Rechten für meine Familie. Die Malfoys standen seit Jahrhunderten an der Seite der edlen Slytherins. Macht aus dem Gewohnheitsrecht ein Erbrecht."

Angewidert schüttelt Severus den Kopf. Der kriecherische Ton in Lucius' kalter Stimme verursacht ihm Brechreiz.

„Gewährt", sagt der Dunkle Lord mit wegwerfender Geste.

„Und Herr", fährt Lucius fort. „Narcissa und Pettigrew haben ein Mädchen in der Gewalt – Selene Blanche. Das Kind ist das Ergebnis eines…nicht besonders ruhmvollen Fehltritts meinerseits. Sie ist meine Tochter. Und obwohl sie ein Halbblut ist, weist sie magische Fähigkeiten auf, die für eine Vierjährige außergewöhnlich sind. Ich bitte Euch um die Gnade, das Kind behalten zu dürfen. Sie wird in Eurem Sinne erzogen und Euch dienen – so wie Draco."

Er reicht dem Dunklen Lord das Erpresser-Pergament.

„Ich bin allerdings mit Draco sehr zufrieden", bemerkt der Dunkle Lord.

Er liest den Brief und bricht dann in schallendes Gelächter aus.

„Oh, Lucius. Deine Frau hintergeht dich mit der Gryffindor-Ratte, der Witz ist gut! Gleichzeitig rächt sie sich für deinen Ehebruch mit einer Muggel. Na, das war schon stillos von dir, Lucius, wirklich." Er lacht und lacht, doch plötzlich verstummt er. „Sie hat allerdings die Dreistigkeit, das Vermögen für sich zu wollen, das allein meinen Zielen zusteht. Und hierfür wird sie sterben, mit der Ratte gemeinsam. Denn dies ist Verrat an mir!"

„Ihr seid zu gütig", sagt Lucius und senkt demütig den Kopf. Er kriecht förmlich auf Voldemort zu und reicht ihm seinen Unterarm.

„Ex Narcissa Black-Malfoy et Peter Pettigrew", murmelt der Dunkle Lord, ruft damit alle außer diesen zweien, und presst das Mal auf Lucius' Unterarm.
Auch Severus' Dunkles Mal beginnt zu brennen. Er ist immer noch ein Todesser.

„Greyback, MacNair – ihr werdet in Absprache mit Lucius dieses Mädchen holen. Presst Narcissa und Pettigrew die Information ab, wie ist mir egal. Vorher schafft ihr mir noch den verräterischen Giftmischer in den Kerker. Quartiert ihn bei Potter ein. Ich will das beide zusehen, wie ihre Freunde vom Orden des Phönix sterben, bevor sie selbst hingerichtet werden."

Greyback grunzt etwas Gutturales und zerrt Severus aus dem Thronsaal hinaus. Draußen packt er sich ihn über die Schulter wie einen alten Sack und schleppt ihn hinunter zu den Zellen. Es gibt nur zwei kleinere in Castle Greyskull, Gefangene überleben hier niemals lange.

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Die schmale Gestalt, die sich unter ihrem Umhang verbirgt und in einer Ecke ihrer Zelle hockt, blickt auf, als Greyback Severus in den Raum schleudert. Der Werwolf hat mindestens solche Kraft wie Remus, wenn nicht mehr.
Severus, dem ohnehin bereits Rippen gebrochen sind und das Gelenk seiner Stabhand, stöhnt schmerzerfüllt auf, als sein Rücken mit der harten Felswand kollidiert.

„Professor Snape, oh Merlin." Lilly Potters grüne Augen starren in Severus' schwarze.

„Potter. Immerhin, ich habe Sie gefunden", schnarrt Severus und unterdrückt den gleißenden Schmerz. „Welcher unglaublichen Dummheit verdanken wir es, dass der gesamte Orden binnen Stunden in eine gigantische Falle tappen wird, nur um Sie zu retten?"

„Malfoy", sagt Harry dumpf. „Ihr Schüler. Auf den hätten Sie mal besser aufgepasst. Er hat mich auf die Ländereien gelockt."

„Und Sie hatten nichts Eiligeres zu tun, als ihm nachts dort hinaus zu folgen?", fragt Severus säuerlich.

„Ich hatte keine Wahl!" verteidigt sich Potter. „In seinem Brief stand, er würde Ginny etwas antun, und er hatte ihr Ohr mitgeschickt, um seiner Drohung Nachhaltigkeit zu verleihen."

„Und warum, bei allen Geistern, haben Sie nicht ihre Hauslehrerin informiert oder wenigstens ihre Freunde Weasley und diese neunmalkluge Miss Granger?", schnauzt Severus.

„Ich wollte niemanden in Gefahr bringen", faucht Potter. „Das war eine Sache zwischen Malfoy und mir!"

