In der Buchhandlung reihten sie sich in die Reihe der Schüler ein, die ihre Bücher für die Schule holten wollten. Harry versuchte währenddessen zu begreifen, was in dem Bekleidungsgeschäft passiert war.
Er hatte keine Ahnung, wieso er so auf diese junge Frau reagiert hatte, aber er wusste eines ganz genau. Er würde nicht ruhen, bis er sie kennen lernen konnte. Denn er wollte wirklich wissen, weshalb sie solche Gefühle in ihm auslöste.
Harry war so in seinen Gedanken versunken, dass Dylan, der hinter ihm stand, ihn anstupsen musste, damit er bemerkte, dass er bereits an der Reihe war. Der Verkäufer sah ihn an und fragte:
„Welches Schuljahr und welche Wahlfächer?"
„Siebtes Jahr und die Wahlfächer sind Muggelkunde und Alte Runen.", antwortete Harry.
Der Verkäufer ging zu den Bücherstapeln hinter ihm und nahm die entsprechenden Bücher für den Pflichtunterricht heraus. Diese legte er bereits auf die Ladentheke und widmete sich dann einem Regal, indem die Bücher für die Wahlfächer standen und suchte die beiden Fächer heraus.
„Siebtes ja? Dann habt ihr auch berufsbezogenen Unterricht. Welcher Bereich?", fragte der Verkäufer weiter.
„Aurorenausbildung.". sagte Harry knapp.
Der Verkäufer seufzte und ging zu einem weiteren Regal. Harry staunte nicht schlecht als für nur zwei Fächer mit fünf Büchern zurückkam.
„Sind die alle für den berufsbezogenen Bereich?", fragte Harry erstaunt.
„Ja, aber keine Ahnung, was ihr damit macht!", antwortete der Verkäufer.
Harry ging nach draußen zu den anderen. Sophie, Isabell, Matt und Peter warteten schon und unterhielten sich über ihre Wahl- und Berufsfächer, als Harry dazu kam nahmen sie ihn in das Gespräch mit auf.
„Was für Wahlfächer hast du genommen?", fragte Sophie und sah Harry neugierig an.
„Muggelkunde und Alte Runen, die hatte ich in Hogwarts nicht!", erklärte Harry.
„Wieso hast du sie dann genommen? Du hast dann doch gar kein Vorwissen.", fragte Peter mit seiner tiefen Stimme.
„Ich habe die gleichen Fächer genommen wie Tracy. Die Sachen aus den früheren Jahren krieg ich von ihm. Ich denke, dass mir die Fächer mehr Spaß machen werden als Pflege magischer Geschöpfe und Wahrsagen.", meinte Harry.
„Cool, dann sind wir in Alte Runen zusammen, das hab ich auch belegt. Welche beruflichen Fächer hast du? Ich will in die Heilkünste und hab die genommen, obwohl Zaubertränke in dem Gebiet echt hart sein soll.", plapperte Sophie drauf los.
„Ich will Auror werden, wenn man sein ganzes Leben von schwarzen Magiern gejagt wird, will man die irgendwann nur noch loswerden.", gab Harry zu. Peter musste daraufhin lachen und meinte:
„Ich kann mir gut vorstellen, dass du die alle weg haben willst. Aber mal ehrlich, ich glaube gehört zu haben, dass die Potters schon immer in diesem Bereich waren. Du musst wissen meine Tante wohnt in England und wir besuchen sie in den Ferien. Vielleicht kennst du sie ja, sie heißt Amelia Bones."
„Amelia Bones ist deine Tante? Dann bist du ja mit Susan verwandt.", stellte Harry erfreut fest. Susan hatte er immer gemocht.
„Ja, sie ist meine Cousine. Du müsstest mit ihr in einem Jahrgang gewesen sein oder?" fragte Peter.
„Ja stimmt. Sie ist in Hufflepuff, mit denen hatten wir immer zusammen Kräuterkunde!", meinte Harry, „Wie kommts, dass ihr dann in Australien lebt?"
„Meine Familie kommt ursprünglich aus Chelsey. Mein Großvater ist mal wegen einem Auftrag hier gewesen, er war Fluchbrecher und ist dann einfach hier geblieben.", erklärte Peter lachend, „Ich will in den gleichen Bereich!"
„Wohl auch ne Familientradition, was?", meinte Harry und stimmte in das Lachen mit ein.
„Wenn du in Alte Runen Hilfe brauchst, dann sag Bescheid.", schlug Sophie ihm vor.
„Cool, danke.", sagte Harry, „Was mir gerade für eine Idee kommt. Was haltet ihr davon, wenn wir in der Schule so ne Art interaktive Lerngruppe machen."
„Interwas?", fragte Matt und sah einem Fisch gerade sehr ähnlich.
„Interaktiv, das bedeutet, dass wir gemeinsam etwas machen und uns gegenseitig helfen, weil jeder andere Stärken und Schwächen hat. Ich glaube Harry meint, dass wir gemeinsam lernen und jeder der sich in einem Thema gut auskennt den anderen hilft.", erklärte Max, seine Muggelstämmigkeit half eben doch hin und wieder.
„Genau, das meinte ich. Danke, Max!", stimmte Harry zu.
„Hört sich gut an, so kriegen wir von den anderen berufsbezogenen Fächern auch noch was mit und merken dadurch vielleicht auch, was für uns das richtige ist.", überlegte Peter.
