Ort: Quidditchfeld und Gryffindorgemeinschaftsraum
WOCHE SIEBEN DES SIEBTEN SCHULJAHRES
Ich war etwas besorgt.
Nach der ganzen Tortur mit meiner Hilfe bei Lilys Aufsatz und guten drei Stunden, die ich mit ihr redete und in denen sie mir auch tatsächlich zuhörte, kam ich zu einer Schlussfolgerung.
Ich mochte sie mehr als Haley. Nun, ich sollte dazu sagen, dass mich das nicht wirklich überraschte. Unsere Beziehung war schon seit ein paar Wochen etwas steinig. Selbst zu unseren besten Zeiten kannten wir uns beide nicht wirklich gut. Wir kamen zusammen, weil es für beide Seiten vorteilhaft war und wir uns gegenseitig irgendwie mochten. Als unsere Beziehung sich fortsetzte, realisierte ich, dass zwischen uns beiden nicht wirklich die Chemie stimmte oder wir zusammen passten. Ich war entschlossen die Beziehung zu halten, aber ich war mir ziemlich sicher, dass es keine Langzeitbeziehung werden würde.
Aber diese Entdeckung war, obwohl sie nicht überraschend war, doch auch nicht willkommen. Irgendwie wurde Lily eine meiner besten Freunde. Ich vermute, es kam von all der Zeit, die wir in unseren gemeinsamen Räumen verbrachten und die wir mit Schulsprecheraufgaben zu tun hatten. Wie auch immer es passierte, wir wurden Freunde und ich war froh darüber. Meine Beziehung zu Lily war immer extrem kompliziert gewesen. Von Jahr eins bis drei war ein gegenseitiger Hass zwischen uns beiden gewesen. Sie hasste mich, weil ich mich, naja, wie ein 12 Jahre alter Junge benahm. Ich hasste sie auch, aber eher weniger wegen ihrer Persönlichkeit, sondern eher wegen ihrer Unternehmungen. Im vierten Jahr hörte ich auf, das meine Meinung beeinflussen zu lassen und begann sie so zu sehen wie sie war. Das war der Punkt, an dem unsere Beziehung (oder die eben zu dieser Zeit nicht vorhandene)Richtung Sturzflug raste. Ich entschied davon besessen zu werden, sie zu nerven, für den allgemeinen Zweck ihre Wahrnehmung auf mich zu richten. Brillante Idee, nicht? Zurückblickend würde ich mir am liebsten selbst eine scheuern. Aber es schien mir logisch. Ich wurde ein arrogantes, eigennütziges Arschloch und sie hasste mich richtigerweise dafür. Ich war so fixiert darauf, ihr meine intellektuellen, duellantischen und magischen Fähigkeiten zu zeigen, dass ich rücksichtslos und widerwärtig wurde. Dieses Verhalten von mir erreichte seinen Höhepunkt am Ende des fünften Jahres. Danach besah ich mir meine Persönlichkeit sehr lange, hart und gut. Ich war entsetzt darüber, was ich vorfand. Während des Sommers versuchte ich meine Persönlichkeit wieder einigermaßen aus der Schieflage zu bringen, sehr zu Sirius Missfallen. Er schien zu verstehen, was ich meinte, aber er empfand sehr viel weniger den Drang sich zu verändern. Als schließlich der erste September kam, war ich mit mir selbst wieder im Reinen. Nicht begeistert oder empört, sondern einfach nur im Reinen mit mir selbst. Ich arbeitete das ganze Jahr weiter daran, besser zu werden und war begeistert, als Lily es bemerkte. Wir wurden unverbindlich Freunde während dieses Jahres und ich dankte Merlin jeden Tag dafür, dass sie eine extrem ausgeprägte Fähigkeit zur Vergebung hatte. Unsere Freundschaft bestand weiter und ich war sehr darauf konzentriert, mich nicht in sie zu verlieben. Ein Teil ihres ehemaligen Hasses gegenüber mir bestand daraus, dass ich ziemlich verknallt in sie war. Wenn ich das also fortbestehen ließ, würde ich sie nur blamieren und sie wieder an die alten Tage erinnern. Ich musste über sie hinweg sein. Ich hatte keine Wahl. Wir sprachen hier schließlich von Lily.
Aber genau das war hier gerade das Problem. Das war Lily. Ich liebte sie, als sie mich hasste. Nun, da sie wie eine Freundin handelte, mich als eine Person sah und mit mir rumhing, hatte ich keine Chance mehr. Ich verliebte mich in sie. Wenn ich ehrlich war, hatte ich das schon vor sehr langer Zeit getan.
