Linger
Kapitel 11
Der Schmerz der inneren Zerrissenheit kehrt in mich zurück, als er sich von mir frei macht und seine warmen Lippen zärtlich auf meinen Scheitel drückt. Es fühlt sich unweigerlich nach Abschied an. Doch ich möchte nicht gehen, genauso wenig kann ich bleiben. Alles in allem ist es nach diesem unglaublichen Kuss nicht leichter für uns. Ich weiß, es ist an der Zeit, dass ich dahin zurückkehre, wo ich hingehöre. Die Gefühle in mir sagen aber eindeutig etwas anderes.
„Noch nicht, Severus."
Seine Hände legen sich auf meine Schultern und streicheln mich beschwichtigend.
„Du musst. Wir können nicht ewig hier bleiben."
Aus einer anderen Perspektive betrachtet klingen seine Worte zu schön, um wahr zu sein. Wie ein trotziges Kind schüttle ich den Kopf, will wieder fest meine Arme um ihn schlingen und bis in alle Ewigkeit an seinen Körper geschmiegt in diesem Zimmer stehen. Hätte ich früher schon gewusst, dass mir das eines Tages widerfährt, hätte ich mich für verrückt erklärt. Doch jetzt bin ich leibhaftig hier, unmittelbar vor ihm, und weiß wieder einmal nicht, wie es mit uns weitergeht.
Die Stille, die mir in seiner Nähe so vertraut geworden ist, wird zur Verlegenheit. War ich zu voreilig? Zu kühn? Wie konnte ich mir nur einbilden, dass es irgendwie funktionieren wird?
Es überrascht mich kaum, dass er dasselbe zu denken scheint, denn in ihm brodelt es unaufhörlich, und ich bin froh, dass er den Anfang macht, so brauche ich mir wenigstens nicht den Kopf darüber zerbrechen, was ich sagen soll. Ja, viel zu schnell verlasse ich mich auf ihn. Und verdränge es wie immer. Es gibt nicht viele Menschen, die mich so an sich fesseln können wie er.
In unausgesprochener Übereinkunft nimmt er meine Hand in seine, die warm und liebevoll zu mir ist, und führt mich zu einer unauffälligen kleinen Tür, ohne Zweifel ein Durchgang zu seinen privaten Gemächern.
Ein furchtbares Klischee spielt sich bei ihrem Anblick in meinem Bewusstsein ab. Als wir sie jedoch erreichen, komme ich nicht umhin, zu schmunzeln: Er muss ein ganzes Stück den Kopf einziehen, um durchzupassen.
Wir setzen unseren Weg stumm fort, lassen sein Büro hinter uns, bis wir in einem von einzelnen Kerzen erhellten Raum stehen. Es ist sein Wohnzimmer.
Sanft drückt er meine Hand, dann lässt er sie los und nimmt seinen Umhang von den Schultern, den er, rasch zusammengefaltet, über die Lehne eines in der Nähe stehenden Sessels legt.
Ich komme mir komisch vor. Es ist eine Sache, in seinem Büro zu sein, eine ganz andere jedoch, seine Privaträume zu betreten. Noch dazu, wo er gemeinhin bekannt nicht besonders gesellig ist und bestimmt so gut wie nie Besuch hier unten hat.
Von einer beklommenen Nervosität ergriffen, klemme ich, anstatt mich neugierig umzusehen, meine Unterlippe zwischen die Zähne und lasse ihn nicht aus den Augen. Ohne seinen sich bei jeder schnellen Bewegung hinter ihm bauschenden Umhang sieht er gleich noch viel schmäler aus. Ein Anblick, den man nicht allzu oft vor sich hat.
Aufrecht wie ein in der Zimmermitte emporragender Baum wendet er sich mir mit einem einzigen Schwung zu, ein ernstes Gesicht zur Schau stellend, auf dem sich die zwei zu einer dünnen Linie verzogenen Lippen beim Sprechen kaum bewegen.
„Ich werde nicht mit dir schlafen, falls du das im Sinn hast. Du kannst bleiben, aber unter dieser Bedingung."
Bedröppelt nicke ich. Ich bin mir unschlüssig darüber, ob ich es mag, so vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, wobei ich mir keine Illusionen mache, ihn umstimmen zu können. Wir werden auch so eine schlaflose Nacht vor uns haben, nachdem wir beim Küssen eine derartige Chemie entwickelt haben. Wäre das Ganze nicht ohnehin schon eine einzige Ironie, würde ich ihn sogar jetzt für seine Entschlossenheit bewundern. Warum muss er jedes Mal, wenn er in die Gewohnheit verfällt, den strengen Lehrer zu mimen, nur so verflucht teuflisch sexy aussehen?
