Kapitel 10. „Ich brauche dich"
Jigsaw sah Adam durchdringend an. Er wand seine hellen Augen nicht einmal von ihm ab. „Du wirst mit mir darüber reden müssen, Adam. Ob jetzt oder später spielt keine Rolle. Es wäre mir allerdings lieber, es jetzt zu erfahren.", sagte er leise. Adam sah ihn nicht an. Dieser Mann mischte sich in Angelegenheiten ein, die ihn absolut nichts angingen.
„Ich will nicht", sagte er knapp.
Jigsaw seufzte. Und wieder verhielt der junge Mann sich wie ein kleiner Junge. Stur und nicht kooperativ. Er lehnte sich ein bisschen näher zu ihm hin. „Sag's mir. Tu es einfach."
Adam sah ihn immer noch nicht an. Er sah zur Seite, gab keinen Ton von sich. Jigsaw verzog selbst keine Miene. „Erzähl es mir."
Immer noch würdigte der Jüngere ihn keines Blickes. „Fick dich!" war die einzige Antwort.
Jigsaw hatte nie ernster ausgesehen. Er wollte eine Antwort. Und er würde sie bekommen. Wie man Menschen mental manipulierte und sie dazu brachte zu handeln wusste er am besten. „Sieh mich an."
Doch er tat es nicht. Er schenkte ihm nicht einen Blick, sah bloß weiterhin ins Leere. Auch antwortete er ihm nicht.
Eigentlich hatte John viel Geduld. Doch diesmal war es anders. Dieser weltfremde, rotznäsige Kerl würde ihm antworten, und wenn er ihn dazu zwingen musste!
,,SIEH MICH AN!", brüllte John ungehalten.
Adam fuhr zusammen, sein Gesicht schnellte augenblicklich nach vorne, nun sah er seinem Peiniger direkt in die Augen. Doch leugnete er nicht, dass er in der Tat aufgebracht war. Was er träumte und dachte ging niemanden etwas an. „Verdammt, was wollen Sie eigentlich von mir!", fauchte er erzürnt.
Als wäre nichts gewesen sah John wieder völlig entspannt und ruhig aus. Da war sie wieder, die starre Maske, die sein Gesicht darstellte. Die emotionslose Maske, die Adam Angst einjagte und ihn nachts nicht schlafen ließ. Zu seiner Überraschung stand John plötzlich auf. Er ging hinter ihn, und was dann geschah, ließ Adam erstarren und sein Herz rasen zugleich. Er löste die Fesseln, seine Handgelenke waren nun frei.
Als er sich wieder vor ihn setzte, starrte Adam ihn fassungslos an, rieb sich die schmerzenden, aufgeschürften Handgelenke. „Ich will, dass du mir von deinem Traum erzählst, Adam. Und von Dr. Gordon. Du ersparst dir eine Menge Ärger wenn du es gleich tust."
Wieder stand er auf, öffnete eine Schublade und holte etwas kleines heraus. Eine Schachtel Zigaretten. Er hielt sie ihm direkt vors Gesicht. „Willst du eine?", bot er an.
Adam sah ihn misstrauisch an. Er blickte auf die Zigaretten, dann wieder auf ihn. Ein misstrauischer, schneidender Blick seinerseits. Er sah den Älteren an, als würde er ihm Gift anbieten. „Ich rauche nicht", murmelte er verstohlen.
Er erntete ein Grinsen von Jigsaw. Und es war zugleich das erste mal, dass er ihn grinsen sah. Ein Grinsen, dass seine Falten hob und seine verfärbten Zähne zeigte. Ein Grinsen, das ihn durchschaute und ihm einen eisigen Schauer über den Rücken fahren ließ. „Natürlich", sagte er leise. „Du rauchst nicht. Das glaube ich dir nicht, Adam."
Adam schluckte. Er wollte gerade etwas zu seiner Verteidigung sagen, als John sich wieder setzte und ihm in die Augen sah. „Zurück zu deinem Traum. Sag es mir."
Er sah, wie sehr Adam sich zierte. Er errötete, sah weg von ihm, als hätte er ihm eben befohlen, ihm sein intimstes Geheimnis zu offenbaren.
„Wehe, Sie lachen", nuschelte Adam. John nickte verständnisvoll. „Mach dir darüber keine Sorgen. Zu dieser Sorte Mensch gehöre ich nicht, das müsstest du mittlerweile eigentlich wissen. Ich werde weder lachen, noch werde ich es weiter erzählen. Das bleibt unser kleines Geheimnis, Adam."
