Adventskalender 2007

Kapitel 10 – Autogrammtag

Die magische Buchhandlung Flourish & Blotts platzte aus allen Nähten. Überall drängten sich aufgeregte Puddlemerefans um die verteilt stehenden Tische, an dem je ein Spieler saß und geduldig Autogramme schrieb, sich fotografieren ließ, Autogramme schrieb, mit den Fans scherzte, Autogramme schrieb, Werbegeschenke verteilte und Autogramme schrieb.

Katie hatte keine Ahnung, wo sich Jenny gerade befand und sie hoffte nur, dass sie nicht in dem Chaos zu Schaden kam. Sie machte sich inzwischen leichte Vorwürfe, dass sie ihrer Tochter doch erlaubt hatte, zu dieser Autogrammstunde zu kommen. Sie hätte sich durchsetzen müssen und nicht so nachgiebig sein dürfen. Schließlich hatte sie seit Jennys Geburt alles getan, um sie von Quidditch fern zu halten, wie sie es sich seit diesem schrecklichen Tag damals vor fast zehn Jahren geschworen hatte. Aber wie sollte sie das schaffen, wenn sie die meiste Zeit mit den Weasleykindern und Stacy Jordan verbrachte, die alle eingefleischte Puddlemerefans waren? Es war ein Kampf gegen Windmühlen, aber sie war entschlossen, diesen Kampf weiter zu kämpfen.

Wenn sie es vielleicht auch nicht schaffen würde, Jenny ihre Fanverehrung für die Profiteams auszutreiben, so würde sie jedenfalls nicht ruhen, wenn es darum ging, Jenny davon abzuhalten, selber einen Besen außerhalb des überwachten Erstklässlerflugunterrichts zu besteigen. Und vor allem würde sie alles tun, um sie davon abzuhalten, sich für das Hausteam zu bewerben. Ihre Tochter würde nicht Quidditch spielen. Dafür würde sie sorgen. Sie hatte diesem Sport vor Jahren einen sehr hohen Preis bezahlen müssen. Noch einmal würde sie nicht zahlen.

„Whoa! Meine Güte! Hier ist ja was los.", hörte Katie plötzlich Angelina neben sich sagen, als sie sich wieder mal hinter den rettenden Kassentresen gerettet hatte. „Wie haltet ihr das bloß aus?"

„Gar nicht.", antwortete Katie ohne sie anzusehen. Sie war gerade viel zu sehr damit beschäftigt einen Riesenstapel Bücher in eine Tüte zu verpacken, den Chloe ihr zugeschoben hatte. „Ich weiß beim besten Willen nicht, wie wir auch noch Bücher in Geschenkpapier einpacken sollen, wenn ich es kaum schaffe, sie in die Tüten zu stecken, damit schnellstmöglichst der nächste Kunde bezahlen kann."

"Macht doch einen Extratisch zum Verpacken auf.", schlug Angelina vor. Dorthinten neben den Reiseführern und Bildbänden am Eingang wäre noch Platz dafür."

„Und wer soll das machen? Du siehst doch, dass wir hier alle Hände voll zu tun haben."

„Wie wäre es mit Laura oder Tom? Wo stecken die eigentlich gerade?" Suchend sah Angelina sich im Laden um, konnte Katies Kollegen in dem ganzen Chaos absolut nicht finden."

„Die werden wohl irgendwo hier sein und Fragen beantworten, Bücher raussuchen und beraten. Die haben auch keine Zeit zum Bücher einpacken.", seufzte Katie, schob einen neuen Stapel Bücher in eine Tüte und händigte ihn lächelnd einer jungen Mutter mit drei halbwüchsigen Kindern aus.

„CAITLIN? WIR BRAUCHEN NACHSCHUB IM KINDERBUCHREGAL!", dröhnte Toms Stimme von halblinks zu ihr rüber.

„Na toll. Wie soll ich denn bei dem Chaos hier noch Nachschub besorgen?", murmelte Katie vor sich hin, wurde aber gleich darauf von Angelina zur Seite geschubst.

„Geh schon. Ich übernehme solange hier.", wies sie ihre Freundin an und griff schon nach einer Tüte und einem Bücherstapel.

