Kapitel 11. Flammen des Herzen

Perspektivenwechsel Hermine Granger

Ich spüre, dass dein Herzschlag immer schwächer wird, dennoch kann ich nichts weiter tun als deinen Kuss zu erwidern. Immer mehr meiner Tränen fliessen an meiner Wange hinunter und zerspringen auf deinem Gesicht in Tausende von Teilen. Ich löse mich erst von deinen Lippen, als dein Herz zu schlagen aufgehört hat. Ich bette deinen Kopf wieder in meinen Schoss und vergrabe mein Gesicht in deiner zerrissenen Kleidung.

„Bitte Wren, Shea, könnt ihr nicht etwas unternehmen? Egal was, aber unternehmt bitte etwas, ich will nicht von ihm getrennt sein", frage ich die beiden magischen Geschöpfe verzweifelt, als sie sich neben mir niedergelassen haben, mit rauer, von Schluchzern unterbrochener Stimme. Die beiden blicken sich tief in die Augen. Ich habe das Gefühl, dass sie eine stille Unterhaltung führen, ohne Worte, nur mit ihren Blicken. Nach einer Minute des Schweigens erhebt sich Shea von seinem Platz, macht zwei kräftige Flügelschläge und lässt sich wieder nieder, doch nun vor mir und deinem leblosen Körper. Er senkt sein Haupt, stösst einen schrillen, traurigen Ton aus und lässt zwei seiner silbernen Tränen auf deine und meine Wunden fallen. Ein warmes Kribbeln durchzieht meinen Körper und überall, wo ich es spüre bleibt meine Haut geheilt zurück. Auch die Wunden auf deinem Körper verschwinden, dennoch sehen wir in unseren zerfetzten Kleidern immer noch bemitleidenswert aus.

Noch einmal blicke ich mich auf den Ländereien um. Viele der vereinzelten Kämpfe toben immer noch, doch einer von ihnen zieht meine Aufmerksamkeit auf sich. Es sind gut zwei Dutzend Todesser, die es mit zwei Gegnern aufnehmen. Rücken an Rücken stehen sie, Professor McGonagall und deine Tante Petunia, mit erhobenen Zauberstäben. Nacheinander fallen immer mehr der Todesser zu Boden, nur ihre zwei Gegnerinnen scheinen keinerlei Schwäche zu zeigen. Sie helfen sich gegenseitig, halten der jeweils anderen den Rücken frei.

Doch ich wende meine Aufmerksamkeit nun wieder Shea zu, der seit kurzem eine Melodie trällert. Es ist die schönste, wohlklingenste und beruhigenste, die ich je vernommen hab. Doch statt Freude, Liebe oder Freundschaft zeigt sich in ihr nur Trauer, Einsamkeit und Verlust.

Immer lauter wird die Melodie des Phönix und immer mehr der magischen Wesen auf den Ländereien stimmen in diese traurige Melodie mit ein. Doch die, die über eine Stimme verfügen beginnen nun ein Lied anzustimmen:

„Itsuka, kanna hi ga kuru to yokan shita...?

Koi ni tomadou kokoro yurete itai hodo"

Vereinzelte Kämpfe wurden unterbrochen und die Duellanten geben sich der faszinierenden Musik hin. Zu ihnen gehören auch die beiden Freundinnen, Minerva McGonagall und Petunia Evans-Dursley, die sich lauschend in einem Haufen bewusstloser Todesser nach dem Urheber dieser Melodie umschauen, doch es scheint, als würde Sheas Melodie auf den gesamten Ländereien widerhallen.

„Daremo kidzukanai fukai kanashimi mo

Nazeka tstawatte shimau"

Schon bald sind alle Geister Hogwarts ausserhalb der Mauern erschienen und stimmen in das Lied mit ein. Selbst im Verbotenen Wald zeigen sich die ersten Bewohner. Einhörner, Feen, Baumgeister, Thestrale, selbst die Zentauren und Aragog mit seinen Spinnenkindern schliessen sich der Musik an.

„Maru de saiai no hito no you ni"

Kleine Unregelmässigkeiten sind im See zu erkennen, die sich weiter ausbreiten und sich an den Ufern brechen. Immer weiter breiten sich die Wellen auf dem See aus und immer mehr gesellen sich hinzu. Einer nach dem anderen tauchen die Wassermänner und –Frauen auf und erheben ihre zauberhaften, reinen Stimmen, die zum ersten Mal in der Geschichte ausserhalb des Wassers zu vernehmen sind, um mit den anderen Wesen und Geistern der Umgebung mitzusingen.

„Watashi to ui chiisa na hoshi

Hitoshizuku no ai ga mebaeta

Ushinau mono osorete wa tatakaenai"

Wren breitet ihre Sphinxflügel zu voller Grösse aus, setzt sich in dieselbe Stellung wie die Steinsphinx in Ägypten und beginnt mit ihren Flügeln zu schlagen. Ein kleiner Wirbel entsteht und verdeckt mit dem aufgewirbelten Staub die Sicht auf sich. Erst nachdem sich der Staub gelegt hat, erkennt man, was sich im neben Wren im Mittelpunkt des Wirbels befindet. Es ist eine gut zehn Zentimeter grosse, fein gearbeitete, mit Details ausgearbeitete Steinfigur.

