Kapitel 10
Nach den Osterferien spitzte sich die Lage noch mehr zu. Theo wollte immer noch nicht mit mir reden und schien plötzlich Dracos bester Freund zu sein. Crabbe und Goyle folgten den beiden wie ein Schatten. Ich weiß nicht, worüber sie redeten, aber ich vermisste den alten Theo wahnsinnig. Ehrlich gesagt hätte ich ihn jetzt wirklich gebraucht, weil ich mich einsamer denn je fühlte.
Mit Blaise konnte man über nichts anderes als Daphne reden. Er war wie besessen davon, dass sie ihn betrog. Er hatte zwar keine Beweise, aber es schien ihm zu reichen. Daphne weigerte sich nach wie vor mit irgendjemandem zu sprechen, aber sie wirkte nicht mehr ganz so betrübt wie noch zu Anfang des Schuljahres.
Die Einzige, die noch so wie immer war, war Pansy. Ihr machte die Arbeit im Inquisitionskommando einen Heidenspaß und sie war ganz besessen von Draco. Sie hatte alles, was sie jemals gewollt hatte, während ich mich allein und nutzlos fühlte.
Als ich eines Nachts nicht schlafen konnte, kletterte ich aus meinem Bett und beschloss einen kleinen Spaziergang zu machen. Es war riskant, da Umbridge jetzt Schulleiterin war und regelmäßig Mitglieder des Inquisitionskommandos sowie Vertrauensschüler patrouillierten, doch ich fühlte eine innere Unruhe in mir, die jeglichen Gedanken an Schlaf verhinderte.
Die Gänge waren menschenleer und dunkel, fast wie eine andere Welt. Die Schatten der Statuen, die sie auf den Gang warfen, jagten mir eine Gänsehaut über den Rücken. Ich blieb in der Mitte eines langen Korridors stehen und blickte mich zu beiden Seiten um. Hogwarts bei Nacht war mir nicht vertraut und ich hatte keine Ahnung, wo ich mich gerade befand. Gerade als ich um eine Ecke bog, stieß ich mit einer Person zusammen und erschrak heftig.
Ein Licht flammte auf und blendete mich so stark, dass ich nichts mehr sehen konnte.
„Astoria? Was bei Salazar..."
Eine Gänsehaut schoss mir über den Rücken. Diese Stimme hätte ich überall erkannt. „Draco." Ich blinzelte heftig und langsam gewöhnten sich meine Augen an das helle Licht.
„Was bei Salazar machst du hier um diese Zeit? Du weißt, dass ich dir hierfür locker 50 Punkte abziehen könnte."
Ich zog die Schultern hoch. „Ich konnte nicht schlafen."
„Scheint, als hätten die Greengrass Schwestern öfters Schlafprobleme", murmelte er mehr zu sich selbst als zu mir.
„Wie meinst du das?" Ich blinzelte heftig die farbigen Punkte, die vor meinen Augen tanzten, weg.
„Sie schleicht hier auch oft herum. Ich lasse sie in Ruhe, aber wenn irgendjemand anders sie mal erwischt, kommt sie wahrscheinlich nicht so gut weg." Er fuhr sich erschöpft durchs Haar. Ich erkannte deutlich die Ringe unter seinen Augen und die Müdigkeit in seinem Blick. Wie lange hatte er jetzt nicht geschlafen?
„Du siehst müde aus", sagte ich leise.
Er rieb sich die Augen. „Ich muss fast jede Nacht patrouillieren."
„Du Armer..."
„Nein, es geht schon. Ich schlafe in letzter Zeit sowieso nicht so gut." Er zuckte mit den Schultern.
„Warum?", fragte ich leise. Wenn ich könnte, hätte ich einfach alle seine Sorgen genommen und sie aus dem Fenster geworfen.
„Nicht so wichtig", entgegnete er achselzuckend.
„Wenn du deswegen nicht schlafen kannst, kann es nicht so unwichtig sein." Ich schlang fröstelnd die Arme um mich.
Er rieb sich erneut die Augen. „Weißt du, eigentlich geht dich das ja nichts an..."
Ich zuckte zusammen, da er mich so plötzlich von sich stieß. Hatte ich mir die anfängliche Vertrautheit des Gesprächs nur eingebildet?