Nachdem ich einen kurzen Rundumblick über das Wohnzimmer geworfen habe, an dessen Wände sich fast ohne Ausnahme imposante Regale mit Büchern reihen, zeigt er mir das Bad und das Schlafzimmer. Jeder Raum für sich ist schlicht und von seinem einfachen Lebensstil geprägt, ohne Prunk oder verspielten Kitsch. Vielleicht sogar etwas gewöhnungsbedürftig, wenn ich an meinen gemütlichen Gryffindor-Turm denke.
Schließlich stehen wir vor seinem Bett. Auch in seinem Schlafzimmer stammt das Licht ausschließlich von Kerzen, die ein behagliches Gefühl in mir hervorrufen. Verstohlen luge ich zu ihm hoch und überlege, ob ich zuerst die Arme um ihn legen oder das Bad benutzen soll. Ich entscheide mich wehmütig für das letztere, da ich später jeden Augenblick mit ihm genießen will.
Obwohl ich mich im Badezimmer beeile, kommt es mir viel zu lange vor, für die paar Minuten, die ich brauche, um mich frisch zu machen, von ihm getrennt zu sein. Die auf mich wirkende Anziehungskraft dieses Mannes ist geradezu verstörend. Vielleicht deshalb, weil mir immer mehr bewusst wird, wie einsam er hier unten lebt. Besonders in den vergangenen Tagen ist mir aufgefallen, dass er sehr viel Zeit in den Kerkern verbringt. Selbst sein Büro hat er ob des Wechsels zum Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste behalten wie gewohnt. Er ist eigen. Die ständige Zurückgezogenheit in seinem Büro, das ihm abseits des Unterrichts als stilles Refugium dient, führt gleichsam zur Isolation. Nicht zum ersten Mal stellt sich mir die Frage, warum er so lebt, wie er lebt. Niemand ist gern allein, es sei denn, er hat triftige Gründe dafür. Wüsste ich nicht genau, dass es gefährlich ist, würde ich ihn fragen. Aber das traue ich mich nicht, aus Angst, alles zwischen uns kaputt zu machen.
Als ich herauskomme, sitzt er, die Unterarme auf den Knien abgestützt, an der Bettkante. Seine Finger sind ineinander verschränkt, seine Haare zerwühlt. Neben ihm auf dem Boden stehen die schwarzen Schuhe, die er ausgezogen hat.
Langsam hebt sich sein Kopf. Unsere Blicke treffen sich und mir entgeht nicht, wie müde er aussieht. Ohne langes Zögern gehe ich zu ihm und versenke meine Finger in seinem unordentlichem Haar. Er zieht mich fest zu sich heran und drückt seinen Kopf an meinen Bauch.
„Du enttäuschst mich, Granger. Ich dachte, du lässt keine Gelegenheit aus, mein Badezimmer als Vorwand zu nehmen, um dich auszuziehen."
„Lügner. Du bist froh, dass ich meine Sachen anbehalten habe, würdest es aber niemals zugeben. Außerdem brauche ich dein Bad nicht, wenn ich mich ausziehen will. Ich kann es genauso gut hier tun. Vor dir. Oder du machst es ganz einfach selbst."
Er sieht auf und ich bilde mir ein, in seinen Augen glitzert es. Wortlos schiebt er mich zur Seite und steht auf. Seine Brauen kommen in der Mitte zusammen.
„Du kannst es ja mal versuchen", sagt er süffisant, „aber das will ich dir nicht geraten haben. Wir hatten eine Abmachung."
„Autsch", antworte ich mit einem erzwungenen Lächeln auf den Lippen, das meine Unsicherheit übertünchen soll. Er übertreibt. Zu mehr als meine Strickjacke und die Krawatte abzulegen, habe ich es sowieso nicht gebracht. Darauf zu verweisen hätte keinen Sinn. Ich könnte mir buchstäblich in den Hintern treten, dass ich in diese Falle getappt bin, wo ich doch genau das vermeiden wollte. „Hast du was dagegen, wenn ich es mir trotzdem etwas bequem mache?"
