Police Station
Twelfth Precinct Homicide Squad,
Madison Street, Manhattan
New York

Die Stunden des Wartens gingen nur quälend voran. Die Detectives machten ihren Papierkram und Castle versuchte entspannt sein Buch weiter zu lesen, doch er konnte sich nicht konzentrieren. Seine Aufmerksamkeit richtete sich ständig gen Kate. Er beobachtete sie heimlich wie sie die Papiere sortierte oder Berichte schrieb. Er liebte es, wenn sie ihre Stirn leicht runzelte und mit ihrem Stift gegen ihr Kinn tippte. Richard hatte unbewusst sein Buch zusammengeklappt und starrte weiter. Eine Zufriedenheit schlich sich in seinen Körper, als er den Ring an ihrem Finger sah. Wie lange hatte er auf diesen Moment gewartet? Zu lange, stellte er fest, doch sie war jede Minute wert. Eine Haarsträhne hatte sich gelöst und hang ihr ins Gesicht, bevor Kate sie selbst zurück streichen konnte, hatte Richard ihre Wange berührt und strich ihr Haar hinter ihr Ohr.
Seine Hand verweilte weiter auf ihrer zarten Haut. Kate drehte sich zu ihm und lächelte ihn liebevoll an. „ Ist dein Buch so langweilig, Rick?"
„ Was?" Richard erwachte langsam aus seiner Trance. „ Du hast mich die ganze Zeit beobachtet. Was ist bitte so faszinierend daran, wie ich Berichte schreibe?" fragte sie und nahm seine Hand weg. Kate hatte sich nun komplett von ihrer Arbeit getrennt und hielt Richards Hand. „ Wie du das machst. Du hast dann immer dieses kleine Runzeln auf der Stirn, wenn du dich konzentrierst. Das ist niedlich." stellte er fest und grinste sie frech an.
„ Ich fühle mich geschmeichelt, aber könntest du bitte etwas anderes machen? Ich will heute noch damit fertig werden und das kann ich nicht, wenn du mich anstarrst."
„ Hast du heute Abend etwas vor?" fragte Richard und lehnte sich zu ihr. „ Vielleicht." Kate rutschte näher an ihn und beobachtete wie Richard seine Augen schloss, als ihre Lippen leicht seine berührten. Grinsend zog sie sich zurück und sah wie er seine Augen empört öffnete, bevor Richard etwas sagen konnte küsste Kate ihren Zeigefinger und legte ihn auf seinen Mund. „ Bitte, ich will wirklich heute damit fertig werden."
Richard nickte stumm und öffnete wieder sein Buch, doch sie wussten beide, dass er nicht aufhören konnte.
Kate versuchte sich weiter an ihrem Papierkram, erleichtert stellte sie fest dass sie fast fertig war.
Sie war so versunken in ihre Arbeit, dass sie das Telefon nicht hörte. Erst als Javier und Ryan neben ihr standen blickte sie auf. „ Die CSU hat angerufen." sagte Esposito.
„ Und? Was haben sie herausgefunden?"
„ Die Daten wurden mehrmals gelöscht, doch es konnten noch Bruchstücke sichergestellt werden. Jeff Quinn ist unser Mann. Wir müssen Ihn nur noch finden."
„ Und ich weiß auch wo." sagte plötzlich Castle und blickte von seinem Buch auf. „ Ach ja Castle und wo?"
Richard legte gemütlich sein Buch auf Kates Schreibtisch und grinste die Detectives zufrieden an. „ Wenn du heute dein Codewort sagen willst, dann sprich endlich." entgegnete ihm Kate und lächelte selbstgefällig.
„ Er wird bei ihr sein." stellte Richard fest und stand auf. „ Wollen wir Sara Newman ein Besuch abstatten?" fragte er in die Runde und streckte sich. Kevin und Javier rannten beinahe zu ihren Schreibtischen, schnell zogen sie sich an und holten ihre Waffen. Kate tat es ihnen gleich, doch bevor sie und Castle den beiden zum Fahrstuhl folgten, küsste sie ihn kurz und nahm seine Hand.

Hotel Saint Marks Place,
Manhattan, New York

„Beckett, sollen wir den Hinterausgang sichern?" fragte Ryan, als sie aus dem Auto ausstiegen. „ Ja, seid vorsichtig." Die beiden Detectives nickten Castle und Kate zu und gingen schnell um das Haus herum. Kate drehte sich wieder zum Auto und sah wie Richard seine Schutzweste anlegte. „ Bist du soweit?" fragte sie und entsicherte ihre Waffe. „ Ich wäre froh, wenn du deine auch anziehen würdest." antwortete er ihr und blickte sie vorwurfsvoll an. „ Rick, ich bin bewaffnet." Sie wollte jetzt nicht mit ihm darüber diskutieren, schnell küsste sie seine Nase und drehte sich wieder zum Hotel. Richard hatte keine Gelegenheit zu sprechen, er musste mit ansehen wie Kate ungeschützt die Tür öffnete und das Hotel betrat.