Damals liebte ich sie nur oberflächlich. Ich denke, dass ich verstanden hatte, dass ich sie auch richtig, wirklich richtig lieben könnte, ich wusste nur nicht wie. Nun, da ich älter war, sah ich, was ein Teil tief in mir schon vorher gesehen hatte. Sie war intelligent und witzig. Sie war lebhaft und hatte einen richtigen Eifer für das Leben. Aber am wichtigsten war, dass sie mitfühlend war und wirklich alles für andere aufgeben würde. In der Zeit eines Krieges war das eine Eigenschaft, die den höchsten Respekt verdiente. Es war ein Zug, den Remus bis zum höchsten Grad besaß. Sirius, mit all seinen Fehlern, war ebenfalls so loyal wie ein Hund. Sie hatte Mut und einen Kampfesgeist in sich, der der Liebe für die Menschen entstammte. Und dafür liebte ich sie.
Und es war in Ordnung, dass ich sie liebte. Ich liebte eine Menge Leute. Ich liebte meine Eltern und Sirius und Remus und letztendlich auch alle meine Lehrer. Liebe war nicht das Problem. Es war eher das ganze `Ich mochte und liebte sie´ Ding. Und die Tatsache, dass ich sie mehr mochte und liebte als meine Freundin.
Es gab… zwischen uns eine Geschichte, die uns verband. Es gab so viel, über das wir reden konnten; wir hatten soviel gemeinsam. Da lag eine lange Kameradschaft und ein tiefes Verständnis zwischen uns, die ich niemals mit Haley haben würde. Sie mochte auch meine Freunde, was ein großes Plus war.
Normalerweise würde ich sofort mit meiner Freundin Schluss machen, wenn ich realisierte, dass ich ein anderes Mädchen lieber mochte. Aber das war Lily. Mit Haley Schluss zu machen würde keinen Sinn ergeben. Lily hat es schon sehr, sehr viele Male klargestellt, dass sie sich niemals etwas Romantisches zwischen ihr und mir vorstellen könnte. Wenn ich also mit Haley Schluss machte, würde es nicht für Lily sein. Es könnte nie für Lily sein, weil ich sie niemals würde haben können. Es wäre absolut sinnlos. Nach diesem erleuchtenden Moment kam die Erkenntnis, dass ich mich irgendwie durch das siebte Schuljahr würde kämpfen müssen, was absolut nicht optimal war. Ich wollte nicht das ganze Jahr mit unerwiderter Liebe verbringen müssen. Also machte ich mir einen Plan. Ich würde mich weiterhin mit Haley treffen und meine gesamte Energie darauf verwenden, ein guter Freund zu sein. Ich würde mich weigern, meine Gefühle anzuerkennen und meine Gefühle Richtung Haley drängen.
Ich war nicht allzu überzeugt von meinem Plan (, denn selbst als ich ihn machte, erkannte ich schon, dass er dumm und unmöglich war), doch trotzdem entschied ich mich, sofort damit zu beginnen, angefangen beim ersten Quidditchmatch der Saison. Es war gegen Slytherin und es war extrem wichtig, dass wir gewannen. Ich war etwas nervös, aber das brachte meine Nerven normalerweise nur noch mehr zur Alarmbereitschaft, was nicht schlecht war. Ich war auf meinem Weg zum Gemeinschaftsraum, um mich vor dem Spiel noch einmal mit Haley zu treffen, einem eher traurigen Versuch sie als meine Freundin zu berücksichtigen anstatt sie an mir vorbei ziehen zu lassen. Auf meinem Weg traf ich auf Lily. Sie lächelte als wir in dasselbe Tempo verfielen.
„Hey James! Bereit zu gewinnen?", fragte sie.
„Hey Lily. Ja natürlich. Das bin ich doch immer.", ich versuchte selbstbewusst zu klingen, aber ich war sicher, dass sie es mir nicht ganz abkaufte. Ich entschied mich, das Thema zu wechseln: „Warum gehst Du hier lang?"
„Um zu sehen, ob Sirius sich schon auf den Weg zum Spielfeld gemacht hat. Er ist vor Spielen doch immer noch eine Weile im Gemeinschaftsraum, nicht?"
„Ja, er müsste dort sein.", Sirius… wartete auf Lily. Ich fragte mich, ob ich darüber besorgt sein sollte.
„ Und warum gehst Du hier lang? Solltest Du nicht eher auf dem Weg zum Spielfeld sein o Captain, my Captain?", ich lächelte sie an.
„ Ich wollte mich zuerst mit Haley treffen.", Haley war glücklich über mein Vorhaben, mehr Zeit mit ihr zu verbringen, gewesen. Möglicherweise glücklicher als ich es war. Definitiv glücklicher als Sirius. Er hatte tatsächlich eine Lampe zerbrochen, als ich ihm davon erzählte.
„Oh", ihr gingen anscheinend die Themen aus, genau wie mir, aber ich war glücklich damit, einfach in angenehmer Stille zu laufen. Ich wurde manchmal einfach nur müde von dem ganzen Smalltalk. Es vergingen ein paar Minuten ehe ich wieder sprach und es war nur, um ihr ein Kompliment zu machen.
„ Ich mag deinen Hausstolz.", sie war immer mit Feuereifer dabei, aber aus irgendeinem Grund hatte ich nie daran gedacht, ihr dafür ein Kompliment zu machen. Wo war mein Gehirn als ich 15 war?