Diesmal zuckt er nur mit den Achseln. Dann dreht er sich um und steuert ohne weiteren Kommentar das Badezimmer an. Mit offenem Mund sehe ich ihm nach, bis er darin verschwunden ist und hinter ihm die Tür ins Schloss fällt. Mir ist ein Rätsel, ob er das tut, um mir eine Lektion zu erteilen oder weil er sich seiner Verantwortung bewusst ist und deshalb strenger mit sich selbst verfährt, als er es insgeheim verdient.
Angestrengt puste ich Luft aus meinen Lungen. Dann lasse ich mich auf sein Bett fallen und verschränke wie aus Protest die Arme vor der Brust. Manchmal glaube ich, es fehlt nicht viel, und er wird von einer Sekunde zur anderen wütend mit mir. Doch dann beherrscht er sich auf wundersame Weise. Oder zieht sich zurück, so wie jetzt, was neu für mich ist.
Während ich so daliege, kann ich kaum glauben, dass ich tatsächlich hier in seinem Schlafzimmer bin. Das Bett ist nichts Besonderes, also kaum mit denen der Schüler zu vergleichen. Aber es ist bequem und passt zu ihm.
Ich muss ein Lachen unterdrücken. Das Mysterium Professor Severus Snape hinterlässt eindeutig Spuren in meinem Leben. Was hatte ich denn erwartet? Ein schmuckes Himmelbett, mit Kissen aus Samt und Seide bestückt?
Die ganze Situation ist und bleibt nach dieser kurzen aber intensiven Zeit schwer zu beschreiben. Seine für ihn typischen Geruchsnoten und die Umgebung wirken auf mich nach dem heutigen Tag seltsam vertraut. Wenn ich daran denke, was in den vergangenen Stunden alles geschehen ist, wird mir ganz schummrig vor Augen; mit Sicherheit die Nachwirkungen unseres Kusses. Ich kann seine Lippen immer noch auf meinen spüren. Dass er sich nach etwas sehnt, das ich ihm zu geben scheine, überwältigt mich. Auf der anderen Seite ist ihm aber sehr wohl bewusst, wie absurd das mit uns ist. Er grübelt. Obwohl er es vor mir verbergen will, kann ich es ihm ansehen. Und er wird nicht aufhören, sich für alles verantwortlich zu fühlen, sollte etwas ungeplant schief gehen.
Auf einmal ragt ein Schatten über mir empor. Ich habe ihn gar nicht kommen gehört. Umso überraschter bin ich, als er sich über mich beugt und mich mit seinem Körper unter sich begräbt. Bevor ich richtig registriere was passiert, drückt er seine Lippen auf meine. Ich lasse es geschehen, lasse mich treiben und erwidere hingebungsvoll das, was er bereit ist, mir zu geben.
Meine Hände streichen abwesend über seine Arme; er hat sich vorhin im Bad des Fracks entledigt und zwischen unseren Oberkörpern liegt jetzt nurmehr sein weißes Hemd, meine Bluse und mein BH. Unerschöpflich liebkosen seine Finger erst meine Wangen, dann meinen Hals und machen auch nicht vor meinen Brüsten Halt, die sich ihm durch meine Bluse hindurch willig entgegen recken.
Während ich im Gegenzug seinen arbeitenden Rücken bis zu seinem Po hinab erkunde, spüre ich wieder seine Erregung, die sich hart und fordernd gegen meinen Unterleib drückt. Die Ungeduld in mir wächst mit jeder Minute, die er sich auf mir liegend an meinem Körper reibt. Die Verlockung ist groß, zwischen seine Beine zu fassen und die Finger um seine Männlichkeit zu schlingen. In meinen Gedanken war ich vorhin in seinem Büro nahezu soweit, dass ich dachte, ich wäre bereit, mich ihm hinzugeben.
Schon im nächsten Augenblick gebe ich der Versuchung nach, die ein schmerzhaft brennendes Verlangen in meine Mitte schickt. Ich will wissen, wie es ist. Wie es sich anfühlt, ihn zu berühren oder zu halten, nachdem ich ihn aus der Hose befreit habe. Vorsichtig taste ich mich voran, als er plötzlich meine Hand festhält. Wir brechen erhitzt auseinander und seine Mundwinkel verziehen sich zu einem verstohlenen Lächeln.
„Ich wusste schon immer, dass Geduld nicht eine deiner Stärken ist", flüstert er mir leise ins Haar hinein. Unmittelbar darauf legt sich sein Zeigefinger auf meinen noch ganz feuchten Mund.
