XI. Entscheidungen:
Wir sind, was wir tun.
Eve
Die Schlacht war vorbei. Den Preis für ihren Sieg zahlten sie in Blut; Tausende verließen das Schlachtfeld nicht. Gemeinsam standen sie am Hügel vor dem Palast und überblickten den Ort des Gemetzels. Xena umschlang mit einem Armen Gabrielle, drückte sie wie eine Kostbarkeit an sich. Die Bardin wiederum ruhte ihren Kopf an Xenas Schulter aus. Neben ihnen standen Eve und Virgil mit verschränkten Fingern.
K'ao Hsin und Lin Chi gesellten sich zu ihnen. Die Tochter Lao Mas hatte die Schlacht unbeschadet im Palast überstanden. Nun stützte sie ihren Berater, dem der Kopf brummte.
Hinter ihnen befanden sich am Boden die Trümmer des Tores sowie die Mauerstücke, die der Angriff des Dämons hinterlassen hatte. Dazwischen lagen die toten Soldaten beider Seiten, deren Waffen, sowie die erschlagene Bestie.
»Ist es vorbei?«, flüsterte K'ao Hsin. Ihr Blick schweifte über das Schlachtfeld unter ihnen.
Xena wandte sich zu ihr um. »Ja, K'ao Hsin. Wir haben gesiegt.«
»Dann ist es an der Zeit, dass wir die Verwundeten versorgen.« Lin Chi setzte zum Sprechen an. »Du mein Lieber, ruhst dich aus. Wenn es dir besser geht, schicke bitte einen Boten zu den Flüchtlingen in die Hügel«, unterbrach sie ihn. Mit einem Lächeln stimmte er zu.
Nun richtete sie das Wort an Virgil. »Sag den Menschen in den Katakomben, dass sie wieder herauskommen können. Wer bereit ist, uns bei der Versorgung der Verwundeten unter die Arme zu greifen, ist willkommen.«
Virgil nickte ihr zu, ließ Eves Hand los und schritt zum Eingang der Katakomben.
»Wir können die Verwundeten in unser Heerlager bringen«, merkte Xena an. »Der Palast wird nicht ausreichen. Gabrielle und ich werden unser Möglichstes tun, um zu helfen.«
»Ich helfe euch ebenfalls«, sagte Eve.
»Bist du sicher, dass es dir gut geht?«, fragte Xena.
»Sei unbesorgt, Mutter!«
Viele der Flüchtlinge aus dem Palast boten ihre Hilfe an, ebenso Soldaten von Khans Armee. Und so befanden sich bis zur Abenddämmerung die meisten der Verwundeten im Lager. Xena und Gabrielle taten ihr Möglichstes um deren Leben zu erhalten. Den Sterbenden spendete Eve Trost, erzählte von Eli, vom Pfad der Liebe sowie vom Weg des Erwachens. Virgil wich ihr nicht von der Seite.
K'ao Hsin schickte ihnen frischen Verbandsstoff aus dem Palast sowie die Nahrungsmittelvorräte, die es dort gab. Lin Chi wiederum beschloss schließlich doch auf eigene Faust, die Flüchtlinge in den Hügeln aufzusuchen.
Erst bei Morgengrauen fanden Xena und Gabrielle Zeit, sich um ihre eigenen Wunden zu kümmern. Im Kommandozelt rissen sie sich die Rüstungen vom Leib, wuschen sich den Dreck ab und sackten auf ihren Schlafdecken zusammen.
Gegen Mittag schlugen sie wieder ihre Augen auf. Die paar Stunden Schlaf waren traumlos verlaufen. Obwohl sie sich immer noch müde und abgekämpft fühlten, und ihre Glieder schmerzten, spritzen sie sich Wasser ins Gesicht, schlangen hastig ein paar Bissen Brot hinunter und legten ihre Rüstungen an, ehe sie aus dem Zelt traten.
Draußen herrschte emsiges Treiben. Mehrere Wagen mit Holz und Leichen beladen rumpelten an ihnen vorbei zur Senke, die sich am Fuße des Palasthügels befand. Einige der Erschlagenen baumelten über die Ladefläche hinaus. Ihre Arme streiften über den Boden. Die Frauen blickten in namenlose Gesichter, die schmerzverzerrt, angsterfüllt, friedlich wirkten. Eines von ihnen erregte Gabrielles Aufmerksamkeit. Sie kannte es. Es gehörte dem Mann, der sie an ihrem ersten Tag in Chin in der Taverne gemustert hatte. Sie seufzte. Ohne ein Wort zu verlieren, ging sie den Männern zur Hand. Xena folgte ihr.
