Kapitel 10 – Nächtliche Beratungen
„Was..."
„Wir sollten besser in unser Quartier zurückgehen bevor wir weiterreden. Nur dort können wir sicher sein, dass wir uns ungestört unterhalten können", unterbrach Noel sie sanft aber bestimmt.
Wie konnte ich nur so unvorsichtig sein? Ich hätte uns beide in Lebensgefahr bringen können.
„Oh, ich, äh... lass uns gehen", stammelte Lisa und hoffte inständig (und wie sie selber wusste, vergebens), dass die flammende Hitze die sie urplötzlich auf ihrem Gesicht verspürte, nicht bedeutete, dass es gerade die Farbe einer knallroten Tomate annahm.
„Ach was, das fällt bei diesem Licht doch gar nicht auf", überlegte die Archäologin, aber trotzdem trat sie vorsichtshalber einen kleinen Schritt weiter weg von den an den Wänden befestigten Fackeln.
Plötzlich spürte sie wie sich Noels Hand vorsichtig in ihre schob und seine Finger sich sachte um ihre schlossen.
Ob Tok'ra Wirte über eine bessere Sehkraft verfügen?
Wollte er sie aufmuntern? Sah sie etwa so mitgenommen aus? Hoffentlich nicht. Ein kurzer, unauffälliger Blick in das Gesicht des Tok'ras lieferte ihr auch keine Antworten über seine Beweggründe. Graue Augen blickten wachsam, aber für Außenstehende unauffällig, den Gang entlang und doch fand sich ein merkwürdig sanfter Ausdruck in ihnen wieder. Ein kleines Lächeln lag auf seinem völlig entspannt wirkendem Gesicht.
Langsam gingen beide in Richtung ihres Quartiers, und Lisas Gedanken wandten sich anderen Dingen zu.
„Du musst in Zukunft etwas vorsichtiger sein. Du kannst nicht einfach so drauf losreden. Was wenn dich irgendein loyaler Anhänger der Goa'uld hört? Du bringst noch euer beider Leben in Gefahr. Aber es kann ja auch schließlich keiner erwarten, dass du auf deiner ersten Undercover-Mission keine kleinen Fehler machst", schalt Lisa sich selber im Stillen und nahm sich fest vor, in Zukunft noch achtsamer zu sein.
Schließlich konnte sich auf diesem Goa'uld Planeten schon die kleinen Fehler als tödlich erweisen.
„ ...und dabei bin ich Zivilistin, für so was gar nicht ausgebildet", sinnierte Lisa weiter.
Warum gab es nur keine Broschüren, Bücher, Ratgeber, Hefte,... für solche Lebenssituationen? Warum hatten ihr die Tok'ra oder das SG-Kommando nicht irgendwelches Informationsmaterial, etwa wie ‚10 Tipps für den Anfänger – So überleben Sie auf jedem Goa'uld Planeten', ‚Ungewöhnliche Reiseziele XI: Goa'uld Welten – Die Sitten und Gebräuche der Einheimischen' oder ‚Shimrota – Die monatlich erscheinende Tok'razeitschrift für den Tau'ri im All, Nr. 132, in dieser Ausgabe: Was zu beachten ist, wenn wir sie mit einem unserer Agenten auf eine Mission schicken' in die Hand drücken können, nachdem sie zugestimmt hatte, an der Mission teilzunehmen? Lisa kam zu der Überzeugung, dass hier eindeutig eine Marktlücke herrschte. (Shimrota... pass auf/duck dich)
Allmählich ließen die beiden die alten Korridore, die sich aber, wie sie beide gerade festgestellt hatten, trotz (oder gerade wegen?) ihrer Abgelegenheit über eine merkwürdig große Beliebtheit unter der Palastbevölkerung zu verfügen schienen.
Seite an Seite gingen die Tau'ri und der Tok'ra die zentraler gelegenen Gänge in Richtung ihres Quartiers entlang. Dank der späten Nachtstunde kamen ihnen zum Glück nicht allzu viele Leute entgegen, und jene, die ihnen begegneten, senkten rasch den Blick zu Boden. Schließlich wollten sie nicht unnötig die Aufmerksamkeit zweier Goa'uld auf sich lenken.
Während sie sich ihrem Quartier näherten, hing Lisa weiter ihren Gedanken nach. Welche Ziele Minar und der Rest der Verschwörer wohl verfolgten? Wie viele steckten eigentlich mit ihr unter einer Decke? Zwei, Drei oder gar Hunderte?
