Diesesmal kommen auch Hermine und Snape vor…..wie übrigens auch in den nächsten Kapiteln
Grossen Dank an meine treuen reviewerinnen Chrissie und Eule!
Ihr habt Recht, das ist ein ganz schön krasser Haufen, den Scrimgouer sich da für den Zaubergamot zusammengemixt hat. Aber manchen geht die Macht über alles.
Möge sie mit euch sein! Aber das ist eine andere Geschichte…
Kapitel 10
Ron lag noch zitternd auf der Erde, als ihn jemand an der Schulter packte und schüttelte.
„Ron, steh auf, es ist vorbei." Ron schaute auf – immer noch mit zugehaltenen Ohren – und erblickte Harry, der zu ihm hinuntersah. Harry sah im fahlen Mondlicht aus wie ein Gespenst. Seine Haare standen senkrecht zu Berge. Aber er schien unverletzt zu sein.
„Hast du es geschafft?", fragte er mit heiserer Stimme, die nur ein Flüstern war. Als ob sich Ron nicht traute, ein lautes Wort zu äußern, aus Angst, er könnte sich selbst verletzen. „Ist die Tasse zerstört?"
„Ja, ich habe sie zerstört. Ich legte den Schutzzauber um mich, mit dem ich als Sonderprüfung bei meiner Auroren-Abschlussprüfung so gut abgeschnitten habe. Du weißt, ich habe immer gesagt, dass dies im Kampf gegen Voldemort ein außerordentlich nützlicher Zauber sein wird und ich habe ihn sogar noch stärker hingekriegt durch ständige Übung in der letzten Zeit."
Ron nickte. „Ich weiß, du hast bei der Prüfung damals schon richtig abgeräumt. Ich glaube, so viele Punkte hat vor dir bei einer Sonderaufgabe noch keiner bekommen."
Harry lächelte. „Siehst du Ron, es hat doch was auf sich mit dem Lernen, wie uns Hermine immer klarmachen wollte."
Ein kurzes, wehmütiges Schweigen folgte diesen Worten. Dann fragte Ron: „Erzähle! Wie hast du es angestellt, die Tasse zu zerstören?"
„Ich habe sie mit meinem Zauberstab wieder und wieder in die Luft geschleudert – das war schwierig, denn die schwarze Magie in der Tasse hat gemerkt, dass dies nicht der Zauberstab ihres Herrn war – aber ich ließ nicht locker und habe sie schließlich so in Schwingungen versetzt, dass der Widerstand zusammenbrach und ich sie zu Boden schleudern konnte. Dann war zwar die Tasse zerstört, aber derjenige, der das schaffte, sollte ja diese Tat nicht überleben. Also entstand dieser fürchterliche Lärm, den ich durch meinen extra starken Schutzzauber geschützt – nur in erträglicher Form mitbekam. Aber durch die Druckwelle, die der Lärm erzeugte, wurde ich in eine Ecke der Küche geschleudert und die Decke stürzte herunter. Ich war ja zum Glück nicht ohnmächtig vom Lärm und konnte deshalb blitzschnell nach draußen apparieren, so dass ich auch nicht von den Gebäudeteilen erschlagen wurde."
Harry sank neben Ron zu Boden. „Ich weiß nicht, Ron, ob ich es schaffe, alle Horcruxe zu vernichten, aber ich weiß, wenn ich ihm nochmals gegenüberstehen sollte, wird er für die ganzen Ängste und Schmerzen büßen!"
Ron hatte Harry noch nie so zornig und so todernst gesehen. Er spie die Worte zwischen den Zähnen hervor und hatte die Fäuste geballt. Es war keine Wut, wie sie Harry früher geäußert hatte – laut und unbeherrscht. Es war vielmehr eine kalte Wut, die in seinen Augen funkelte und die einen viel größeren Hass in sich barg, als Harry je vorher geäußert hatte. Ron wusste: diesmal ging es um Alles oder Nichts für Harry und er würde seine Sache durchziehen. Nicht mehr hitzig und ungeduldig wie der Harry Potter, der Voldemort und seinen Spießgesellen in der Schulzeit begegnet war. Harry Potter war erwachsen geworden und schickte sich an, seine Lebensaufgabe zu meistern.
