So, eigentlich müsste ich unbedingt Bildungsforschung lernen, aber irgendwie war das hier grade spannender. Ab morgen muss ich mich wirklich zusammenreißen, damit die Klausur am Dienstag nicht total nach hinten los geht *hust* Trotzdem bin ich froh, dass ich es geschafft habe, das Kapitel zu schreiben, weil Astoria mir schon die ganze Zeit auf der Seele gebrannt hat. Ich wollte endlich mal jemanden, mit dem Draco befreundet sein kann. Im Moment ist die Sitation zwischen den beiden zwar noch schwierig, aber ich verspreche, da wird es noch eine Entwicklung geben.

Auch ein anderer Plot, der im zweiten Teil der Geschichte dann wichtiger werden wird, hat endlich seinen Anfang genommen. Also was das wirklich ein Kapitel, das mit sehr am Herzen lag und das dem Verlauf eine neue Richtung gibt :) Ich hoffe ihr habt beim Lesen genauso viel Spaß, wie ich beim Schreiben. Ach ja, ich will schwebende Pfirsiche!

Kapitel 10 Don't go slow

It takes a couple seconds to say Hello, but forever to say Goodbye

Montagmorgen… Wer hatte eigentlich den Montagmorgen erfunden? Und warum gab es keinen verdammten Tag zwischen Samstag und Sonntag? Und warum überhaupt hatte er sich überlegt, dass es eine gute Idee wäre, die Kanzlei jeden Morgen schon im acht Uhr zu öffnen?

Entsprechend müde und irgendwie unmotiviert stocherte Draco in seinem morgendlichen Obstsalat herum und drehte geistesabwesend die Gabel mit dem Mangostück darauf.

„Wenn du mehr Zeit zu Hause verbringen, und dich ausruhen würdest, wärst du montags nicht so müde", bemerkte seine Mutter leicht amüsiert. Neben ihr auf dem Tisch lag das Buch, in dem sie zurzeit las.

„Ich war gestern den kompletten Tag hier, Mutter", gab Draco zurück, ehe die Mango doch noch in seinem Mund verschwand.

„Ja, und du hast den ganzen Tag in deinem Labor gestanden und… was getan? Wild Zutaten zusammengeworfen? Es klang zumindest nicht sonderlich erholsam. Woran arbeitest du?", Narcissa lächelte milde, aber ihr Ton machte deutlich, dass sie sich ein anderes Verhalten für ihren einzigen Sohn wünschte.

„Wenn du so fragst, Mutter, ich arbeite an einem Tank, der magisch herbeigeführte, unkontrollierte Blutungen stoppt. Irgendjemand scheint sich eine Freude daraus zu machen, Briefe mit einem merkwürdigen Pulver darin an zufällige Opfer zu schicken. Öffnet man den Brief so rieselt das Pulver auf die Haut und verursacht sofort tiefe Wunden, die unkontrolliert Bluten. St. Mungos hat bereits vier Opfer stationär, denen die Heiler einfach nicht helfen können. Alles was sie tun, ist durch Tränke den Bluthaushalt im Körper halbwegs stabil zu halten, aber heilen können sie die Opfer nicht", erklärte Draco leicht gereizt.

Seine Mutter betrachtete ihn einen Moment abwägend. „Du weißt ich bin stolz auf dich, nicht wahr? Es ist toll, dass du dich so einsetzt. Ich möchte nur nicht, dass du dich verausgabst. Du verwendest so viel Zeit für Mr. Potter, dabei solltest du dich selbst nicht vergessen".

„Mach dir keine Sorgen, Mutter. Ich übernehme mich nicht, schon gar nicht, wenn ich Zeit mit Harry verbringen", antwortete Draco, erhob sich von seinem Stuhl, um zu Narcissa zugehen und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Ihre gehobenen Augenbrauen ignorierte er mit Absicht.

Als er zehn Minuten später mit einer dampfenden Tasse Kaffee hinter seinem Schreibtisch saß, versuchte er das vergangene Wochenende möglichst weit von sich weg zu schieben. Es war ihm natürlich nicht gelungen, sich schnell loszureißen, stattdessen hatte sich zu einem weiteren Tag, mit viel zu viel Vertrautheit zu Harry Potter, hinreißen lassen.

Flashback

„Bin ich der Einzige, der irgendwie Hunger hat?", fragte… Harry. Den Vornamen zu benutzen fühlte sich immer noch irgendwie komisch und irreal an.

„Sobald dieser Trank wirkt, sorge ich dafür dass du nicht verhungerst, versprochen", antwortete Draco und hielt sich theatralisch ein Kissen über die Augen. Er kannte solche Tränke und wusste, dass sie nicht sofort wirkten, aber trotzdem ging ihm bereits die Geduld aus. Kopfschmerzen… er hasste Kopfschmerzen. Vor allem dann, wenn er selbst an ihnen Schuld war.
Seine Laune wurde auch nicht unbedingt besser, als ihm recht schwungvoll das Kissen wieder weggezogen wurde. „Ich bin dafür, dass du duschen gehst, anstatt hier rumzuliegen".

