11. Kapitel
Angst
Während Artemis, Drizzt und Zak gerade unterwegs waren, um einige Dinge für ihre kommende Flucht im Frühjahr aus Silbrigmond vorzubereiten, war Jarlaxle mit seiner kleinen Nichte Diana alleine Zuhause. Der Söldner stand wie schon sooft vor dem großen Spiegel im Badezimmer und posierte. Diana saß zur gleichen Zeit in der Küche und aß von dem Kuchen, den ihr, ihr Onkel Jarlaxle zu Versöhnung mitgebracht hatte. Plötzlich öffnete sich ein Dimensionstor mitten im Raum und das Mädchen starrte mit ihren grünen Augen fasziniert auf das Schauspiel, was sich vor ihr abspielte. Dabei ließ sie ein Stück Kuchen unachtsam auf den Tisch fallen.
Mit einem Mal stand vor ihr ein Drow, es war Kimmuriel Oblodra, der Psioniker von Bregan D'aerthe, der mit leicht zugekniffen Augen eben den Raum betreten hatte. Er schaute sich leicht desorientiert um und als er sich an das helle Licht der Oberfläche gewöhnt hatte, erblickte der Psioniker Diana, die verwundert am Tisch saß und ihn mit großen Augen anstarrte. Das war doch das Menschenkind des Meuchelmörders, ging es ihm durch den Kopf. Sie schien alleine zu sein, aber er brauchte seinen Anführer und so fragte er aufs Gradewohl. „Ich suche Jarlaxle … wo ist er?"
Diana beobachtete den Drow immer noch fasziniert, der aus dem Nichts aufgetaucht war, und sie war sich nicht sicher, ob sie ihn schon einmal gesehen hatte oder nicht. Da sie keine Angst vor Dunkelelfen hatte, was an der Tatsache lag, dass ihr Onkel Drizzt und Jarlaxle beide dieser Rasse angehörten, machte sie auch keine Anstalten davonzulaufen oder vor Angst zu schreien. Als Kimmuriel sie ansprach antwortete sie, „Onkel Jara ist im Badezimmer … soll ich ihn holen? Willst du vielleicht von meinem Kuchen?"
Der Psioniker verdrehte bei diesen Worten die Augen, als er verstand, dass dieser kleine Mensch vor ihm, ihm etwas Süßes anbieten wollte. Hatte die Schmach an diesem Tag denn heute kein Ende, dachte er und musste augenblicklich seufzen.
„Ich suche Jarlaxle", sprach er nun erneut in Oberflächendialekt und versuchte dabei die Dringlichkeit in seinen Tonfall mit einfließen zu lassen.
Diana schaute den Drow ein letztes Mal an, hüpfte von ihrem Stuhl und im Rennen rief sie ihm hinterher, „Ich hole Onkel Jara … warte hier".
Kimmuriel bedachte das Mädchen mit einem abfälligen Blick und beobachtete mit zusammengekniffenen Augen, wie sie aus dem Raum rannte. Als er alleine war, studierte er seine Umgebung intensiver und musste feststellen, dass es ihm gar nicht gefiel. Alles wirkte so hell und freundlich und augenblicklich wollte er so schnell wie möglich nur noch zurück ins Unterreich. Wie konnte Jarlaxle auf der Oberfläche verweilen und diese bemitleidenswerten Kreaturen auch noch als seine Freunde bezeichnen. Bei diesen Gedanken konnte er nur den Kopf schütteln.
Nur einige Minuten später schritt der Söldner, zusammen mit Diana auf dem Arm durch die Tür und schaute verwirrt auf den Psioniker, der mit verschränkten Armen vor der Brust ungeduldig wartete.
„Kimmuriel … was macht ihr hier?", erklang die nervöse Stimme von Jarlaxle und schaute dabei verwirrt den Drow vor sich an.
„Ich musste kommen Jarlaxle, ihr habt die Schlüssel für die Schlösser dieser Kreatur im Büro … könnt ihr mir vielleicht auch verraten was ich mit diesem jämmerlichen Sklaven machen soll? Sie bewegt sich nicht von der Stelle und spricht auch kein Ton".
„Welchen Sklaven meint ihr?", fragte Jarlaxle verdutzt, der den jungen Sklaven von Nhaundar ganz vergessen hatte.
Wieder rollte der Psioniker mit den Augen und seufzte kurz ärgerlich auf. „Den Drow den ihr vor nicht weniger als einigen Stunden selbst mitgebracht habt und jetzt sinnlos in einer Ecke eures Raumes sitzt und ab und zu klägliche Laute von sich gibt".
Der Sklavenjunge, schoss es augenblicklich dem Söldner durch den Kopf. Den hatte er bereits wieder vergessen. Er fragte sich gerade, wieso Kimmuriel so einen Aufstand wegen einem Drowjungen machten, als er über die Worte genauer nachdachte. Aber es stimmte, er hatte ja tatsächlich noch die Schlüssel für diesen Keuschheitsgürtel und auch für diesen Schwanz. Bei diesem Gedanken wurde es ihm gleich flau im Magen, wenn er an das Gespräch mit dem Sklavenhändler zurück dachte und froh war, dessen Haus für das erste nicht mehr von innen zu sehen.