‚Dafür muss ihm die größtmögliche Unterstützung zuteil werden', dachte sich Ron. ‚Jeder von uns muss ihm helfen, ohne an die eigene Sicherheit zu denken. Oh, Hermine, warum bist du nicht mehr da?', schloss Ron seine düsteren Gedanken.
Während Harry und Ron das Horcrux besiegten und im Zauberergamot um Machtansprüche gerungen wurde, kämpfte sich Hermine durch die von Snape gestellten Aufgaben. Sie studierte die Lehrbücher der Zaubersprüche und probierte viele davon auch mit Erfolg aus. Durch Snapes Labor rannten weiße Mäuse, die Hermine in alle möglichen Gegenstände verwandelte. Andere Teile der Laboreinrichtung schwebten durch den Raum. Hermine konnte der Versuchung nicht widerstehen und ließ ein besonders dickes Glasgefäß mit einer eingelegten Echse oder einem kleinen Drachen (?) im Raum umherschweben. Das war ganz schön schwierig, wie sie feststellte, als das Gefäß um ein Haar gegen Snapes Schreibtisch geknallt wäre. Hermine machte sich daraufhin an das Üben des „Reparo"- Zaubers – für alle Fälle. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass Snape besonders erfreut wäre, wenn sie seine Einrichtung demolierte.
Bianca war inzwischen - von der Hauselfe beaufsichtigt – im Kinderzimmer oder im Hof bzw. im Garten des weitläufigen Gebäudes unterwegs. Hermine hatte herausgefunden, dass noch ein paar andere Familien mit Kindern auf dem Anwesen des Dunklen Lords wohnten. Nach dem, was Hermine bisher zu sehen bekommen hatte, handelte es sich bei dem Anwesen um eine große, alte Burg oder eine Festung, die mit einer hohen Mauer umgeben war. Von Snapes Wohnung aus konnte man über die Mauer aufs Meer blicken. Allerdings wusste Hermine nicht, wo sich das Gebäude befand. Wendy wusste es anscheinend auch nicht. Einige der Familien wohnten wohl ständig hier; andere kamen nur für ein paar Tage - vom Dunklen Lord einbestellt – ins Schloss. Bianca schien sich recht wohl zu fühlen und mit den anderen Kindern ganz gut zu Recht zu kommen. Sie hatte es sich zur Aufgabe gemacht, den kleinen Ashley zu trösten, wenn dieser wieder einmal weinte, weil er seine Mammi und seinen Daddy vermisste.
Am dritten Tag, nachdem Snape so plötzlich verschwunden war, tauchte er ebenso unvermittelt wieder auf. Hermine übte gerade Verschwindezauber und wollte Snapes Federkiel und Tintenfass als Übungsobjekt benutzen. Dabei stellte sie sich vor, es wäre Snape selbst, den sie nach Belieben verschwinden und wieder auftauchen ließe. Bei dieser Vorstellung erschien ein fröhliches Lächeln auf ihrem Gesicht.
Dieses Lächeln verschwand - ohne die Anwendung eines Verschwindezaubers – wieder, als sie Snapes Stimme vernahm: „Wagen Sie nicht einmal daran zu denken, an meinen persönlichen Sachen ihre Zauberkunststückchen auszuprobieren!"
Hermine fuhr herum. Snape stand - wie immer in Schwarz gekleidet -, die Arme über der Brust verschränkt, lässig an den Türrahmen gelehnt da und musterte Hermine mit unverkennbarer Abneigung.
Diese schob ihren ersten Gedanken, der ihr bei seinem Anblick in den Sinn kam, sofort in den hintersten Winkel ihres Gehirns und ließ der Wut, begleitet von Angst, die sie bei seinem Anblick empfand, freien Lauf.
„Ich probiere keine Zauberkunststückchen aus", fauchte sie. „Ich führe Ihre Anweisungen aus und das heißt, dass ich die Zauber, die ich erlernen soll, natürlich perfekt auszuführen habe. Denn etwas anderes käme für Sie ja bestimmt nicht in Frage", fügte sie gehässig hinzu.
„Ganz recht", erwiderte er. „Ich erwarte selbstverständlich, dass Sie Ihre Fähigkeiten mit der größtmöglichen Sorgfalt anwenden. Außerdem habe ich Ihnen genau das befohlen. Und Sie wissen ja schließlich, dass Sie mir Gehorsam schulden." Die letzten Worte wurden begleitet von einem zynischen Grinsen, das sie schon öfter bei ihm gesehen hatte und das wohl sein Markenzeichen war, wie sie vermutete.