„HALLOOO!", rief hinter ihnen jemand.
Alle drehten sich um und sahen Tracy, Melanie und den Rest hinter sich stehen und wild gestikulieren. Sie versuchten schon seit ein paar Minuten die anderen auf sich aufmerksam zu machen.
„Oh, sorry Leute. Wir waren total in unser Gespräch vertieft. Lasst uns was essen gehen, dann klären wir euch auf.", wies Matt die Gruppe an und alle folgten ihm.
Gemeinsam machte sich die Gruppe auf den Weg in den Pup und beanspruchte dort, wie auch die letzten Male den größten Tisch für sich.
Tracy und alle, die vorher nicht bei dem Gespräch dabei waren, wurden aufgeklärt und waren von Anfang an begeistert von der Idee. Alle waren sich sicher, dass sie dabei viel Spaß haben würden.
Harry saß an diesem Tag bewusst nicht neben Melanie, die saß neben Dylan und plapperte ununterbrochen drauf los. Heute konnte sie nicht mal das Essen daran hindern weiter zu reden und Dylan sah inzwischen leicht genervt aus. Zwischen Matt und Max fühlte sich Harry viel wohler, Max war ein sehr ruhiger Mensch und schwieg die meiste Zeit, während Matt Harry viel über das Land erzählen konnte. Seine Familie stammte von den Ureinwohnern ab und so kannte er die verschiedenen Mythen und Geschichten des Landes, die er Harry teilweise erzählte, bei manchen musste er jedoch passen, weil er nichts genaues darüber wusste. (Anm. der Autorin: Auf diese Mythen gehe ich in den späteren Kapiteln noch ein, deshalb wird das Thema hier nur erwähnt.)
Harry wandte sich an Max und fragte:
„Sag mal, was machen deine Eltern eigentlich beruflich? Bei den anderen weiß ich es ja, nur bei dir und Sophie weiß ich noch nix."
„Meine Mum ist Sekretärin in einer Anwaltskanzlei und mein Dad ist Ingenieur. Er plant gerade die Modernisierung der Sidney Harbor Bridge.", erklärte Max, „Und mein älterer Bruder macht eine Ausbildung zum Tierpfleger hier im Zoo."
„Wow, dein Dad modernisiert die Brücke? Das muss eine riesen Ehre für ihn sein.", meinte Harry.
„Ja, das ist es!", bestätigte Max, „Er hatte sich mit zwei anderen um das Projekt beworben und hat den Zuschlag bekommen. Nächsten Monat geht es los!"
Man merkte Max an, dass er wirklich stolz war, dass sein Vater eines der Wahrzeichen Australiens modernisieren durfte.
„Was heißt das mit dem Modernisieren eigentlich?", fragte Isabell neugierig. Als reinblütige Hexe hatte sie von so etwas keine Ahnung und war entsprechend interessiert daran.
„Naja, die Brückenpfeiler, also die Steinsäulen, auf denen die Brücke liegt nutzen sich ab, weil sie ja im Wasser stehen und auch das Metall leidet mit der Zeit. Die Brücke ist etwa hundert Jahre alt und wenn man das nicht macht, dann kann sie einbrechen und tausende von Menschen in den Tod reißen. Deshalb müssen diese Materialien immer wieder erneuert werden. Das plant mein Dad. Er berechnet, wie viel von den Materialien gebraucht wird und wie viele Arbeiter benötigt werden, um das alles in einer bestimmten Zeit hin zu kriegen.". erklärte Max und geriet bei diesem Thema in einen regelrechten Redeschwall.
„Hört sich nach einer wichtigen Arbeit an.", meinte Matt anerkennend.
„Ja, dass ist es. Mein Dad wurde unter zwei anderen Ingenieuren ausgewählt, weil er nur natürliche Materialien verwenden will, was das heißt, weiß ich aber nicht genau."
Anschließend unterhielten sie sich alle noch ein wenig über ihre Wahlfächer, bis Melanie und Matt die Gruppe auflösten, weil sie nach Hause mussten. Nach und nach gingen auch die anderen, bis nur noch Harry und Tracy übrig blieben.
„Also, wie war`s in deinem Familienverließ?", fragte Tracy schließlich.
„Es war der Wahnsinn. Ich hab Möbel für sicher drei Wohnungen da drinnen und die gesamte Ahnengalerie ist auch dabei. Ich hab ein Denkarium und verschiedene Erinnerungen gefunden, die ich mitgenommen habe. Die will ich mir ansehen. Und noch mehr Geld. Ich glaube, ich bräuchte eigentlich gar nicht mehr arbeiten gehen.", erklärte Harry kurz. Irgendwie war es ihm nicht recht, dass alles nur zu erzählen, „Weißt du was, ich kann das alles eh nicht wirklich erzählen, wir gehen die Tage einfach noch mal zusammen hin und ich zeig dir, was ich meine."
„Was, echt?", staunte Tracy, „Cool, können wir machen und danke für die Ehre, dass du mich mitnimmst."
„Ach, mach dich nicht lächerlich.", winkte Harry ab, „Du bist mein bester Freund, also zeig ich dir das auch."
Nachdem das beschlossen war gingen die beiden wieder nach Hause, wo Tracys Mutter schon auf sie wartete.
