Kapitel elf: Erklärungen

„Verdammt!" platze Ron heraus.

„Hallo alle zusammen." sagte Hermine leise, unsicher darüber, wie sie ihr plötzliches Auftauchen hier erklären sollte. Aber da sie keine logische Erklärung finden konnte überließ sie es Harry, zu erklären wie sie die Anti-Apparationsschilde überwunden hatten.

„Harry? Hermine? Seid ihr gerade hier herein appariert?" fragte Draco.

„Nein, hier sind überall Anti-Apparationsschilde. Weder Mum oder Dad oder sonst jemand kann hier herein apparieren. Der einzige Apparationsplatz liegt außerhalb des Grundstücks." erklärte Ginny.

„Oh, ich weiß was es war." rief Lavender. „Du bist teleportiert!"

Harry lächelte. Lavender war bei weitem nicht die gehirnlose, blonde Person für die sie alle in Hogwarts hielten. „Ja."

Lavender und Ginny quietschten.

„Meinst du, dass Merlin dich und Hermine von hier weg und wieder hier her teleportiert hat?"

„Nein Ron. Ich meine, dass ich Hermine und mich hin und her teleportiert habe." Ginny und Lavender schnappten sich Hermine und bombardierten sie mit Fragen. „Wie hat es sich angefühlt? Hat es dir Angst gemacht? Hat es Spaß gemacht?" und so weiter… Neville und Draco schauten nur verwundert in die Runde, weil sie davon noch nie etwas gehört hatten.

„Harry, würdest du uns erklären was Teleportieren ist?" bettelte Neville.

„Tut mir leid, Neville. Natürlich erkläre es euch, aber ihr müsst schwören, dass ihr das alles für euch behaltet. Das dient eurer Sicherheit, genauso wie meiner."

Neville stimmte bei, doch Draco zögerte. Er hielt es für keine gute Idee, wenn er das alles von Harry erfuhr. Falls er jemals von Todessern oder seinem Vater erwischt werden würde, wusste er nicht, wie gut er seinen Geist schützen konnte, um das Wissen geheim zu halten.

„Vielleicht sollte ich besser gehen während du es Neville erklärst."

„Was willst du damit sagen? Ich vertraue dir." sagte Harry.

„Das ist es nicht. Ich weiß, dass du mir vertraust, sonst hättest du mir nie erlaubt, mich mit Ginny zu treffen. Aber ich habe nicht vergessen, wo ich herkomme. Es gibt immer noch die Möglichkeit, dass alles was ich hier sehe und höre gegen euch und mich verwendet werden kann. Ich tue das genauso für mich wie für euch. Ich vertraue mir selbst nicht genug falls es jemals dazu kommt dass ich über euch ausgefragt werde. Je weniger ich von deinen Fähigkeiten weiß, desto besser."

„Wie kannst du so etwas sagen." rief Ginny nachdem sie und Lavender sich wieder beruhigt hatten.

„Es tut mir leid, aber ich sage nur die Wahrheit. Ich habe es zwar geschafft, meinem Vater nicht zu sagen wo ich bin, oder wer alles hier ist, aber ich weiß nicht, ob das immer möglich ist."

„Das gilt dann aber auch für uns andere." versuchte Hermine ihn zu überzeugen. „Wir lernen alle, wie man gegen Voldemort kämpfen kann, wir sind hier weil wir alle das gleiche Schicksal haben. Und wir haben alle vor demselben Angst, und da ist auch Harry keine Ausnahme." sie lächelte Harry fragend zu, um festzustellen ob sie recht hatte.

„Sie hat recht, das weißt du." fügte Ron hinzu. Ich denke nicht allzu oft daran, aber ich weiß, dass meine Freundschaft zu Harry mich in Gefahr bringt und ich eventuell auch auf Arten, die ich mir nicht mal vorstellen kann, benutzt werden kann, um Harry weh zu tun. Aber unsere Freundschaft ist wichtiger als das, wir sind viel enger verbunden, er ist mir wie ein Bruder. Auch wenn wir beide noch nicht lange befreundet sind, so bist du doch wegen deiner Bestimmung ein Teil von uns."

Harry war gerührt. Er wusste, dass es Zeiten gab, in denen Ron eifersüchtig auf sein Geld und seinen Ruhm war, aber es gab keinen Zweifel über Rons Loyalität. Er war ein wahrer Freund, mehr noch er war sein Bruder, ein Teil von seiner Familie. Harry wollte schon die Gefühle der anderen überprüfen, doch er hielt noch rechtzeitig inne, dies würden sie auf die alte Weise regeln, indem sie miteinander sprachen.

