Weil das letzte Kapitel so kurz war, werden heute zwei hochgeladen...
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Als die Sonne lange aufgegangen war, konnte er sich von dem Blick über Schottlands Hügel lösen und verließ den Turm. Die ersten Schüler waren auch schon auf ihrem Weg zum Frühstück. Er wurde zwar neugierig beäugt, als er im Treppenhaus eine Gruppe Hufflepuffs begegnete, aber niemand stellte Fragen.

Rodney hatte es wohl nicht auf das zweite Wecken ankommen lassen, denn er saß geduscht und rasiert am Wohnzimmertisch und frühstückte. Nach dem zu urteilen, was noch übrig war, hatten die Hauselfen gewonnen. Doch die Wirkung des Kaffees hatte noch nicht eingesetzt.

„Und? Wie war deine Nacht? Hat Snape dich in Ruhe gelassen?"

Irgendwie glaubte John nicht daran, dass die Fledermaus ernsthaft versucht hatte, Rodney zu wecken – denn dann hätte er eingestehen müssen, etwas nicht zu verstehen.

Rodney gab ein undefinierbares Grunzen von sich.

„Snape hat sich nicht gemuckst, aber ich habe die ganze Zeit wachgelegen und gelauscht, ob er nicht vielleicht doch an die Tür klopfen würde. Kurz bevor mich der Hauself weckte, bin ich eingeschlafen. Wo warst du denn?"

Der Wissenschaftler konnte der Versuchung nicht widerstehen und nahm sich noch ein Schokoladencroissant. John setzte sich hin und schüttete sich einen Kaffee ein.

„Ich konnte auch nicht schlafen und bin durchs Schloss gelaufen. Ich werde jetzt duschen und anschließend McGonagall um die Genehmigung bitten, die Bibliothek zu benutzen."

„Dafür braucht man ihre Erlaubnis?"

Mit vollem Mund sollte man nicht reden, aber diese Regel hatte Rodney noch nie befolgt.

„Wenn man die verbotene Abteilung betreten will."

Als Rodney anfing, aufgeregt zu gestikulieren, winkte John ab.

„Du wirst sie nicht brauchen. Snape hat für Tränke eine Büchersammlung, die ihresgleichen sucht. Allein, um die durchzuarbeiten und zu verstehen, wirst du Monate brauchen."

„Aber für den Fall, dass ich etwas anderes recherchieren muss---"

„Wirst du die Erlaubnis bekommen. Mach dir da keine Sorgen."

„Gibt es einen besonderen Grund, warum du in die Bibliothek willst?"

„Außer dass Snape mich aus seinem Labor verbannt hat und ich sonst nichts zu tun habe?" John entschied sich, vorerst noch nichts von Lunas Prophezeiung zu erzählen. Sonst würde Rodney noch auf die Idee kommen, dass die Suche wichtiger wäre als die Behebung seines gesundheitlichen Problems.

„Nein." Er schüttelte den Kopf. „Nicht wirklich. Aber vielleicht finde ich hier irgendwelche Informationen, was die Antiker gemacht haben, nachdem sie von Atlantis zurückgekehrt sind. Ich will wissen, was passiert ist, dass sich die Gesellschaft so radikal von sämtlichen technischen Hilfsmitteln abgewendet hat."

„Spannend", kommentierte Rodney diese Überlegung. „Und hätte ich nicht etwas Lebenswichtiges vor, würde ich liebend gern helfen."

„Deine Hilfe würde ich gern annehmen, denn ich bin nicht der Typ, der lesend in einer Bibliothek sitzt. Da kämpfe ich lieber gegen die Wraith. Ich weiß noch nicht einmal, wo ich anfangen soll."

Das Brot duftete so verführerisch, dass John beschloss, auch zu frühstücken. Doch bevor er Rodney das Messer klauen konnte, erschien ein Hauself und legte noch ein weiteres Gedeck auf.

Es erinnerte John daran, dass er selbst in ihrer Zimmerflucht vorsichtig mit seiner Wortwahl sein musste. Da Hauselfen immer loyal ihren Besitzern gegenüber waren, konnte es bedeuten, dass sie erzählten, was sie von ihren Gesprächen mitbekommen hatten.

John beschloss, einige Schutzzauber anzubringen. Sicher war sicher.

Rodney schwieg und erst als der Elf die leere Kaffeekanne gegen eine volle ausgetauscht hatte und verschwunden war, nahm er das Thema wieder auf.