„Ja, stimmt, die Schlüssel habe ich tatsächlich noch … aber wieso gibt der Junge Laute von sich?", fragte Jarlaxle.
„Onkel Jara? Was ist denn ein Sklave?", sagte plötzlich Diana und schaute interessiert zwischen ihrem Onkel und dem Psioniker hin und her.
„Mein Schatz … das erkläre ich dir später", war Jarlaxles Antwort darauf und hoffte, dass seine Nichte nicht weiter fragte.
Sie nickte und gab sich auch damit zu frieden, denn sie war viel zu fasziniert von der Tatsache, dass sie auf so seltsame Art und Weise einen Besucher in der Küche hatten.
„Dieser Junge scheint völlig verrückt zu sein … er sitzt einfach in einer Ecke und will sich nicht rühren … ihr habt ihn mitgebracht … bringt ihn gefälligst dazu normal zu werden", erklang jetzt wieder Kimmuriels Stimme mit einer Spur Ärger.
„Ich kann hier nicht weg … ich habe meine Nichte … ich kann sie nicht alleine lassen", antwortete Jarlaxle und bedachte das Mädchen mit einem Lächeln, welches sie erwiderte.
Der Psioniker musste erneut seufzen, hatten denn heute alle irgendwie ihren Verstand verloren, ging es ihm durch den Kopf.
„Oder halt … vielleicht geht es ja doch", sprach wieder Jarlaxle, setzte Diana auf dem Boden ab und schaute sie mit funkelnden Augen an. „Mein Schatz … ich nehme dich gleich mit, aber nur wenn du mir versprichst, dass du deinem Vater, Onkel Drizzt und Zak nichts davon sagst … das ist dann ein Geheimnis zwischen uns … es wird dir gefallen … was sagst du?", der Söldner lächelte süffisant.
Diana bekam große Augen und das Wort „Geheimnis". Das klang nach einem Abenteuer, genauso, wie sie vor einigen Monaten mit ihrem Vater und ihren Onkel durch die Gegend gewandert war und es jeden Tag Neues zu entdecken gab. Dann erschien auf ihrem Gesicht ebenfalls ein Lächeln und sie nickte eifrig.
„Gut … dann haben wir zwei jetzt ein Geheimnis", antworte er knapp und gab seiner Nichte einen Kuss auf die Stirn. Dann wandte er sich Kimmuriel zu, der einen Moment später ein Dimensionstor öffnete. Zu Dritt schritten sie hindurch und standen kurz darauf in Jarlaxles Raum von Bregan D'aerthe in Menzoberranzan.
Augenblicklich hörte Jarlaxle ein Wimmern und als er sich in dem rot erglühenden Raum um schaute, erblickte er den Drowjungen in einer Ecke sitzen, der jämmerliche Laute von sich gab. Als er seine Augen starr auf die Szene gerichtet hielt, wurde ihm wieder flau im Magen, wenn er nur an Nhaundar dachte und darüber hinaus an Shar, der wohl früher auch wie ein Tier gehalten worden sein musste. Hoffentlich hatte er keinen Fehler begangen mit seiner Entscheidung, die Männer des Sklavenhändlers in die Suche nach dem Magier und den Halbdrow mit einzubeziehen. Aber gleichzeitig wurde er sich bewusst, die beiden würden keinen Schaden davon tragen, besonders nicht wenn Calaunim einer seiner tödlichen Tricks anwenden würde.
„Onkel Jara … wo sind wir hier?", riss ihn Diana aus seinen Gedanken und wurde sich wieder bewusst, dass er seine kleine Nichte ins Hauptquartier von Bregan D'aerthe mitgenommen hatte. Jetzt durfte ihm keinen Fehler unterlaufen.
„Oh mein Schatz … das ist ein Höhle … bleib einfach nur hier stehen und dann gehen wir auch schon bald zurück … dein Onkel muss nur schnell was erledigen", antwortete er und lief dabei auf den Jungen zu, der immer noch in der Ecke saß und mit großen Augen auf das Menschenkind schaute und immer noch vor Schmerzen wimmerte.