Adam holte tief Luft, bevor er zu erzählen begann. Er schämte sich. John sah es ihm deutlich an. „Also... Lawrence... er..."
John lehnte sich näher zu ihm, um seiner leisen Stimme zuzuhören. „Ja?"
Adam errötete vor Verzweiflung. Schüchtern sah er auf seine Füße hinab. „Lawrence... hat mich angeschrieen. Und mich bedroht. Und dann... hat er... er hat mich..."
Weiter kam er nicht. Er konnte es ihm nicht sagen. Nicht ihm. Er war sein Peiniger. Sein Folterknecht. Sein Meister. Adam schämte sich in Grund und Boden.
Doch John verstand. Er wusste genau, was er getan hatte. Was Adam nicht fertig brachte, zu sagen. „Du musst dich nicht schämen, Adam. Es war nur ein Traum. Träume sind nicht von Bedeutung. Handlungen sind es", sagte er leise. Nun sah Adam zu ihm auf. Seine Wangen waren gerötet, seine Augen nass. „Warum tun Sie das? Was hab ich Ihnen getan?", fragte er hilflos. John lehnte sich zurück. „Womit wir wieder beim Anfang wären. Ich sagte doch bereits, mir hast du nichts getan. Was du anderen getan hast, ist wichtig."
Er stand auf, fesselte ihn wieder an den Stuhl. „Ich werde dich jetzt wieder allein lassen. Oder gibt es da noch etwas, was du mir sagen möchtest?"
Adam musste sich zurückhalten, ihn nicht anzuschreien. Dieser Mann wusste wirklich alles!
„Ja...", brachte er tonlos heraus. „Zep."
John sah ihn durchdringend an. „Was ist mit ihm?", fragte er. So hasserfüllt er konnte funkelte Adam den Älteren an. „Sagen Sie ihm, dass er mich in Ruhe lassen soll!"
John nickte verständnisvoll. „Selbstverständlich. Ruh dich aus, Adam."
Mit diesen Worten verließ er den Raum, überließ ihn wieder sich selbst. Kaum war er durch die Tür verschwunden, begann Adam, wild zu zappeln. Er war es leid. Er wollte sich nicht mehr ausruhen. Er wollte es nicht mehr von ihm hören. Er wollte ihn nicht mehr sehen. Er wollte auch Amanda und Zep nicht mehr sehen.
Er wollte fliehen. Frei sein.
Doch allmählich begann er daran zu zweifeln, jemals wieder frei sein zu können. Es ging noch nicht einmal um seine Entführung. Er war ganz allein. Immer schon gewesen. Und er würde es auch immer sein.
OooO
Kaum hatte die Uhr neun geschlagen, schon war Lawrence mitten in die Eingangshalle des Polizeireviers gestürmt, rannte durch den Gang, hämmerte gegen die Tür von Detective Matthews' Büro. Und sie öffnete sich auch überraschend schnell.
Detective Matthews riss sie auf, funkelte ihn finster an. „Sagen Sie mal, haben Sie noch alle Tassen im Schrank?! Ich höre sehr gut, Sie müssen mir nicht gleich die Tür einschlagen!", bellte er, schritt für den Arzt zur Seite. „Es tut mir leid", sagte Lawrence knapp, zog seine Jacke aus, warf sie achtlos über einen der Stühle. Es tat ihm gar nicht leid. Im Gegenteil, Lawrence fand sein Verhalten sogar ziemlich angebracht. Weder Detective Kerry noch Detective Matthews hatten bereits auch nur einen Finger gerührt, um Adam zu finden. Und Lawrence gehörte zu den Menschen, die Gefahr äußerst ernst nahmen und sofort handelten.
Durchdringend sah er den Detective vor sich an. „Wir können nicht länger warten. Wir müssen Adam so schnell wie möglich finden!"
Matthews verdrehte die Augen. „Natürlich! Und wie stellen Sie sich das vor, Doc? Wir haben keinen Anhaltspunkt, keine Spur, gar nichts! Es mag Sie schocken, aber wir Polizisten sind auch bloß Menschen! Wir tun bereits alles, was in unserer Macht steht!", fuhr er ihn an. „Wir können nicht weitermachen ehe wir keine neue Spur haben."
Lawrence holte tief Luft. „Er war gestern Abend bei mir."