Murrend kletterte Draco aus dem Bett und stellte fest, dass er außer dem eidottergelben Shirt tatsächlich nur mit Shorts bekleidet war.
„Wo sind meine Klamotten?", fragte er leicht irritiert. „Und wie hast du mich in dieses Teil hineingeprügelt?".

Harry hob eine Augenbraue und betrachtete sein Gegenüber. „Deine Klamotten sind unten, aber ich kann dir frische von mir geben, wenn du willst. Und was das Shirt angeht: Es gehört Ron und du hast darauf bestanden es anzuziehen, weil du der Meinung warst, du wolltest schon immer mal wissen, wie dir gelb eigentlich steht. Ich muss sagen, sei dankbar dass du nicht in Hufflepuff gelandet bist".

Draco streckte Harry in einem Moment der Rebellion die Zunge raus und entledigte sich des grässlichen Shirts, mit dem er, statt es einfach zu Seite zu legen, lieber den anderen Mann auf dem Bett bewarf. „Ich wäre ein ganz fantastischer Hufflepuff gewesen!", sagte er murrend und ging zum Schrank. Wenn er schon frische Sachen angeboten bekam, würde er sie sicher nicht ablehnen.

Mit frischen Kleidern und immer noch leichten Kopfschmerzen tappte er wenige Minuten später ins Bad und legte alles auf die Ablage (die Kopfschmerzen musste er freilich behalten). Als er unter die Dusche stieg und ihm wiedermal bewusst wurde, dass er keine andere Wahl hatte, als das Duschgel zu nehmen, das so unglaublich nach Minze roch. Vielleicht sollte einfach ein eigenes Duschgel hier deponieren, sooft wie er neuerdings über Nacht blieb. Doch kaum war der Gedanke zu Ende gedacht, wurde Draco bewusst, dass er auf diese Weise langsam aber sicher hier einziehen würde und das wollte er ganz sicher nicht.

Nachdem er also selbst wie ein Pfefferminzplätzchen roch, aber immerhin sauber und entspannt war, kletterte er wieder aus der Dusche, griff zum Handtuch und schlüpfte in die Kleidung, die nicht seine war.

In der Küche stand Harry bereits vor dem Herd und hatte die gesamte Arbeitsfläche mit Kochutensilien übersäht.
„Was bei Merlins Bart hast du vor?", fragte Draco skeptisch.

„Oh, da bist du ja. Ich wollte Pfannkuchen machen, aber naja… irgendwie finde ich kein Rezept und außer Mehl und Milch habe ich keine Ahnung, was da rein muss", erklärte Harry, als er sich umwandte. Wie konnte jemand nur so gute Laune haben, nach einem Abend mit so verdammt viel Alkohol.

„Alles klar, wenn du mir eine Schüssel besorgst und schon mal eine Pfanne erhitzt, sorge ich für die Pfannkuchen, in Ordnung?", schlug Draco vor und ehe er sich versah stand bereits eine Schüssel mit Rührbesen vor ihm. Mit einem Grinsen ging er zu dem Muggle-Apparat, den Harry Kühlschrank nannte, und griff nach Milch, Eiern und Wasser. Während er die Eier trennte und das Eiweiß schaumig schlug, beobachtete Harry jede Bewegung und trat schlussendlich hinter ihn. Bemüht, nicht weiter auf die plötzliche körperliche Nähe zu achten, schlug er das Eiweiß zu Schaum und vermischte anschließend Eigelb, Wasser, Mehl und Vanillezucker, ehe er den Eischaum unterhob.

„Du hast nicht zufällig Lust, mal richtig für mich zu kochen?", fragte Harry und legte ohne Vorwarnung seinen Kopf auf Dracos Schulter, sodass diesem beinahe vor Schreck die Schüssel aus der Hand gerutscht wäre.

„Ähm… ja… mach ich…", antwortete er und machte einen Schritt zur Seite, um den Teig in die Pfanne zu gießen und viel mehr noch, um Abstand zwischen sich und Harry zu bringen. Machte er das mit Absicht oder, merkte er einfach nicht, wie sehr er Draco damit aus dem Konzept brachte?

Eine viertel Stunde später hatte es Draco tatsächlich irgendwie geschafft ein Teller mit Pfannkuchen auf den Tisch zu bringen und sich weit genug von Harry wegzuhalten, um keine größeren Unfälle zu bauen. Also griff er zu Ahornsirup und verteilte es auf dem Pfannkuchen, den er sich auf den Teller geladen hatte. Harry fischte derweil mit einem Messer in einem Glas Nussnugatcreme. „Also wann?", fragte er mit einem Grinsen.

„Bitte?", Draco stoppte mit der Gabel auf halbem Weg zum Mund und betrachtete erst das herunter tropfende Ahornsirup und dann sein Gegenüber.

„Ich wollte wissen, wann du für mich kochst", erklärte Harry, der mittlerweile dazu übergegangen war, eine Banane in Scheiben zu schneiden.
„Ach so… ja… kochen. Also wenn du mir ein paar Tage Zeit gibst, damit ich mir ein passendes Menü ausdenken kann, würde ich sagen, am Wochenende", antwortete Draco, ehe er endlich das erste Stück Pfannkuchen aß, bevor sämtliches Sirup wieder auf den Teller getropft war.