Während Jarlaxle und Kimmuriel ihrer Aufmerksamkeit auf den jungen Drow richteten und der Söldner und nach den Schlüsseln in seinem Umhang suchte, war Diana ganz fasziniert. Sie schaute sich aufgeregt in diesem Raum um und erblickte die blaue Masse vor einem Loch, der den Eingang zu Jarlaxles Büro darstellte. So etwas hatte sie noch nie gesehen, es zog sie magisch an. Nur einmal drehte sich das Mädchen zu ihrem Onkel und den anderen beiden um, die ihr jedoch den Rücken zuwandten und beschäftigt schienen, dann schaute sie wieder auf dieses Loch und ging darauf zu. Sie streckte eine Hand nach vorne, denn die Neugier hatte sie gepackt und betastete interessiert die blaue Masse. Es kribbelte auf ihre Haut. Ein Lächeln trat auf ihr Gesicht und plötzlich streckte Diana ihre Hand weiter hinein. Ohne weiter darüber nachzudenken, machte sie gleich danach einen Schritt nach vorne und lief wie durch eine Mauer aus dickflüssigem Wasser, obwohl sie nicht nass wurde. Kurze Augenblicke später stand sie in einem dunklen Gang, der durch eine Fackel erleuchtet wurde. Ein wenig erschrocken, aber gleichzeitig fasziniert von dem eben erlebten, schaute sich Diana um. Neben ihr standen zwei Dunkelelfen, aber sie schienen sie gar nicht gesehen zu haben, denn sie unterhielten sich. Da sie keine Angst vor Drow hatte hob sie unbeirrt eine Hand und zupfte einen der Männer am Ärmel und sagte, „Guten Tag", so wie es ihr Vater beigebracht hatte, wenn man jemanden begegnet.
Der Drow verstummte, als er plötzlich etwas an seinem Ärmel spürte. Überrascht schaute er nach unten und riss seine Augen vor Verwunderung weit auf, vor ihm stand ein kleiner Mensch mit schwarzen Haaren und grünen Augen und lächelte ihn freundlich an. Verwirrt schüttelte er seinen Kopf und kniff seine Augen zu, da er der Meinung war, er träume. Als er seinen Blick wieder nach unten richtete, stand dieser Mensch immer noch vor ihm und er sagte hastig etwas zu dem Drow neben ihm.
Diana blickte neugierig die beiden Dunkelelfen an und lächelte. Sie dachte, vielleicht gibt es hier ja noch mehr und so beschloss sie, sich ein wenig umzuschauen, besonders weil ihr Onkel ja im Moment mit etwas ganz anderem beschäftigt war. Außerdem schien es hier viel zu entdecken geben, das konnte sie sich doch nicht entgehen lassen. Hatte ihr Onkel ihr nicht ein Geheimnis versprochen? Das hier war ein großes Geheimnis und augenblicklich fing sie an, den Tunnel nach rechts zu laufen, weg von den beiden Drow am Eingang zu Jaralxles Raum, die immer noch verdutzt drein schauten. Das Mädchen drehte sich noch einmal um und winkte den beiden freundlich zu, dann war sie verschwunden.
Erst jetzt schienen die beiden Dunkelelfwachen begriffen zu haben, dass dieser Mensch keine Illusion darstellte. Der Drow, der soeben von Diana aus seine Unterhaltung gerissen wurde, blickte kurz seinen Kameraden an, der ihm zunickte, dann lief er Diana hinterher. Doch sie war schnell und bereits nach der ersten Ecke entwichen. Der andere Drow durchschritt die unsichtbare Barriere, durch die Diana hinaus kam und stand kurze Augenblicke später vor Jarlaxle und Kimmuriel. Diese schienen mit etwas beschäftigt zu sein. So räusperte der Söldner und lenkte so die Aufmerksamkeit auf sich.
Jarlaxle hörte ihn und drehte sich auch gleich zu dem Soldaten um. Etwas verwirrt schaute er in das Gesicht des Drow. „Verzeiht … aber draußen im Gang erschien eben ein kleiner Mensch, der direkt aus eurer Kammer kam … Alak verfolgt es".
„Was?", schrie Jarlaxle und schaute sich verzweifelt in seinem Raum um, suchte nach Diana, doch sie war nirgendwo zu sehen.
„Diana? Wo bist du?", rief er erneut und diesmal konnte er seine Aufregung nicht verbergen.
Er lief nervös jeden Winkel der Kammer ab, aber Diana war nicht zu finden. Also musste sie wirklich hinausgegangen sein. Das Herz fing wie wild anzuschlagen und er wollte sich lieber nicht ausmalen, was passierte, wenn seine Männer Diana zu fassen bekommen würden. Für seine unwissenden Männer war sie lediglich ein Menschenkind und ein Eindringlich, der sich im tiefsten Inneren von Bregan D'aerthe befand. So rannte der Söldnerführer, so schnell er konnte, durch die magische Barriere und stand ebenfalls in dem Gang. Er begann zu lauschen und hörte Gegröle, dem er folgte.
Kimmuriel folgte Jarlaxle und konnte ebenfalls das Gebrüll vernehmen, dass eindeutig aus dem Bereich der Soldatenkrieger kam. Auf dem Gesicht des Psionikers erschien ein ironisches Lächeln, als er zu dem Soldaten blickte, der ihm ebenfalls in den Gang gefolgt war und sagte, „Ich glaube das wird ein Spaß werden".