Erneut verdrehte Matthews die Augen, sah ihn genervt an. „Wer war gestern Abend bei Ihnen?"
Lawrence wollte seinen Namen in dem abwertendsten Ton aussprechen, den er aufbringen konnte. Angewidert sah er zu Boden, erinnerte sich an sein grinsendes Gesicht. „Zep Hindle."
Interessiert sah Matthews auf. „Ist das so? Und weiter? Konnten Sie ihn verfolgen? Hat er Ihnen irgendeinen Hinweis zukommen lassen?"
Der Arzt seufzte, schüttelte den Kopf. „Nichts von beidem. Er... er hat mir bloß Fragen gestellt...", murmelte er. Womit er wieder bei dem unvermeidbarem Thema wäre.
Genervt davon, dass er ihm nicht alles sagte, blickte Matthews sein Gegenüber an. „Sie müssen schon die Karten auf den Tisch legen, wenn wir unsere Arbeit erledigen sollen. Was für Fragen?"
OooO
Im selben Moment war Adam wieder allein. Er hatte das Zappeln und Strampeln erneut aufgegeben. Er kam nicht von den Fesseln los. Alles, was er in seiner Lage tun konnte, war in die Schwärze des Raums starren und sich wundern, was die Zukunft bringen würde. Er seufzte. Zwei Tage. Mehrere Drohungen. Ein Gespräch über seine Gefühle. Ein Kuss.
Erschöpft ließ er den Kopf hängen. Er dachte über all die Dinge nach, die er falsch gemacht hatte, die er lieber niemals getan hätte.
Er hasste sich selbst. Sein wohl schwerwiegendster Fehler war nicht lange her. Der Kuss. In seinem tiefsten Innern hatte er ihn genossen. Er wusste selbst nicht, warum. Er bezweifelte, dass es wirklich von Lawrence kam. Ihm war zum heulen zumute. Er war nicht gut genug für Lawrence.
Dieser Arzt, dieser Mann, war der mutigste Mensch, dem er je begegnet war. Und er verdiente das Beste. Er verdiente alle Schönheit und alles Glück dieser Welt. Adam hatte nichts, was er ihm bieten könnte. Er konnte sich nicht einmal selbst glücklich machen.
In diesem Moment hielt er inne. Er sah auf. Das Atmen fiel ihm schwer. Er konnte nicht fassen, worüber er nachdachte. Er dachte darüber nach, ob er gut genug für Lawrence wäre.
Adam war sich ziemlich sicher, dass er noch nie in seinem Leben so empfunden hatte. Es fühlte sich merkwürdig an. Schmerzhaft. Liebe. Liebe, die er niemals erreichen konnte. So durfte es nicht sein. Adam hatte noch nie geliebt. Schon gar nicht einen blöden Arzt!
Verzweifelt sah er auf seine Füße. „Scheiße...", murmelte er hilflos. Er durfte nicht lieben. Es machte ihn bloß schwächer als er schon war. Zep würde ihn nicht in Ruhe lassen. Weder ihn noch Lawrence.
Und schon kam dieser zur Tür herein, grinste ihn süffisant an.
Adam verdrehte die Augen. Wenn man vom Teufel spricht, dachte er sich.
„Du schläfst nicht wie ich sehe", sagte Zep, seufzte. „Wie schade. Ich hätte Dornröschen zu gerne wachgeküsst."
Adam brannte innerlich. Er war mehr als wütend. Jigsaw hatte sich also gar nicht erst die Mühe gemacht, Zep von ihm fernzuhalten. Erzürnt sah Adam zu ihm hoch. „Was willst du?!", raunte er.
„Du bist nicht nett zu mir, Adam. Du weißt wirklich, wie du dir selbst alles am besten versaust. Dummer, kleiner Adam...", begann er, tat gekränkt. „Dabei wollte ich dir doch bloß ein kleines Geschenk machen."
Verwirrt sah Adam ihn an. Verwirrt und misstrauisch zugleich. Er traute ihm nicht. „Was meinst du?", fragte er perplex. Doch was immer es war – er wollte es nicht. Schnell sah er von ihm weg.
„Ach, nichts Besonderes. Aber ich denke, es wird dir gefallen", sagte Zep, näherte sich ihm.
Wütend schloss Adam die Augen, um ihn nicht anzuschreien. „Jigsaw... John... er hat gesagt, er sorgt dafür, dass du von mir wegbleibst", sagte er. Er versuchte, es wie eine Warnung klingen zu lassen. Doch Zep war bereit, ihm einen Strich durch die Rechnung zu machen. Er lehnte sich über ihn.