Kate überblickte die Eingangshalle, welche noch spärlicher beleuchtet wurde als sonst. Sie entdeckte Sara Newman an der Rezeption, mit eiligen Schritten lief sie zu ihr. „ Sara?"
Kate blickte über den Tresen und schaute auf die kleine Frau. Sara blickte erschrocken zu ihr nach oben und erstarrte, wie Kate feststellte. Sie wollte gerade etwas sagen, als sie kalten Stahl an ihrem Nacken spürte. Kate wusste sofort um was es sich handelte, sie hatte unbewusst ihren Atem angehalten und hoffte dass Richard sich versteckte. „ Detective Beckett, schön Sie wiederzusehen." sagte plötzlich Sara mit einer Stimme, die Kates Blut gefrieren ließ. „ Ich nehme an ihr Partner Jeff Quinn steht hinter mir."
„ Sie sind gut, verdammt gut. Ich bin beeindruckt, aber leider sind Sie zu spät, das Geld ist weg und wir auch."
„ Noch nicht, was wollen Sie jetzt tun?" fragte Kate und versuchte gelassen zu wirken, doch sie spürte die innere Unruhe in sich. Irgendwo in dieser Eingangshalle war Castle und sie wusste dass er nicht einfach nur zuschauen würde. Wann kamen endlich Esposito und Ryan hereingestürmt?
„ Wir werden Sie leider erschießen müssen." kam es plötzlich von hinten. Kate spürte wie der Lauf der Waffe in ihre Haut drückte. „ Sie wollen allen Ernstes einen Detective des NYPD töten?"
„ Wenn es sein muss. Ich zögere nicht Detective, auch nicht vor einer Frau." Die Stimme von Jeff Quinn machte ihr Angst. Kate konnte deutlich seine Entschlossenheit hören. „ Das Hotel ist umstellt. Sie werden hier nicht herauskommen, nur mit Handschellen." sagte Kate immer noch gelassen und hoffte die beiden zu verunsichern. Doch es half nicht, sie entzürnte ihn noch mehr. Sara beobachtete das Szenario und riss plötzlich die Augen weit auf. Kate sah ihre Reaktion und verkrampfte sich.
Jeff Quinn bebte vor Wut, ruckartig nahm er die Waffe weg und holte aus. Der Schlag traf Kate an der Schläfe, ihr Körper sackte auf den Boden. Sie hörte in der Dunkelheit der Ohnmacht, den verzweifelten Schrei von Richard nicht.
Erschrocken drehte Jeff sich zu der Stimme und schoss.

Ryan und Esposito hatten den Hintereingang nach langem Suchen endlich gefunden. Javier riss die Tür auf und beobachtete wie Ryan das kleine Treppenhaus sicherte. Es war stockfinster, beide mussten mit ihren Taschenlampen herum leuchten um die Tür auf der rechten Seite zu sehen. Ryan wollte diese gerade vorsichtig auf machen, als er Stimmen vernahm. Javier stellte sich neben ihn und lauschte. Er konnte deutlich Becketts Stimme hören und die von Sara Newman.
Ryan zog leise die Tür auf und blickte in die dunkle Eingangshalle, erschrocken blieb er stehen und beobachtete das Szenario, welches sich ihm bot.
Der Verdächtige Jeff Quinn stand hinter Beckett und bedrohte sie mit einer Waffe. Ryan signalisierte Esposito zu ihm zu kommen, beide zielten auf Quinn, doch hatten sie keine freie Schussbahn. Erst jetzt bemerkte Javier das Castle fehlte, schnell blickte er durch die Eingangshalle und entdeckte ihn. Er hatte sich nicht mehr auf das Gespräch konzentriert und musste mit ansehen wie Beckett niedergeschlagen wurde. Ihr Körper lag leblos vor Quinns Füßen, ihr Blut besudelte den Hotelteppich, bevor die beiden Detectives reagieren konnten, hörten sie Castle schreien.

Hotel Saint Marks Place,
Manhattan, New York

Castle hatte sich das spärliche Licht zum Vorteil gemacht. Er war Beckett in die Eingangshalle gefolgt und wollte gerade zu ihr aufholen, als er eine Bewegung aus der Ecke wahrnahm. Richard versteckte sich hinter einer großen Pflanze am Eingang und beobachtete, wie Beckett von Jeff Quinn bedroht wurde. Er rechnete sich seine Chancen aus ihr zu helfen, doch er wusste, wenn er noch einen Schritt näher kam, würde Sara ihn entdecken.
Castle kroch leise über den Boden, als er hinter der Couch lag, blickte er vorsichtig um die Ecke und sah wie Kate niedergeschlagen wurde. Er wollte eigentlich nicht schreien, doch dann entdeckte er Esposito und Ryan. Um den Beiden einen Vorteil zu verschaffen, schrie er laut auf und drückte sich noch flacher auf den Boden.
Er hörte den lauten Knall und biss sich auf die Lippe um nicht noch einmal zu schreien.