„Wie auch immer", sagte er schnell und seine Stimme klang seltsam distanziert. „Du solltest jetzt lieber in dein Bett und ich muss weiter. Ach ja, und kein Wort, dass ich dich gehenlassen hab."
Ich nickte verwundert und beobachtete, wie er am anderen Ende des Korridors verschwand. Da stimmte etwas nicht. Und es war nicht nur sein Verhalten, das von vertraut und warm so schnell zu kalt und distanziert umschlug.
Ich ignorierte Dracos Warnung und lief weiter durch die leeren Korridore, lauschte den nächtlichen Geräuschen des Schlosses. Als ich leise Stimmen hörte, hielt ich inne und schlich mich neugierig näher. Als ich um die Ecke lunste, entdeckte ich zwei Gestalten in einem mondbeschienenen Gang. Sie redeten leise miteinander, schienen sich auf eine vertraute Weise miteinander zu streiten. Ich erkannte nur an den hellen blonden Locken, die ganz unvergleichlich waren, dass eine davon wohl Daphne sein musste. Sie trug ein dünnes Nachthemd und darüber einen wirklich grässlich gemusterten Pullover. Die Gestalt neben ihr war groß gewachsen, stand aber im Schatten, sodass ich unmöglich erkennen konnte, wer es war. Aber eins wusste ich mit Sicherheit: es war nicht Blaise. Er hatte die ganze Zeit recht gehabt.
Mein Herz klopfte schnell und es tat mir furchtbar leid, dass ich ihm nicht geglaubt hatte. Verdammt, selbst Pansy hatte die Wahrheit gesagt. Dieser Pullover, den Daphne trug, musste dem Jungen gehören.
Oh Merlin, ich war so blöd.
Am liebsten wäre ich sofort losgerannt und hätte mich bei Blaise entschuldigt, aber Daphnes Lachen ließ mich innehalten. Es klang so frei und glücklich wie der Flügelschlag eines Vogels, der gerade aus einem Käfig freigelassen wurde. Konnte ich das zerstören, indem ich Blaise die Wahrheit sagte?
Wieso tat Daphne das? Wieso tat sie Blaise weh, indem sie sich mit einem anderen traf? Mitten in der Nacht.
Ich musste wohl irgendeinen Laut von mir gegeben haben, denn Daphne wandte sich plötzlich um. Ihr Blick richtete sich genau auf mich, aber die Dunkelheit verschleierte meine Präsenz. Alles, was sie sah, war ein Schatten. Als sie ihren Blick wieder abwendete, schlich ich mich vorsichtig davon, bedacht darauf keinen Laut von mir zu geben.
Als ich wieder sicher in meinem Bett lag und meine Gedanken um das, was ich in dieser Nacht erfahren hatte, kreisten, wusste ich nicht, was ich tun sollte. Es wäre wohl das einzig Richtige, es Blaise zu sagen. Andererseits war Daphne meine Schwester und hatte in diesem einen Augenblick so glücklich gewirkt. Was bei Merlin sollte ich tun?
Und was Draco betraf: irgendetwas bahnte sich da an und ich wollte wissen, was. Und vor allem wollte ich wissen, warum er sich immer so seltsam verhielt, wenn wir zusammen waren. Mochte er mich jetzt oder war ich ihm eigentlich egal?
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Als ich Blaise am nächsten Tag in der Bibliothek traf, entschuldigte ich mich sofort dafür, dass ich ihm nicht geglaubt hatte.
Er zuckte mit den Schultern. „Schon okay", entgegnete er.
„Ich hätte dir einfach glauben sollen. Ich meine, du hast bestimmt nicht aus so einer Laune gesagt, dass sie dich betrügt. Du hattest bestimmt deine Gründe." Ich ließ mich neben ihn auf einen Stuhl fallen.
Blaise lächelte. „Und was hat deine plötzliche Meinungsänderung herbeigeführt?"
„Ach, ich hab einfach gründlich darüber nachgedacht", wich ich aus.
„Ach ja?" Blaise zog eine Augenbraue hoch, ging aber nicht weiter darauf ein.