„Also, hier ist das Angebot: Egal was ich euch erzähle oder was ihr irgendwo hört, das Wissen, das ihr hier in diesem Raum, beim Training oder bei unseren Unterhaltungen erhaltet ist immer eine potentielle Gefahr für euch oder für mich. Ich vertraue euch, aber nicht weil wir alle teil einer Prophezeiung sind, sondern weil ihr meine Freunde und ein Teil meiner Familie seid.

„Na gut, dann erzähl es mir endlich." sagte Draco schon fast wütend. Er hatte Angst davor, dass er seine Bestimmung nicht erfüllen konnte. In seinem ganzen Leben hatte er noch nie für etwas arbeiten müssen, alles wurde ihm entweder in den Schoß gelegt oder sein Vater hatte sich darum gekümmert. Bis er Ginny kennen gelernt und von der Prophezeiung erfahren hatte, hatte er noch nichts selber geschafft. Jetzt hatte er mehr Angst davor, seine neuen Freunde zu enttäuschen als er je Angst vor seinem Vater gehabt hatte.

„Also, einige haben bereits gehört wie ich Teleportieren erwähnt habe." Alle außer Neville und Draco nickten. „Teleportieren ist eine Reiseform, ähnlich wie Apparieren. Trotzdem ist nur wenig darüber bekannt, weil die Fähigkeit sogar in meiner Familie selten ist und seit einigen hundert Jahren niemand mehr diese Fähigkeit besaß…bis heute. Ich bin der Erste seit Merlin, der Erfolge beim Teleportieren hatte. Anti-Apparationsschilde beeinflussen mich nicht wirklich, weil ich keinen Apparationspunkt benötige, ich kann überall hingehen solange ich mir den Ort in meinem Geist vorstellen kann. Die Fortbewegung der Hauselfen ist ähnlich."

Als Harry aufschaute bemerkte er, dass sie ihm alle so gebannt zugehört hatten, dass sie nicht realisierten, dass es schon Zeit für das Abendessen war. Sogar Ron reagierte nicht als die Uhr sechs Uhr schlug. Also fuhr Harry fort.

„Wie ich sagte, es ist nur ähnlich wie die Fortbewegung der Hauselfen. Hauselfen können nur sich selbst bewegen, aber beim Teleportieren kann ich mehr als eine Person mitnehmen oder jemanden einfach zu mir Teleportieren."

„Harry, könntest du noch mal zu deiner Verbindung mit Merlin zurückgehen? Ich denke ich habe da was verpasst." fragte Draco höflich.

„Tut mir leid. Ich hab vergessen dass du damals nicht dabei warst. Du musst eigentlich nur wissen, dass ich ein Nachfahre väterlicherseits von Merlin bin, mehr weiß ich selber nicht. Ich trainiere seit letztem Jahr mit Merlin und habe viel Sachen über mich und meine Familie gelernt, auf die ich sehr stolz bin."

„Kein Wunder das du so viel kannst." sagte Draco trocken. Es schien fast so als ob er ein bisschen eifersüchtig sei, aber nicht auf Harrys Fähigkeiten, sondern auf die Tatsache, dass Harry stolz auf seine Vorfahren sein konnte.

„Draco, auch du hast viele auf die du stolz sein kannst. Einer deiner Verwandten der Black-linie war einmal Schulleiter von Hogwarts. Und Sirius war der Cousin deiner Mutter, und ein guter Mann." Harry schluckte. Er hatte eigentlich gedacht, dass er Sirius Namen inzwischen wieder aussprechen konnte, aber offensichtlich hatte er damit falsch gelegen.

Als er an Sirius dachte, hatte er plötzlich ein merkwürdiges Gefühl, das nicht zu ihm gehörte. Das erinnerte ihn an eine Nacht in der er aufgewacht war und die Gefühle von jemandem gespürt hatte, der sehr beunruhigt, einsam und verängstigt war. Er erweiterte seine Emphatische Sicht ein wenig, doch diese Gefühle kamen von niemandem in ihrer kleinen Runde. So blendete er seine Freunde wieder aus, blieb aber Aufmerksam für alles, was nicht von jemandem aus dem Haus kam.

„Ist irgend etwas, Harry?" fragte Hermine besorgt.

„Ich weiß nicht. Da war ein seltsames Gefühl als ich Sirius erwähnt habe."

„Ich weiß, ich vermisse ihn auch Harry. Wir alle vermissen ihn, abgesehen vielleicht von Snape." versuchte Ron die Stimmung zu heben.