Am Abend entfachten sie das Feuer. Die Flammen leckten am Holz, an Leder, an Fleisch. Es knisterte und knackte. Schwarzer, dichter Rauch stieg in den Himmel empor, verdeckte die letzten Strahlen der Sonne. Ein beißender Gestank verpestete die Luft. Doch Niemand wandte sich ab.
Umschlungen standen Xena und Gabrielle vor den Überresten des Tores des Palastes. Gemeinsam mit Eve und Virgil, sowie K'ao Hsin und Lin Chi blickten sie zum lodernden Scheiterhaufen hinab.
Dann schritt Khan die Straße entlang zu ihnen hinauf. Vor K'ao Hsin hielt er an, kniete nieder und senkte sein Haupt. »Herrin,«, begann er, »Ich weiß, dass ich das Unrecht, dass ich Euch und Chin zugefügt habe, niemals sühnen kann, dennoch bitte ich Euch demütig um Erlaubnis, Euch und Chin in Zukunft weiterhin dienen zu dürfen.«
K'ao Hsin sah auf den vor sich Knieenden hinunter. »Erhebe dich!«
Mit gesenktem Blick folgte er ihrem Befehl.
»Sag deinen Männern, es sei ihnen gestattet, nach Hause zurückzukehren, oder, sofern sie es wollen, deinem Beispiel zu folgen.«
Khan verbeugte sich vor seiner Herrin. »Ich danke Euch.« Er öffnete seinen Mund, blieb aber stumm.
»Was ist es?«, fragte K'ao Hsin in sanften Tonfall nach.
»Verzeiht Herrin! Was soll mit den Gefangenen geschehen?«
»Sag ihnen,«, begann sie, »wenn sie friedlich abziehen wollen, sei es ihnen gestattet!«
»Aber Herrin ...«, protestierte er.
K'ao Hsin fiel ihm ins Wort. »Sie sind, wie einst du und deine Männer von der Finsternis verführt worden. Sie verdienen genauso die Chance, sich davon abzuwenden.« In ihrer Stimme lag ein scharfer Unterton.
Khan blieb ausdruckslos. Dann verbeugte er sich vor ihr, wandte sich um und schritt die Straße hinab.
K'ao Hsin blickte ihre Freunde an. »Erneut steht Chin in eurer Schuld. Ich weiß, es gibt nichts, womit ich euch meine Dankbarkeit zeigen kann. Außer ...«. Und damit neigte sie ihr Haupt vor ihnen. Lin Chi daneben tat es ihr gleich.
Ein Lächeln trat auf Gabrielles Gesicht. Sie schnüffelte an Xena und verzog die Nase. Diese blickte zu ihr hinüber und schmunzelte. Lächelnd wandte sie sich an K'ao Hsin. »Wie wäre es mit einem Bad?«
Sie verbrachten die Nacht im Palast und wachten nach Sonnenaufgang frisch und erholt auf. Beim Frühstück trafen sie sich wieder. Nachdem sie sich gestärkt hatten, wandte sich Xena an ihre Tochter. »Möchtest du uns erzählen, was dir widerfahren ist?«
Ein paar Augenblicke lang sah Eve ihre Mutter an, ohne dabei eine eine Miene zu verziehen. Schließlich senkte sie ihren Blick, starrte auf den Boden und nickte.
»Als mir Elis Gott die Vision von dir schickte, wie du dich um mich gekümmert hast, als ich ein Baby war, und ich eure Liebe für mich spürte, erkannte ich, wie falsch mein Weg als Livia war«, begann sie, hob ihren Blick und sah abwechselnd Mutter und Tante an. »Nach der Taufe im Fluss war ich sicher, dass der Weg der Liebe der einzig wahre, der einzig richtige war.« Sie wandte sich Virgil zu. Trauer und Scham standen in ihrem Gesicht. »Indem ich anderen den Weg der Liebe brachte, versuchte ich für meine Sünden zu büßen.« Eine Träne tropfte von einem Lid. »Doch obwohl mir andere vergaben, vermochte ich es nicht. Aus diesem Grund beschloss ich, nach Indien und Chin zu gehen.« Bei diesen Worten blickte sie wieder zu Xena und Gabrielle. »Ich hoffte Antworten zu finden, Antworten, warum gerade ich von Gott auserwählt worden bin. Doch ich fand sie nicht.«
Xena ergriff die Hände ihrer Tochter, umschloss sie mit ihren Fingern und drückte sie.