„Versuch es doch mit dem Register. Fang einfach mit den ältesten Büchern an. Gibt es eine Methode, dass diese Wesen draußen bleiben und nicht mitten in ein Gespräch hineinplatzen?"

„Ja, die gibt es. Ich werde mich nachher darum kümmern. Dann musst du dir zwar einen anderen Weckdienst organisieren, aber das ist es dir hoffentlich wert."

„Ich denke, ich werde mir einen Wecker besorgen. Das klappt schon." Dann sah er auf seine Uhr. „Wenn sie noch richtig geht, muss ich in fünfzehn Minuten bei Snape sein. Wie komme ich zu seinem Büro?"

Da Rodney dafür nicht die Treppen benutzen musste, konnte ihm John den Weg erklären. Er beendete sein Frühstück und ging duschen.

Als er aus dem Bad kam, war Rodney weg und der Tisch abgeräumt. Mit einem grimmigen Lächeln zückte er seinen Zauberstab und belegte ihre Zimmer mit mehreren Schutzbannen. Da Rodney seine Erfahrung mit den Türen von Atlantis hatte, würde er kein Problem haben, ihre Räume zu betreten; jedem anderen – Hauselfen eingeschlossen – war es unmöglich, die Zimmer zu betreten, ohne von ihnen eingelassen zu werden.

Anschließend machte er sich auf den Weg, die Direktorin zu besuchen.

Nach einem kurzen Gespräch gab Professor McGonagall John die schriftliche Genehmigung, alle Bereiche der Bibliothek nicht nur zu betreten und Bücher dort zu lesen, nein, er durfte selbst die Werke der verbotenen Abteilung mit auf sein Zimmer nehmen.

Madame Pince war entsprechend erstaunt, als sie diese umfassende Erlaubnis sah. Auf seine zögerliche Frage erklärte sie ihm jedoch bereitwillig, auf welche Zauber das Register reagierte. Leider war keiner dabei, mit dem John die ältesten Bücher auflisten konnte. Deswegen musste er es von Hand machen. Da die Bibliothek über 100.000 Titel beherbergte, befürchtete John, dass er allein mehrere Tage brauchen würde, um alle Karteikarten zu durchforsten.

Seufzend machte er sich ans Werk. Eine Antikerdatenbank wäre ihm wirklich lieber gewesen.

Nach drei Stunden legte John die erste Pause ein. Er war gerade erst bei 'Ac' angekommen und hatte mehrere Dutzend Titel herausgeschrieben. Das Register verriet nur, wann Bücher in den Bestand aufgenommen worden waren, aber nicht, wann sie tatsächlich verfasst worden waren.

Falls also ein Buch, das im fünfzehnten Jahrhundert der Bibliothek hinzugefügt worden war, schon im fünften Jahrhundert geschrieben worden war, dann wurde das nicht im Register erwähnt.

Wie sollte er so jemals erfolgreich sein? Vielleicht sollte er Reihe für Reihe durchgehen und jedes einzelne Buch aufschlagen. So konnte er sicher sein, keins zu übersehen – vorausgesetzt, die Schüler liehen in der Zwischenzeit keine Bücher aus. Müde massierte er seine Schläfen.

Plötzlich berührte jemand John an der Schulter - man versuchte, ihn mit Gewalt umzudrehen. Vollkommen überrascht wirbelte er herum und wollte den Angreifer abwehren, als er merkte, dass es Snape war.

„Was soll das, Snape?"

„Sie hören mir nicht zu, Potter! Ich habe Sie mehrfach gerufen, aber Sie haben nicht reagiert. Wäre es Ihnen lieber, wenn ich Sie verflucht hätte?"

Damit hatte Snape einen Treffer gelandet. John ärgerte sich über seine Sorglosigkeit. Das durfte nicht passieren. Nicht auf Hogwarts – ganz besonders nicht hier.

„Hat Ihnen Hermine nicht erzählt, dass ich den Namen Harry Potter abgelegt habe. Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie ihn nicht mehr benutzen."

John blickte sich um. Ihre kleine Auseinandersetzung wurde von mehreren Schülern beobachtet. Doch keiner war in Hörweite.

„Wie Sie wünschen. Welchen sollte ich stattdessen verwenden?"