„Diese verfluchte Familie ist der Nagel zu meinem Sarg!", brüllt Severus, um seinem Zorn endlich ein Ventil zu geben. Er schlägt mit der verletzten Hand gegen die Mauer und lässt sich von dem scharfen Schmerz umnebeln.

„Ihr Verhalten ist unverzeihlich", sagt er später kühl zu Harry. „Vierhundert Punkte von Gryffindor, und falls wir überleben, nachsitzen, bis Ihre Schulzeit vorbei ist. Leider stehen die Chancen dafür nicht sonderlich gut."

Und dann berichtet er Potter, was in den letzten Tagen und Stunden geschehen ist. Als er schließlich zu Malfoys Plan kommt, die Ordensmitglieder in eine Falle zu locken, und wie geschickt Lucius dies eingefädelt hat, bleibt Potter jedes Wort im Halse stecken.

„Ich will nicht zusehen, wie sie alle meinetwegen sterben", sagt er schließlich. „Außerdem sind diese abgeschnittenen Ohren nicht echt."

Severus stutzt. Könnte es ein, dass Lucius am Ende die ganze Entführung nur erfunden hat? Welch eine unglaubliche… - aber halt. Das Ohr, das er in der Hand hatte, war echt. Lucius' Verzweiflung, seine Schmerzen, die Angst – Severus ist sich sicher, zumal er Lucius' Gedanken gelesen hat. Und Lucius ist kein Okklument. Nein, Lucius hat seine Pläne spontan geändert, spontan entwickelt, vielleicht auf dem Weg vom Grimmauldplatz ins Hauptquartier. Was nichts daran ändert, dass er Severus verraten hat.

Merlin, es war so absehbar gewesen, warum nur hat Severus Lucius vertraut, mit all seinem sentimentalen Gequatsche von Freundschaft? Der Meister der Täuschung hat seinen Meister gefunden, denkt Severus bitter und verflucht sich selbst. Jetzt bleibt ihm nur das Warten und dann wird er Remus sterben sehen. Sie werden alle sterben. Mit Albus und Potter werden die Hoffnungen auf eine gerechtere Zaubererwelt sterben und mit Remus Severus' ganz persönliche Hoffnungen auf ein Stück, wenigstens einen Zipfel, von Fortunas Gewand.

Potter schweigt. Es ist das Beste, das er tun kann, denn er und Severus haben einander nichts zu sagen. Stumm warten sie, dass man sie irgendwann holt, um ihre Freunde sterben zu sehen.
Die Stunden und Minuten verrinnen träge wie Blei.

Potter holt irgendwann Wasser – eine Flasche steht auf dem klapprigen Tisch, und er bringt auch Severus ein Glas mit.

„Sir."

Wortlos akzeptiert Severus. Er prüft nicht einmal, ob Gift enthalten ist. Was spielt es für eine Rolle?

Plötzlich hören sie ein gewaltiges Krachen, eine Detonation, und dann beginnt die gegenüberliegende Wand des Kerkers zu wackeln. Steine bewegen sich, lockern sich, und werden schließlich nach hinten weg in eine schwarze Dunkelheit gezerrt.

„Lassen Sie mich mal, Professor", sagt eine tiefe Stimme, und dann ertönt ein dumpfer Schlag und Mauerbrocken fliegen nach vorne und gegen die Gitter.

„Hagrid!", ruft Potter aus.

Sekunden später steht der Riese mit eingezogenen Kopf im Gang, und hinter ihm folgt – unverletzt, unversehrt, und mit diesem unglaublichen halben Lächeln – Remus!

„Tretet mal'n Stück zurück", sagt Hagrid, und bereitet sich darauf vor, gegen das Gitter zu treten.

„Warte", sagt Remus und zieht den Stab.

Alohomora!"

Das Schloss der Tür klickt und sie springt auf.

„Remus!"

Harry stürzt in die Arme seines ehemaligen Lehrers, und dann in die gigantischen Pranken von Hagrid.

Severus leistet sich einen Moment der Schwäche und lehnt seinen Kopf für einen Augenblick an Remus' Schulter. Ein Blick, ein Lächeln, Remus' Hand in seinem schwarzen Haar. Als Harry aus Hagrids Umarmung hervorkriecht, stehen die beiden Zauberer schon wieder einen Schritt voneinander entfernt.

„Wo kommt ihr her? Wie seid ihr hier herein gekommen? Was ist mit den anderen?", sprudelt es aus Harry hervor.

„Die anderen nehmen das Gebäude vom zweiten Kellereingang her ein. Der Orden ist dort, und alle Auroren. Wir haben auch Unterstützung des Irischen, des Deutschen und des Französischen Zaubereiministeriums. Einige wenige fliegen einen Scheinangriff über das Dach, wo die Todesser sie erwarten", erklärt Remus.