Eve schenkte ihr ein Lächeln, dann fuhr sie mit ihrer Erzählung fort. »Ich fand viele Irrwege in Indien, manche Weisheit, aber keine Antwort. Also wanderte ich weiter nach Chin.« Erneut senkte sie ihren Blick und hielt ein paar Augenblicke lang inne. »Doch auch hier fand ich nicht das, was ich suchte. Dann sah ich euch im Kloster, und ihr habt alles, woran ich glaubte, mit einem Mal hinfort gefegt. Ich war verwirrt und verängstigt. Ich fühlte mich verloren. Ich hatte Angst, Angst, dass alles, woran ich glaubte, eine Lüge gewesen sei. Ich zog mich in mein Innerstes zurück, suchte verzweifelt nach den Antworten, doch sie kamen nicht.« Mit einem Mal hob sie jedoch ihren Blick und strahlte sie an. »Da geschah etwas Wunderbares. Ich war nicht mehr allein. Ein anderes Bewusstsein suchte mich auf. Es brannte voller Liebe und Weisheit. Es überwältigte mich. Ich glaubte, Gott habe mich aufgesucht, doch es sagte, es sei kein Gott, dass es Götter nicht gäbe. Dennoch solle ich nicht traurig sein, denn die Wahrheit befreie den Geist.« Eve lächelte. »Er offenbarte sich mir, war wunderschön, erfüllt von Licht und Reinheit. Er nahm meine Hand und sagte mir, er wolle mir die Wahrheit zeigen. Ich sah eine hinreißende aber zornige Frau.« Sie fokussierte ihren Blick auf ihre Mutter. »Es war Callisto, weißt du«, flüsterte sie. »Er zeigte mir all das, was sie dir angetan hat, Mutter. Aber auch das wunderbare Geschenk, das du ihr vermacht hast.« Tränen strömten über ihre Wangen. Sie zitterte. »Mutter, er zeigte mir, wie du mich empfangen hast, wie sich Callistos geläuterte Seele mit dem heranwachsenden Leben in dir – mit mir – vereinigte.«
Xena ließ ihre Hand los, schloss sie in ihre Arme und drückte sie an sich. »Oh, Eve!«, hauchte sie. »Meine kleine Eve!« Sie wiegte sie, wie ein Kind, vor und zurück.
Die Bilder der Vision, die Eve einst gesehen hatte, tauchten aus ihrem Unterbewusstsein auf. Erneut sang ihre Mutter sie in den Schlaf.
Schließlich lösten sie sich wieder voneinander. Einen Moment lang lagen ihre Blicke noch aufeinander, dann wandte sich Eve an Virgil. »Er zeigte mir dein Herz. Er sagte, Vergeben und Loslassen seien dasselbe, dass nur dadurch Liebe entstehen kann.« Erneut strömten Tränen über ihre Wangen. Sie schluchzte. »Es tut mir so unsagbar leid! Ich … ich wünschte, ich könnte es ungeschehen machen. Ich ...«
Virgil lächelte sie an und umfasste ihre Schultern. »Dein Freund hat recht, Eve.« Er fuhr ihr über die Wangen und wischte die Tränen fort.
Eve nickte zaghaft. Dann schenkte sie ihm ein Lächeln des Dankes. Anschließend wandte sie sich wieder an ihre Mutter. »Da ist noch mehr. Toreias zeigte mir die Zukunft. Ein gewaltiges Heer belagerte eine Stadt im Namen des einen, wahren Gottes der Liebe. Als sie die Wälle überwanden, metzelten sie mit seinen Namen auf den Lippen alle in der Stadt nieder.« Mit diesen Worten blickte sie Gabrielle in Augen. »Nicht nur die Soldaten, sondern auch die Frauen, Kinder, Alten. Jedes einzelne Lebewesen. In den Straßen stand das Blut knietief, durch das sie jubelnd hindurch wateten. Aber noch entsetzlicher war, dass alle Menschen in der Stadt, sowohl Angreifer, als auch Verteidiger, Eli verehrten.«
Die Augen ihrer Zuhörer weiteten sich. Ihre Münder standen offen, die Haare auf ihren Armen und im Nacken stellten sich auf. Gabrielle hielt ihre Hand vor den Mund.
