Und so war ich wieder dort, wo ich angefangen hatte, und er hatte recht. Es war alles für das Bantha gewesen. Ich hatte nur meine Hand und meine Jungfräulichkeit verloren. Langsam fand ich mich mit der Amputation ab. Aber ich vergaß nie, dass dies das Ende meines Kampfstils war. Ich brauchte zwei Hände, um meine beiden Lichtschwerter zu halten. Das war jetzt vorbei. Wenn ich sie noch gehabt hätte, aber mein Schwert und mein Shoto hatte ich zusammen mit meiner Unschuld zurückgelassen. Sie waren fort, entweder noch im Schiff von Meister Obi-Wan, im Krankenhaus auf Polis Massa oder in der kleinen Hütte auf Tatooine. Verschwunden, zusammen mit meinem alten Leben. Vielleicht würde Meister Obi-Wan sie für mich aufbewahren.

Aber ich würde ihn höchstwahrscheinlich nie wieder sehen. Ich fuhr mit meiner verbliebenen Hand durch mein Haar. Inzwischen war es lang genug, um meine Augenbrauen zu erreichen. Wann würde Vader wieder auftauchen? Er hatte mich jetzt schon drei Tage lang alleine gelassen. Wie aufs Stichwort öffnete sich die Tür und er betrat meinen goldenen Käfig, dicht gefolgt von einem kleinen Mann. Der Mann trug einen Koffer und sah sehr geschäftig aus. Ich runzelte die Stirn. Was sollte das jetzt werden? Vader stellte sich mit verschränkten Armen hinter mich und der Mann verbeugte sich. „Guten Tag, Lady Vader. Mein Name ist Ohl D'Ella, ich bin hier, um Ihnen eine Prothese anzupassen." Ich zog überrascht die Augenbrauen hoch und zuckte leicht.

Vader drückte mir kurz warnend den Ellenbogen in die Schulter und ich verstand. Ich sollte einfach mitspielen. Nun gut. Ich streckte dem Mann meinen Stumpf entgegen und versuchte, so hoheitsvoll wie möglich auszusehen. Aber die Anstrengung hätte ich mir eigentlich sparen können. Ohl D'Ella gab sich die größte Mühe, mich auf keinen Fall anzusehen. Er vermaß meinen Stumpf und berührte mich dabei so wenig wie möglich. Dann verneigte er sich wieder und verschwand mitsamt seinem Koffer, während er etwas von baldiger Lieferung murmelte. Sobald er weg war, drehte ich mich zu Vader um und fragte: „Was war das denn?" Vader löste endlich den Knoten in seinen Armen und zuckte mit den Schultern. „Angst kann eine hervorragende Motivation sein. Und momentan soll noch niemand von dir wissen." „Deswegen hast du mich als Lady Vader vorgestellt?" „Ungefähr so." Ich atmete einmal tief durch. Ich würde niemals Lady Vader werden. Davon konnte er lange träumen, dieser aufgeblasene, selbstgefällige... „Denkst du an mich?" Ich wurde rot. Er war sicher nicht in der Lage, meine Gedanken zu lesen, denn selbst wenn ich es nicht schaffte, ihn abzuhalten, würde ich es doch sicher merken. Aber mein Gesicht musste mich verraten haben. Er lachte und beugte sich zu mir hinunter. Sein Gesicht schwebte direkt vor meinem und ich wusste, worauf er es abgesehen hatte. Ich spielte mit dem Gedanken, ihn zu ignorieren, aber dann fiel mir meine Rolle wieder ein und ich beugte mich vor, um ihn zu küssen. So schlimm war es ja eigentlich gar nicht. Kaum berührten meine Lippen die seinen, stand ich endlich von meinem Stuhl auf und schlang meine Arme um seinen Hals. Er beugte sich immer weiter vor und schob dabei meinen Oberkörper immer weiter zurück. Wenn er mich jetzt losließ, würde ich fallen, definitiv. Aber er schloss seine Hände fest und sicher um meine Taille. Ein Seufzer entschlüpfte meinen Lippen und er löste den Kuss. Aber anstatt mir freizugeben, blieb er in der selben Körperhaltung. Kein Blatt Papier hätte zwischen uns gepasst und ich fühlte seinen schweren Atem auf meiner Haut. Seine gelb glühenden Augen waren wie Magnete, die meinen Blick unaufhaltsam anzogen. Ich tauchte in das flüssige Gold ein. Plötzlich zog er mich wieder auf die Füße, ließ mich los und verschwand. Und ich blieb zurück, vollkommen verwirrt. Was war das denn?

