Camerons Gesicht war völlig unbewegt, in ihrem Inneren sah es aber völlig anders aus. Sie war dazu auserkoren Eine Welt zu sehen, die sie sich bislang nur in taktischen Szenarien „vorgestellt" hatte. Eine Welt, die nicht vom Krieg zerstört war. Sie würde auch einen jungen John Connor kennen lernen. Einen John Connor, der noch nicht vollkommen verbittert war. Einen John Connor, dem sie möglicherweise einen Ausweg aus dem Hass gegen die Maschinen zeigen konnte. Wenn er und vor Allem auch seine Mutter es zuließen konnte sie für den jungen John Connor ein guter Freund sein und ihm viel beibringen, so wie er ihr viel beibringen konnte.
Cameron stand auf einem Hügel und sah hinab auf die Stadt, in der an einigen Stellen bereits mit dem Wiederaufbau begonnen worden war. Sie wusste, dass sie einige Hindernisse zu überwinden hatte. Falls ihr das gelang konnten sie vielleicht mit vereinten Kräften verhindern, dass die Welt in diesem Zustand endete. Eben FALLS es ihr gelang.
General John Connor hatte ihr viel erzählt. Dinge, die hauptsächlich seine Mutter betrafen. Er wusste, dass weniger sein Jüngeres Ich selbst das Problem für Cameron darstellte sondern viel mehr seine Mutter, die vom Hass gegen die Maschinen erfüllt war.
„Kann ich das überhaupt schaffen?" fragte sie ohne den Blick von der Stadt zu nehmen.
„Meine Mutter war eine harte Nuss", entgegnete der General, der schräg hinter ihr stand.
Cameron sah über ihre Schulter. „Wie soll ich es anstellen?"
Er kratzte sich am Kopf. „Am Besten... nicht Lügen, das würde Dich in Mom's Augen sofort disqualifizieren".
Sie wandte sich ihm zu und ging einen Schritt näher.
Er sah zu Boden. „Aber...".
Cameron zögerte zwei Sekunden. „Aber?"
Er blickte auf. „Du darfst auch auf keinen Fall mit der Tür ins Haus fallen. Wenn Du ihr ins Gesicht sagst, dass Du Emotionen hast wird sie gedanklich sofort die Verbindung zu mir herstellen und Dich möglicherweise töten. Du musst ehrlich sein, Du selbst sein aber ihr die Möglichkeit geben Dich kennen zu lernen, bevor du auch nur daran denken kannst Dich an mich anzunähern".
Camerons Blick schweifte kurz nachdenklich ins nichts, dann sah sie ihn an und legte den Kopf schräg. „Ich verstehe, danke für die Erklärung".
Diese Haltung und die Phrase entlockten General John Connor ein breites Lächeln. 'Er wird...Ich werde sie lieben'.
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Es war nur eine kleine Abordnung der Cyborg Frauen gekommen. Alles Andere wäre zu auffällig gewesen. Cameron verabschiedete sich herzlich von ihren Freundinnen, Suzie und Matt. Schließlich stand sie vor General John Connor.
„Leb wohl", sagte sie leise.
Er hob die Hand und legte sie an ihre Wange. „Gute Reise", entgegnete er traurig.
Cameron bedeckte seine Hand an ihrer Wange mit ihrer. „Ich gebe mein bestes".
John nickte ihr zu und lies widerstrebend seine Hand sinken. Dann blickte er nickend hoch zum Kontrollraum, in dem Catherine Weaver an den Temporalkontrollen stand. Sie nickte und startete die Generatoren.
Ein anschwellendes Tosen erfüllte den Raum als die Generatoren hochgefahren wurden. Cameron ging bis zu Gefahrenkreis und drehte sich noch mal herum. Nacheinander sah sie die Anwesenden an. Als ihr Blick erneut auf John Connor traf lächelte sie verhalten.
Schließlich ertönte die Sirene die anzeigte, dass die Temporalenergie für einen Transport ausreichend war und das Transportfeld aufgebaut werden konnte.
Cameron wollte gerade die Gefahrenmarkierung übertreten, als sie zögerte. Sie fuhr herum und ging schnellen Schrittes auf General Connor zu. Bei ihm angekommen legte sie die Unterarme auf seine Brust, stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn Zärtlich auf den Mund.
John Connor war erschüttert und immer noch wie gelähmt als Cameron bereits rückwärtsgehend die Transportzone betrat. „Ah...", war alles was er hervorbrachte.
Dann baute sich das Transportfeld auf und Camerons Gestalt verschwamm in den Entladungen purer Energie.
John und Cameron unterbrachen nie den Sichtkontakt. Noch Minuten nachdem sie in der Zeit verschwunden war und alle Anderen den Raum bereits verlassen hatten stand er noch dort und starrte auf die gleiche Stelle.