Harry nickte zufrieden und schob sich nun ebenfalls ein Stück Pfannkuchen in den Mund. Einige Zeit lang verweilten beide in angenehmem Schweigen.

„Draco?"

„Ja?", der Angesprochene blickte von seinem Teller auf und betrachtete sein Gegenüber einen Moment. Aus einem Grund, den er nicht verstehen konnte, wirkte Harry fröhlicher und gelassener, als an allen Tagen zuvor. „Würdest du heute noch hier bleiben?"

Draco lächelte kurz, während er sich einen weiteren Pfannkuch auf den Teller schob. „Zu Hause warten ja eh nur langweilige Zaubertränke auf mich", sagte er mit einem Zwinkern.

„Hast du dir schon Gedanken zu meinem Vorschlag von gestern gemacht?", fragte Harry weiter, wieder mit dem Nussnugatcremeglas beschäftigt.
„Welcher Vorschlag?", hakte Draco nach, ohne den Bick von Messer und Glas zu heben.
„Na, ob du für mich arbeiten willst. Ich verspreche auch, dass ich ein netter Chef bin – meistens".

Draco schluckte hart und ließ Messer und Gabel sinken. „Hör zu, Harry. Ich dachte, das ganze wäre ein Spaß deinerseits. Ich kann doch nicht einfach meine Kanzlei zumachen. Ich kann auch Mafalda nicht einfach vor die Tür setzen von heute auf morgen. Außerdem will ich mir den öffentlichen Aufschrei gar nicht erst vorstellen, wenn rauskommt, dass ein Todesser als Ankläger für das Ministerium arbeitet. Ich kann dein Angebot nicht annehmen, so gerne ich es auch würde".

Für einen Moment glaubte er so etwas wie Enttäuschung in Harrys Augen erkennen zu können, ehe dieser wieder zu lächeln begann. „Du liegst falsch", sagte er mit Nachdruck. „Wir könnten kein besseres Zeichen dafür setzten, dass Voldemort endgültig verloren hat, also dadurch genau dir, diesen Job zu geben. Und was Mafalda angeht, du kannst sie mitbringen. Wenn es ihr nichts ausmacht müsste sie sich zwar ein Büro mit meiner Sekretärin teilen, aber sie bekommt ihr Gehalt weiter und kann für dich arbeiten".

„Nein. Meine Entscheidung steht. Ich werde es nicht tun. Bitte belass es dabei", gab Draco zurück.
„Ganz wie du willst. Ich werde duschen gehen", Harry erhob sich von seinem Platz und ließ den Rest seines Pfannkuchens liegen, ehe er den Raum verließ.

Mit einem Wink seines Zauberstabs räumte Draco den Tisch ab und ging anschließend ins Wohnzimmer. Aus dem Bad konnte er den Wasserstrahl hören und schloss die Tür hinter sich, um jegliche Geräusche auszuschließen. Ein duschender Harry Potter würde ihn nur noch mehr aus der Fassung bringen.

Schweigend ging er an den Regalen mit Büchern vorbei und betrachtete die Titel. Wie nicht anders zu erwarten war, waren sie gefüllt mit Büchern über Flüche und Konterflüche, Magische Selbstverteidigung, schwarzmagische Artefakte und Bücher zur Handhabung der Gesetze. Natürlich war auch Harrys Merlinorden erster Klasse nicht zu übersehen. Ganz hinten an der rechten Wand jedoch stand ein Regal, das weder Quidditch- noch Selbstverteidigungsbücher enthielt, sondern stattdessen Fotoalben. Nach einem kurzen Blick zur Tür zog Draco ein mit braunem Leder bezogenes Album aus dem Regal und ließ sich zu Boden sinken.

Als er es aufschlug blickte ihm auf der ersten Seite ein Pärchen entgegen, das aufgeregt in die Kamera lächelte. Die junge Frau, mit ihren buschigen braunen Haaren war eindeutig mindestens im 6. Monat schwanger und ihr Mann hatte beschützend einen Arm um sie gelegt. Im Hintergrund konnte Draco Weihnachtsdekoration und Kerzen erkennen. Unter dem Foto stand in geschwungener Handschrift:

Ron und Hermione Weihnachten 2004

Einen kurzen Moment länger betrachtete Draco das Paar, ehe er eine Seite weiter blätterte. Sie zeigte ein Bild von einem rothaarigen Mann mit einem kleinen Jungen im Arm, der nicht mehr als ein Jahr alt sein konnte. Auch unter diesem Bild gab es eine Beschreibung:

Louis erster Geburtstag – 24.04.2003

Familienfotos also. Fotos von den Menschen mit denen Harry die letzten zehn Jahre verbracht hatte. Diese Leute standen ihm nahe und waren seine nächsten Vertrauten. Sie hatten einen Status inne, den Draco niemals erreichen konnte, denn sie waren seine Familie. Ganz gleich, was mit Harrys Frau passieren würde, die Bande zu diesen Menschen würden ewig halten.
Er wollte das Album schon schließen, als sein Blick auf das Foto auf der Seite daneben fiel. Es war deutlich älter als die beiden anderen und zeigte ebenfalls ein Paar. Beide waren Anfang zwanzig und tanzten durch einen Wirbel fallenden Herbstlaubs. Die Frau hatte langes dunkelrotes Haar und ihr Gesicht wies niedliche Sommersprossen auf. Der Mann sah aus wie Harry und für einen Moment glaubte Draco, es mit Ginny und Harry zu tun zu haben, bis ihm auffiel, dass an dem Mann definitiv etwas anders war.

