Kapitel 11 Janice

„Wo sind wir Mami ?" fragte Alan besorgt. Es war schon Tag und die Sonne schien zum Fenster herein. Die Sonnenstrahlen bildeten Kringel auf der Bettdecke unter der Angela Redgrave noch schlief, einen Arm um ihren Sohn geschlungen. Vorsichtig blinzelte Alan unter der Decke hervor und musterte das Zimmer in dem sie sich befanden.

Das große Bett in dem sie lagen stand vor dem Fenster und ein klobiger Kleiderschrank bedeckte die gegenüberliegende Wand. Es wirkte alles andere als gemütlich, staubige schrecklich gemusterte Tapeten und der dunkle abgenutzte Holzfußboden ließen das Zimmer eng und stickig erscheinen, doch im Arm seiner Mutter fühlte sich der Junge geborgen. Vorsichtig strich er über ihre Wange und gab ihr einen Guten Morgen Kuß. Angela wachte sogleich auf und lächelte ihm liebevoll zu, einen Moment lang war auch sie sich nicht sicher wo sie sich befanden und wie sie in dieses fremde Haus gekommen waren.

Der kurze Moment der Verwirrung verstrich und mit aller Macht kehrten die Bilder der vergangenen Nacht zurück und liefen vor ihrem geistigen Auge ab. Sie versuchte die schrecklichen Erinnerungen von sich abzuschütteln als es im nächsten Moment an der Tür klopfte.

„Ja ?" klang es vorsichtig aus ihrem Mund, und ohne dass sie es bemerkt hatte, hielt sie den Zauberstab in der Hand. Langsam öffnete sich die Tür und der Eintretende wurde mit einem überraschten Freudenschrei empfangen

„Professor Dumbledore !!!" Der Genannte trat vollends ein und schüttelte Angela und Alan freundlich die Hände. „Wie ich sehe seid ihr beide einigermaßen wohlauf, und du junger Mann freust dich sicherlich schon auf Hogwarts."

Dumbledore bemühte sich darum Angela und ihren Sohn auf leichtere Gedanken zu bringen, was ihm allerdings bereits durch seine bloße Anwesenheit gelungen war. Sogleich wurde er mit Fragen bombardiert. Beschwichtigend hob er die Hände

„Laßt mich in Ruhe erklären ! Ihr befindet euch hier im Hauptquartier des Phönixordens, letzte Nacht haben fünf Todesser versucht euch zu töten, was glücklicherweise von zwei unserer Ordensmitglieder verhindert werden konnte."

„Aber…was wollten die von uns…und woher kam dieser Mann so schnell ? Ich meine wir leben ja nicht gerade an einer vielbegangenen Straße. Das ist alles so merkwürdig, wenn Sie nicht hier wären, dann würde ich mich hier alles andere als sicher fühlen." sprudelte es aus Angela heraus.

„Nun, die Sache ist alles andere als klar. Auch ich konnte noch nicht alle Details herausfinden, doch ich glaube zu wissen warum ihr überfallen wurdet. Es hat mit deiner Schwester Janice zu tun."

„Janice ?" kopfschüttelnd und mit offenem Mund starrte Angela ihren ehemaligen Direktor an. Alan verstand nur Bahnhof und blickte nur zwischen seiner entsetzten Mutter und dem weißbärtigen Zauberer hin und her.

Janice lebt seit einigen Tagen bei uns im Phönixorden, sie kennt ihre wirkliche Herkunft nicht und ist bei einer Muggelfamilie aufgewachsen. Ihr Name ist Liliana und sie besitzt außergewöhnliche Fähigkeiten die mit nichts in der Zaubererwelt zu vergleichen sind. Sie ist es der ihr euer Leben zu verdanken habt."

Angela fiel zu Boden und ihr Sohn quiekte erschrocken auf.

„Nur eine kleine Ohnmacht Alan, es ist alles in Ordnung !" beruhigte ihn der Schulleiter während er Miss Redgrave mit einem Schwebezauber auf das Bett legte und kurz ihren Atem überprüfte. Es dauerte auch wirklich nicht lange bis sie Ihre Augen aufschlug und verwundert nach Luft schnappte.