Aufreizend lächelte John ihn an. Dieses Lächeln hatte früher seine Vorgesetzten zur Weißglut gebracht. Doch Snape zuckte nicht einmal mit der Wimper.

„Sie können mich John nennen. Da Sie mit meiner besten Freundin verheiratet sind, ist es angemessen."

Snape schluckte, einmal, zweimal. Dann hatte er sich gefangen.

„Wie Sie wünschen… John. Hermine wird es sicherlich sehr freuen."

Doch er machte nicht den Versuch, John zu bitten, ihn Severus zu nennen.

„Bestimmt." John nickte, fühlte sich aber langsam ein wenig unbehaglich, weil Snape keine Anstalten machte, zurückzutreten und ihm viel zu nah war. Mit dem Registerschrank im Rücken konnte er selbst nicht ausweichen. Er sah aber nicht ein, klein beizugeben, und lächelte wieder.

„Warum sind Sie hier?"

„Ach, ja. Es geht um McKay. Was muten Sie mir zu?"

Hatten sie sich schon gestritten?

„Gibt es ein Problem?"

„Bis auf die Tatsache, dass ein Erstklässler mehr von Magie versteht als er? Wie soll ich mit so einem unwissenden Wesen zusammenarbeiten? Ich muss ihm Schritt für Schritt erklären, was er zu tun und zu lassen hat. Ständig nervt er mich mit seinen Fragen."

„Kommen Sie mit seinen Analysen zurecht?"

„Sie sind brillant. Er hat in den wenigen Wochen so viel über das Virus herausgefunden, wie ich in meinem ganzen Leben nicht. Nur versteht er die magische Komponente noch nicht. Ich hätte nie gedacht, dass Muggel zu so etwas in der Lage sind."

Es war die Antikertechnik, die die Analyse möglich gemacht hatte, aber das brauchte Snape nicht zu wissen.

„Vor etwas über einem Monat wusste Rodney nur, welche Medikamente am besten gegen seine Allergien wirken. Und hatte nicht die geringste Ahnung, wie man eine DNA aufschlüsselt. Inzwischen kann er dieses Wissen auch weitergeben. Beantworten Sie seine Fragen und in zwei Wochen ist er Ihnen ebenbürtig und in drei wird er überlegen sein."

„Sie scherzen."

„Nein, Rodney braucht nur die entsprechende Motivation. Und glauben Sie mir, sein Überleben motiviert ihn ungemein. Jetzt entschuldigen Sie mich, ich habe noch zu tun."

John wollte sich abwenden, doch Snape hielt ihn an der Schulter fest.

„Dafür, dass ich für Ihren Freund einen vollkommen neuen Trank entwickle, schulden Sie mir noch etwas."

Mit einem Ruck befreite John sich aus Snapes Griff. Genau das hatte er befürchtet. Die Fledermaus würde nicht arbeiten, ohne dass etwas für ihn ganz persönlich dabei heraussprang.

„Für einen fairen Handel bin ich immer zu haben."

Snape nickte.

„Dann sind wir uns einig. Tonks hat mich gebeten, morgen früh um zehn Uhr im Verteidigungsunterricht eine Lektion über das Duellieren zu geben. Sie ist kein adäquater Sparringspartner. Zudem muss sie jeden Zauber kommentieren. Ich hoffe, dass Sie gelernt haben, pünktlich zu sein."

Snapes Grinsen glich dem eines Wolfes, der sich seiner Beute sehr sicher war.

John ging auf die Provokation nicht ein.

„Ich habe seit zehn Jahren keinen Zauberstab mehr in meinen Fingern gehabt."

Es war eine ruhige Feststellung, die Snape mit einer ungeduldigen Handbewegung fortwischte.

„Gestern haben sowohl Sie als auch McKay bei Ollivander neue Stäbe gekauft. Meine Quellen sind besser als die des Ministeriums. Ich verspreche auch, dass ich Ihnen keinen Schaden zufügen werde, den unsere Krankenschwester nicht beheben kann."

Was klar bedeutete, dass Snape ihm Schmerzen zufügen wollte.

„Falls ich diesen Wahnsinn mitmachen sollte, Snape, was wird dann die nächste Gegenleistung sein, die Sie von mir fordern? Noch ein Duell? Oder soll ich als Versuchskaninchen für einen besonders gefährlichen Trank herhalten?"

