Kapitel 11
Otter-ly Content – Ganz otter-ig zufrieden
Hermione schaute vom Balkon, den Hogwarts für die Wohnung des Schulleiters zur Verfügung gestellt hatte, über die Ländereien von Hogwarts. Der Sommertag war sonnig und warm, und alle Schüler hatten bereits zwei Tage zuvor die Reise in die Ferien angetreten. Einige Professoren waren schon weg, aber viele blieben noch eine Woche, um ihre Arbeit abzuschließen.
In ihrem alten Job im Ministerium hatte sie es nach Severus' Rückkehr nach England noch ein halbes Jahr ausgehalten, ehe sie kündigte und mit all ihren Habseligkeiten nach Hogwarts umzog. Filius und später Septima hatten sie als Lehrling in Zauberkunst und Arithmantik angenommen, aber sie hatte nicht unterrichtet, sondern stattdessen den Posten der Stellvertretenden Schulleiterin von Minerva übernommen. Sie arbeitete als unabhängige Beraterin für Schutzzauber und Zauberkunst, reiste gelegentlich zu verschiedenen Standorten, wenn ihre Kunden es forderten, und sie übernahm Aufträge für fortgeschrittene Arithmantikberechnungen, wenn das Problem interessant genug war.
Ihr Ehemann faulenzte auf dem Rasen und tankte dabei Sonne wie die große Katze, die er war. Nachdem sie eingezogen war, hatte er ein Jahr gebraucht, um die Transformation unter Minervas Anleitung zu meistern. Er hatte heimlich geübt und ihr nichts davon erzählt, bis er die Verwandlung tatsächlich bewerkstelligte, und er hatte sie fast zu Tode erschreckt, als ihr Otter sich plötzlich Nase an Nase mit einem riesigen weißen Tiger fand. Er war prachtvoll, dachte sie stolz, so stark und anmutig in dieser Gestalt, wie er als Zauberer war.
Sie wechselte in ihre Ottergestalt und quietschte dem Schloss zu, das freudig gehorchte und eine Wasserrutsche in der Mauer öffnete. Über die Jahre waren Hogwarts und Hermione ganz eindeutig zu einem Einverständnis gelangt, zu dem jetzt magische Wasserrutschen in den Mauern und entlang der Treppengeländer an der beweglichen Treppen gehörten, neue Springbrunnen in den Höfen und einige Wasserfälle an ausgewählten Plätzen. Die Schüler sahen sie gerne in ihrer Ottergestalt auf dem Weg von hier nach dort vorbeirutschen, sei es die Treppen hinauf oder hinunter. Eine schnelle und räumlich herausfordernde Fahrt später, bei der sich Teile des Schlosses verbanden, die sich – logisch betrachtet – nicht verbinden können sollten, kam sie am Fuß der Treppe außerhalb der Haupteingangstüren zum Halten. Der weiße Tiger hob seinen Kopf und begrüßte sie mit einem tiefen Brüllen, als sie über den Rasen hoppste und ihn ansprang, ehe sie die Gestalt wechselte.
„Ehemann", sagte sie und küsste seine Tigernase, während sie sich in sein weiches Fell kuschelte. Er brachte ihr Herz noch immer zum Singen. Zwei Jahre nach seinem Antrag hatten sie auf dem Rasen von Hogwarts geheiratet, eine Woche, nachdem die Schüler alle in die Sommerferien gefahren waren. Es war eine schöne Zeremonie gewesen, an der ihre Eltern und der größte Teil des Kollegiums von Hogwarts, Harry und einige ihrer anderen Freunde und Melia zusammen mit ein paar Dorfbewohnern aus Kreta teilgenommen hatten. Sie hatten begonnen, ihre Kinder jetzt nach Hogwarts statt nach Beauxbatons zu schicken, und Severus hatte von dort zwei neue Professoren einstellen können, einen für Pflege Magischer Geschöpfe, nachdem Hagrid nach Frankreich umgezogen war, und einen für Klassische Sprachen und Weltmagie, ein neues Wahlfach, das sowohl Griechisch und Latein als auch magische Systeme aus anderen Teilen der Welt lehrte. Severus hatte das Cottage auf Kreta Melia abgekauft, die daraufhin ein anderes Haus im Dorf kaufte und dabei war, es in eine perfekte Frühstückspension für magische Touristen umzubauen. Das ganze Dorf florierte, besonders nachdem die Nachricht publik wurde, dass Harry Potter selbst mit seiner frischgebackenen Ehefrau Ginny dort eine Woche verbracht hatte, und der Touristenstrom aus Britannien verzehnfachte sich. Die Snapes verbrachten jeden Sommer einige Wochen und ein paar Wochenenden während des Jahres in ihrem Cottage, wann immer sie konnten.
