Fluff, fluff vom Feinsten Leute! Genießt dieses kleine zuckersüße Mini-Chapter!
Eine Woche war vergangen, seitdem Akari in Hiratos Penthouse gezogen war, und mittlerweile, waren beide in ein routinemäßiges Muster gefallen, das aus höflichem Respekt, zurückhaltender Distanz und verstohlenen Blicken bestand. Selbst wenn Akari es nur sehr ungern zugegeben hätte, eine verpestete Atmosphäre hatte sich in der Wohnung ausgebreitet, die oftmals seine Träume unterbrechen würde mit Gedanken der ruhelosesten Art. Er war sich sicher, dass Hirato das ebenfalls wahrnehmen konnte; es war schließlich schwer zu übersehen, wie diese faszinierenden Indigo-Augen zu lang auf ihm verweilten während dem Abendessen oder zu weit weg wanderten, wenn sie eigentlich auf den Fernsehbildschirm fixiert sein sollten.
Es nervte ihn, zu wissen, dass er bei jeder noch so kleinen Gelegenheit mit den Augen entkleidet wurde.
Zugleich war es aufregend, aber er hätte lieber eine weitere Kugel eingesteckt, bevor er das offen gezeigt hätte.
Stattdessen, fühlte er sich wie eine tickende Zeitbombe, (*1), jederzeit bereit bei der kleinsten Provokation zu explodieren. Vielleicht war das auch der Grund, warum das unermüdliche Sticheln seines Mitbewohners in letzter Zeit nachgelassen hatte. Tatsächlich, mal abgesehen von seinem schamlosen Liebäugeln, hatte Hirato seit 5 Tagen keine Annäherungsversuche bei Akari mehr gemacht– nicht mehr seitdem er Akari in sein Bett eingeladen hatte. (Dass er die Tage mitzählte, beunruhigte den Anwalt aus Gründen, die besser nicht hinterfragt werden sollten).
So war es außerordentlich überraschend, um 3 Uhr nachts aufzuwachen und den anderen Mann auf seinem Bett sitzend vorzufinden, drohend über ihm lauernd, die Augen glasig vor Aufregung und die Lippen zu einem zuckersüßen, heimtückischen Lächeln verzogen.
„Guten Morgen, Schlafende Schönheit", zwitscherte er. Er sah extrem selbstzufrieden aus, das heißt, bis er ein Kissen ins Gesicht gedrückt bekam.
„Geh weg! Ich versuche zu schlafen", schnaubte Akari und vergrub sich in der Bettdecke.
„Schlaf später, komm mit mir", sagte der Brünette schlicht. Sein lebhafter Bariton hatte eine unwiderstehliche Art von Autorität an sich. Sie forderte Folgebereitschaft. Und da er dazu konditioniert war, willigte er ohne großen Widerstand ein. „Zieh dir vorher etwas an."
Als er einen dicken Wollpullover über den Kopf zog, bemerkte er es – das Starren des anderen Mannes, war auf die Verletzung, die seine Brust überzog fixiert. Hiratos Mundwinkel gingen augenblicklich nach unten, während sie noch Sekunden zuvor zu einem spitzbübischen Lächeln geschwungen waren. Behandschuhte Finger reichten hinaus, bevor der Strafverteidiger seinen Fehler bemerkte und zurückwich. Er schaute weg, erahnte intuitiv, dass er eine namenlose Grenze überschritten hatte. „Sorry."
Akari widerstand dem Drang seine Hand zu nehmen. Stattdessen, bot er ihm das kleine Bisschen Trost an, dass er entbehren konnte. „ich denke nicht, dass es deine Schuld ist. Das weißt du, oder?"
Ein ungewöhnliche Traurigkeit manifestierte sich anschließend in der Stimme des Anderen und der Strafverfolger überlegte angestrengt, wann sein einstiger Geliebter das letzte Mal so bekümmert geklungen hatte. „Azana wurde wegen mir freigesprochen", flüsterte Hirato ernst. „Versuch die Schuld abzumildern, wenn du willst, aber ich werde mir das selbst nie verzeihen."