Schon wieder versuchte Snape, John niederzustarren. Ohne mit der Wimper zu zucken, erwiderte er den Blick. Erst als ein Schüler zwei Gänge weiter ein Buch fallen ließ, blickten sie gleichzeitig zur Seite.

„Danach kommt keine weitere Forderung. Wir sind dann quitt."

Das konnte John nicht glauben. Ein winzig kleines Duell und dann würde zwischen ihm und Snape eine Art Waffenstillstand herrschen? Hatte Hermine vielleicht doch einen guten Einfluss auf ihn?

John lehnte sich an das Register und musterte Snape. Warum wollte die Fledermaus so unbedingt dieses Duell? War es Rache, weil er als Kind mehrfach versucht hatte, ihn umzubringen?

Nein, irgendwie bezweifelte John, dass dies der Grund war. Zumal Snape ihn noch nicht einmal umbringen konnte, weil sich dann Hermine in das Spiel einmischen würde. Und John war sich ganz sicher, dass Snape seine eigene Frau nicht zum Feind haben wollte.

Neugierde? Vielleicht wollte er herausfinden, ob John überhaupt noch zaubern konnte.

Es wäre eine Möglichkeit.

Ehrgeiz? Schließlich hatte John die gestrige Auseinandersetzung gewonnen und Snape wollte auf seine eigene verquere Art Revanche haben. Ja, das war wahrscheinlich der Hauptgrund.

Schließlich nickte John.

„Gut, ich werde da sein. Aber wir werden uns nicht im Unterrichtssaal sondern in der Halle duellieren. Und die Schüler sind durch einen Schutzzauber vor abprallenden Flüchen geschützt."

Snapes linker Mundwinkel zuckte einige Millimeter hoch.

„Diese Bedingungen sind annehmbar. Ich werde meine Frau und Tonks bitten, mir zu assistieren. Wen werden Sie wählen?"

Es sollte also ein klassisches Duell werden.

„Professor McGonagall wird bestimmt nicht nein sagen. Und für McKay wird es eine sehr interessante Stunde werden."

„Wir sehen uns morgen."

Damit wirbelte Snape herum und verließ die Bibliothek.

John änderte seine Pläne. Jetzt machte er sich auf die Suche nach Flüchen, mit denen er Snape besiegen konnte, ohne ihn schwere Schäden zuzufügen.

Dieser Bastard wusste ganz genau, dass er im Vorteil war, aber John hatte nicht vor, ihn gewinnen zu lassen.

„Du hast dich auf was eingelassen?"

Rodney fand es gar nicht witzig, als John ihm beim Abendessen – das er persönlich in der Küche abgeholt hatte - erzählte, dass er sich mit Snape duellieren würde.

„Es war nicht meine Idee", versuchte er, sich zu verteidigen.

„Aber ich kann mir zu gut vorstellen, wie du breit grinsend zugestimmt hast, als er damit ankam. Es ist ja nur mein Leben, das von seinen Fähigkeiten abhängt, da kann man schon Mal eine halbe Stunde seiner Arbeitszeit für Machtspielchen abzweigen. Das macht ja nichts. Was ist, wenn du ihn so verletzt, dass er für mehrere Wochen ausfällt?"

Rodney gestikulierte wild mit der linken Hand, hielt die Gabel in der Rechten und schaffte es zu essen und zu sprechen, ohne dass seine Aussprache darunter litt.

„Hat man dir schon mal gesagt, dass du keine Tischmanieren hast?"

„Es ist effektives Zeitmanagement." Rodney blickte auf seine Uhr. „Ich muss in zehn Minuten wieder im Labor sein. Aber versuch nicht, das Thema zu wechseln. Warum hast du dich auf das Duell eingelassen?"

„Weil ich verlieren will."

Das stimmte zwar nicht ganz, aber im Laufe des Nachmittags hatte er erkannt, dass er keine andere Wahl hatte, als Snape gewinnen zu lassen.

Rodneys verständnisloser Blick ließ John schmunzeln.

„Klar, zwei Alphamännchen treffen sich zum Kampf und eins davon will unbedingt seinen Bauch zeigen. Verrate mir, was das soll!"

„Ich darf nicht gewinnen, weil ich sonst wiedererkannt werde. Das ist wahrscheinlich Hermines Plan, um mich in die magische Welt reinzuziehen."