Diana rannte gerade einen langen Gang entlang, der nur spärlich erhellt wurde und plötzlich bekam sie es mit der Angst zu tun. Alles war dunkel und sie konnte kaum etwas erkennen. Ihr kleiner Körper zitterte. Plötzlich stand sie in einem großen Raum, der nur leicht durch einige Fackeln erhellt wurde. Vor sich erkannte sie eine große Gruppe von Dunkelelfen, die laut lachten. Sie standen im Kreis und amüsierten sich über etwas. Mit einmal mal fühlte sie sich gar nicht wohl hier. Die fremde Umgebung, die Dunkelheit, die fremden Männer vor ihr und das Fehlen ihres Onkels ließ ihr Herz schneller schlagen und das Mädchen wollte nur wieder zurück zu Jarlaxle. Vielleicht könnte einer der Männer ihr helfen und sagen, wo sich ihr Onkel befand und würde sie dann zurück bringen. Sie atmete einmal tief durch, wollte sich dadurch selbst Mut machen und versuchte so ihre Angst und die aufkommenden Tränen zu unterdrücken. Langsam lief zu den Soldaten hinüber. Und plötzlich passierte es. Einer der Drow verstummte jäh und erkannte ein kleines Menschenkind, das so eben in ihr Quartier eingebrochen war. Aber das konnte doch nicht Möglich sein. Er rief nach seinen Kameraden, die ebenso verstummten und im ersten Moment irritiert auf Diana blickten. Das Kind spürte die Blicke und die vielen roten Augen, die sie mit einem unheilvollen Funkeln anstarrten. Dann hatte die Angst über sie gesiegt, sie musste anfangen zu weinen. Als plötzlich mehrere Männer auf sie zu kamen und dabei ihre Waffen zogen, erschauderte Diana und schrie. Wie auf Kommando rannte das Mädchen los und die Soldaten hinter ihr her. Sie stieß nochmals einen spitzen Schrei aus und die Tränen flossen ungehindert über ihre Wangen. Sie bekam es immer mehr mit der Angst zu tun, ihre Nackenhaare stellten sich auf und sie verstand, dass diese Drow hier hinter ihr hinter her rannten. Als sie sich umschaute, konnte sie wieder diese funkelnden Augen sehen, die sie unheil bringend anstarrten und die Männer wild ihre Waffen durch die Luft sausen ließen und weiter hinter ihr waren. Sie verfolgten das Kind, das im Zickzak durch die große Höhle eilte und immer im letzten Moment den Griffen der Soldaten entging, die versuchten sie einzufangen. Wenn sie sie zu fassen bekommen würden, dann würden sie ohne mit der Wimper zu Zucken sie töten. Unter ihrem Tränenschleier erspähte Diana ein kleines Loch an der hinteren Wand und sie rannte nun darauf zu. Mit ihrem kleinen Körper kroch sie nur kurze Momente später hinein, schlüpfte flink in diese kleine Zuflucht. Kaum dass sie darin verschwunden war, bemerkte sie, obwohl es hier fast stockfinster war, dass eine Steinwand nach nur zwei Metern ihr den Weg versperrte und so schrie sie noch mehr vor Angst. Die Dunkelheit umgab sie und durch den Eingang zu dem Loch hörte sie die Männer, wie sich die Stimmen näherten und lachten und fluchten. Wieder erklang ein spitzer Schrei und sie rief voller Panik nach Jarlaxle.
Der Söldnerführer hörte die Schreie seiner Nichte und in ihm stieg ebenfalls die Panik auf. Wenn seine Männer Diana zu fassen bekommen würden, dann wäre sie tot. Sie kannten seine Nichte nicht und für die Soldaten wäre das Mädchen einfach nur ein Mensch, der verbotener Weise in den Unterschlupf von Bregan D'aerthe eingebrochen war und hier nichts zu suchen hatte. So schnell er konnte rannte er den Schreien nach und stand kurze Augenblicke später im Quartier der Soldatenkämpfer. Nervös schaute er sich um und erkannte die Männer an der hinteren Wand versammelt, die sich in einem Halbkreis standen und ihre Waffen gezogen hatten. Die Verzweiflung stieg in ihm auf und er hoffte inständig, dass sie noch nichts schlimmes getan und seine Nichte nicht tot am Boden liegen würde. Jarlaxle rannte so schnell er konnte quer durch die große Höhle und stieß die Soldaten, die ihm im Weg standen unachtsam zur Seite. Der Söldnerführer kämpfte sich durch die Männer hindurch und machte vor einem kleinen Loch in der Wand Halte. Er hörte augenblicklich Schreie, die eindeutig von seiner Nichte stammten.
„Diana?", rief er nervös und schaute dabei wie gebannt auf die Öffnung in der Wand.
Einer seiner Soldaten war soeben bis zur Brust darin verschwunden und versuchte das Mädchen heraus zu ziehen. Wieder ertönte eine Reihe von spitzen Schreien, die in seinen Ohren fürchterlich schmerzten. Nicht nur durch die hohe Tonlage, sondern auch um die Sorge um das Mädchen und die schiere Angst von Diana, die sie dazu zum Ausdruck brachte. Es durfte nichts passieren. Erschrocken riss er seine Augen weit auf, als er den Drow sah, der verzweifelt versuchte, Diana aus dem Loch zu ziehen, das konnte er nicht zulassen und so lief er schnell hinüber. Jetzt war es an ihm und er zog den Mann an den Beinen mit einem kräftigen Ruck hinaus.