Ich wollte ihm nicht sagen, was ich beobachtet hatte. Zum einen, weil Daphne glücklich gewesen war, zum anderen, weil sie sich überhaupt nicht geküsst hatten. Sie hatte sich einfach nur nachts mit einem Jungen getroffen. Das war doch noch kein Betrug.
Blaise fuhr sich durch sein dunkles Haar. Selbst ich, voreingenommen wie ich war, musste zugeben, dass er wahnsinnig gut aussah und ich konnte verstehen, dass alle Mädchen ihn total toll fanden. Er war groß, gut gebaut und hatte auch noch Charme und Witz. Nun, in letzter Zeit war er vielleicht nicht so zum Scherzen aufgelegt gewesen, aber irgendwo da drin war wohl noch der alte Blaise versteckt.
„Hey, wollen wir vielleicht rausgehen? Die anderen sitzen da auf einer Decke glaube ich", sagte Blaise.
Ich nickte, da ich sowieso nichts Besseres zu tun hatte.
Die Sonne strahlte vom hellblauen Himmel und ließ uns den näher kommenden Sommer erwarten. In der Luft lag der herrliche Duft von Blumen. Die anderen saßen auf einer großen Decke, die Bücher vor ihnen ausgebreitet – jedoch beachtete sie keiner. Es waren nur noch zwei Wochen bis zu den ZAG-Prüfungen und natürlich wollten sie alle bestehen. Da ich die Jüngste war, musste ich mir darum noch keine Sorgen machen. Ich dachte daran, was ich in den letzten zwei Jahren meiner Schullaufbahn machen würde, wenn sie alle nicht mehr an der Schule waren und auch Rose nicht da war. Es würde wohl schrecklich einsam werden.
Blaise setzte sich neben Daphne und schlang seine Arme um sie. Sie machte keine Anstalten, sich zu wehren. Ich fragte mich, ob Blaise sie jemals konfrontieren würde.
Ich setzte mich auf einen freien Platz zwischen Crabbe und Draco. Pansys Kopf lag in seinem Schoß, sie blickte ihn träumerisch an. Draco unterhielt sich mit Theo, der neben ihnen beiden saß. Crabbe und Goyle versuchten verzweifelt, sich Stoff in Kräuterkunde abzufragen und scheiterten vergeblich. Diesen Lernstoff konnte selbst ich.
Unweit von uns, auf einer anderen Decke, saßen Millicent Bulstrode und ihre beiden Anhängsel Tracey Davis und Sophie Roper. Sie hatten es wohl nicht in Dracos Clique geschafft und starrten mich dementsprechend hasserfüllt an. Dass ich nur wegen Blaise hier war, schienen sie wohl zu übersehen.
Ich betrachtete Draco von der Seite, sein blondes Haar, die grauen Augen, und meine Hände begannen zu schwitzen, weil er mir so unglaublich nah war. Ich müsste nur die Hand ausstrecken, um ihn berühren zu können.
„Ich kann nicht fassen, dass es nur noch zwei Wochen bis zu den Prüfungen sind", sagte Pansy laut. „Und ich muss diesen ganzen Mist noch lernen. Baby, kannst du mir wirklich nicht in Zaubertränke helfen? Ich will doch zusammen mit dir in den Kurs..."
Draco fuhr sich mit der Hand durchs Haar. „Vielleicht später, Pansy. Nicht jetzt."
„Aber..."
„Kannst du nicht einmal einsehen, dass die Welt sich nicht immer um dich dreht?" Er sah sie entnervt an.
„Aber... DrayDray..." Pansy biss sich auf die Lippe.
„Müsst ihr immer streiten?", warf Daphne ein. „Könnt ihr nicht einen Moment einfach nur dasitzen und euch normal unterhalten?"
„Wir streiten nicht", entgegnete Pansy mit einem Schmollen auf den Lippen.
Blaise schlang die Arme um Daphne und drückte sie an seine Brust. Unsere Blicke trafen sich kurz. Er lächelte. Anscheinend war er glücklich, dass Daphne sich ihm nicht entzog. Wenn es ihm egal war, dass sie sich nachts mit einem anderen traf, dann war es eben so.