Am nächsten Morgen kam er wieder, in Begleitung des kleinen Mannes, dem die Schweißperlen auf der Stirn standen. Es war nicht besonders warm in meinen Räumen, deshalb musste es Angstschweiß sein. Was hatte Vader dem armen Mann angetan? „Guten Tag, Lady Vader. Ich bringe Ihre Prothese." Ich nickte kurz und streckte wieder meinen linken Arm aus. „Ich werde den Stumpf lokal betäuben, um die Prothese schmerzfrei anbringen zu können. Seid Ihr damit einverstanden?" Ich nickte erneut. Er zupfte nervös an seinem Kragen. „Es tut mir aufrichtig leid, Euch damit belästigen zu müssen, aber aus rechtlichen Gründen brauche ich mindestens Eure mündliche Einverständnis. Ein Nicken reicht leider nicht." Vader räusperte sich und der Mann erbleichte. „Dafür entschuldige ich mich aufrichtig, ich vergaß, mit wem ich spreche." Er sah mich flehentlich an und ich sagte: „Ich bin einverstanden. Und nun erledigen Sie Ihre Arbeit!"

Seine Erleichterung ging in beinahe sichtbaren Wellen von ihm aus und er machte sich ans Werk. Nachdem er das lokale Betäubungsmittel gespritzt hatte, verband er die Prothese mit schnellen, effizienten Handgriffen mit meinem verbliebenen Unterarm. Ich spürte nichts davon, aber ich wusste, dass er Servomotoren mit Nerven und Stangen mit Knochen fusionierte. Er war schnell fertig und wischte einige Tropfen Blut von meiner Haut. „Sehr gut, jetzt warten wir, bis die Betäubung nachlässt, damit wir die Funktion testen können. Als ob er ein Kommando gegeben hätte, kehrte das Gefühl mit einem Kribbeln in meinen Arm zurück. Ich befahl meinen neuen Fingern, sich zu bewegen, und sie taten es. Es war ein seltsames Gefühl, denn ich spürte sie selbstverständlich nicht, aber trotzdem gehörten sie zu mir und ich beherrschte sie. „Ich hoffe, Ihr seid mit meiner Arbeit zufrieden, Lady Vader." Ich nickte wieder nur. Das war ich definitiv, aber als Lady Vader würde ich ihm das ganz sicher nicht sagen. Bei Vader würde ich mich später bedanken, wenn der Mann weg war. Er wischte sich jetzt den Schweiß von der Stirn und packte seine Geräte zusammen. „Ich begleite Sie noch vor die Tür.", sagte Vader und machte somit die Erleichterung des armen Prothesentechnikers wieder vollkommen zunichte. Ich sah den beiden hinterher, wie sie den Raum verließen. Vader kam bald wieder, ein selbstgefälliger Ausdruck auf seinem Gesicht. Er zog den Lederhandschuh, der seine rechte Hand bedeckte, aus und offenbarte eine prothetische Hand. „So schlimm sind sie doch gar nicht, oder?"

Er legte das kühle Metall an meinen linken Ellenbogen und fuhr dann über meinen Unterarm zu meiner neuen Prothese. „Nein, sind sie nicht. Danke! Das hätte ich niemals erwartet." Er lächelte. „Keine Ursache. Ich will, dass du dich hier wohlfühlst." Er verschränkte unsere künstlichen Hände leicht miteinander. Sie waren wie Spiegelbilder voneinander. Nicht vollkommen, aber fast. Meine war etwas kleiner und deutlich neuer, während seine zerschrammt war. Während ich unsere Hände betrachtete, fiel mir etwas auf. Ein roter Strich, der von meinem Ellenbogen zu dem Punkt führte, an dem Vaders Fingerspitzen jetzt ruhten. Sein Handschuh, den er in seiner organischen Hand hielt, tropfte auf den Boden. Rot. Blut.