„Weg .. ich mach das", schnappte Jarlaxle und kniete sich jetzt selbst vor der Zuflucht von Diana.
Der Soldat schaute verblüfft zu dem Söldnerführer hinunter und zuckte mit den Achseln. Und plötzlich erschien Kimmuriel, der sich seinen Weg durch die Soldaten gekämpft hatte. Ein Lächeln erschien auf seinem Gesicht, als er Jarlaxle entdeckte und freute sich über die Blöße, die er vor seinen Männern zeigte und über dessen Hilflosigkeit. Ja, dass war die perfekte Rache für die Schmach, die er vor kurzem erst mit dem Halbdrow erlebt hatte und sich der Anführer über ihn lustig machte.
„Diana? Mein Schatz … komm zu deinem Onkel?", rief Jarlaxle gerade und griff verzweifelt mit seinen Armen in das Loch, in der Hoffnung eine Hand oder einen Fuß seiner Nichte zu fassen zu bekommen.
Kimmuriel musste über die Sache grinsen, alleine über die Worte „Mein Schatz" und „Onkel". Da bemerkte er die unschlüssigen Blicke der Männer, die immer noch im Halbkreis standen und nicht wussten, was sich nun hier abspielte. Sie bedachten ihren Anführer, der plötzlich hier herein gerannt kam und jetzt mit verzweifelter Stimme irgendetwas diesem Mensch in dem Loch zurief. Doch sie verstanden ihn leider nicht, da er in der Sprache der Oberfläche verwendete. Als der Psioniker das bemerkte wollte er seine Chance wahrnehmen und übersetzte Jarlaxles Worte in der Zeichensprache der Drow den Soldaten, die neugierig den schnellen Fingern folgten.
Augenblicklich verfielen die Männer von Bregan D'aerthe in schallendes Gelächter, als sie nun ebenfalls die Worten verstanden, die Jarlaxle Diana zugerufen hatte. Als dieser das Lachen in seiner Panik war nahm, drehte er sich um und bedachte sie alle mit einem bösen Blick. Die Soldaten hörten auf zu Lachen, konnten aber ein Grinsen nicht unterdrücken. Aber Jarlaxle hatte jetzt keine Zeit sich über seine Männer zu ärgern, er musste seine Nichte hier rausbekommen. So wandte er sich wieder seine Nichte zu und rief erneut, „Mein Schatz … komm da heraus … Onkel Jara ist doch jetzt da … wir gehen wieder nach Hause, aber du musst aus dem Loch kommen".
Kaum, dass der Söldnerführer die Worte ausgesprochen hatte, übersetzte Kimmuriel erneut in der Zeichensprache und die Soldaten fingen erneut an zu Lachen.
Jarlaxle hörte sie wieder und drehte sich im gleichen Moment zu ihnen um. Ein weiterer tödlicher Blick bedachte die Gruppe der Soldaten, die erneut grinsten. Jetzt reichte es ihm, sie mussten verschwinden, seine Schande war schon groß genug. Außerdem würde Diana wohl schneller aus ihrer Zuflucht kommen, wenn sie alleine waren.
„Raus hier … alle und ich warne euch … zu keinem ein Wort, sonst seit ihr schneller Spinnenfutter bevor ihr den Mund aufmacht", sagte er zu den Männern und machte eine Geste mit seiner Hand und komplimentierte sie somit nach draußen.
Nur Kimmuriel blieb mit ihm zusammen im Raum zurück und kaum, dass dieser leer war, kniete sich Jarlaxle wieder und rief, „Diana … sei lieb und komm da raus … alle sind weg, keiner wird dir was tun".
Im Inneren hörte jetzt der Söldnerführer wieder mehrere Angstschreie und das Schluchzen seiner Nichte. Er wusste nicht mehr was er machen sollte, doch da erklangt jäh die Stimme des Mädchen, „Ich will zu meinem Papa … mein Papa soll kommen, Onkel Jara".
Oh nein, das konnte jetzt nicht wahr sein. Artemis war der Letzte, der von diesem Ausflug erfahren durfte und er wusste sich bald nicht mehr zu helfen. Er überlegte fieberhaft, wie er das Kind hier herausbekommen könnte.
„Jarlaxle, lasst mich das machen … ich kann sie mit meinen psionischen Kräften aus dem Loch ziehen", meinte Kimmuriel, der immer noch grinsen musste und es mittlerweile leid war, dass das Menschenkind so uneinsichtig war.
Der Söldnerführer stand auf und schaute nur einen kurzen Moment zu seinem Offizier hinüber, nickte ihm zu und Kimmuriel machte sich an die Arbeit. Er schloss seine Augen und plötzlich wurden die Schreie des Mädchens noch intensiver. Im Inneren spürte sie, wie etwas an ihren Beinen und Armen zerrte, obwohl niemand in ihrer Zuflucht war, selbst ihr Onkel schien nicht mehr vor dem Loch zu knien.
