Man solle es kaum glauben, ich lebe noch - oder wieder? - jedenfalls schaffe ich es endlich einmal wieder, diese Story upzudaten.

Liderphin: Ich mag deine Reviews, habe ich dir das schon mal gesagt? Danke schön!

Tanja: Noch so einiges werden sie erleben... diese Geschichte hat um die vierzig Kapitel :)

renawitch: Danke danke! Freut mich, dass dir die Story gefällt. Hm, ich weiß nicht, ob ich es erwähnt habe, aber sie ist schon einige Jahre alt und nachdem ich sie mir heute noch einmal komplett durchgelesen habe, kräuseln sich mir selbst bei einigen Sachen die Zehennägel auf :) Aber umschreiben will ich die Geschichte auch nicht, von daher... komme, was wolle, und hoffentlich vergraule ich dich nicht :)


Kapitel 10

Imladris

„Du willst schon wieder gehen?", hatte eine vorwurfsvolle Stimme aus dem Dunkel heraus gefragt. Erschrocken war er zusammen gefahren, er hatte sie nicht kommen hören, nicht gefühlt, dass außer ihm noch jemand in seinen Gemächern gewesen war.

„Ja.", hatte er schlicht geantwortet und sich auf sein Bett fallen lassen. „Es ist wichtig."

So wichtig, dass du mir nicht sagen willst, was es ist?" Traurigen Blickes war Mîrenithil aus dem Schatten getreten. Ihr Bruder hatte sie bedauernd, entschuldigend angesehen, aber nichts gesagt. „Legolas, es gab einmal eine Zeit, in der du mir alles erzählt hast."

Zeiten vergehen." Mîrenithils Gesicht hatte sich in eine wächserne Maske verwandelt bei seinen Worten. „Es ist besser so, muinthel. Glaube mir. Noch ist die Zeit nicht reif für Erklärungen, die ich selbst noch nicht habe. Ein wenig Geduld, Schwester. Bleibe hier, überwache alles an meiner statt. Ich werde bald zurück sein."

Wann ist bald?"

Ein halbes Jahr, vielleicht auch mehr. Das dürfte dir jetzt auch nicht mehr viel ausmachen. Du hast gelernt zu warten."

Es ist leicht zu warten, wenn es Hoffnung gibt. Aber es ist eine Qual, wenn es nicht sein muss."

Dies muss sein. Ich weiß nicht, warum, aber es muss."

Drei Monate waren seit diesem Gespräch vergangen. Schon lange hatte er Ithilien hinter sich gelassen.

Legolas hatte beschlossen immer am Anduin entlang zu reiten, diesen schließlich an der Alten Furt zu überqueren und dann den Hohen Paß über das Nebelgebirge zu nehmen. Sie hatten mittlerweile den Paß hinter sich gelassen und ritten am Bruinen entlang auf Imladris zu.

Während ihrer Reise hatte niemand viel gesprochen, nur das nötigste. Auf die Fragen Elronds hin, wie es in Imladris aussähe, hatte Legolas bisher beharrlich geschwiegen. Besonders wenn er gefragt wurde, warum Imladris überhaupt zu seinem Reich gehörte, war sein Gesicht immer abweisend geworden. Irgendwann hatte der Fürst aufgegeben, ihn ausfragen zu wollen.

Was Legolas nur sehr recht war. Tag und Nacht suchte er nach dem richtigen Plan, um Bruchtal zurück zu erobern. Es war weit schwieriger einzunehmen als Êldannen, wo eine Nacht gereicht hatte, um alle Verräter auszusortieren. Hier jedoch konnten sich Elben im Gebirge verstecken, auf unsichtbaren Pfaden, geschützt vom donnernden Tosen des Bruinen und den tiefen Schatten der Berge. Andererseits lebten hier nicht einmal annähernd so viele Elben wie in Ithilien. Von daher...

Abwarten, ermahnte er sich selbst. Nur nichts überstürzen. So lange Jahre des Wartens, ein Tag mehr oder weniger... all die Jahre...

... all die Jahre im Schatten. In einem Gefängnis ohne Schlösser und Türen. Die Wächter brauchten kein Metall und Stein, um ihre Gefangenen zu halten. Ihnen genügte der Narr in denen, die liebten. Ein Gefängnis, aus dem man nicht ausbrechen konnte. Das einen unbarmherzig trennte von denen, die man liebte.

So nah – und doch so fern. Ein trauriges Lächeln, ein flüchtiger Blick, der die Welt für einen winzigen Moment erhellen konnte, bevor sie wieder im Dunkeln versank.

All die Jahre im Schatten hatten ihre Spuren hinterlassen.

Er seufzte schwer, als er früh am Morgen erwachte, in der kleinen Kammer, in der er seit kurzem schlief. Seit er von ihnen getrennt worden war. Durch das kleine Fenster fiel nur ein wenig blasses Morgenlicht hinein, erhellte die Umgebung unmerklich, gerade genug, um sie von der Nacht zu unterscheiden.

‚Man glaubt gar nicht, dass es bereits Sommer ist.', dachte er sich, als er Minuten später langsam und nachdenklich ins Freie trat. Die Luft war noch immer kühl wie an einem Morgen im Frühling, wie immer feucht von der Gischt des Bruinen, die der Wind mit sich trug. Schon lange hatte er hier keine Vögel mehr singen hören. Die Bäume trugen noch keine Laubkronen, nur stellenweise vereinzelte Blätter, als könnten sie sich nicht recht dazu durchringen, endlich zu wachsen.