Ihre beiden eigenen Kinder spielten irgendwo mit Minerva, die sie schlimmer als jede Großmutter verwöhnte. Richard Arcturus Snape war sieben, ein stiller Junge mit denselben schwarzen Augen und schwarzem Haar wie sein Vater und Eleanor Rose Snape, die bald fünf wurde, was jeder, mit dem sie redete, schnell erfuhr, und sie hatte die letzten drei Monate lang ihre Geburtstagsparty geplant, deren Einzelheiten sich wöchentlich änderten. Glücklicherweise waren die Hauselfen glücklich zu gehorchen, und sowohl Schüler wie Lehrer verbrachten gern Zeit mit den Kindern.
Richard war ebenfalls ein zufälliger Animagus, was Hermione eines Nachts entdeckt hatte, als sie in seinem Bett nach ihm sehen wollte und einen winzigen Polarfuchswelpen statt ihres Sohnes sah, sein Fell ein flauschiges, dunkles, nahezu schwarzes Grau. Sie hatte nur gelächelt und das Schloss gebeten, auf seinen Fuchs aufzupassen, wie es das für seinen Otter getan hatte, und ließ ihn eingerollt in seinem Bett mit der Nase auf seiner Rute schlafen. Eleanor hatte sich bisher noch nicht in ein Tier verwandelt, aber sie genoss es enorm, mit ihrer Ottermutter und ihrem Tigervater zusammen zu sein.
Einige der neueren Professoren hatten ebenfalls Familien gegründet und zogen entweder nach Hogsmeade oder erweiterten ihre Wohnungen im Schloss. Bei diesem Thema …
„Gemahl, es scheint, als müssten wir unsere Wohnung wieder erweitern", sagte sie, und ein Erröten stieg auf ihre Wangen.
Sofort wechselte er zurück in seine menschliche Form und zog sie für einen Kuss zu sich hinunter, während er noch im Gras lag, seine Lehrerrobe unter ihm wie eine Decke ausgebreitet. Er sah genauso aus wie vor zehn Jahren, sein Haar noch immer rabenschwarz und sein Kleidungsstil noch immer eher einfarbig. Lachfältchen zeigten sich jedoch in seinen Augenwinkeln als Kontrapunkt zu der Stirnfalte des finsteren Gesichts, ein Zeugnis der Veränderung, die das Kriegsende und seine junge Familie in sein Leben gebracht hatten.
„Bist du sicher? Ja, natürlich bist du das. Ich vermute, Poppy wird hocherfreut sein, denn ich habe etwas über eine Wette zwischen ihr und Minerva flüstern gehört. Ich werde dir die passenden Schwangerschaftstränke sofort brauen. Was glaubst du, wie weit du bist?"
„Nicht sehr weit, höchstens fünf oder sechs Wochen", antwortete sie. „Ich dachte mir, dass etwas nicht stimmte, als ich die Anchovis zum Frühstück nicht vertragen habe. Und was meinst du damit, sie wetten auf uns?"
Er lachte und lächelte sie an, ein solch reizendes Lächeln, das sein ganzes Gesicht veränderte und ihn völlig unwiderstehlich aussehen ließ.
„Natürlich wetten sie, was sollten sie sonst mit ihrer Zeit und ihrem überschüssigen Kleingeld anfangen?"
Dennoch musste sich sichergehen. „Bist du glücklich darüber?" fragte sie etwas besorgt.
„Immer, meine Liebste", sagte er zu ihr und zog sie eng an sich.
Ende
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Anmerkung der Übersetzerin:
Die Übersetzung dieser wunderbaren Geschichte war ein großes Vergnügen – mein Dank an AnotherAldebaran für die freundliche Erlaubnis zur Übersetzung.
Ferner gilt mein Dank allen Leserinnen und Lesern, die diese Geschichte bis zum Ende gelesen und mit zahlreichen Favoriteneinträgen, Empfehlungssternchen und Kommentaren ihren Gefallen daran geäußert haben.
Zu guter Letzt mein ganz herzlicher Dank an Sun and Stars für ihre hervorragende, geduldige und kompetente Betaarbeit, die mit kritischem Blick noch manchen Fehler beseitigt oder eine griffigere Formulierung gefunden hat. Bei Kapitel 10 wurde sie von Fedora23 unterstützt; auch ihr ein herzliches Dankeschön.
Anmerkung der Betaleserin Sun and Stars:
Gerne – für dich mach ich es jederzeit wieder!