„Meine Eltern, kurz bevor meine Mutter schwanger wurde. Ich glaube Sirius hat das Foto gemacht", sagte eine Stimme hinter Draco und ließ ihn zusammenzucken.

Überrascht wandte er sich um und blickte zu Harry, der mit leicht nassen Haaren im Wohnzimmer stand und sich nun neben ihn auf den Boden vor das Regal setzte. Ohne darüber nachzudenken, schlug Draco das Album zu. „Entschuldige, ich wollte nicht schnüffeln".

„Schon gut. Ich habe nichts zu verbergen. Außerdem tut es gut, sich hin und wieder Fotos aus besseren Tagen anzuschauen. So, wie auf diesen Bildern, wird das Leben nie mehr wieder", sagte Harry und lehnte sich leicht gegen Draco. Was hatte sich am Abend zuvor verändert, dass plötzlich diese unglaubliche Vertrautheit herrschte, die Draco schier Atem und Verstand raubte?
„Ich glaube es werden noch viel bessere Zeiten kommen", antwortete er und wollte das Album schon zurück ins Regal stellen, als Harrys Hand nach seinem Gelenk griff.

„Würdest du… es mit mir durchsehen?"

Flashback Ende

„Mr. Malfoy? Ein Besucher erwartet Sie. Haben Sie Zeit?", Mafaldas Stimme riss ihn aus seinen Gedanken.
„Wer ist es?", fragte Draco nach, beide Hände um seine Tasse mit Kaffee geschlungen.
„Miss Greengrass. Sie sagt sie hat keinen Termin, möchte Sie aber dennoch sprechen", führte Mafalda weiter aus und lächelt Draco freundlich zu.
„Astoria? Schicken Sie sie herein"

Mafalda nickte kurz und einen Moment später trat Astoria Greengrass durch die Tür. Sie trug pastellfarbene Roben und hatte ihre lange Schwarze Mähne auf die linke Seite herüber geholt. Ihre großen, leuchtend blauen Augen blickten ihn neugierig an, als sie auf seinen Schreibtisch zuging und sich auf den Stuhl davor fallen ließ. Hatte Draco jemals seine Ruhe? Wenigstens auf der Arbeit? Warum dachte jeder, dass man ihn zu Privatgesprächen auch während der Arbeit aufsuchen konnte?

„Astoria… was willst du hier?", fragte Draco irgendwo zwischen Überraschung und Verdruss.

Eine schlanke schwarze Augenbraue wanderte nach oben, begleitet von einem doch leicht amüsierten Lächeln. "Begrüßt man so etwa eine alte Freundin, Draco?", entgegnete sie und griff nach seiner Tasse mit Kaffee.

„Eine alte Freundin, die sich seit 2 Jahren nicht gemeldet hat und plötzlich in meiner Kanzlei auftaucht, ohne sich vorher anzukündigen. Also, warum bist du hier?", er wusste, dass seine Stimme härter klang als gewöhnlich, aber er war es leid, Leuten zu begegnen, die ihm eigentlich gestohlen bleiben konnten.

„Na, ich hatte ja auch allen Grund dazu, mich eine Weile nicht zu melden. Du hast mir immerhin das Herz gebrochen, mein Lieber", sie nahm einen Schluck aus seiner Tasse und stellte sie anschließend vor sich. Es stimmte, vor zwei Jahren hatte Astoria sich Hoffnung gemacht doch noch die nächste Mrs. Malfoy zu werden. Draco und sie waren seit dem Krieg befreundet gewesen und dass sie sich in ihn verliebt hatte, hatte dieser Freundschaft ein jähes Ende beschert. Nicht nur für Astoria war dieser Bruch schmerzhaft gewesen, sondern auch für Draco selbst. Er kannte seine Pflichten als einziger Erbe der Malfoys und dass er eine Vorliebe für Männer hatte, machte seine Position nicht leichter. Dass es dann auch noch ausgerechnet seine beste Freundin war, die sich in ihn verliebte, hatte ihm den Boden unter den Füßen weggezogen und nachdem er ihr einen Korb gegeben hatte, war ein Weg zurück zur Normalität nicht mehr möglich gewesen.
„Ich wollte dir nie wehtun, Astoria…", flüsterte er.

„Ich weiß. Mach dir keine Sorgen, ich habe verwunden, was passiert ist. Ich bin auch nicht meinetwegen hier, sondern wegen dir", sagte sie plötzlich recht gutgelaunt und schlug die Beine über einander.

„Meinetwegen? Was habe ich getan, um das zu verdienen?", hakte Draco nach. Eigentlich war er alles andere als begeistert von einer Unterhaltung mit einer Person, die sich vor zwei Jahren noch Hoffnungen auf eine Ehe gemacht hatte.

