Sanfte Lippen wanderten quälend langsam an seinen Bauchmuskeln hinunter, neckten kurz seinen Bauchnabel und glitten noch tiefer, nur um kurz vor seiner kaum zu übersehenden Erregung abzuschwenken und kleine, hauchzarte Küsse auf der Innenseite seiner Oberschenkel zu hinterlassen. Er stöhnte frustriert und wand sich leicht unter den Liebkosungen.

„Wenn du nicht bald zur Sache kommst, sterbe ich hier", flüsterte er, seine Stimme vor Lust heiser, und ein paar sehr selbstzufriedene silberne Augen blinzelten ihn amüsiert an.

„Geduld", wisperte der Andere zurück, wohlweislich so sprechend, dass sein heißer Atem sanft über seine Haut glitt. Er biss sich hart auf die Unterlippe und schloss die Augen, da der Anblick des Slytherin ihn in diesem Augenblick viel schneller zum Höhepunkt katapultieren würde als es ihm jetzt lieb wäre.

Seidiges Haar kitzelte wie zufällig seine ohnehin überempfindliche Haut und geschickte Hände fuhren aufreizend langsam an seinen Rippen entlang, unsichtbare Muster auf ihn malend, während sich der Blonde selbst allmählich wieder aufwärts bewegte und dabei mit der Zunge eine feuchte Spur auf seinem Oberkörper hinterließ. Er konnte vor Verlangen kaum atmen und griff blind nach Dracos Nacken, die Lippen des Anderen gegen seine pressend um diesen zu zeigen, wie aufgewühlt er von dessen Handlungen schon war. Mit seinen Beinen umschlang er die Taille des Blonden und zog ihn näher, sodass ihre Haut glühend heiß aufeinander traf und beiden ein leises Seufzen entglitt.

„Ich will dich", sagte er leise und biss sanft in das Ohrläppchen des Slytherin, „jetzt."

Draco stockte kurz und warf ihm einen fragenden Blick zu. „Bist du sicher? Ich meine, wir..."

„Ja", unterbrach er ihn und sah ihm fest in die Augen, „ich bin sogar verflucht sicher."

Ein kleines, durch und durch anbetungswürdiges Lächeln schoss über Dracos Gesicht, das allerdings alsbald von Lust abgelöst wurde, als Harrys Hand ihren Weg nach unten fand und sich sanft auf sein Glied legte. „Tu es."

XXX

Es war unbeschreiblich.

Er hätte nie erwartet, dass es so... so intensiv sein könnte. Es war ja nun weiß Gott nicht das erste Mal für ihn, er war schließlich ein Slytherin, noch dazu ein Malfoy und sah auch noch gut aus. Es war nicht mal das zweite Mal. Um ehrlich zu sein, hätte er vermutlich eine recht lange Strichliste gebraucht um nachzurechnen, das wievielte Mal er gerade Sex hatte, aber nichtsdestotrotz war es vollkommen anders.

Neu. Unbekannt.

Besser.

Jede winzige Bewegung Harrys, jedes Geräusch, jeder Gesichtsausdruck schien sich in sein Hirn zu brennen und ihn schier um den Verstand zu bringen. Er – Draco Malfoy – hatte den Gryffindor sogar anfangs darum bitten müssen, sich nicht zu bewegen, damit nicht schon alles vorbei war bevor es überhaupt angefangen hatte.

Es war einfach zuviel, zu gut, zu elektrisierend, zu... perfekt.

Ihr Rhythmus war vollkommen im Einklang, jede ihrer Bewegungen ergänzte sich optimal, sogar ihr Herz schlug im gleichen, schnellen Takt. Muggel hätten wohl behauptet, es war Magie, was sich da so frei zwischen ihnen abspielte.

Er war im Bett noch nie sonderlich laut gewesen. Wenn, dann waren es meist seine jeweiligen Partner, die erschlagen vor Lust aufquiekten oder sonstige Töne von sich gaben, was er allerdings eher peinlich als erregend fand. Nun aber, mit Harry, musste er an sich halten um nicht wie ein Geisteskranker das ganze Haus zusammen zu schreien. Stattdessen verbiss er sich in der Schulter des Gryffindors, schmeckte dessen salzigen Schweiß und war nur noch mehr berauscht. Als er kam, konnte er es schließlich nicht verhindern, und ein heiseres, erschöpftes „Oh Harry..." verließ grollend seine Kehle.