Javier hatte sich als erster aus der Erstarrung gelöst und rannte zu Quinn, doch dieser hörte die lauten, schroffen Schritte, bevor Javier in einer guten Schussposition stand, hatte Jeff sich zu ihm umgedreht und zielte auf ihn. Ruckartig blieb Javier stehen und blickte zu der Couch, dort entdeckte er Castle. Schnell richtete er seinen Blick wieder auf Quinn um Castle nicht zu verraten.
„ Legen Sie die Waffe hin, Jeff." sagte Esposito ruhig. „ Schnauze!" schrie dieser ihm zurück und fuchtelte mit der Waffe bedrohlich herum. Javier sah aus dem Augenwinkel, wie sich Sara bewegte. „ Gib ihr die Waffe oder ich schieße!" Esposito wusste das er keine andere Wahl hatte, er hielt die Waffe mit dem Griff zuerst gen Sara. „ So, jetzt leg dich flach auf den Boden." Javier tat wie befohlen und spürte dass er mit seinen eigenen Handschellen gefesselt wurde. Doch Sara nahm ihm nicht seine Schlüssel für die Handschellen ab, dass schürte Hoffnung in ihm. Er versuchte nach oben zu blicken und sah das panische Gesicht von Jeff. „ Was machen wir jetzt?" fragte Sara ihn und schaute zu Kates leblosem Körper. Quinn wollte ihr gerade antworten, als er ein Geräusch vernahm. Er entdeckte den Schatten von Ryan und schrie: „ Noch eine Bewegung und die Beiden hier sind tot!"
Ryan blieb abrupt stehen und senkte seine Waffe. „ Geben Sie auf! Das Hotel ist umzingelt!" antwortete ihm Ryan und hoffte das Jeff Angst bekam.
„ Sara mach die Tür auf." rief Jeff über seine Schulter. Sara blickte zu der Tür hinter ihrem Tresen und zerrte diese schnell auf. Quinn zielte weiterhin auf Ryan und machte einen Schritt auf Kate zu. „ Hinlegen!" schrie er.
Ryan legte sich schnell auf den Boden und beobachtete wie Jeff Kates Körper mit sich zerrte.
Eine leichte Schleifspur aus Blut zierte den Teppich und das Parkett. Ryan stand langsam wieder auf und sah wie die Tür zuknallte, schnell rannte er zu Javier und befreite ihn. Richard kam zu den beiden und blickte ängstlich auf das Blut vor seinen Füßen. „ Was jetzt?" fragte Ryan und schaute zu der Tür. „ Wo führt die Tür hin?" entgegnete Castle und ging um den Tresen herum. Er wollte gerade die Klinke nach unten drücken, als Javier seinen Arm festhielt und ihn stoppte. „ Nein, damit riskieren wir ihr Leben."
Esposito blickte in das gequälte Gesicht von Richard und wusste das er Angst hatte. Beruhigend legte er seine Hand auf Castles Schulter. „ Wir werden Kate befreien."
Richard achtete nicht weiter auf Javier und drehte sich von ihm weg, bevor er auch nur etwas erwidern konnte hatte Castle die Tür geöffnet.
Er hörte deutlich wie Javier wütend etwas sagte und sich an ihm vorbei drängte. Richard folgte ihm und blickte durch den kleinen Raum. Sein Herz blieb für einen kurzen Moment stehen, als Castle die Stahltür an der gegenüberliegenden Wand sah. Geschwind drückte er sich an Esposito vorbei und hörte Javiers fluchende Stimme. „ Castle! Castle! Verdammt bleib stehen!" Doch er tat es nicht.
Als Richard die Stahltür aufriss wurde er vom grellen Licht geblendet und schirmte seine Augen blitzschnell ab. Der kurze Moment reichte ihm jedoch um das wegfahrende Auto zu erblicken. Das aufsteigende Adrenalin veranlasste ihn hinterher zu rennen. Castle blickte sich um und versuchte das Nummernschild zuerkennen, doch der Wagen beschleunigte und bog ab. Richard hatte keine Chance, als er auf der Hauptstraße ankam, schrie er vor Verzweiflung.
Seine Kräfte verließen ihn und zogen ihn auf die Knie. Richard blickte auf seine Hände und versuchte das Zittern zu unterdrücken. Er spürte eine starke Hand auf seiner Schulter. „ Wir werden Sie finden. Hörst du?" Richard stand mit wackligen Beinen auf und blickte in Javiers Gesicht. „ Ich konnte das Nummernschild nicht erkennen."
„ Weißt du noch welche Farbe das Auto hatte? Vielleicht auch den Typ?" fragte Javier ruhig und zog Castle mit sich. „ Ich glaube der Wagen war Dunkelblau."
„ Na das ist doch schon etwas." Richard konnte seine Gelassenheit nicht verstehen und riss sich von ihm los. Ryan hatte in der Zeit das Auto geholt und hielt vor den Beiden an.
Die Fahrt zum Revier war ruhig. Zu ruhig wie Javier feststellen musste. Er drehte sich um und sah wie Castle seinen Kopf in den Händen vergruben hatte. Eigentlich hätte er sofort Alarm schlagen müssen, dass ein Detective als Geisel genommen wurde, doch Javier wollte erst einmal nach dem Wagen suchen und danach gezielt nach Beckett.

