Severus Snape stand auf dem höchsten Turm von Hogwarts. Unter ihm lag ein verwundetes, zerstörtes Land.

Nach der Verhaftung Snapes, hatte Voldemort die Situation genutzt und versucht das Schloss zu stürmen.

Aber die Schüler und Lehrer wehrten sich mit allen Mitteln und was auch immer versucht wurde, die Schule fiel nicht.

Das Ministerium war in der Hand des Ministers, der sich ebenfalls erfolgreich verteidigte.

Voldemort sah in dieser Situation nur noch rot. Er veranstaltete ein Gemetzel in Hogsmeade und tötete jeden, der sich ihm und seinen Gefolgsleuten in den Weg stellte.

Verbrannte Erde nannte man das in der Menschenwelt.

Genau diese hinterließen der Dunkle Lord und seine Gefolgsleute, als sie bemerkten, dass ein Sieg in weite Ferne gerückt war. Der Gang in den Untergrund war für den Moment der einzige Ausweg.

So gab es am Ende keine Sieger, nur Tote und Verletzte.

Als die Flammen verloschen waren, kehrten die Bewohner kehrten zurück. Sie waren froh einen Neuanfang zu wagen.

Neuanfang. Severus seufzte. Den hatte er sich auch gewünscht.

Aber nun, Monate nach seinem „Prozess" fehlte noch immer jede Spur von Hermine. Dabei hatte er wirklich alles versucht um sie zu finden.

Gemeinsam mit Albus Dumbledore hatte er alle verdächtigen Personen verhört. Hermines Freunde gingen den unwahrscheinlichsten Hinweisen nach.

Nichts.

Lucius wurde ununterbrochen beschattet. Aber der frühere Anhänger Voldemorts war zu geschickt und hatte keinen Fehler begannen. Auf Grund der vielen Gespräche hatte Snape den Eindruck gewonnen, dass dieser etwas wusste. Kleine Informationen und Hinweise zeigten das deutlich. Aber Malfoy war gegen alle Zauberkünste immun.

Am Ende hatte Severus sogar gebettelt. Nichts.

Als letzter Verdächtiger blieb Moody, dessen Verhalten rätselhaft blieb. Was hatte er mit der ganzen Sache zu tun? Die Auroren hatten lange zusammengesessen und ihn verhört, aber er gab sich vollkommen unschuldig.

In allen Gesprächen kam sein Hass auf Snape zum Ausdruck, aber warum sollte er sich an Hermine vergreifen. An einer jungen, schwangeren Frau.

Manchmal fragte sich Severus, ob sein Leben überhaupt noch einen Sinn hatte. Vielleicht war Hermine schon längst tot.

Aber Dumbledore und Minerva halfen ihn aus diesen Phasen immer wieder heraus. Und sogar Harry Potter gelang es, ihn davon zu überzeugen weiterzumachen. Irgendwo da draußen war Hermine. Schwanger, allein, einsam.

Er musste sie finden. Er musste.

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Hermine lag in einem großen Bett und starrte die Decke an.

Mit einer Hand fuhr sie über ihren stark gewölbten Bauch.

Das Baby würde bald kommen und mit jedem Tag wuchs ihre Angst davor.

Würde man ihr es wegnehmen?

All die Monate war das Baby der einzige Grund gewesen am Leben zu bleiben. Nicht aufzugeben, sondern weiterzumachen.

Was war heute für ein Tag?

Wieviel Zeit war seit dem Tag der Entführung vergangen, an die sie sich noch sehr genau erinnern konnte.

Rückblick

Sie hörte Severus panischen Schrei, dann packte Moody ihren Arm und alles um sie herum versank im Nebel.

Als sie später aufwachte, befand sie sich in einem vergittertem Raum.

Es war warm, wärmer als in England und auch die Geräusche, die sie hörte, bewiesen ihr, dass sie weit weg von zu Hause war.

Sie begann zu schreien, um Hilfe zu rufen. Stundenlang. Niemand kam.

Schließlich brach sie weinend und erschöpft zusammen und schlief auf dem Fußboden ein.

Als sie am nächsten Morgen aufwachte, lag sie im Bett. Auf einem Stuhl lagen saubere Kleidungsstücke und auf dem Tisch stand ein Tablett mit Essen.

Hermine ging zum Tisch, aß und trank. Nicht für sie – sondern für das Baby.

Als sie jemanden hörte, lief sie zur Tür.

„Hallo. Wer ist da? Bitte lassen Sie mich frei."

Aber niemand kam.

Ende der Erinnerungen

Die Weihnachtszeit in Hogwarts war immer etwas besonders.

Die Kleinen bastelten Geschenke und die Großen – na ja, sie machten ihre Witze darüber, aber insgeheim „arbeiteten" auch sie an ihren Überraschungen.