„Unterschätzt du Snape nicht gerade? So wie ich ihn heute kennen gelernt habe, ist er ein Genie. Im Gegensatz zu meinen hochgeschätzten Kollegen brauche ich ihm nichts mehrfach zu erklären, er versteht sofort, was ich meine."

Sie schienen gut zusammenzuarbeiten. John war angenehm überrascht.

„Dann haben sie gemeinsam den Plan entwickelt."

„Glaubst du das wirklich?" Rodney schien es nicht wirklich zu interessieren und zuckte mit den Schultern. „Unwichtig, dafür interessiert mich, was in deinem Kopf rumspukt. Du hast doch einen Plan?"

„Ich habe keinen Plan."

John stocherte in seinem Essen. So lecker es auch war, die Elfen hatten ihm wesentlich mehr auf den Teller gepackt, als er in zwei Tagen essen konnte. Wie Rodney es schaffte, seine Portion zu vertilgen, war ihm ein Rätsel.

Rodney kaute, schluckte und sah seinen Freund prüfend an.

„Das nehme ich dir nicht ab. Was hast du vor, John? Ich werde nur dann dein Sekundant sein, wenn du mich in deine Pläne einweihst."

„Vertraust du mir nicht?"

Es war keine Frage des Vertrauens, das wussten sie beide. Rodney grinste.

„Mit meinem Leben. Sonst wäre ich nicht hier. Aber ich kenne dich und deine verrückten Pläne gut genug, um zu fragen, warum ich mich als Sekundant auf deiner Seite des Schutzschildes aufhalten und darauf warten soll, dass mich ein verirrter Fluch trifft. Ich kenne mein Glück und weiß, dass er mich treffen wird. Wahrscheinlich mit einem Fluch, der mich ganz langsam und allmählich hinmeuchelt."

Dramatisch griff Rodney sich ans Herz. Doch John schmunzelte nur.

„Er wird dich vielleicht auf die Krankenstation hexen. Aber töten wird er dich nicht. Es geht auch nicht wirklich um Snape – außer dass er weiß, dass wir von Ollivander Zauberstäbe bekommen haben. Und wenn er es erfahren hat, dann werden es auch andere wissen. Wenn ich morgen mit Snape die Show abziehe, bin ich für alle anderen angreifbar, denn der Schutzbann wirkt nur einseitig. Sprich, wir können die Schüler nicht treffen, aber sie können uns angreifen. Du musst die Umgebung im Auge behalten und mich warnen, wenn jemand versucht, mich hinterrücks anzugreifen. Das ist mein Plan."

Abwartend blickte John seinen Freund an. Der nickte.

„Das ist logisch. Es ist zwar gefährlich, aber ich werde mich nach Attentätern umsehen. Und was ist, wenn jemand versucht, mich anzugreifen? Es wäre ja nicht das erste Mal, dass man sich einen harmlosen, unschuldigen Wissenschaftler als Opfer aussucht."

„Dann machst du das, was du am besten kannst: in Deckung gehen, auf deinen Gegner schießen und Plan B entwickeln."

John schmunzelte, als er Rodneys genervten Gesichtsausdruck sah.

„Okay, ich sehe schon. Ich fange besser an, die Leute hier wie die Genii zu behandeln, damit es mich nicht überrascht, wenn ich plötzlich ein Messer in meinem Rücken habe."

„Das ist doch das, was ich dir seit Wochen predige."

„Aber ich konnte nicht glauben, dass es wahr ist."

Kopfschüttelnd stand Rodney auf, trank noch einen Schluck und verließ dann den Raum.

Erleichtert, dass der Wissenschaftler ihm den Rücken decken würde, räumte John auf und brachte das Tablett in die Küche. Es gab zwar einen Zauber dafür, aber John kannte ihn nicht.

Als er zurückkam, wartete Hermine auf ihn. Sie schien sauer zu sein.

Um eine Auseinandersetzung auf dem Flur zu vermeiden, schob John sie unsanft ins Zimmer. Damit sie nicht bemerkte, wie viele Schutzbanne er deaktivieren musste, drehte er ihr den Rücken zu. Stablose Magie hatte seine Vorteile, aber sein konzentrierter Gesichtsausdruck hätte ihn bei einem Profi wie Hermine verraten.

Sobald die Tür hinter ihnen geschlossen war, legte sie los.