„Mach dir darüber keine Sorgen, Kleiner.", sagte er leise. „Ich habe Johns Erlaubnis, hier zu sein. Ja, er fand meine Idee sogar ziemlich gut. Und ich glaube, dir wird es auch gefallen."
Adam wurde von Sekunde zu Sekunde wütender. „Jetzt sag schon, was es ist!"
Zep nickte. Er kramte in seiner Jackentasche, Adam beobachtete ihn. Was seine von schwarzem Leder überzogene Hand herausholte, war ein Handy. Adam stutzte. Was sollte das?
Doch er brauchte noch nicht einmal zu fragen. Zep sagte ihm sofort, was er im Sinn hatte.
„Ich erlaube dir einen Anruf, Kleiner. Einen einzigen. Und der, mit dem du sprechen darfst, wird Dr. Gordon sein. Sonst niemand."
Adams Augen weiteten sich. Er glaubte zu träumen. Zep, der Mann, der ihn festhielt, der Lawrence mehr hasste als irgendeinen anderen Menschen auf der Welt, ließ zu, dass Adam mit ihm sprach!
Gerade wollte Adam dieses Angebot eifrig annehmen, doch er hielt inne. Er sah ihm in die Augen, erntete ein undefinierbares Grinsen.
„Was ist denn, mein Kätzchen? Traust du mir etwa nicht?", fragte Zep. Er tat so unschuldig, dass seine Schauspielerei fast nicht mehr auffiel.
Etwas nervös sah Adam ihn an. Große Nervosität, die bereits schwer an Angst grenzte. „Was verlangst du diesmal als Gegenleistung?"
Adam war sich sicher, dass Zep diesmal Sex als Gegenleistung verlangen würde. Doch zu seiner Überraschung kam es nicht so. Im Gegenteil.
Spielerisch stupste Zep seine Nasenspitze mit der seinen an. „Keine Gegenleistung diesmal, Kleiner.", flüsterte er fast. „Alles, was ich will, ist dich glücklich zu sehen. Ich weiß doch, wie sehr du dich nach deinem Doktor sehnst... dann sollst du ihn auch kriegen."
Er kam ihm näher. Beinahe berührten sich ihre Lippen, doch Adam hatte seinen Kopf rechtzeitig zur Seite gedreht. „Danke", nuschelte er, sah bloß noch zu, wie Zep eine Nummer wählte.
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„So kommen wir doch auf keinen Nenner!", stöhnte Detective Matthews genervt. Ungläubig sah er Lawrence an. „Der Kerl hätte Sie alles fragen können! Er hätte alles Mögliche verlangen können! Und da wollen Sie mir weismachen, dass er nichts weiter gefragt hat als das?!"
Lawrence hatte ihm von seiner ‚Unterhaltung' mit Zep erzählt. Obwohl er genau mit dieser unerfreulichen Reaktion gerechnet hatte, hatte er ihm alles erzählt. Alles – bis auf dass er Adam selbst um jeden Preis retten wollte. Alles bis auf seine Gefühle für ihn.
Matthews rieb sich angespannt die Schläfen. Er hob die Arme in die Luft, ließ sie auf seine Hüften knallen, lachte hilflos auf. „Sie sind aber auch echt gut. Sie hätten Information aus ihm herausholen können. Verdammt, Sie hätten Alarm schlagen können! Diese Mistsau könnte jetzt, in diesem Moment, in einer verdreckten, nach Abwasser stinkenden Zelle sitzen und den Tag seiner Bestrafung abwarten!", donnerte er, doch Lawrence hörte ihm nicht mehr zu. Er hörte bloß sein Handy klingeln.
Genervt seufzte er. „Entschuldigen Sie mich einen Moment. Das könnte meine Exfrau sein. Wir haben schon wieder Samstag", sagte er knapp, kramte in der Jackentasche herum. Detective Matthews schüttelte den Kopf, drehte ihm den Rücken zu.
Lawrence drückte auf den grünen Knopf und hielt sich das Telefon ans Ohr. „Ja bitte?"
Keine Antwort. Gar nichts. Bloß ein aufgeregtes Atmen.
Verwirrt sah Lawrence Detective Matthews an, der eine Augenbraue in die Höhe hob.