Die Angst von Diana wurde immer größer und sie fühlte, wie sie unerwartet das Gleichgewicht verlor und auf dem Rücken lag. Jemand riss heftig an ihren Beinen und zog sie so Zentimeter für Zentimeter dem Ausgang entgegen. Das Mädchen schrie erbärmlich und versuchte sich mit ihren kleinen Armen und Beinen an dem Stein festzuhalten, aber ihre Kraft ließ dies nicht zu.
Draußen wartete Jarlaxle ungeduldig und dann erblickte er endlich die Beine seiner Nichte. Aber Kimmuriel war für seine Sanftheit nicht gerade bekannt. So zerrte der Drow mit seinen psionischen Kräften weiter und Diana wurde mit einem letzten heftigen Ruck in die Höhle geschleudert und landete unsanft mit dem Rücken, einige Meter vor dem Söldnerführer. Das Schreien des Mädchens war jetzt noch intensiver und Jarlaxle rannte nervös zu ihr hinüber. Er hob augenblicklich das Kind auf seinen Arm, aber dadurch wurde das Geschrei nicht weniger. Ihre hohe, verzweifelte Stimme hallte in seinem Kopf und er konnte sie nicht beruhigen, sie weinte markerschütternd. So beschloss er erst mal, mit ihr auf dem schnellsten Weg in seine Kammer zu gehen und hoffte, dass sich seine Nichte dort wieder beruhigen würde.
Als er die Höhle der Soldaten verließ, standen diese vor dem Eingang und als ihr Söldnerführer durch ihre Reihen schritt, konnten sie ein Grinsen nicht unterdrücken. Jarlaxle beschloss sie zu ignorieren, das Mädchen war wichtiger, aber eine Strafe würde er sich dennoch ausdenken, beschloss er.
Keine fünf Minuten später kam er endlich in seinem Raum an. Der Drowjunge saß immer noch in der Ecke, so wie sie ihn verlassen hatten und blickte irritiert auf, als der Söldnerführer mit dem Kind auf dem Arm eintrat. Auf dem Weg hier her hatte sie sich etwas beruhigt, zumindest das Schreien hatte aufgehört und sie weinte nur noch. Er setzte Diana auf seinen Stuhl und kniete sich vor sie. Als er sich das Mädchen genauer betrachtete, erkannte er einige Schrammen auf ihrem Gesicht und ihre Hose war an einigen Stellen aufgerissen. Das Hemd, was sie trug schien ganz zu sein. Jarlaxle seufzte einmal kurz auf, dann streichelte er ihr einige Male über ihr Gesicht, murmelte einige unverständliche Silben und plötzlich waren die Kratzer verschwunden.
„Mein Schatz … tut dir noch irgendwo etwas weh?", fragte er Diana und betrachtete ihren Körper nochmals von oben bis unten.
Bis auf die kaputte Hose sah er jedoch nichts mehr und stand dann wieder auf.
Sie schüttelte als Antwort nur mit dem Kopf und sah verstört auf den Boden, dabei rannen ihr immer noch Tränen über die Wangen.
„Was ist dem Jungen ... soll ich ihn mitnehmen?", sprach plötzlich eine Stimme, der Söldnerführer drehte sich um und sah Kimmuriel, der soeben durch den Eingang geschritten kam und ein belustigendes Grinsen aufgesetzt hatte.
„Ja … macht was ihr wollt … ich gehe mit Diana zurück und ich will euch erst wieder sehen, wenn der Sklavenhändler Nhaundar sich bei euch meldet", antwortete Jarlaxle, der gar nicht richtig zugehört hatte, sondern sich ernsthafte Sorgen um seine Nichte machte.
„Wie ihr meint", sagte Kimmuriel und erzeugte gleich darauf ein Dimensionstor für den Söldner, damit dieser wieder auf die Oberfläche zurückkehren konnte.
Jarlaxle seufzte noch einmal kurz vor Erleichterung auf, dass nichts Schlimmeres passiert war, nahm Diana auf den Arm und schritt durch das Dimensionstor.
Der Drow tauchte nur wenige Augenblicke später mit dem Mädchen zusammen in der Küche ihres Hauses wieder auf und setzte sie zuerst einmal auf einen Stuhl. Sie weinte immer noch, aber es verebbte langsam, als sie die gewohnte Umgebung erblickte. Jarlaxle kniete wieder vor ihr und betrachtete sie nochmals von oben bis unten. All ihre Verletzungen schienen verschwunden. So beugte er sich nach vorne und gab Diana einen Kuss auf die Stirn und strich gleich danach sanft mit seiner Hand über ihr Gesicht. Dann flüsterte er etwas und atmete einmal vor Erleichterung tief durch. Der Drow erhob sich und das keine Sekunde zu spät.