„Bist du total verrückt geworden? Warum bist du auf Severus' Herausforderung eingegangen? Ausgerechnet ein Duell! So verrückt können nur Männer sein. Ich habe Severus schon gesagt, dass ich ihn weder auf der Krankenstation besuchen, noch ihn pflegen werde, wenn er entlassen wird. Seid ihr denn gar nicht erwachsen geworden?"

John grinste erleichtert. Sie hatten doch keine Pläne geschmiedet, um seine Deckung auffliegen zu lassen.

„Hör auf zu grinsen. Das ist gar nicht lustig. Ihr beide seid so das perfekte Ziel für Attentäter. Weißt du, wie oft man in den letzten Jahren versucht hat, meinen Mann umzubringen, weil er Voldemort verraten hat? Und wenn irgendjemand herausgefunden hat, wer der seltsame Besucher ist, dann wird nicht nur ein Schüler versuchen, dich zu töten. Wie du weißt, nimmt Minerva alle Kinder auf, die magisches Potential ist. Sie können ja nichts dafür, dass ihre Eltern sich für die falsche Seite entschieden haben. Aber nicht alle Kinder denken, dass Voldemort ein Verbrecher war."

„So schlimm?"

„Viel schlimmer."

John dirigierte Hermine zum Sofa und nötigte sie, sich hinzusetzen. Aus dem Barschrank holte er den Whiskey, füllte ein Glas und reichte es ihr. Dann setzte er sich gegenüber in einen Sessel und wartete, bis sie sich etwas beruhigt hatte.

„Ich weiß deine Sorge zu schätzen, aber ich werde das Duell durchziehen."

„Hasst du Severus so sehr? Ich kann euch beide nicht verstehen."

„Nein", John schüttelte den Kopf. „Ich hasse ihn schon lange nicht mehr. Inzwischen kann ich sogar einen Großteil seiner Handlungen nachvollziehen. Was aber nicht bedeutet, dass wir jemals Freunde werden. Aber ich habe meine Gründe, das Duell stattfinden zu lassen."

„Und deswegen hast du es in die große Halle verlegt? Tut mir leid, aber ich verstehe dich nicht. Früher war das nicht so."

„Ich habe mich in den letzen Jahren verändert. Das ist kein Wunder. Und ich weiß, dass unter den Zuschauern mehr als ein potentieller Attentäter sein wird. Gerade deswegen ziehe ich es durch."

„Warum?"

„Weil es deinem Mann heute in der Bibliothek gelungen ist, mich zu überraschen. Wenn er es darauf angelegt hätte oder es einer meiner speziellen Freunde gewesen wäre, wäre ich jetzt tot."

Endlich verstand Hermine.

„Du bestimmst also den Ort und die Zeit, wann man dich angreift. Das ist logisch. Wie schlüssig ist eigentlich unser Verdacht, dass man dich erkannt haben könnte? Selbst Minerva hat dich erst erkannt, als du dich vorgestellt hast. Ist nicht die Gefahr, in der Großen Halle erkannt zu werden, größer als den Nutzen, den du daraus ziehst?"

John schüttelte den Kopf.

„Dein Mann hat über obskure Quellen erfahren, dass ich von Ollivander einen Zauberstab bekommen habe. Wenn er es schon weiß, wer noch? Es gibt nur wenige, die einen elfzölligen Stab aus Stechpalme mit einer eingelassenen Phönixfeder ihr Eigen nennen."

„Du bist noch umsichtiger und vorsichtiger, als du es früher warst, Harry. Aber ich glaube, dass du es etwas übertreibst."

„Das ist deine Sicht der Dinge. Ich sehe es als Überlebensstrategie. Wenn ich mich in Gefahr begebe, dann will ich die Situation unter Kontrolle haben."

„Aber dafür brauchst du jemanden, der deinen Rücken sichert. Du kannst nicht gegen Severus kämpfen und das Publikum im Auge behalten."

„Den habe ich schon."

„Rodney?" Hermine sah ihn geschockt an. „Er ist ein Wissenschaftler, der nicht die geringste Ahnung von der magischen Welt hat. Auf einigen Gebieten mag er ein Genie sein, denn Severus hat trotz der Tatsache, dass er so gut wie keine Ahnung von Magie hat, nicht wirklich über ihn gemeckert. Aber ihn für deine Sicherheit verantwortlich zu machen, das erscheint mir doch etwas leichtsinnig."

„Er ist ein Genie. Und immer für eine Überraschung gut. Aber sag mir, wem ich mehr vertrauen kann? Du musst Severus schützen."