Severus' Gedanken rasen.

„Sie sagten doch, es wäre Malfoys Plan, dass er die Ordensleute zum Dach locken würde, wo die Todesser sie dann erwarten wollten?", sagt Potter verwirrt zu Severus.

„Das hat er mit dem Dunklen Lord besprochen, allerdings", antwortet Severus und rekapituliert in Windeseile Lucius' Worte. Ist ihm etwas entgangen?

„Was ist mit der Apparitionssperre?", fragt er dann. „Man kann nicht mit so vielen Zauberern so nahe an Greyskull herankommen."

„Du-weißt-schon-wems Apparitionssperre ist aktiv", brummt Hagrid. „Aber die ganzen Alarmsysteme hat unser Bill Weasley mit seinen Freunden ausgehebelt."

„Aber eine solche Manipulation – der Dunkle Lord würde das bemerken", beharrt Severus fassungslos.

„Es sei denn, es ginge rasend schnell", widerspricht ihm Remus.

„Dafür bräuchte man die arkane Frequenz und denjenigen, der den Alarm-Fluch gesetzt hat", plappert Potter, und Severus registriert verblüfft, wie gut der Junge bescheid weiß.

„Natürlich, Harry", sagt Hagrid. „Aber den ham wir ja, den der alle arkanen Frequenzen hier kennt." Der Halbriese wendet sich Severus zu. „Merlin weiß, wie Sie das geschafft haben, Professor Snape, ausgerechnet den Lucius Malfoy auf unsere Seite zu ziehen."

„Dein Freund Lucius hat uns alle Informationen gegeben, Pläne, eine komplette Angriffsstrategie. Er hat die Auroren eingewiesen, diesen Auftritt vor dem Ministerium wird man so schnell nicht vergessen." Remus' Augen leuchten. „Dumbledore hatte Recht. Jeder hat eine zweite Chance verdient. Malfoy hat sie genutzt."

„Er hat mich verraten", erwiderte Severus tonlos.

„Ich weiß", sagt Remus sanft. „Er hat es uns sofort gebeichtet. Er brauchte eine Strategie, um Voldemort von seiner Treue zu überzeugen."

Remus zieht Severus in eine spontane Umarmung. „Es tut mir so leid. Du musst Grässliches durchgestanden haben. Malfoy musste dich in der Überzeugung wiegen, sein Verrat sei echt."

Severus stöhnt auf. Seine gebrochenen Rippen machen jeden Atemzug zur Qual, und Remus' ruppige Umarmung trägt das ihrige dazu bei.

„Bist du verletzt?", fragt der Gryffindor besorgt.

„Nicht der Rede wert", erwiderte Severus tapfer. Wenn er nicht will, dass Remus ihn stante pede in die Krankenstation zu Pomfrey schleppt, muss er durchhalten.

„Gut, denn man wird oben jeden Zauberstab benötigen", sagt Remus. „Wollen wir?"

„Du bleibst hinter mir, Harry", brummt Hagrid. Dann fischt er einen langen Gegenstand aus einer der vielen Taschen seines Maulwurfmantels.

„Hier, Professor Snape. Das soll ich Ihnen von Professor Dumbledore geben."

Severus dreht den leicht gebogenen Zauberstab aus Ebenholz zwischen den Fingern. Er gehörte Eileen Prince, und Severus hat Albus vor Jahren gebeten, ihn an sich zu nehmen und aufzubewahren. Auch für Harry hat Hagrid einen zweiten Zauberstab dabei.

Sie laufen die Treppen hinauf, die Greyback Severus vor einigen Stunden hinunter geschleppt hat. Schon im Eingangsbereich ist Geschrei zu hören, Flüche und Gegenflüche. Severus kann Rodolphus erkennen, Rabastan und Bellatrix, die einer Gruppe von Auroren die Stirn bieten, die in den Thronsaal eindringen wollen. Die Überzahl der Auroren ist zwar deutlich, aber die Todesser haben die weitaus bessere Position. Ihre Deckung ist nahezu perfekt. Innerhalb von Minuten haben mehrere Aurorenteams versucht, die Türen zur Detonation zu bringen, doch diese scheinen einen magischen Schutz zu besitzen.

„Das Siegel des Dunklen Lords", ruft Severus. „Hört auf, die Tür zu bombardieren. Es nimmt die Energien auf und leitet sie an ihn weiter!"

„Kann man sie nur von innen sprengen?", fragt Remus.

„Ja, aber man kommt dort nicht herein", erwidert Severus.

„Gib mir Deckung", knurrt Remus, und er sprintet los, bevor Severus ihn daran hindern kann. Schreckensstarr sieht er ihm nach.