Von Draußen hörte er Stimmen und da traten bereits Artemis, Drizzt und Zaknafein in die Küche. Der Söldner schaute sie an und hatte plötzlich wieder sein gewohnt süffisantes Grinsen im Gesicht.
„Du grinst schon wieder … das hat nie was Gutes zu heißen, mein Freund", sagte Artemis und ging geradewegs auf seine Tochter zu.
Als er sie anblickte, verengten sich seine Augen zu Schlitzen und er erkannte ihre zerrissene Hose. So kniete er sich nun vor ihr und sah, dass sie geweint hatte. Zusätzlich wirkte das Kind verstört und so nahm er sie jetzt selbst auf seinen Arm und sie kuschelte sich sofort ganz fest an ihren Vater.
„Was ist hier los gewesen? Wieso hat Diana geweint … sie wirkt irgendwie ganz verstört", sprach Artemis mit einem eiskalten Ton und bedachte Jarlaxle mit einem tödlichen Blick.
„Ja, wisst ihr … Diana hat draußen im Garten gespielt und eine Schlange hat sie fürchterlich erschreckt … ich habe sie gerade etwas beruhigt. Und keine Sorge, die Schlange ist weg", redete sich der Söldner gekonnt aus der Affäre.
Alle drei Freunde sahen Jarlaxle an und runzelten die Stirn, dann sagte Drizzt, „Schade …das dich die Schlange nicht gebissen hat … dann hätten wir vielleicht ein Problem weniger", und rauschte aus der Küche, er war noch immer sauer auf den Söldner.
Artemis setzte seine Tochter wieder auf den Boden und sagte, „Da muss ich Drizzt Recht geben … vielleicht gebe es dann weniger Probleme, wenn du nicht da wärst", und machte Anstalten dem jungen Drow zu folgen.
„Meine kleine Dame … hast du Lust Pferde zu besuchen?", mischte sich nun Zaknafein ein und betrachtete Diana dabei genau.
Sie schaute auf und schon schien freudiger zu sein. Das Mädchen liebte Pferde und wünschte sich schon lange ein Eigenes. Sie fing an zu Lächeln und Zak ging auf sie zu. Er wollte sie nun selbst auf den Arm nehmen, doch als er sie gerade am Arm festhielt, sagte sie plötzlich, „Au".
Zaknafein runzelte augenblicklich die Stirn und schaute auf die Stelle, die dem Mädchen wohl soeben wehgetan hatte. Vorsichtig schob er den Ärmel von ihrem Hemd nach oben und erkannte einen Blauen Fleck, der dem Handabdruck einer Hand glich. Er hatte so etwas schon öfters gesehen. Diese Art von Verletzungen konnte nur entstehen, wenn jemand mit ganzer Kraft den Arm des Mädchens festgehalten hätte. Ihm kam die Tatsache mit der Schlange schon im ersten Moment seltsam vor, jetzt fragte er sich, was wirklich passiert war.
Mit funkelnden Augen sah er auf und bedachte Jarlaxle mit einem tödlichen Blick. Dann ließ er die Kleine los und sagte, „Geh schon vor zu deinem Vater und zu Drizzt … sag ihnen ich komme nach … dann schauen wir zusammen nach den Pferden".
Diana nickte Zak zu und machte sich so schnell wie möglich auf den Weg zu Artemis und ihrem Onkel.
„Jarlaxle … nun zu dir … wir zwei gehen zusammen kurz in den Keller … ich lasse dir den Vortritt … dann kannst du mir die Wahrheit sagen", sprach er zu dem Söldner gewandt und machte eine Geste mit seiner Hand, dass dieser voran gehen sollte.
Jarlaxle erwiderte den Blick seines Freundes und schluckte einmal kurz. Er hatte eine Verletzung übersehen und machte sich in diesem Moment selbst Vorwürfe, wie er es überhaupt so weit kommen lassen konnte. Und die Reaktion seines alten Freundes verkündete keine Freude. Aber es blieb ihm nichts anderes übrig und so ging er an Zaknafein vorbei und machte sich auf, nach unten zu gehen. Sein Freund folgte ihm auf dem Fuß.
Unten angekommen und kaum war die Tür vom Badezimmer ins Schloss gefallen, packte Zak Jarlaxle von hinten, drehte ihn mit voller Kraft zu sich um und presste ihn gegen eine Wand. Der Söldner riss erschrocken seine Augen auf und blickte in das wütende Gesicht seines Freundes Zaknafein.
„Was ist wirklich passiert … und diesmal die Wahrheit und versuche erst gar nicht zu lügen", sagte der ehemalige Waffenmeister und hielt Jarlaxle weiter im Schwitzkasten.
Dieser war in die Enge getrieben worden und schluckte erstmal, bevor er zu einer Antwort ansetzen konnte und meinte, „Nun ja … weißt du … Kimmuriel …", dann stoppte er, als er spürte, dass Zak seinen Griff verstärkte, nur um ihn darauf aufmerksam zu machen, bei der Wahrheit zu bleiben.