Meine Zunge schießt hervor, leckt spielerisch über seine Haut. Ich spüre, wie sein Daumen hinzukommt, kurz um meine Mundhöhle kreist und mit meinem Speichel meine Lippen benetzt. Mein Herz pocht unstillbar wild. Wie kann er mich einerseits so reizen und gleichzeitig von mir wollen, dass ich mich zügle? Weiß er denn gar nicht, was er da von mir verlangt?
„Was hast du mit mir vor, Severus", flüstere ich leise in die Stille hinein, die nur von unseren hektischen Atemzügen durchbrochen wird. „Du legst dich auf mich, küsst mich, forderst mich heraus, an Dinge zu denken, die meine gesamte Vorstellungskraft weit überschreiten …"
Lässig bäumt er sich auf und sieht mich mit hochgezogenen Brauen an. „Sprich ruhig weiter."
„Na ja, du machst es mir nicht gerade leicht, die Finger von dir zu lassen", warne ich vorwurfsvoll. Was soll ich anderes sagen? Er hat absolut Recht, was meinen Übereifer angeht, mich Hals über Kopf in etwas hineinzustürzen. Es fällt mir nur schwer, das zu akzeptieren und mich zu bremsen. Vermutlich sollte ich ihm dankbar sein, dass er mir Zeit geben will. Aber wie stelle ich es an, das wilde Flattern meiner entfachten Libido zu unterdrücken, wenn er, so wie jetzt, diese Dinge tut. Die Nähe zu ihm löst in mir ein ständig wachsendes Verlangen nach ihm aus, das ich kaum mehr kontrollieren kann. Es macht mich verrückt, sich vorzustellen, wie unsere Körper vor Hitze miteinander verschmelzen, als würde nichts außer uns existieren. Keine Ängste, keine Sorgen …
Seine Augen sprechen Bände. „Dann wirst du eben lernen, damit umzugehen", kontert er gleichmütig, als würde er wie selbstverständlich von mir erwarten, dass ich mich nach bestem Bemühen in Enthaltsamkeit übe.
Mir bleibt keine Zeit, richtig zu Atem zu kommen. Verwirrt lasse ich zu, dass er seinen Kopf herabsenkt, um sich einen weiteren Kuss zu stehlen. Ich versenke meine Finger in der Knopfleiste seines Hemds und ziehe ihn so nah wie möglich an mich heran. Das wilde Pochen in seiner Brust bestätigt meine Vermutungen, dass auch er seine Mühe hat, sich nicht von seinen Trieben übermannen zu lassen. Immerhin genießt er den Vorteil, ein Meister im Überspielen von Gefühlen zu sein.
Es dauert, bis wir uns voneinander lösen. Noch länger, bis das wallende Blut in uns zur Ruhe kommt. Behände gleitet er von mir. Eine kleine Drehung später finde ich mich an seine Vorderseite geschmiegt in der Mulde seines warmen Körpers wieder. Von Zauberhand gelenkt breitet sich die Bettdecke über uns aus und das Licht der Kerzen verlischt zu schummriger Dunkelheit, so dass ich gerade noch ein paar Umrisse erkenne. Seine langen Finger nehmen die Gestalt von etwas Dämonischem an, als sie zu mir unter die Decke kriechen.
Ich kann hören, wie mir unkontrolliert ein leiser Seufzer entfährt. Wir sollten uns nichts vormachen. Es fühlt sich gut an, zusammen zu sein und miteinander zu kuscheln. Innerhalb weniger Tage sind uns viele wunderbare Dinge widerfahren, die zuvor noch schier unvorstellbar waren. Ich habe das Gefühl, vor Glück überzuschäumen. Gleichzeitig ist alles mit einer gehörigen Portion Wehmut verbunden, wenn ich daran denke, wie er mir ans Herz gewachsen ist. Was alle anderen dazu sagen würden, ist eine Sache für sich. Das, was wir tun, birgt eine Vielzahl nicht abschätzbarer Risiken, die ich zwar hin und wieder erfolgreich ausblenden kann. Verschwinden werden sie dadurch aber nicht. Ich bin dabei, meine erste Nacht mit einem Mann zu verbringen, der ausgerechnet ein vermeintlicher Todesser ist. Voldemort würde ausrasten, wenn er von unserer Liaison erfährt. Ganz zu schweigen von Dumbledore und noch so einigen anderen.