Er konnte sie verstehen. Ihm war auch nicht nach Leben zumute. Am liebsten wäre er morgens gar nicht erst aufgestanden, hätte dies nicht fatale Konsequenzen gehabt. Und er war nicht der einzige. Dieses Tal, dieses Haus, seine rechtmäßigen Bewohner... sie vegetierten vor sich hin. Auf eine Art und Weise war Imladris tot.

Ein winziges Blitzen von einem der Bergpfade her erregte seine Aufmerksamkeit. Rasch sah er sich um, konnte aber niemanden erkennen. Abgesehen von ein paar Wachen, die zu ungünstig standen, um den Pfad sehen zu können, schliefen noch alle. Möglichst beiläufig lehnte er sich auf ein Geländer und blickte wieder hinauf an die hell leuchtende Seite des Berges.

Kein Zweifel. Da kam jemand. Ohne die Begleitung der Grenzwachen. Seltsam... schwer bewaffnet... noch seltsamer...

Ein heftiges Zwitschern neben seinem Ohr ließ ihn aus seinen Gedanken schrecken. Ein Vogel? Wie lange hatte er hier keine Vögel mehr gesehen...? Alarmiert sah er sich um. Was, bei Ilúvatar, geschah hier auf einmal?

Einen Augenblick lang hatte er das Gefühl gehabt, die Natur begänne vor seinen Augen zu wachsen. Nur einen winzigen Moment lang, dann war es wieder vorbei. Aber... ein Schleier hatte sich auf Imladris gelegt, ein feiner goldener Schimmer in der Luft, der alles Lebende umschloss und zum Leuchten brachte in der Morgensonne... sollte es sein...?

„Da steckt doch mehr dahinter.", fuhr Lathron ihn an.

Betont ruhig antwortete er: „Glaubt Ihr das wirklich? Ihr wisst ganz genau, dass ich nichts tun werde, was meine Familie gefährden könnte. Ich will einfach nur schauen, ob die Wege noch begehbar sind. Das Schmelzwasser der Berge könnte sie unterspült haben. Wir haben dies früher regelmäßig getan.", fügte er hinzu – und bereute es im selben Augenblick.

„Mir ist es gleichgültig, was früher war – jetzt bestimme ich, was getan wird!", schrie Lathron. „Geh und brich dir meinetwegen den Hals auf deinen Pfaden!"

Er ließ ihn gehen, immerhin. Die Todesverwünschungen überhörte er kurzerhand. Es machte ihm nicht das geringste aus, von jemandem wie Lathron gehasst zu werden. Der junge Elb war hochmütig, vorschnell und jähzornig sowie schlicht und einfach nicht sonderlich helle. Eine gefährliche Mischung, wenn sie mit Macht in Berührung kam. Trotz allem wusste er jedoch, dass Lathron sich mehr vor ihm fürchtete als umgekehrt. Aber was tat man nicht alles, damit man wenigstens für den Rest seines Lebens in Ruhe gelassen wurde.

Er machte sich zu Fuß auf den Weg hinaus ins Gebirge und hoffte, dass er diejenigen treffen würde, auf deren Waffen die Sonne reflektiert worden war. Gleichzeitig flehte er in Gedanken, dass er sich den leisen Goldschimmer, der noch immer auf Imladris lag, nicht einfach nur einbildete. Er wusste nicht viel über Magie dieser Art, doch die Vermutung lag nahe... hoffen konnte er ja.

„So langsam müsstest du uns schon mitteilen, was du vorhast."

Gandalfs Bemerkung wurde kurzerhand überhört.

„Legolas?"

Immer noch reagierte der Elb nicht, sondern starrte nur in das Tal hinab. Schließlich trieb er Nainie wieder an und ritt weiter den schmalen Pfad entlang auf Bruchtal zu, das vor ihnen lag, in goldenes Licht getaucht. Gandalf fing den missbilligenden Blick Elronds auf, der immer noch nicht mehr wusste als am Anfang ihrer Reise. Niemand von ihnen vermochte Legolas' Schweigen zu durchbrechen.

„Ich habe Hunger.", beschwerte sich Sam.

„Wer nicht...", murmelte Frodo sehnsüchtig vor sich hin.

„Seid ruhig, ihr zwei.", wies Gandalf sie schlecht gelaunt zurecht. Ihm gefiel es ganz und gar nicht, dass er nicht über alles Bescheid wusste. Ein Blick aus zusammengekniffenen Augen zu Legolas hin zeigte keine Wirkung.

Er schien die Hobbits nicht einmal gehört zu haben. Wieder wurde sein Rappe langsamer, hielt schließlich an.

Gandalf ließ ein Stöhnen vernehmen, als Legolas von seinem Rücken sprang und sich direkt an den Rand des Pfades stellte. Vor ihm fiel das Gelände, wild bewachsen von Bäumen und Sträuchern, steil und beinahe unbegehbar ab. Dennoch hielt er seinen Blick auf das Dickicht gerichtet, als gäbe es dort etwas zu sehen.

Ein Knacken veranlasste die Elben dazu, ihre Bögen zu spannen und blind auf das Gebüsch zu zielen. Legolas jedoch zuckte mit keiner Wimper; statt dessen schlich sich langsam, beinahe unmerklich ein freundlicher, dankbarer, erleichterter Zug auf sein Gesicht.

„Es tut gut, dich zu sehen.", meinte er leise und streckte seinen Arm aus.

Eine Hand fuhr von irgendwo aus den Sträuchern hervor und ergriff seine, ließ sich von ihm über die letzten Schritte auf den Pfad helfen.

„Das beruht auf Gegenseitigkeit, mellon nîn.", erwiderte Elrohir knapp, aber lächelnd.

Wird fortgesetzt