Akari zuckte fast zusammen bei dieser Offenbarung. Es war ungewöhnlich für seinen Partner einen Anflug von Aufrichtigkeit offen zu zeigen, aber so erstaunlich geradeheraus hatte er ihn noch nie erlebt. Selbst als sie zusammen waren, hatte Hirato seine Emotionen stets bei sich behalten. Da er keine Ahnung hatte, wie er darauf reagieren sollte, sprach der Staatsanwalt schlicht die ersten Worte, die ihm einfielen. „Wir wären immer noch Feinde, wenn das nicht passiert wäre."
Sie hielten kurz den Atem an, als amethystfarbene Augen auf Kirschrote im Mondschein trafen.
Überraschenderweise war es der Strafverteidiger, der die unangenehme Stille zwischen den Beiden brach. „Zieh deinen Mantel an, es gibt da etwas, was ich dir zeigen will."
Trotz des kleinen Vermögens, das Hirato für die trendigste Residenz in ganz Chicago bezahlt hatte, ging der Aufzug nicht bis ganz nach oben. Acht Treppenflüchte lagen zwischen Akari und dem Dach und er war sich unsicher, ob er sie hinaufsteigen konnte oder vielmehr war er sich seiner Unfähigkeit sicher, es zu schaffen. Er warf seinem Begleiter einen seitlichen Blick zu in der Hoffnung, dass es sich dieser hinterhältige Teufel vielleicht anders überlegen würde. Es war vergeblich; Hirato nahm seine Hand und zog ihn gnadenlos mit sich. „Komm, es wird sich lohnen, ich verspreche es."
Akari nickte mutig und marschierte aufwärts, erstaunt über die Wirksamkeit seiner Physiotherapie. Drei Dutzend Treppenstufen weiter, revidierte er sein Behauptung. Völlig außer Atem, verschwitzt und einfach nur müde, blieb er stehen, um unregelmäßige, ausgezerrte Atemstöße von sich zu geben.
„Verdammt", fluchte Hirato bevor er sich umdrehte. „Ich hab vergessen, dass du ja nicht mehr meilenweit durch den Jackson Park joggst."
Der Strafverfolger lachte zwischen scharfen Atemzügen. „Ich würde diese Treppen trotzdem nicht schaffen."
„Lasst uns gehen", schlug der Brünette vor. „Es tut mir leid, ich habe nicht begriffen, wie anstrengend das für dich sein würde."
Wie sehr er sich danach sehnte, zurück zu gehen, ins Bett zu fallen und sich auszuruhen. Aber die Enttäuschung in Hiratos Gesichtsausdruck verursachte ein leichtes Ziehen in seiner Brust, das nichts mit Überanstrengung zu tun hatte. „Ich bin in Ordnung, wenn wir langsam gehen."
Beißende, orkanartige Windböen fegten über sie hinweg, als sie endlich auf das Dach stiegen. Akari zitterte und zog den Mantel enger um sich zusammen und war nun dankbar, etwas Körperwärme auf den Weg hierher erarbeitet zu haben. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Widerrechtliches Betreten ist", rief er während er seinem Ex zum eingezäunten Bereich folgte.
„Ist es. Ich habe das Schloss vorher geknackt", erklärte Hirato, vollkommen achtlos gegenüber der Konsequenzen seiner Handlungen. „Ich wollte heute hier oben sein."
„Wofür?"