„Ali?", fragte Lawrence verwirrt. Wieder nichts. Doch dann hörte er etwas. Ein Wimmern. Das Wimmern eines Mannes. Sehr leise allerdings.
„Schönen guten Morgen, Dr. Gordon.", kam es von der anderen Seite. Lawrences Augen weiteten sich. Wut stieg in ihm auf, seine Augenbrauen zogen sich zusammen. „Zep!", knurrte er. Und nun schenkte ihm auch Detective Matthews volle Aufmerksamkeit. Ohne zu Zögern drückte Lawrence auf die Lautsprechertaste. Doch bevor Zep wieder zu Wort kam, konnte Lawrence sich nicht länger zurückhalten.
„Was willst du, dass ich tue, du Schwein! Sag es mir!", befahl er harsch.
Detective Matthews gestikulierte bereits wild herum, wollte ihn auffordern, das Handy an ihn weiterzugeben. „Na los, lassen Sie mich mit diesem Saftsack reden!", zischte er, doch er wurde ruhig, als Zep wieder zu sprechen begann.
„Da ist jemand, der Sie unbedingt sprechen möchte, Doktor."
„W-was...??", begann der Arzt, doch jemand fiel ihm ins Wort.
„Lawrence?", fragte eine verängstigte, hilflose Stimme. Eine Stimme, die für einen Mann ungewöhnlich hoch war. Und Lawrence kannte diese Stimme. Er erstarrte. Ebenso wie der Detective neben ihm. Lawrences Lippen zitterten, er wurde kreidebleich im Gesicht. Er kannte diese Stimme.
„Adam??"
Zep hielt dem gefesselten Mann das Telefon ans Ohr, damit er sprechen konnte. Und als Adam Lawrences Stimme hörte, machte sein Herz Sprünge. Er war wirklich am leben!
„Oh Gott...", wimmerte Adam, doch lächeln konnte er. „Du lebst...!"
Lawrence musste sein Handy bereits mit beiden Händen an sein Ohr halten, so sehr zitterten sie. „Adam, geht's dir gut? Alles in Ordnung??"
Verzweifelt schüttelte Adam den Kopf, obwohl er genau wusste, dass Lawrence ihn nicht sehen konnte. „Nein. Nichts ist in Ordnung. Ich bin ganz allein mit denen hier, und ich will einfach nur weg...!"
„Adam, weißt du, wo du bist?? Sag es mir!"
„N-nein... nein, weiß ich nicht... Scheiße, ich weiß nicht mal, was das hier für ein Gebäude ist..."
In diesem Moment hatte Adam seine Meinung geändert. Er wollte, dass Lawrence kam und ihn von dort rettete. Er wollte, dass er das Spiel spielte, um ihm zu helfen. Er wollte ihn bei sich haben.
Er konnte nicht anders. Ein verzweifeltes Schluchzen entglitt seiner Kehle. „Lawrence... bitte, du musst herkommen... bitte hol mich hier weg...", brachte er schniefend heraus. „Ich brauche dich, verstehst du?"
Lawrence musste sehr an sich halten, nicht auch in Tränen auszubrechen. Er umklammerte sein Handy nur noch fester. „Hör zu, ich hol dich da raus. Hab keine Angst, dir wird nichts passieren. Ich finde dich, hörst du?"
Adam nickte langsam. „Lass mich nicht allein", wimmerte er. „Ich brauche dich, Lawrence!"
Doch Lawrence bekam nicht mehr die Chance, ihm zu antworten. Zep hatte aufgelegt und somit die Verbindung getrennt. Adam schluchzte bloß noch mehr, ließ den Kopf hängen. Alles, was er noch vernahm war dass Zep ihn sanft aufs Haar küsste, das Zimmer verließ und die Tür schloss. Und wieder war er allein. Auf sich selbst gestellt. Er zog die Nase hoch. Lawrence würde ihn finden. Er würde ihn retten. Das wusste er nun.
In einer zitternden Hand hielt Lawrence nun das Handy. Adam war am leben. Und sie mussten ihm sofort helfen. Detective Matthews schnappte sich mit einem Mal das Handy aus seiner Hand. „Wir werden versuchen, den Anruf zu verfolgen. Falls er erneut anruft, werden wir handeln", sagte er im Gehen, ließ Lawrence in seinem Büro allein.
Lawrence blickte ins Leere. Er musste sofort handeln. Nun oder niemals wieder.
„Ich finde dich, Adam."
TBC...
