11. Kapitel

Die vier Freunde verbrachten einen lustigen Abend in einer Pizzeria, die gleich um die Ecke des Grimmauldplatzes von einem waschechten Italiener geführt wurde. Sie stopften sich mit ihren Lieblingspizzen voll und tranken dazu literweise Cola.
„Muggel sein kann auch Spaß machen", stellte Ron fest und strich sich genüßlich über den vollen Bauch. Er hatte ganz allein eine Familienpizza verspachtelt und anschließend sogar noch eine Portion Tiramisu verdrückt, worüber Hermine nur den Kopf hatte schütteln können.
„Wenn du so weiter futterst, muß dir Mum fürs neue Schuljahr eine neue Hogwartsuniform kaufen", trietzte Ginny ihren Bruder.
„Hogwarts", murmelte Hermine mit verklärtem Blick. „Ich finde es toll daß wir das letzte Schuljahr nun doch noch machen. Es hätte mir irgendwie gefehlt!"
„Hah, du freust dich eben über jeden Grund deine Nase in ein Buch zu stecken", neckte Ron seine Freundin, die sich mit einem Klaps dafür revanchierte.

Harry lächelte über die Kabbelei der beiden und dachte kurz an die strapaziösen Monate zurück, als sie auf der Suche nach den Horkruxen gewesen waren und wo vor lauter Anspannung solche Späße gar nicht möglich gewesen waren.
Ginny, die seine Nachdenklichkeit bemerkte, schob ihre Hand in seine und er blickte auf. Sie schenkten sich einen Blick, der ihre ganze Vertrautheit miteinander ausdrückte und der Harry einmal mehr klar machte, wie gut Ginny ihn verstand.

„Wer glaubst du wird dieses Jahr Verteidigung gegen die dunklen Künste unterrichten?" fragte Ron in die Runde und lenkte damit die Aufmerksamkeit auf sich.
„Das Zauberereiministerium wird dieses Jahr eine große Anzahl von Neueinstellungen vornehmen müssen", antwortete Ginny.
„Snape hat es leider auch nicht geschafft dem Fluch der Verteidigungslehrer zu entgehen. Er hat es nicht mal ein ganzes Schuljahr durchgehalten", stellte Ron fest.
„Hätte nie gedacht, daß ich es mal bedauern würde, daß Snape nicht mehr in Hogwarts unterrichtet", stimmte Harry zu.
„Vielleicht übernimmt ein Auror den Posten. Wer könnte besser in Verteidigung gegen die dunklen Künste lehren?" meinte Hermine.
„Vielleicht schaffen sie das Fach jetzt ab, wo Voldemort nicht mehr ist", gab Ron zu bedenken.
„Nie und nimmer. Es sind schließlich wieder ein paar Todesser entkommen. Außerdem wird es immer Magier geben, die sich zu den dunklen Künsten hingezogen fühlen", widersprach seine Freundin überzeugt und Harry und Ginny nickten zustimmend.
„Ich hoffe Slughorn unterrichtet nicht wieder Zaubertränke. Ohne das Buch des Halbblutprinzen würde ich jämmerlich versagen und der Professor merken, daß ich im sechsten Jahr ein bisschen Hilfe hatte", sagte Harry.
„Würde dir ganz Recht geschehen", fand Hermine.
„Du kannst ja Zaubertränke abwählen", schlug Ginny vor, doch Harry schüttelte den Kopf: „Ich will Auror werden. Und McGonagall hat gesagt, dazu muß man ein UTZ in Zaubertränke haben."
„Meinst du nach dem du Voldemort besiegt hast, brauchst du noch eine Aurorausbildung?" erkundigte sich Ron skeptisch.
„Erstens haben wir Voldemort besiegt. Ohne Hermine und dich und Neville wäre das überhaupt nicht möglich gewesen. Und zweitens glaube ich, kann eine fundierte Ausbildung nicht schaden."
„Hört, hört", sagte Hermine: „Harry wird langsam vernünftig! Du solltest dir daran ein Vorbild nehmen, Ron."

Der tat so als würde er darüber lachen und wechselte lieber das Thema: „Was haltet ihr von McGonagall als Schulleiterin?"
"Professor McGonagell", korrigierte Hermine automatisch.
"War doch naheliegend, nachdem sie Dumbledores Stellvertreterin war", meinte Ginny.
„Find ich auch. Ich bin gespannt, ob wir dann auch einen neuen Lehrer in Verwandlung bekommen", sagte Hermine.
„Vielleicht beschränkt sich die Spannung diesmal ausnahmsweise auf die Besetzung der Lehrerposten und wir bekommen mal ein ruhiges Jahr. Was meinst du, Harry?" fragte Ron.