„Danke, Angelina."

„Ach was. Ist doch kein Thema.", winkte diese ab. "Nun hol schon Nachschub für Tom, bevor er in Panik gerät."

„OK", meinte Katie und schlüpfte hinter den Tresen weg. „WELCHES REGAL, TOM?"

„26, 27 und 30"

„BIN GLEICH DA!"

„DANKE!"

Im Slalomlauf manövrierte Katie sich durch die Menschenmassen. Dabei wurde sie von vielen ungeduldigen Fans angeschnauzt, was ihr denn einfiele, sich so unverschämt vorzudrängeln. Stumm deutete sie auf ihr Namensschild an ihrem Pullover und ließ die teils verschämt rot anlaufenden Fans links liegen. Als sie es schließlich geschafft hatte, bis zum Warenlager vorzudringen, schloß sie die Tür hinter sich, lehnte sich kurz mit geschlossenen Augen an die Tür und atmete tief und erleichtert durch.

„Miss, hier ist Sperrgebiet."

Langsam öffnete sie die Augen wieder und warf dem grimmig aussehenden Puddlemere-Sicherheitsmann einen finsteren Blick zu.

„Ich denke, dieses Thema haben wir schon ausdiskutiert.", gab sie nicht besonders freundlich zurück. „Und jetzt lassen Sie mich einen Moment durchatmen und den Nachschub raussuchen, bevor ich mich wieder in dieses Irrenhaus wage, in das sie meinen Arbeitsplatz verwandelt haben."


„Können Sie das für mich unterschreiben?"

„Aber sicher doch. Wie heißt du denn?"

„Jenny"

Überrascht sah Oliver auf und stützte den Arm auf dem Tisch ab, als er das etwa zehnjährige Mädchen sah, die mit strahlenden Augen und einem spitzbübischen Lächeln vor ihm stand.

„Jenny, soso.", schmunzelte er amüsiert vor sich hin und neigte den Kopf leicht zur Seite. „Ich habe das Gefühl, dass ich dich kenne, Jenny. Verate mir mal, woher kennen wir zwei uns? Bist du eine meiner Exfreundinnen, die ich nicht wiedererkenne? Das wäre nämlich wirklich peinlich, weißt du?"

Das Mädchen vor ihm kicherte und warf ihren beiden Freundinnen neben sich ein breites Grinsen zu.

„Oder kann es vielleicht sein, dass du heute schon mal da warst?", grinste Oliver jetzt die Mädchen vor ihm an. „Das wievielte Autogramm ist das jetzt, Jenny?"

„Das siebte.", gab die Kleine verschmitzt zu und strahlte ihn an. „Aber von dem allerbesten Quidditchspieler auf der ganzen Welt kann man nie genug Autogramme haben. Wissen Sie, was die wert sind? Wenn ich die verkaufe, kann ich mir vielleicht sogar das Puddlemere-Buch kaufen."

Oliver lachte laut auf und warf seinem Leibwächter neben sich ein Grinsen zu.

„Na, das kann ich natürlich nicht zulassen, dass du das Geld für das Buch nicht zusammen bekommst." Mit Schwung setzte Oliver seinen Namen auf eine der Autogrammkarten und drückte ihn Jenny in die Hand. „Aber danach solltet ihr drei vielleicht erstmal meine Kollegen abklappern, bevor euch die anderen Fans was antun, weil ihr dauernd wieder bei mir auftaucht."

„Wir haben schon von allen Autogramme.", antwortete die Kleine mit der kakaofarbenen Haut und den Schokoladenaugen. „Und hier wird uns keiner was antun, denn dann fliegen die raus."

„Genau.", erwiderte das dritte Mädchen und nickte heftig mit dem Kopf. „Jennys Mama arbeitet nämlich hier."

„So, tut sie das?", fragte Oliver und schrieb auch Jennys Freundinnen noch je ein Autogramm, bevor er Jenny wieder ansah. „Wenn das so ist, kennst du dich doch sicher hier aus und kannst mir bestimmt verraten, wo hier die Toilette ist, oder?"