Hermine hasste ihn jetzt wieder richtig. Wie konnte sie nur, als er hereinkam, für einen kurzen Moment gedacht haben: ‚Wow, er sieht ja richtig gut aus!' Und dass sie ein Schauer der ...Erregung ? durchzuckt hatte, wies sie ebenso weit von sich. ‚Wahrscheinlich bin total gaga von den vielen Zaubereien in den letzten Tagen und den unmöglichen Hexen und Zauberern in den vielen Büchern. Ich habe schon so lange keinen normalen Menschen mehr zu Gesicht bekommen, so dass ich komplett von der Rolle bin.', dachte sie bei sich.
Snape war ein Mistkerl, da war sie sich sicher. Aber nicht nur das. Er war der Vertraute des Bösen Lords und er war ein Mörder! Hermine schauderte bei dem Gedanken und versuchte wieder einmal gegen ihre Panik anzukämpfen. ‚Nur nicht verrückt machen lassen, Hermine', ermahnte sie sich. ‚Du hast eine Tochter, die dich braucht. Sie wäre ohne dich diesen Scheusalen hier hilflos ausgeliefert.'
Hermine atmete tief durch und wandte sich wieder Snape zu, der inzwischen sein Labor genau inspiziert hatte: „Wollen Sie mir jetzt die Prüfungen abnehmen – Sir!" Ihr Tonfall war bewusst unterwürfig und der Sarkasmus darin war unüberhörbar. Zumindest für einen von Snapes Kaliber, der sich von niemandem so schnell etwas vormachen ließ.
Bevor sich Hermine versah, hatte Snape sie an den Armen gepackt und sie gegen die Wand des Kerkers gepresst. Er kam ihr bedrohlich nahe und zischte in ihr Ohr: „Wagen Sie es nicht, mir respektlos zu begegnen. Ich lasse mir das nicht gefallen. Auch nicht von einer aufgeblasenen, kleinen Besserwisserin, die sich so unendlich schlau vorkommt!" Er ließ so plötzlich los, dass Hermine um ein Haar auf den Boden gesunken wäre. Ihr saß der Schreck noch in den Gliedern, als sie sich wieder aufrichtete und sie bemerkte, dass sie am ganzen Körper zitterte.
‚Mistkerl!", dachte sie sich wiederum. Sie war den Tränen nahe, aber wollte ihn das auf keinen Fall merken lassen.
Stattdessen sagte sie mit einigermaßen fester Stimme: „Ich habe alle Zauberbücher, die Sie mir gaben, durchgesehen und ich denke, dass ich die meisten der Zaubersprüche darin beherrsche."
Snape nickte. „Davon gehe ich aus", antwortete er kalt. „Was haben Sie sonst noch getan?"
„Sonst noch getan?", fragte Hermine. „Auch die Tage in der Zaubererwelt haben nur 24 Stunden, habe ich festgestellt. Und Sie mir genügend Aufgaben dafür gegeben."
Snape lächelte wiederum unangenehm. „Auch die Nächte können genutzt werden – nicht nur zum Schlafen. Und wenn ich mich richtig erinnere, haben Sie die Nächte zumindest teilweise dazu benutzt, für den Unterricht vorzulernen."
Hermine antwortete schuldbewusst: „Na ja, ich habe ein wenig in Ihrer Bibliothek gestöbert. Sie hatten mir ja schließlich den Auftrag gegeben, mehrere Bücher von dort herauszusuchen."
„Ja", erwiderte er. „Damit wir nach meiner Rückkehr mit Zaubertränken und Kräuterkunde weitermachen können. Also raus mit der Sprache: Was haben Sie sonst noch getrieben?"
„Ich habe mir ‚Die Geschichte Hogwarts' als Nachtlektüre mitgenommen", erwiderte Hermine kleinlaut.
Snape grinste wieder höhnisch. „Und natürlich schon vollständig durchgelesen und Sie können jetzt wieder jeden damit nerven, wie in Ihrer Schulzeit. Aber Vorsicht – ich kenne die Geschichte und brauche keinerlei Belehrungen daraus!"
Hermine zog es vor, nichts zu erwidern.