„Ich kürze es ab … ich habe Diana mit nach Menzoberranzan genommen", flüsterte nun der Söldner, um so zu verhindern, dass sich die Tatsache dadurch verschönern ließ.
„Du hast was?", schrie ihn Zak an und umschloss dabei Jarlaxles Kehle. „Wenn ich jetzt zudrücke hat die Welt einen Idioten weniger … vielleicht hast du dir dein Gehirn bereits herausgevögelt, du Narr".
Dann ließ der Drow den Hals des Söldners los, nur um eines seiner Schwerter zu ziehen und hielt dieses auf dessen Herz gerichtet. „Du hast mehr Glück als Verstand … du hättest einen Heiltrank mehr nehmen müssen und bei nächsten Mal lass dir eine bessere Ausrede einfallen".
Zaks andere Hand schoss mit voller Kraft nach vorne und traf Jarlaxle mit seiner Faust auf die Nase. Dieser fiel nur einen kurzen Moment später bewusstlos zu Boden, seine Nase blutete und der ehemalige Waffenmeister steckte sein Schwert wieder ein. Er wartete bis sein Freund wenige Augenblicke danach das Bewusstsein wieder erlangt hatte. Danach hörte man nur noch heftige Geräusche aus dem Keller, die einer Schlägerei nahe kamen.
Zwei Monate waren nun vergangen. Der Magier Calaunim Zaurahel und sein Begleiter Shar liefen gerade durch die Straßen von Menzoberranzan. Beide waren wie sooft alle paar Wochen zusammen unterwegs, hauptsächlich, weil Calaunim hier gerne seine Vorräte einkaufte. Die Auswahl an Zaubererkomponenten in dieser Stadt war hier oft größer als in Ched Nasad oder einer der anderen Städte der Drow. Der Halbdrow lief an dessen Seite und somit boten sie sich gegenseitig Schutz. Gerade bogen beide um eine Ecke, da bemerkte Shar, dass sie immer noch verfolgt wurden. Er schaute wie beifällig kurz über seine Schulter und erkannte die sechs Männer, die nun seit dem letzten Laden hinter ihnen her liefen.
„Calaunim, wenn mich nicht alles täuscht werden wir verfolgt … die Männer hinter uns sind schon eine ganze Weile da … ich glaube das riecht nach Ärger", flüstere der Halbdrow seinem Begleiter zu.
„Ich muss noch in diesen Laden … danach verschwinden wir", antwortete ihm der Magier.
Shar nickte und schritt hinter Calaunim durch eine kleine Ladentür in das Geschäft eines Kräuterhändlers.
Es dauerte auch nicht lange, da kamen die sechs Männer dem Laden näher, blieben jedoch draußen stehen und unterhielten sich und schienen auf etwas zu warten. Der Halbdrow beobachtete die Situation sehr genau, während der Magier damit beschäftigt war, verschiedene Kräuter zu suchen.
„Jetzt ist der Ärger nicht mehr weit", flüsterte Shar Calaunim zu und beide blickten aus dem Fenster und sahen die Männer warten.
Der Zauberkundige beobachtete kurz die Situation und gleich danach erkannte er zwei Priesterinnen, die sich ebenfalls in diesem Laden aufhielten. Mit einem Lächeln auf den Lippen, zog er seinen Begleiter am Ärmel weiter nach hinten in eine kleine Ecke, wo niemand von ihnen Notiz nahm. Kurze Augenblicke später traten die beiden wieder nach vorne, aber mit dem Aussehen der Priesterinnen. Calaunim hatte einen Illiusionszauber gewirkt.
Schnell machten sich der Magier und der Halbdrow auf, das Geschäft zu verlassen. Die Tür ging auf und zwei Priesterinnen traten auf die Straße. Schweigsam liefen sie an den Männern vorbei. Diese verbeugten sich, wie es sich für Männern nun mal gehörte und als die beiden Drow um eine Ecke gebogen waren, warteten sie geduldig auf die beiden männlichen Dunkelelfen, die sich ja noch in dem Laden befinden mussten. Doch als nur einige Minuten später die gleichen Priesterinnen aus der Tür geschritten kamen, rissen sie weit ihre Augen auf und konnten es nicht glauben, sie waren an der Nase herum geführt worden. Nhaundar hatte ihnen zwar erzählt, dass es sich bei einem der beiden um einen Magier handelte, aber sie ahnten nicht, dass dieser so einen billigen Trick anwenden würde. Respektvoll verneigten sich die Männer bei den Priesterinnen, dann rannten sie den Flüchtigen hinter her. Und diese waren noch nicht weit entfernt.
Als Calaunim und Shar hinter der nächsten Ecke verschwunden waren, löste der Magier die Illusion auf und beide schritten schnell durch die Straße, in der Hoffnung ihre Verfolger losgeworden zu sein. Leider mussten sie erkennen, dass die Männer ihnen immer noch hinter her liefen. Dieses Mal sogar rannten und ihre Schwerter, bereit für einen Kampf, gezogen hatten.
So blieben beide stehen und stellten sich ihren Angreifern.