„Woher wisst ihr so viel von meiner Verwandtschaft?" fragte Draco interessiert.

„Wir hatten einmal die Möglichkeit, einen Blick auf den Black Stammbaum zu werfen, und deine Mutter war darauf. Sie hieß einmal Narcissa Black." erklärte Ginny.

„Ich weiß nicht ob es wichtig ist, aber du bist auch irgendwie mit Tonks verwand, genauso wie auch eine sehr weitläufige Verwandtschaft zu Ginny und Ron besteht." fügte Hermine noch hinzu.

„Was?

„Mach dir keine Sorgen, die Verwandtschaft ist viel zu weitläufig." sagte Hermine und Draco seufzte erleichtert.

„Du musst also nicht denken, dass all deine Vorfahren auf der falschen Seite standen. Ich glaube, auf irgendeine Weise bist du auch mit Neville verwandt. Fast alle Reinblüter sind ja miteinander verwandt." fügte Hermine noch hinzu.

„Danke, aber zurück zum teleportieren." jetzt klang er wieder fast wie der alte Draco. Er war erstaunt darüber, mit wem seine Familie alles verwandt war. Er wusste zwar, dass seine Mutter eine Black war, aber er hatte keine Ahnung, dass es da so viele gab. Sein Vater hatte immer alle Zauberer ausgelassen, die nicht auf der Seite Voldemorts standen. Deshalb hatte er in letzter Zeit auch immer geglaubt, dass er der erste Malfoy sei, der von der Familientradition abwich.

„Ist alles in Ordnung?"

„Ja. Ich denke es war dumm zu denken dass ich der erste Malfoy bin, der die Seiten gewechselt hat."

„Mach dir darüber keine Sorgen. Jeder, der die Seiten gewechselt hat, wurde von dem Stammbaum entfernt. Jetzt aber wirklich zurück zum Teleportieren. Heute war das erste Mal, dass ich noch jemanden mitgenommen habe. Wir sind nach Fincayra gegangen."

„Wohin?" fragte Neville.

„Das ist das Land aus dem Merlin stammt. Er ist ein halber Fincayraner und halber Mensch. Sein Vater war dort für eine Zeitlang der Herrscher, bis von einem Fluch auf die Dunkle Seite gezogen wurde. Er wurde getötet. Merlins Mutter war menschlich und wurde als Heilerin in Fincayra aufgenommen. Nachdem Merlin seine eigene Bestimmung erfüllt hatte, verbringt er die meiste Zeit dort. Und es scheint ganz so, also ob wir die sieben Lieder dort finden können."

„Wie meinst du das?"

„Die Lieder wurden nie aufgeschrieben, die wurden nur mündlich von Generation zu Generation weitergegeben. In eine der Letzten Generationen war der Erbe nicht mehr dazu in der Lage, sie seinem Erben mit zu teilen. So gingen sie verloren, bis ein Erbe sie wieder finden wird."

„Schon klar." sagte Ron. „Du bist derjenige der sie finden muss, sonst gehen wir alle drauf. Also wie immer, mach dir nur keinen Stress." scherzte er.

„Harry weiß, dass wir im so gut helfen werden wie wir können, auch wenn nur er sie finden kann. Der einzige Tipp, den wir bekommen haben besagt, dass sich die Lieder in Arabassa befinden."

„Was ist Arabassa?" fragte Neville.

„Ein gigantischer Eichenbaum in dem Merlins Schwester Rhia lebt."

„Sie lebt auf einem Baum?"

„Nein, IN einem Baum."

„Oh."

„Wie wäre es, wenn du uns nach Fincayra teleportierst, sodass wir mit der Suche anfangen können." schlug Ron vor.

„Nun, das einzige Problem ist, dass ich euch einzeln Teleportieren muss, oder immer mit einem Mehr üben sollte. Ich habe jetzt schon Hermine und mich Teleportiert, also sollte ich es jetzt mit drei Personen probieren und so weiter. Ich möchte erst einmal nicht versuchen, euch ohne mich zu teleportieren, weil die Gefahr besteht, dass ihr sonst wo landet. Das ist Merlin einmal passiert, als er es gelernt hat. Einverstanden?"

Sie nickten alle und waren gleichzeitig sehr aufgeregt. Sie hatten das Flohsystem und Portschlüssel schon oft ausprobiert, aber Teleportieren war für sie alle etwas ganz neues. Sie beschlossen, dass Ron als erstes mit Harry und Hermine gehen würde.