Und dann, leise, kaum hörbar, die Antwort des Dunkelhaarigen: „Draco..."

Wäre er nicht schon gekommen, so wäre es spätestens in diesem Moment passiert. Und genau in diesem Augenblick bemerkte er, wie sehr er noch Severus gegenüber untertrieben hatte, als er von seinen Gefühlen für den Gryffindor gesprochen hatte.

XXX

Es war das erste Mal, dass er mit jemand männlichem Sex hatte. Er hatte mit Ginny geschlafen, in den letzten Weihnachtsferien – und wenn Ron davon wüsste, hätte ihm der Rothaarige vermutlich ein paar Zähne ausgeschlagen – aber das war nicht zu vergleichen mit dem, was er in den letzten Sekunden empfunden hatte.

Sein ganzer Körper schien zu brennen, und an den Stellen, an denen ihn Draco berührte, war die Hitze am überwältigendsten. Er konnte kaum Atmen wegen der immer wiederkehrenden Wellen der Lust die über ihm einschlugen, und die der Slytherin fast unbewusst mit den kleinsten Gesten auslöste.

Natürlich war ihm bewusst, dass der Blonde sich nicht so auf völligem Neuland bewegte wie er selbst. Schließlich kannte er dessen Ruf, und wenn auch nur die Hälfte von dem stimmte, was er gehört hatte, dann besaß Draco trotzdem immer noch deutlich mehr Erfahrung als sein gesamter Schlafsaal zusammen. Zu behaupten, dass es ihn nicht stören würde, dass sich schon Dutzende Andere in der gleichen Lage wie er gerade befunden hatten, wäre zwar eine glatte Lüge – aber ein kleiner, nicht zu leugnender Teil genoss es auch, von dem mit der Erfahrung erlangten Wissen profitieren zu können. Draco schien genau zu wissen, wie er ihn berühren musste, damit er ihn völlig um den Verstand brachte – aber was noch weitaus erregender und schöner war, war die Tatsache, dass er bei dem Blonden anscheinend ähnliche Gefühle auslöste.

Dass nicht nur er um Beherrschung kämpfen musste, sondern auch der als so kühl geltende Slytherin, der sogar leise, fast nicht zu hören, seinen Namen hauchte, als er kam. Es war ein kleines, nichtsdestotrotz unerwartet schönes Geschenk, und er erkannte in diesem Moment, wie stark seine Gefühle inzwischen geworden waren.

XXX

Er seufzte und schloss leise die Tür wieder hinter sich.

Draco war nicht in seinem Zimmer, und es war nicht sonderlich schwer zu erraten, wo er sich dann wohl gerade befand.

Nicht, dass es ihn wunderte, dass sein Patensohn schließlich auch diesen letzten Schritt in seiner aufkeimenden Beziehung zu Potter gegangen war. Aber trotzdem er es dumpf befürchtet und wohl auch erwartet hatte, war dieser deutliche Beweis für die Intensität des Verhältnisses zwischen seinen beiden Hausgästen doch reichlich schockierend.

Ausgerechnet Potter.

Wo waren die Zeiten hin, als er Draco noch hatte ermahnen müssen, damit er nicht dauernd irgendwelche Bettgeschichten in sein Haus schleppte, wie es in den vergangenen Ferien der Fall gewesen war, als Lucius in Azkaban saß? Wie es schien, hatte der Blonde nur noch Augen für Potter.

Allerdings sieht er aber auch nicht viel anderes.

Sein Gesicht hellte sich unmerklich auf und sein Schritt war um einiges leichter, als er daraufhin in sein Arbeitszimmer zurückging und einen Brief verfasste.

XXX

„Draco!"

Der Blonde drehte sich überrascht um und blinzelte verblüfft. „Damien?"

Sein Gegenüber grinste breit und seine blauen Augen funkelten im diffusen Licht der Fackeln unergründlich auf. „Natürlich ich! Und jetzt steh nicht so da, das ist doch keine Art, einen alten Freund zu begrüßen!"

Und mit diesen Worten überwand er die kurze Distanz zwischen ihnen und zog den überrumpelten Slytherin in eine enge Umarmung.