„Hör zu. Ich weiß, warum es damals dumm war, zu glauben, dass mit uns könnte mehr werden, als reine Freundschaft. Ich habe einfach das Offensichtliche nicht gesehen. Daphne hat mich gewarnt, dass ich mich da in etwas verrenne, aber ich wollte ihr einfach nicht glauben. Ich habe einfach nicht verstanden, dass du eben kein Interesse an Frauen hast. Aber mittlerweile habe ich es verstanden. Also, denkst du, du kannst normal mit mir reden?", sie schenkte ihm ein mädchenhaftes Lächeln, von dem Draco wusste, dass es ihre Art war, sich für einen Fehler zu entschuldigen.

Er räusperte sich und straffte seine Schultern. Vielleicht war es an der Zeit die Vergangenheit wirklich ruhen zu lassen und einfach auf eine neue Chance für ihre Freundschaft zu hoffen. „Ja, ich denke das kann ich. Trotzdem weiß ich noch immer nicht, was dich herführt. Außer, dass du mir meinen Kaffee wegtrinkst".

Astoria lachte leise und betrachtete die Tasse einen Moment lang. „Weißt du, in Krankenhäusern wird immer getratscht", begann sie und warf ihm einen belustigen Blick zu. „Du bist Potters Anwalt, habe ich Recht?".

Draco blinzelte einige Momente lang irritiert. Darum war sie hier? Um mit ihm über ein Mandat zu sprechen? Über ein Mandat von dem eigentlich niemand etwas wissen sollte…
„Wie hast du davon erfahren? Außer mir und Virgil Thurgood weiß niemand davon".

„Ach weißt du, dass Potter sich scheiden lässt steht jeden Morgen im Prophet und im Krankenhaus habe ich von einem Patienten erfahren, den du wohl bei einem Erbschaftsstreit wegen irgendeines Besens vertrittst, dass du im Moment nur schwer zu erreichen bist und anscheinend einen anderen sehr wichtigen Mandanten hast, für den sich alle anderen hinten anstellen müssen", Astoria grinste ihn zufrieden an, vermutlich weil sein Gesicht genauso ungläubig aussah, wie er sich fühlte.

„Na toll, ich habe ein Plappermaul als Mandanten, das ist ja fabelhaft. Hat noch jemand eins und eins zusammengezählt? Ich kann mir die Schlagzeile schon vorstellen. Ehemaliger Todesser vertritt Harry Potter – Segen oder Desaster?"

„Niemand außer mir war dabei, also konnte auch niemand davon ehrfahren. Es wird keine Schlagzeile geben. Außerdem könnte Blaise die Informationen auch zurückhalten. Er ist immerhin der Chefredakteur", versicherte Astoria. Ihre Stimme zu hören hatte etwas sehr Vertrautes, von dem Draco schon geglaubt hatte, er habe es für immer verloren.

„Ich bin mir da nicht so sicher. Blaise ist im Moment nicht gut auf mich zu sprechen, fürchte ich", erklärte Draco und griff nach einer Feder, die er zwischen den Fingen drehte.

„Oh… ihr habt Streit? Das tut mir leid. Was ist passiert?", hakte Astoria nach, während sie die sich drehende Feder beobachtete.

„Er… ist enttäuscht von mir. Belassen wir es dabei fürs Erste, in Ordnung?", antwortete Draco etwas ausweichend. Er war sich nicht sicher, ob das erste Thema, dass er mit ihr besprechen sollte, wirklich diese unsägliche Affäre war, die sich jetzt in ein Drama zu verwandeln schien.
„Natürlich. Ganz wie du willst. Zurück zum Thema: Harry Potter. Seit wann?", sagte sie, mit einem Lächeln auf den Lippen, das Draco so gar nicht gefiel. Sie kehrte ihre ‚Slytherin-Seite', wie er es nannte, nach außen.

„Was? Seit wann ich sein Anwalt bin? Na ungefähr seit seine Frau beschlossen hat, dass sie genug von ihm hat", antwortete Draco irritiert. Astoria hob eine Augenbraue, während ihr Lächeln umso süffisanter wurde.
„Nein, nicht das. Ich will wissen, seit wann da mehr ist, als… Rivalität? Neid?", führte sie weiter aus. „Und nun schau mich nicht an, als würde ich mich in einen Dementor verwandeln".

„Ich weiß wirklich nicht, was du von mir willst, Astoria. Und eigentlich muss ich arbeiten. Was würdest du sagen, wenn wir morgen Abend essen gehen? Dann kannst du mir in aller Ruhe erklären, worauf du eigentlich anspielst", Draco wusste genau, in welche Richtung diese Unterhaltung ging, aber er war nicht gewillt, morgens um kurz nach zehn mit ihr darüber zu reden. Schon gar nicht, wenn seine gesamte Korrespondenz des Tages noch unbearbeitet war.

„Ganz wie du meinst. Morgen Abend, acht Uhr vor der Tanzenden Echse. Ich habe Lust auf chinesisches Essen. Du bezahlst", sie grinste ihn noch einmal an, ehe sie sich erhob und ohne einen Abschiedsgruß das Büro verließ. Kopfschüttelnd blickte Draco ihr nach, ehe er nach seiner Post griff und die Briefe betrachtete. Einige Schreiben vom Ministerium, Werbung für Büroausstattung der besonderen Art, zwei Anfragen auf ein Mandat und letztlich ein Brief von Virgil Thurgood, den Draco allen anderen vorzog.

