Kapitel 11: Gespräch beim Abendessen

Anne musste in den nächsten paar Wochen ihren Knöchel schonen, was das Herumkommen auf dem Hochschulgelände anstrengender machte als üblich.

„Ich kann dich mitnehmen, wann immer du willst", versicherte ihr Charlie telefonisch.

„Danke, das ist süß, aber mein Knöchel fühlt sich eigentlich schon viel besser an. Ich habe gestern angefangen, ohne Krücken zu laufen."

„Trotzdem, wenn du ..."

„Dann weiß ich, wen ich anrufen kann", sagte Anne liebenswürdig. Sie legte auf und ging zurück zu ihrem Abendessen. Sie war mit Ben und Lisa beim Essen im Speisesaal.

Als sie von ihrem gebackenen Hähnchen aufsah, sah sie ihr breites Grinsen. „Was ist?" fragte sie.

Lisa kicherte. „Du und Charlie, ihr seid absolut bezaubernd."

„Warte – was?" fragte Anne entsetzt.

Ben nickte zustimmend. „Sieht aus, als ob er dir überallhin nachläuft."

„Nein, tut er nicht!" warf sie ein. Sie hielt inne, sah von Lisa zu Ben und dachte einen Moment nach. „Glaubt ihr wirklich, dass er das tut?" fragte sie schließlich.

„Oh yeah", sagten sie gemeinsam.

„Aber ich bin nicht diese Art von Mädchen, versteht ihr?" beharrte sie. „Und ich dachte, ich habe ihm ganz klar signalisiert, dass ich ihn nur gern habe wie einen Freund."

„Oh, das hast du", sagte Ben. „Er zieht es nur vor, das zu ignorieren."

Anne stöhnte.

„Hey Freddy, komm setz dich zu uns!" rief Ben plötzlich. Anne blickte auf und sah ein Meer von weißen Uniformen. Die ROTC Studenten hatten gerade den Speisesaal betreten, unter ihnen Rick.

„Nenn mich nochmals Freddy und du wirst dir wünschen, du hättest es nicht getan", sagte Rick und setzte sich neben Ben. „Hey Lisa, Anne."

„Hey", sagte Anne.

„Du siehst gut aus in deiner Uniform, Rick", sagte Lisa und sah ihn von oben bis unten an.

Anne wurde schlecht.

„Danke", sagte er.

„Wir waren gerade dabei, Annes interessantes Liebesleben zu diskutieren", sagte Lisa.

„Nein!" sagte Anne.

„Doch, das waren wir. Es war faszinierend", sagte Ben zu Rick.

Rick lächelte überraschend. „Wie interessant."

„Sie hat diesen Kerl voll um den Finger gewickelt, verstehst du ..."

„Ben! Halt den Mund!" Anne warf eine Fritte nach ihm. „Ihr nervt."

„Ist Charlie dieser Kerl, der neulich am Wochenende mit uns ins Kino mitkam?" fragte Rick Anne.

Sie nickte, während ihr die peinliche Erinnerung wieder in den Sinn kam.

„Er ist reizend", kommentierte Rick. „Ich hörte, er hat eine reizende Familie." Er nahm einen Schluck Wasser und warf Anne einen herausfordernden Blick zu.

„Ich sehe ihn nicht auf diese Weise, aber er bleibt dabei –"

„– dich anzurufen?" schlug Ben vor.

„– dir nachzustellen?" sagte Lisa.

„Nein!" antwortete Anne. „Er ist nur ... Ich weiß auch nicht. Ich schätze, ich sollte noch deutlicher werden."

„Das klingt wie eine gute Idee", sagte Rick. „Du willst einem Kerl doch keine falschen Hoffnungen machen, nicht wahr, Anne?"

„Ich denke mal, dass Annes Herz nicht so leicht zu gewinnen ist", sagte Ben.

Anne sah sich ungläubig um. „Seit wann bin ich das interessanteste Thema beim Abendessen geworden?"

„Seit jetzt", sagte Lisa und ihre Augen funkelten. „Hat je ein Junge Erfolg gehabt, Anne? Kann es einer schaffen?"

Anne zögerte. „Ich hatte noch nie eine Beziehung."

„Wirklich?" fragte Rick, brach aber dann ab.

„Nicht einmal in der High School?" fragte Ben.

„Keine Zeit für Rendezvous."

Lisa lächelte. „Weißt du was, ich wette, du bist eine von diesen ruhigen, grüblerischen Mädchen, die an unerwiderter Liebe leiden, habe ich recht? Du scheinst der Typ zu sein."

„Was?" Anne lachte beinahe. „Mal ernsthaft Leute, wir sind am College. Können wir über etwas anderes reden, bitte?" fragte sie fast verzweifelt.

„Ja, sollten wir zu diesem Zeitpunkt unseres Leben nicht tiefe und bedeutungsvolle Gespräche führen?" sagte Rick. Er wechselte schnell das Thema und Anne war erleichtert. Es fühlte sich fast wie in alten Zeiten an, als sie das Gefühl hatte, er könne ihre Gedanken lesen.

Das kann doch nicht wahr sein, dachte sie schnell, und fegte den Gedanken beiseite.

„Lasst uns über Poesie sprechen", sagte Ben grinsend.

Lisa stocherte an ihrem Huhn. „Natürlich will Ben über Poesie sprechen. Kann man vorhersehbarer sein als du?" fragte sie.

„Meinetwegen", sagte Anne.

„Rick und ich sind Zahlenmenschen, nicht wahr, Rick", sagte sie und berührte seinen Arm.

Er nickte. „Und ob!"

„Warum?" fragte Anne plötzlich.

Rick traf ihren Blick. „Warum ich das mag?"

„Ja", forderte sie ihn auf.

„Ich mag es, eine richtige Lösung zu bekommen. Ich mag es, auf ein Ziel hin zu arbeiten. Keine Komplikationen."

„Vielleicht muss es nicht immer genau eine richtige Lösung geben", sagte Anne. „Ich mag die Interpretation."

„Ich mag Klarheit", sagte Rick.

Anne war erstaunt. Sie waren dabei, zu reden – tatsächlich zu reden.