„Na klar.", antwortete Jenny und hüpfte vor lauter Aufregung, ihrem großen Idol einen Gefallen tun zu können, von einem Bein auf das andere.

„Na dann, auf geht's.", meinte Oliver und sah seinen Leibwächter bittend an. Dieser nickte und Oliver verdrückte sich schnell mit seinen drei kleinen Fremdenführerinnen, bevor es zu große Proteste aus der Fanmenge gab.

„Gönnt ihm eine Viertelstunde Pause, Leute.", hörte er seinen Leibwächter hinter sich. „Ihm platzt sonst die Blase und dann fällt er beim nächsten Spiel aus. Wollt ihr das verantworten?"

Oliver schmunzelte vor sich hin und quetschte sich hinter einem Regal lang und von da aus durch eine Tür, durch die Jenny gerade verschwunden war. Ein kurzer Blick zum Kassentresen ließ ihn stutzen. War das nicht Angelina Johnson, die da stand und Bücher in Tüten verpackte? Oder verwechselte er sie nur mit seiner ehemaligen Jägerin?

„Die Toilette ist hier.", holte Jenny ihn in die Wirklichkeit zurück.

„Danke.", bedankte sich Oliver lächelnd und öffnete die Tür. Bevor er sie jedoch wieder hinter sich schloß, drehte er sich nochmal zu den drei Mädchen um. „Glaubt ihr, es besteht die Möglichkeit, dass ich hier irgendwie einen Becher Kaffee bekommen könnte?" Heftiges dreifaches Nicken war die Antwort darauf. „Super. Ihr seit meine Lebensretter. Es dauert nicht lange. Bin gleich wieder da. Nicht weglaufen." Heftiges Kopfschütteln folgte darauf und Oliver schloß leise lachend die Tür hinter sich. Fans von dieser Sorte liebte er ganz besonders.


„He, was macht ihr denn hier? Wieso steht ihr hier rum, wenn da draußen die großen Stars sind?", hörte er kurz darauf eine ungeduldige Jungenstimme durch die Tür.

„Was interessieren uns denn die, wenn der größte Star von allem gerade hier auf dem Klo sitzt?", kam die Antwort von einem der Mädchen.

„Was?" Eine weitere Jungenstimme dröhnte dumpf durch die Tür. „Wieso? Wer sitzt denn da?"

„Oliver Wood", antwortete Jenny und Oliver mußte sich schwer konzentrieren um bei der würdevollen Ernsthaftigkeit die in ihrer Stimme zu hören war, nicht laut loszulachen.

„Wollt ihr uns verarschen?"

„Nein, Oliver Wood sitzt auf diesem Klo und will gleich noch einen Kaffee. Weiß einer von euch, ob es noch Kaffee gibt?"

„Wahnsinn.", kam die staunende Antwort von einem der Jungs. „Die Klobrille lasse ich mitgehen und lasse sie mir vergolden."

„Eine vergoldete Klobrille auf der Oliver Wood gesessen hat. Sowas hat nicht jeder."

Jetzt war es mit Olivers Beherrschung vorbei. Laut lachend wusch er sich die Hände und öffnete die Tür. Vor ihm standen jetzt fünf Kinder von etwa 10 Jahren, von denen hauptsächlich die Jungs ihn erst verdutzt, dann aber verschmitzt ansahen.

„Schreiben Sie uns ein Autogramm auf die Klobrille? Das wäre ein wirklich tolles Geschenk.", bat einer der Jungs ihn und sah ihn mit einem Blick an, der ihm wage bekannt vorkam. Viel zu unschuldig, als das er wirklich unschuldig sein konnte. Aber er konnte nicht recht einordnen, woher er ihn kannte.

„Ich glaube nicht, dass das so gut beim Chef von Flourish & Blotts ankommt, Jungs.", erwiderte Oliver und zwinkerte den Kindern zu. „Aber ihr könnt mir in meiner Kaffeepause Gesellschaft leisten, wenn ihr wollt."

„OK, ist schließlich auch nicht übel.", meinte der Junge und zuckte unbekümmert mit den Schultern. Schon wieder so eine Geste, die Oliver meinte zu kennen.