„Ich glaube, ich werde heute Nacht kein Auge zu tun", sage ich in meine verworrenen Gedanken versunken, ohne vor ihm offenzulegen, was und vor allem wer mir alles im Kopf herumspukt.
Er liegt ganz still und scheint es auch so zu wissen. Nur seine Hand ist sachte in Bewegung, streichelt wie zur Besänftigung meinen Bauch.
„Du etwa?", dringe ich in ihn, als er nichts dazu sagt.
„Du musst." Es ist ein tiefes Brummen und zugleich eine unmissverständliche Erinnerung an unsere Abmachung.
„Ich kann nicht", schnaube ich leise. Es würde mich zwar erfolgreich von meinen Sorgen ablenken, wenn er zuließe, dass wir da weitermachen, wo wir vorhin aufgehört haben, aber soweit wird es nicht kommen. Und ich bin nicht so blöd, es zu versuchen, weil ich weiß, dass er es nicht billigen würde.
Eine ganze Weile sagt er nichts. Als jedoch dann seine Stimme ertönt, läuft es mir kalt den Rücken hinunter. „Ist das, woran du denkst, wirklich so wichtig für dich?"
Soll das eine Fangfrage sein?
„Das mit uns ist mir wichtig", antworte ich wahrheitsgemäß. Ich spüre den Anflug eines schlechten Gewissens in mir heranwachsen. Auch wenn ich Gefahr laufe, dass die Bedeutung dessen, was ich zu sagen beabsichtige, schwerwiegend ist, will ich es riskieren. Es ist nur fair, dass er erfährt, wie ich zu ihm stehe. „Was, wenn ich dich in Schwierigkeiten bringe?"
„Darüber kannst du dir den Kopf zerbrechen, wenn es soweit ist", sagt er düster. Ich rechne felsenfest damit, dass die Bewegung seiner Hand aufhört, jedoch fährt er ohne Unterbrechung fort, mich zärtlich zu streicheln.
„Ich frage mich … würde Dumbledore dich feuern …?" Ich wage nicht, den Satz mit was-wäre-wenn zu vollenden. Es ist schon schwer genug, überhaupt damit anzufangen.
„Du wusstest von Anfang an, was auf dem Spiel steht. Sag also nicht, ich hätte dich nicht gewarnt."
„Es ändert sich nichts dadurch."
„Tut es doch. Wenn du nicht bereit warst, wieso bist du dann mitgekommen?"
„Was soll das heißen?"
„Du kannst dich nicht darauf einlassen, wenn du Angst vor etwaigen Folgen hast."
„Du verstehst das falsch. Ich habe nicht Angst um mich, sondern um dich."
Einen Moment lang glaube ich, es in der Luft knistern zu hören. Dann kommen hart seine Kiefer aufeinander. „Das soll nicht deine Sorge sein."
Überrascht drehe ich den Kopf in seine Richtung und werfe einen flüchtigen Blick auf sein Gesicht. Er reagiert nicht, hat die Augen geschlossen. Die Furche zwischen seinen Brauen ist jedoch zu meinem Erstaunen auch bei wenig Licht tief und dunkel zu erkennen.
Ich hebe die Hand und berühre sie vorsichtig mit meinem Finger. „Du gibst mir das Gefühl, als ob du die Konsequenzen allein tragen willst. Aber das kann ich nicht zulassen", sage ich eindringlich.
Er seufzt. „Schlaf jetzt, Hermine, wenn du nicht willst, dass ich dich eigenhändig zu ihm bringe."
„Das würdest du nicht tun!", stoße ich belustigt aus.
„Möglich. Aber wer weiß das schon. Ich habe noch ganz andere Dinge getan."
Nachdem wir das geklärt haben, fühle ich mich gleich viel besser. Er klingt erstaunlich gefasst und schafft es, mich damit auf eigenartige Weise zu beruhigen. Vielleicht gerade deswegen, weil er mein Lehrer ist und ich nichts anderes von ihm erwarte. Doch im Moment ist mir das egal.
Sehnsüchtig strecke ich mich nach hinten und küsse ihn. Ich gestehe mir nur ungern ein, wie gut es tut, sich in seiner Gegenwart fallenzulassen. Aber ich komme nicht umhin, dem nachzugeben. Mit ihm ist alles viel schöner. Er soll nur wissen, dass meine unstillbare Neugier auf ihn noch lange nicht befriedigt ist.