Sehr geehrter Mr. Malfoy,

im Anbetracht der Situation und da meine Mandantin, Mrs. Potter-Weasley, sehr leidet, ist es uns leider nicht möglich Ihren Forderungen nach einer gleichteiligen Schuld nachzukommen. Wir bitten Sie noch einmal darum, dass Mr. Potter die Schuld in vollem Maße anerkennt und den von uns geforderten Entschädigungszahlungen nachkommt. Sollte dies nicht geschehen, sehen wir uns gezwungen den Fall vor einen Richter des Ministeriums zu bringen. Dies sollte allerdings nur die letzte Lösung sein, da wir eine gütliche Einigung dem Gericht vorziehen würden. Bitte teilen Sie uns Mr. Potters Entschluss sobald wie möglich mit.

Mit freundlichen Grüßen

Virgil Thurgood

Es kostete Draco einiges an Willenskraft den Brief nicht entweder zu zerknüllen, zu zerreißen oder gleich dem Kaminfeuer zu übergeben. Diese miese Schlampe wagte es doch tatsächlich Harry ausnehmen zu wollen und ließ sich nicht abschrecken. Na gut, wenn sie es darauf anlegte, würde er ihr im Gerichtssaal schon zeigen, dass sie sich mit den falschen Leuten angelegt hatte. Am liebsten würde er sie ausnehmen, wie einen Kürbis vor Halloween. Doch statt sich von seinem Ärger überflügeln zu lassen, legte er den Brief ordentlich beiseite und beschloss am Abend bei Harry vorbei zu gehen, um ihm das Schriftstück zu zeigen und klarzumachen, dass die Zeit des Redens vorbei war. Schon morgen würde er einen Richter und einen Raum im Ministerium beantragen, um diesem Fall endlich ein Ende zu setzen und Ginny Potter-Weasley eine Lektion zu erteilen. Immer noch alles andere als zufrieden griff Draco nach den restlichen Briefen und ging jeden durch.
Tatsächlich waren zwei davon Anfragen auf ein Mandat. In einem Fall ging es um einen Nachbarschaftsstreit um einen Busch mit schwebenden Pfirsichen, die neuerdings über die Grundstücksgrenze zum Nachbarn schwebten, was wiederum dazu geführt hatte, das besagter Nachbar die Früchte in seinem Garten gegessen hatte, wogegen nun der Besitzer des Busches klagte. Manche Leute hatten wirklich unglaubliche Probleme.

Die einzige gute Nachricht des Tages war, dass Goyle endlich einen Termin für seine Scheidung hatte, da der Raum nun feststand und reserviert war. Nicht gewillt sich mit seinem früheren Schulfreund an einen Tisch zu setzten, griff er zu Pergament und Feder, um einen kurzen Brief mit der Information drin zu schreiben. Außerdem wurde es wohl Zeit, sich diesen antiken Besen aus dem Erbschaftsstreit endlich mal persönlich anzusehen, weswegen er noch einen zweiten Brief aufsetzte, in dem er um einen Begehungstermin bat, sobald der Besitzer aus dem Krankenhaus entlassen wurde.

Als er am Mittag mit seiner Korrespondenz fertig war, ging er ins Vorzimmer zu Mafalda, die gerade in ihrem mitgebrachten Nudelsalat stocherte. „Mr. Malfoy? Kann ich etwas für Sie tun?".
„Sagen Sie mal, gefällt es Ihnen hier?"
„Natürlich gefällt es mir. Ich arbeite seit 6 Jahren für Sie und habe es noch keinen Tag bereut. Warum fragen Sie?"

Draco setzte sich auf den Stuhl vor ihrem Schreibtisch und faltete die Hände auf der Oberfläche. „Ich habe ein Angebot für uns beide bekommen. Wir könnten für das Ministerium arbeiten, als Vertretung des Gesetzes, anstatt mit freien Klienten. In der Abteilung für magische Strafverfolgung".

Mafalda blinzelte ihn einige Male an und legte die Gabel beiseite. „Sie denken darüber nach, die Kanzlei zu schließen?", fragte sie betont gelassen.
„Ich denke darüber nach, meine Anstrengungen in eine andere Richtung zu konzentrieren. Vielleicht wäre es erfüllender, sich nicht mit Leuten darum zu streiten, wer wem die schwebenden Pfirsiche weggegessen hat", erklärte Draco. Er wusste nicht, warum er plötzlich doch über Harrys Vorschlag nachdachte, nachdem er ihn eigentlich bereits abgelehnt hatte. Doch irgendwie hatte ihn der Gedanke am Wochenende immer wieder eingeholt.

Er konnte es sich wirklich vorstellen, in einem Gerichtssaal zu stehen und seine Fähigkeiten als Anwalt dazu zu nutzen, Verbrecher nach Azkaban zu schicken, anstatt jemandem bei seinem Pfirsich-Problem zu helfen. Vermutlich wäre es wirklich erfüllender und bereichernder und noch dazu würde er als der Anwalt von Harry Potter aus seiner aktuellen Professur scheiden, um dann der ersten ehemalige Todesser zu werden, dem man einen Job im Ministerium anbot. Was würde deutlicher sagen ‚Ich bin wieder da', als das?