Dass Rodney zusammen mit ihm trainiert hatte und wusste, auf welche Flüche er achten musste, brauchte Hermine nicht zu wissen.

„Tonks, Luna, Neville. Sie alle würden für dich sterben."

„Und das will ich nicht. Denn sie würden es nicht für mich tun, sondern für den Jungen, der Voldemort getötet hat. Sie haben nicht die geringste Ahnung, wie ich mich in den letzten Jahren verändert habe. Sie kennen mich nicht. Rodney dagegen tut es für mich. Ohne Wenn und Aber – bis auf die Tatsache, dass er nicht sinnlos in seinen Tod rennt, weil er sehr an seinem Leben hängt. Und deswegen kann ich ihm vertrauen."

„Aber er ist nicht gut genug. Er hat keine Erfahrung. John, ich bitte dich als deine alte Freundin, darüber nachzudenken."

Er sah ihre Verzweiflung, nahm ihre Hand und drückte sie.

„Ich würde Rodney nicht bitten, mir Deckung zu geben, wenn er es nicht könnte. Vertrau mir, dass ich den Richtigen ausgesucht habe."

„Und was, wenn doch etwas passiert?"

„Dann helft ihr Rodney weiter bei der Suche nach dem Heilmittel. Aber ich weigere mich, über diese Möglichkeit auch nur nachzudenken. Denn ich werde überleben."

Hermine sah ihn lange und prüfend an. Lächelnd erwiderte John ihren Blick.

„Du bist verrückt. Wie hält Rodney das Tag für Tag mit dir aus?"

„Indem er mindestens genau so verrückt ist. Und jetzt lass uns das Thema wechseln. Du scheinst Severus im Griff zu haben."

„Wenn das so wäre dann würdet ihr euch morgen nicht duellieren. Aber er hat gelernt, dass ich es nicht toleriere, wenn er sich in meiner Gegenwart wie der letzte Todesser verhält."

„Er ist also handzahm geworden?"

Darauf lachte Hermine.

„Nein, das wäre zu langweilig. Er ist immer noch ein Zyniker und hat morgens schrecklich schlechte Laune. Doch ich genieße jede Diskussion mit ihm. Er hat keine Angst vor meinem Intellekt und fordert mich immer wieder heraus. Wir möchten Kinder bekommen, doch dazu muss sich erst das politische Klima ändern."

John schwieg.

„Was ist in den letzten Jahren mit dir passiert, dass du so hart geworden bist, Harry? Selbst vor der letzten Schlacht warst du nicht so."

„Ich bin Soldat, Hermine. Und Amerika hat in den letzten Jahren viele Schlachtfelder gehabt. Was sonst soll mir passiert sein?"

Sie senkte den Kopf.

„Ich kenne einige Auroren. Auch sie sind hart, aber nicht so wie du."

„Oh ja, ich habe zwei davon getroffen." Das zynische Grinsen konnte Hermine nicht sehen, aber sein Tonfall reichte aus, um sie alarmiert hochblicken zu lassen.

„Was hast du getan, Harry?"

„Sie leben noch und erfreuen sich bester Gesundheit. Mehr brauchst du nicht zu wissen. Und es ist für mich ein Grund mehr, keine Minute länger als unbedingt notwendig hierzubleiben." Er sah sie ernst an. „Hermine, egal was du sagst und tust, du wirst diese Tatsache nicht ändern können, denn meine Leute brauchen mich."

„Im Gegensatz zu den anderen Zauberern lese ich die Muggelzeitungen. Nicht nur die London Times sondern auch andere europäische Blätter. Und ich kann einfach nicht glauben, dass du so loyal zu Amerika stehst."

In der irdischen Politik hatte die USA sich wirklich nicht mit Ruhm bekleckert. Ein Grund, warum John froh gewesen war, nach Antarktika versetzt worden zu sein.

„Nein, nicht zu Amerika, sondern zu der Menschheit. Ich arbeite in einem internationalen Projekt. Amerika ist zwar federführend, aber auch die Russen, Briten, Kanadier, Deutsche und viele andere Nationen sind dabei. Rodney ist Teil der kanadischen Truppe. Und ich habe gute Gründe, unsere Feinde mit jedem Mittel zu bekämpfen."

„Der Zweck heiligt nicht immer die Mittel. Denk an Dumbledore."