XXX

Harry taumelte wie geschlagen von der Tür weg und starrte perplex auf den Fremden, der Draco in einer eindeutig mehr als platonischen Art begrüßte. Wie von selbst drehte er der Szene seinen Rücken zu und floh.

XXX

„Aber... wieso bist du hier?"

Der Blonde schien nicht unbedingt glücklich, ihn zu sehen. Wo war das Feuer geblieben, das eigentlich seit jeher Dracos Augen erfüllt hatte, sobald er ihn sah?

„Snape hat mir eine Eule geschickt, dass du in der Nähe bist. Und darum dachte ich mir, ich komme mal vorbei! Du hättest auch ruhig selbst mal schreiben können!"

Dracos Miene blieb unbewegt und der kleine Vorwurf schien an ihm abzuprallen. „Snape also", stellte er kühl fest, „ich hätte es mir denken müssen."

Damien runzelte leicht die Stirn und trat einen Schritt von dem Slytherin weg. „Ist das etwa schlimm?! Früher hättest du dich gefreut, mich zu sehen." Er lupfte leicht eine Augenbraue. „Habe ich meinen Charme verloren?" Er lächelte und legte den Kopf leicht schief, eine Pose, von der er nur zu gut wusste wie sie auf sein Umfeld wirkte. Draco jedoch reagierte kaum und tat ihm nicht den Gefallen, ihn wieder näher zu ziehen, so wie er es früher immer getan hatte.

„Natürlich nicht, und das weißt du auch", erwiderte er ruhig, „allerdings hat sich einiges geändert in letzter Zeit..." Er stockte und sah an Damien vorbei zur Wand.

Dieser fühlte allmählich, wie sich leichter Ärger in seinem Bauch zusammen sammelte. Er hatte etwas anderes erwartet, als er gekommen war. Er hatte einen Draco erwartet, der ihn mit einem Lächeln empfing, der ihn alsbald seiner Kleidung entledigte und ihn wieder daran erinnerte, wieso er, der eigentlich niemals zweimal den gleichen Partner hatte, immer wieder zu Draco Malfoy zurückkehrte. Was jetzt jedoch vor ihm stand war ein unnahbarer und dadurch auf frustrierende Art nur noch anziehender wirkender Eisklotz, der ihn mit jeder Geste auf Abstand zu halten schien.

„Geändert?" echote er und drehte Dracos Gesicht wieder so zu sich, dass er ihm in die Augen sehen musste, „was soll das heißen? Bist du in ein Kloster eingetreten und hast ein Keuschheitsgelübde abgelegt?"

Der Andere grinste kurz. „Wohl kaum", antwortete er, „es ist nur, dass..." Wieder brachte er den Satz nicht zu Ende und in dem Silber seiner Iris tauchte für einen winzigen Augenblick etwas auf, das Damien niemals dort zu finden gedacht hätte: süße Unsicherheit.

„Bei Mordred, Draco", sagte er leise und schüttelte den Kopf, „du bist doch nicht etwa in einer Beziehung? Und dann auch noch in einer monogamen?!"

Die Wangen des Slytherin färbten sich leicht rot, und Damien lachte amüsiert auf. „Du und monogam?! Ich bitte dich! Wir wissen doch beide, dass das nichts wird. Mit wem bist du überhaupt so plötzlich liiert?!"

XXX

Liiert. In einer Beziehung. In einer monogamen Beziehung.

Alles Stichworte, die vor wenigen Tagen wohl niemand mit ihm in einem Satz erwähnt hätte, und er selbst am allerwenigsten. Von daher hätte er wohl darauf vorbereitet sein müssen, dass Damien etwas überrascht war.

Im Stillen verfluchte er seinen Paten mit Inbrunst dafür, dass er ihn in diese prekäre Lage gebracht hatte und sich plötzlich Fragen gegenüber gestellt sah, die er frühestens wieder in Hogwarts erwartet hatte. Aber vermutlich war genau das der Plan des Älteren gewesen.

Severus Snape war einfach viel zu sehr Slytherin, ale es für irgendjemanden gesund sein konnte.

„Das ist kompliziert", würgte er schließlich hervor, woraufhin Damien nur noch breiter lächelte und dabei eine Reihe blendend weißer Zähne entblößte.