Expelliarmus!" bellt Potter neben ihm, und der Fluch des Jungen bringt Severus zur Besinnung.

Seine Flüche pfeifen zwischen den Toren durch, roter Rauch quillt aus seinem Stab, und tatsächlich begreifen jetzt auch die Auroren. Sie alle geben Remus Deckung für seine Wahnsinnsaktion.

„Tötet den Werwolf!", kreischt Bellatrix aus dem Innenraum heraus.

Severus hört mehrere „Avada kedavras", dann das Aufschlagen eines Körpers auf dem Marmorboden. Hagrids festem Griff allein ist es zu verdanken, dass er nicht blind hinterher stürzt.

Bombada maxima!" erklingt eine kalte Stimme aus dem Inneren des Thronsaals, die schweren Tore explodieren und eine Staubwolke wälzt sich aus dem Saal in den Flur. Man hört lautes Fluchen, Husten und Niesen, und eine graugepuderte Gestalt mit zwei Köpfen wankt durch den jetzt nur noch von Mauern begrenzten Durchbruch.

„Nicht angreifen!", donnert Kingsley Shacklebolts Stimme durch den Raum.

Dieses Kommando rettet Remus das Leben, der halb auf Lucius' Schulter hängt, und dessen linker Arm einen merkwürdig ungesunden Winkel hat.

„Stürmt den Saal!", ruft Shacklebolt, und die Auroren folgen ihm.

„Wer ist noch da drin?", dringt Moodys Stimme an Severus' Ohr.

Lucius lässt den verletzten, halb ohnmächtigen Remus von seiner Schulter gleiten.

„Bellatrix", hustet er. „Rabastan und Rodolphus."

„Gute Arbeit", lobt Moody, klopft Lucius auf die Schulter und verschwindet, um in Richtung des Tumults zu hinken.

„Remus!", ruft Severus und sinkt neben dem Werwolf auf die Knie.

Remus öffnet die Augen, und Severus war nie dankbarer, den bernsteinfarbenen Blick zu sehen.

„Bin okay", hustet Remus. „Lucius…"
Der Rest des Satzes geht in einem Hustenanfall unter.

Erst jetzt registriert Severus, dass die grauen Augen in dem weiß bepuderten Gesicht flackern, dass Lucius' Robe völlig zerrissen ist und Ketten von seinen Händen hängen. Etwas Dunkles sickert durch die Kleidung des Slytherins.

„Du brauchst einen Heiler", sagt Severus.

„Wir müssen Sie festnehmen, Malfoy", verkündet im selben Moment ein junger Auror mit gezücktem Zauberstab.

„Aber sonst geht's noch?", faucht Harry. „Er hat gerade Remus Lupin den Arsch gerettet."

Bellatrixens geschrieene Flüche gellen bis in den Flur.

„Leider", keucht Lucius, „es war eher umgekehrt, auch wenn ich es nie so ausdrücken würde. Severus", wendet er sich an den Tränkemeister und packt ihn an der Schulter. „Wo ist meine Tochter? Wo sind Greyback und MacNair?"

„Was ist da drin passiert?", fragt Harry.

„Sie hatten Malfoy an diesen monströsen Thron gekettet", sagt Remus und putzt sich die Nase mit einem schwarzen Seidentaschentuch, das Severus ihm reicht. „Ich wollte die Tür von innen aufsprengen, bin auch reingekommen, aber Rabastan hat mir den Stab aus der Hand geschlagen. Merlin sei Dank ist mein Zauberstab auf dem Boden entlang bis zu Malfoy hier gerutscht. Er hat die Tür gesprengt, den Rest kennt ihr."

„Wo ist Der-dessen-Name-nicht-genannt-werden-soll?", verlangt der Auror. „Wir dachten, er wäre in dem Saal, weil die Todesser ihn so vehement verteidigt haben."

„Der Dunkle Lord ist geflohen, nachdem ihm plötzlich der Gedanke kam, es würde wohl doch nicht alles mit rechten Dingen zugehen", erklärt Lucius und schüttelt sich ungefähr zwei Kilogramm Staub aus den Haaren. „Wo ist meine Tochter? Wo ist Draco?"

Die Frage wird im nächsten Augenblick beantwortet, als eine Gruppe Todesser von Auroren oder Ordensmitgliedern die Treppe hinunter gedrängt wird.

„Versperrt den Weg zum Kamin", ruft jemand.

„Gebt ihn frei, sie haben Geiseln!", brüllt eine schrille Stimme. Severus erkennt Minerva MacGonagall, und die Verwandlungslehrerin klingt panisch. „In Merlins Namen, sie haben ein Kind."


TBC

Na, wenn das kein Cliffhanger ist ;-)