„Ach!" John zog eine Augenbraue hoch. „Und warum war Snape Spion? Warum wurde dein Mann dazu gezwungen, Dumbledore zu töten, nur um den Schein zu wahren? Es tut mir leid, an dem Sockel des ach so weisen, mächtigen Zauberers zu kratzen, aber er wusste ganz genau, was er damals tat. Aber sei beruhigt, auch ich habe meine Grenzen, nur ziehe ich sie an einer anderen Stelle. Aber lass uns bitte das Thema wechseln."

Dabei wusste John nicht, worüber er mit Hermine reden sollte. Es waren zu viele Jahre vergangen, seit sie seine engste Freundin gewesen war.

„Was läuft zwischen dir und Rodney?"

Überrascht sah John sie an.

„Was meinst du?"

"Ihr verhaltet euch wie ein altes Ehepaar und du musst ihn sehr mögen, wenn du seinetwegen zurückkommst."

Er sah das Glitzern in ihren Augen und wusste, worauf sie anspielte.

„Willst du etwa behaupten, dass ich etwas mit Rodney habe?"

Hermine sah auf ihr Glas, dann lächelte sie ihn spitzbübisch an.

„Ich bin nur neugierig und würde gern wissen ob. Wenn nicht, musst du mir alles über deine letzte Freundin erzählen."

„Rodney ist mein Untergebener. Selbst wenn ich schwul wäre, käme eine Beziehung nicht in Frage. Tut mir leid, dass ich deine Neugierde nicht befriedigen kann."

„Und was ist mit einer Freundin? Komm, du hast mir auch zu Severus Fragen gestellt, die ich dir beantwortet habe, zier dich nicht so."

„Über Ginny weißt du genau so viel wie ich auch."

„Du hattest in den letzten Jahren keine…"

Sie wurde tatsächlich rot.

„Dass ich keine Beziehung hatte, bedeutet nicht, dass ich keinen Sex hatte. Wenn du willst, kann ich dir alle Details erzählen."

Die Röte vertiefte sich und war für John Antwort genug.

„Was hältst du davon, wenn du austrinkst und zu Severus zurückgehst? Ich will dich nicht rausschmeißen, aber ich habe keine Lust, dass er gleich wutschnaubend vor meiner Tür steht."

„Das glaube ich nicht. Er war froh, dass ich jemand anderen hatte, an dem ich meine Wut auslassen konnte. Und im Moment ist er anderweitig beschäftigt."

„Ah ja, gib zu, du willst mich diese Nacht wach halten, damit er mich morgen umso leichter besiegen kann."

„Diese Strategie könnte ich auch dir und Rodney unterstellen. Die haben sich in Severus' Labor eingeschlossen um eine Nachtschicht einzulegen. Schließlich muss mein Mann tagsüber arbeiten. Wie lange kommt Rodney ohne Schlaf aus?"

„Zu lange." Wenn John nur daran dachte, wie wenig Rodney vor der Belagerung geschlafen hatte... „Wenn es darauf ankommt, dann arbeitet er drei bis vier Tage ohne zu schlafen, vorausgesetzt, er hat die richtigen Aufputschmittel."

„Dann hat Severus den richtigen Partner gefunden. Er ist genauso schlimm und merkt noch nicht einmal, wie gereizt er ist, wenn er so wenig Schlaf bekommt."

„Rodney ist da nicht besser."

Hermine trank aus und stand auf. Auch John erhob sich, um die Schutzbanne zu lösen, die sich nach dem Schließen der Türe automatisch erneuert hatten. Hermine beobachtete seine wortlose Kommunikation, aber sie sagte nichts.

Er hatte die Klinke schon in der Hand, als sie ihn kurz umarmte.

„Denk daran, dass ich dich zu nichts zwingen werde, was du nicht willst. Aber pass morgen auf dich auf."

„Und du auf Severus."

„Das werde ich."

Nachdenklich schloss John die Tür. Er wünschte sich so sehr, dass Hermine für ihn wirklich wieder die Freundin werden konnte, die sie damals gewesen war. Aber es waren so viele Jahre vergangen und sein Misstrauen saß tief.

Da nicht damit zu rechnen war, dass Rodney in der nächsten Zeit auftauchen würde, beschloss John, schlafen zu gehen. Für das Duell musste er wach sein.

Nur noch einundzwanzig Tage bis zum nächsten Vollmond.