„Tsuki ni inori Hoshi ni inori

Yukubeki michi mune ni kizamu

Namida ga atsuku naru wake wa…

Unmei no Piece of Love

Magurieta Piece of Heart"

Die Augen meiner Freundin verengen sich zu schmalen Schlitzen, während sie die Steinstatue vor sich anvisiert. Unauffällig kurz verfärben sich ihre Augen gold, doch kaum jemand der staunenden Zuschauer scheint es zu bemerken. Es scheint aber seine Wirkung zu zeigen, denn die Figur beginnt zu wachsen. Erst ist sie so gross wie Wren, bald so gross wie Ron, doch sie wächst ununterbrochen weiter, bis sie fast eine Höhe von zweieinhalb Metern erreicht hat.

„Subete miseta nara kokoro ubawareru…?

Keredo nugisutete yukeru

Sore wa saiai no Hito to dakara"

"Du hast mich gerufen, Tochter der Bastet?"

„Das habe ich, oh Anubis, Richter über das Totengericht. Bitte helft uns!"

„Wie du wünschst, doch du bist dir des Preises bewusst, Tochter der Bastet."

Die Ohren des Gottes legen sich an sein schwarzes Schakalhaupt, bevor er mit einer fremdsprachigen Beschwörung beginnt.

„Ookisugiru yume wa tooku tachidomaru wake ni wa ikanai

Watashi no kokoro dake mitasu ai naraba…?"

Mit ausgebreiteten Armen steht er da. Doch schon bald sind vier Konturen zu erkennen. Die erste, die schon jetzt klar zu sehen ist, besitzt das Aussehen eines gewöhnlichen Menschen. Doch die anderen drei haben nur den Körper eines Menschen, doch die Köpfe sind die von Tieren. Die Köpfe eines Hundes, eines Affen und eines Adler zieren ihre Körper. Wenn ich mich nicht über Ägypten schlau gemacht hätte, seit Wren an meiner Seite ist, wüsste ich gar nicht wer vor mir steht, aber so ist es mir klar. Es sind die Horussöhne, Amset, der den Menschenkörper besitzt, Kebehsenuef mit dem Falkenkopf, Hapi, der Mensch mit Pavianhaupt und Duamuter mit dem Schakalkopf.

„Kaze ni inori ame ni inori

Arashi wo ima yokan shitemo

Saigo wa hitotsu ni naru no ga…

Hontaou no Piece of Love

Deau tame no Pain of Love"

Inzwischen ist auch eine mannshohe Waage erschienen. Aus purem Gold ist sie gefertigt und mit zahlreichen Hyrogliphen verziert. Daneben sitzt ein Mischwesen, ein Geschöpf mit dem Hinterteil eines Nilpferdes, dem Vorderteil eines Löwen und dem Haupt eines Krokodils. Auf der anderen Seite stehen zwei weitere Personen, ein Mann und eine Frau. Der Mann ist etwas kleiner als Anubis und trägt den Kopf eines Ibis. Es ist der Schreiber des Totengerichts, der Mondgott Thot. Neben ihm steht eine wunderschöne, anmutige Frau mit einer schneeweissen Feder auf ihrem Haupt. Es ist die Göttin der Wahrheit, Maat.

Hinter dem steinernen Thron stehen zwei weitere Göttinnen. In Gestalt zweier Weiher stehen sie da und trauern. Ihre Arme sind mit einem Gefieder bedeckt. Es sind die beiden Göttinnenschwestern Isis und Nephtys. Doch der Thron erregt in diesem Moment meine Aufmerksamkeit. Denn auf ihm sitzt nun der Herrscher des Totengerichts. Der Bruder von Isis und Nephtys, Osiris.

„Watashi to ui chiisa na hoshi

Hitoshizuku no ai ga mebaeta

Ushinau mono osorete wa tatakaneai"

Noch ein letztes Mal blicke ich suchend über die Ländereien. Ich erkenne einige meiner Freunde die versuchen sich einen Weg zu mir und meinen beiden Gefährten zu bahnen. Neville, der liebevoll seine Partnerin Aki stützt, das sie einen ihrer eigenen Pfeile im Bein stecken hat, der wahrscheinlich von einem Zauber unbemerkt zurückgeschleudert wurde.

Ich bemerke auch Draco mit hochrotem Kopf, da er soeben von innigen Küssen Ginnys überhäuft wird, die den Tränen nahe steht.

Und Ron, der Atlanta an der Hand und nach den anderen beiden rufend auf mich zueilt.

Albus, Minerva und Petunia, die eilig einige der restlichen stehenden Auroren und Lehrkräfte einsammeln, um sich mit ihrer geballten Macht einen Weg hierhin zu bahnen.

Mit schillernden Tränen in den Augen nehme ich deine leblose Hand in meine und reisse den Blick von ihnen, von denen, die zu unserer Rettung herbeieilen. Doch für dich kommt jede Rettung zu spät. Die Welt ist von der Tyrannei Voldemorts befreit, doch dies hat ein grosses Opfer gefordert. Das Opfer dessen, der in den letzten Jahren in der Zaubererwelt die letzte Hoffnung verkörpert hat.

Das Opfer von Harry James Potter!

„Tsuki ni inori hoshi ni inori

Yukubeki michi mune ni kizamu

Namida ga atsuku naru wake wa…

Unmei no Piece of Love

Megurieta Piece of Heart"

Nach beenden der letzten Strophe bricht die Melodie des Phönix abrupt ab. Stille breitet sich auf den Ländereien aus. Dort wo zuvor noch eine Ansammlung ägyptischer Götter zu sehen war, liegen jetzt nur noch vier leblose Körper, der einer anmutigen Sphinx, eines leuchtenden Phönix und die zweier sich ewig Liebenden.