Drei ehemalige Hogwartsschüler saßen vor dem großen Kamin in einem der neuen Aufenthaltsräume, die allen Schülern zugänglich waren. Natürlich gab es noch immer die Häuser, aber die Lehrer bemühten sich die Gemeinsamkeiten der Schüler zu fördern und Freundschaften über die Häuser hinaus entstehen zu lassen.

Im Moment allerdings waren die Drei allein. Es war fast wie früher, aber jetzt war es Ginny, die hier war und nicht Hermine. Seit deren Verschwinden traf man sich wöchentlich auf Hogwarts um die neuesten Erkenntnisse auszutauschen. Snape hatte ihnen gesagt, wann das Baby kommen würde und alle hatten Angst, dass man Hermine nach der Geburt etwas antun würde.

Im Laufe der letzten Wochen hatten sich die Mitglieder des Ordens darauf verständigt, dass das Baby der entscheidende Part in der Entführung sein musste.

Vielleicht wollte man es als Faustpfand gegen Snape benutzen oder noch schlimmer, auf die dunkle Seite ziehen. Ein Gedanke, den niemand auszusprechen wagte, bevor es Snape selbst tat. Irgendwann hatte dieser eingesehen, dass es nur gemeinsam ging. Und deshalb auch dieses Treffen hier.

Täglich kamen so viele Hinweise, wo man Hermine gesehen haben wollte und allen Hinweisen nachzugehen, verschlang viel Zeit und Organisation. Und sie wollten wirklich jedem dieser Hinweise nachgehen.

So hatte man mit Snape verabredet, die Organisation und die Auswertung der Hinweise vorzunehmen.

Auch heute hatten sie 10 Eulen mit den Nachforschungen bekommen. Leider hatte niemand Spuren von Hermine gefunden.

Harry seufzte.

„Sie kann doch nicht einfach vom Erdboden verschwunden sein. Ich verstehe das nicht."

Ginny rutschte zu ihm hinüber.

„Sie muss irgendwo sein. Wir müssen sie finden."

Genau in diesem Moment öffnete sich die Tür und Snape kam herein. Er hörte nur die letzten Worte.

„Wieder nichts?"

Die Drei schüttelten ihre Köpfe.

Niedergeschlagen setzte sich Snape in einen der Sessel.

Jedes Mal waren seine Hoffnungen so hoch und jedes Mal wurde er wieder enttäuscht.

Auch jetzt war es Ginny, die ihn zu trösten versuchte. Aber er schüttelte ihre Hand ab. Niemand konnte ihn trösten. Er wollte Hermine wieder haben und sein Baby.

„Können Sie allein weitermachen? Ich fühle mich nicht so gut."

Die Drei bemühten sich ihn in ihre kleine Gruppe einzubeziehen, aber sie wollten ihn auch nicht zwingen.

Da kein Widerspruch kann, stand Snape auf und verlies den Raum. Langsam und gebückt wie ein alter Mann.

Als sich die Tür hinter ihn schloss, brach es aus Ginny hervor.

„Wenn wir Hermine nicht bald finden, dann wird er langsam sterben. Ich weiß, dass es sich dramatisch anhört. Aber die Hoffnungslosigkeit frisst ihn auf."

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Hermines Tage verliefen immer gleich.

Ihre Gefängniswächter sah sie regelmäßig, aber die wechselten nie ein Wort mit ihr.

Unter ihrer Aufsicht durfte sie einmal am Tag einen Spaziergang in dem sehr kleinen Garten unternehmen. Sie prägte sich alles ein, hoffte auf eine Fluchtmöglichkeit, hatte aber nie eine Gelegenheit gefunden.

Ihr Bauch wurde immer dicker und die Bewegungen des Babys stärker. Sie konnte die Fußtritte inzwischen nicht nur fühlen, sondern auch sehen. Die Veränderungen in ihrem Körper faszinierten sie. Sie sprach leise mit ihr oder ihm, lobte die Aktionen. Selbst wenn sie eigentlich schlafen wollte. Aber das war ja egal. Sie verbrachte den Tag sowieso mit nichts tun. Sie las laut aus den Bücher vor, hoffte das Baby würde zu hören und sich nicht immer nur bewegen. Das half ein paar Tage, aber dann kannten beide die Geschichten und der Protest des Babys gegen die Langeweile begann erneut.

Und heute hatte sie wirklich genug davon.

Sie legte ihre Hand auf den Bauch und begann laut zu schimpfen.

„Wie oft haben wir darüber geredet. Wie oft habe ich gehofft, dass du dich benimmst und mich schlafen lässt. Wie oft? Und was passiert, nichts. Ich bin deine Mutter. Du hast auf mich zu hören. Verstanden?"

Das Baby war einen Moment ruhig und dann kam ein Tritt. Und noch einer. Hermine hatte das Gefühl, dass man sie überhaupt nicht ernst nahm.