Mit einem Lächeln griff Mafalda nach seinen Händen und umschloss sie mit den ihren. „Wissen Sie, Mr. Malfoy, als ich vor 6 Jahren hier angefangen habe, haben mir die Leute davon abgeraten, weil Sie ja eine recht bewegte Vergangenheit haben. Aber in all den Jahren haben Sie mir so oft bewiesen, dass Sie sich wohl sehr geändert haben, seit jenen dunklen Tagen. Sie müssen wissen, ob Ihnen die Arbeit im Ministerium mehr Freude bereiten würde, aber wenn Sie sich dafür entscheiden, komme ich gerne mit", erklärte sie und tätschelte seine Hand.

„Wissen Sie was, wir beide schließen die Kanzlei für heute. Sie gehen nachhause zu ihrem Mann und ich schicke noch ein paar Briefe ab. Ich glaube es wird Zeit, dass wir den Rest hier noch bearbeiten und dann mit diesem Lebensabschnitt abschließen. Ich glaube es würde mir sehr gut tun, etwas zu tun, das mir ein besseres Gefühl beim Arbeiten gibt", erklärte Draco und erhob sich vom Tisch. Mafalda nickte ihm zu, machte sich aber erstmal wieder über ihren Nudelsalat her, während ihr Chef wieder in sein Büro ging um die Briefe fertig zu machen und abzuschicken.

Als Draco eine halbe Stunde später auf einem der Sofas im Salon lag und den Hund seiner Mutter hinter den Ohren kraulte war seine Entscheidung eigentlich schon gefallen. Spätestens seit den schwebenden Pfirsichen war ihm die Lust auf das, was er tat, vergangen. Wie nichtig waren solche Dinge, wenn er wirklich dafür sorgen konnte, diese Welt ein klein bisschen besser zu machen?

Du wirst doch noch zum noblen Gryffindor, mein Lieber, meckerte die kleine Stimme in seinem Kopf. Draco versuchte angestrengt sie zu ignorieren und sich einfach zu entspannen, statt an seinem Entschluss zu zweifeln. Am liebsten wäre er sofort zu Harry gegangen und hätte ihm von seiner Entscheidung erzählt, doch dieser würde vor 6 Uhr nicht zu Hause sein, da er wieder vollständig arbeiten ging.

„Du bist schon zu Hause?", fragte eine sanfte Stimme vom Türrahmen her. Draco richtete sich auf dem Sofa auf und blickte zu seiner Mutter.
„Setz dich zu mir, ich möchte etwas mit dir besprechen".

Sie hob eine Augenbraue und blickte ihn fragend an, kam aber zum Sofa herüber und setzte sich neben ihn. „Solange ich nicht wieder Angst haben muss, dass du eine der Greengrass Töchter heiraten möchtest, bin ich für alles offen".

„Bitte Mutter, ich hatte nie vor Astoria zu heiraten. Sie hat etwas falsch verstanden und das ist mittlerweile 2 Jahre her. Du solltest darüber hinweg kommen. Aber nein, es hat nichts mit irgendeiner Hochzeit zu tun. Es geht um eine berufliche Veränderung", entgegnete Draco und rollte mit den Augen.

„Nun bin ich neugierig. Welche Neuigkeiten hast du für mich?", fragte sie, während sie mit einer Hand über den Stoff des Sofas strich als wolle sie ihn glätten.

„Ich habe ein Angebot bekommen, das ich sehr gerne annehmen möchte. Und zwar als Mitarbeiter der Abteilung für magische Strafverfolgung im Ministerium", es hatte ihn tatsächlich mehr Mut gekostet es auszusprechen, als er geglaubt hatte. Einen Moment sagte seine Mutter gar nichts, sondern betrachtete ihn nur schweigend. Was auch immer sie über seine Worte dachte konnte man ihr nicht ansehen.
„Ich schätze, dass Mr. Potter dir dieses Angebot gemacht hat?", fragte sie mit so neutraler Stimme, dass sie auch über das Wetter hätte sprechen können.
„Ja, in der Tat, der Vorschlag ging von Harry aus. Ich habe ihn zunächst abgelehnt, aber ich bin mir nicht so sicher, ob ich das Angebot nicht doch annehmen sollte. Ich denke es wäre eine interessante neue Herausforderung", führte Draco weiter aus, eine Hand in das Fell des großen Hundes neben ihm gekrallt.

Narcissa schwieg wieder eine Weile, ehe sie sich von ihrem Platz neben ihm erhob und kurz lächelte. „Ich glaube zwar, dass du es auch tust, um mehr Zeit mit deiner neuen… Bekanntschaft… zu verbringen, aber ich denke, wenn es dich glücklich macht, solltest du diesen Schritt gehen".

Draco ließ sich wieder auf das Sofa sinken und seufzte. Immer diese konkreten und wunderbaren Antworten. Vermutlich war heute einfach nicht sein Tag.