Ich wandte meinen Blick zu Theo und wünschte, er würde mit mir über Rose' Verschwinden reden. Vielleicht würde es ihm helfen, vielleicht könnte ich ihm klarmachen, dass diese Jahre in unserem Klassenraum nicht umsonst gewesen waren. Dass ich ihn gar nicht mehr wiedererkannte, seit er mit Dracos Clique abhing. Aber er würde ja doch nicht auf mich hören.
Plötzlich sah er hoch, unsere Blicke trafen sich und ich konnte einen kurzen Funken des alten Theos in seinen Augen erkennen. Es war jedoch so schnell vorbei, dass ich mich fragte, ob ich mir das alles nicht nur eingebildet hatte, weil ich es sehen wollte.
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Die Prüfungen rückten näher und da alle – einschließlich ich – größtenteils mit Lernen beschäftigt waren, hatte ich nicht besonders oft die Gelegenheit, mit Blaise zu sprechen. Geschweige denn mit Theo.
Die ZAG-Prüfungen waren gerade in vollem Gange, es war die letzte Woche vor den Ferien. Ich hatte schon alle meine Prüfungen des dritten Jahres hinter mich gebracht und saß auf einem Sofa im Gemeinschaftsraum. Draco saß mir gegenüber und las. Wir schwiegen uns an, da keiner wohl so recht wusste, was er sagen sollte, als Millicent Bulstrode sich plötzlich über ihn beugte.
„Umbridge ruft, Draco", sagte sie eindringlich. „Potter ist in ihr Büro eingedrungen."
Fluchend erhob er sich und strich sich die Uniform glatt. Ich wollte etwas sagen, irgendetwas, doch ich fand keine Worte, also beobachtete ich einfach, wie die beiden davongingen.
Es dauerte nicht lange, bis Draco wieder erschien. Er war blass im Gesicht und lief gebückt, als hätte er Schmerzen.
„Was ist passiert?", fragte ich ein wenig panisch.
„Nicht so wichtig", winkte er ab.
„Du hast Schmerzen", stellte ich fest und sprang auf, um ihm zu helfen, doch er schüttelte mich ab.
„Lass mich", fuhr er mich an. „Ich komm schon klar." Er griff nach seiner Tasche, die er liegen gelassen hatte, und stürmte davon.
Später, als wir die Nachricht bekamen, dass einige unserer Väter verhaftet worden waren, herrschte Fassungslosigkeit und Wut. Draco war so rot, dass ich fürchtete, er würde platzen und ich nahm all meinen Mut zusammen und zu ihm zu gehen.
„Hey", sagte ich leise. Er hob den Kopf. „Bist du okay?"
„Sehe ich so aus", entgegnete er wütend.
„Nein", gab ich zu. „Wenn du reden willst..."
„Was gibt es da zu bereden?" Seine grauen Augen bohrten sich in meine. „Vater sitzt im Gefängnis. Mein Vater, verdammt noch mal. Der Mann, von dem ich dachte, er sei..." Er stockte. „Ach, vergiss es."
„Draco", sagte ich leise und legte ihm den Arm auf die Schulter. „Du kannst mir vertrauen. Ich werde niemandem –"
„Halt dich da raus", unterbrach er mich. „Du verstehst mich nicht. Du wirst mich nicht verstehen. Oder sitzt dein Vater gerade in Askaban fest?"
„Nein, aber das ist doch gerade gar nicht der Punkt. Ich-"
„Du bist viel zu jung und naiv, um das zu verstehen. Kapierst du das nicht? Du hast doch gar keine Ahnung!"
Ich starrte ihn verletzt an. „Naiv? Du findest, ich bin naiv? Nur weil ich nicht durch die Schule renne und Leute tyrannisiere? Weil ich nicht den ganzen Scheiß mache, den ihr da abzieht?" Ich spürte die Wut in mir hochsteigen.
„Halt einfach deine Klappe und lass mich in Frieden", entgegnete er leise, so als hätte er keine Kraft mehr.
„Tut mir leid, dass ich helfen wollte", fauchte ich und stürmte davon, während ich verzweifelt versuchte, die Tränen zu unterdrücken, die in mir hochstiegen.