„Natürlich ist es kompliziert, schließlich bist du ein Teil davon!" erwiderte er ironisch. „Draco Malfoy, nicht interessiert an bedeutungslosem Sex... Ich würde dein Gegenstück ja nur zu gerne mal kennenlernen – passiert schließlich nicht alle Tage, das jemand es schafft, einer Giftschlange die Zähne zu ziehen!"

Draco biss die Zähne zusammen und zwang sich zur Ruhe. Damien wollte ihn nur provozieren, das war ihm natürlich bewusst, was jedoch nichts daran änderte, dass jedes seiner wohlgesetzten Worte genau ins Schwarze traf. Durmstrang muss ein wahrer Hort der Freundlichkeit sein, wenn Damien dort zum Hufflepuff-Äquivalent gehört.

„Du willst doch nur den Lauf der Geschichte umkehren und mir meinen Freund ausspannen, sowie ich es letztes Jahr mit deinem getan habe." Er gönnte sich ein kleines, selbstzufriedenes Lächeln. „Aber das würde ohnehin nicht geschehen, wir beide wissen ja schließlich, wer von uns beiden mehr auf unsere Bewunderer wirkt."

Damien zog unbeeindruckt eine Augenbraue hoch und nickte anerkennend. „Gift ist anscheinend noch in genügend großem Maße vorhanden", meinte er dann, „dann bist du wohl doch nur gezähmt worden von einem besonders geschickten Schlangenbeschwörer." Ein vieldeutiges Funkeln trat in seine Augen. „Kann er gut Flöte spielen, Draco?"

„Besser als du", gab der Blonde ungerührt zurück, auch wenn er innerlich kochte. Er dankte Merlin still dafür, dass Harry nicht in der Nähe war.

„Oh, das kannst du gar nicht wissen", erwiderte der Durmstrang-Schüler mit einem teuflischen Grinsen, „ich hatte ein volles Jahr, um zu üben."

Draco lachte überrascht auf.

XXX

Dieses Lachen.

Ob der Blonde wohl auch nur den Hauch einer Ahnung hatte, wie unglaublich erotisch dieses Lachen war? Es zeigte ein Stück des echten Draco, des Menschen hinter der Fassade aus kühler Arroganz und wohlplatziertem Sarkasmus, und Damien fragte sich unwillkürlich, ob der ominöse Partner des Slytherin wohl von dieser gut verborgenen Seite des Anderen wusste.

„Du erinnerst mich an einen Freund", meinte Draco dann, nachdem er sich wieder gefangen hatte, und die Gesichtszüge des Dunkelhaarigen entglitten ihm kurz. Ein Freund – das war ganz eindeutig der falsche Ansatz.

„Blaise Zabini, vielleicht kennst du ihn?"

Seine Miene hellte sich wieder etwas auf, und er nickte. Ja, und ob er Zabini kannte – der gutaussehende Italiener hatte schon des öfteren seine Phantasien besucht, wenn er auch das Original bisher nicht gehabt hatte. Bisher war der Schwarzhaarige einfach nicht auf seine Avancen eingegangen, und allmählich erkannte er auch, warum – wenn Draco im Spiel war, hatte er meist keine Chance mehr.

Wie der Blonde schon völlig richtig bemerkt hatte, war die Austrahlung des Slytherin viel zu anziehend, als dass man sich derer lange entziehen konnte, und war alsbald hoffnungslos verloren. Genau deswegen hatte er schließlich letztes Jahr seinen Freund an den Anderen verloren, und genau deswegen war sicherlich auch Blaise Zabini nicht zu bewegen gewesen, sich etwas intimer kennen zu lernen – wo es Draco gab, konnte es niemand Anderes mehr geben, was wohl auch der Grund dafür war, dass er jetzt hier stand und sich eine Abfuhr einfing.

Sowas passierte einem Damien Snape eigentlich nicht.

„Zwischen uns ist schon ewig dieses Knistern, dieser Hinweis darauf, dass es vielleicht mehr sein könnte als Freundschaft. Aber du kennst mich." Der Blonde zuckte mit den Schultern. „Ich bin... war nicht der Typ dafür, und ich wollte nichts riskieren, was unsere Freundschaft gefährden würde. Bei dir ist es ähnlich. Ich kann also nicht."

Er sagte nicht, dass es ihm leid tue. Vermutlich tat es das jedoch, und Damien war dankbar, dass Draco diese entwürdigenden Worte nicht aussprach.