„ Ich bin mir nicht ganz sicher, ob Du das ernst meinst oder ob du mich auslachst. Ich werde es als Kompliment betrachten.", damit überraschte sie mich.
„ So wie es gemeint war!", sagte ich, bemüht sie zu überzeugen. Sie würde das nicht ins Gegenteil verwandeln, genau wie Haley, oder? Oder war das einfach nur eine Eigenschaft von Mädchen?
„ Na dann: Danke", sagte sie und beließ es dabei, aber ich war nicht vollkommen davon überzeugt, dass sie mir glaubte, was mich mehr besorgte als es sollte.
„ Wirklich Lily, es ist wunderbar.", sagte ich, als wir durch das Protraitloch gingen. Ich beobachtete sie um ihren Ausdruck einzuschätzen und als ihr Gesicht leicht errötete, war ich mir endlich sicher, dass sie mir glaubte. Ich sah nach vorne um Haley zu sehen, die mit einem steinernen Ausdruck im Gesicht mitten im Raum stand. Ich schluckte und ließ Lily hinter mir, bereit dazu meiner Freundin allein gegenüberzutreten.
„Hi Haley. Wie geht´s?"
„ Ich habe Dir gesagt, dass ich nicht möchte, dass Du alleine mit ihr bist.", sagte sie anstelle einer Begrüßung.
„Und ich habe Dir gesagt, dass das nicht nur unmöglich auf Grund von unserer Wohnmöglichkeit ist, sondern auch lächerlich. Da läuft nichts.", zumindest nichts Gegenseitiges.
„ Ich mag das nicht, James."
„ Und ich mag nicht, was Du trägst.", sagte ich ohne darüber nachzudenken. Dem verletzten Ausdruck auf ihrem Gesicht nach zu urteilen, habe ich einen Fehler gemacht. Bevor ich mich entschuldigen konnte, schnitt sie mir das Wort ab.
„Das ist, wovon ich die ganze Zeit spreche, James. Ich betreibe einen riesigen Aufwand, um hübsch für dich auszusehen und Du schätzt das nicht."
„ Ich weiß. Es tut mir Leid. Wirklich. Ich meinte das nicht so. Ich schätze Dich. Es ist nur… Kannst Du nicht ein wenig Hausstolz zeigen? Ich bin der Kapitän und Du siehst nicht einmal danach aus als würdest Du mich unterstützen.", sie starrte mich eine Minute lang stumm an. Mir wurde langsam es unangenehm.
„Wie Lily?", sagte sie.
„Was?", fragte ich, völlig unvorbereitet getroffen.
„ Du möchtest, dass ich Hausstolz zeige, wie Lily? Da läuft nichts, was?", damit drehte sie sich auf dem Absatz um und verschwand. Ich war mir nicht sicher, ob ich daran Schuld war oder nicht, aber ich fühlte mich etwas ausgeleiert und mich beschlich der Verdacht, dass das nicht gerade meinem `Schätze Haley mehr´ Plan zugetragen hatte. Ich hoffte, Sirius zu finden, um mir ein paar Worte der Ermutigung zu holen, aber er und Lily waren schon gegangen. Ich seufzte, fühlte mich alleine und ein wenig verlassen.
Dieses Gefühl hatte mich vier Stunden später komplett verlassen. Mein Team hatte Slytherin komplett zerstört, mit der gesunden dreifachen Anzahl an Punkten. Ich hatte es geschafft einen guten Teil der Punkte zu holen, was mich Stolz machte. Die meisten davon waren dem absolut inkompetenten Torhüter zu verschulden, aber ich nahm den Sieg trotzdem gerne. Ich war schon unten auf dem Feld mit meinem feiernden Team, als Haley auf mich zustürmte. Sie hatte ein Gryffindor-Shirt und Schaal an, was mich mich extrem schuldig fühlen ließ und lieb von ihr war. Als sie in meine Arme sprang, flüsterte ich ihr „Danke" zu. Sie machte sich offensichtlich Mühe und es bedeutete mir etwas. Sie hasste Quidditch und trotzdem hatte sie ein ganzes Spiel für mich durchgestanden und sogar irgendwo ein Gryffindor-Shirt, trotz ihres anderen Hauses, aufgetrieben. Als Wiedergutmachung für ihren Aufwand, behielt ich sie die ganze Nacht nahe bei mir. Sie liebt es, im Mittelpunkt zu stehen.
Unglücklicherweise hieß das nahe bei Haley zu sein, auch das Sirius, Remus und Lily wegblieben, da sie nicht mit uns beiden rumhängen würden. Ich wollte mit ihnen sprechen, aber sie waren alle verschwunden ehe ich die Chance dazu hatte. Als ich Lilys rotes Haar aus dem Portraitloch verschwinden sah, war ich mehr als nur ein wenig enttäuscht. Sie war nach wie vor nicht meine Freundin und es würde mir nicht gut tun, so zu tun, als würde sie es sein. Also blieb ich bei meiner Freundin und tat so als wäre ich absolut glücklich darüber, dass es Haley war.