„Hier geht's lang.", meinte Jenny und lief voraus zu dem kleinen Aufenthaltsraum, wo sie schon öfter mal auf ihre Mutter gewartet hat.

Als sie dort ankamen, merkte Oliver, dass er nicht ganz alleine mit seinem Miniatur-Leibgarde war, denn sein Jägerkollege Liam O'Leary stand mit einem Becher Kaffee an der Fensterbank gelehnt und unterhielt sich mit Connor Carpenter, einem der anderen Jäger. Als Oliver und die Kinder eintraten sahen sie ihn überrascht an.

„He Woody, wen hast du dir denn da angelacht?", meinte Liam schmunzelnd und sah die Kinder der Reihe nach an, die die Aufregung, gleich drei der großen Stars kurzfristig für sich alleine zu haben, kaum verbergen konnten.

„Das ist meine persönliche Crew aus Fremdenführern, Leibwächtern und Kaffeeengeln.", antwortete Oliver und griff erleichtert nach einem Becher und der Kaffeekanne, die er auf dem kleinen, wackeligen Tisch erspäht hat.

„Das ist mal wieder typisch.", knurrte Connor und warf Cheryl und Alex ein verstecktes Zwinkern zu. „Wir müssen uns selber durch die Menge hierhin vorkämpfen und der große Star hat eine komplette Crew organisiert."

„Wer hat, der hat.", antwortete Oliver mit einem lässigen Schulterzucken und setzte sich auf einem verkehrt herum gedrehten Stuhl. Die Arme hatte er dabei auf die Rückenlehne abgestützt und die Augen geschlossen. „Heiliger Merlin, ist das ein Irrenhaus da draußen. Die geschlossene Abteilung im St. Mungos ist nichts dagegen."

„Mhmm.", brummte Liam und warf Connor einen Seitenblick zu, der Oliver neugierig musterte. „Aber trotzdem hast du alle Zeit der Welt, die Verkäuferinnen hier im Auge zu behalten."

„Oder besser gesagt, eine bestimmte Verkäuferin.", verbesserte Connor seinen Kollegen.

Oliver riss überrascht die Augen auf.

„Wie bitte? Was soll das denn heißen?"

„Du weißt genau, was das heißen soll.", antwortete Connor und ließ ihn nicht aus den Augen. „Du hast es auf die kleine Brünette abgesehen."

„Ich habe gar nichts.", erwiderte Oliver und nahm einen tiefen Schluck Kaffee. „Sie kommt mir nur bekannt vor, dass ist alles."

„Ja, sicher.", spottete Liam und grinste Connor an. „Die Ausrede habe ich auch jedesmal, wenn ich eine hübsche Frau zu lange anstarre."

„Sie kommt mir wirklich ...", fing Oliver an zu protestieren, winkte allerdings ab, als er merkte, dass keiner seiner beiden Kollegen ihm glaubte. „Glaubt doch was ihr wollt."

„Sicher doch. Davon wirst du uns nicht abringen, Woody.", grinste Liam und wandte sich dann Josh zu, der neben ihm auf einem Stuhl saß und den Keksvorrat im Alleingang zu vernichten schien. „Und du, junger Mann, gibst mir jetzt einen Keks ab? Alleine essen macht nämlich dick."

Erschrocken sah Josh sich um, hielt Liam jedoch die Keksschüssel hin und grinste ihn an, als er das Zwinkern in den Augen des Puddlemerestars sah.

„Und jetzt erzählt mal, wer ihr seid, warum ihr euch hier so gut auskennt und warum ihr Quidditch so toll findet.", forderte er die fünfköpfige Kinderschar auf, die sogleich wild durcheinander schnatterten und die Kaffeepause der drei Profispieler zu einem sehr amüsanten Ereignis machten.


„Sag mal, hast du die Kinder irgendwo gesehen?", fragte Katie Angelina im Vorbeigehen. Angelina hatte sich inzwischen nützlich gemacht und hatte eine Einpackstation nahe dem Ausgang errichtet, an der sie mit ein paar Bekannten, die sie in der Menge getroffen und gleich eingespannt hatte, Bücher in Geschenkpapier einpackte und mit bunten Schleifen versah.