Er lächelte gequält und hauchte einen kurzen, letzten Kuss auf die einladenden Lippen des Anderen. „Hoffentlich ist er es wert."

Das Silber in Dracos Augen begann zu leuchten. „Das ist er."

Er drehte sich um und ging, auf seinem Weg zur Tür leicht den Kopf schüttelnd. Draco Malfoy hatte sich gerade die Chance auf bedeutungslosen, nichtsdestotrotz äußerst heißen Sex entgehen lassen, und er hatte ihn abgewiesen. Auf eine viel nettere Art, als er es für möglich gehalten hätte.

Die Zeiten hatten sich ganz eindeutig geändert.

XXX

Er hätte es wissen müssen.

Draco Malfoy blieb Draco Malfoy, auch nachdem er mit Harry Potter geschlafen hatte. Es hatte sich nichts geändert, außer vielleicht der lächerlichen Tatsache, dass er wirklich geglaubt hatte, der Andere könnte das Gleiche für ihn empfinden was er fühlte.

Ein tiefer Seufzer entfuhr ihm und er ließ müde seinen Kopf sinken. Was hatte er bloß an sich, dass alle seine Beziehungen immer auf die eine oder andere Weise im Desaster enden mussten? Erst dieses ganze Debakel mit Cho, die in ihm wohl auch nie mehr gesehen hatte als den Menschen, der ihren geliebten Freund in seinen letzten Sekunden beigestanden hatte... Dann Ginny, was natürlich schon von vornerein zum Scheitern verurteilt gewesen war – schließlich wurde jeder ihrer Schritte mit Argusaugen von Ron überwacht, und außerdem hatte sie wohl gehofft, dass er der Held ihrer Kindheitsträume war – und obwohl sicherlich ein gewisser Heldenkomplex in ihm begraben lag, so wollte er doch nicht nur als der Retter der Welt angesehen und angehimmelt werden.

Und jetzt das – Draco Malfoy. Wie hatte das überhaupt passieren können? Wie hatte er jemals glauben können, dass das zwischen ihnen Bestand haben könnte? Es ging hier nun mal um Malfoy, den vielgepriesenen Eisprinzen Slytherins. Mit dem Namen Malfoy verband man Macht, Reichtum und Verschlagenheit. Wohingegen bei dem Namen Potter wohl kaum ähnliche Gedanken aufkamen. Wie hatte er nur zulassen können, dass sich diese beiden Welten vermischten? Snape hatte vermutlich Recht, und sie sollten es einfach auf dem beruhen lassen, was es jetzt war, und es als kleinen Ferienflirt ansehen. Dann könnte auch sein Gewissen endlich aufhören, sich zu regen, da er den Blonden schließlich nicht mehr in Gefahr bringen würde. Sie könnten sich in der Schule wieder anfeinden, und keiner würde von diesen bedeutungsschweren letzten Wochen erfahren.

Abgesehen von der Tatsache, dass sich allein bei diesen Gedanken sein Herz schmerzhaft zusammenzog, war die Idee wirklich gut.

„Potter!"

Sein Puls setzte einen Schlag lang aus und er drehte sich langsam um. In der Tür stand Draco Malfoy, ein schwer zu definierender Ausdruck auf seinem Gesicht. Aus irgendeinem Grund empörte ihn diese so beherrschte Maske heute, und er stand ruckartig auf.

„Was, Malfoy?" fragte er schneidend zurück und sah befriedigt, wie der Slytherin bei der Anrede verwirrt blinzelte. Seit längerem hatte er ihn nicht mehr mit seinem Nachnamen angeredet, und diesen boshaft-verachtenden Ton hatte er noch viel länger nicht gebraucht. Draco dagegen redete ihn nur zu gerne bei seinem Nachnamen an, auch wenn aus dem einstmals dahingespuckten 'Potter' inzwischen dank seines seidenweichen Tonfalls fast eine Liebkosung geworden war. Trotz allem war und blieb es sein Nachname, verflucht – und was erdreistete er es sich überhaupt, ihn noch in dieser Art anzusprechen, nachdem er sich gerade noch mit einem Anderen verlustiert hatte?!

„Ich... habe dich gesucht", sagte Draco langsam, „du bist heute nicht gekommen."