Eve hielt indes nicht inne. »Toreias sagte, auch dies sei eine Form der Liebe, denn die Aggressoren liebten den einen Gott, und all ihr Handeln war einzig von dem Ziel geleitet, die Anderen entweder zu bekehren oder zu vernichten. Und das Einzige, was Menschen von diesem Fanatismus abhalten könne, sei aus der Unwissenheit zu erwachen.« Sie senkte ihren Blick. »Da erst ergaben eure Worte im Kloster für mich einen Sinn. Toreias sagte mir auch, dass Elis Pfad für viele Menschen der richtige sein kann, dass es daneben aber noch andere gibt, die ebenfalls zum Erwachen führen. Welchen ich selber folgen soll, sei allein meine Entscheidung.
Dann wachte ich auf und hörte den Kampflärm, rannte aus dem Zimmer und die Treppe hinunter.« Sie blickte Virgil an. »Ich sah den Dämon über dir und überlegte nicht lange. Ich traf meine Wahl. In dem Moment, in dem ich den Speer ergriff, spürte ich die Kraft des Mehndi mich durchströmen.« Sie fuhr im über die Wange. »Und ich erkannte die Wahrheit über dich«, flüsterte sie.
»Welche Wahrheit?«, wisperte Virgil.
»Ich liebe dich!«
Tränen traten in seine Augen. Er beugte sich zu ihr, schlang seine Arme um sie und drückte sie an sich. Sie gab sich der Umarmung hin, fühlte sein Herz schlagen. Dann blickte sie ihre Mutter und Tante an. »Euer Weg ist auch der meine«, flüsterte sie.
Sie saßen beisammen, genossen die Gegenwart der anderen und sinnierten über Eves Erzählung. Von draußen drang Vogelgezwitscher an ihre Ohren. Einer der Musikanten landete am Fensterbrett und blickte auf die Menschen. Ungeniert trällerte er ihnen ein Ständchen. Dann erhob er sich wieder und flatterte zurück hinaus in die weite Welt.
Xena räusperte sich. »Wir sollten uns unsere nächsten Schritte überlegen.«
Ein Lächeln trat auf Gabrielles Gesicht. »Du hast recht, wie immer.«
Xena erwiderte es, dann wandte sie sich an ihre Tochter. »Wir müssen die Elianer aufsuchen und sie von der Wahrheit überzeugen.«
»Die meisten sind in Anatolien«, erwiderte Eve, »Griechenland und Rom.«
Xena nickte. »Dann müssen wir entscheiden, welchen Weg wir nehmen. Entweder nach Südwesten durch Indien zur Küste und dann mit dem Schiff oder den Landweg direkt nach Westen?« Sie sah sie der Reihe nach an.
Gabrielle schnitt das Problem an. »Der Landweg dauert länger, ist aber sicherer. Mit dem Schiff sind wir schneller, aber es ist auch risikoreicher.«
»Wieso sollte der Schiffsweg risikoreicher sein?«, fragte Virgil.
»Weil«, begann Xena, »ein Angriff auf See für uns schlimmer enden kann, als ein Kampf an Land.«
»Und wenn wir uns nahe an der Küste halten?«, bemerkte Eve. »Wir wissen nicht, wie die Dinge im Westen stehen, was Dahak für Kräfte hat.«
»Wäre er bereits stark genug,«, erklärte Gabrielle, »würden wir hier nicht sitzen.«
»Gabrielle hat recht«, bestätigte Xena. »Noch ist er nicht stark genug. Wir haben Zeit.« Erneut ließ sie ihren Blick über ihre Gesichter schweifen. »Dennoch sollten wir nicht herumtrödeln.«
»Wir müssen nach Rom!«, meinte Eve.
»Du meinst die Stadt?«, fragte Xena nach.
»Ja, Mutter.«
»Warum? Was gibt es dort Wichtiges?«
»Nun«, setzte Eve zu einer Erklärung an, »einerseits Kaiser Vespasian. Er ist aufgeschlossen gegenüber Elis Botschaft, und dann gibt es noch Epona.«
Xena und Gabrielle sahen sich an. Dann wandten sie sich an Eve. »Wer ist Epona?«, sprachen beide zur gleichen Zeit die Frage aus.