Einige Stunden später trat er im Wohnzimmer von Harry Potter aus dem Kamin.

„Hey, willst du Abendessen? Ich war beim Inder und hab mir ein Curry mitgenommen", fragte Harry, der in der Tür zum Flur lehnte.
„Wer könnte da nein sagen?", antwortete Draco und ging auf Harry zu, um an ihm vorbei in den Flur zu gehen, doch als er sich im Türrahmen an ihm vorbei schieben wollte, spürte er wie starke Arme ihn gegen das Holz des Rahmens drückten.
„Du bist nicht hier, um mit mir zu Abend zu essen, oder?", fragte Harry, die leuchtend grünen Augen auf Draco gerichtet, der hart schluckte und versuchte sich auf etwas anderes zu konzentrieren als das, was sein Körper im gerade erzählte. Nur wenige Inches, und er würde den Abstand zwischen ihnen überwinden. Nervös leckte er sich über die Lippen. „Ja… es gibt noch ein paar Dinge… die wir besprechen müssten", presste er hervor und schloss die Augen, um nicht weiter in diese grünen Abgründe blicken zu müssen. Ihm war heiß geworden und seine Selbstbeherrschung schien sich wieder in Luft aufzulösen. Er konnte Harrys Atem auf seinen Lippen spüren, als dieser wieder zu sprechen begann.
„Schade, ich hatte gehofft du wärst meinetwegen da", er zwinkerte kurz, ehe er Draco wieder freigab und in die Küche ging.

Einen Moment lang lehnte dieser den Kopf gegen das Holz, um sich zu sammeln. Als er in die Küche kam, hatte Harry bereits zwei Teller auf den Tisch gestellt und das Curry verteilt.
„Setz dich, bevor es kalt wird", sagte er und deutete auf einen freien Stuhl.

Draco setzte sich und griff zu Messer und Gabel. Vielleicht würde etwas Scharfes seine Sinne wieder klar werden lassen, sodass er wieder normal denken konnte.
„Also, worüber wolltest du sprechen?", fragte Harry zwischen zwei Bissen. Er schien noch immer guter Laune zu sein.

„Nun… ich habe einen Brief von Virgil Thurgood bekommen… Deine Frau lehnt es ab, die Schuld aufzuteilen. Sie möchte noch immer, dass du alle Schuld auf dich nimmst. Ich habe einen Brief zurückgesandt, in dem wir dies kategorisch ablehnen. Mit deinem Einverständnis würde ich gerne einen Gerichtstermin beantragen, da wir nun um eine richterliche Verhandlung nicht herum kommen, wenn wir zu deinem Recht kommen wollen", erklärte Draco, während er etwas Tofu auf seine Gabel spießte.

„Oh… nun… das war zu befürchten, nicht wahr? Ich bin nicht davon ausgegangen, dass Ginny sich nochmal ändert und zustimmt. Also du hast meine Erlaubnis, einen Termin auszumachen", antwortete Harry nicht mehr ganz so gelassen wie zuvor, aber dennoch wesentlich entspannter, als jemals zuvor wenn es um das Thema ging.

„Gut… die zweite Sache wäre… nun ja… steht dein Angebot noch, im Ministerium zu arbeiten? Wenn ja… würden Mafalda und ich es gerne annehmen", Draco atmete tief durch und versuchte sich nicht anmerken zu lassen, dass er doch irgendwie nervös war, wegen der Frage.

Einen Moment schien sein Gegenüber in der Tat sprachlos, bis er dann doch zu grinsen begann. „Ich wusste, du würdest doch noch zustimmen. Ich werde alles Nötige veranlassen, aber ich schätze es wird ein paar Tage dauern. Ich hoffe du nimmst es mir nicht übel, wenn du erst in zwei oder drei Wochen anfangen kannst".

„Natürlich nehme ich dir das übel. Ich wollte gleich morgen bei euch auftauchen. Jetzt schau nicht so geschockt, das war ein Scherz, natürlich ist es in Ordnung wenn wir in ein paar Wochen anfangen. Es ist ja nicht so, als hätte ich keine offenen Fälle mehr", antwortete Draco, erleichtert, dass seine Ablehnung ihm die Chance auf eine berufliche Neuordnung nicht verbaut hatte. „Da fällt mir ein, es gibt doch noch eine Sache, die wir besprechen müssten".

„Was denn?"

„Nun ja… es ist so… wenn ich dich vor Gericht vertrete, will ich am Verhandlungstag keine bösen Überraschungen erleben, das heißt, ich muss alles wissen, was zwischen euch vorgefallen ist. Jeder Streit, all die Dinge, die ihr euch vorgeworfen habt. Worte, die in hitzige Momenten unüberlegt gefallen sind", Draco fühlte sich, als würde er in eine Privatsphäre eintreten, die er lieber nie gesehen hätte, aber er wusste, er würde Harry dieses letzte Bisschen Integrität nehmen müssen, wenn er den Fall für sich entscheiden wollte.

„Ich… verstehe... Komm mit. Ich werde dir alles zeigen…", sagte Harry, erhob sich vom Tisch und ging zur Tür, wo er auf Draco wartete.

Kapitel 10 Ende

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