„Nein", gab Angelina nicht sehr besorgt zurück und knotete die Schleife, an der sie gerade arbeitete, fest. „Die werden hier schon irgendwo sein. Sie wissen schließlich, dass sie den Laden nicht verlassen dürfen."

„Trotzdem kann ich sie nirgends sehen und Chloe, Laura und Tom haben sie auch schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen.", erwiderte Katie mit einem kleinen Hauch Panik. „Ich mache mir Sorgen Angelina. Du kennst unsere Vergangenheit und bei den vielen Leuten, die hier heute ein und aus gehen ..."

Angelina sah Katie nachdenklich an und reckte dann den Hals, um sich im Laden umzusehen.

„Hmm, hast du hinten schon nachgesehen? Vielleicht machen sie gerade Kakaopause oder sowas?"

„Bei einem Laden voller Quidditchprofis?", fragte Katie skeptisch.

„Naja, die Hälfte der Tische ist gerade leer.", überlegte Angelina . „Soweit ich das sehe, fehlen Liam O'Leary, Connor Carpenter und unser herzallerliebster Sklaventreiber. Die machen wohl gerade Kaffeepause. Vielleicht sind die Kids da und freuen sich an einer Privataudienz."

„Das fehlt gerade noch, dass die denen den letzten Nerv rauben, wenn die einen Moment Ruhe wollen.", stöhnte Katie genervt auf. „Na warte. Die können was erleben."

„Katie, warte." Angelina bekam Katie gerade noch so am Arm zu fassen. „Selbst wenn es so ist, ist es nur recht und billig. Oliver hatte mit uns auch nie Mitleid, wenn er uns durch die Trainingseinheiten geprügelt hat."

„Aber da könne doch Liam O'Leary und Connor Carpenter nichts für.", widersprach Katie.

„Angelina zuckte nur mit den Schultern. „Mitgefangen, mitgehangen würde ich sagen. Und fünf Fans sind erträglicher als fünfhundert, selbst wenn es sich um unsere Kinder handelt. Soviel sind nämlich mindestens hier."

„Meinst du?", fragte Katie und sah sich nachdenklich um. „Also wenn wirklich soviele hier sind, muss Unser Big Boss den Laden magisch vergrößert haben. Soviel passen hier nie und nimmer ..."

„CAITLIN!!! WO BLEIBEN DIE BÜCHER?"

Grummelnd verdrehte Katie die Augen.

„Du glaubst ja gar nicht, wie froh ich bin, wenn ich heute Abend zu Hause bin.", meinte sie zu Angelina.

„CAITLIN!!!"

„JA, JA. IMMER MIT DER RUHE. BIN JA GLEICH DA!!!"

Im Slalom und mit drei schwankenden Kisten voller leichtgezauberter Bücher bahnte Katie sich einen Weg durch die hysterische Fanmenge. Angelinas belustigtes Lachen klang ihr dabei in den Ohren, doch sie war froh, dass diese ihr und ihren Kollegen einen Haufen Arbeit abgenommen hatte und ignorierte es.


Abends war Katie völlig geschafft und bekam von dem übermütigen Geschnatter der fünf Kinder kaum was mit. Angelina schien dagegen Nerven wie Stahl zu haben, denn sie hörte sich geduldig jede einzelne Geschichte aufmerksam an und schien auch nicht durch drei- bis vierfache Wiederholungen aus der Ruhe zu bringen sein. Als sie nach einem langsamen, verschneiten Spaziergang quer durch die Winkelgasse zum tropfenden Kessel wieder ins warme kamen und die Kamine in Sicht kamen, war Katie schon kurz vor dem Schlafwandlerstadium.

„Mum?"

Jenny stubste Katie leicht an und diese zuckte erschrocken zusammen.

„Ja Jenny? Was gibt's?"

„Darf ich die Autogramme mit nach Hause nehmen?"

Verwirrt sah Katie ihre Tochter an.

„Ja sicher. Was willst du denn sonst damit machen? Verschenken?"