Blind warf ich die Sachen in meinen Koffer, während Tara fragte, was los war.
„Nichts", fauchte ich laut.
Brianna und Makayla tauschten einen kurzen Blick und lachten.
„Der Freak wurde gerade bestimmt von Draco abserviert", kicherte Makayla.
„Halt deine Klappe", rief ich. „Ihr habt doch von gar nichts eine Ahnung."
„Sieh an, sieh an", rief Brianna. „Der Freak –"
Ich knallte meinen Koffer zu, packte ihn und floh aus dem Raum. Keine Ahnung, warum ich so austickte, aber ich nehme mal an, es wurde mir alles zu viel. Pansy, die keine Gelegenheit ausließ, um ihre Überlegenheit zu demonstrieren. Daphne, die mich nicht mit ihr reden ließ. Theo, der sich benahm wie ein Fremder. Draco, der mich naiv nannte und so tat, als würde ich rein gar nichts verstehen. Blaise, der nur noch Daphne im Kopf hatte.
Als wir in Hogsmeade am Bahnsteig standen, hatte ich mich bereits beruhigt. Ich setzte mich zu Dracos Clique in das Abteil – wo hätte ich sonst hingehen können? – und vergrub mich hinter einem Buch. Der Großteil der Fahrt war überschattet von der Wut und der Enttäuschung der Schüler von uns, deren Väter hinter Gittern saßen.
Draco, Crabbe und Goyle verschwanden, um sich an Harry und den anderen DA Mitgliedern zu rächen. Es würde zwar nichts an der Situation ändern, aber wahrscheinlich half es ihnen, einen Teil ihrer Wut abzubauen. Ich nutzte die Möglichkeit, um kurz mit Theo zu reden, der einfach starr aus dem Fenster sah und die ganze Fahrt über mit niemandem geredet hatte. Hätten wir gewusst, dass der Albtraum erst anfing... Ich weiß nicht, es hätte einiges geändert.
„Theo?"
Er reagierte nicht, aber ich war mir sicher, dass er mich klar und deutlich hörte.
„Wo bleibst du jetzt? Ich meine, über die Ferien... Wenn dein Vater..."
Er fuhr herum, das Gesicht ausdrucksloser denn je. „Ich werde bei den Malfoys wohnen."
„Bei deinem neuen besten Freund?", fragte ich. Ein wenig Spott schwang in meiner Stimme mit.
„Hast du ein Problem damit?", entgegnete Theo. Er sah wieder aus dem Fenster.
„Ich will doch nur, dass du wieder so mit mir redest wie früher. Seit Rose–"
„Wage es nicht, ihren Namen noch einmal zu sagen", fuhr er mich an. „Es wird nie wieder so sein wie früher. Diese ganze Welt ist so am Ende..."
„Weißt du was?", sagte ich leise. „Ich bin mir sicher, sie wäre enttäuscht von dir. Sie hat dich wirklich gern gehabt. Den wahren Theo zumindest."
„Hör auf, Astoria. Hör einfach auf. Ich ertrage das nicht."
„Theo, bitte..."
„Lass es einfach sein. Du kannst nicht immer alle retten. Das muss dir mal in deinen sturen Kopf rein. Nicht alle Menschen wollen deine verdammte Hilfe. Mach es nicht noch schlimmer, als es ist." Er funkelte mich an.
„Aber ich will doch nur..."
„Das Leben ist keine Wunschfabrik, verdammt. Gib einfach auf. Ich bin fertig."
„Womit?"
„Mit allem."
Ich biss mir auf die Lippe und wandte mich ab. Es hatte ja doch keine Zweck mehr. Der Dunkle Lord war zurück und manche von uns waren jetzt schon kaputt. Theo, Daphne, sogar Draco. Verdammt, wie sollten wir das stemmen? Ich glaube, auf unseren Schultern lag eine größere Last als auf denen der anderen. Jedes Wort, das wir sprachen, jede Handlung hätte das Ende unserer Familie bedeuten können. Zwei Jahre lang führten wir ein Leben, in der jede Sekunde unsere letzte hätte sein können. Natürlich hatten einige mehr zu verlieren als andere, aber man konnte unseren Verfall langsam beobachten.
Draco war der Erste.