Der Angesprochene grinste und erwiderte: „Als hätte ich es je darauf angelegt von einem Abenteuer ins nächste zu stolpern."
„Abgesehen vom letzten Jahr", ergänzte Hermine.
„Das wir aber nicht in Hogwarts waren", fügte Harry hinzu: „Und da hatte ich keine Wahl, genauso wie in den vergangenen sechs Schuljahren! Hätte ich den Stein der Weisen nicht in Sicherheit gebracht, wäre Voldemort schon vor sechs Jahren zurückgekehrt."
„Und hätte er sich nicht in die Kammer des Schreckens begeben, läge ich immer noch dort. Schließlich hat Lockhart nicht die geringste Bemühung zu meiner Rettung unternommen."
„Außer sich schleunigst aus dem Staub zu machen", stimmte Ron seiner Schwester zu. „Und im dritten Jahr meinte er mich vor dem Monsterhund retten zu müssen..."
„Der sich als sein Pate Sirius entpuppte", setzte Hermine fort.
„Und ich habe den Feuerkelch nicht manipuliert, um gegen Drachen zu kämpfen, den Wassermenschen näher treten zu müssen und nach dem Labyrinth auch noch Voldemorts Widerauferstehung beizuwohnen." Ganz zu schweigen davon, mit anzusehen wie Diggory getötet wird, dachte er sich.
„Und damit waren ereignisreiche weitere Jahre vorauszusehen", schlußfolgerte Ron.
„Ergo müßte es nun, da Voldemort beseitigt ist, selbst in Hogwarts mal ruhig zugehen", fand Hermine: „Und das heißt, wir können uns ganz aufs lernen konzentrieren. Und das werden wir auch müssen, wenn wir mit unseren UTZ an die Zaubereruniversität wollen!"

„Die Zaubereruniversität?" fragten Harry und Ron wie aus einem Mund.
„Klar! Wo glaubt ihr, werden sonst unsere Auroren, Heiler und Professoren ausgebildet", schüttelte Hermine über die Unwissenheit der Jungen den Kopf.
„Willst du dich auch zur Aurorin ausbilden lassen?" erkundigte sich Ron staunend.
„Ich weiß noch nicht, was ich mal machen will. Deswegen versuche ich einfach in allen Fächern eine gute Note zu bekommen."
„Du versuchst es?" fragte Ron ungläubig. „Wann hast du je ein Jahr ohne lauter Ohnegleichen abgeschlossen?"
„Bei den ZAG`s hatte ich in Verteidigung gegen die dunklen Künste nur ein Erwartungen übertroffen, wenn ich dich daran erinnern darf. Da hat Harry besser abgeschnitten als ich."
„Und das wurmt dich noch heute", neckte Ron sie.
„Nie und nimmer nicht", bestritt seine Freundin.

Der Kellner, der an den Tisch trat, um sich zu erkundigen, ob die vier noch einen Wunsch hätten, beendete den Disput. Harry zahlte und die vier schlenderten durch den lauen Abend zum Grimmauldplatz. Gerade als die vier die Nummer 12 erreichten, schlug es vom nahen Kirchturm Mitternacht.
Ungläubig schaute Hermine auf ihre Uhr: „Ich hätte gar nicht gedacht, daß es schon so spät ist! Wir sollten schleunigst ins Bett. Schließlich muß ich um 10 Uhr im Zaubereiministerium sein."
„Wir", korrigierte Ron und folgte Harry, der gerade die Haustür geöffnet hatte, in den Flur.
„Riecht noch bisschen nach Farbe", stellte Ginny fest.
„Sieht aber sehr gut aus", fand Hermine, die mit einem Schlenkern des Zauberstabs Licht gemacht hatte.
„Ab morgen darf ich auch endlich alles mit Zauberei machen", flüsterte Ginny voller Vorfreude vor sich hin.
Harry, der nahe bei ihr gestanden hatte, hatte es aber gehört und zog sie in die Arme. „Mich verzauberst du ganz ohne Zauberei", flüsterte er ins Ohr und sie lächelte ihn zärtlich an.
„Los, ab in die Betten", kommandierte Hermine und die anderen folgten ihrem Befehl.

Harry schaute von Sirius` Fenster dem Sonnenaufgang über den Dächern Londons zu. Seit dem vorhergehenden Abend grübelte er, was er Ginny schenken sollte. Nachdem er sich die vergangenen Tage mit ihr durch den Kopf gehen lassen hatte, kam er zu einem Entschluß. Zu dessen Verwirklichung brauchte er aber Hermine. Er hoffte darauf, daß sie genauso zeitig wach war wie in den letzten Tagen und zog sich schnell an. Dann ging er zum Gästezimmer, das sich seine Freundinnen teilten, klopfte leise an und flüsterte ihren Namen. Erschrocken zog er den Kopf zurück, den blitzschnell war die Tür aufgerissen worden und die Gewünschte steckte ihren Kopf aus der Tür.