Eve schmunzelte. Bei der Erinnerung an Epona legte sich ein Lächeln auf ihre Gesicht. »Ich traf sie erstmals, ein paar Wochen bevor ich in den Norden zu den Amazonen aufbrach. Sie war ein junge Frau Mitte zwanzig mit langen braunen Haaren und bernsteinfarbenen Augen. Sie war so rein und unschuldig, dass ich eifersüchtig auf sie wurde.« Eve sah ihre Mutter an. »Sie war so, wie ich hätten sein sollen.« Lächelnd erzählte sie weiter. »Bei einer meiner Predigten war sie anwesend und verfiel sogleich Elis Botschaft. Am Ende kam sie zu mir und wollte mir folgen. Ich konnte nicht nein sagen. Da war etwas Geheimnisvolles an ihr. Ich konnte es nicht ergründen, doch es faszinierte mich. Als ich in den Norden aufbrach, blieb sie in Rom zurück und verbreitete an meiner statt Elis Botschaft.« Entschieden blickte sie ihre Mutter und Tante an. »Sie ist die Führerin der Elianer in Rom. Deshalb brauchen wir sie.«
Xena blickte sie nachdenklich an. Schließlich wandte sich Gabrielle schmunzelnd an ihre Gefährtin.
»Also das Schiff«, beschloss sie ihr aller weiteres Vorgehen.
Den Rest des Tages erholten sie sich und gingen früh zu Bett. Bei Erscheinen des ersten Rots am Horizont am nächsten Morgen standen sie bereits vor den Toren des Palastes. Gabrielle, Eve und Virgil packten die letzten Taschen. Xena verabschiedete sich derweil von K'ao Hsin.
Die Herrscherin von Chin blickte sie mit Wehmut an. Da ergriff ihre Hand. »Dein Platz ist bei deinem Volk, Schwester!« Zuversichtlich lächelte sie Lao Mas Tochter an.
K'ao Hsin nickte. Dann umarmte sie Xena. »Leb' wohl, Schwester!«, flüsterte sie zum Abschied.
Unterdessen trat Gabrielle zu Lin Chi. »Ich freue mich, dass du deine Heimat gefunden hast«, lächelte sie ihn an.
»Und ich bin froh, dass du sie gerettet hast«, entgegnete er mit einem Lächeln.
Sie küsste ihn auf die Wange. Dann stiegen die Vier auf ihre Pferde, hoben ihre Hand zum Gruß und folgten der Straße den Hügel hinunter. Unten angekommen wandten sie sich Richtung Südwesten.
Ihr Weg führte sie rund eine Woche durch Chin. Die Reise verlief ohne Zwischenfälle und nun näherten sie sich der Grenze zu Indien.
Den Proviant, den K'ao Hsin ihnen mitgegeben hatte, brauchten sie bald auf, deshalb entschloss sich Xena, an diesem Abend auf die Jagd zu gehen. Gerade als sie am Aufbrechen war, hörte sie Gabrielle ihren Namen rufen. Besorgt wandte sie sich ihr zu. »Was ist los, Gabrielle?«
»Du weißt, was du das letzte Mal gemacht hast?«
»Nein, weiß ich nicht. Was denn?«
Ein Finger Gabrielles tanzte vor Xenas Nase auf und ab. »Wehe dir, wenn du wieder unser Essen versteinerst!« Gabrielle versuchte, den Tadel in ihrem Blick aufrechtzuerhalten, doch sie schaffte es nicht und prustete schließlich los.
Xena funkelte sie an. Sie erinnerte sich, wie sie einst erfolglos versucht hatte, Lao Mas Kräfte zu kontrollieren, und einen Hasen nach dem anderen versteinerte. Ein Grinsen formte sich auf ihren Lippen, und sie blickte Gabrielle an.
Diese wich vor ihr zurück. »Nein, Xena, das wirst du nicht tun!«
»Komm, Fischi, Fischi!«, grinste Xena und sprang ihr hinterher.
Ein paar Augenblicke danach drang ein Plantschen aus Richtung des Flusses, an dessen Ufern sie ihr Lager aufgeschlagen hatten, an Eves und Vrigils Ohren, gefolgt von Xenas Lachen.