„Du lachst über deine Mutter? Weißt du was? Dein Vater würde so etwas nie zulassen. Niemals. Er würde sagen, dass du mich respektieren solltest. Ja, das würde er."

Hermine wusste, dass sie das alles nicht von dem Baby verlangen konnte, aber sie war wirklich so genervt.

„Also entweder, du benimmst dich oder ich werde deinem Vater erzählen, was du hier anstellst. Und dann wird er mit dir reden. Genau, das werde ich tun."

Sie war mit sich zufrieden. Vielleicht hatte sie nun ein wenig Ruhe.

Plötzlich drehte sich alles um sie herum. Sie hielt sich am Sessel fest. Im nächsten Moment wurde alles schwarz um sie herum.

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Severus öffnete die Tür zu seinen Gemächern. Er schlief noch immer in seinen alten Räumen in den Verliesen des Schlosses. Hier fühlte er sich Hermine besonders nahe und konnte ungestört seinen Erinnerungen nachhängen.

Er begann sich auszuziehen. Vielleicht sollte er etwas Schlafpulver nehmen?

Besser nicht.

Stattdessen stellte er sich an den Kamin. Auf dem Sims standen Bilder von Hermine und es war ein abendliches Ritual geworden, mit den Bildern zu sprechen.

Plötzlich blitzte es hinter ihm auf. Dann noch einmal.

Und plötzlich, wie durch einen Nebel sah er Hermine. Sie hatte ihre Hand auf ihren Bauch gelegt und bewegte ihre Lippen. Er konnte es sehen, hörte aber nichts.

Langsam wurde das Bild immer deutlicher und er verstand was sie sagte.

„Also entweder, du benimmst dich oder ich werde deinem Vater erzählen, was du hier anstellst. Und dann wird er mit dir reden. Genau, das werde ich tun."

Es war kein Traum, dachte Severus. Er wusste plötzlich, dass genau dies irgendwo geschah.

Vielleicht konnte er Kontakt zu ihr aufnehmen.

„Hermine. Hörst du mich?"

Er sah, wie sie zusammensank. Und verschwand.

„Hermine?"

Er wartete ein paar Sekunden.

„Ja. Severus. Bist du das?"

Er ging auf sie zu und berührte sie. Aber es war als tauchte er seine Hand ins Wasser. Sie war nicht wirklich da, nur ein Abbild.

Er war wie ein Wunder.

„Ich bin es. Kannst du mich hören?"

Er sah sie nicken.

„Und sehen?"

„Nein. Aber ich höre deine Stimme. Vielleicht werde ich langsam verrückt."

„Dann sind wir beide verrückt. Ich höre und sehe dich. Du siehst wunderschön aus. Und sehr schwanger."

„Allerdings. Sag es ruhig. Ich bin dick geworden."

„Du bist schwanger, nicht dick."

Plötzlich hatte er Angst, dass sie wieder verschwinden würde.

Wieso konnten sie plötzlich miteinander kommunizieren? Was war passiert?

„Wieso können wir plötzlich miteinander reden?Irgendetwas hast du getan. Was genau? Erzähl es mir, vielleicht hilft es uns dich zu finden."

Getan? Sie hatte nichts getan, oder?

Aber dann fiel es ihr wieder ein.

„Ich habe mit dem Baby geschimpft, weil es mich nicht schlafen lässt und ihm gedroht, dass du – genau – du wirst ihm sagen, dass es sich besser benehmen soll. Und plötzlich war alles um mich herum schwarz."

„Und du bist hier bei mir gelandet. Hermine, ich glaube, ich weiß was es ist. Das Baby."

Er sah, dass sie ihm nicht glaubte.

„Ich weiß nicht warum und wie, aber ich finde es heraus. Es ist vielleicht ein ganz seltener Zauber. Also, unser Kind hört nicht auf dich. Soll ich mein Glück versuchen ?"

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Nach der Besprechung beschloss Harry allein mit Professor Snape zu sprechen. Ginny hatte Recht. So konnte es nicht weitergehen.

Als er vor der Tür stand, hörte er Snape lachen und reden. Harry trat zurück. Auch wenn es nicht real war, wenn Snape noch lachen konnte, dann war nicht alles verloren. Er würde den Professor mit seinen Erinnerungen allein lassen und morgen wiederkommen.

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„Severus, ich vermisse dich so sehr."

Seit fast einer Stunde war Hermine bei ihm und langsam wurde das Bild schwächer.

„Ich vermisse dich auch. Aber jetzt habe ich wieder Hoffnung. Denk daran was wir besprochen haben."

Sie nickte.

„Severus, Severus. Ich kann dich nicht mehr hören."

Das Bild änderte sich. Er sah sie nun wieder auf dem Stuhl sitzen. Es sah aus, als wenn sie schlief. Er zwang sich dazu das Zimmer anzusehen. Vielleicht half es, den Ort zu finden. Aber nur Sekunden später war alles vorbei und er war wieder allein.