„Oh doch, ich war da", erwiderte Harry giftig und verschränkte die Arme, „allerdings warst du beschäftigt."

Zu seiner Überraschung huschte bei diesen Worten fast so etwas wie Erleichterung über das Gesicht des Slytherin und ein kleines Lächeln machte sich auf seinen Lippen breit, was Harry in diesem Moment nur noch mehr erboste. Er weiß genau, was dieses Lächeln mit mir macht, der Bastard.

„Du hast Damien also gesehen", stellte er schlicht fest, und Harry gab ein wütendes Schnauben von sich. Damien also.

„Ja, habe ich", antwortete er kühl und sah einen Moment lang zu Boden. „Wieso... wieso nennst du ihn Damien und mich Potter?" fragte er dann nach kurzem Überlegen und hob den Blick, um die einmalige Gelegenheit zu bekommen, einen komplett überrumpelten Malfoy vor sich zu sehen.

„Er... du... eh...", machte er hilflos, ehe er die Augen schloss und sich ein paar Sekunden lang zu sammeln schien. „Ich kann dich nicht einfach plötzlich 'Harry' nennen. So nennen dich Weasley und Granger. Ich bin nicht wie sie und ich werde es auch nie sein. Und er... ist wie Blaise. Ein alter Freund."

Ein alter Freund. Wie Blaise.

Er war kein Freund von Konkurrenz, was Liebesdinge anging. Er hielt sich dann immer zurück und ließ die Anderen machen – so war es bei Cho und Cedric gewesen und bei Ginny und Dean genauso. Aber der Gedanke, Draco an Blaise oder diesen ominösen Damien zu verlieren, ließ sein Blut kochen und ungeahnte Eifersucht in ihm aufwallen. „Ein alter Freund also", wiederholte er mit verengten Augen, „ich umarme Ron nicht so."

Draco grinste leicht. „Bist du etwa eifersüchtig? Auf Damien?"

Er biss sich hart auf die Lippen. „Habe ich Grund dazu?" Darf ich es überhaupt sein?

„Vielleicht", erwiderte der Blonde ruhig und zuckte mit den Schultern und fragte dann plötzlich reichlich zusammenhangslos: „Hast du einen zweiten Vornamen?"

Harry war zu perplex um nicht darauf zu antworten. „James, nach meinem Vater."

Der Slytherin grinste ein ihm nur zu gut bekanntes Grinsen von lang gehasster Arroganz. „Alte Zauberertradition, den Erstgeborenen nach seinem Vater zu benennen. Mein zweiter Vorname ist auch Lucius." Er rümpfte leicht seine Nase und Harry erkannte schockiert, dass dies das erste Mal war, dass er etwas Negatives gegen seinen Vater auch nur andeutete.

„Es ist sehr slytherin von dir, Besitzansprüche zu stellen, Jay", sagte er dann und kam ein paar Schritte näher, bis schließlich nur noch eine dünne Wand Luft zwischen ihnen war.

„Jay?" echote Harry schwach und kämpfte gegen die Versuchung an, die der Blonde immernoch für ihn darstellte sobald er so nahe war wie jetzt.

„Jay", bekräftigte er mit einem Nicken, „und nur ich nenne dich so."

Harry schloss genießerisch die Augen als sich sanfte Lippen auf seinen Hals legten, und ein leichtes Lächeln legte sich auf seine Lippen.

Es ist sehr slytherin von dir, Besitzansprüche zu stellen.

Nur ich nenne dich so.

Sein Gewissen würde wohl noch etwas leiden müssen.

XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX

Vielleicht erinnern sich die Leser von 'Thestrals' noch daran, dass Draco im Schlaf nach "Jay" gerufen hat ---- es dürfte jetzt wohl klar sein, wieso das passiert ist!!

Dank gilt meinen lieben Reviewern, vor allem Ilina und l-Lyla-l, die mir sehr liebe aufbauene Reviews geschrieben haben... Ihr seid super, danke! Auch allen anderen Reviewern natürlich ein ganz großes Dankeschön - dass die FF noch fortgesetzt wird ist nur euretwegen!

Kurz noch eine kleine Info: Neuigkeiten über Schreibfortschritte kann man ab jetzt hier finden:

http// heldin-delta . livejournal . com

Ohne die Leerzeichen, versteht sich!