„Janice" flüsterte sie nun. „Nein Professor Sie müssen sich irren, das… ist einfach nicht möglich !" sie wollte überzeugend klingen, wusste jedoch selbst dass sie sich etwas vormachte wenn sie Dumbledore keinen Glauben schenkte.

„Seit wann wissen Sie das ?"

„Seit zwei Tagen, wobei ich dazusagen muß, dass ich die verschiedenen Puzzleteile schon über einen längeren Zeitraum zusammentrage. Genau genommen seitdem mir Liliana, also Janice, das erste Mal begegnet ist"

„Und…wo ist sie jetzt ?" wollte Angela wissen und auch Alan hatte die Ohren gespitzt. „Nun, es war wohl ein ziemlicher Schock für sie als ich es ihr heute Nacht mitgeteilt habe. Womöglich ist sie noch immer in ihrem Zimmer." „WO ?" wiederholte sie ihre Frage schroff..

Mit einem Lächeln antwortete Dumbledore ruhig „Ihr werdet sie bald kennen lernen, doch ich finde sie sollte selbst entscheiden wann sie dazu bereit ist. Und jetzt…" ein scharfer Blick traf Angela die gerade wieder aufbrausen wollte, jedoch davon absah als sie dem Schulleiter ins Gesicht blickte, „sollten wir nach unten zum Frühstück gehen, ihr seid sicher hungrig." Bei diesen Worten öffnete er die Tür und geleitete die beiden in die Küche.

Trotz des Lärms den Lana veranstaltet hatte als sie in der Nacht Snape, McGonagall und Lupin aus den Betten trommelte, hatte niemand sonst die Ereignisse mitbekommen. So war es nicht verwunderlich, dass erstaunte und verwunderte Ausrufe durch die Küche hallten als Dumbledore mit Angela und Alan die Küche betrat.

„Guten Morgen." grüßte er gutgelaunt und amüsierte sich köstlich über die Gesichter der Hausbewohner. Angela ließ sich nicht in Verlegenheit bringen und stellte sich vor „Angela Redgrave und das ist mein Sohn Alan. Wir sind heute Nacht angekommen, Professor Dumbledore war so freundlich uns einzuladen." Aller Augen ruhten nun fragend auf Dumbledore.

Als dieser nicht sofort antwortete, ergriff Hermine das Wort „Wir sind uns doch schon mal begegnet, in der Winkelgasse."

Molly musste in dem Moment an das Gesicht von Remus denken welches beim Anblick der schönen Frau so wunderbar unbeherrscht ausgesehen hatte und grinste in ihre Faust. Remus blieb das nicht verborgen und so warf er Molly einen verärgerten Blick zu.

Niemand hatte auf das kleine Zwischenspiel der beiden geachtet, denn Alan und seine Mutter wurden freundlich begrüßt und an den Tisch gebeten wo sie ohne weitere Umstände ihr Frühstück aßen. Die Freundlichkeit der Anwesenden und die lustige Art der Zwillinge ließen die beiden die schlimmen Ereignisse der vergangenen Nacht für eine Weile vergessen.

Alan beobachtete Harry aus den Augenwinkeln heraus, welcher seinerseits Dumbledore musterte. Der Schulleiter räusperte sich kurz und hatte sofort die Aufmerksamkeit aller Anwesenden. Es war ihm nicht entgangen, dass Harry nur so darauf brannte endlich zu erfahren, was es mit Angela und Alan auf sich hatte.

„Minerva, darf ich dich bitten dem jungen Mr.Redgrave hier mit hinauf zu nehmen. Soviel ich weiß muß er noch packen, morgen ist ein großer Tag."

Alan warf seiner Mutter einen unsicheren Blick zu, folgte jedoch der Professorin ohne Widerworte hinaus. Angela verstand Dumbledores Maßnahme und schenkte ihm ein warmes Lächeln. Die Gespräche waren verstummt und aller Augen hingen nun an dem weisen Zauberer.