„Warte ein wenig." Und da war es – das leicht arglistige, mysteriöse Schmunzeln, das so unglaublich anziehend war, dass Akari einst alle Vorbehalte in den Wind geschossen hatte und sich über den Tisch in der Bibliothek gebeugt hatte, um es zu kosten. Natürlich gab es danach eine ordentliche Runde Ärger von einem entsetzten Bibliothekar… und die beiden wurden kurzerhand hinausgeleitet, da sie die Konzentration der Studenten gestört hatten…und dann war da auch noch die Geldstrafe, aber es war es wert gewesen, auch wenn es nur zugunsten eines so unvergesslichen ersten Kuss gewesen war. Hirato war es wert gewesen – jede Zerrüttung in seinem perfekt geordneten Leben, jede geschwänzte Klausureneinsicht, jede simulierte Gerichtssitzung im erschöpften Zustand, jeder betrunkene Stolperer nach Hause, jedes Hand-in-Hand Herumgelatsche, frierend durch den tiefen Schnee, jede unbequeme heiße Liebesnacht in einer beengten Apartmentwohnung im Sommer. Jede Berührung, jeder Geschmack, alles. Er war selbst den Herzschmerz wert.
Ein Paar rubinroter Augen streiften über die surrealistisch stille Stadt Hunderte Meter unter ihnen, während Akaris Gedanken um bittersüße alte Erinnerungen und beängstigende neue Sehnsüchte kreisten.
Mehrere Minuten vergingen unzensiert. Und dann spürte er es. Zuerst kaum wahrnehmbar, das flüchtige, eisige Stechen einer einzelnen Schneeflocke, die auf seiner Wange landete. Noch eine. Erst in Paaren, dann drei auf einmal. Schließlich fing es richtig an zu schneien, der Schnee klebte in seinem silbrigem Haar und dem wolligem Stoff seines Mantels. Er streckte eine Hand aus und beobachtete, wie die winzigen, weißen Edelsteine auf seiner blassen Haut schmolzen, fasziniert, wie er es schon immer gewesen war.
„Es ist nicht der erste Schnee", sagte Hirato. „Ich erinnere mich, dass du es magst draußen zu sein dafür. Du warst im Krankenhaus zu dem Zeitpunkt, also wird dieses kleine Dach-Abenteuer ausreichen müssen."
„Ich erinnere mich deutlich, dass du mich immer nach draußen gezerrt hast für den ersten Schnee im Jahr.", entgegnete der Blonde. „Du hast behauptet, dass du es süß fändest, dass ich den Schnee mag."
„Einige Dinge ändern sich nie", scherzte der Strafverteidiger.
Nein, tun sie nicht, gestand sich Akari ein, schloss die Augen und unterdrückte den verzweifelten Drang, Hiratos Wert einmal mehr zu testen. Nein, das tun sie wirklich nicht.
„Wir sollten nicht zu lange hier draußen bleiben, Herr Berater. Iva bringt mich um, wenn du dir auch nur eine Erkältung einfängst."
„Das ist kein besonders großer Anreiz für mich wieder reinzugehen, nicht?" konterte der Staatsanwalt neckisch.
„Weißt du, ich erzähl den Leuten immer, dass du ein gemeiner, rachsüchtiger Narr seist, aber keiner glaubt mir."
„Ich habe ein Talent für Duplizität entwickelt."
„Eindeutig." Beide lachten.
Als Hirato auf seinem Weg hinein an ihm vorbeistreifte, schlang Akari eine stoppende Hand um seinen Arm. Der Strafverteidiger erstarrte kurzzeitig, aber sagte nichts weiter. „Ich bin seit Ewigkeiten nicht mehr wegen dem Schnee nach draußen gegangen, Hirato. Danke für heute Nacht."
Akari wartete. Aber zu seiner Ernüchterung, war ein anerkennendes Nicken, alles was er als Antwort erhielt. Und manche Dinge ändern sich doch.
Später würde er sich fragen, was genau er in dieser Nacht von Hirato erwarte hatte.
Anmerkung:
*1: Das engl. Original verwendet eigentlich: wie eine gespannte Spiralfeder, die jederzeit ausschlagen/ausschnappen könnte. Im Deutschen klingt das etwas seltsam, deshalb habe ich die gebräuchlichere Redewendung mit der „tickenden Zeitbombe" gewählt.