Kurze Zeit später erreichten sie schließlich ihr Quartier, und sie machten es sich beide in dem bequemen Luxusbett bequem um sich über die jüngsten Geschehnisse zu unterhalten.
Lisa konnte es kaum erwarten, Noel/Kelaks Meinung zu hören. Abgesehen davon, dass er schon unzählige Undercover-Missionen bei den Goa'uld hinter sich hatte und eine große Routine besaß, die sich eben in dem verlassenen Korridor wieder einmal gezeigt hatte als er ganz ruhig geblieben war, verfügte er immerhin über viel umfangreicheres und aktuelleres Wissen über die Goa'uld als sie selber. Schließlich war er ein über zweitausend Jahre alter Tok'ra bzw. der Wirt von einem über zweitausend Jahre altem Tok'ra.
„Was denkst, um was es bei dieser Verschwörung geht? Ob es sich um Jaffa-Rebellen handelt?" Lisa konnte ihre Neugierde nun aber doch nicht viel länger unter Kontrolle halten und sah den Tok'ra neben sich erwartungsvoll an.
„Natürlich kann ich nur Mutmaßungen anstellen. Es ist aber die wahrscheinlichste Variante, dass es sich in der Tat um Jaffa-Rebellen handelt. In Goa'uldpalästen sind Verschwörungen an der Tagesordnung. Allerdings handelt es sich dabei aber so gut wie immer um Verschwörungen unter den Goa'uld und da hier schließlich im Moment keine Goa'uld sind, können diese Verschwörer nicht im Auftrag irgendwelcher intrigierender Goa'uld handeln", antwortete ihr Kelak nachdenklich. „Da dieser Planet jedoch seit dem Zwischenfall mit den Tau'ri so gut abgesichert ist, weswegen ja eine reine Tok'ra Mission unmöglich war, kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Leute Kontakt zu anderen Jaffa Rebellen in der Galaxis haben. Es wird sich um eine rein lokal organisierte Freiheitsbewegung der Jaffa handeln."
„Wir sollten versuchen ihnen zu helfen."
„Dass es sich um Jaffa-Rebellen handelt ist lediglich eine nahe liegende Vermutung. Wir können uns aber auch täuschen."
„Könnten wir nicht noch ein paar Tage bleiben und wenn wir die Bestätigung dafür haben, dass es sich um Jaffa Rebellen handelt, helfen wir ihnen?" wandte Lisa ein und konnte es kaum glauben, dass sie gerade vorschlug ein paar Tage länger auf diesem Goa'uld-Planeten zu bleiben. Aber wenn nur irgendwie die Aussicht bestand, diesen armen Sklaven und Jaffa hier helfen zu können, konnte sie ihnen schließlich doch nicht einfach den Rücken zu drehen.
„Nun ein paar Tage länger könnten wir schon noch hier bleiben. Da nicht im Vorhinein feststand, wie lange wir für unsere Suche brauchen würden, würde man uns noch nicht vermissen. Besonders gefährlich wäre es vermutlich auch nicht. An unserer Tarnung hat bisher keiner Verdacht geschöpft und wenn wir keinen Fehler machen, wird es vermutlich auch nicht dazu kommen."
„Nun dann müssen wir ja nur noch Selmak und Jacob fragen, ob sie einverstanden sind, noch etwas länger zu bleiben."
„Ich werde sie fragen gehen, aber ich denke sie werden einverstanden sein. Allerdings fürchte ich, dass wir nicht sehr viel für diese Leute, sollte es sich tatsächlich um Jaffa-Rebellen handeln, tun können. Wir können nur Informationen sammeln und diese dem Tok'ra Rat, den Tau'ri und Teal'cs Jaffa-Rebellen zukommen lassen. Der Planet ist zu gut bewacht und Baal würde innerhalb von Stunden genug Raumschiffe hier haben um jeglichen Widerstand niederschlagen können. "
„Oh. Trotzdem, Informationen zu sammeln ist immer noch besser als nichts zu tun. Vielleicht erweisen sie sich ja irgendwann einmal als nützlich."
„Sicherlich. Gleich als erstes in der Früh werde ich Jacob und Selmak fragen gehen."
Fortsetzung folgt...
AN: Gracie & Lily: Vielen, vielen Dank für das Review. Ich hab' mich wirklich sehr darüber gefreut. strahlenderblick