„Ms. Redgrave und ihr Sohn wurden vergangene Nacht von Todessern überfallen. Ein Ordensmitglied war zufällig in der Nähe und es gelang ihnen hierher zu fliehen. Angela, würdest du uns berichten was genau geschehen ist ?"

Angela hielt ihre Augen gesenkt, sie spürte die neugierigen Blicke und hob leise zu erzählen an. Was sie alle in der nächsten halben Stunde zu hören bekamen, ließ sie erstaunen. Niemand wagte es zu unterbrechen, obwohl jedem Fragen auf der Zunge brannten. Es dauerte einige Zeit bis es ihnen dämmerte wer denn der oder bessergesagt die geheimnisvollen Retter waren. Angela beendete ihre Geschichte damit wie sie von Dumbledore begrüßt worden waren. Was er ihr über Lana und die vermeintliche Verwandtschaft erzählt hatte, behielt sie vorerst für sich.

Schweigen im Walde.

„Entschuldigt mich kurz." kam es da leise von Hermine „Harry, kann ich dich mal sprechen ?" und ein vielsagender Blick von ihr ließ ihn aufstehen. Mit einem unauffälligen Zeichen seiner Hand gab er Ron zu verstehen ihm zu folgen und gemeinsam huschten sie aus der Küche. Sie hörten wie Mrs.Weasley sanft zu Angela sprach als diese in leises Schluchzen ausbrach. Ginny war ihnen mit Fred und George gefolgt, da auch sie nicht wussten was sie Angela sagen konnten. Dumbledore hatte sie alle nur kurz über seine Halbmondbrille hinweg angesehen und ihnen einen eindringlichen Blick zugeworfen.

Einige hastige Schritte treppauf brachten sie vor Lilianas Zimmer. „Ich finde wir sollten sie nicht alle überfallen." flüsterte Hermine und erreichte damit dass die Zwillinge und Ron sich mit einer leise protestierenden Ginny davonstahlen.

Zaghaft klopfte sie an die Tür…keine Antwort. Auch erneutes Klopfen blieb unbeantwortet. Hermine runzelte die Stirn und sah die fragende Miene ihres Freundes. Entschlossen drückte sie also die Klinke hinunter und spähte vorsichtig in den Raum. Eine Stimme ließ sie innehalten und die zwei lauschten.

„Ach Sirius, ich kann das einfach nicht begreifen. Was ist wenn das alles totaler Schwachsinn ist was der Opa sich da zusammengepuzzelt hat ? Und wenn…" Lilianas Blick verdunkelte sich mit einem Mal, es schien als suche sie nach etwas.

Da schoss es aus ihr heraus „Die haben mich alle verarscht !" Lana´s Stimme klang zornig und unendlich verbittert. Sie schüttelte unentwegt mit dem Kopf, ihr ganzer Körper schien unter Spannung zustehen.

Die Tür knarrte, Liliana schreckte hoch und drehte sich zur Tür um. Die Lauscher kamen nun nicht umhin einzutreten, mit roten Wangen sahen sie Lana schuldbewusst ins Gesicht. Ihre betretenen Mienen ignorierend lächelte sie ihnen entgegen, doch es entging keinem von den dreien, dass es ein gespieltes Lächeln war.

Harry ergriff zögernd das Wort „Wir haben gerade erfahren was passiert ist und wollten... nach dir sehen." Liliana wollte etwas lockeres erwidern, doch eine Träne kam ihr dazwischen und sie drehte sich schnell wieder zum Fenster um. Unsicher trat Harry auf sie zu und legte ihr mitfühlend eine Hand auf die Schulter.

„Schon okay" hörte er sie leise sagen. Um von sich abzulenken fragte sie „Willst du es von deinem Paten hören ?" Mehr als einen verblüfften Blick erhielt sie nicht und bevor irgendjemand etwas sagen konnte, verwandelte sie sich im nächsten Moment in Sirius.

Erleichtert schloß Sirius seinen Patensohn in die Arme. „Sie hat´s grad nicht so leicht." versuchte Sirius Lanas Verhalten zu erklären.