„NEIN!", schrie Jenny entsetzt auf und drückte die Hand besitzergreifend auf die Jackentasche. „Aber ich dachte, weil du ja Quidditch eigentlich nicht magst, könnte ich sie doch Cheryl mitgeben, damit sie nicht bei uns zu Hause rumliegen."

„So ein Quatsch.", widersprach Katie kopfschüttelnd. „Ich habe es dir doch schließlich erlaubt, also darfst du sie auch mitnehmen. Aber sie bleiben in deinem Zimmer, okay."

„Okay.", nickte Jenny und umarmte Katie ganz feste. „Danke Mum."

„Nichts zu danken, Jenny-Schatz. So eine Rabenmutter bin ich ja nun auch nicht.", murmelte Katie leise und fing ein anerkennendes Nicken von Angelina auf. „Na komm. Auf nach Hause. Ich bin völlig erledigt. Ciao Angelina. Ciao Kinder."

„Tschüß Katie. Schlaf gut. Bis morgen Jenny."

„Bis morgen, Tante Angelina.", erwiderte Jenny und stieg winkend in den Kamin.

Zu Hause angekommen fanden die beiden einen liebevoll gedeckten Tisch mit geschmierten Broten und einer Isolierkanne mit heißem Kakao vor. Daneben stand eine Karte auf der ein Weihnachtsengel mit weißem Kleid und goldenem Heiligenschein und Flügeln abgedruckt war. Katie griff danach und drehte sie um.

Ihr seid bestimmt völlig fertig, wenn ihr zu Hause seid.

Laßt es euch schmecken.

Euer persönlicher Weihnachtsengel.

„Mum?"

„Mhmm?"

„Der Weihnachtsengel hat die gleiche Schrift wie Tante Alicia."

Katie schmunzelte und streichelte Jenny über's Haar.

„Ja, wir haben eben einen ganz persönlichen Weihnachtsengel. Komm, laß uns was essen und dann ab ins Bett. Ich habe einen Riesenhunger und bin fix und fertig."

„Ich auch.", meinte Jenny und hüpfte auf das Wohnzimmersofa. Danach sprang sie jedoch nochmal auf, rannte zu ihrer Jacke in den Flur und wühlte eine Weile darin rum. „Das hier soll ich dir geben, wenn wir alleine sind, Mum.", meinte sie schüchtern und hielt Katie mit skeptischem Blick eine Autogrammkarte entgegen. „Ich habe nicht danach gefragt. Er hat sie mir einfach so gegeben. Ehrlich."

Überrascht griff Katie nach der Autogrammkarte und ein müdes Schmunzeln huschte über ihr Gesicht, als sie Oliver erkannte.

Für Caitlin, die eine ganz reizende, kleine Tochter hat.

Oliver Wood.

„Du sollst nicht vergessen sie umzudrehen, hat er gesagt.", kaute Jenny undeutlich durch ihr Wurstbrot.

Fragend hob Katie die linke Augenbraue und sah ihre Tochter an. Diese zuckte mit den Schultern und griff nach dem nächsten Wurstbrot. Neugierig drehte sie die Autogrammkarte um. Quer über nützliche und nicht so nützliche Infos von sich selber hatte er noch etwas geschrieben.

Ich würde mich freuen, wenn Sie mal einen Kaffee mit mir trinken würden.

Ich melde mich bei Ihnen. Bitte versetzen Sie mich nicht.

Aufstöhnend verdrehte Katie die Augen. „Das hat mir gerade noch gefehlt."

„Was schreibt er denn Mum?"

„Nichts, was dich was angeht. Und jetzt ab ins Bett mit dir."


A/N: Tja, das gab noch keine persönliche Begegnung zwischen Katie und Oliver. Aber ich kann euch garantieren, dass es sie morgen gibt. Ich hoffe, ihr verzeiht mir diesen kurzen Aufschub. Immerhin habe ich Oliver jetzt mit ins Spiel gebracht und es wird richtig interessant. Das kann ich euch schon mal versprechen.

Bis morgen, ihr Lieben. Und wie immer vielen Dank für eure Reviews.