Police Station
Twelfth Precinct Homicide Squad,
Madison Street, Manhattan
New York

„ Beckett wurde was!" Capt. Montgomery lief aufgeregt durch sein Büro und starrte Esposito an. „ Finden Sie sie." waren seine letzten Worte, bevor er zum Telefon griff und Verstärkung rief.
Javier nickte ihm kurz zu und ging zu seinem Schreibtisch, dort saß Ryan und durchforstete die Akten.
„ Hast du was?" fragte Javier.
„ Bingo!" rief Kevin strahlend und tippte auf Jeffs Akte. „ Quinn fährt einen Dunkelblauen Honda. Ich lass sofort nach ihm fahnden."
Javier klopfte ihm anerkennend auf die Schulter und suchte Castle. Er entdeckte ihn an Kates Schreibtisch.
Richard starrte gedankenverloren auf Kates Stuhl und hörte Javiers Schritte nicht. Er erschrak leicht, als Javiers Gesicht vor seinem auftauchte. „ Wir lassen nach Jeffs Auto fahnden. Capt. Montgomery hat die Verstärkung gerufen, wenn das Auto gefunden wird werden wir den Schweinehund festnehmen."
Richard wollte ihm glauben, doch ein Gedanke hatte sich in sein Gehirn festgesetzt. Vielleich war Kate längst Tod oder er misshandelte sie. Es machte ihn rasant nicht zu wissen wo sie war und ob es ihr gut ging.
„ Ich könnte es nicht ertragen, wenn sie…" weiter konnte er nicht sprechen. „ Castle, verschwende keinen Gedanken daran. Hast du verstanden. Sie lebt und wir werden Sie finden."
Richard musste für einen Moment allein sein, schnell stand er auf und ging Richtung Toiletten. Er hoffte dass Javier ihm nicht folgte, als er die Tür zum Männerklo öffnete, blickte er sich schnell um. Niemand war zu sehen.
Er ging zum Waschbecken und drehte das Wasser auf. Kaltes Wasser rann über seine Handflächen, langsam bespritzte er sein Gesicht und blickte sein Spiegelbild an.
Was er sah, erschreckte ihn. Sein gequältes Gesicht hatte alles Blut verloren. Blass bis auf die leicht blutunterlaufenden Augen, doch das war nicht das schlimmste an seinem Aussehen. Er sah in seinen eigenen Augen Angst. Nackte Angst. Was sollte er tun, ohne Kate?
Richard wusste etwas hundertprozentig, wenn er diesen Kerl gefunden hatte, würde er sich wünschen Kate niemals berührt zu haben. Impulsiv schlug er gegen den Spiegel und spürte den stechenden Schmerz, als das Glas in seine Haut ritzte.
„ Geht es dir jetzt besser?" fragte Javier, als er das Herrenklo betrat. „ Ja." antwortete Richard und versuchte die Splitter zu entfernen. Esposito signalisierte ihm nach draußen zu kommen und sich wieder auf seinen Platz zu setzen. Richard entdeckte überraschend Lanie und setzte sich hin. Sie ergriff seine Hand und nahm das Erste Hilfe Verbandszeug. Behutsam entfernte sie die Glassplitter und desinfizierte die Wunde. Sie sah wie Richard zusammenzuckte, schnell verband sie seine Hand und schaute in seinen Augen. „ Sie lebt." waren ihre einzigen Worte.
Richard öffnete den Mund um etwas zu erwidern, doch Ryan kam ihm zuvor. „ Wir haben Quinns Auto gefunden!"
Ohne wertvolle Zeit zu verlieren, sprang Richard auf und rannte zum Fahrstuhl. Er hämmerte gegen den Knopf und hörte wie Ryan und Esposito zu ihm traten.